Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

WtficidU AusstrUungs-Nachrichten
i:i
aller Bestrebungen an, ivelche auf die Hebung dieses sv wichtigen
Gewerbes abzielten.
Seit kurzer Zeit führt jene Unterabtheilung den Namen
„Deutscher Seefischereiverein" und ist heute, was hier besonders
betont werden soll, ein ganz selbstständiger Verein, hat als solcher
die Rechte einer juristischen Person erworben und steht unter bem
Protectorat des deutschen Kaisers.
An der Spitze des Vereins steht der Präsident der König
lichen Kloster-Kammern zu Hannover, Herr Herwig, welcher in
allerletzter Zeit in Würdigung seiner Verdienste um unsere See
fischerei zum Ehrendoctor der Universität Kiel ernannt worden ist.
Sehr viel Lobcnswerthes ist denn auch von dieser Seite
gethan worden zur Förderung jenes Gewerbes, große Opfer an
Zeit und Arbeit sind diesem Zwecke in uneigennütziger Art und
Weise von den Leitern und jedem einzelnen Mitgliede des Deutschen
Fischerei-Vereins gebracht worden.
Durch Veröffentlichung von Fachschriften, Entsendung Sach
verständiger nach allen Nachbarländern, um die dortigen Fischerei-
verhältnisse zu studiren, und — last, but not least — durch Veranstal
tung von Fischerei-Ausstellungen. Besonders auf der im Jahre 1880
zu Berlin stattgefundenen Ausstellung gelang es dem Verein, in hohem
Maße das Interesse des Publikums zu wecken und zu gleicher Zeit
belehrend auf die das Fischerei-Gewerbe Betreibenden einzuwirken.
Auch an den Ausstellungen späteren Datums, wie zu Bremen
1890 und Königsberg im Vorjahre, betheiligte sich, außer zahl
reichen Privatpersonen, der Deutsche Seefischerei-Verein in hervor
ragender Weise und bewies auf die deutlichste Art, daß unsere
Seefischerei sich von Jahr zu Jahr mächtiger entwickelte.
Diese Thatsache wird aber ganz besonders auf der Berliner
Gewerbe-Ausstellung zu Tage treten. Es ist nicht der Zweck
dieser Zeilen, dem Leser jetzt schon ein Bild jenes wahrhaft
patriotischen Unternehmens zu entwerfen, schon der Raum dieses
Blattes würde nicht genügen, denn noch nie ist etwas so Hervor
ragendes in dieser Art dem Publikum geboten worden, so daß
auch der Laie im Stande seilt wird, sich einen Begriff zu machen
von der Bedeutung unserer Seefischerei.
So wurden z. B. auf früheren Ausstellungen nur die ver
kleinerten Modelle der zum Fange benutzten Fahrzeuge ausgestellt,
diesmal sind es die vollständig für den augenblicklichen Seegebrauch
ausgerüsteten Kutter, Ewer u. s. w. Darunter Fahrzeuge von
über 20 Meter Länge und über 2 Meter Tiefgang.
Daß sämmtliche Industriezweige, welche zur Seefischerei in
naher Beziehung stehen, sowohl was die Anfertigung der nothivcudigcn
Gcräthschaften anbelangt, als auch jene Betriebe, welche sich mit
der Verwerthung der Beute befassen, in würdiger Weise vertreten
sind, ist selbstredend.
Von ersteren sind besonders zu erwähnen die Tauwerkfabrikcn
von Michelsou in Bremen, Dreher & Manier in Landsberg a. W.,
die Netzfabriken von Meves & von Eitzen in Altona, ferner die
mechanische Weberei und Netzfabrik in Itzehoe, welche letztere be
sonders einen Weltruf hat.
Zahlreiche Vertreter hat die Fischconserven-Jndustrie auszu
weisen, auch ein Gewerbe, welches sich in den letzten Jahren, dank
dem Aufschwung der Seefischerei, ungemein entwickelt hat. Von
großer Bedeutung ist ferner die Thran- und Fisch-Guanofabrikation,
deren Erzeugnisse einer besonderen Beachtung werth sind.
In der wissenschaftlichen Abtheilung nehmen die zahlreichen,
vom Reichsmarineamt auf Allerhöchsten Befehl ausgestellten
nautischen Instrumente, sowie das reiche Karteumaterial wohl den
ersten Platz ein. Auch das vom Deutschen Seefischerei-Verein
mit großer Sorgfalt gesammelte statistische Material dürfte für
weitere Kreise von besonderem Interesse sein.
Ein sehr interessantes Object ivird von einer Berliner Firma
ausgestellt, in Gestalt eines Walfischschädels mit vollständigem
Bartenwuchse. Der Werth des Fischbcins, welches jene Barten
enthalten, beläuft sich nebenbei gesagt auf 40 000 Mark.
» Nichts dürfte aber das Interesse des Besuchers so in Au
sprach nehmen wie die von dem Seefischerei-Verein eingerichtete
Fischkosthallc, und dies mit vollem Recht. Zweck dieses Unter
nehmens ist es, das Publikum mit vielen noch als Spciscfisch
tvcnig verwertheten Species bekannt zu machen und dadurch den
Erzeugnissen unserer Meere ein größeres Absatzgebiet zn ver
schaffen. Dieser so hochwichtigen Einrichtung soll in einer der
nächsten Nummern ein besonderer Artikel geividmct werden.
Wie auf der Ausstellung zu Bremen im Jahre 1890, so ist
auch diesmal Herr Dr. Ehrenbani», Assistent der biologischen An
statt auf Helgoland, mit den Ausstellnugsarbciten von dem See
fischerei-Verein betraut worden. C. v. 0.
Uenes von der Colonml-Aiisstellmig.
Von Engen Reiß er.
Wir haben schon iit einer der früheren Ntimmern die Dörfer
von Togo, Kamerun und Nen-Gtiinea geschildert, die sich im Süd-
vsttheile des Ausstellnngsparkes an den Ufern des Karpfenteiches
erheben werden. Die primitiven Lehmhütten der Eingeborenen
von Togo und Kamerun, die Pfahlbauten von Ncn-Guinea, die
thcilwcise im See errichtet sind, werden den Tag über Neger aus
unseren Evlonicn beherbergen und sie bei ihren täglichen Be
schäftigungen, bei Kunst und Handwerk, bei Spiel und Tanz
zeigen. Die Hütten werden äußerlich genau den echten i m Mutter-
lande nachgebildet, im Innern jedoch wetterdicht ausgebaut und
mit Oefeu versehen, damit die Insassen vor allen Unbilden der
nordischen Witterung geschützt sind. Am Abend ziehen die Neger
sämmtlich nach der ostafrikanische» Festung Qnikurru qua Ticki
zurück, deren feste Wälle eine Anzahl von De,übe» der Einge
borenen und die große Arabertembe einschließen.
Der Leser braucht jedoch nicht zu glauben, daß irgend ein
moderner Zauberer, ein Asmvdcus oder gar Mephisto selbst die
Negerschaar, die unsere Ausstellung beleben soll, allabendlich wieder
zu den heimischen Gefilden entführt — auch Qnikurru qua Sicki
erhebt sich am Gestade unseres Karpfenteichs und ist der Festung,
die einst Graf Schweinitz, der Vorsitzende des Arbeitsausschusses
der deutschen Colonial-Ausstclluug in Ostafrika, erstürmte, mit
Wall und Palissaden, mit Thoren und Tcmbcn getreulich nach
gebildet. Die Tcmbcn (Häuser der Eingeborenen) werden gleich
zeitig die Baracken für die Neger sein, in denen sie sich während
der Nacht aufhalten, und demgemäß auch fest gebaut und mit
allein dem Negergcschmacl angepaßten Eomfort ausgestattet.
Die Dörfer der Eingeborenen sind von der eigentlichen
Colonial-Ansstellung durch die große Park-Allee getrennt. Diese
wird auf hoher, etwa 32 Meter langer Bogenbrücke überschritten,
und erst dann nimmt den Besucher das eigentliche Evlouia'.gebict
des Treptower Parkes auf. Rechts vom Eingang liegt das Ver
waltungsgebäude, indem Kasse, Aufsicht und Tireetion ihre Räume
haben. Daran stoßen rechts Verkaufs-Arkaden, deren Abtheilungen
nur auf die Evlvnien bezügliche Artikel beherbergen werden ttub
zum größeren Theil schon vermiethct sind. Hier wird die Firma
Stangen ihre ans aller Herren Ländern importirten Waaren und
Kunstgegciistände zum Verkauf bieten: hier ivird eine Buchhand
lung hauptsächlich cvlonialwisseuschaftliche Werke ausstellen, uub
manche Händler werden eine Verkaufsstelle für vornehmere, besonders
Geschmack des feineren Publikums entsprechende Gegenstände
etabliren.
An der südlichen Längsmancr tvciterschreitcud, gelangt man zu
der wissenschaftlichen Halle. Die Wände im Innern des Ge
bäudes sind mit riesengroßen Karten von unseren Colvnieu be
deckt. Auf Tischen und Gestellen liegen geographische und statistische
Karten ttub Werke, die über alle Einzelheiten von Land und
Bewohnern in den Eolvnicu Auskunft geben, ttub reichhaltige
mineralogische, botanische, soivie zoologische Sammlungen bieten
dem Liebhaber von naturwissenschaftlichen Studien willkommene
Anregung. In der Mitte der großen Eingangshalle trägt ein
Altlas einen Riesenglvbus von 2 Metern im Durchmesser aus
seinen Schultern. Der Globus dreht sich, sodaß der Beschauer
eine genaue Vorstellung voit der Bctvegung unseres Erdballes
erhält. . Gegenüber der wissenschaftlichen Halle liegt an der
nördlichen Läugsmauer die Cvlvuialhallc, die zum Unter
schiede von dem theoretisch-wissenschaftlichen Eharakter ihres
Vis-a-vis gleichzeitig dem Anschauungsunterricht dienen soll. Ein
großes Bilderbuch mit farbenprächtigen Bildern liegt vor dem
Besucher aufgeschlagen, und sei» Geist durcheilt in wenigen Stint
den ungeahnte Strecken tropischer (Gebiete. Fm Hintergründe
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.