Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officieile Ausstellungs-Nachrichten.
dcs Berliner Anwaltvereins. Unter anderen Veranstaltungen
wird auch ein Abcndfest im Ausstcllnngspark, ein Festessen im
Hauptrcstauraut, sowie eine Festvorstellung im Theater „Alt-
Berlin" geplant.
S
A. H. Die Vergnügungen in der Ausstellung weisen
keine Lücke auf. Alle Gebiete sind vertreten; Alles, was dem Unter
haltungsbedürfniß der breiten Massen und deni Geschmack des ver
wöhnteren Ausstellungsbesuchers dienen kann, ist berücksichtigt.
Wir sind heute schon in der Lage, kurz anzudeuten, welcher Art
die einzelnen Veranstaltungen sein werden, die dem ernsten Unter
nehmen auch das nothwendige, heitere Relief verleihen sollen.
Im Hauptpark befindet sich Alt-Berlin, welches
das Berlin vergangener Jahrhunderte zu neuem Leben erwecken
will, sowie das von Paul Blumenreich und Witte-Wild ge
leitete Theater von Alt-Berlin, das aus dem Rahmen
eines Gelegenheits-Theaters weit heraustritt und namentlich
in scenischer und dccorativer Hinsicht sich als eine moderne
Bühne ersten Ranges zeigen dürfte. Das abseits liegende
K a i r o, das in bunten, fesselnden Bildern und Bauten Handel
und Wandel, Ernst und Lust des Orients uns vorzaubern will,
wird von drei Kapellen unter Musik gesetzt werden. Fröhliche
Weisen dürften überall ertönen und dem Ganzen ein geräuschvoll
amüsantes, weltstädtisches Gepräge verleihen; denn sowohl in der
deutschen F i s ch e r e i - A u s st c l l u n g wie in der Co-
l o n i a l - A n s st e l l u n g, in: A l p e n p a n o r a m a wie ans
dein Festschiff, in dem Wendischen Bauernhaus wie
in der Berliner Hütte sollen die Weisen inländischer und
exotischer Kapellen lustig ertönen und das bunte Treiben begleiten
und beleben. Wem es im Panorama der Zillerthal-Alpen noch
zu warm sein sollte, der kann eine Nordpolfahrt mitmachen,
und wem die in großartigstem Stil angelegte Fischerei-Ausstellung
zu trocken sein sollte, der wird bei dem glänzenden Marine-
Schauspiel als Wasserfreund vollkommen auf die Kosten
kommen. Die Brauereien von Oswald Berliner, von
Patzenhofer und das Cafe Bauer dürften ebenfalls dem
llntcrhaltungs - Bedürfniß der Besucher Rechnung tragen. Einen
Anziehungspunkt im Hauptpark dürfte das von Adlon u. Dressel
errichtete H a u p t r e st a u r a n t bilden, auf dessen eigenartiger
Terrasse, in dessen elegantem Innern man „nach Noten" wird
essen und trinken können. Der eigentliche Vergnügungspark
dürfte in vielen Theilen ein Stück echten Berliner Humors und
Volkslebens repräsentiren. Da giebt es ein Theater Neu-
Berlin, das unter Leitung des Herrn Sternheim ein großes
Thvätre Variete werden soll; da wird der urkomische Bendix im
Theätre American sich hoffentlich auch den Nichtberlinern
verständlich machen können; da werden 25 Automaten-Musikcr im
Automatischen Restaurant ihre mechanischen Künste zeigen und
werden natürlich Schippanowsky'S unvermeidliche Internatio
nale Concerthallcn nicht fehlen. Hageubeck's Thierkara-
wane wird die wilden Bestien von einer sanften Gemüthsscite
und ein Thiercircns den Fortschritt und die Geschicklichkeit
unserer civilisirten Thiere offenbaren. Wer sich glücklich aus dem
Arabischen Labyrinth herausgefunden hat, der kann vom
Orient »ach dem Nordpol wandern und sich im Nordpol-
Panorama abkühlen. Die Augustiner-Brauerei wird für
Speise, Trank und auch Musik Sorge tragen, und wer sich im
Thurm-Restaurant noch nicht hoch genug fühlt, der kann aus
de» Höhen, zu denen ihn der lenkbare Luftballon emporführen
wird, herniederschaueu auf das bewegte, fröhliche Ausstellungstreiben.
In dieser Rubrik soll das Publikum seiner Meinung, feinen
Wünschen in allen Dingen, die sich auf die Ausstellung beziehen, Aus
druck geben können. Anonyme Zusendungen bleiben unter allen Um
ständen unberücksichtigt. Die Meinungsäußerungen sind sachlich, klar
und vor Allem kurz zu halten.
Ein Abend in der Ausstellung.
Ein Zukunftsbild von Ä. O s k a r K l a u ß m a n n.
Ostwärts! Ostwärts! Nach Treptow! . .
Nach der Ausstellung hastet am Abend des Sommertages alles
hinaus! Brausend und sausend kommen die elektrischen Wagen
von Siemens u. Halste und der Pferdebahn angefahren. In
Abständen von nicht ganz einer Minute folgen sich die großen
Vcrdcckwagen der Pferdebahn. Hunderte von Besuchern ans ein-
nial bringen die Züge der Stadt- und Ringbahn, Kremser und
Droschken; Lkail-coacstes, Privat-Equipagen und Fahrräder kommen
hcrangerollt. Auf der Spree pfauchen die großen Dampfer, die
für den Ausstellnngsdienst eigens erbaut sind, schießen die elek
trischen und Petroleumboote, die Gondeln und Privatdampfcr
durch das Wasser. ...
Die Dämmerung des Sommerabends beginnt hereinzubrechen,
im Westen über der Riesenstadt verschwimmen die wechselnden
Tinten des Abcndroths.
Von den Minarets der Ausstellung Kairo herüber klingt
feierlich der Ruf der Muezzins, welche die Gläubigen zum Gebet
auffordern: »Allast astbar Änstauuna e ressulab, la illah elallali!«
(„(Sott ist groß, Muhamed ist sein Prophet, Gott ist Gott!")
Auf dem großen, halbkreisförmigen Platze vor dem Haupt-
ausstellungsgebüude, von dem aus die breite, nur wenige Stufen
hohe Treppe zum Hauptportal führt, fluthen die beiden Strömo
der in das Hauptportal gehenden und von dort kommenden Be
sucher. Hell schimmern die Toiletten der Damen, die in dem
riesigen, halbkreisförmigen Cafe vor der Wandelbahn des Haupt-
ausstellungsgebüudes sitzen. Auf denl Neuen See kreuzen eilfertig
die kleinen Fahrzeuge, die elektrischen und Dampfboote, die Nuder-
jollen einander.
Die Cascade» vor dem Hauptrestanrant und zur Rechten
und Linken dcs Neuen Sees lassen plätschernd und rauschend ihre
Wasser in das kolossale, künstlich hergestellte Becken fallen. Leise
plätschernd antworten ihnen die kleinen Cascade» der Marmor-
brunnen, die in dem Halbkreise vor dem Hauptausstellungs-
gcbäude aufgestellt sind. Die beiden Orchester zur Rechten
und Linken an der Westseite des Neuen Sees lassen abwechselnd
ihre Weisen erklingen, und wenn sie auf einen Augenblick ver
stummen, dann tönt „musikalisches Geräusch" gedämpft oder lauter
von den Orchestern vom Ostende dcs Sees, von rechts und links
zu unserem Standpunkte herüber.
Das elektrische Licht flammt auf!
Die Feuerfontaine vor dem Hauptgebäude sendet ihre zehn
glühenden Strahlen zum hellen Nachthimmel cnipor. Wie ein
Märchenpalast strahlt das Haupt-Ausstelluugsgcbüude, durch dessen
Fenster und Kuppel das elektrische Licht der 400 Bogenlampen
dringt, die in seinem Inneren leuchten.
Die bunten, elektrischen Lichter, welche die Cascade» um den
Neuen Sec herum von innen beleuchten, werfen magischen Schein
auf das Wasser, tvelches die Fluthen des elektrischen Lichtes in
seiner Nähe hundertfach reflectirt. Der Riesenscheinwerfer vom
Wasscrthurm läßt sein Licht meilenweit in das Land hinein
strahlen und beleuchtet abwechselnd tagcshell die entferntesten
Partieen der Ausstellung.
Welch' ein Gewoge von Menschen um den Neuen See
herum, in den breiten Doppel-Alleen, die das künstliche Bassin
umgeben, in den Wandelgängen, in den Gängen der Gartenbau-
Ausstellung, wo die herrlichsten Producte der Berliner Gärtnerei
ihren Duft ausströmen und das Herz erfreuen!
In dem Gedränge, das uns umgiebt, hören wir alle
Sprache» der civilisirten Welt, hören wir alle Dialcktlaute der
deutschen Muttersprache!
Wenige Schritte führen uns aus dem Getvühl in die reiz
volle Stille eines der herrlichen Parkbosqucts. Monotoner Neger-
gesang und das noch einförmigere Klingen der Negcrtromniel
schallen von der Deutschen Colonial-Ansstellung zu uns herüber!
Am Theater Alt-Berlin vorbei, in dem die Vorstellung eben
jetzt begonnen hat, kommen wir in die Straßen dcs alten Berlin,
in denen uns die lebenden Costümfignrcn aus der Zeit dcs
Großen Kurfürsten auf Schritt und Tritt begegnen. Gesang und
Musik erschallt aus de» Gastwirthschastcn des alten Berlin.
Der Berliner liebte neben dcr harten Arbeit immer die Fröhlich?
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