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Periodical volume Nr. 67, 23. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
eia gerichtetes Bade- und 'Toilettenzimmer ist besonders be- 
merkenswerth. Praktisch und comfortabel eingerichtet, 
bietet es alle möglichen Bequemlichkeiten, und hervorzuhe 
ben ist eine Vorrichtung zum Erwärmen der Leibwäsche, 
welche die beim Baden leicht eintretenden Erkältungen ver 
hindern soll. An den neuesten Modellen von Closets mit 
sanitairer Wasserspülung, welche eine peinliche Reinhaltung 
des bemalten Porzellanbeckens bewirkt, ist kein Mangel. Die 
Wasserspülung dieser Anlagen wird sogar, um die praktischen 
Seiten zu zeigen, im Betrieb gezeigt. 
Besonderes Interesse nimmt auch ein Modell des 
Schlosses Friedrichshof in Anspruch,, das in verschiedenen 
gefärbten Drähten die Rohre der completen Heizungs-, 
Lüstlings- und Wasserleitungsanlagen zeigt. 
Neben diesen ebenerwähnten Kojen befinden sich Cen- 
tralheizungsanlagen, ausgeführt von den bekannten Fa 
briken Rietschel u. Henneberg, Börner u. Herzberg sowie 
Schaffer u. Walcker, deren Fabrikationserzeugnisse in den 
grösseren staatlichen und cominunalen, sowie Privatgebäuden 
sich allgemein Eingang verschafft haben. Die erstgenannte 
Firma Rietschel u. Henneberg ist mit den mannichfaehsten 
Heiz-Apparaten vertreten, welche sämmtlich auf dem System 
der Warmwasserheizung beruhen. Es kommen hierbei in 
erster Linie die zur Erwärmung des Wassers dienenden 
Kesselanlagen in Betracht. Die meisten dieser Kessel sind 
stehend montirt und haben Coakesschuttfeuerung, d. li. das 
erforderliche Feuerungsmaterial wird gleich in grösseren 
Mengen eingefüllt, so dass ein Nachfüllen nicht oft erforder 
lich wird, wodurch wiederum an Bedienungspersonal ge 
spart wird. Diese für di recte Feuerung eingerichteten Kessel 
werden eingemauert, während andere zur Erwärmung des 
Wassers mittels Hochdrückdampf eine freistehende 
schmiedeeiserne Säule bilden. 
Aus den Kesseln führen Röhren zu den einzelnen eigent 
lichen Heizkörpern, den sogenannten Registern. Es sind dies 
Zusammenstellungen mehrerer senkrecht oder wagerecht an 
gebrachter Röhren, welche eine gemeinsame Zuleitung haben. 
Diese Heizkörper werden, um einen grösseren Heizerfolg zu 
erzielen, noch mit eisernen Rippen versehen, welche durch das 
heisse Wasser beeinflusst, nach allen Seiten Wärme aus 
strahlen. Je nach ihrer Bestimmung für Salon, Comptoir 
oder Arbeitsraum gelangen die Register in mehr oder we 
niger verzierter Form zur Aufstellung. In den Schulen ist 
es gebräuchlich, schmiedeeiserne Doppelrohr-Register mit 
senkrecht stehenden Röhren ohne erhebliche Verzierungen zu 
verwenden. Auch in Form von Säulenöfen werden die Heiz 
körper hergestellt und haben so das Aussehen eiserner Gas 
öfen. Für Fensternischen sind Anordnungen aus schlangen 
förmig gezogenem Eisenrohr, mit oder ohne Heiz-Querrippen, 
bestimmt. Die Heizkörper stehen nacheinander in Verbin 
dung. Das heisse Wasser geht also aus dem Kessel in den 
ersten Heizkörper, von dort in den zweiten und so fort, bis 
es schliesslich aus dem letzten Heizkörper wieder in den 
Kessel zurückkehrt um den Kreislauf von Neuem zu be 
ginnen. 
Auch aus dem Gebiete der Luftheizung bietet sich hier 
Interessantes, und zwar in erster Linie durch einen soge 
nannten Calorifer. Es ist eine in Mauerwerk ausgeführte 
Anlage zum Erwärmen athmosphärischer Luft. Durch 
einen unten belegenen Luftkanal, dessen Einlassöffnung 
durch eine Flügelklappe je nach Bedarf regulirt werden 
kann, tritt die kalte Luit ein. Sie passirt sodann die 
Heizkörper, nämlich die eisernen, mit Querrippen versehenen 
Rohre, welche sich schlangenförmig von oben nach unten 
ziehen und in welchen die aus dem Feuerungsraum kom 
menden Verbrennungsgase von enormer Heizkraft cirkuliren. I 
Beim Passiren dieses Raumes wird die bisher kalte Luft 
erhitzt und gelangt nun in die Heizkammern, von wo aus sie 
in die einzelnen Zimmer durch Kanäle geführt wird, die in 
die Wand eingemauert sind. Bei dem Erwärraungsprocess 
verliert die Luft durch Verdunsten an Wassergehalt; 
um diesen \ erlust zu ersetzen, befinden sich in der Heiz 
kammer V asserzerstäubungseinriehtungen, welche von der 
Wasserleitung aus gespeist werden und die Luft befeuch 
ten. Derartige Anlagen befinden sich ausser in anderen Kö 
niglichen Gebäuden auch in. der. König! Landwirtschaft 
lichen Hochschule, der Bergakademie und dem Neubau des 
Abgeordnetenhauses, über welche, eine ausgestellte Heber 
sichtsheizung Aufschluss giebt 
Die Firma,Börner u. Herzberg ist nur mit Zeichnungen 
vertreten, welche die grössten von ihnen ausgeführten Anla 
gen vor Augen führen. Es sind dies die Kanalisationsanla 
gen in den Bädern Ems und Norderney; die Wasserversor 
gung von Drachenfels, Norderney; die Verlegung derWasser- 
leitungsanlagen in dem Reichstagsgebäude, dem Teltower 
Kreiskrankenhaus zu Britz u. a. m. 
In einem zweistöckigen Aufbau hat die Actiengesell- 
sckaft Schaffer u. Walcker ihre Erzeugnisse zur Schau gestellt. 
Unten links befindet sich eingebaut ein Kessel zur Warm 
wasserheizung, ähnlich den schon vorher bei der Firma 
Rietschel u. Henneberg erwähnten. Die Heizregister hierzu 
befinden sich abgesondert im oberen Theil an der Brüstung 
als Heizkörper für Fensternischen. Rechts neben der Treppe 
finden wir eine Zelle für Brausebad. In einem engen aber 
elegant eingerichteten Vorraum sind Riegel zum Anhängen 
der Kleidungsstücke u. s. w„ dahinter, durch .einen wasser 
dichten Vorhang getrennt, liegt die Brausezelle, welche zürn 
Abfluss des Wassers einen durchlöcherten Metall-Fussboden 
hat. Im oberen Stockwerk sieht man ein vollständig aus 
gerüstetes Badezimmer für herrschaftliche Wohnungen, mit 
Toilette, Wanne lind Ventilationseinrichtung. Ausserdem, 
ist hier oben ein besonders „windiger“ Apparat vorhanden, 
welcher sieh über den Köpfen der Besucher bewegt. Es ist 
eine mittels Elektricität betriebene Ventilationsvorrichtung, 
welche trotz der nur vorhandenen zwei Flügel merklich 
„zieht“, und so seinen Zweck augenscheinlich sehr gut er 
füllt. 
Mit Ausstellungsgegenständen vorgenannter Arten kom 
men sodann hier noch H. Kori, welcher seinen Platz vis-a-vis 
dem der Firma Rietschel u. Henneberg hat und ebenfalls 
Vorzügliches in Dampf- und Luftheizung leistet, sowie 
J. L Bacon, Bernhard Joseph, A. Münch, Julius Schnee 
voigt, Herrmann Thorwest (zwischen dem Platz der Firma 
Rietschel u. Henneberg und Börner ,u. Herzberg) und Trei 
chel u. Galiard in Betracht. J. Gustavus. 
Die Entwicklung des Berliner Wäschegeschäftes. 
[Abdruck untersagt..! 
Weshalb kaufen wir jetzt so vieles fertig, was früher 
im eigenen Haushalt hergestellt wurde ? Die erste Antwort, 
die meist etwas .gedankenlos auf diese Frage gegeben wird, 
pflegt zu lauten: „Weil jetzt Alles so billig ist, viel billiger 
als früher.” Und wenn wir nun weiter fragen, warum ist 
denn jetzt Alles so billig? So wird uns geantwortet: „Weil 
jetzt Alles mit der Maschine gemacht wird!” 
Da steckt natürlich viel Wahres drin, aber eine ausrei 
chende Erklärung giebt die Antwort doch nicht, das fühlt 
ohne weiteres jeder. Wir wollen nun nicht darüber rechten, 
wo dasWahre und wo das Falsche liegt. Wir wollen uns statt 
dessen einmal ein Ge werbe ansehen, indem das Fertigkaufen 
aufkommt, zunächst ohne dass Maschinenarbeit im Spiel ist. 
Ich meine den Handel mit fertiger Wäsche. Er beginnt sehr 
früh, schon am Anfang des Jahrhunderts finden wir in Berlin 
Wäschabandlungen, seit den dreissiger Jahren nehmen sie 
erheblich zu. Da ist von der Anwendung irgend einer M a 
schine noch absolut nicht die Rede, die Nähmaschine wird 
ja erst seit den fünfziger Jahren in Deutschland bekannt, 
und an Zuschneide- und andere heute in der Wäschebranche 
eingebürgerte Maschinen ist lange, lange noch nicht zu den 
ken. Also der Beginn des Wäschebandeis muss durch etwas 
Anderes veranlasst sein ! Wodurch aber? Nun zunächst 
müssen doch Leute dagewesen sein, die fertige Wäsche kau 
fen wollten. Damit sind wir in der That auf die richtige 
Ursache gekommen.
	        
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