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Full text: Nahrungs- und Genussmittel, Fischerei, Schifferei und dazu gehöriger Sport, Fahr-und Reitsport, Radfahrsport, Schiess-und Jagdsport

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Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Roggenmehl täglich verarbeitet. Das Weizenmehl zur Herstellung des 
feineren Gebäcks (Knüppel, Dampfmilchbrod) wird aus Ungarn bezogen, 
während im Uebrigen inländisches Weizen- und Roggenmehl benutzt wird. 
Früher liess der Berliner Bäcker selbst das Mehl auf hiesigen Dampf-, 
Wasser- und Windmühlen mahlen; heute wird das Mehl von Handelsmühlen 
gekauft. 
Die Verbesserung der Backöfen und die Einführung der Maschinen hat die 
Arbeit bedeutend erleichtert und die Arbeitsdauer im Allgemeinen verkürzt. 
Dagegen befürchtet man von der vom Bundesrath erlassenen Verordnung, 
betreffend den Maximalarbeitstag in Bäckereien, welche mit 1. Juli 
d. J. in Kraft tritt, eine schwere Schädigung des Bäckergewerbes, das dadurch 
nach der Ansicht der meisten Betroffenen nicht nur in seiner Weiter 
entwickelung gehemmt, sondern weit zurückgeworfen werden dürfte. Man 
nimmt vielfach an, dass die neue Einschränkung den Uebergang der Bäckerei 
vom Klein- zum Grossbetrieb herbeiführen wird. 
Die Konditoreien im Speziellen sind, wie nach Deutschland überhaupt, 
so auch nach Berlin durch Schweizer Zuckerbäcker eingeführt worden, 
welche die früher von den Apotheken betriebene Herstellung der Kon 
fitüren zu wesentlich billigeren Preisen übernahmen. Die Konditoreien 
beschränkten sich anfänglich auf die Herstellung aller Gebäcksorten, deren 
Fabrikation ohne Trieb (Hefe) möglich ist, und auf den Ausschank von 
Kaffee, Chokolade u. s. w. Dem zu Anfang der 70 er Jahre in hoher Blüthe 
stehenden Geschäftszweige machten zunächst die in Mode kommenden 
„Wiener Cafes“ grosse Konkurrenz; ausserdem widmeten sich, wie bereits 
erwähnt ist, die Bäcker in grossem Umfange der Herstellung von Konditor- 
waaren. Trotzdem aus den angeführten Gründen die Konditorei-Betriebe 
theilweise schwer um ihre Existenz zu ringen haben, hat sich in Berlin 
ihre Zahl seit 1879 ungefähr entsprechend dem Bevölkerungszuwachse 
vermehrt. 
Die Knet- und Teigtheilmaschinen finden auch im Konditorei-Betriebe 
ausgiebige Verwendung. Dazu kommen noch Mandel- und Mohnreibmaschinen, 
Bonbonmaschinen, Eisbereitungs- und Eiszerkleinerungsmaschinen. Trotz 
der Einführung dieser mechanischen Hilfskräfte vollzieht sich die Fabrikation 
in gegen früher nicht wesentlich veränderten Formen. Der Versuch, Zucker 
und Vanille durch Saccharin und Vanillin zu ersetzen, war nur von geringem 
Erfolge begleitet. 
Um gegenüber der auswärtigen Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu 
kommen, sind die Berliner Konditoren genöthigt, den weitgehenden Anfor 
derungen des weltstädtischen Publikums in Bezug auf geschmackvolle 
Garnirung der Torten und Schüsseln, sowie in Bezug auf künstlerische 
Modellirung ausgiebig Rechnung zu tragen. Infolgedessen ist es auswärtigen 
Firmen nur für gewisse Spezialitäten, z, B. für Baumkuchen, gelungen, sich 
in Berlin ein mässig grosses Absatzgebiet zu erringen. 
Es handelt sich in Berlin meist um Mittel- und Kleinbetrieb. In 
folge der grossen Anforderungen, die das Publikum auch in Bezug auf 
Grösse und geschmackvolle Ausstattung des Ladens stellt, gehört zur 
Etablirung in Berlin ein häufig nicht unbeträchtliches Kapital. Dem fleissigen 
und intelligenten Arbeitnehmer wird es trotzdem nicht allzu schwer, sich 
in verwandten Branchen, vornehmlich der mit Konditorei verbundenen Fein 
bäckerei, auch mit geringen Mitteln selbständig zu machen, und dieser Umstand 
sowie die Thatsache, dass die Konditorei in ausgesprochenem Maasse Saison 
geschäft ist, erklären es, dass das gute Verhältniss zwischen Arbeitgeber 
und Arbeitnehmer in diesem Fache durch Streiks und Ausstände nicht
        
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