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Full text: Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

Gruppe X. Nahrungs- und Genussmittel 
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etwa 20 Millionen Liter Cognac. Bis vor etwa 20 Jahren war Frankreich 
die einzige Bezugsquelle für Weindestillate. 
In Deutschland ist die Fabrikation zuerst Mitte der 70er Jahre im 
Rheinland eingeführt worden, wo man Cognacbrennereien nach französischem 
Muster errichtete. Das Beispiel wurde in Hessen, im Eisass, in Schlesien 
befolgt, aber die junge Industrie hatte lange und schwer gegen das Vor- 
urtheil, dass Cognac nur in Frankreich hergestellt werden könne, zu kämpfen. 
Noch jetzt herrscht diese ganz irrthümliche Auffassung und zwingt deutsche 
Fabrikanten, sehr wider ihren Willen französische Etiketten zu führen. Das 
Gesetz vom 1. Oktober 1894 hat hier schon Einiges gebessert. Die Gewerbe- 
Ausstellung wird hoffentlich zur Verbreitung der Einsicht beitragen, dass 
Wein an allen Orten destillirt werden kann. Heute ist die Cognacbrennerei 
in Deutschland weit verbreitet, in Schlesien, Süddeutschland und Branden 
burg besonders ausgedehnt und nimmt auch neuerdings in Berlin an Umfang 
zu. Es bestehen 81 grössere und eine Anzahl von kleinen Brennereien, davon 
in Berlin 5 grössere und 8 kleinere: sie brennen Charente-, Italiener, Elsässer 
rheinhessische und schlesische Weine theils jeden für sich, theils in geeigneter 
Mischung, zwei Firmen auch Rosinenweine. Während früher nur geringe 
deutsche, auch stichige Weine verwendet wurden, hat die Konkurrenz, da 
nur guter Wein gutes Destillat ergiebt, allmälig zur Verwendung immer 
besseren Rohmaterials geführt. 
Cognac ist ursprünglich ein reines Weindestillat, ein durch Destillation 
aus verschiedenen Weinsorten gewonnener Weinbranntwein (Weinbrand). 
Für die Herstellung des Cognacs sind weisse Weine vorzuziehen, da sie durch: 
gängig einen feineren, mehr aromatischen Cognac als die rothen geben; alte 
Weine liefern nicht den besten Cognac. Die geringeren Weindestillate werden 
als Franzbranntwein bezeichnet. Der billige Cognac ist stets Verschnitt, und 
zwar sowohl der aus Frankreich wie der aus Deutschland bezogene. 
Der Export von deutschem Cognac erstreckt sich auf billige Waare, 
die aus dem ganzen Reiche meist nach den Tropen, doch auch nach Eng 
land, der Türkei, China, Amerika ausgeführt wird. 
Auch minderwerthige Weine, die früher kaum irgendwie verwendbar 
waren, finden jetzt bei der Cognacbrennerei noch Verwerthung. Somit ist 
die Cognacbrennerei für den deutschen Weinbau von hohem Werthe, dem 
sie nicht nur derartige Produkte von geringerer Güte, sondern auch im 
Verein mit der Schaumweinindustrie ein Viertel seiner Gesammtproduktion 
abnimmt. Von der deutschen Weinproduktion, die 1895 364 Millionen Liter 
betrug, kommen drei Viertel auf Stillweine. 
Das Branntweinsteuergesetz von 1887 hat die schnelle Entwickelung 
der deutschen Cognacbrennerei befördert. Eine gute Zukunft derselben ist 
wahrscheinlich, zumal sie mit der Zeit auch altes Lager aufzuweisen haben 
wird. Die Hauptsache ist aber, dass das Publikum über die Thatsache auf 
geklärt wird, dass deutscher Cognac bis zu 5 Mark für das Liter mindestens 
ebenso gut ist wie gleich theuerer französischer; einige Millionen Mark 
könnten dann alljährlich Deutschland erhalten bleiben, statt nach Frankreich 
zu wandern. 
d) Schaumweine. 
Die deutsche Schaumwein-Produktion ist in stetem Wachsthum, Auch 
hier hat ein altes Vorurtheil gegen deutsche, speziell solche deutsche 
Schaumweine, die nicht in den Weingegenden selbst bergestellt werden, 
die Entwickelung der Industrie ausserordentlich erschwert. 
Die Hauptaufgabe der Champagnerfabrikanten — die Auswahl und 
Behandlung geeigneter Weine, da alles für den Champagner Nöthige selten
        
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