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Full text: Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

Gruppe X. Nahrungs- und Genussmittel 
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Waare fabrizirt werden. Demgemäss bietet Berlin als ein Sitz des industriellen 
und maschinellen Fortschrittes, der durch kapitalkräftige Unternehmer früh 
zeitig in die rechten Wege geleitet wurde, umsomehr einen hervorragend 
günstigen Platz für die Entwickelung der Weinessig-Fabrikation, als es eines- 
theils der grösste Konsument ist, anderentheils die überaus günstigen Eisen 
bahn- und Wasserverbindungen den so schwierigen Versand wesentlich 
erleichtern und verbilligen. Die Berliner Essig-Industrie ist daher, den Be 
dürfnissen der Konsumenten folgend, im Aufsteigen begriffen. In der neueren 
und neuesten Zeit kommt eine aus holzessigsaurem Kalk dargestellte 
Essigessenz in Aufnahme, welche zwar den Aufschwung der Berliner 
Gährungsessig-Industrie nicht hemmen konnte, aber für das übrige Deutsch 
land bis jetzt noch eine sehr fühlbare Konkurrenz bildet, obschon dagegen 
vom hygienischen Standpunkt aus viele Einwendungen erhoben werden. 
Die Produktion von Sprit - Essig hat sich nach den vorliegenden 
statistischen Nachweisen in Deutschland nicht vermehrt; in Berlin ist sie 
aus den oben angeführten Gründen zweifellos gestiegen. Sowohl vor 
wie nach 1887 betrug der Verbrauch der Essig-Industrie an steuerfreiem 
Alkohol im Jahresdurchschnitt rund 107 000 hl. Aus diesem Beharren 
auf dem Durclisclmitte zu schliessen, dass die Essig-Industrie das Maximum 
ihrer Absatzfahigkeit erreicht habe, dürfte schwerlich richtig sein. Vielmehr 
zeigt sich hier die Wirkung des Vordringens der Essigessenz, der gegen 
über der Gährungs-Essig immerhin seine Stellung behauptet hat. Uebrigens 
hat die Produktion von guten Qualitäts-Essigen zugenommen. Die 
Konsumenten und Konservenfabriken fordern heut vor allem guten Wein- 
Essig, für dessen Produktion sich denn auch gerade in Berlin eine Reihe 
von Fabriken gefunden haben. Auch die Ausfuhr steigt langsam; das 
Hauptabsatzgebiet ist Belgien, daneben kommt England in Betracht. Der 
Export der letzten Jahre betrug im Durchschnitt 40- bis 42 000 Doppel- 
Gentner und ist noch immer im Steigen begriffen. 
Die Produktion, die früher ein langwieriges Verfahren erforderte, wird 
jetzt, soweit Spiritus-Essig in Frage kommt, auf dem Wege der Schnell 
fabrikation betrieben, die zu ihrem grossen Vortheile eine Reihe von 
Modifikationen erfahren hat, welche in letzter Linie wieder der Qualität 
der Waare zu Gute gekommen sind. Dagegen bewegt sich die Weinessig- 
Fabrikation wesentlich in den alten bewährten Bahnen. 
Die Zahl der im Kataster der Brennerei - Berufs - Genossenschaft ver 
zeichnten Essig-Fabriken, welche im Jahre 1894 rund 340 betrug, muss, 
um der Wirklichkeit nahe zu kommen, mindestens verfünffacht werden, da 
im Kataster die unter 100 hl Alkohol jährlich verbrauchenden und die 
neben der Essig-Fabrikation noch chemische Industrie treibenden Fabriken 
nicht Aufnahme finden. In Berlin bestehen etwa 6 grössere Betriebe, während 
sich hier Kleinbetrieb, der im übrigen Deutschland überwiegt, nicht findet. 
Die weitgehende Decentralisation der Fabrikation beruht auf dem Umstande, 
dass der Transport des Gährungs-Essigs mit grossen Schwierigkeiten und 
Kosten verbunden ist und dass der kleine Fabrikant in seiner Stadt und 
deren nächster Umgebung ein sicheres Platz-Geschäft ohne besonderes 
Risiko macht. 
h) Mineralwässer. 
Natürliche und künstliche Mineralwässer sind vertreten durch die Aus 
stellungen der „Königsquelle“ (Eberswalde, Brunnen-Direktion K. v. Boden 
hausen, Berlin NW., Unter den Linden 43), der Quelle „Fürstenbrunn“ 
(bei Westend) und der Mineralwasseranstalt M. Seeger in Falkenberg bei
        
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