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Full text: Chicago und Berlin / Reusche, Friedrich

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Stellen wir uns doch einmal vor, die Ausstellung wäre in 
Schmargendorf oder da herum, oder auch nur am Kurfürsten 
damm in der Nähe des Grunewalds; der schöne Tag hat die 
Massen der Besucher bis zum späten Abend in der Ausstellung 
festgehalten, und nun drängt Alles nach Hause. Die Szenen 
der Ueberstürzung, des Drängens ec. wären sehr unangenehme, 
ja gefahrvolle, wenn nicht einfach die Möglichkeit vorläge, zu 
Fuß gemächlich nach seinem Heim zu gelangen. 
Auch die Ebenheit der sämmtlichen Straßen, welche zu unserm 
Ausstellnngsterrain führen, spricht außerordentlich zu Gunsten 
desselben. Jedermann weiß, wie kolossale Lasten zum Ban, so 
wie zur Beschickung einer Weltausstellung herangeschafft werden 
müssen, welche zum Theil überhaupt nur auf dem Wasserwege 
herangebracht werden können, zum Theil mindestens nur auf 
ebenen und sehr breiten Straßen. Da genügt keineswegs der 
Güter- und Personen-Transport durch eine oder mehrere Eisen 
bahnen, weil dieses Transportmittel in gewissen Dimensionen 
und Mengen seine klar bezeichneten, verhältnißmäßig recht engen, 
Grenzen hat. 
Am besten wird man den Vorzug der Lage unsers Terrains 
in dieser Beziehung erkennen, wenn wir demselben die Lage 
des Tempelhofer Feldes entgegenstellen. Auf verhältnißmäßig 
hohem Berge gelegen, schließt dasselbe das Transportmittel der 
Wasserstraße von vornherein gänzlich aus. Aber denke man 
auch nur an.den Transport großer Lasten den steilen Kreuzberg 
hinauf, welcher sogar schon den Droschken, den Pferdebahnen ec. 
starke Hindernisse in den Weg legt. Und einen Berg hinauf muß 
man, von welcher Seite man auch an das Tempelhofer Feld heran 
will, sei es nun der Schöneberger Berg oder ein anderer, ganz 
abgesehen davon, daß man dann gewissermaßen nur von hinten 
herum und auf Umwegen an das Terrain gelangen könnte. 
Dazu kommt, daß von der Stadt aus so ziemlich die einzige 
praktikable Zufahrtsstraße die Belle-Alliance-Straße wäre, und 
wie unzulänglich dieselbe auch bloß für das Herandrängen größerer 
Menschenmassen ist, das zeigt sich jedes Jahr bei Gelegenheit der 
Kaiserparaden. Denke man sich neben den Menschenmassen den
        
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