Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Figur 4. Seitenansicht der rasch lausenden Plattform.
Tie interessanteste Anordnung der schnelleren Plattform ist
jedoch die Art und Weise, durch welche sie ihre Vorwärtsbewegung
erhält. Tic wird auf zwei ununterbrochenen, dehnbaren Stahl-
schieuen gefahren, welche das Charakteristische der ganzen Erfindung
ausmachen, insoweit, als es ohne dieselben unmöglich wäre, den
Zug über Curven hinwegzuführen. Jede dieser Schienen ist
4 Zoll hoch und l / 2 Zoll dick und läuft ohne Unterbrechung auf
der ganzen Schleife. Sie sind in passenden Abschnitten so lang
fabricirt, daß sie bequem gehandhabt werden können, und an ihrem
Ende sind sie zusammengeschweißt und genietet, sodaß sie auf der
ganzen Strecke der- Schleife eine einzige Schiene bilden. Diese
beiden Schienen verbleiben oben auf der Oberfläche der Räder, und
auf ihnen sitzt und gleitet die ganze 6-Meilen-Plattform durch
Vermittelung von Tragbüchsen. Diese sind mit dem Gebälk der
Plattform gut befestigt, und jede einzelne enthält ein Stück Gummi,
welches die Stelle einer Springfeder vertritt. Zwischen dem Gummi
und den Schienen ist ein Stahlschuh, welcher sich letzteren anpaßt
und darüber hinweggleitet, wenn die Wagen sich beim Eintritt
oder Austritt von Curven der neuen Wendung anpassen. Diese
Schuhe sind aus hartem Stahl gefertigt und auf ihre Dauer
Hastigkeit geprüft.
Wenn die Schienen anfangen sich abzunutzen, so werden
Mutterbleche in Gestalt eines V zwischen diesen Schuh und die
Oberfläche der Schienen eingcschoben. Ans der Zeichnung, und
der Beschreibung geht hervor, daß die Wagen im Stande sind, sich,
der Länge nachgehend, ans diesen Schienen frei zu bewegen und
jede Lage einzunehmen, so daß sich der kleinste Unterschied in der
Geschivindigkeit der Schienen sofort durch die Gleitung der Platt
formen an ben Schienen ausgleicht.
Es konnte aus den ersten Anblick den Glauben erivecken, als
könne die Nothwendigkeit, auf die Verschiebung der endlosen dehn
baren Schienen den nöthigen Bedacht zu nehmen, zu Schwierig
keiten führen. Die Praxis hat jedoch auf Grund einer ängstlichen
Berechnung ergeben, daß die Zusainmen-
zichuug bezw. Verschiebung dieser Schienen
keine größere Wirkung nach sich zieht, als
daß sie etwa einen Zoll seitlich auf den
Radkränzen Hinausrücken. Aus diesem
Grunde ist Vorsorge nach der Richtung
hin getroffen, daß zwischen den Rad
flanschen und den ununterbrochen fort
laufenden Schienen ein Spielraum von
I V- Zoll besteht.
Die Ununterbrochenheit der Vorwärts
bewegung erfolgt durchaus gleichmäßig
und mit Vermeidung einer allzu großen
Geschwindigkeit. Bei einem Straßen
bahnzug, der gezwungen ist, bei jeder
Straßenecke langsamer zu fahren und an
zuhalten und sich nach jeder Haltestelle
wieder langsam in Bewegung zu setzen,
schrumpft eine Maximatgeschwindigkeit von 10 englischen Meilen im
Durchschnitt auf eine solche von 6 Meilen herab. Vielleicht hundert
Personen -werden an ihrem raschen Fortkommen gehindert, weil
eine oder zwei Personen anhalten wollen. Bei der neuen Er
findung wird Niemand aufgehalten. Von der feststehenden Platt
form tritt derjenige, der vorwärts kommen null, mit Leichtigkeit
zur Seite auf eine zweite Plattform, die sich mit der doppelten
Geschwindigkeit nach vorwärts bewegt. Dort angekommen, nimmt
er einen Sitz ein und reist nun mit derselben Geschwindigkeit
weiter, wie die Durchschnittsbewegnng der Straßenbahn sich ge-
Flgur o.
Ausläufer der Probebahn in
Schleifen.
staltet. Die ziveitc Plattform ist nur um ihre
eigene Stärke, nämlich um 2 Zoll, höher als die
erste oder feststehende. Unter zehn Personen treten
neun mit absoluter Sicherheit gleich beim ersten Ver
such ans die zweite Plattform und desgleichen herunter:
beim zweiten Versuch geht unter Hunderten nicht
einer fehl, und unter 1000 Menschen stößt nicht einer
auf besondere Schwierigkeiten.
In der Berliner Gewerbe-Ausstellung nimmt die
Stufeubahn ihren Anfang vor dem Georgenihor
von Alt-Berlin. Man steigt auf einer breiten,
bequemen Treppe -pF Meter hoch empor, setzt sich hier aus
die Stufenbahn und fährt auf einer Brücke von 28 Meter
Spannung über die Parkstraße zum Vergnügungspark. Die
Brückenköpfe sind Monumental - Bauten im Stile von Alt
Berlin. Im Vergnügungspark bildet die „Stnfen-Hochbahn" eine
Schleife (siehe Figur 5), und hat man diese passirt, so rollt der
Stuhl, ans dem man sitzt, nach Alt-Berlin zurück, um hier durch die
zweite Schleife resp. den Geleise-Kreis wieder in der Richtung nach
dem Vergnügungspark zu kommen. Für zehn Pfennig erwirbt
der Fahrgast die Erlaubniß, dreimal die Fahrt durch die ganze
Strecke der Stufenbahn zu machen.
Für alle Interessenten sei noch bemerkt, daß Näheres über
die am 1. Mai zu eröffnende Stufeubahn und ihre Einrichtungen
bei Herrn Thiel, Charlottenburg, Leibnizstraße 72, II, zu
erfahren ist.
Das Gebäude für Fischerei- Uichruugs- und
Germszmiltel und Sport.
Während das Hauptindustriegebäude in dem Zentrum der
ganzen Ausstellung den markantesten Punkt bilden wird, findet
die Spreefront durch das Fischcreigebäude eine interessante
und originelle Betonung. Die geplante Verbindung der Gruppen
für Nahrungsmittel und Sport mit der Fischerei bedingte von
I selbst die Anlage der ganzen Gruppe in möglichster Nähe des
Flnßnfers, das an dieser Stelle eine imposante Wasserfläche vor
l sich entfaltet. Nach der Zahl der vorläufigen Anmeldungen wurde
dies Gebäude durch Hoffacker auf rund 10 000 Quadratmeter be
messen, für deren Vertheilung ans Hallen, Höfe und Risalite der ge
gebene Bauplatz freien Spielraum läßt.
So konnte diese eigenartige, in jeder Hinsicht geschickte
Gruppirnng gewählt werden, wodurch zwei hohe, lustige Hallen
für Nahrung und Fischerei durch einen anmuthig gestalteten
Zwischcnslügel mit einem großen Wasserbecken verbunden sind.
Dieser an und für sich einfache Gedanke ist unter voller
Ausnutzung der schönen Lage in allen Theilen mit künstlerischem
Verständniß ausgearbeitet worden, so daß gerade dieser Bau von
allen Seiten her ein ansprechendes, vielseitiges Bild aufweist.
Dazu trägt allerdings recht viel bei, daß, dem Charakter der
Fischerei entsprechend, der nordische Holzbau gewählt wurde.
Der Fischer, der sich selbst sein Boot zurecht baut und lebens
länglich daran auszubessern hat, ist von Hause aus ein wenig
Zimmermann, und aus demselben Stoff wie sein Fahrzeug baut
er auch seine Hütte. Nicht der Steinbau ist an der Küste und
in de» Fischerdörfern zu Hause, sondern der Holzbau, und die
einfacheren, aber markigen Formen des nordischen Holzbaues sind
als die zutreffendsten bei uns verwandt worden.
An der Front nach der Spree zu steigen die Vordergiebel in
ihren: dunkeln, kräftige» Holzton wirksam auf, in den einzelnen
Eintheilungen durch rundbogigc Fenster gegliedert. Wuchtig aber
wirken die großen Hallenfcnster, die in ihren Profilen und Fassungen
durch energische Farben hervorgehoben werden. Ueberall zeigt sich
das Bestreben, in der Ausbildung der Umrahmungen, der Balke»
köpfe und Brüstungen die hübschen Motive des echten Holzbaues
zur Geltung zu bringen und mit einfachen Mitteln diese großen
Flächen harmonisch zusammenzubringen.
Zwischen den beiden Hallen liegt das neue Bassin, das au?
der Spree durch zwei reizvoll überbrückte Kanüle mit fließendem
Wasser versehen wird. Die kreuzgangarfige Bogenhalle, die das
idyllische Becken umschließt, gestattete dem Künstler keine rechte
Höhenentwickelung, weshalb durch die Ausbildung des Wasser-
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