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Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

18 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Die Ausfuhr Berlins, für die sich eine Statistik nicht aufstellen lässt, 
da die Aussendungen der Hansestädte den hiesigen Export mit enthalten, 
ist von dem allgemeinen Rückgang in starkem Maasse mit betroffen worden. 
An dem massenhaften Bedarfe Berlins selbst liegt es, dass der Liqueur- 
handel für diese Stadt sehr bedeutsam geblieben ist. Der Konsum an 
Trinkbranntwein ist aber gegen die Periode vor 1887 auch in Berlin 
um Vs zurückgegangen, theils infolge der erhöhten Preise, zu denen sich 
die Fabrikanten wegen der Vertheuerung des Rohmaterials verstehen 
mussten, theils infolge der Verringerung des Alkoholgehalts des Trink 
branntweines, wodurch man zu vermeiden suchte, dass der Verkaufspreis 
allzusehr über den bis zum 1. Oktober 1887 üblichen erhöht werde. 
Im Grossen und Ganzen steht trotzdem, wenn man von den Hansestädten 
absieht, das Berliner Geschäft im Vergleich zu der Lage des Industriezweiges 
in Deutschland verhältnissmässig günstig da. Unerfreulich ist es, dass die 
Konkurrenz ausserordentlich übertrieben und das Geschäft dadurch für Alle 
unlohnend wird; ebenso, dass die Selbstmacherei der kleinen Schankwirthe, 
welche den Massen-Konsum befriedigen und meist mit geringer Sachkenntniss 
die Waare aus Zucker, Sprit und ätherischen Oelen „zusammenplanschen“, 
zugenommen hat, trotzdem die Fabrikanten guten Liqueurs durch öffentliche 
Aufklärung eifrig gegen die Missstände dieser Art von Fabrikation gekämpft 
haben. Erfreulich aber ist es für Berlin, dass es den eifrigen Bemühungen 
der grossen deutschen und darunter speziell Berliner Destillations - Betriebe 
gelungen ist, nach hartem Kampfe den französischen und holländischen 
Liqueuren erfolgreich Konkurrenz zu machen und die Voreingenommenheit 
des Publikums für fremde Liqueure zu besiegen. Der Export in deutschen 
Liqueuren steigt und der Inlands-Konsum desgleichen. Während die übrige 
deutsche Liqueur-Fabrikation einen bedeutenden Rückgang erlitten hat, ist 
zwar Berlin in Beziehung auf Abnahme an Quantität gefolgt, aber in Be 
ziehung auf Verbesserung der Qualität gestiegen und im Begriffe, seinen 
feineren Spezial-Marken einen immer grösseren Absatz zu verschaffen. 
Der Rückgang der Branche hat auch auf die Gestaltung des technischen 
Betriebes eingewirkt. Die meisten Fabrikanten begannen auf kaltem Wege 
mit Essenzen, ätherischen Oelen u. s. w. zu arbeiten. Da aber die kalte Destilla 
tion schlechtere Qualitäten liefert und der schon gesunkene Konsum noch 
weiter gedrückt wurde, kamen die besseren Fabriken, soweit sie über 
haupt früher davon abgegangen waren, auf den allerdings kostspieligeren 
Weg der warmen Destillation zurück. In neuerer Zeit sind die Berliner 
Betriebe fast alle mit Dampfeinrichtungen versehen worden. 
Infolge der neuen Methoden, den Rohspiritus besser, namentlich fusel 
freier als bisher herzustellen, ist auch den Liqueurfabrikanten die Erzeugung 
eines reinen Produkts ermöglicht. Versuche, den Zucker durch Saccharin 
zu ersetzen, mussten wieder aufgegeben werden, weil dieses dem Fabrikate 
nicht die nothwendige Dickflüssigkeit geben konnte und unter Zunahme von 
Stärke und Syrup Geschmack und Werth beeinträchtigte. Dagegen bringt 
man in neuerer Zeit auch indischen Rohrzucker, Gandis, Invert-Zucker und 
Honig bei besseren Liqueuren zur Verwendung, besonders hier am Platze, 
wo auf immer grössere Verfeinerung der guten Spezialitäten hingearbeit,et wird. 
Bezüglich der Zahl der im ganzen Reiche vorhandenen Liqueurfabriken 
und Grossdestillationen giebt eine private Zusammenstellung als zuverlässig 
anzusehende Angaben. Danach befanden sich im Jahre 1894 (seitdem dürfte 
sich hierin fast nichts geändert haben) an Grossbetrieben unserer Branche: 
in der Prov. Brandenburg . . . 236 
„ „ „ Hannover 113
	        
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