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Full text: Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

Gruppe X. Nahrungs- und Genussmittel 
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7. Molkerei, Milch, Butter, Käse, Kunstbutter u. s. w. 
Seit der 1874 zu Bremen erfolgten Gründung des Deutschen Milch- 
wirthschaftlichen Vereins hat sich das gesammte Molkerei-Wesen durch die 
Erfindung einer Reihe von neuen Maschinen von Grund aus geändert. 
Die Einführung hauptsächlich der Centrifugalmaschinen ermöglicht es seit 
dem, die Sahne im frischen Zustande von der blauen Milch zu trennen, 
während man früher diese Trennung durch Stehenlassen der Milch bewirken 
musste. Die Vortheile der neuen Methode bestehen darin, dass nunmehr 
die Butter aus frischer Sahne bereitet wird und dass letztere den Einflüssen 
der Temperatur nicht mehr unterworfen ist, beispielsweise bei einem 
Gewitter nicht mehr auseinanderläuft und sauer wird. Demgemäss erzielt 
man auch aus der durch Centrifugalkraft gewonnenen Sahne eine besonders 
frische und süsse Butter. 
Der Industriezweig hat sich dieser Umwälzung angepasst durch den 
Bau von Maschinenhäusern, in welchen die gesammten Manipulationen zur 
Verarbeitung der Milch in Butter, Käse und Sahne vorgenommen werden. 
Von grossem Einflüsse auf die Gestaltung des Molkereiwesens waren 
ferner wissenschaftliche Entdeckungen verschiedener Art, durch welche den 
Molkereiprodukten eine starke Konkurrenz entstand. Man lernte ein Ver 
fahren kennen, mit Hilfe dessen es gelang, frischen Rindertalg in der 
Weise zu schmelzen, dass das in demselben enthaltene weiche, feine Fett, 
das Oleo - Margarin, von dem harten, festen, schweren Stearin getrennt 
wurde. Das Margarin ergiebt mit Milch verarbeitet, d. h. gebuttert, die 
Margarine, während das Stearin mit Schweineschmalz und Oelen ver 
schiedenster Art verschmolzen und zu sogenanntem Speisefett verarbeitet wird. 
Der durch die Wissenschaft festgestellten Thatsache, dass in der Milch 
viele der Gesundheit schädliche Elemente Vorkommen, hat der Industriezweig 
durch Einführung der Pasteurisation Rechnung getragen und in der pasteuri- 
sirten Milch ein für Jedermann, namentlich aber für Kinder, Reconvalescenten 
und Kranke äusserst zuträgliches Getränk gewonnen. Die Ausstellung bietet 
gute Gelege nheit, die Bemühungen des Industriezweiges zur Erzielung einer 
allen Anforderungen der Hygiene entsprechenden Milch eingehend kennen 
zu lernen. (Siehe Abtheilung für Wohlfahrts-Einrichtungen). 
Die durch die Centrifugalmaschinen bewirkte Aenderung des Betriebes 
besteht darin, dass der kleinere und mittlere Besitzer von Kühen nicht 
mehr selbst buttert, sondern einem Molkereiverbande angehört, in dessen 
Räume er seine Milch zur weiteren Verarbeitung schickt und mit der er 
wöchentlich oder monatlich abrechnet. Während früher der Landwirth nur 
wenige Mal im Jahre beim Verkauf der Ernten, bei der Schafschur u. dgl. 
grössere Einnahmen hatte, bietet das Genossenschafts-System allwöchentlich 
oder allmonatlich eine Einnahmequelle. Da diese Genossenschaften sich 
auch ausserdem wohl bewährten, schliessen sich aller Orten die Land- 
wurthe zahlreich zu Molkereiverbänden zusammen. Die Folge davon 
ist eine noch bestehende, starke Ueberproduktion und ein gleichzeitiges 
Sinken der Preise für Molkereiprodukte. Auch haben sich infolge des 
grossen Angebots die Ansprüche, die man an eine feine Butter stellt, sehr 
gesteigert, während infolge der gleichzeitigen Konkurrenz der Margarine 
mangelhaft verarbeitete und schlechte Butter fast gar keine Abnehmer mehr 
findet. Aehnlich liegen die Verhältnisse beim Käse. Hier hat ausserdem 
die durch Centrifugalmaschinen bis zu V 2 pCt. Sahnengehalt bew'irkbare Ent 
fernung der Sahne den Käse gegen früher fettärmer gemacht. Infolge
        
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