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Full text: Über die Ergebnisse der Wettbewerbung zum National-Denkmal für Kaiser Wilhelm / Blankenstein, Hermann Wilhelm Albert

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der Aufgabe selbstverständlich, dafs den beiden Architekten die vor 
läufige Sichtung und Vergleichung der Arbeiten mit Zirkel und Maafs- 
stab zugefallen ist; von irgend einem überwiegenden Einflufs gegenüber 
den 12 anderen Preisrichtern, konnte aber nicht die Rede sein. — Ueber- 
haupt haben nicht eigentlich die Baukünstler gesiegt, sondern die Bau 
kunst, d. li. der ganze Wettbewerb, — nicht etwa die Vertheilung der 
Preise — hat den Beweis geliefert, dafs es sich hier in erster Linie um 
eine baukünstlerische Aufgabe handelt. Diese Erkenntnifs scheint nicht 
nur in der Jury, sondern auch im Publikum jetzt durchgedrungen zu 
sein. Wir Architekten und unsere Fachblätter haben freilich diesen 
Standpunkt von vorn herein vertreten und verschiedene namhafte Bild 
hauer haben unmittelbar nach und schon vor Erlafs des Preisaus 
schreibens mir gegenüber dieselbe Ansicht ausgesprochen. In maafs- 
gebenden Kreisen hat man dies leider nicht anerkennen wollen. Wäre 
es der Fall gewesen, so hätte das Programm bei aller Freiheit, die es 
mit gutem Bedacht den Künstlern gelassen hat, doch gewifs in manchen 
Punkten ganz andere Bestimmungen getroffen. Dadurch wäre den Be 
werbern und besonders den Bildhauern viel vergebliche Arbeit erspart 
worden und die ganze Denkmalfrage könnte ihrer Lösung ein gutes 
Stück näher gebracht sein. So aber ist es richtig, was eine hiesige 
Zeitung schrieb: dafs vorläufig immer noch der Architekt das 
Wort hat, und deshalb erscheint eine eingehende Besprechung der 
Frage gerade im Architekten-Verein an gezeigt. 
Dafs die Konkurrenz einen unmittelbar verwendbaren Entwurf 
zeitigen würde, konnte wohl Niemand erwarten. Aber sie hat die erste 
Frage, die nach dem Aufstellungsplatze, wenn auch nicht endgiltig ent 
schieden, so doch bedeutend geklärt. Es wäre aber nicht richtig, au- 
zunehmen, dafs in der Zuertheilung der Preise eine Entscheidung der 
Platzfrage enthalten sei. Das geht schon daraus hervor, dafs Arbeiten 
für fünf verschiedene Plätze prämiirt sind, und dafs zwei Preise auf den 
Platz vor dem Brandenburger Thore gefallen sind, welchen ich wenigstens 
für ganz ungeeignet halte. Gegenüber den freien Bestimmungen des 
Programms konnte weder die Wahl des Platzes noch auch die Höhe des 
künstlerischen Könnens zum Maafsstabe der Entscheidung gemacht werden, 
sondern lediglich die relative Brauchbarkeit der Entwürfe für den vor 
liegenden Zweck. Dafs hierüber die Urtheile sehr weit auseinander 
gehen können, ist selbstverständlich. 
Die Entscheidung über die Brauchbarkeit der verschiedenen Plätze 
hängt wesentlich davon ab, in welcher Art und Gröfse das Denkmal 
hergestellt werden soll. Ein Platz kann zu einem kleineren Denkmal 
vortrefflich geeignet, zu einem grofsen, vielgegliederten aber ganz un 
brauchbar sein. Das Programm hat über Gröfse und Art des Denk-
	        
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