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Volume Nr. 7, 14. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Wfftcidlt AusfteUuugs-Nachrichten. 
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GAUSS, DAGUERRE, FOX-TALBOT, SCOTT-ARD1ER. 
Tai' nördliche Giebelfenster ziert eine weibliche Figur, die Photo 
graphie darstellend, auch die Fenster des Hörsaals erhalten bunte 
Glasmalerei. — Im Gebäude für Unterricht und Wohlfahrt sind 
die Jnnengalerien ziemlich fertiggestellt. — Im Gebäude der Stadt 
Berlin tverdcn Glasmalereien, Schülcrarbeitcn aufgestellt. — Im 
nassen Dreieck des romantischen Zillcrthals schießen die Neubauten 
geradezu über likacht aus dem Baden hervor, natürlich zumeist 
Gambrinus- vder Bacchustempel, einer anziehender immer als der 
andere. Gin zum Besuch weilender Bayer war darüber sehr 
glücklich und war kaum wegzubringen. Gr hatte sich ganz durstig 
gesehen und suchte in beschleunigtem Marschtcnrpo die Cantine zu 
gewinnen. — Zu beiden Seiten der großen ostafrikanischcn Tcmbe 
Cikumi ijua Sicki am Karpfenteich entstehen neue, fremdartige 
Bauten. Aus der großen Bühne des Theaters Alt-Berlin sind 
Dekorationsmaler in voller Thätigkeit, ein Theil der Goulisscu, 
Bersatzstückc re. ist bereits fertiggestellt, an einem Hintergründe 
ivird gearbeitet. - - Unweit der Haltestelle der elektrischen Aus- 
stcllnngsbahn an der Gartenbau-Ausstellung errichtet das Hütten 
werk Neusalz a. O. (Besitzer Banquier Krause), eine solide Halle ans 
Eisen und Glas, in welcher cmaillirte Kunstgegenstündc und Be 
leuchtungs-Artikel ausgestellt werden sollen. 
In der Ausstellung Kairo ist man bei der Aufstellung des 
großen Haupteingangs, einer getreuen Copie des Stadtthores RI Rout 
in Kairo, mit zwei massigen, geborstenen Thürmen. Das Thorgcbäude 
ivird in reicher Farbenpracht prangen. Die Eisengerüste für die 
Pyramiden und die elektrischen Aufzüge sind fertig montirt. Die 
Ausstellung Kairo hat neuerdings einen beträchtlichen Terrain- 
Zuwachs erhalten. Eine» recht freundlichen Eindruck macht der 
ans Backstein und Holzwerk hergestellte RciMstaU unfern des 
Gebäudes der Stadt Berlin. Der obere Theil, in natürlicher 
Holzfarbe gehalten, ist nur gefirnißt und hat dadurch einen ge 
fälligen warmen Ton erhalten, die vorspringenden, ungleich hohen 
Flügel bilden mit dem Hauptbau einen offenen Hof mit Erker 
und Galerie. Mit der Herstellung der Wege ist man wieder ein 
gutes Stück vorwärts 'gekommen, vor dem Gebäude der Stadt 
Berlin wird planirt; der Oberbau der elektrischen Ausstclluugsbahn 
ist fast ans der ganzen Strecke fertig, au der Gartenbau-Aus 
stellung werden neue Wege angelegt. — Die Aufräumungs-Arbeiten 
an der Wolff'schen Beleuchtungs-Station Alt-Berlin werden energisch 
betrieben, um die verlorene Zeit einzuholen; der Sturm, dem am 
vorigen Sonnabend das aus sehr starkem Balkenwerk errichtete 
Gebäude zum Opfer fiel, muß ganz gewaltig getobt haben, denn 
die auf den mächtigen Dampfkessel gefallenen Balken sind geknickt 
wie Streichhölzer. 
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Das Gebiet der Deutschen Cvlvnial-Ausstellung ist 
von jetzt ab gesperrt, und der Zutritt zu den Bauplätzen resp. 
das Passircn des Geländes derselben wird nur den mit einer be 
sonderen Zutrittskarte versehenen Personen gestattet. Diese Zu- 
trittskarten werden von dem Arbeits-Ausschuß der Deutschen 
Colonial-Ausstellung, Schützenstr. 32, verausgabt. 
Di'. A. Die Gruppe XXII. (Gartenbau), hielt am Mitt 
woch Abend in den Räumen des „Clubs der Landwirthe" eine 
zahlreich besuchte Besprechung unter Vorsitz des Hern: Oekvnomie- 
rath Späth ab. — Die Wahl der Preisrichter sollte zunächst 
erfolgen, wurde aber infolge Schwierigkeiten auf den Schluß der 
Sitzung verschoben. Da in sämmtlichen Gruppen auf eine Zahl 
von 35 Ausstellern immer je ein Preisrichter entfällt, so 
würden die 119 Aussteller der Gartenbaugruppc 3 Preisrichter 
<>» wählen haben, eventuell, falls Anmeldungen bis zur Höhe von 
149 Ausstellern noch erfolge» sollten — 4 Preisrichter. Die 
selben sind aus der Zahl der nicht ausstellenden Fachleute zu 
wählen und können nach Bedarf Sachverständige heranziehen. — 
Ferner wurde als wünschenswerth bezeichnet, solche Herren zu 
wählen, welche ihren ständigen Aufenthalt in Berlin haben, da 
vielfach Temporair-Ausstellungen stattfinden werden. 
Hierauf wurden den Versammelten behufs Verfügung über 
"den noch freien Raum die Pläne vorgelegt. — Was die Collectiv- 
ausstellung anbelangt, wurde beschlossen, daß jeder einzelne 
Theilnehmer seine besondere Nummer erhalte und auch jeder 
einzelne prämirt werden könne. Tie Nummern sollen, da bis 
heute die Zahl nicht feststeht, wenige Tage vor der Eröffnung 
der Gewerbe-Ausstellung vom Arbeits-Ausschuß geliefert werden. 
— In der sonstigen Ausstattung dieser Abtheilung ist eine 
Uebereinstimmung nicht nöthig; die Ausstellungsobjecte befinden sich 
meist unter freiem Himmel und in großen Abständen; sowohl die 
Firmenschilder als auch die etwa nöthigen Schränke möge jede Firma 
nach Gutdünken wählen. — Nur sollten Aussteller von außer 
halb, um ihre Zugehörigkeit zu erklären, eine Tafel mit der Auf 
schrift: „Mitglied des Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands" 
anbringen. 
In Bezug auf Ncbcuspcsen ist die Gruppe XXII besonders 
gut daran; eine besondere Beleuchtung ist nicht nöthig; ebenso ist 
dccorative Ausschmückung überflüssig, sowie Fußbodenbelag, da 
der Boden der Gewächshäuser mit Kies bestreut wird; für die 
lebenden Pflanzen entfällt auch die Platzmiethe. — Hingegen 
empfiehlt es sich, die Anpflanzungen gegen Feuerschaden zu 
versichern, da dieselbe» im Falle eines Brandes zertreten werden 
könnten; desgleichen müssen die Firmen, besonders die auswärtige», 
behufs Pflege ihrer Anlagen, Reinigung, Begießen :c. ein Ab 
kommen treffen. — Für die Spedition der Ausstellungsobjectc, 
welche event!, an den Herrn Obcrgärtncr Hampel adressirt werden 
dürften, wird ein bestimmtes, gut informirtes Speditionshaus den 
Ausstellern vorgeschlagen werden. 
Betreffend die Ansstellcrzahl wird von einer Seite hervor 
gehoben, die Mitglieder des Gartenbauvereins seien deshalb so 
spärlich vertreten, weil viele derselben auch als Angehörige des 
Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands ausstellen. Viele 
derselben seien auch durch die verspätete Zulassung abgeschreckt 
worden, in der falschen Meinung, die besten Plätze seien nunmehr 
besetzt; daß dem nicht so sei, könne man aus dem Plan ersehen; 
vielmehr stehen einige der günstigsten Räume noch frei. — Sehr 
bedauerlich sei, daß die Landwirthschaftliche Hochschule nicht aus 
stelle. Aber das Lehrer-Collegium habe sich in dem Sinne ge 
einigt, dieses Institut dürfe nur in hervorragender, würdiger Weise 
vertreten sein oder gar nicht; und da das Ministerium sich zur 
Bewilligung einer erforderlichen Summe nicht entschlossen habe, sei 
von einer Ausstellung Abstand zu nehmen. 
Nach längerer, ziemlich erregter Berathung werden schließlich 
von sieben vorgeschlagenen Herren die folgenden zu Preisrichtern 
erwählt: Herr Obergärtner Kühler von der Tempelhofer Baum 
schule, Herr Rentier Karl Limprecht jun., Herr Fabrikbesitzer 
Lovck. Ferner sind von den zehn Untergruppen: Landschafts- 
gärtnerci, Freilandgärtnerei, Baumschulen, Topfpflanzen, Arran 
gements von abgeschnittenen Blumen :c., je zwei Sachverständige zu 
erwählen und den Preisrichtern zur Gooptation vorzuschlagen. 
Die nächste Sitzung findet Mitte April statt. 
M-y. Am Montag Abend versammelten sich die Aus 
steller der Gruppe XIII (Maschinenbau, Schiffsbau 
und Transportwesen) in den Germaniasälen. Der Vor 
sitzende, Herr Directvr Kohlert, berichtete zunächst, daß Anfang 
April mit dem Einräumen und Aufstellen der Maschinen begonnen 
werden könne. In der Colonial-Ausstellung, wo in Berlin nicht 
ansässige Firmen ausstellen, sind ca. 1190 Quadratmeter von 15 
Ausstellern belegt, 690 Quadratmeter stehen noch zur Verfügung. 
(Die ganze Gruppe zählt gegenwärtig ca. 280 Aussteller mit 
15,000 Quadratmeter Fläche und ist eine der größten in der 
Berliner Gewerbe-Ausstellung.) Eine Anzahl Aussteller, die eigene 
Gebäude errichten, werden auf der Treptower Landstraße Platz 
erhalten. Bei der Wahl der neu» Preisrichter ergab sich fol 
gendes Resultat: für allgemeinen Maschinenbau: Cvurtvis, 
Kaiserlicher Regierungsrath im Patentamt, Professor W. Hart 
mann, Ober-Ingenieur Krüllö von der Anilinfabrik, F. Kühne 
i. F. Rudolph & Kühne; für Eisenbahnbau, Signal-und Weichcn- 
bau: Garbe, Königlicher Eisenbahn-Directvr; für Heizungs-, 
Ventilations-und Wasser-Anlagen: I. Ju n k; für Gas-Anlagen: 
I. Noltc, General-Director der neuen Gas-Gesellschaft; für 
landwirthschaftliche Maschinen: Professor Schotte, stir Wagen 
bau, Draisinen und Wagenzubehör: Neuß. — Die Wahl 
sämmtlicher Herren wurde sehr beifällig aufgenommen, weil sic 
weder selbst Aussteller sind »och geschäftliche Beziehungen zu den
	        
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