Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle AnssteMmgs Nachrichten.
liefern bis 10. April 1896. Der Arbeits-Ausschuß hat für diese
Aufgabe folgende Preise ausgesetzt: einen ersten Preis von
1000 Mk., einen zweiten Preis von 600 Mk., einen dritten
Preis von 400 Mk. Er erwirbt dafür die preisgekrönten Arbeiten
und ihr Vervielfältigungsrecht. Der Verfasser derjenigen preis
gekrönten Arbeit, die der Arbeits-Ausschuß zur Ausführung be
stimmt, ist verpflichtet, die etwa für die Reproduction nothwendig
werdenden Aenderungen an seiner Arbeit auszuführen, die für mehr
farbigen Druck des Diploms erforderlichen Pausen herzustellen und
die Reproduction zu überwachen.
2. Modell zu einer Medaille.
Die Medaille, die der Besitzer eines als einzige Auszeichnung bei
der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 verliehenen Diploms beziehen
kann, soll in Bronze geprägt werden. Sie soll im Durchmesser 5 Centi-
meter messen. Die Medaille soll auf beiden Seiten ein mäßig erhabenes
Relief auf mattem, nicht polirtem Grunde ohne oder mit er
habenem Rand zeigen. Als Inschrift werden die Worte verlangt:
„Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896". Die Wahl der für die Re
liefs zu verwendenden Darstellungen wird freigegeben; doch wird
es nahe liegen, in einfacher, klarer und würdiger Form auf das
Gewerbe und auf Berlin Bezug zu nehmen. Die Modelle beider
Seiten sind, 20 Centimeter im Durchmesser, so fertig zu modellireu,
daß sie durch die Maschine verkleinert werden können und keiner
nachträglichen Ciselirung bedürfen. Eine Photographie nach den
Modellen in der Größe der auszuführenden Medaille (5 Centi
meter Durchmesser) ist beizufügen, um dem Preisgericht das Ur
theil über die bei den Modellen verwendeten Maßstäbe zu erleichtern.
Einzuliefern bis 10. April 1896. Der Arbeits-Ausschuß hat für
diese Aufgabe folgende Preise ausgesetzt: einen ersten Preis
von 1000 Mk., einen zweiten Preis von 600 Mk., einen
dritten Preis von 400 Mk. Er erwirbt dafür die preis
gekrönten Arbeiten, die der Arbeits-Ausschuß zur Ausführung be
stimmt. Der Hersteller ist verpflichtet, die etwa fiir die Reproduction
nothwendig werdenden Aenderungen an seiner Arbeit auszuführen und
die Reproduction zu überwachen. Das Preisgericht haben übernommen
für die erste Aufgabe die Herren: Professor E. Doepler
d. I., Professor Woldemar Friedrich, Professor F. Gesel-
schap, Architekt K. Hoffacker, Professor F. Skarbina und
die drei Mitglieder des Arbeits-Ausschusses; für die
zweite Aufgabe die Herren: Architekt K. Hoffacker, Pro
fessor Otto Lessing, Hofgraveur R. Otto, Professor
F. Schaper, Bildhauer A. Vogel und die drei Mitglieder
des Arbeits-Ausschusses. Dem Preisgericht bleibt es vor
behalten, im äußersten Falle die ausgesetzten Preise anders, als
oben vorgesehen, zu vertheilen. Die Wettarbeiten müssen spätestens
an den genannten Tagen bei der Geschäftsstelle des Vereins,
W 8, Wilhelmstraße 92/93, Architektenhaus, ungerollt eingeliefert
werden. Alle Wettarbeiten müssen von den Einsendern selbst er
funden und ausgeführt sein. Das Urtheil des Preisgerichts wird
in der auf den Ablieferungstermin folgenden Sitzung des Vereins
verkündet und in der Vereinszeitschrift und thunlichst durch die
Tagespresse bekannt gegeben. Ueber eine Ausstellung der Arbeiten
bleibt ein Entschluß vorbehalten. Die nicht prämiirten und nicht
angekauften Arbeiten liegen nach der Ausstellung im Verein
während vierzehn Tagen bei der Einlieferungsstelle zum Ab
holen bereit.
Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt Landrath Stubenrauch
die Beaufsichtigung des Verkehrs auf den Zufahrtwcgen
zur Berliner Gewerbe-Ausstellung den Organen der Kreispolizei
behörde zu übertragen; es würden danach zur Ueberwachung des
Straßenverkehrs Gendarmen herangezogen werden, soweit solche
eben im ortspolizeilichen Dienste entbehrlich find. In unterrichteten
Kreisen erregt diese Absicht, so wohlgemeint und — für das Ber
liner Polizei-Präsidium — willkommen dieselbe auch sein mag,
gerechtes Kopfschütteln; denn einerseits dürfte die zur Verfügung
stehende Anzahl von Gendarmen bei Weitem nicht ausreichend
sein, und andererseits muß es sehr fraglich erscheinen, ob jene Be
amten den Anforderungen gewachsen sein werden, welche der groß
städtische Verkehr au dieselben stellen wird. In letzterer Hinsicht
ist namentlich zu berücksichtigen, daß der Hauptverkehrsweg nach
der Gewerbe-Ausstellung, welcher übrigens zum größeren Theile
innerhalb der Berliner Weichbildgrcnze liegt, tagtäglich, besonders
aber Sonntags, von Gefährten aller Art überlastet und es daher
keine leichte Arbeit sein wird, die Geleise der elektrischen und
Pferdebahnen ununterbrochen frei zu halten, svdaß keine Verkehrs
stockungen eintreten. Welche Nachtheile die letzteren dem Verkehr
bereiten, sieht man ja schon heute im Berliner Straßenverkehr,
der sich aber voraussichtlich mit dem Ausstellungs-Verkehr garnicht
wird messen können. Hier sind also nur die tüchtigsten, im groß
städtischen Verkehr ausgebildeten Beamten — berittene und Fuß-
schutzleute — am Platze und einer solchen Aufgabe gewachsen.
Hoffentlich werden diese Erwägungen das Berliner Polizei-Präsi
dium in letzter Stunde noch bestimmen, die vcrkehrspolizeilichc
Aufsicht über die Zufahrtsstraßen zur Gewerbe-Ausstellung zu
übernehmen.
In etwa einer Woche wird auch das gewaltige Gerüst
der großen Kuppel des Hauptgebäudes entfernt werde»
können, und der figürliche und ornamentale Schmuck derselben,
welcher dem Bildhauer August Vogel übertragen worden, wird
sich dem Auge des Besuchers darstellen. In den vier Nische»
der Kuppel sind vier über 5 m hohe Figuren postirt, die i»
den vier Göttem Pallas, Ceres, Vulcan und Mercur Allegorien
der Kunst, Wissenschaft, Industrie und des Handels darstellen.
An jeder Seite dieser Hauptfiguren, die in Stuck ausgeführt sind,
erblickt man je eine 3,50 m hohe Begleitfigur, die ihrerseits einzelne
Zweige der von den Hauptfiguren vertretenen Gruppen versinnbild
lichen. Bei Pallas ist es eine Personificntion der Kunst und des Buch
drucks, bei Ceres des Ackerbaues und der Chemie, bei Vulcan des
Maschinenbaues und der Industrie und bei Mercur der Handels
und Kriegsmarine. Der Sockel der vier Hauptfiguren ist mit vier
Köpfen — über 1 m groß — Allegorien der vier Elemente, ver
ziert. Zur Ceres gehört die Erde, zum Mercur die Luft, zum
Vulcan das Feuer und zur Pallas das Wasser. An den Seiten
dieser Köpfe sind allegorische Figuren angebracht, die auf die vier
Elemente Bezug haben, so Fische, Drachen u. a. Am Rande der
vier Nischen bis zur Kuppelsläche und an dieser entlang ziehen
sich reiche Geäste in die Höhe, die den durch die Götter zur An
schauung gebrachten Versinnbildlichungen entsprechen. Bei der
Pallas rankt sich der stolze Lorber empor, das Symbol der
Kunst, bei der Ceres Apfel- und Weinlaub, bei Mercur die schlanke
Pinie als Symbol des Handels und Verkehrs, bei Vulcan die
starke Eiche, das Sinnbild der kraft- und markvollen Industrie.
Oben in den Aesten, wo sie sich über die Hauptfiguren hinziehen,
erblickt man, von einem decorativ verzierten, vergoldeten, breiten
Bande gehalten, die Wappen der Gewerke in ornamentaler Aus
führung, drei Wappen in jedem Geäste. Ueberragt sind diese
Wappen von dem deutschen Reichsadler, der in seinen Klauen das
Wahrzeichen der Ausstellung — die den Hammer schwingende Faust
— hält. Je zwei Relieffiguren, 3 m groß, wie Fleiß, Treue, Friede
Stärke, Eintracht, flankiren die Adler. Die Bekrönung der ganzen
Kuppelwölbung bildet der in großen goldenen Lettern ausgeführte
Vers: „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe
Preis!". Au vier Stellen erleidet diese Inschrift durch das Kaiser
liche Wappen mit dem großen W eine Unterbrechung. Um die
Kuppel herum läuft eine in reichdurchbrochener leichter Architektur
ausgeführte Galerie, nur zum Schmuck, nicht zur Benutzung dienend.
Die Wölbung der Kuppel, die im Zenith tiefblaue Tönung er
halten hat, ist mit reizvollen allegorischen Malereien geschmückt,
nach unten hin verläuft die Farbe in hellere Nuancen, aus denen
sich Wolken mit allerlei phantastischen Gestalten entwickeln.
s
M-y. Ueber den Fortschritt der Arbeiten auf der Ge-
werbe-Ausstellung wird uns geschrieben: Im Haupt-Ausstellungs
gebäude füllen sich einzelne Seitenhallen nach und nach mit
Schränken, Pavillons und sonstigem Ausstellungsmaterial. Im
Gebäude für Chemie, Mechanik und Photographie werden zur
Zeit Glasmalereien an den oberen Fenstern ausgeführt, das große
Giebelfenster im östlichen Theil des Querbaues zeigt uns Frau
Sonne zwischen Säulen, auf denen geflügelte Putten in originellen
Stellungen sich mit Breunglas und Mikroskop beschäftigen. Die
Fenster der Haupthalle sind mit Rosetten geziert, die folgende
Namen zeigen: HOFMANN, WO EHLER, IIELMHOLTZ,
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