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Periodical volume Nr. 65, 21. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs- Nachrichten. 13 
den Ohren trocken legen und möge so sich erfüllen, was ein uns 
zugegangenes Circular verheisst: :>dank der Benutzung der Druckluft 
kann in den Frisir-Cabinets eine derart belebende Wirkung 
auf den Kunden ausgeübt werden, dass nunmehr Denen und Damen 
mit einem wahren Hochgefühl dem Haarschneiden und Kopfwäschen 
sich unterziehen werden, ja dass die Friseurlokale darauf An 
spruch machen dürfen, als klimatische Kurorte zu gelten!« 
9 
Eine Riesen'Tischplatte aus einem Stück Padouk- 
Hoiz von. 2,60 in Durctunesser erregt in Grupi e IV (Holz-In 
dustrie) die Aufmerksamkeit nickt nur der Laien, sondern 
auch der Kenner. Das Padouk-Holz, im jnatürlicken Zustande 
von grauem Tone, nimmt die feinste Politur an, die dem Holze 
einen Stick ins llotke giebt und bis zum Gelblichrotheu 
verlauft Heben diesem exorbitanten Stück fesselt die hier* 
zur Schau gestellte Collection, die ihrem Aussteller Herrn 
Hermann Nadge, Berlin, zur Ehre gereicht, 
die Sammlung von Holz - Fournituren in polirteni 
Zustande, welche neben den exotischen edlen Hölzern, als 
Rosenholz, Citronenholz, Cypresse, Ceder, Palisander, Eben 
holz, Mahagoni und Nussbaum, auch die deutschen Luxus 
hölzer, als : Vogel-, Augen - Ahorn, Maser - Esche, Maser- 
Birkst, bunte Esche, Kastanie, Roth- und Weissbuchej 
Birnbaum, Apfelbaum, Kirsch- und Pflaumenbaum, Pappel 
und Eiche enthält. In äusserst geschickter Zusammenstel 
lung kommen die heimischen in Verbindung mit den 
exotischen Luxushölzern zur vollen Geltung und die Proben, 
dieser Täfelungen geben einen Begriff von dem Werth 
unserer inländischen Hölzer für die Kunsttischlerei und das 
Bauhandwerk. 
9 
„Warum wäscht man sich manchmal die 
Händ’?“ fragte der bekannte ungarische Witzbold, auf dessen 
borstigem Haupt die Last aller guten und schlechten Spässe ruht, 
die seit urdenklichen Zeiten in dem Land jenseit der Leitha ver 
brochen wurden. Die Antwort ist nicht schwer: Weil es wirklich 
zahlreiche Menschen giebt, die das Bedürfniss haben, zeitweilig ihre 
Hände zu waschen, und auch für diese hat ein speculativer Kopf 
auf unserer Ausstellung Sorge getragen, indem er am Eingang des 
südlichen Wandelganges in einem hübschen Leinwandpavillon einen 
mit sechs eisernen Waschbecken versehenen Apparat aufstellte, wo 
jeder Passant gegen Erlegung von 5 Pfennigen seinem Reinlichkeits- 
fredürfniss Rechnung tragen kann. Angesichts der grossen Hitze 
und des Staubes jedenfalls eine empfehlenswerthe Einrichtung. 
9 
In der Sanitätswache wurden in den letzten 24 Stunden 
18 Personen behandelt. Ein Arbeiter wurde durch einen Schlag 
mit einer Bierflasche erheblich an der Stirn verletzt. Ein anderer 
Arbeiter erlitt in Folge Einsturzes eines Gerüstes verschiedene 
Hautabschürfungen. — In der Unfallstation kamen 20 Fälle 
zur Behandlung. 
Im Theater Alt - Berlin, wo bisher ein Einakter- 
Cyklus aufgeführt wurde, der in chronologisher Folge die 
Geschichte Berlins dramatisch schildern sollte, bM man einen 
iystemwechsel vorgenommen, da es sich herausstellte, dass 
das Publikum, unter dem sich ja auch zahlreiche Fremde be 
fanden, nicht besonders enthusiasmirt für die an sich ganz 
hübsche, patriotische Idee war. Man will es nun mit einem 
abendfüllenden Stück absolut heiteren Genres versuchen und 
brachte gestern (Sonnabend) eine dreiaktige Posse mit Ge 
sang : „Fiddicke un d Sohn“ von Julius Keller und 
Louis Herrmann, Musik von G. Steffens zur Auffüh 
rung. Ein liebenswürdiges Stück, dem Berliner Leben ab 
gelauscht und sehr geschickt dramatisch gearbeitet, schildert 
„Fiddicke und Sohn“ den Kampf zwischen den veralteten ge 
schäftlichen Anschauungen des älteren Fiddicke und den mo 
dernen, aber gesunden Ansichten seines Sohnes, dem auch, 
der prächtig gezeichnete Grossvater werkthätig zur Seite steht 
und ihm schliesslich den Sieg erringen hilft. Sehr geschickt 
ist in die einfache, aber ausserordentlich anmuthende Hand 
lung die Geschichte unserer Ausstellung verwoben, was dem 
Ganzen den Reiz vollster Actualität verleiht. Das von Herrn 
Director Fritz Witte-Wild selig’ geschickt und ge 
schmackvoll inscenirte und hübsch ausgestattete Stück wurde 
in den Hauptrollen vortrefflich dargestellt und erst jetzt war 
es uns beschieden, eine Anzahl Kräfte des Theaters „Alt- 
Berlin“ in ihrer vollen Leistungsfähigkeit kennen zu lernen. 
Unter den Damen zeichneten sich in erster Reihe Frl. Gal 
lus und Frl. Wenck aus. Die Erste spielte die Wirth- 
schafterin Hulda mit echt berlinischem Humor und jener 
soubrettenhaften Schnodderigkeit, die in derlei Aufgaben 
nie i;hre Wirkung verfehlt. Auch ihr Vortrag, der von Stef 
fens sehr hübsch componirten Couplets war wirkungsvoll. 
Frl. Wenck schuf in der Rolle der Waschfrau Knietsche] 
eine köstliche Figur, die dem frischen Leben abgelauscht, 
äusserst anmuthend wirkte und jedenfalls allen Intentionen 
der yerfasser entsprach. Frl. Wenck, die wir früher als lie 
benswürdige Salondame so oft bewunderten, hat sich, heute 
zu einer Mutterdarstellerin von wirklicher Bedeutung ent 
wickelt. Ganz vorzüglich spielte Frl. Gabri Oiaire Claris 
sen, Diese hoehtalentirte, junge Künstlerin, versteht vor 
Allem trefflich zu charakterisiren und dürfte in Folge ihrer 
vielseitigen Begabung eine grosse Carriere vor sich haben 
Unter den Darstellern müssen ganz besonders die Herren 
Rohl ain d, ein vortrefflicher Rentier Fiddicke, Löwe (An 
ton Fiddicke) und Halm als Willy von bestechender Na 
türlichkeit, Blumenreich (Stummel) und Valentin 
(Pechöl) lobend erwähnt werden. 
Tin Hauptrestaurant der Kolonial-Ausstellung 
fand gestern Abend 8 Uhr ein grosses, von den Aerzten der 
Charite veranstaltetes Souper statt, an dem sich etwa 200 Personen 
betheiligten. 
9 
„Alt-Berlin” besitzt seit kurzer Zeit eine.Speisewirth 
schaft der Vegetarier-Gilde. Zwar hatte der Vegetarismus 
in der Zeit, welche das Vorbild unseres Alt-Berlin abgab, noch 
wenige Anhänger hier gefunden, und das Verbot von Bier und 
Wein hätte damals keinen Anklang gefunden; aber das saubere 
Restaurant mit dem hübschen Vorgärtchen an der Ecke des 
Marktplatzes erfreut sich hei unserer Mitwelt eines recht regen 
Zuspruches. Eine Tafel mit der verlockenden Inschrift: »Warm’ 
Speis’ mit reiner Butter«, und die nach Vegetariersitte aussen 
angeklebte Speiseukarte, auf welcher Schoten und Teltower Rübchen, 
Hafergrütze und Milchreis, auch Kaffee und Chocolade zu den 
] massigsten Preisen verzeichnet sind, thun ihre gute Wirkung. 
Freilich sind unter den Besuchern der Vegetarischen Speise 
wirthschaft auch viele Charakterlose, die, nachdem sie den keuschen 
Reizen einer Gemüseschüssel gehuldigt, mit offenem Treubruch 
quer über den Marktplatz zu einer Bierquelle wandern, um sich 
mittels einer Bockwurst und eines Schoppens Kulmbacher 
für versuchte Entbehrungen schadlos zu halten. 
Geschäftliche Mittheilungen. 
— Endlich greift auch unsere liebe alte Petroleumlampe erfolg 
reich in den Kampf der verschiedenen „Glühlichter“ ein, und zwar ist 
cs ein ganz kleiner Apparat, welcher uns die Vortheile des Petroleum- 
Glühlichtes gewährt. Der Firma Reinhold Bertb in Berlin ist es 
gelungen, in ihrem Petroleumlampen- Brennring .Variable-* einen 
Ring herzustellen, der, auf den Brenner jeder gewöhnlichen Lampe 
aufgesetzt, ein helles weisses Licht und eine Petroleum-Ersparnis» 
von ca. 20°,n erzielt. Dabei entlieht uns dieser Brennring des Reini 
gens von Docht und Brenner vollständig und vermeidet jegliche 
Explosionsgefahr. Die mit dem .Variable“ versehene Lampe braucht 
nur mit Petroleum gefüllt zu werden und ist dann stets fertig zum Ge 
brauch, in der That eine Errungenschaft, die dem „Variable“ das 
grösste Interesse von Alt und Jung, Reich und Arm gewährleistet, Dazu 
kommt, dass „Variable“ nicht etwa zerbrechlich ist wie der Glüh 
strumpf und dass er auf jeden Rund- oder Schnittbrenner passt, ohne 
die geringste Aenderung damit vornehmen zu müssen. — Die Billig 
keit des Artikels muss bei seinen hervorragenden Vortheilen selbst 
den Aermsteu zu einem Versuch ermuntern, und so glauben wir im 
Interesse unserer Leser zu handeln, wenn wir sie auf das heutige 
Inserat über „Variable“ hinweisen.
	        
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