Path:
Text

Full text: Über die Ergebnisse der Wettbewerbung zum National-Denkmal für Kaiser Wilhelm / Blankenstein, Hermann Wilhelm Albert

8 
Mit der Höhe des Denkmals wird aber auch der Gröfse des Auf 
stellungsplatzes eine gewisse Grenze gezogen, da für eine günstige Be 
trachtung desselben ein Abstand von dem Eineinhalbfachen bis Doppelten 
der Höhe am zweckmäfsigsten ist, wie Maertens in seinem Buche „der 
optische Maafsstab“ nach weist. 
Da aber das Denkmal auch einer gewissen räumlichen Gröfse nicht 
entbehren kann, so bleibt nur übrig, die Architektur zu Hilfe zu nehmen, 
wie dies auch beim Denkmal Yictor Emanuels geschieht. Die Architektur 
darf aber nicht um ihrer selbst willen auftreten, sondern nur den Rahmen 
bilden, welche das Hauptbild umschliefst und den bildnerischen Schmuck 
aufnimmt, durch welchen die grofsen geschichtlichen Ereignisse, deren 
Mittelpunkt der Kaiser bildet, der Nachwelt in das Gedächtnifs gerufen 
werden sollen. Hierbei wird auch die monumentale Malerei nicht fehlen 
dürfen, welche viel unmittelbarer zum Volke spricht, und überhaupt viel 
volksthümlicher ist, als die Skulptur mit ihren einfarbigen, meist dunkel 
erscheinenden Figuren. Namentlich finden die an grofsen Denkmälern 
so häufig angebrachten, ausgedehnten figurenreichen Reliefs, die dem 
Künstler so viel Mühe machen, nicht die entsprechende Anerkennung 
im grofsen Publikum. Dieses verlangt wirkliches Leben, wie es nur das 
farbenreiche Bild zu bieten vermag. 
Ueber einen wichtigen Punkt wären etwas genauere Vorschriften 
in den Bedingungen des Preisausschreibens wünschenswerth gewesen, 
nämlich darüber, welche Umgestaltungen im baulichen Bestände Berlins 
zu Gunsten des Denkmals überhaupt als zulässig erachtet werden. Diese 
Lücke mufste das Preisgericht selbst ausfüllen und hat dies dahin gethan, 
dafs keine Veränderungen zugelassen werden sollten, durch welche künst 
lerisch bedeutende, und namentlich historisch wichtige Werke beseitigt 
oder in ihrem Wesen umgestaltet würden, wogegen die Beseitigung von 
Gebäuden, welche lediglich einen Geldwerth besitzen, als zulässig er 
achtet wurde. 
Ueber die Kostenfrage hat das Programm keinerlei Vorschriften 
gemacht, obwohl dieselbe bei der Frage der wirklichen Ausführung docli 
auch nicht ganz aufser Acht bleiben wird. Das Preisgericht hat daher 
auch seinerseits darauf kein Gewicht gelegt, weil es zunächst nur darauf 
ankommen konnte, einen brauchbaren künstlerischen Gedanken zu ge 
winnen. Ebenso wenig Rücksicht haben natürlich die Bewerber auf den 
Kostenpunkt genommen. Sie haben diejenigen Plätze bevorzugt, welche 
die freieste Entfaltung ihrer künstlerischen Gedanken, namentlich in 
Bezug auf die Architektur, ermöglichten. Auch finden sich unter den 
Entwürfen verschiedene, welche, entgegen den Bestimmungen des Preis 
ausschreibens, Plätze im Innern der Stadt in Aussicht nehmen, welche 
erst durcli gänzliche Beseitigung werthvoller Gebäude gewonnen werden
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.