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Periodical volume Nr. 61, 17. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
halten werde, selbst wenn eine jährliche Zunahme der Gold- 
production stattfinden sollte. 
Für den Goldgräber erscheint das goldführende, Gestein 
als ein Quarz von bläulich-grauer Farbe. Es tritt in 
Flötzen auf, die zwischen Sandsteinschichten eingebettet 
sind. Man unterscheidet acht Flötze, von denen aber nur 
eines näher bekannt geworden ist, das Hauptflötz oder Main 
reef. Dieses streicht von Ost, nach West, wobei man frei 
lich nicht weiss, wie gross eigentlich seine Ausdehnung ist. 
Seine Mächtigkeit ist sehr verschieden, .denn ,-sie 'wechselt 
von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern. 
Während man sich früher damit begnügte, das Gestein 
einfach zu sprengen, musste man allmählich 'dazu schreiten, 
die Schächte immer mehr zu vertiefen, so dass -man jetzt 
Schächte von 150 Metern Tiefe anlegt. Feber dem Eingang 
zum Schacht erhebt sich ein hohes thurmförmiges Gerüst, 
in welchem die eisernen, mit Quarz gefüllten Kästen hoch 
gezogen werden. Diese werden in Kipplowries entladen, die 
den Quarz auf einem Schienenwagen zu den Pochwerken 
bringen. Das für die Pochwerke nothwendige viele Wasser 
muss man erst aus den kleinen Bächen entfernterer 
Nachbargebiete herleiten, worauf es in grosse, seeförmige 
Reservoirs hineinströmt. Der Lärm, den die Pochwerke 
machen, ist so furchtbar, dass eine Verständigung durch 
Rede auch dann unmöglich ist, wenn man den Mund dicht an 
das Ohr des Hörers legt und nach Kräften schreit. 
Erst nach der groben Arbeit der Pochmaschine beginnt 
jener etwas langwierige Process, deir zur Reingewinnung 
des Goldes führt. Die Unkosten für den Betrieb der Gold 
minen sind im Allgemeinen sehr hoch. Doch steigert sich 
die Production von Jahr zu Jahr, so dass eine stetige Ver 
ringerung der Unkosten zju verzeichnen ist. Im ersten Jahr 
-— 1888 —stellte sich der Ertrag auf kaum 16 Millionen Mk. 
1893 war der Ertrag bereits auf 103 Millionen gestiegen, 
und 1895 war ein Ertrag von 160 Millionen'Mark zu verzeich 
nen, was ungefähr einem Viertel der gesummten Jahrespro- 
duction der ganzen Erde entspricht. Um diese Mengen 
Gold zu erzeugen, waren in 67 Minen 5000 Europäer und 
40000 Eingeborene thätig. Angesichts dieser gewaltigen, 
mit jedem Jahre steigenden Goldproduction kann man 
Transvaal mit Recht als die Schatzkammer Afrikas, aber auch 
— da das ganze Gold nach Europa geht — als die Schatz 
kammer der civilisirten Welt bezeichnen. 
Die XXXV!. Jahres-Versammlung des deutschen 
Vereins von Gas- und Wasserfachmännern. 
Erster Tag. 
[Abdruck untersagt ] 
Wenn der Deutsche für irgend eine Sache einen besonders 
prägnanten Ausdruck gebrauchen will, so bedient er sich eines 
Fremdwortes. Es ist das nicht gerade ein Zeichen davon, dass er 
seine eigene Sprache besonders gut kennt, aber wir haben ja zur 
Genüge gehört, dass die deutsche Sprache eine von denjenigen ist, die 
wenige Hochbegabte und profunde Geister nur vollkommen ihrem 
Gedankengange zwingen können. Wir sind weder hochbegabt, 
noch von besonderer Geistestiefe und deshalb nennen wir 
die Versammlung, die heute im Hörsaale des Gebäudes für Chemie 
tagte, getrost eine illustre, weil uns eine bessern Bezeichnung just 
nicht einfallt. Und eine illustre Gesellschaft, eine Gesellschaft der 
Edelsten und Besten unserer geistigen Aristokratie, auf die wir 
Deutsche so stolz sind, war dort zusammen gekommen, um in 
gemeinschaftlicher Berathung und in geschlossene Bilder zusammen 
gefasst, das, was im letzten Jahre oder bis zum letzten Jahre 
Neues und Wissenswerthes geschaffen ist, soweit es sich auf Be 
leuchtungswesen und Wasseranlagen bezieht, nochmals zu erörtern. 
Der deutsche Verein für Gas- und Wasser 
fachmänner besteht seit nunmehr fast vierzig Jahren und zählt 
zu seinen Mitgliedern so ziemlich alle hervorragenden Ingenieure, 
die sich auf diesem weiten Gebiet bethätigen und zu dem »Tage«, 
den der Verein jetzt in Berlin abhält, war eine erfreulich grosse 
Anzahl von Mitgliedern erschienen. 
Die Städte Berlin und Potsdam hatten je einen Bürger 
meister als ihre Vertreter zur Theilnahme an den Versammlungen 
entsendet, ausserdem war vom Arbeitsausschuss der Geheimrath 
Goldberger anwesend, daneben eine Anzahl Ehrenmitglieder und 
geladene Gäste. 
Die Verhandlungen selbst waren von hohem Interesse und 
von hervorragend wissenschaftlicher Bedeutung. Sie wurden vom 
Generaldirector von Oechelhaenser mit jener virtuosen Gewandt 
heit und geistreichen Liebenswürdigkeit geleitet, die ihm so sehr eigen 
sind. Von den einzelnen Rednern sprachen Professor Wedding 
und Oberingenieur Körting besonders prägnant, Director 
Söhren-Bonn hatte für seinen Bericht über das Auer’sche 
Gas glüh licht ein so umfassendes und eingehendes Material zu 
sammengetragen, dass die Dreiviertelstunde, die für sein Referat 
vorgesehen war, hei weitem nicht für eine gründliche Discussion 
ausreichen würde, er verschob deshalb im Einverständnis mit dem 
Vorsitzenden seinen Vortrag auf Donnerstag, wo er als erster Punkt 
auf der Tagesordnung steht. 
Im Hörsaal herrschte im erfreulichen Gegensatz zu draussen 
eine angenehme Kühle, die heruntergelassenen Vorhänge liessen 
ein sanft gemildertes Licht den weiten Raum durchfluthen. So 
konnte die zahlreiche Versammlung in einigem Behagen die 
mancherlei Eindrücke der Vorträge aufnehmen und aufmerksam 
folgte man den Ausführungen der Redner. 
Dev Vorsitzende,. Generaldirector von Oechelhaeuser- 
Dessau. begriisste die von etwa 400 Personen besuchte Versammlung 
mit dem Hinweis auf die Verbindung der diesmaligen Tagung mit der 
Berliner Gewerbe-Ausstellung, wo der Verein selber in dem Gas- 
industriegebliude als Aussteller aufgetreten sei, um einerseits die 
Organisation dieses vielleicht ältesten Wandervereins Deutschlands 
mit Anglieclerung seiner grossen Zweigvei-eine darzustellen, andererseits 
aber mit der hoch bedeutsamen Gesaimntausstellung der Berliner 
Faehgenossen Zeugniss davon abzulegen, welche grossen Erfolge die 
vom Verein vertretenen Fächer in den letzten Jahren nach .allen 
Richtungen davongetragen haben. Jene Collectivausstellung solle 
zeigen, dass die Gasindustrie keinerlei greisenhafte Züge an sieh trage, 
sondern voll jugendfriseher, sich täglich erneuernder Kraft sei. 
Er gedachte alsdann des Heimgangs zweier berühmter süddeutscher 
Fachgenossen, des Dr. N. H. S ehilling - München und Simon 
Sehiele-Frankfurt a. M., deren Büsten die Vereinsausstellung 
flankirten. 
Namens des Vorstandes erklärte der Vorsitzende alsdann die 
XXXVI Hauptversammlung für eröffnet 
Auf eine Ansprache, in der Generaldirector v. Oechelhaeusei 
die Anwesenden, die Gäste, die Vertreter der Städte Potsdam und 
Berlin, die Ehrenmitglieder und die Mitglieder des Arbeitsausschusses 
begriisste, hiess Bürgermeister Kirchner im Namen der Stadt 
Berlin die Gesellschaft willkommen. 
Nach der Begrüssung gab der Vorsitzende einen kurzen und 
fesselnden Rückblick auf die Entwickelung der Gasindustrie seit der 
letzten Berliner Hauptversammlung im Jahre 1888. Obgleich damals 
die Befürchtungen der Gasiuteressenten wegen der elektrischen 
Concurrenz mit der Münchener elektrotechnischen Ausstellung 
einen gewissen Höhepunkt erreicht hatten, so sei doch die 
weitere Entwickelung der Gasindustrie neben der Elektricität von 
den Führern des Gasfaches durchaus richtig vorausgesagt worden. 
Es bestätigte sich aufs Neue die alte Erfahrung, dass das Em 
porblühen eines neuen Zweiges auch den übrigen alten Zweigen des 
Beleuehtungsweseus neues Leben und neue Kraft zuführt. Das zeigen 
deutlich die „Statistischen Mittheilungen“ von Dr. Schilling 
sowie eine Umfrage bei den zehn grössten deutschen Gasgesellschaften, 
die in ihren 68 Städten in den 12 Jahren vor 1883 eine Zunahme von 
30 Millionen cbm und in den 12 Jahren nach 1883 59 Millionen, 
also nahezu die doppelte Zunahme an Gas erreichten. Procentisch ist 
die Zunahme in der früheren Periode 49 pCt. und in der letzten 63 pCt., 
also die Steigerung der Gasabgabe seit Auftreten der elektrischen 
Concurrenz absolut und relativ eine sehr bedeutende. Die ungeahnte 
Entwickelung des Gasglühlichts beweist ferner, dass das Leucht 
gas die führende Rolle behalten und nicht an das Heiz- und Kraft 
gas abgetreten hat. Die Ausstellung des Vereins im Industriegebäude 
führt einen weiteren bedeutsamen Fortschritt in der Entwickelung 
des Gasglühlichts vor, indem mit Gas unter etwas höherem Druck, 
als ihm das Röhrennetz giebt, 200 Lichtstärken von einem einzigen. 
Glühkörper ausgestrahlt werden können, wobei nur der zehnte Theil 
der Gasmenge für eine Lichtstärke verbraucht wird wie bei den 
gewöhnlichen offenen Gasbrennern. Diese neueste Anwendung wird 
sieh namentlich für grössere Geschäftshäuser, Fabriken u. dcrgl. eignen, 
indem damit Effecte wie mit elektrischen Bogenlampen zu erreichen 
sind. Wie grossartig und interessant die historische Ent 
wickelung der Flammenbeleuchtung ist, das hat man in der 
Ausstellung des Vereins zur Darstellung gebracht, indem un 
mittelbar unter der Lichtfigur mit einer Gasglühlicht - Leucht 
kugel von 600 Lichtstärken in den Nischen der antiken Pergola 
schöne Modelle antiker römischer Lampen und davor in einer grossen 
Collection die ganze Entwickelung der Feuer und Lampen vom Licht
	        
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