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Full text: Über die Ergebnisse der Wettbewerbung zum National-Denkmal für Kaiser Wilhelm / Blankenstein, Hermann Wilhelm Albert

prinzipiell nichts einzuwenden wäre. Hiergegen verstofsen die meisten 
Arbeiten, indem sie das Thor theils freilegen, theils mit mehr oder 
weniger störenden Anbauten zu vergröfsern suchen. Der Wagenverkehr 
soll entweder zu beiden Seiten des Denkmals, etwa in der Richtung der 
beiden Fahrdämme unter den Linden, oder ganz aufsen an den Häuser 
reihen in mehrfach gebrochener Linie um den Platz herumgeführt werden. 
Bei einem Entwürfe schneiden die Fahrstrafsen sogar Theile des Denk 
mals ab, welche die Porträt-Statuen hervorragender Persönlichkeiten 
tragen. Bei allen aber ist der für das Denkmal verbleibende Platz be 
schränkt, ja kleiner wie der Operaplatz, welcher überdies den Vorzug 
viel gTöfserer Abgeschlossenheit bietet. 
Eine ganz eigenartige Arbeit ist diejenige, welche das Denkmal in 
Gestalt eines vielgegliederten, mit Skulpturen aller Art reichgeschmückten 
Brunnenbaues mitten auf dem Platz und zwar in ein um etwa 4 m ver 
tieftes Wasserbecken stellt. Hiermit würde eine aufserordentlich reiche 
malerische Wirkung erzielt werden, aber durch das Wasserbecken gehen 
gerade die günstigsten Standpunkte zur näheren Betrachtung der 
Einzelheiten verloren und die Figuren, ja das Bild des Kaisers selbst, 
würden mehr als ein decorativer Schmuck des Brunnens erscheinen, 
denn als selbständige Denkmalswerke. 
Schliefslich mufs nocli erwähnt werden, dafs mehrere der Entwürfe 
das Denkmal auf die Nordseite des Platzes stellen, welche den Vorzug 
der besten Beleuchtung, aber zu geringe Tiefe bietet. Um diese zu 
gewinnen, wollen einige der Verfasser den Platz durch Beseitigung der 
auf der Nordseite stehenden Häuser zum Th eil recht erheblich erweitern. 
Auf diese Weise kann man freilich einen Platz von mehr als genügender 
Gröfse schaffen, welcher aber doch nicht bedeutsam genug erscheint, 
um die darauf zu verwendenden Kosten zu rechtfertigen. — Nach Allem 
was ich angeführt habe, kann ich auch den Pariser Platz als einen 
zur Aufstellung des Denkmals geeigneten nicht bezeichnen. 
Die meisten Bewerber haben die im Zuge der Charlottenburger 
Chaussee bis zur Siegesallee und ihrer nächsten Nachbarschaft belegenen 
Plätze gefunden; 24 Arbeiten, wenn man diejenigen mitzählt, welche 
verschiedene Plätze in Aussicht nehmen, wollen das Denkmal auf dem 
Platz unmittelbar vor dem Thore, 39 in weiterer Entfernung davon er 
richten. Die Stellung des Denkmals in der Mittellinie einer so langen 
und breiten Strafse hat unzweifelhaft den grofsen Vorzug, dafs dasselbe 
Aon weit her gesehen wird. Dafür unterbricht es aber den Durchblick 
durch diese herrliche Zufahrtstrafse, die von Charlottenburg durch das 
Brandenburger Thor in gerader Richtung bis zum Königlichen Schlosse 
führt, in störender Weise, namentlich dann, wenn das Denkmal aus 
einer grofsen, wenig oder gar nicht durchbrochenen architektonischen
        
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