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Full text: Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

Gruppe X. Nahrungs- und Genussmittel 
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Einfluss. Wenn auch infolge der neuen Steuergesetze die Belastung der 
Lebensmittel und Gebrauchsartikel im Allgemeinen eine starke Erhöhung- 
erfahren hat, so hat doch infolge der grossen Beliebtheit des Kaffeegetränks 
der Konsum desselben keine Einschränkung erfahren, vielmehr unausgesetzt 
zugenommen. Der Kaffee ist das Letzte, woran gespart wird, und sofern 
dies unerlässlich ist, sucht man ani Preise zu sparen, also durch Kauf 
geringerer Qualitäten, nicht aber am Quantum. Immerhin würde der 
Wegfall des ausserordentlich hohen Kaffeezolls (20 Pf. auf das halbe kg) 
bei der zunehmenden Verbreitung der Kenntniss von den guten Eigen 
schaften des Kaffees, namentlich auch im Gegensatz zu dem Alkohol, eine 
weitere Steigerung des Kaffee-Konsums herbeiführen. Auch in Berlin hat 
die Errichtung von Volkskaffeehäusern zur Bekämpfung des Alkohol- 
Missbrauch neuerdings Fortschritte gemacht. 
Der Geschäftszweig der Kaffeerösterei steht in Deutschland und nament 
lich in Berlin zur Zeit in grosser Blüthe; allerdings ist die Konkurrenz 
sehr scharf, wie dies heute bei jedem Handelszweige von Bedeutung der 
Fall ist. Der Nutzen im Detailhandel hat sich infolgedessen auch in Bezug 
auf Kaffee gegen früher wesentlich vermindert. 
3. Sprit, Liqueur, Cognac, Schaumwein, Fruchtwein, 
Fruchtsaft, Essig, Mineralwässer. 
ci) Sprit. 
Die Spritfabrikation Deutschlands hat ihren Aufschwung zugleich mit 
der Ausdehnung der landwirthsehaftlichen Kartoffelbrennerei in den 50 er 
Jahren genommen und es verstanden, die Technik in grossartiger Weise zu 
entwickeln, so dass die deutschen Sprite infolge ihrer Reinheit und Neutralität 
sich bald eines Weltrufes erfreuten. Besonders gilt das von denjenigen 
Spriten, die aus Kartoffelspiritus hergestellt sind. Vor allem ist in Berlin 
diese Industrie auf einen ausserordentlich hohen Punkt der Entwickelung 
gebracht worden. Die hier theils zuerst, theils sehr früh eingeführten 
neueren technischen Errungenschaften haben die allgemeine Aufmerksamkeit 
erregt und die Ueberlegenheit der Berliner Produkte noch mehr befestigt. 
Hand in Hand damit nahm der Export bis 1885, in welchem Jahre er etwa 
80 Millionen Liter betrug, stetig zu. Von da ab kam, als Erwiderung der 
unsrigen, eine schutzöllnerische Richtung in fast allen denjenigen Ländern 
zum Ausdrucke, welche Sprite einführen, und als im Jahre 1887 die Ein 
führung des neuen Branntweinsteuergesetzes durch die damit Platz greifenden 
Uebergangsbestimmungen das Ausland beunruhigte, wurden die Zölle in den 
Hauptimportländern, Frankreich und Spanien, zu geradezu prohibitiven 
ausgebildet. 
Seit dieser Zeit ist ein andauernder Rückgang des Exports eingetreten, 
der erst in neuester Zeit sich infolge der im Jahre 1895 votirten Novelle 
zum Branntweinsteuergesetz wieder etwas gehoben hat. 1894 erreichte der 
Export mit 76 987 Doppelcentnern sein Minimum, während er 1895 auf 
167 652 Doppelcentner gestiegen ist. 
Die Produktion von Sprit ist seit 1887 um 35 pCt. gefallen. Auch für 
den Inlandskonsum waren die gesetzgeberischen Maassregeln von 1887 von 
einschneidender Bedeutung, indem durch sie die einst so blühende Sprit- 
industrie noch bis zum heutigen Tage einem sich immer mehr ausdehnenden
        
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