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Band Nr. 6, 7. März 1896

Volltext: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

OfftrlcUe A«ssteUn«ss Nachrichten. 
Die Ktufenlrah». 
Wie wir bereits kurz meldeten, gelangt die Stufenbahn auf 
der Berliner Gewerbe-Ausstellung nun doch zur Ausführung. Zwar 
wird sie nur in einer Gesammtlänge von 500 Metern errichtet, 
um eine Verbindung 
zwischen dem Haupt- ^ — _—v ^ 
Park und dem Ver- ^ 
gnilgungspark herzu 
stellen, sie wird aber 
wohl trotzdem eine 
große Anziehungs 
kraft ans alleBesucher 
ausüben, denn für 
Europa ist eine Stu 
fenbahn im Betriebe 
etwas durchaus 
Neues. 
Wir geben daher 
auch fiir unsere Leser 
im Folgenden einen 
mit Illustrationen er 
läuterte genaue Be 
schreibung der Stu- HW l J——JJf-X—*>» 
fenbahn. welche das _ Mj| uLpTE = ii J |H 
Interesse weiterKreise q^) ' 3 Figur l. , 
erregen dürfte: Die 
Stufenbahn besteht aus 2 Plattformen, die sich in parallelen 
Linien fortbewegen mit einer gleichmäßig sich steigernden Geschwin 
digkeit. Die äußere, engere und langsam sich bewegende Plattform 
dient als Stufe oder als 
vermittelnder Standpunkt, 
um zu der inneren, weitereit 
und sich rascher bewegen 
den Plattform zu gelangen, 
wo Sitze angebracht sind. 
Auf diese Weise sind die 
Passagiere in der Lage, 
leicht und in vollkommener 
Sicherheit vom Boden aus 
zu der mit Sitzen versehe 
nen Plattform zu gelangen, 
oder von dieser wieder auf 
den Boden, während beide 
Plattformen sich in Be- 
tvcgung befinden. 
. Die mechanischen Princi 
pien, die in Anwendung 
kommen, um dieses Resultat 
zu erreichen, sind nicht 
durchweg neu, aber sie sind 
einfach und in einer ebenso 
geistreichen wie praktischen 
Weise zur Anwendung ge 
bracht worden. 
Man stelle einen Balken 
oder eine gerade Kante auf 
die Oberfläche eines rollen 
den Rades von irgend be 
liebigem Umfang und stoße 
es vorwärts oder rückwärts 
doppelte Geschwindigkeit wie die erste. Die langsamere Plattform 
bewegt sich mit der Geschwindigkeit, die ein Fußgänger hat. also 
mit 3 englischen Meilen per Stunde, die zweite, schnellere Platt 
form hat die doppelte Geschwindigkeit. 
Die langsame Plattform ist 36 Zoll breit und ist durch Balken 
fest verbunden mit einem Wagen, der auf 4 Rädern ruht. Diese 
Wagen oder Fahrgestelle sind je 12 Fuß lang von einem Ende 
zum andern und haben eine Radbasis von 5 Fuß 0 Zoll. Das 
ganze Gebälk ist so einfach ivie möglich und hat lediglich den Zweck, 
die Räder in angemessenen Zwischenräumen auseinanderznhalten, 
die zur Seite befindliche Plattform mit ihrer etwaigen Last vor 
würts zn bewegen und die Spannkraft der Zugstangen ans 
zuhalten, Vie übrigens, ivie nebenbei bemerkt sei, eine sehr 
geringfügige ist. Die Breite zwischen den Schienen beträgt 45 Zoll. 
Die Räder sind von Gußstahl mit stählernem Vorsprung und 
Flanschen und haben 18 Zoll im Durchmesser. Tie Radachsen 
sind ganz schmal, da sie nur geringes Geivicht zu tragen haben, 
indem weitaus die größte Last von der Krone der Räder getragen 
wird. Die Radwellc hat l 7 /s X -± Zoll und der Büchsensitz 
l 15 /iü Zoll im Durchmesser. 
Tic schnellere Plattform ist 12 Fuß lang von einem Ende 
zum andern und 5 Fuß 10 Zoll breit. Sic besteht aus einem 
einfachen Gebälk ans weißem Eichenholz und wird vorwärts be 
wegt aus zwei endlosen Schienen, wovon später die Rede sein 
wird. Rach oben ist sie abgeschlossen von einem Fußboden aus 
georginischem Fichtenholz, auf welchem 4 Sitzreihen angebracht 
sind mit Sitzgelegenheit für je 3 Personen, sodaß auf die ganze 
Länge eines Wagens von 12 Fuß 12 sitzende Personen kommen. 
Jeder Wagen besitzt eine Fallthür, durch welche man Einblick in 
den unteren Mechanismus erhalten kann. Am Ende der Sitzreihe 
a) Bahnschienen. 
b) I8zöllige gußeiserne Speichenräder. 
X) Handpfvsten. 
k) Büchsen. 
m) Querbalken der sich langsam be 
wegenden Plattform. 
1>) Schnelle Plattform, 
s) Langsame Plattform. 
x) Sich fortbewegende dehnbare 
Schiene. 
y) Gußeiserne Tragbüchsen für die 
dehnbaren Schienen. 
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Figur 2. Querschnitt beider Plattformen. 
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auf einem Brette oder einem Tische, so tvird sich der Balken 
zweimal so rasch vorwärts bewegen wie die Achse oder der Mit 
telpunkt des Rades. 
Dieser Lehrsatz ist bei der Stufenbahn zur praktischen An 
wendung gekommen und zum Besten der Beförderung von Passagieren 
verbessert worden. Diesen, Grundprincip entsprechend ist die sich 
am langsamsten bewegende Plattform, oder diejenige, auf welche 
der Passagier zuerst tritt, mit der Achse des Rades fest verbunden, 
besitzt also infolgedessen auch nur die einfache Geschwindigkeit -dieser 
Radachse. 
Die nächste Plattforn, ist oben auf den Rädern angebracht 
und schiebt sich auf denselben vorwärts, infolgedessen besitzt' sie die 
ist ein Platz von 10 Zoll frei geblieben, sodaß der Passagier nachWunsch 
vorwärts gehen oder seinen Sitz wechseln kann. Am andern Ende 
der Platt- 
form ist 
ein Gitter 
werk mit 
Drahtnetz 
angebracht. 
Alles Nä 
here ist aus 
3%° Figur 3. Genaue Beschreibung, in welcher. Weise die 
ersichtlich. Plattforn, auf den beiden dehnbaren Stahlbändern ruht.
	        
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