Path:
Periodical volume Nr. 65, 21. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

14 Officieüe Ausstellungs-Nachrichten. 
Als eine das allgemeine Interesse erweckende, reich beschickte 
Abtheilung der Haupthalle in der Ausstellung ist wohl die gleich 
linker Hand vom Kuppelsaal belegene Ausstellung unserer Berliner 
Silberschmiede und Juweliere zu bezeichnen, und ich möchte daher 
in einigen Worten auf dieselbe eingehen. 
Wir finden in dieser Abtheilung unsere ersten Berliner 
Firmen vertreten; gleich beim Eintritt fesselt uns die Ausstellung 
von D. Vollgold & Sohn mit einem hervorragenden Tafelaufsatz 
aus dem Besitz Sr. Durchlaucht des Fürsten Bismarck. Gegenüber 
in der schmucken Koje von J. H. Werner sehen wir eine nach 
einem Entwurf Sr. Majestät unseres Kaisers gefertigte silberne 
Bowle. Hugo Schaper führt uns neben seinem bekannten Re 
naissanceschmuck einen kunstreich gearbeiteten »Maigrafenbecher« 
vor. Die allbekannte Firma Sy & Wagner bringt eine äusserst 
reichhaltige Sammlung künstlerisch durchgeführter Ehrengeschenke 
zur Schau; an leider 
etwas versteckter Stelle 
finden wir darunter 
ein Kunstwerk ersten 
Banges: eine kleine 
Schmuckschale, aus 
einem Natur-Emu-Ei 
gefertigt. Das mit 
reichem Ornament ein 
gefasste Ei wird in 
einem Netze von zwei 
kleinen Negerknaben 
fortgeschleift, während 
oben auf dem Deckel 
die Figur der Eitel 
keit thront, mit dem 
Spiegel in der Hand, 
die erbeuteten kost 
baren Schwanzfedern des Emus triumphirend emporhaltend. Die kleinen 
über das Netz und den Erdboden verstreuten, frei gearbeiteten 
Blumen, ebenso die ornamentalen Fassungen sind reich mit 
Edelsteinen, wie Brillanten, Perlen, Smaragden, Saphiren, Ru 
binen etc., besetzt. Ein zweites Kunstwerk, welche in den 
Ateliers von Sy & Wagner gefertigt ist, besteht in einem 
auf einer Silberplatte gravirten Bilde, eine Gebirgslandschaft mit 
Wildbach nach einem bekannten Rieger’schen Gemälde darstellend. 
Durch die kunstreichen verschiedenen Tönungen des Silbers und 
durch mehrfarbige Vergoldung wird eine überraschende Farben- 
virkung und Perspective erzielt. Aus all’ den interessanten 
grösseren Prunkstücken geht hervor, mit welcher Liebe und Sorg 
falt die Firma gerade auf diesem Gebiete der Kleinkunst arbeitet 
und «eich’ gut geschultes Personal der Firma Sy & Wagner zu 
Gebote stehen muss. Auch im Juwelenfache haben Sy & Wagner 
eine reiche Ausstellung vorgeführt, und treten dort besonders ein 
Diadem und einige Braches hervor, die sich durch aparte Zeich 
nung und saubere Durcharbeitung auszeichnen. Bemerkenswert!« 
ist schliesslich noch, dass Sy & Wagner • es- verschmäht haben* 
ihre Arbeiten unter Glas zu setzen,. sondern dieselben ganz frei ip 
einem einfachen, offenen Schranke ohne jede Effecthascherei zur 
Schau stellen, wie aus nebenstehender Keproduction ersichtlich ist. Wir 
kommen zu Gebr. Friedländer, welche auf einem mächtigen, in 
die Augen springenden, architektonischen Aufbau, der mit elektrisch 
erleuchteten Rundbogen abgeschlossen ist, ihre Ausstellung herge 
richtet haben. Gebr. Friedländer haben ihre Force in der Vor 
führung ausnahmsweise grosser, ungefasster Brillanten und sehr um 
fangreicher Juwelenarbeiten gesucht, unter denen eine aus einem 
Blumenzweige gebildete Corsage, eine Brache und verschiedene 
Brillantcolliers und Diademe besonders auffallen, neben einer grossen 
Anzahl von Perlensehnttfen in theilweise schier unglaublichen Grössen, 
: 
Die von derselben Firma zur Ausstellung gebrachte Tafelgarnitur, 
welche für elektrische Beleuchtung eingerichtet ist, ist ebenfalls als eine 
s ehr gute Arbeit zu bezeichnen. In äusserst nobler Art und Weise haben 
Job.Wagner & Sohn 
es verstanden, ihre 
kleine, aber gewählte 
Sammlung hervorragen 
der Arbeiten zur Schau 
zu stellen. Ich neune 
unter diesen Arbeiten 
nur einen Linden-' 
blüthenzweig, in Bril 
lanten ausgefasst, der 
durch leichte, zierliche 
Form, gefällige Be 
wegung der Blätter und 
tadellose Arbeit sich 
hervorthut. Von feinem 
Geschmack zeugen auch 
2 kleine Blumenvasen, 
welche reich mit Bril 
lanten und Smaragden besetzt sind. Die Taufgeräthe für die Kaiser- 
Wilhelm-Gedächtnisskirche, sowie die von Job. Wagner & Sohn aus 
gestellte vergoldete Tafelgarnitur sind ebenfalls Musterarbeiten der 
Silberschmiedekunst. Den Beschluss der Abtheilung bildet eine von 
Leonhardt & Fiegel eingerichtete Werkstatt für 12 Goldarbeiter 
und Ciseleure. Sicherlich wird es jede unserer Damen interessiren, 
hier den fleissigen, schaffenden Händen der Arbeiter zuzuschauen 
und sieh selbst einmal darüber zu belehren, wie schwierig und 
complicirt die Anfertigung von Schmuckgegenständen ist. Von den 
sonstigen Ausstellern dieser Abtheilung bringen noch sehr hübsche 
Sachen Louis Werner, Eugen Markus, Godet & Sohn, 
Meyen & Co. und verschiedene andere. Allerdings finden 
wir auch in dieser, ich möchte sagen, edelsten Abtheilung unseres 
Kunstgewerbes Ausstellungen, die sieh durch geschmacklose Aus 
stattung auszeichnen, wie nach meiner Meinung eine Beilage markt 
schreierischer Erklärungen und »billigst« berechneter Preise be 
sonders bei Objecten, welche eine verzweifelte Ähnlichkeit mit Hznaucr; 
oder Pforzheimer Engi’os-Fabrikaten haben, mehr auf einen Jahrmarkt 
■ als auf die Berliner Ge?:crbe-Ausstcltung gehören. Dr. Goltz.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.