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Full text: Über die Ergebnisse der Wettbewerbung zum National-Denkmal für Kaiser Wilhelm / Blankenstein, Hermann Wilhelm Albert

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Dessenungeachtet möchte ich mich dagegen aussprechen. — Ein Reiter- 
denkmal, welches an Schönheit an unsren grofsen Kurfürsten heran 
reichte, wird kein heutiger Bildhauer schaffen können. Schon etwas 
dem Rauch’schen Friedrich dem Grofsen Ebenbürtiges zu leisten, wird 
schwer fallen. Einen neuen Gedanken dafür zu finden, scheint ganz 
unmöglich, so lange man sich fern von Absonderlichkeiten halten will. 
Dabei ist eine Reiterfigur an sich eigentlich niemals schön. Die ge 
waltige Masse des Pferdes mit dem Reiter darauf, auf drei oder vier 
dünnen Stützen erscheint wenig monumental. Man hat sich daher viel 
fach abgemüht, durch Nebenfiguren der oberen Masse ein Gegengewicht 
zu geben. Die Pagen am Denkmal König Ludwigs I. in München sind 
aus diesem Gedanken entsprungen. Auch die Arbeiten der diesmaligen 
Konkurrenz zeigen vielfach dasselbe Bestreben. Man hat sogar Gruppen 
von Porträtfiguren auf den Sockel neben den Reiter gestellt. Dies er 
scheint nicht zulässig, wohl aber der Gedanke, den Kaiser durch eine 
allegorische Gestalt, etwa eine Victoria, geleiten zu lassen. Die moderne 
Uniform — da man doch zum antiken Kostüm nicht zurückgreifen 
kann — bietet einer Idealisiruug des Reiters die gröfsten Schwierig 
keiten, und eine solche scheint mir hier geboten, weil die treue Wieder 
gabe der Natur einer Steigerung weit über das natürliche Gröfsenmaafs 
hinaus widerstrebt. Reiterdenkmäler, welche den Kaiser einfach als 
Soldat hinstellen, werden jetzt in ganz Deutschland in grofser Menge 
entstehen. Aber das vom Reiche zu errichtende National-Denkmal sollte 
in höherem Sinne aufgefafst werden und den Kaiser nicht in seiner uns 
jetzt noch so bekannten persönlichen Erscheinung, sondern so hinstellen, 
wie er noch nach Jahrhunderten in der Geschichte fortleben wird. Aus 
diesem Grunde möchte icli den Kaiser nicht zu Pferde, sondern, gleich 
viel ob sitzend oder stehend, mit dem Purpurmantel angethan, in 
kaiserlicher Würde, ich möchte es nennen: „thronend“, dargestellt 
sehen. * 
Um alle die Gedanken und Erinnerungen, die sich an die Person 
des Kaisers und sein Wirken knüpfen, zu verkörpern, haben einige der 
Bildhauer in ihren Entwürfen einen aufserordentlichen Aufwand von 
Figuren aller Art theils an dem Denkmal selbst angebracht, tlieils um 
dasselbe herumgestellt, während andere, und namentlich die Architekten, 
den Kaiser allein darstellen wollen. Von beiden Gegensätzen halte ich 
das Letztere jedenfalls für das Bessere; doch wird es um so gröfsere 
Kunst des Bildners erfordern, um in der Person des Kaisers allein seine 
ganze geschichtliche Bedeutung zum Ausdruck zu bringen. Hierzu steht 
unsere Zeit der Person des verehrten Herrschers noch zu nahe, und in 
diesem Sinne könnte man wünschen, dafs über die Herstellung des 
Denkmals noch einige Zeit vergehen möge.
        
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