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Volume Nr. 7, 14. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

(Offtcicllc Ansstellnngs-Lliich richte». 
bxc Gelegenheit der Ausstellimg wahrzunehmen, um ent 
weder die Preise für die reelle Waare zu erhöhen, oder 
schlechte Waare, sogenannte „Ladenhüter", an den Mann zu 
bringen. Die grossen Geschäftssinnen setzen vielmehr eine Ehre 
darin, gerade ztir Ansstellungszeit die besten Waaren zu billigsten 
Preisen zu verkaufen. Sie thun dies nicht etwa ans Idealismus 
oder Gntmüthigkeit, sondern aus Geschästsrücksichten. Nur wenn 
sie gute Waare zu verhältnismässig billigem Preise abgeben, 
können sie darauf rechnen, gute Geschäfte zu machen. 
Berlin rüstet sich auch äußerlich zum Empfang der Gäste. 
Die Stadt hat einen Weltruf wegen ihrer Reinlichkeit: sie wird 
diesen Weltruf nicht nur zu wahren, sondern auch zu erhöhen 
wissen. Das milde Wetter gestattet es Berlin schon jetzt, an die 
Auästellungstoilcttc zu gehen. Ueberall sieht man schon jetzt 
die Gerüste sich erheben, die sonst erst im Mai aufgerichtet zu 
iverden pflegen, uni die Häuser abzuputzen und zu reinigen. Berlin 
ist bei der Toilette und wird am ersten Mai sich noch sauberer 
und eleganter als sonst den Ausstellungsbesnchern präsentiren. 
Biogen unsere lieben Gäste den Muth haben, alle Vor- 
»rtheile bei Seite zu setzen; mögen sic ruhig und mit den größten 
Erwartungen nach Berlin summen! Sie iverden Gelegenheit haben, 
sich zu überzeugen, daß Berlin auch als Ansstellungsstadt 
'.regen feiner Solidität, wegen seiner Billigkeit und Gediegenheit 
Achtung verdient. 
Am Freitag voriger Woche stalteten früh um 9 Uhr der 
Kaiser und die Kaiserin der Ausstellung einen Besuch ab, wo 
sie von de» Herren Kühnemann, Goldberger, Fetisch und Hoffacker 
empfangen wurden. Eine Viertelstunde früher waren bereits die 
Dame» und Herren vom Gefolge des Hencscherpaares erschienen. 
Die Wanderung begann vom Chcmicgebüude ans nach dem 
Fischercigcbäudc tind dem Alpenpanvraina. Hier wurde der Maler 
R'nnnnelspacher, der Schöpfer des großen Rundbildes, vorgestellt, 
welcher auch die Erklärung übernehmen durfte. Heller Sonnen 
schein siel ivährend dieser Zeit ans das wohtgclungcne Werk. 
Ter Kaiser und die Kaiserin sprachen beim Abschiede Herrn 
RnmmelSpacher ihren Dank aus. Sie gingen nun schnellen 
Schrittes über die sogenannte nasse Wiese gegenüber nach Alt- 
Berlin, dabei einen flüchtigen Blick auf die Bauten des Marine 
Schanfpiels werfend. Alt-Berlin fesselte mit seinen Bauten aus 
der Zeit des Großen Kurfürsten wohl eine halbe Stunde das 
Kaiserpaar, wobei die getreue Wiedergabe des alten Rathhauses, 
der Gerichtslaube, sowie des Spandauer und Georgen-Thors 
lobend anerkannt wurde. Danach faitd die Besichtigung des großen 
Restaurants Adlon & Dressel statt, wo die beiden anwesenden 
Besitzer es sich nicht nehmen ließen, dem hohe» Besuch einen 
Imbiß anzubieten, welcher von dem Kaiser mit den Worten: 
„Sehr gern" angenommen wurde. In Kairo übernahm der Bau 
meister Wohlgcmuth die Führung. An dem bereit stehenden 
Modell wurde zunächst die Erklärung der ganzen Anlage vor 
genommen und dann die Nil-Stadt in allen Einzelheiten besichtigt. 
Das Kaiserpaar sprach auch hier beim Verlassen dem Schöpfer 
des Werks Herrn Wohlgcmuth seinen Dank für das fesselnde, 
wohlgelungene Werk aus. Jetzt ging der Weg an dem Gebäude 
für Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen vorüber nach dem ge 
waltigen Haupt-Ausstellungsgebäude, dessen lichte und weite Hallen 
die Anerkennung der Besucher fanden. „Sehr gern", so versicherten 
die hohen Herrschaften, „konnnen wir bald wieder, um Alles im 
Einzelnen bewundern zu können". Nach einer Wanderung von 
~ Vs> Stunden verließ das Kaiserpaar, im hohen Maße überrascht 
und befriedigt, das Gelände der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 
M-y. Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg 
nebst Gemahlin besuchten am Donnerstag Vormittag in Be 
gleitung des Grafen von Schweinitz die Gewerbe-Ausstellung im 
Treptower Park. Die Herrschaften wurden zuerst in die Colonial 
Ausstellung, deren Proteetor der Herzog bekanntlich ist, geführt, 
woselbst der l. Vorsitzende Graf von Schweinitz die nöthigen Er 
klürnngen gab: von hier aus ging es durch den Vergnügungspark 
nach Alt-Berlin, wo Herr Kanffmann die Führung übernahm. 
Von da aus wurde ein Abstecher nach dem andern Theil der 
Colvnial-Ausstellnng nnternommen, um nach kurzein Verweilen 
Kairo aufzusuchen, wo der Stadtverordnete Baumeister Wohl- 
genmth die Herrschaften empfing. Blau ging dann hinüber nach 
der Haupt - Ausstellung, wo die Führung der Platz - Inspektor 
Eorvctten-Eapitain Heyn übernahm. Der rveitere Weg ging zu 
nächst über das Hanptrestanrant an den Marineschanspielen vor 
über nach dein Nordpark in das Alpenpanorama, wo der Maler 
Rnmmelspacher die einzelnen Theile des Kolossa'gcmäldes zeigte 
und erläuterte. Der Umgang ivnrde fortgesetzt durch das Fischerei 
Ansstcllnngs- und Ehcmicgebände nach dem Hanptausstellungs 
gebäude, von dessen Säulenhalle der prächtige Blick nach dem 
Wasserthurm bewundert wurde. Der Besuch dauerte über drei Stunden 
und l>at die hohen Herrschaften im höchsten Maße befriedigt. 
Vom Portal 1 ans geschah die Abfahrt mittels kaiserlichen Hof 
Wagens nach Berlin niid Potsdam. 
s 
II. In unserer Handelswelt ist eine Bewegung im Gange, 
die dahin zielt, daß während der Ansstellungszeit vom 
l. Mai bis 15. Oktober die Bureaux schon um 4 Uhr 
Nachmittags geschlossen würde» und so den Angestellten 
Gelegenheit znm Bestich und Studium der Ausstellung geboten werden 
solle: natürlich würde, falls der Schluß um 4 Uhr erfolgen sollte, 
die übliche zweistündige Mittagspause ausfallen. Wie uns von 
wohlunterrichteter Seite mitgetheilt ivird, sind unsere großen 
industriellen Firmen im Princip mit dieser Neuerung einverstanden, 
sie machen jedoch ihre endgiltigen Beschlüsse von dem Verhalte» 
der Banken und Bankgeschäfte abhängig. Auch die letzteren sind, 
abgesehen von einigen Ausnahmen, nicht abgeneigt, den Schluß 
der Bureaux um 4 Uhr erfolgen zu lassen, jedoch nur unter der 
Voraussetzung, daß die Reichsbank ihre Räume ebenfalls um 4 Uhr 
schließt. In letzter Reihe hängt also der glückliche Ausgang 
dieser Bewegung von der Entscheidung der Reichsbank ab. 
« 
Der Verein für deutsches Kunstgewerbe in Berlin ver 
öffentlicht auf Veranlassung des Arbeits-Ausschusses ein 
Preisausschreiben: 1. für eine Zeichnung zu einem Diplom 
für die Berliner Gewerbe-Ausstellung, 2. für ein Modell 
zu einer Medaille für die Berliner Gewerbe-Ausstellung. 
Theilnehmen an der Preisbewerbung können alle Mitglieder des 
Vereins, sowie alle in Berlin und seinen Vororten wohnenden 
Künstler, Kunsthandwerker uitd sonstigen Fachleute. 
1. Zeichnung zu einem Diplom: 
Als Auszeichnung bei der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
soll nur eine Form der Anerkennung, und zwar ein Diplom zu 
erkannt werdeit. Art und Form dieses Diploms werden nicht 
vorgeschrieben, doch muß es als Wandschmuck dienen können, und 
die bedruckre Fläche darf weder in der Höhe noch in der Breite 
das Maß von 50 Centrmcter» überschreiten. Das Diplom kann 
einfarbig durch Heliogravüre oder auch in mehreren Farben her 
gestellt werden. Das Piplom soll den Namen „Berliner Gewerbe- 
Ausstellung 1896" tragen. Eine Medaille, zu deren Bezug jeder 
Inhaber eines Diploms berechtigt sein soll, deren Durchmesser ans 
etwa 5 Centimeter vorgesehen ist und deren Bild erst später fest 
gesetzt iverden wird, ist auf dem Diplom in der Zeichnung oder 
sonst in geeigneter Form wiederzugeben. Der Text des Diploms, 
für den etwa ein Drittel der ganzen Fläche freibleiben muß, soll 
später durch Buchdruck aufgedruckt werden, ist aber in der Zeich 
nung mitzuzeichnen. Er soll lauten: 
Die Preisrichter haben das Diptam der Ausstellung, welches 
als alleinige Form der Anerkennung gilt, an 
verliehen für 
Berlin, den 
(Platz für ca. drei Unterschriften). 
Die Zeichnungen sind um ein Sechstel größer zu zeichnen, als 
die für das ausgeführte Blatt angenommene Größe beträgt. Einzn-
	        
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