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Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

<Offtrielle AnssteUungs-llachvichte». 
Uni die Unterschiede im Geschmack ,;» demoiistriren. werden die 
selben Speisen in verschiedener Zubereitung verabreicht. B. mit 
Butter und mit Margarine; Kaffee niit oder ohne Zusätze ec. 
In anderen Theilen des Gebäudes und im Vorgarten werden 
auch die Beköstigungsarteu der Arbeitshäuser. Strafanstalten, der 
Armee u. s. w. vorgeführt. Hier sind Feldküchen im Betriebe zu 
sehen; für besonders interessante und schwierige Demonstrationen 
sind eigene Kioske bestimnit. 
Damen aus den vornehmsten Gesellschaftskreisen haben das 
Amt übernommen, das Publikum über alle Details zu belehren; 
vor allem sind die Damen des Kindervolksküchenvereins vollzählig 
vertreten, soivie der Gründer dieses Vereins, Herr Hermann Abraham, 
mit der Leitung dieser Ausstellung betraut worden ist. 
Dr. L. Abels. 
p. Das Philharmonische Blas-Orchester, tvclchcs als 
ständiges Orchester der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 engagirt 
ivvrden ist, ivurde, wie ivir erfahren, am 20. Februar 1894 aus 
den besten Künstlern des seit 26 Jahren existirendcn Vereins 
Berliner Musiker gegründet. An seiner Spitze stand von Ansang 
an eilt in Berlin wohlbekannter Musiker, Herr Gustav Banmann. 
Derselbe gehörte seiner Zeit dem Vorstande des Bilse'scheu Orchesters 
an und nahm an der Gründung regen Antheil; später war er 
c ine Zeit lang Mitglied der Königlichen Kapelle. Gustav Baninan» 
hat es verstanden, das Philharmonische Blas-Orchester zu einer 
ganz außerordentlich hohen Stufe der Vollendung zu bringe», 
ivas auch von der gesammtcn Berliner Presse anerkannt worden 
ist. Sowohl im Ansstellnngspark (Lehrter Bahnhof) wie auch im 
Kroll'schen Etablissement hat das Philharmonische Blas-Orchester 
Triumphe gefeiert, auch i» anderen Städten hat sich die junge 
Organisation schon mit Erfolg hören lassen, so u. A. in Dresden, 
ivo es Gelegenheit hatte, vor dem König von Sachsen zu cvn- 
certirc». Das Repertoire des Philharmonischen Blas-Orchesters 
ist mit Rücksicht auf die Berliner Gewerbe-Ausstellung bedeutend 
erweitert worden durch Hinzunahmc einer großen Bibliothek von 
über 6000 Nummern. Dieselbe enthält nicht nur die beliebtesten 
Piecen für Mititairmilsik, sondern auch eine große Reihe aller 
Glanznummer» der amerikanischen und englischen, sowie auch 
französischen Harmvnie-Mnsik, so daß die Programme für die 
Ausstellung sich ganz international gestalten werden. Eine Specialität 
des Philharmonischen Blas-Orchcsters bildet die von dem deutschen 
Kaiser so sehr beliebte Fanfaren-Musik: außerdem hat es Horu- 
guartctte (16 Waldhörner) und Posaunen- und Eornet-Qiiartette 
organisirt. Das Orchester besitzt 15 ganz vorzügliche Solisten aller 
Blasinstrumente. 
-h- Sämmtliche im Theater Alt-Berlin zur Aufführung 
gelangende Stücke werden, wie wir erfahren, am 10. März dem 
Kaiser überreicht werden, und zwar als ei» in einer Pracht-Aus 
stattung gehaltenes Gesammtwerk. Eine Prüfung der einzelnen 
Theile durch den Monarchen ist insofern geboten, als in mehreren 
Dramen Mitglieder unseres Herrschergeschlechts activ auftreten und 
hierzu die Allerhöchste Genehmigung erforderlich ist. 
Der Besuch der Berliner Gewerbe-Ausstellung wird be 
kanntlich, ungeachtet des mangelnden Entgegenkommens vonSeiten der 
Eisenbahnverwaltung, mit mancherlei Erleichterung verknüpft sein. So 
verausgabt das Stangen'sche Reiseburcau combinirte Rnndrcisehefte, 
welche auch Anweisungen auf Billets zu de» vornehmeren Vcr- 
a nstaltungen auf der Ausstellung enthalten. „ Alt-Berlin", „ K airo", 
„Die Colonial-Ausstellnng" und vor Allem das „Theater Alt- 
Berlin" ist in diesen Heften vertreten. Den Reisenden 1. Klasse 
steht ein Logenplatz, denjenigen II. Klasse ein Fauteuil »nd den 
Besitzern von Heften III. Klasse ein Parkettplatz zur Verfügung. 
Roch interessanter ist ein von der Gesellschaft „Ideal" herausge 
gebenes Rundreiseheft, welches nur Einlaßkarten zu den Ver- 
gnügnngs-Etablissemcnts der Ausstellung enthält. Jit ihrer Ge 
sammtheit repräsentiren diese Karten einen Nominalwerth von je 
5 Mk., während sie für 3 Mk. verkauft werden. Vom „Theater 
Alt Berlin" allein hat die Gesellschaft „Ideal" nicht weniger als 
200 000 Stück Billets erworben. — Da die Höhe der Eintritts 
preise für die verschiedenen Theile der Ausstellung schon jetzt das 
lebhafte Interesse des Publikums erregt, so seien im Anschluß an 
unsere bisherigen Preisvermerkungen noch folgende Festsetzungen 
mitgetheilt: Für das Theater „Alt-Berlin" lauten die Eintritts 
preise: Prosceniums-Loge 5 Mark, Rang-Logen 4 Mark, Parkett- 
Fauteuil 3 Mark, Parkett oder Rang 2 Mark. Alle diese Preise 
schließen de» Einlaß für „Alt-Berlin", in dessen Gebiete das 
Theater liegt, in sich. An den Kassen im Theatergebäude selbst 
giebt es außerdem Plätze zu 1,50, 1 Mark und 60 Ps. — Eine 
Bergfahrt im Alpenpanorama durch das Zillerthal einschließlich 
Aufzug zum Scharfensteingrund wird 1 Mk. kosten, für den Auf 
zug zum Scharfensteingrund allein sind 50 Pf. zu entrichten. Das 
Restaurant int Alpenpanorama haben die Generalunternehmer des 
Gastivirthsbctricbs Adlon und Dresse! übernommen. — Der Ein 
tritt zu in Ausstcllnugsplatz des Riesenfernrohrs betrügt Montags 
I Mk., an den übrigen Wochentagen 50 Pf. und Sonntags mir 
30 Pf. Alle Viertelstunden wird ein jüngerer Astronom einen 
Vertrag halten über die Construction des Fernrohrs und die 
Hiinmclsvbjecte, die z. Z. gerade dem Refractor zugänglich sind. 
Bei gutem Wetter findeit diese Borträge am Fernrohr selbst, bei 
ungünstiger Witterung in einem Portragssaale statt. — Ohne be 
sonderes Entree zugänglich ist das Museum deutscher Volkstrachten, 
welches das Musei»» gleichen Namens in einem Anbau des 
wendischen Banerngchöfts am Karpfenteich einrichten wird. — In 
„Kairo" will man für gewöhnlich 50 Pfennig Entree erheben, nur 
an Jllinninationsabendcn soll dieser Satz auf 1 Mk. erhöht iverden, 
ivvfür dann aber auch etwas ganz Besonderes geboten werden soll. 
s 
Das Placat der Colonial Ausstellung, welches jetzt zur 
Versendung gelangt, ist künstlerisch schön entworfen und für die 
Reclame äußerst wirksam ausgearbeitet. Ein deutscher Calonial- 
foldat, ein riesenhafter Neger, mit weißem Schurz und Schleppsäbel 
um die Lenden, das Haupt mit dem Turban geschmückt, hält, die drei 
farbige Reickissahne in der nervige»Rechten schwingend, gleichsam Wacht 
ant dem neuen deutschen Rcichsboden. Die prächtige Gestalt hebt 
sich sehr wirkungsvoll von dem Goldgrund und der grauen Tönung 
des ganzen Placates ab. 
Die Verlängerung der Polizeistunde für sämmtliche Gast- 
wirihe Berlins während der Zeit der Berliner Geiverbe- 
Ansstcllung, für die wir bereits in einer längeren Abhandlung 
eingetreten find, beschäftigte am Mittwoch Abend eine Versammlung 
des „Vereins der Berliner Weißbierwirthe". Der „Verein der 
Saalbesitzer" war bei dem Polizeipräsidium dahin vorstellig ge 
worden, während der Dauer der Gewerbe ° Ausstellung öffentliche 
Tanzlnstbarteiten allgemein bis 4 Uhr Morgens und musikalisch- 
declamalorische Vorträge bis 12 Uhr gestatten zu wollen. Die drei 
großen Berliner Gastwirthe-Vereinigitngeu, der „Verein der Berliner 
Weißbierivirthc" mit circa 2100 Mitgliedern, der „Verein der 
Berliner Gastwirthe" mit circa 1300 Mitgliedern, und der „Ver 
band der Gast- und Schantwirthe für Berlin und Unigegend" 
mit circa 3000 Mitgliedern, hatten dagegen in einer gemeinsamen 
Petition die Verlängerung der Polizeistunde für den gewöhn 
lichen Gastwirthschafisbetrieb bis t Uhr Nachts nachgesucht. Den 
Petenten ist jedoch, wie wir bereits mittheilten, vom Polizei- 
Präsidenten der Bescheid zugegangen, daß er aus ordnungs- 
uud siltenpolizeilicheii Gründen ihren Gesuchen nicht entsprechen 
könne. Die Saalbesitzer haben nunmehr beschlossen, zum Mon 
tag, den 9. d. M., »ncki dem Joölschen Saale, Andreas- 
straße 21, eine allgemeine G a ft w irth s v e rs a mmlun g 
einzuberufen, in welcher eine Massenpetttion an den Minister 
des Innern und an das Abgeordnetenhaus beschlossen werden soll, 
um wenigstens das Offenhalten der Geschäfte uni eine Stunde über 
die jetzige Polizeistunde (11 Uhr Abends) hinaus für sämmtliche 
Gastwirthschaften zu erwirken. Der Verbandspräsident, Herr 
Th. Müller, machte zu dieser Absicht der Saalbesitzer-Vercini 
gung die Mittheilung, daß er und der bekannte Traiteur Tressel 
in dieser Angelegenheit bereits eine persönliche Conferenz mit
	        
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