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Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport Gruppe XXI. Fahr- und Reitsport. - Wassersport. - Radfahrsport. - Schiess- und Jagdsport

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

78 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 18% 
und Geschicklichkeit auf der Jagd nicht hoch genug zu rühmen. Zur 
damaligen Zeit aber, wo noch der grösste Theil unseres Vaterlandes von 
ausgedehnten, herrlichen alten Waldungen bedeckt war, gehörte die Aus 
übung der Jagd zu den werthvollsten Gerechtsamen des ansässigen freien 
Mannes, und ebenso sehr, wie derselbe seinen majestätischen Wald liebte, 
den er zum Sitze seiner Gottheiten machte, ebenso hoch schätzte er die 
Jagd, diese hauptsächlichste Vorbereitung zum Kriege. Thatsächlich haben 
denn auch ziemlich anderthalb Jahrtausende darüber vergehen müssen, bis 
die infolge der vollständig veränderten Umstände nöthig gewordene Be 
schränkung des Jagdrechtes wirksam durchgefübrt und letzteres schliesslich 
zu einem Prärogativ der herrschenden Geschlechter, des Adels und der 
Ritterschaft gemacht werden konnte. 
Mögen aber auch die politischen, sozialen und damit die jagdlichen 
Verhältnisse in Deutschland im Laufe der letzten zweitausend Jahre noch 
so einschneidende und folgenreiche Wandlungen erfahren haben, die uralte 
deutsche Liebe zu Wald, Wild und Jagd ruht noch heute — Manchem 
wohl nur halb bewusst und schlummernd — als einer der Grundzüge im 
deutschen Charakter, ja sie hat, geweckt und falsch geleitet, schon vielfach 
Unheil gestiftet. Denn dass bei den deutschen Wildfrevlern — im Gegen 
satz zu denjenigen anderer Länder — in den meisten Fällen die Jagd 
leidenschaft eine viel bedeutendere Rolle spielt, als die Aussicht auf 
materiellen Gewinn, muss wohl anerkannt werden, und auch der Gesetz 
geber trägt dieser Thatsache Rechnung, indem er dem Wilddiebstahl und 
den in Verbindung mit demselben begangenen Vergehen und Verbrechen eine 
besonders milde, Manche sagen eine viel zu milde Beurtheilung angedeihen lässt. 
Wenn jedoch dieser Grundzug im deutschen Volkscharakter einerseits 
hin und wieder bedauerliche Auswüchse zeitigt, so ist er doch andererseits 
die Veranlassung gewesen, dass das edle Waidwerk, der Jagdsport, wie 
dasselbe heute mit einem modernen Namen bezeichnet wird, in Deutsch 
land zu einer so hohen Blüthe und Vollkommenheit gelangt ist, wie in 
keinem anderen Land der Welt. Gerade die Liebe zu Wald und Wild 
bildet bei uns das nothwendige Gegengewicht gegen die blosse Jagd 
leidenschaft und verhindert die letztere, in ein blindwüthiges „Schiesserthum“, 
in eine verächtliche „Aasjägerei“ auszuarten. Nirgends auf der ganzen 
Gotteserde wird die Jagd gleich sportlich — d. h. ebenso waidgerecht 
ausgeübt, wie bei uns, und kein anderer Jäger ist so sehr von dem ge 
rechten Grundsatz durchdrungen, dass derjenige, der Wild schiessen will, 
auch Wild hegen muss, als der deutsche Waidmann. Denn derselbe sucht 
seinen Stolz nicht darin, eine möglichst grosse Stückzahl von Wild zur 
Strecke zu bringen und alles, „was Haare und Federn hat“ und was ihm 
vor das Rohr kommt, auswahllos nieder zu knallen, sondern er regelt 
seinen Abschuss nach ganz bestimmten, feststehenden waidmännischen 
Gesetzen im Verhältniss zur Stärke seines Wildstandes, und er findet seine 
höchste Genugthuung in dem Bewusstsein, seine Wildbahn in gutem Stand 
zu haben, so dass sie ihm auch in kommenden Jahren die gerechte Aus 
übung der Jagd gestattet. Zu diesem Endzweck hegt und pflegt er sein 
Wild, füttert es im Winter und schützt es vor Raubzeug, indem er gegen 
letzteres einen beständigen Krieg führt, und eine stolze Freude erfüllt ihn, 
wenn er seine Bemühungen vom Erfolg belohnt sieht, wenn sein Revier 
gut jagdbare, wohl auch hervorragend starke Stücke aufzuweisen vermag. 
Und wenn dann die rechte Zeit zum Abschuss gekommen, dann scheut 
er nicht Wind noch Wetter, nicht Zeit noch Mühe, um gerade ein einzelnes, 
ganz bestimmtes Stück zu erlangen, und wenn ihm schliesslich der grosse
	        
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