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Full text: Chicago und Berlin / Reusche, Friedrich

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wachsen sei! Hat ein Bismarck, als er einst in großen Zügen 
seine geniale Politik entwarf, in kleinlichen Grieskrämercien sich 
vertieft, ob das Volk auch Opferwilligkeit genug besitze, die 
Armee auch tüchtig genug sei, ob nicht da noch ein Regiment, 
dort eine Batterie fehlen könnte? Er hat die Nothwendigkeit 
der Lösung gewisser Fragen erkannt, hat gewagt, hat der 
Tüchtigkeit des Volkes und der Armee vertraut und dies Ver 
trauen ist glänzend belohnt worden. Wenn man einen Gesellen 
niemals Gelegenheit giebt, sein Meisterstück machen zu können, 
so wird er eben sein Leben lang Geselle bleiben. Vertraut man 
andrerseits einem Gesellen eine Meisterschaft an, so entwickelt 
derselbe oftmals Kenntnisse und Eigenschaften, welche man bei 
dem Gesellen garnicht vermuthet hätte. Ebenso und nicht anders 
ist es bei einem ganzen Volke. 
Zur Ausführung jeder größeren Ausgabe gehört eben ein 
gewisser Optimismus, ein gewisses Vertrauen zu fick und zu 
anderen. Nichts, nicht einmal ein gewöhnliches Wohnhaus oder 
Fabrik-Etablissement würde errichtet werden, wollte man immer 
die letzten Cvnsequenzen alle Möglichkeiten ziehen. 
Warum wir den Verlauf der Chicagoer Ausstellung erst 
abwarten sollen, ehe bestimmte Beschlüsse über eine deutsche 
Ausstellung gefaßt werden, ist uns einfach unverständlich. Wer 
sich durch 11 solcher Veranstaltungen nicht hat belehren lassen, 
daß dieselben für das betreffende Land nach jeder Richtung hin 
nützlich und Segen bringend waren, wird sich auch durch die 
zwölfte nickt belehren lassen. Es wird dann höchstens der 
richtige Zeitpunkt wiederum verpaßt sein, vielleicht für immer, 
nnd eine andere Nation hat den Handschuh aufgehoben. 
Deshalb frisch an's Werk! Vertrauen gegen Vertrauen ge 
setzt, thue die Regierung ihre Pflicht; die Industrie, das Volk 
wird sie gewiß thun. 
Zwei Wege giebt es nur: Entweder wir verzichten für
        
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