Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

12
Offizielle AussteUnngs-Uachrichte«.
thurms zu einem kraftvoll erfundenen Aufbau ein besonderer archi
tektonischer Effekt geschaffen wurde. Dieser Thurm legt sich mit
trefflichster Wirkung zwischen den Arkadengang und die nördliche
Halle, von weitem her die ganze Gruppe in glücklichster Weise
überragend. Von unten steigt dieser stattliche Bau als Achteck
geschlossen empor, um oben in einer kühn veranlagten Gallerie
eine Krönung zu stnden, deren stolz geschwungenes Dach eine
äußerst zierlich gearbeitete, 55 Meter hohe Laterne trägt. In
tausend Einzelheiten hat hier wie an den Hallen die schaffende
Phantasie zu heiteren Gebilden getrieben, die in Form und Farbe
einen trefflichen Gesammtton erzeugen.
Als ästhetisches Gegengewicht zu diesen: Thurm hat dann
aber die südliche Halle einen reichumrissenen Giebelaufsatz erhalten,
dessen schlanke Spitze in mehreren Absätzen durch breite Glieder
gegürtet ist. Vor der Mitte dieser malerischen Verdachung springt
in energischer, fast primitiver Bemalung ein Drachen hervor,
dessen Flügel sich breit auf die Fläche legen. In gleichem Sinne
sind die übrigen Glieder und Ornainente des Giebels gehalten,
treu dem Charakter der ganzen Gruppe.
Die zwanzig Meter breiten Hallen sind nach dem Parke zu
ebenfalls reich ausgebildet, wozu nach der Stadtseite hin die Ein
fügung zweier Anbauten die Gelegenheit bot. Von dieser Seite
her kommt der volle grüne Ton des Daches zur Geltung, der zu
den hellen Flächen des Thurmes wie zu dem tiefbraunen Ton des
Holzes einen durchgreifenden Gegensatz bildet. Die breiten Seiten
giebel der Westfront, zwischen denen das Nebenportal zur Halle
sich öffnet, zeigen unter dem Walm hohe Rundbogenfenster mit
farbigen Scheiben, und über der First sind die Knäufe der Spitzen
von strahlenförmigen Radianten umgeben.
Die Südseite des Fischereigebäudes, die die Haupteingänge
von dem Parke aufnimmt, ist, abgesehen von der hübschen Giebel
bildung der Nahrungsmittelhalle und dem glücklich erfundenen
Portal zu dein Aquarium, durch die burgartige Ausbildung der
Sportabtheilung besonders wuchtig und aus dem Wesen der An
lage heraus gelöst.
Im Innern stellen sich die beiden Haupthallen als dreischisfige,
über 20 Meter breite und ebenso hohe basilikale Räume dar, die
in der fein abgewogenen Durchbildung der Stützen, der Gallerie
mit Schnitzerei und farbigem Ornament eine würdige Aus
gestaltung erhalten. Die Decken sind von gemalten Friesen in
einfacher Btalerei gesäumt, ein besonderer Werth dagegen ist auf
die Behandlung der Balken-Rosette, der Binder und der als Thier
figuren gestalteten Consolstützen gelegt worden. Hier finden sich
Drachen und Adler, Schlangen und Eidechsen, Molche und allerlei
Meergeschöpfe in die Formenwelt des Künstlers hineingezogen, mit
vielen Gedanken und großem Humor die Bestimmung des Raumes
betonend. Den wesentlichsten Punkt aber bilden die breiten Friese
über den Seitenhallen, in denen hervorragende Kräfte im ernsten
Anschluß an die Aufgaben des Gebäudes in flotten ornamentalen
Compositionen die der Nahrung dienenden Dinge verherrlichen,
oder aber Gott Thor im Kampf mit den Ungethümeii des Meeres,
sowie den übermüthigen Reigen einer ganzen Schaar allerliebster
Nixen darstellen. In der Sport-Abtheilung wird Professor Koch
eine zusammenhängende Reihe interessanter Historienbilder darbieten,
die bis ans die Turniere des Mittelalters, auf die Reiherjagden
des vorigen Jahrhunderts und ähnliche vornehme Belustigungen
vergangener Zeiten zurückgreifen.
An die Querhalle der Sportausstellung, die von zwei ge
fälligen Dachreitern überragt tvird, legt sich zwischen zwei kapellen
artig gestalteten Räumen mit schöner Holzdecke das sogenannte
Jagdzimmer, das einen hervorragenden Punkt dieser Abtheilung
zu bilden bestimmt ist. Zwei breite, geschnitzte Freitreppen führen
hier auf eine obere Laufgallerie, von welcher man einen entzückenden
Anblick in die Haupthalle genießt.
Die Absicht, an bestimmten Tagen großartige Fischessen in
der Ausstellung selbst zu veranstalten, hat zu mannigfachen
interessanten Einrichtungen geführt, wozu die Enteisenung des Speise
wassers für die Aquarien, die Anlage eines stattlichen Wasser
beckens, eines Kaltlnftraumes und einer besonderen Wirthschaft
gehören. Außerdem ist in den: reizvollen Jnnenhofe ein thurm
artiges Bruth aus für junge Fische eingebaut, das zu einem
ästhetischen Kraftpunkt dieses Hofes gestaltet wurde.
Einen der lohnendste:: Punkte wird die schattige Wandel
halle bilden, die von der Fischerei-Ausstellung zu der großen Spree-
terrasse hinabführt. Hier finden die Anlagen dieser hervorragenden
Baugruppe ihren Abschluß durch den Fluß selbst, an dessen Ufer
das rege Leben auf dem Wasser mit dem friedlichen Accord der
ruhigen Landschaft dem Besucher nach einer, wenn auch noch so
lohnenden Wanderung eine ersehnte Zerstreuung nnd Erholung
bietet. P. Walle.
Die lettische Seefischerei in der Ausstellung.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war in: Binnenlande der
Genuß frischer Seefische das ausschließliche Privilegium der be
güterten Klassen, und nur die Bevölkerung unserer Hafen- und
Küstenstädte konnte sich dieser schönen Gabe der Natur in aus
gedehnterem Maße erfreuen.
Der Consnm von gesalzenem, geräuchertem und getrocknetem
Fisch war ja auch damals schon ein bedeutender, beläuft sich doch der
Werth der eingeführten Häringe in manchen Jahren ans rund
40 Millionen Mark, die sämmtlich ins Ausland wandern. Die
Versorgung unserer Märkte in: ganzen Reich mit frischer, appetit
licher Waare zu verhältnißmäßig wohlfeilen Preisen ist das Verdienst
der deutschen Hochseefischerei. Ter schuppige Bewohner unserer
Nord- und Ostsee spielt heute eine wichtige Rolle auf dem Ge
biete der Volksernührung als eine gesunde und schmackhafte
Speise für Reich und Arm.
Der Ungunst der natürlichen Verhältnisse, der wirthschaft-
lichen und politischen Zersplitterung und Getheiltheit der deutschen
Stämme, ferner den: minimalen Interesse im Volke für die See
fahrt in: Allgemeinen war es zuzuschreiben, wenn in früheren
Jahren und bis zur Zeit der Begründung des neuen Reiches die
deutsche Seefischerei in ihrer Entwickelung in: Vergleich zu an
deren Ländern, wie Holland, Dänemark, Norwegen und besonders
England, erheblich zurückgeblieben war.
In letztgenanntem Lande zählte man im Jahre 1870 mehr
als 114 000 Personen, die den Fischfang auf offener See be
trieben und deren Jahreseinnahmen sich auf 250 Millionen Mark
beliefen. Allein die Schleppnetzfischerei beschäftigte 0000 Fahr
zeuge, die einen Werth von inehr als 300 Millionen Mark hatten.
Die Bemannung dieser Flotte bestand aus 18 000 Köpfen, wäh
rend eine gleiche Menschenmenge mit der Verarbeitung, Ver
packung und Versendung der Ausbeute beschäftigt war.
Solchen Zahlen gegenüber war unsere deutsche Seefischerei
von sehr geringer Bedeutung, denn die ganze.Nordsee-Flottille
bestand damals aus wenig mehr als 350 zun: Theil sehr ininder-
werthiger Fahrzeuge mit einer Besatzung von 1200 Mann. Nicht
immer war Deutschlands Betheiligung an der Seefischerei so un
bedeutend, ja in der Blüthezeit des Hansabundes übertrafen Ham
burgs Walfischfang und Häringsfischerei diejenige von England
und Schottland vereint. Verschiedene Umstünde trugen dazu bei,
den Aufschwung unserer Fischerei zu heminen und die Bevölkerung
unserer Küstenstriche anderen Erwerbszweigcn zuzuführen.
Doch auch hier, wie auf so vielen anderen Gebieten, ist heute
ein gewaltiger Schritt zum Besseren gethan worden.
Bald nachdem die Einheit des deutschen Volkes hergestellt
war, erwachte auch in weiteren Kreisen der Nation neben den:
schon lange regen und thätigen Interesse für den Ausbau unserer
Kriegsflotte auch das Verständniß für die, Förderung unserer
Seefischerei. Warum sollte man die Ausbeutung der deutschen
Meere den Engländern, Dänen oder Holländern überlassen? Diese
Frage wurde in der Presse und in den Vereinen vielfach erörtert.
In: Parlament besonders wurde mit vollem Fug und Recht die
Nothwendigkeit betont, auch in dieser Richtung Wandel zu schaffen.
Diesem Mahnruf Folge leistend, war es in erster Linie die
Königlich preußische Regierung, die durch Bildung einer „Com
mission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere"
sich um die Entwickelung dieses so wichtigen nationalen Gewerbes
hoch verdient gemacht hat. Von großer Bedeutung für einzelne
größere Unternehmungen waren ebenfalls die von der Regierung
gezahlten Subventionen. Besonders die im Jahre 1884 als
Unterabtheilung des deutschen Fischercivereins gegründete Sectio::
für Küsten und Hochseefischerei nahn: sich in ersteulichster Weife
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