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Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

26 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Grünau. Die Heilquellen Eberswaldes sind seit 1572 als heilkräftig bekannt: 
schon im Anfang dieses Jahrhunderts stand das Bad in hoher Blüthe. In 
diese Zeit, 1821, fällt auch der Aufenthalt König Friedrich Wilhelms III., 
welcher an Ort und Stelle von der Quelle trank, die nunmehr den Namen 
„Königsquelle“ erhielt. 
Seit den im Jahre 1891 neuerdings wieder angestellten Bohrversuchen 
liefert die Quelle ununterbrochen ca. 25 000 Liter Wasser in einer Stunde, 
welches nach Dr. R. Fresenius ein eisenhaltiges Mineralwasser und als 
Tafelwasser „ganz keimfrei und ohne jeden Zusatz“ ist. Das hygienische 
Institut der Universität Marburg bescheinigt, dass die Quelle „bakterienfrei 
zu Tage tritt“ und empfiehlt das Tafelwasser „als ein von Infektionsstoffen 
jeder Art unbedingt freies und gesundheitsgemässes Getränk namentlich in 
Epidemiezeiten“. Der Absatz der „Königsquelle“ hat sich seit 1891 in 
Berlin sowohl, wie in ganz Deutschland stetig gesteigert. In den grösseren 
Städten, wie Breslau, Hamburg, Kiel, Stettin u. s. w. befinden sich Niederlagen, 
und auch ein Export nach dem Auslande, insbesondere nach Schweden, 
Finnland, den Südamerikanischen Republiken, sowie nach den Deutschen 
Kolonien in Afrika entwickelt sich. 
Der am Abhange des Hochplateaus von Grunewald -Westend als frei- 
abfliessende Quelle entspringende „Fürstenbrunn“ ist, wie geschichtlich 
feststeht, schon Jahrhunderte lang bekannt. Der Grosse Kurfürst besuchte 
sie und trank das Wasser der Quelle. In Erinnerung hieran wurde am 
19. Mai 1857 auf Antrag des Polizei-Amts von Gharlottenburg das Grund 
stück, auf welchem die Quelle entspringt, „Fürstenbrunn“ genannt. 
Erst seit Herbst 1888 wird das Fürsten-Quellwasser zu Genusszwecken 
nutzbar gemacht, indem aus demselben ein kohlensäurehaltiges Tafelwasser 
gewonnen wird. Infolge eines Abkommens, das die Verwaltung mit dem 
Laboratorium des Geh.-Rath Prof. Dr. R. Fresenius-Wiesbaden geschlossen 
hat, wird die Quelle in chemischer und bakteriologischer Hinsicht regel 
mässig kontrolirt. Die ständig wiederkehrende Untersuchung durch Geh. Rath 
Fresenius hat bestätigt, dass der „Fürstenbrunn“ ein reines, von allen 
schädlichen Organismen und Substanzen freies Quellwasser ist, das mit 
Kohlensäure übersättigt allen Anforderungen genügt, die an ein gutes Tafel 
wasser gestellt werden können. Der Absatz des Wassers ist andauernd 
gestiegen; während 1888 die jährliche Lieferung nur 300 000 Flaschen 
betrug, konsumirte im Jahre 1895 Berlin allein über 2 000 000 Flaschen. 
Das Wasser wird in den kleineren und mittleren Städten von Kolonial- 
waarenhändlern, Restaurateuren und anderen Kaufleuten geführt, in grösseren 
Städten hat der „Fürstenbrunn“ eigene Vertreter. Ausser nach Berlin wird 
das Wasser hauptsächlich nach den Provinzen Brandenburg, Posen, Pommern 
und Schlesien abgesetzt. Hinderlich für die weitere Verbreitung sind haupt 
sächlich die bestehenden hohen Frachtsätze. Immerhin findet trotzdem, 
wenn auch in geringerem Umfange, Export nach dem Auslande statt. 
Künstliche Mineralwässer stellt die chemische Fabrik von M. Seeger in 
Falkenberg bei Grünau aus, welche sich ausser der Herstellung von Brunnen- 
und Tafelwässern auch noch mit der Fabrikation von Schaumweinen und 
Limonaden befasst. 
4. Bier. 
Mit der Entwickelung der Reichshauptstadt hat das Aufsteigen des 
Berliner Brauwesens von einem früher überwiegend handwerksmässig 
betriebenen Gewerbe zur Grossindustrie gleichen Schritt gehalten.
	        
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