Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

16
GfsicicUe AussteUuugs-llachrichien.
dem Geheimen Recsterimgsrcith Schmidt voni Polizeipräsidium gehabt.
Danach sei aber gar keine Aussicht vorhanden, für sämmtliche Gast
wirthschaften eine Verlängerung der Polizeistunde zn erhalten. Geheim
rath Schmidt habe darauf hingewiesen, dost es in Berlin ca. 6800 Gast-
nnd Schankwirthschaften mit voller Concession und ca. 3000 mit
nicht voller Concession gebe. Diese alle würden doch nicht von den nach
Abendschluß ans der Gewerbe-Ansstellnng Heimkehrenden aufgesucht
werden, um sich noch erquicken zn können. Eine große Anzahl Gast-
wirthe besitze auch schon längere Concession: ein dringendes Bedürfniß,
allen Gast- und Schankwirthen längere Concession zu gewähren, könne
das Polizeipräsidium nicht anerkennen. Sollte sich aber während
der Ansstellung ein Bedürfniß zur längeren Offenhaltnng
der Wirthschaften herausstellen, so genüge eine Stunde
dazu, die Gaslwirlhe zu benachrichtigen, daß sie länger auf
hallen können. Lokalen mit weiblicher Bedienung werde diese Er
laubniß unter keinen Umständen zu Theil werden, auch nicht vom
Ministerium: ebenso wenig hätte» die Behörden ein Interesse daran,
den Destillationen eine längere Concession zu gewähren. Wenn
man beim Ministerium etwas z>t erreichen hoffe, möge man in der
Petition diese beiden Abtheilungen gleich ausschließen, im Ministerium
bestehe dafür nicht die geringste Neigung.
Sühr geährter Herr Redacktchr!
Wundern Sc sich man »ich, bat Se jerade von m i r eenen
Brief erhalten, wo ick Se doch im jerade jar nich kenne! Aber
det dhut nischt. Et is ’ite wichtije Sache, über die ick Ihnen
aufzuklären habe, irnd det muß Ihnen for's Erste jenüjen. Und
denn — müssen Se wissen — bin ick een cifrigtcr Leser von
Ihre „Ofsicielle Ausstellungs-Nachrichten"; und ick kann Ihnen
im Vertrauen sagen, Herr Redacktehr, was nri so die Gewerbe-
Ausstellung anseht» det liegt mir als jutcn Berliner janz be
sonderst am Herzen.
Wie ick nu so Ihr Blatt lesen dhu, find' ick 'ne janze
schwere Menge Briefe aus Mannheim, aus Posen, Hamburg,
Breslau und so weiter, mit die Ucberschrift „Aus dem streich",
wo Ihnen einigte Herrschaften mit lauter jroße lateinische Buch
staben, wie F. K., H. B. Cr. und so weiter, über die Sympa
thien schreiben, was man so in diese Städte über Unsere
Gewerbe-Ausstellung denken dhut.
Ick kann Ihnen nich for übel nehmen, Herr Redacktehr, daß
Sie auch die von draußen, vom streich, zn Wort kommen lassen;
denn, wie Mutter sagt, de Fremden müssen sein, wat sollen wer
sonst mit de meblirten Wvhinnigcn machen? —
Aber die Hauptsache ivüre, det sie aus Berlin sojenannte
„Stimmungsberichte" bringen dhäten; ick meine aus alle
Viertel; im Stralaucr Viertel, in de Rosenthaler Vorstadt, in
Moabit, in Wedding, in Ripdorf, da missen Se sich „Eorrespvn-
denten" anschaffen, wenn aus die Jewerbe-Ausstellung was wer
den soll; denn wir Berliner sind doch die Hauptsache! „Uns
kann ferner!" —
Und ick, sehen Se, ick ivill nu den Anfang machen, und will
so freindlich sein, aus unsere Jejend Ihnen mitzutheilen, wat man
so über de Jewerbe-Ausstellung for Jedanken hat. Ick sage Ihnen
noch voraus, det ick ans jeder Bezahlung verzichte, denn ick bin
cen juter Patriot, ick will nur, det Se mir 'ne Säsongkarte
for de Ausstellung verschaffen, damit ich doch 'ne Kontrolle
haben dhu, ob meine Ideen vvch richtig ausjeführt werden.
Anfangen will ick mit meine Familie. Det is for eenen
„Stimmungsbericht" nothwendig, denn mein Vater is Klavier-
Stimmer, und is tonangebend for's janze Viertel, nur nich zu
Hanse, da jicbt die Mutter mehr an; was Mutter sagt, das hört
de janze Nachbarschaft; und Mutter weeß auch, wat sie sagt,
denn sie is Masseuse und kommt in die feinsten Familien. Und, unter
uns, Herr Redacktehr —, sie hat auch mehr .Kraft, wie Vater.
•• Vater is jejen die Ausstellung! Er is janz verstimmt,
wenn davon die Rede is. Er sagt, denn kommen alle Klaviere
j von Berlin raus nach Treptow in die Gruppe XIl, „Musikalische
Instrumente", und denn verliert er seine Stimmung, denn draußen
wird bestimmt nicht jestimmt, da sind de Klaviere bloß zum An
sehen. „Wat hab' ick von't Ansehen, wenn kcen Jeld da is?"
sagt mein Vater. — Die Mutter wiederum is janz Feier und
Flamme. Sie hat sich schon fünf Jrammaticken von fremde
Sprachen gekauft, damit sie jeden Freniden in seine Muttersprache
nassiren kann. Auf die Engländer freit sie sich am meisten: die
sind fast alle Boxer, sagt sie, und die haben solche starke Muskeln,
da hat man doch ivas zu massiren! Was nu meine Schwester
is, die Lene, die schon seit Dezember verheirathct is, und mit
ihren Franz bei uns in de Ackerstraße wohnt, die hat schon ne'
janze Menge Zimmer in unsere Jejend jemiethet, und ihr Man»,
der jclernter Möbeltischler und Tapezierer is, dhut die Zimmer
auf's feinste ausstafsiren; die Zimmer jicbt sie nur an die Fremden,
sagt sie; denn erstens, sagt sie, haben Fremde immer mehr Jeld,
als Einjeborne; det ivüre ieberall in de Welt so — weil der Ein-
jeborene im Lande nicht zn Jeld kommt; denn wo sollte denn
das Jeld Herkommen für so viele Menschen, wie in Berlin wohne»
dhun? Und denn, sagt sie, werden ihr die Fremden ihre schecnen
Möbel nich verrungeniren; die werden den janzen Dag in der Aus
stellung sein, oder in die Berliner Museums; aber wat die Berliner
Meblirten Herren sind, die sind nur bei Nacht außer Haus, und
den janzen Dag kollern sie in's Bett rum. Uff jeden Fall
wissen Se nun, wie man in Berlin von de „Jewerbe-Ansstcllnng"
denkt. — Nur eins bitte ick Sie, stellen Sie meinen Brief »ich
etwa in die „Scherz-Ecke", denn wissen Sie, for sv'n Ecken
steher bin ick mir zu jnt!
Und nu läben Sie wohl, und sein Sie freindschaftlichst je-
grißt von Ihren Jenner und Leser
Friedrich Wilhelm Schulze, Hausdiener.
Für die Richtigkeit der Abschrift: Dr. Ludwig Abels.
B. Lg. Berlin NW. Ein großer Platz für das Halten von Droschken
und anderen Fuhrwerken ist für die Ausstellung vorgesehen. Dieser Platz
befindet sich zwischen der Treptower Chaussee und der Köpenicker Land
straße und wird östlich von dem Bahndamm der Ringbahn begrenzt. Cr
bietet Platz für mehrere hundert Wagen.
Herrn C. R. M. in Berlin 0. 17. Wegen des Vertrags-Ab
schlusses können wir Ihnen leider keinen Rath ertheilen, es wäre wohl
gut. Sie wendeten sich an einen „Berufsgenossen" oder an einen Rechts
anwalt. Vorher müssen Sie sich natürlich selbst darüber klar werden,
wie lange täglich und in welchem Maße Sie die Dienste Ihres Per
sonals in Anspruch nehmen wollen. — Ueber Ihr Unternehmen werden
wir gern etwas veröffentlichen, wenn Sie uns das nothwendige Material
zugehen lassen wollen. — Soviel wir wissen, sind weitere Pläne mit
perspektivischen Ansichten, auf denen sich Aenderungen resp. Einfügungen
vornehmen lassen, nicht in Arbeit.
Herrn St. B. in Berlin. Ihnen und allen anderen Interessenten
zur Nachricht, daß wir absolut nicht in der Lage find. Ihnen irgend eine
Anstellung in der Ausstellung zu verschaffen. Wir haben weder selbst
etwas bei den Anstellungen zn sagen, noch sind wir in der Lage,
Jemanden, den wir nicht kennen, irgendwo zu empfehlen. Wenn Sie eine
Stellung als Kellner haben wollen, müssen Sie sich an irgend einen
Restaurationsinhaber oder an ein Stellenvermittlungs-Institut wenden.
Herrn Peters in Berlin. Die Telephon - Gebühr für Anschluß
an das Terrain der Gewerbe-Ausstellung beträgt 150 Mark.
Geschäftliche Mittheilungen.
In Gruppe VIIT wird die Ausstellung des Portraitmalers Moritz
P a t h e, Wuhelmshöhe 10, ein besonderes Interesse errege». Eine Specialität
des Künstlers, welcher wiederholt durch Aufträge der Allerhöchsten Herr
schaften ausgezeichnet wurde, ist das Ueberinalen von Lichtdrucken, Kupfer
stichen, Holzschnitten rc. Wir machten seinem Atelier eine» Besuch und waren
überrascht von den großartigen Effecten, welche durch das neue Verfahren
erzielt wurden; besonders waren es ein Spitzenfächer und ein Buchdeckel
aus gepreßtem Leder, welche in frappirendcr Natürlichkeit wiedergegeben
warnt. Das Atelier des Künstlers ist eine interessante Ausstellung en miniature,
welche jedem Liebhaber bereitwilligst gezeigt wird, für den Kunstliebhaber
! aber eine schätzbare Fundgrube. D. R.
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