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Periodical volume

Full text: Frontaldiskurs Issue 2017

Jahresbericht 2017

Frontaldiskurs ist ein Projekt von Minor

projektkontor
für bildung und forschung

minor - projektkontor für bildung und forschung
alt - moabit 73 ˙ 10555 Berlin ˙ +49 (0)30 39 74 42 27
minor@minor-kontor.de ˙ minor-kontor.de

Frontaldiskurs wird durch das Programm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus,
Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
und die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

ABSCHLUSSBERICHT 2017

FRONTAL DISKURS
KONFRONTATIONEN DIE STIRN BIETEN
MIT MEDIEN, KUNST UND KULTUR

ABSCHLUSSBERICHT 2017

ABSCHLUSSBERICHT 2017

� Inhaltsverzeichnis		
Vorwort											
1.

Modellprojekt „Frontaldiskurs“								
1.2. Konzept und Ziele
1.2. Erfahrungen des Projektträgers
1.3. Vorgehen im Projekt: Erfolge und Herausforderungen

4

2.

Teilprojekt: Aktivitäten der Jugendringe in Mecklenburg-Vorpommern			
2.1. Lebensraum Mecklenburg-Vorpommern – Ausgangslage und Handlungsbedarf
2.2. Vorstellung des Projektträgers
2.3. Vorstellung des Teilprojekts – Durchführung und Ergebnisse

6

3.

Teilprojekt: Theater Strahl									
3.1. Lebensraum Berlin – Ausgangslage und Handlungsbedarf
3.2. Vorstellung des Projektträgers
3.3. Vorstellung des Teilprojekts – Durchführung und Ergebnisse

8

4.

Teilprojekt: Human Rights Hall								
4.1. Lebensraum Anklam – Ausgangslage und Handlungsbedarf
4.2. Vorstellung des Projektträgers
4.3. Vorstellung des Teilprojekts – Durchführung und Ergebnisse

10

5.
6.
7.

Fazit und Ausblick
Literaturverzeichnis
Impressum

8.

Anhang: Steckbriefe der Aktivitäten in 2017
8.1. Aktivitäten der Jugendringe in Mecklenburg-Vorpommern				
Forumtheater
Mitmischen, jetzt!
Demokratiefest
Diskussionsveranstaltung zum G20 Gipfel

13

8.2.

Theater Strahl									
Probenwochenende
Wöchentliche Dreharbeiten
Informationsveranstaltung für Multiplikator/-innen
Diskussionsveranstaltung „Wie weit würdest du gehen?“

17

8.3.

Human Rights Hall								
Workshop „Menschenrechte“
Wöchentliche Dreharbeiten
Gestaltung der Human Rights Hall
Aktionstag „Human Rights“

20

ABSCHLUSSBERICHT 2017

�

Vorwort

„Frontaldiskurs“– Konfrontationen die Stirn bieten mit
Medien, Kunst und Kultur ­– So lautet der offizielle Titel
dieses Projekts, bei dem nunmehr im dritten Jahr politische
Bildung über den Weg Kunst und Kultur vermittelt wird.
Es geht in diesem Projekt darum, junge Menschen dazu
zu bringen, sich mit ihrem persönlichen Blick auf die Welt
auseinanderzusetzen und diesen zu schärfen.
Fragestellungen können sein: Wo stehe ich? Wie beurteile ich politische und gesellschaftliche Entwicklungen
und welche Schlüsse ziehe ich daraus für mein Handeln?
Wie und wo kann oder will ich mich engagieren? Bin ich
überhaupt bereit dazu, mich einzubringen? Wie kann ich
auf mich, meine Bedürfnisse und meine Meinung aufmerksam machen? Wie meinen Protest, meine Unzufriedenheit,
meine Verzweiflung, meine Wut zeigen? Wie gehe ich mit
anderen um und vor allem mit Menschen, die meine Einstellungen nicht teilen, deren Haltung ich nicht teile und
vielleicht sogar verurteile?
Diese Fragen und viele mehr sind wahrscheinlich den
meisten Menschen bekannt. Sie gehören zum Leben und
vor allem zum Erwachsenwerden. Und sie bergen nicht
unerhebliches Konfliktpotential.
In der Phase des Übergangs und der Orientierung bestehen mannigfaltige Möglichkeiten, sich Gruppen oder
Szenen zuzuordnen. Und sie stellen naturgemäß einen
großen Reiz dar. Weil sie vorübergehend sinnstiftende
Identifikationsangebote machen und Anerkennung und
Zugehörigkeit verheißen. Die Wahl der Szenen erfolgt im
Allgemeinen eher zufällig und richtet sich nach dem jeweiligen Angebot vor Ort oder manchmal auch schlicht
nach der Mehrheit.
Handelt es sich um weltanschaulich oder spirituell aufgeladene Szenen kommt es schnell zu Dynamiken, die nicht
selten einen mindestens problematischen Verlauf nehmen.
Frontaldiskurs thematisiert diese Dynamiken. Insbesondere
steht die Frage von linker Militanz bzw. linksorientierter
Radikalisierung im Fokus des Projekts. Die erlangten Erfahrungen im Projekt zeigen, dass Jugendliche in dieser
Szene einerseits ein großes Interesse an der Welt und
gesellschaftlichen Entwicklungen vorweisen, andererseits
eine starke Kritik bis hin zu Ablehnung gegenüber dem
politischen und dem wirtschaftlichen System und dessen

Regularien proklamieren. Konstruktives und destruktives
Potential stehen in diesen Gruppen permanent im Widerstreit. Entsprechend brisant sind Situationen, in denen
es zur Konfrontation mit Vertretern dieser Systeme oder
mit dem unumstrittenen Gegner, die rechtsextreme Szene,
kommt.
Hier der Aggressions- und Gewaltspirale die Stirn zu
bieten und alternative Lösungsmuster zu bieten bzw. zu
suchen und zu finden, ist das Hauptziel von „Frontaldiskurs“. Der Weg, dieses Ziel zu erreichen, führt über Kunst
und Kultur. Graffiti, Musik, Theater und weitere Formen
der künstlerischen Auseinandersetzung stellen Jahr für
Jahr eine attraktive Möglichkeit für Jugendliche dar, sich
gewaltlos auszudrücken und Antworten auf die oben skizzierten Fragen zu formulieren.
Auch im Jahr 2017 hat sich dieser innovative Projektansatz wieder bewährt und kann auf den folgenden Seiten
begutachtet werden.
Martin Ziegenhagen

Martin Ziegenhagen ist Fachbereichsleiter bei
Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.
und seit 2015 Coach im Projekt „Frontaldiskurs“.

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1.

Modellprojekt „Frontaldiskurs“

„Frontaldiskurs“ wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus,
Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der
Bundeszentrale für politische Bildung und wird von Minor
– Projektkontor für Bildung und Forschung umgesetzt. Das
Projekt läuft seit Januar 2015 und arbeitet in jährlichen
Zyklen mit bundesweit ausgeschriebenen Teilprojekten.
Die Gesamtprojektlaufzeit ist vom Fördermittelgeber
auf fünf Jahre angelegt. 2017 wurde die – im Folgenden
ausführlich erläuterte – dritte Durchführungsphase mit
einem Teilprojekt der Jugendringe in Mecklenburg-Vorpommern sowie einem Kontingent für Kleinprojekte im
Raum Mecklenburg-Vorpommern und einem Teilprojekt
in Berlin durchgeführt.

1.1.

Konzept und Ziele

Das übergeordnete Ziel des Modellprojekts liegt in der
Prävention von Radikalisierung und Gewalt.
Diesbezüglich zielt „Frontaldiskurs“ methodisch darauf
ab, Jugendliche und junge Erwachsene in gesellschaftliche
und politische Diskurse einzubinden. Diese orientieren sich
sowohl an den Themen von „Frontaldiskurs“ wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Untauglichkeit von Gewalt als
politische Ausdrucksform, als auch an den individuellen
Themen innerhalb der Lebenswelten und Lebensräume der
Teilnehmenden in den jeweiligen Projekten.
Als „Transportmittel“ für die Umsetzung der politischen und gesellschaftlichen Diskurse dienen gemeinsame
künstlerische, mediale und kulturelle Aktivitäten sowie
themenbezogene Diskussionen und die Präsentation der
Ergebnisse in der Öffentlichkeit. Besonderes Augenmerk
liegt dabei auf der Verknüpfung von Methoden aus der
kulturellen und der klassischen politischen Bildung unter
fachlicher und/oder pädagogischer Begleitung.
Besondere Priorität liegt auf der größtmöglichen Beteiligung der Jugendlichen in allen Phasen des Teilprojekts und
auf dem Bezug ihrer Lebenswelt und Lebensräume. Darunter
versteht sich sowohl der Einbezug bzw. die Berücksichtigung der Gegebenheiten im Umfeld der Jugendlichen als
auch deren ganz individuelle Themen. Dieser partizipative

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Ansatz der konstanten Einbeziehung der Jugendlichen selbst
und ihrer Lebenswelten beruht auf dem Respekt für ihre
Fragen an Gesellschaft und Politik.
Ein weiterer Projektschwerpunkt liegt in der Stärkung
demokratischer Einstellungen. Diesbezüglich sollen mögliche
radikale oder militante Handlungsmuster und Einstellungen
im Hinblick auf Konfrontationen kritisch reflektiert werden.
Dafür werden konkrete historische oder persönliche Konfrontationssituationen in den Blick genommen. Der Schwerpunkt
liegt hierbei auf Konflikten in aktionsorientierten Formen
von Handlung und Protest wie Demonstrationen, Blockaden
und Besetzungen. Jedoch soll auch die mediale Ebene von
Konfrontationen wie beispielsweise bei Mobilisierung über
soziale Medien und die Presse beleuchtet werden.
Wertschätzend werden politische Einstellungen aufgegriffen. Der Fokus liegt, gemäß dem Projektziel, auf
dem Einbezug insbesondere linksorientierter Einstellungen.
Darauf aufbauend sollen geeignete Handlungsstrategien
und Methoden entwickelt werden, die einer Radikalisierung und Gewaltbereitschaft von Jugendlichen präventiv
entgegenwirken. Über die künstlerische und kulturelle
Herangehensweise an die Lebensweltthemen der Jugendlichen können alternative Handlungs- und Protestformen
entwickelt und umgesetzt werden.
Kernzielgruppe des Projektes sind linksaffine Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren in Jugendeinrichtungen,
Schulen, Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen.
Darüber hinaus arbeitet das Projekt mit Jugendlichen aus
verschiedenen Milieus und mit unterschiedlichen politischen
Orientierungen zusammen.
Gemeinsames Verständnis der Zusammenarbeit zwischen
den Jugendlichen, Multiplikatorinnen, Multiplikatoren und
Minor ist das Hinterfragen eigener Selbstgewissheiten, das
Unterbrechen von Konfrontationsspiralen mit Tendenz zu
Gewalt und Radikalisierung sowie das Erkennen von Handlungsalternativen. Wichtig ist, das politische Engagement
von Jugendlichen aktiv zu stärken, Stigmatisierungen möglichst zu vermeiden und dennoch zielorientiert Radikalisierungsprozessen und Gewalttätigkeit entgegenzuwirken.

1.2. Erfahrungen des Projektträgers
Im Themenfeld Radikalisierungsprävention verfügt
Minor sowohl über wissenschaftliche Expertise als auch

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über langjährige und umfangreiche praktische Erfahrungen.
Diese basieren insbesondere auf den umfassenden Erfahrungen in Durchführungs- und Gestaltungsprozessen in der
pädagogischen Projektarbeit mit Jugendlichen und jungen
Erwachsenen, auf der politischen und (inter-)kulturellen
Bildung sowie auf der Netzwerkarbeit.
Im Bereich der politischen Bildung liegt der Schwerpunkt auf Präventionsprojekten mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dafür war Minor in den letzten Jahren
vor allem in offenen Jugendeinrichtungen aber auch im
Strafvollzug und in Kooperation mit den Landes- und Kreisjugendringen tätig.
In Kooperation mit Künstlerinnen und Künstlern, Kulturschaffenden, politischen Bildnerinnen und Bildnern und
Pädagoginnen und Pädagogen hat Minor im Rahmen der
Projekte „Kulturschock“ in den Jahren 2012 bis 2014 und
„Frontaldiskurs“ seit 2015 bereits 17 Teilprojekte durchgeführt.
Die teilnehmenden Jugendlichen hatten die Möglichkeit,
eigene Ideen im Hinblick auf die Themen Radikalisierung,
Militanz und Gewaltbereitschaft einzubringen, über diese
Themen ins Gespräch zu kommen, sie in künstlerischer
Form aufzugreifen sowie themenbezogene Aktivitäten und
Veranstaltungen durchzuführen.
So wurde bisher eine Vielzahl an theatralen, musikalischen und malerischen Kunstprodukten sowie öffentlichen
Veranstaltungen von den Teilnehmenden selbst verfasst und
umgesetzt. Auf Basis einer künstlerischen Herangehensweise
gelang auch der Einstieg in eine dezidiert diskursive Auseinandersetzung mit den Projektthemen. Mehrere öffentliche
Diskussionsreihen und Workshops mit externen Expertinnen und Experten wurden von den Jugendlichen selbst
organisiert. Ein besonders weitläufiges und umfangreiches
Projekt ist die Veranstaltungsreihe „Extrem(is)mus(s)?“.
Mittels dieser Methoden wurden kreatives Schaffen und
inhaltliche Arbeit sinnvoll miteinander verbunden. Die
Jugendlichen konnten so ihren persönlichen Zugang zum
Thema inhaltlich und methodisch gestalten und zugleich
in die Öffentlichkeit tragen.
Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass künstlerische Zugänge für viele Jugendliche ein attraktives und
konstruktives Medium sind, um sich kritisch mit politischen
und gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Der
partizipatorische Ansatz bietet Raum (eine Bühne) für Dar-

stellung und ermöglicht darüber hinaus eine besondere
Aufmerksamkeit und Wertschätzung in der Öffentlichkeit.
Zusätzlich wurden inzwischen fünf Fachberichte publiziert, die sich zum einen mit Methoden, Möglichkeiten und
Grenzen in der Präventionsarbeit im Feld linker Militanz
und zum anderen mit der Verknüpfung von kultureller mit
politischer Bildung im Themenfeld auseinandersetzen (Download unter http://minor-kontor.de/veroeffentlichungen).

1.3. Vorgehen im Projekt: Erfolge
und Herausforderungen
Das Projekt bestimmt auf Grundlage einer bundesweiten
Ausschreibung jährlich mindestens zwei Teilprojekte in
Zusammenarbeit mit regionalen Partnern. Für das Projektjahr 2017 wurden drei Teilprojekte mit Durchführung
in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ausgewählt.
Auf der Grundlage des Projektkonzepts wurden folgende
Akteure als mögliche Teilprojektpartner angesprochen:
Selbstorganisierte Jugendgruppen, politische Initiativen
und Kultureinrichtungen, insbesondere Jugendtheater und
Einrichtungen, die mit Jugendlichen arbeiten und sich mit
Themen wie politisch motivierter Gewalt, Radikalisierung
und Extremismus auseinandersetzen oder selbst in ihrer
Arbeit damit konfrontiert sind. Die Teilprojekte werden
bundesweit ausgewählt. Es wird dabei besonders auf das
Gleichgewicht zwischen urbanem und ländlichem Raum
geachtet. Ein Auswahlkriterium für die Teilprojekte ist das
Vorhandensein von Konfrontationsdynamiken in Sozialräumen, an denen linksaffine Jugendliche teilhaben.
Die dreimonatige Akquise-Phase von Januar bis März
2017 wurde auf mehreren Ebenen gleichzeitig angesetzt:
1. Über die direkte Kontaktaufnahme und Netzwerkarbeit durch ehemalige Beiratsmitglieder
aus dem Projekt „Kulturschock“
2. Über das bundesweite Netzwerk von Minor
3. Über die Kontaktaufnahme zu ehemaligen Projektpartnern
4. Über die gezielte Kontaktaufnahme mittels E-Mails,
Telefonaten, Teilnahme an Veranstaltungen und
Treffen von ausgewählten Einrichtungen 		
und Gruppen durch die Projektmitarbeitenden.
Über 80 Einrichtungen und Initiativen wurden zunächst
größtenteils per E-Mail kontaktiert. Etwa ein Fünftel davon

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ABSCHLUSSBERICHT 2017

reagierte auf die Anfrage. Wie im Vorjahr erhielt Minor
wenig Absagen aufgrund des „kontroversen“ und „stigmatisierenden“ Inhalts des Programms oder Projekts bezüglich
linker Militanz. Die Träger betrachten „Frontaldiskurs“ eher
als eine Chance, sinnvoll gegen Gewalt und Radikalität
vorzugehen und stehen einer Zusammenarbeit offen gegenüber. Zehn Einrichtungen verkündeten ihr Interesse an
der Teilnahme am Projekt. Sechs Projektkonzepte wurden
eingereicht, aus denen im April drei Teilprojekte für das
Jahr 2017 ausgewählt wurden. Entschieden wurde sich
für die Projekte „Aktivitäten der Jugendringe in Mecklenburg-Vorpommern“, „Theater Strahl“ und „Human Rights
Hall“, die im Folgenden ausführlicher vorgestellt werden.
Aufgrund des begrenzten Projektbudgets mussten Projektkonzepte abgelehnt werden, obwohl durchaus Potenzial
für eine Zusammenarbeit bestand und weiterhin besteht. Bei
einigen Einrichtungen fehlten schlicht Kapazitäten für die
Zusammenarbeit mit „Frontaldiskurs“ im Jahr 2017, wobei
Interesse an einer Kooperation für das Jahr 2018 bekundet
wurde und angestrebt ist. Die Möglichkeit, unter mehreren
potentiellen Teilprojektpartnern auswählen zu können, ist,
ebenso wie das rege Interesse für künftige Kooperationen,
ein großer Erfolg für das Projekt. Eine Herausforderung
bestand in der Kooperation mit dem Projekt „Human Rights
Hall“ des Pfadfinderbundes Mecklenburg-Vorpommern e.V.
aufgrund der vereinsinternen Organisationsstruktur. So
sind alle Vorgänge basisdemokratisch im Plenum zu besprechen, was teilweise zu Verzögerungen im geplanten
Projektablauf führte. Dennoch spiegelte sich genau hier
das Ziel des Projekts wieder: Jugendpartizipation fördern
und den Jugendlichen selbst den Entscheidungs- und Organisationsprozess überlassen.
Im Mittelpunkt der Aktivitäten stand auch 2017 wieder die Auseinandersetzung mit der Projektthematik. Im
Folgenden wird ausführlich darauf eingegangen, wie die
Themen Gewalt, Radikalisierung und Demokratie mit den
Jugendlichen bearbeitet und dargestellt wurden. Hierbei
soll vorerst auf die Herausforderung hingewiesen werden,
die sich aus der Verwendung von Begrifflichkeiten wie
„linksextrem“, „linksaffin“ und „radikal“ ergibt. Diese sind
nicht nur in wissenschaftlichen Fachdiskursen kontrovers
diskutiert und teilweise sogar umstritten, sondern werden
auch von Jugendlichen, pädagogischen Fachkräften und
deren Umfeld unterschiedlich wahrgenommen.

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2.

Teilprojekt 			
Aktivitäten der Jugendringe                                  
in Mecklenburg-Vorpommern    

Das Teilprojekt „Aktivitäten der Jugendringe in Mecklenburg- Vorpommern“ führte unterschiedliche Aktivitäten
und Veranstaltungen in der kulturellen und politischen
Bildung im Raum Mecklenburg-Vorpommern durch. Der
Fokus lag dabei, neben dem Einbezug der Projektthemen
von „Frontaldiskurs“, insbesondere auf der Bundestagswahl
2017 sowie dem 25. Jahrestag der menschenfeindlichen
Pogrome in Rostock-Lichtenhagen.

2.1. Lebensraum
Mecklenburg-Vorpommern –
Ausgangslage und Handlungs-		
bedarf
Die seit 2015 aufgekommene gesellschaftliche Spaltung
der Meinungsbilder spiegelt sich in keinem Bundesland derart stark politisch wider wie in Mecklenburg-Vorpommern.
Die als rechtspopulistisch eingestufte Partei Alternative
für Deutschland (AfD) zog nach dem Wahlergebnis vom 4.
September 2016 erstmals und direkt mit 18 Abgeordneten
in den Landtag. Die Partei DIE LINKE ist mit 11 Sitzen
vertreten (landtag-mv.de/). Aufgrund dieser Entwicklung
fokussierten sich die Arbeit des Stadtjugendrings Rostock
e.V. und der Kolleginnen und Kollegen in den anderen
Jugendringen während der Kooperation insbesondere auf
die Bundestagswahl 2017. Das Ziel bestand in der Motivation zur Wahlbeteiligung generell, insbesondere aber von
Jugendlichen unter 18 Jahren und bisher weniger politisch
engagierten jungen Erwachsenen.
Jugendliche gelten überdies als „Zielgruppe“ populistischer und extremistischer Propaganda im Rahmen von
Wahlkämpfen und sozialen Bewegungen. Ziel des Teilprojekts
ist es, Veranstaltungen und Aktivitäten für Demokratie
und (politische) Mitbestimmung sowie gegen Gewalt und
Populismus zu koordinieren und durchzuführen. Konkret
fanden Informations- und Orientierungsveranstaltungen
zur Wahrnehmung demokratischer Rechte, wie etwa Mitbestimmung, aktives und passives Wahlrecht sowie den
Wert der eigenen Stimme und Veranstaltungen gegen
Populismus und Rassismus statt.

ABSCHLUSSBERICHT 2017

Der 25. Jahrestag der menschenfeindlichen Pogrome
in Rostock-Lichtenhagen waren ebenfalls ein Kernthema
des Teilprojekts. Nicht nur, dass es sich an ein derartiges
Ereignis regelmäßig zu erinnern gilt, wurden und sind im
Zuge der Fluchtmigration menschen- und explizit ausländerfeindliche Übergriffe erneut ein aktuelles Thema. Dies
wurde in themenbezogene Aktivitäten und Veranstaltungen
im Teilprojekt aufgegriffen.
Das Teilprojekt richtet sich an Jugendliche in Einrichtungen
der landesweiten Jugend(verbands)arbeit, Jugendkultur,
Sport und Schule. Mit dem Ziel, einen möglichst heterogenen Sozialraumbezug zu haben, wurden Kooperationen in
verschiedenen Landkreisen bzw. Städten durchgeführt und
dort ansässige junge Menschen in das Projekt involviert.
Das Teilprojekt hatte zudem das Ziel, als Art „Wahlkampagne“ durch öffentlichkeitswirksame Medienpräsenz junge
Menschen zum Engagement für Demokratie und Gewaltfreiheit aufzurufen und sie für eine aktive Teilnahme an
den einzelnen Veranstaltungen zu motivieren.

2.2. Vorstellung des Teilprojekt-		
trägers
Der „Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern
e. V.“ ist ein Zusammenschluss aus 24 landesweit aktiven Landesjugendverbänden, Anschlussverbänden und
dem Landesrat der Stadt- und Kreisjugendringe zu einer
Arbeitsgemeinschaft. Dahinter stehen Jugendverbände mit
rund 200.000 jungen Menschen. Somit ist der Landesjugendring Mecklenburg Vorpommern e. V. die größte und in
seiner Zusammensetzung einzige Interessengemeinschaft
für Kinder und Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern.
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite
des Landesjugendrings Mecklenburg Vorpommern e.V.:
www.ljrmv.de
Der „Rostocker Stadtjugendring e.V.“ für den „Landesrat
der kommunalen Jugendringe in Mecklenburg-Vorpommern“
wurde im April 1990 gegründet und ist der jugendpolitische
Dachverband für 27 Rostocker Mitgliedsorganisationen.
Zudem ist er Teil einer Arbeitsgemeinschaft aus Stadt-,
Kreis- und Ortsjugendringen sowie dem Landesjugendring in
Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Informationen erhalten
Sie auf der Webseite des Rostocker Stadtjugendring e.V.:
http://www.rsjr.de/rsjr/php/index1.php

2.3. Vorstellung des Teilprojekts –		
Durchführung und Ergebnisse
Durch Bildungsarbeit und den reflektierten Diskurs mit
jungen Menschen wurden im Projekt – neben dem großen
Thema Bundestagswahl – politische Ausdrucksformen thematisiert und analysiert. Unter dem Slogan „kreativ statt
aggressiv“ haben sich Jugendliche kreativ über künstlerische Mittel (Musik, Bild, Sprache etc.) mit politischen
Ausdrucks- und Protestformen auseinandergesetzt. Junge
Menschen werden dadurch an die (Selbst)Erkenntnis herangeführt, dass gewaltfreies Agieren der wirksamere Weg
in der Durchsetzung (politischer) Ziele ist.
Die erste Aktion fand im Rahmen des Kooperationsprojekts „Jugend fragt nach“ vom Landesjugendring und dem
Landtag Mecklenburg-Vorpommern in Form eines Forumtheaters statt. Forumtheater als Methode des Empowerments
hat zum Ziel, Konfliktsituationen theatral darzustellen und
gemeinsam mit dem Publikum alternative Handlungs- und
Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Die insgesamt 35 Jugendlichen wurden bei der Umsetzung des Forumtheaters
von drei Theaterpädagoginnen und -pädagogen begleitet.
Im Laufe des Forumtheaters wurde die Wirksamkeit der
Methode deutlich, indem den Teilnehmenden der Zugang
zu den (fremden) Konfliktsituationen gelang und so ein
konstruktiver Austausch über mögliche Handlungs- und
Lösungsmöglichkeiten ermöglicht wurde.
Die darauf folgende Veranstaltung war ein Radio-Workshop in Kooperation mit dem Radio LOHRO, bei dem sechs
Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 21
Jahren aus Rostock teilnahmen. Unter dem Titel „Mitmischen
jetzt!“ traten die Teilnehmenden über Mittel der politischen
und kulturellen Bildung in einen politischen Diskurs. In
einer Einführung wurden Grundlagen der Medienarbeit
beim Radio vermittelt, u. a. das Finden, Analysieren und
Bewerten verschiedenster Informationsquellen – sowohl
online als auch offline. In einer verkürzten Zukunftswerkstatt
konnte sich an die Themen mithilfe politischer Bildungsmethoden angenähert und diese ausgearbeitet werden.
Um die individuellen und lebensweltbezogenen Themen
aufgreifen zu können, wurde die Themenfindung weitestgehend den Teilnehmenden überlassen. So entstand eine
Magazinsendung zu den Themen Klimawandel, Ehe für alle
und die Gefahren von Populismus und Extremismus.

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Das „Demokratiefest“, eine weitere Aktion des Teilprojekts, widmete sich Themen rund um die Bundestagswahl
2017. Das Angebot richtete sich an Jugendliche und junge
Erwachsene, insbesondere auch an solche, die sich (bisher)
wenig politisch engagieren. Am Demokratiefest konnten
eigene Wahlplakate und Buttons mit politischen Positionierungen gestaltet werden, Jugendliche an der U18-Wahl
teilnehmen und bereits wahlberechtigte junge Erwachsene sich über die aktuellen Wahlprogramme informieren.
Mithilfe einer interaktiven Straßentheater-Aktion wurde
politische Partizipation thematisiert. Passantinnen und
Passanten erhielten die Möglichkeit, in einem simulierten
Sonder-Wahlbezirk ihre eigenen Gesetze einzubringen und
zu verabschieden.
Zum Projektabschluss wurde eine Diskussionsrunde zu
den Themen Polizeigewalt und Protest in Bezug auf die
Ausschreitungen rund um den G20 Gipfel veranstaltet. In den
Räumlichkeiten der Projektwerkstatt Buntes Q in Schwerin
nahmen circa zehn Jugendliche und junge Erwachsene an
der Veranstaltung teil, die zuvor öffentlich beworben wurde.
So ergab sich die Möglichkeit, in einem geschützten Raum
mit Politikerinnen und Politikern der Partei DIE LINKE,
(ehemaligen) Polizeibeamten sowie mit älteren Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss
an einen Input durch den Polizeiwissenschaftler Prof. Dr.
Rafael Behr gelang eine kontroverse Gesprächsrunde über
die Rolle der Polizei, über das strategische Vorgehen der
G20-Protestierenden sowie alternative Handlungs- und
Protestformen.

8

3.

Teilprojekt 					
Theater Strahl

Parallel zur Entstehung eines Theaterstücks zu den
Themen Demokratie bzw. demokratische Haltungen, deren
Ausdrucksweise sowie Zivilcourage, fand im Rahmen des
Teilprojekts eine Dokumentation über die Entstehung des
Theaterstücks „Das wird man doch mal sagen dürfen“
statt. In medienpädagogischer Begleitung gelang die reflexive Auseinandersetzung über das Medium Film. Die
Teilnehmenden setzten sich im Nachhinein tiefergehend
mit der Erarbeitung und Entstehung des Stückes sowie
seinen Inhalten und im Rahmen von Interviews auch mit
den Themen, die nicht direkt theatral bearbeitet werden
konnten, auseinander.

3.1. Lebensraum Berlin
Ausgangslage und
Handlungslungsbedarf
In Berlin leben Menschen aus circa 186 verschiedenen
Herkunftsländern und in mehr als 250 Religionsgemeinschaften zusammen (www.berlin.de). Mit dem Ziel, einen
möglichst heterogenen Sozialraumbezug zu haben, wurden
junge Menschen aus unterschiedlichen Berliner Vierteln und
Lebenswelten sowie politischer Einstellungen zur Teilnahme
am Projekt motiviert.
Auch wenn sich das Projekt „Frontaldiskurs“ konzeptionell
nicht an Teilprojekte Berlin und Brandenburg richtet, wurde
in diesem Jahr in Absprache mit den Fördermittelgebern
dennoch ein Projekt in Berlin ausgewählt. Das Projekt
des Jugendtheaters Strahl ist fachlich und inhaltlich nah
an den Zielformulierungen von „Frontaldiskurs“ angelegt.
Das Credo lautet: Projekte schwerpunktmäßig nicht für,
sondern vor allem mit Jugendlichen zu machen.
Inhaltlich orientierte sich das Projekt an den Themen
und Lebenswelten der Jugendlichen. Die Lebensräume und
Alltage Jugendlicher und junger Erwachsener werden auch
gegenwärtig durch die verstärkte Salonfähigkeit von rechtsextremem Gedankengut, zunehmendem Populismus und
einer Vielzahl von radikalen Gesinnungen bzw. Ideologien
geprägt. Auf Basis der Thematisierung und Diskursführung
dieser Themen gingen die Teilnehmenden insbesondere
der Frage nach, wie gegen gruppenbezogene Menschen-

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feindlichkeit, Populismus und Radikalismus Haltung gezeigt
werden kann. Dabei wurden konkrete Konfrontationssituationen aus dem Alltag aufgegriffen, theatral bearbeitet
und alternative Handlungsmöglichkeiten erarbeitet. Insbesondere hier zeichnete sich das jugendliche Leben in
einer vielfältigen und multikulturellen Großstadt ab. Der
Fokus lag auf Konfliktsituationen zwischen Jugendlichen
unterschiedlicher kultureller und ethnischer Hintergründe sowie zwischen unterschiedlich politisch und sozial
orientierten Gruppierungen, die eng in einem Sozialraum
zusammenleben.

3.2. Vorstellung des Teilprojekt-		
trägers
Das privat geführte Theater Strahl in Berlin kooperiert
national sowie international und hat sich auf professionelle
Theaterstücke und theaterpädagogische Projekte mit Jugendlichen ab 12 Jahren spezialisiert. Dabei stehen Themen
der jungen Generation in Bezug auf ihre Perspektiven,
Ängste, Wünsche und Fähigkeiten im Fokus. Mit einem
partizipatorischen Ansatz soll Theater nicht nur für, sondern
mit allen Interessierten entstehen und von Professionellen
der Theaterwelt künstlerisch sowie pädagogisch begleitet
werden. Das Theater Strahl basiert auf der Tradition des
emanzipatorischen Berliner Kinder- und Jugendtheaters.
Es engagiert sich in seiner Arbeit unter anderem für kritische Aufklärung, Respekt vor Andersartigkeit und gegen
Rassismus, für demokratisches Verhalten, Teilhabe und
Kooperation sowie Gewaltlosigkeit, Aufrichtigkeit und
Transparenz. Weitere Schwerpunktthemen liegen in der
Förderung von Partizipation, Weltoffenheit und gesellschaftlichem Wandel.
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite
des Theaters Strahl: www.theater-strahl.de/.

3.3. Vorstellung des Teilprojekts – 		
Durchführung und Ergebnisse
Unter dem Titel „Das wird man doch mal sagen dürfen“
entstand seit März 2017 ein Jugendprojekt zum Thema
Zivilcourage. „Frontaldiskurs“ förderte den thematischen
und inhaltlichen Zugang auf medienpädagogischer Ebene
mit dem Medium Film.

Die Premiere des Theaterstückes fand am 04. Juli 2017
im Theater Strahl in Berlin statt.
Ziel ist es, junge Menschen durch den Prozess des
situativen Erlebens schon für die Momente der Entstehung von Konfrontationsdynamiken und aufkommender
Gewaltpotenziale zu sensibilisieren. Dabei findet eine stetige
Reflektion der – auch im linksalternativen Milieu – kontrovers diskutieren Frage nach der Legitimität von Gewalt
in politischen Auseinandersetzungen statt und wird mit
Blick auf alternative gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien
konstruktiv bearbeitet. Mit dem Fokus auf Zivilcourage ging
es insbesondere um das Hinterfragen eigener Protest- und
Beteiligungsmöglichkeiten sowie um Verhaltensweisen bei
Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder Diskriminierung im Freundes- und Familienkreis sowie in der Öffentlichkeit. Mit den klassischen Mitteln der Theater- und
Medienpädagogik sowie des professionellen Schauspiels
wurden die thematischen Impulse in einer Spielhandlung
umgesetzt bzw. diese sinnlich erfahrbar gemacht. Innewohnende Ambivalenzen, Konfliktpotentiale, Gefühlslagen und
Emotionen wurden auf diese Weise entdeckt, thematisiert
und analysiert. Alternative Perspektiven, Reaktionen, Verhaltensweisen und Einordnungen wurden dadurch angeregt
und ermöglicht.
In einem Workshop-Wochenende im Wendland erarbeiteten die Teilnehmenden in Zusammenarbeit mit Gegen
Vergessen – für Demokratie e.V. sowie Künstlerinnen und
Künstlern des Theaters Strahl Argumente und Handlungsoptionen bezüglich alltäglicher Konfrontationssituationen.
Hier wurde mithilfe klassischer Methoden der Theater- und
Medienpädagogik die Basis für die kommenden Theaterprobenwochen geschaffen. Zudem gelang durch ein fachlich
begleitetes Argumentationstraining die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen Diskriminierung, Gewalt
und Konflikt.
Während in den Szenen der Schwerpunkt auf dem Phänomen Rassismus und seinen Auswirkung auf Menschen
lag, waren die Diskussionen während des Entwicklungsprozesses breiter angelegt. Die Herausforderung, den thematischen Rahmen des Stückes nicht zu sprengen, brachte
die Jugendlichen auf die Idee, die Inhalte der Diskussionen
und die intensive Dynamik des Gruppenprozesses filmisch
festzuhalten. Aus dieser Idee heraus entwickelte sich ein
eigenes Projekt, im Rahmen dessen sie in Eigenregie und

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unter medienpädagogischer Anleitung die Entstehung der
Theaterszenen und die darüber hinaus bearbeiteten Themen
dokumentierten und reflektierten.
Die Auseinandersetzung wurde durch einen Dialog mit
25 schulischen und außerschulischen Multiplikatorinnen
und Multiplikatoren aus der kulturellen Jugendbildung erweitert. Im Rahmen der Informationsveranstaltung zeigten
die Jugendlichen einzelne Szenen aus ihrem Stück und
präsentierten die Vorabversion der filmischen Dokumentation. Der Einblick in die Dokumentation hatte insbesondere zum Ziel, einen Eindruck des Entstehungsprozesses,
der methodenbasierten Arbeitsweise und der inhaltlichen
Auseinandersetzung zu geben.
Durch die Gespräche nach den Theatervorführungen
wurde ein hoher Redebedarf über – sowohl von rechts als
auch von links motiviertes – Gewaltpotenzial deutlich.
Obwohl der Fokus im Theaterstück überwiegend auf Rassismus und rechtsmotivierter Diskriminierung lag, kamen
bereits während der Erarbeitungsphase des Stückes auch
die Themen Linksextremismus, linksmotivierte Gewalt und
politische Radikalisierung auf. Diese bekamen auf der Bühne
zwar nur wenig Raum, jedoch wollten sich einige Jugendliche aus dem Projekt in der Zukunft gerne tiefergehend
künstlerisch-theatral mit der Thematik Radikalisierung auseinandersetzen. Der inhaltliche Einstieg gelang durch eine
gemeinsame Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Wie
weit würdest du gehen?“, an dem zum Projektabschluss
13 jugendliche Teilnehmende, ein Theaterpädagoge sowie
eine Medienpädagogin teilnahmen.

Die Gestaltung der Bahnhofshalle hatte zudem das
Ziel, den Demokratiebahnhof für bisher weniger (politisch)
aktive junge Menschen interessant zu machen und jene
durch die Ausstellung in den Menschenrechtsdiskurs einzubeziehen.
Dabei sollen sich unpolitische, rechtsaffine und linksaffine junge Menschen über ihre Themen, Einstellungen
und Wünsche bezüglich ihres Lebensraums und der Gesellschaft austauschen und ein gewaltfreies und demokratisches
Miteinander schaffen.

4.1. Lebensraum Anklam
Ausgangslage und
Handlungslungsbedarf

Anklam ist eine Hansestadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern mit knapp
13 000 Einwohnenden. Insbesondere auf politischer Ebene
werden die gespaltenen Ansichten und kontroversen Meinungsbilder der Einwohnerinnen und Einwohner von Anklam
deutlich. Einerseits prägt die Stadt eine etablierte rechtsextreme Szene, sie gilt als eine der „Neonazi-Hochburgen“
in Vorpommern (Zinser: 2017). Andererseits existieren eine
Vielzahl aktiver Projekte und Initiativen gegen Rechtsextremismus, Populismus und Gewalt sowie die Motivation,
dieser rechtsextremen Dynamik entgegenzuwirken.
Einen wichtigen Beitrag zur Stärkung eines vielfältigen,
friedlichen Zusammenlebens und für demokratische Kultur
im ländlichen Raum leistet der DemokratieLaden Anklam,
ein Projekt der Landeszentrale für politische Bildung Meck4.
Teilprojekt 					lenburg-Vorpommern.
Der DemokratieLaden dient als Ort für Veranstaltungen
Human Rights Hall
zur politischen Bildung u. a. mit Diskussionen, Workshops,
Ausstellungen und Lesungen. Darüber hinaus ist er Ideengeber
Ziel des Teilprojekts war es, die Bahnhofshalle, welche
und Organisator zahlreicher bildungspolitischer und kreativer
Teil des Demokratiebahnhofs ist, künstlerisch zu gestalAktivitäten und Projekte in der Region Vorpommern. Seit
ten, eine Ausstellung zum Thema „Menschenrechte“ zu
2011 hat der DemokratieLaden kontinuierlich ein großes
etablieren und somit einen öffentlichen Vernetzungs- und
Netzwerk für Demokratie und Toleranz aufgebaut und ist
Begegnungsraum zu schaffen. Durch unterschiedliche Medien
aus der Region kaum noch wegzudenken.
und Kunstformen werden universelle Menschenrechte bearWeitere Informationen erhalten Sie auf der Website des
beitet und visuell dargestellt. Das Thema Menschenrechte
DemokratieLadens: www.demokratieladen.de/
dient als übergeordnetes Thema, um die Projektthemen
von „Frontaldiskurs“ wie Radikalität, Militanz, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Gewaltfreiheit und kreativer
Umgang mit Protest umzusetzen.

10

ABSCHLUSSBERICHT 2017

4.2. Vorstellung des Teilprojekt-		
trägers
Der Demokratiebahnhof Anklam ist ein ehrenamtlich
organisiertes und pädagogisch begleitetes Jugend- und
Kulturzentrum, das im Jahr 2014 von jungen Menschen gegründet wurde. Neben den Angeboten des Jugendzentrums,
wie der Fahrradwerkstatt oder dem offenen Jugendtreff,
finden regelmäßig Kultur- und Informationsveranstaltungen
im Bahnhofsgebäude statt. Als generationsübergreifender Vernetzungs- und Begegnungsort bietet er Raum für
selbstorganisiertes Engagement und Mitbestimmung an
zivilgesellschaftlichen und sozialräumlichen Prozessen. Der
Demokratiebahnhof ist ein Projekt des Pfadfinderbundes
Mecklenburg-Vorpommern e.V., welcher insbesondere von
jungen Menschen mit linken politischen Einstellungen getragen
wird. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite
des Demokratiebahnhofs: www.demokratiebahnhof.de/

4.3. Vorstellung des Teilprojekts – 		
Durchführung und Ergebnisse
Im Teilprojekt „Human Rights Hall“ wurden die Themen von „Frontaldiskurs“ auf visuell-künstlerischer Ebene
umgesetzt. Der inhaltliche Einstieg gelang mit einer Themenwoche zu universellen Menschenrechten. Im Rahmen
dieser stand ein zweitägiger Workshop in Berlin auf dem
Plan. Direkt nach der Ankunft erfolgte ein Besuch der
aktuellen Ausstellung im Haus der Demokratie und Menschenrechte. Anschließend hatten die Jugendlichen die
Möglichkeit, entweder mit Amnesty International oder mit
der Internationalen Liga für Menschenrechte ins Gespräch
zu kommen. Die Schwerpunkte lagen dabei auf dem Umgang mit und der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit
zu Menschenrechten.
Die Thementage hatten zum Ziel, eine Basis für die künstlerische Umsetzung der „Human Rights Hall“ zu schaffen.
Dabei diente der erste Tag der inhaltlichen und persönlichen
Auseinandersetzung mit Menschenrechten. Aber auch an
die künstlerische Umsetzung von Menschenrechten sollte
sich herangetastet werden, was am darauffolgenden Tag
in den Räumlichkeiten von Minor stattfand. Es entwickelte
sich ein reger Austausch über die Ideen, Wünsche und
konkrete Vorstellungen bezüglich der visuellen Darstellung.

Als Ergebnis entstand ein Grundriss der Bahnhofshalle, in
dem schon aus Papier gezeichnete Möbel & Kunstaktionen
ihren Platz fanden. Die geplanten Kunstaktionen waren:
(1) Eine Weltkarte, auf der konkrete Menschenrechtsverletzungen (in Form von Briefen der Jugendlichen) aufgezeigt
werden; (2) Ein großes Graffiti zu Menschenrechten allgemein; (3) Plakatständer in Fächerform, in denen Kampagnen- & selbstgemachte Plakate zu Menschenrechten ihren
Platz finden und (4) Menschenrechte in eigenen Symbolen
dargestellt als Stencil oder Malerei auf den Wänden.
Zudem diskutierten die Teilnehmenden auch über die
Hausregeln und insbesondere über die Frage „Wen lassen
wir rein und wen nicht?“. Dabei ging es hauptsächlich
um „altbekannte Nazis“, über Ängste und konstruktive
Ansätze im Umgang mit ihnen.
Im Rahmen des Teilprojekts fanden zudem Mitte August
die Thementage für Menschenrechte statt. Drei Tage konnten
erste Informationen vermittelt, Assoziationen hervorgerufen
und eine inspirierende Grundlage geschaffen werden. Unter
spielerischer Anwendung theaterpädagogischer Methoden
entwickelten die Teilnehmenden unter professioneller und
pädagogischer Anleitung eine Performance. Die Entstehung der Performance war durch intensive Gespräche und
Diskussionen geprägt. Ein gemeinsames Ziel war es, das
Thema Menschenrechte in die Öffentlichkeit zu tragen
und Menschen an den Wert universeller Menschenrechte
zu erinnern. Zum Aktionstag „Human Rights!“ wurde der
Anklamer Marktplatz zu einer Bühne für Menschenrechte.
Gemeinsam führten verschiedene Jugendliche die Performance auf.

5.

Fazit und Ausblick		

Obwohl im Durchführungsjahr 2017 sich die Projekte in
ihren methodischen und strukturellen Herangehensweisen
deutlich unterscheiden, ist die Gemeinsamkeit prägnant:
Allen Teilprojekten ist es gelungen, Jugendliche und junge
Erwachsene in ihrer politischen Partizipation zu stärken,
ihnen dabei größtmöglichen Handlungsfreiraum zu geben
und trotzdem gezielt die Projektthemen von Frontaldiskurs
tiefgehend zu bearbeiten.
Der inhaltliche Zugang gelangte bei allen drei Projekten
erfolgreich über das Zusammenspiel von Methoden aus
der klassischen politischen und der kulturellen Bildung: Im

11

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.

Teilprojekt „Theater Strahl“ über die theatrale und filmische Ebene, im Teilprojekt „Aktivitäten der Jugendringe
in M-V“ über die theatrale, jugendkulturelle und mediale
Ebene und im Teilprojekt „Human Rights Hall“ über die
künstlerisch-kreative Ebene. Alle drei Teilprojekte wurden
zudem durch Fachinputs, Diskussionsrunden, Workshops
und andere klassische politische Bildungsmethoden ergänzt
und gestärkt.
Als besonders erfolgreich verorten sowohl Minor als auch
die Projektpartnerinnen und Projektpartner den offenen
Umgang mit den Projektthemen Gewalt, Radikalisierung
und insbesondere Linksextremismus. In allen drei Teilprojekten waren die Jugendlichen bereit, ihre Meinungen zu
den jeweiligen Gesprächsthemen einzubringen und auf
Kontroversen kritikfähig und tolerant einzugehen. Die Akquise für die kommende Projektphase 2018 läuft bereits
und wird Anfang 2018 abgeschlossen sein.

6.

Literaturverzeichnis		

Landtag-mv.de, 2017: Sitzverteilung im Landtag
Mecklenburg-Vorpommern.
https://www.landtag-mv.de/landtag/fraktionen.html
(20.11.2017).
Rsjr.de, 2017: Ein starker Verband stellt sich vor.
http://www.rsjr.de/rsjr/php/index1.php (17.11.2017).
Berlin.de, 2017: Vielfalt.
https://www.berlin.de/berlin-im-ueberblick/hauptstadtleben/vielfalt/ (16.11.2017).
Zinser, Jann-Luca, 2017: Rechtsextremismus in Anklam.
Brandsätze und Hakenkreuze. In: Taz.de, 2017: Rechtsextremismus in Anklam. http://www.taz.de/!5418774/
(16.11.2017).

12

Anhang:

Steckbriefe der
Aktivitäten in
2017

7.

Impressum              

    

Herausgeber
Minor – Projektkontor für Bildung und
		Forschung gGmbH
		Alt-Moabit 73
		10555 Berlin
		www.minor-kontor.de
Autorinnen
Katharina Weiner
		Grit Fenner 			
Gestaltung
Wolfgang Stärke
Fotos		
Minor
		Andruś Krečka
		
Wolfgang Stärke (Cover)
Stand		
Dezember 2017
Die Veröffentlichungen stellen keine Meinungsäußerung
des BMFSFJ bzw. des BAFzA und der BpB dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autorinnen und Autoren die
Verantwortung.
		

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.1 Aktivitäten der Jugendringe in
Mecklenburg-Vorpommern
Forumtheater am 26. Juni 2017
Im Rahmen des Kooperationsprojekts „Jugend fragt nach“
vom Landesjugendring und dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern ermöglichte ‚Frontaldiskurs’ ein Forumtheater
in theaterpädagogischer Begleitung. „Jugend fragt nach“
findet jährlich im Schweriner Landtag statt und gibt Raum
für Jugendbeteiligung, Diskussionen über die Themen der
Jugendlichen und Wünsche an die Abgeordneten. Die Teilnahme richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 20
Jahren aus Mecklenburg-Vorpommern.
Forumtheater als Methode des Empowerments hat zum
Ziel, Konfliktsituationen theatral darzustellen und gemeinsam
mit dem Publikum alternative Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Die theatrale und inhaltliche
Bearbeitung dient darüber hinaus dazu, dass die Beteiligten
unterschiedliche Meinungen und Perspektiven einnehmen
und gegebenenfalls Einblick in bzw. Verständnis für ein
bisher unbekanntes Konfliktfeld erlangen. Dadurch soll
eine Erweiterung des Handlungspotenzials erreicht werden.
Ein weiteres methodisches Ziel liegt in der Befähigung
der jeweiligen benachteiligten Gruppe, ihren Konflikt in
den Fokus zu bringen sowie eigene Interessen und Ziele
zu formulieren.
Für das Forumtheater wurden die 35 Teilnehmenden in
drei Gruppen eingeteilt, die jeweils von einer Theaterpädagogin oder einem Theaterpädagogen betreut wurden.
Zunächst tauschten sich die Jugendlichen über mögliche
- teils selbst erlebte - Konfliktszenarien aus, die potenziell

für die Bearbeitung im Forumtheater genutzt werden können. Im gemeinsamen Austausch wurde sich dann für eine
Konfliktsituation entschieden. Koordinations- und Konzentrationsspiele sowie ein Improvisationstraining führten in
die theatrale Arbeit ein. Zunächst wurden in den Kleingruppen die Konfliktszenarien durchgesprochen, Rollen
verteilt und das Forumtheater geprobt. Anschließend folgte
die Darstellung im Plenarsaal vor allem Teilnehmenden,
die sich in der Rolle als Publikum in die Erarbeitung der
Handlungs- und Lösungswege einbrachten.

13

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.1 Aktivitäten der Jugendringe in
Mecklenburg-Vorpommern
Mitmischen, jetzt! vom 3. bis 7. Juli 2017
In Kooperation mit dem Radio LOHRO fand ein Radio-Workshop mit sechs Jugendlichen und jungen Erwachsenen im
Alter von 15 bis 21 Jahren aus Rostock statt. Unter dem
Titel „Mitmischen, jetzt!“ traten die Teilnehmenden über
Mittel der politischen und kulturellen Bildung in einen
politischen Diskurs zu den Themen Klimawandel, Ehe für
alle sowie Links- und Rechtsextremismus.
Ziel des Projektes war es einerseits, den jungen Menschen Medienkompetenz und Kreativität im kontroversen
Diskurs zu vermitteln. Ein weiteres Ziel war die Auseinandersetzung mit dem Thema Demokratie und Wahlen
und insbesondere mit Populismus und Extremismus. Als
Produkt sollte eine einstündige Radiosendung zum Thema
entstehen. Direkt im Vorfeld der Bundestagswahl sollte
damit der kritische Diskurs in der Öffentlichkeit, medial
und auf kreative Weise geführt und angeregt werden.
In einer Einführung wurden Grundlagen der Medienarbeit beim Radio vermittelt. Dazu gehörte das Finden,
Analysieren und Bewerten verschiedenster Informationsquellen – sowohl online als auch offline. Dies vermittelte
darüber hinaus wichtige journalistische Prinzipien, wie
Faktentreue und Neutralität.
Um die individuellen und lebensweltbezogenen Themen aufgreifen zu können, wurde die Themenfindung den
Teilnehmenden überlassen. In einer verkürzten Zukunftswerkstatt wurde sich an die Themen mithilfe politischer
Bildungsmethoden angenähert und diese ausgearbeitet.
Beispielsweise wurde die Bandbreite an politischen Meinungen und Parteien an Hand von Wahlprogrammen zur
Bundestagswahl 2017 recherchiert und aufgezeigt sowie
populistische Forderungen herausgestellt und analysiert.
Es folgte die Recherche zu den jeweiligen Themen, welche
überwiegend mithilfe des Internets stattfand und die Erarbeitung eines Skriptes zur Umsetzung in Radioformate.
Anschließend erhielten alle Teilnehmenden eine Einführung
in Aufnahme- und Schnitttechnik.
Im Ergebnis des Projektes entstanden eine Straßenumfrage mit Kommentaren zur Ehe für alle, ein satirischer

14

Beitrag zum Thema Rechtspopulismus, ein Faktenvergleich
zum Thema Rechts- und Linksextremismus, ein Interview
zum Klimawandel und ein Vergleich der Wahlprogramme der relevanten Parteien zum Thema Klimaschutz. Alle
Beiträge wurden dann zu einer Magazinsendung zusammengefasst und in der Woche vor der Bundestagswahl
beim freien Bürgerradio LOHRO zweimal gesendet. Allen
Teilnehmenden wurde die Sendung zugeschickt und auf der
Radio-LOHRO-Website hochgeladen. Auf diese Weise war
die Sendung für alle Interessierten frei verfügbar, um so den
offenen und kritischen Diskurs weiter zu unterstützen, über
die Gefahren von Populismus und Extremismus aufzuklären
sowie zur aktiven Wahlbeteiligung zu motivieren.

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.1 Aktivitäten der Jugendringe in
Mecklenburg-Vorpommern

Aktivitäten zur politischen Partizipation vor Ort gelang vor
allem mithilfe einer interaktiven Straßentheater-Aktion.
Drei Theaterpädagoginnen und -Pädagogen simulierten die
Gründung eines Sonder-Wahlbezirks. Mit Megafon wurden
die Leute dazu aufgerufen, ihre eigenen Gesetzesentwürfe
einzubringen und anschließend gemeinsam demokratisch
darüber abzustimmen. Dies hatte sowohl zum Ziel, den
Wert der Stimme jedes Individuums zu verdeutlichen als
auch um Raum zu bieten, damit generationsübergreifend
alle ihre individuellen Themen öffentlich einbringen konnten. Dies weckte Demokratieverständnis, führte zu einer
Sensibilisierung gegenüber unterschiedlichen Meinungen
und förderte die Toleranz und den Respekt gegenüber
anderen.

Demokratiefest am 15. September 2017
Im Rahmen des Projekts „Aktivitäten der Jugendringe
in M-V“ fand in Kooperation des Rostocker Stadtjugendringes mit dem EIZ Rostock und weiteren Partnern des
Jugendringes ein „Demokratiefest“ am Internationalen Tag
der Demokratie statt. Als Veranstaltungsformat wurde ein
Straßenfest auf dem Universitätsplatz in Rostock gewählt,
um die Aktion möglichst zugänglich und offen zu gestalten.
Inhaltlich lag der Fokus der Veranstaltung – neben der
Auseinandersetzung mit Demokratie und demokratischen
Werten – insbesondere auch auf der Bundestagswahl 2017
und „U18-Die Wahl für Kinder und Jugendliche“.
Das Demokratiefest wurde mit engagierten Jugendlichen vom Jugendforum Rostock, dem Jugendsprach- und
Begegnungszentrum, und von weiteren Organisationen
aus dem Raum Mecklenburg-Vorpommern organisiert,
koordiniert und durchgeführt. Das Angebot richtete sich
an Jugendliche und junge Erwachsene, insbesondere auch
an solche, die sich (bisher) wenig politisch engagieren. Im
Rahmen des Demokratiefestes konnten Kinder und Jugendliche an der U18-Wahl teilnehmen. Bereits wahlberechtigte
junge Erwachsene wurden zur Auseinandersetzung mit den
Wahlprogrammen zur Bundestagswahl animiert. Zudem
wurden die Besucherinnen und Besucher zur Gestaltung
eines eigenen Wahlplakates und Buttons mit politischen
Positionierungen motiviert.
Die Einbindung von Passantinnen und Passanten in die

Die Aktionen widmeten sich auch diesen Themen:
- Geeintes Europa in Vielfalt
- Jugendpolitisch debattieren und agieren im Landesjugendring M-V
- Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Rostock lernen
und leben offenes Miteinander und fairen Diskurs in der Hansepro
duktionsschule
- Junge Stadtführer/-innen laden zum thematischen Stadtrundgang
- Eigene Ideen umsetzen im Jugendgarten „Alte Schmiede“
- Offen für Vielfalt der Lebensentwürfe LSBTQIA+
- Mitsprache und öffentlicher Diskurs per Bürgerradio LOHRO
- Im Demokratiezelt der Lokalen Partnerschaft für Demo kratie stellte
sich das „Jugendforum Rostock“ vor und lud andere Jugendliche zur
Mitwirkung ein
Die Band „Therapiezentrum“ setzte einen stimmungsvollen Schluss
punkt mit ihren Songs gegen Populismus

15

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.1 Aktivitäten der Jugendringe in
Mecklenburg-Vorpommern
Diskussionsveranstaltung zum G20 Gipfel
am 10. November 2017, 19 Uhr
Die Diskussionsveranstaltung zum G20 Gipfel fand
in den Räumlichkeiten der Projektwerkstatt Buntes Q in
Schwerin statt. Insgesamt nahmen 20 Menschen an der
Veranstaltung teil, darunter 9 Jugendliche und junge Erwachsene aus Schwerin. Die Veranstaltung wurde öffentlich
beworben. So ergab sich für die jungen Teilnehmenden die
Möglichkeit, in einem geschützten Raum mit Politikerinnen
und Politikern der Partei DIE LINKE, (ehemaligen) Polizeibeamten sowie mit älteren Bürgerinnen und Bürgern ins
Gespräch zu kommen.
Eingeleitet wurde der Themenabend mit einem Input
des Polizeiwissenschaftlers Prof. Dr. Rafael Behr, der zunächst drei Vorphasen und den darin enthaltenen Wandel
der Stimmung bezüglich des Gipfels erläuterte. Demnach
entwickelte sich die Dynamik von einem optimistischen
„Wir schaffen das!“ über erste Spekulationen hin zu einer
„mentalen Aufrüstung“ innerhalb der Polizei. Anschließend
sprach Prof. Dr. Behr über die Einsatzphasen und kritisierte
insbesondere die rigide Polizeitaktik (Hamburger Linie)
der Polizeiführung.

Bilder nicht zu verwenden
In der anschließenden Gesprächsrunde wurden auch
alternative kreative Protestformen und der Umgang der
Polizemit ihnen diskutiert. Grundlagen für die folgenden
Fragen waren u. a. ein Foto innerhalb der Input-Präsentation, das den Pfefferspray-Einsatz gegen eine junge Frau
zeigt, die auf einen Panzerwagen der Polizei geklettert war
sowie die Camp-Räumung auf Entenwerder.

Welche Protestformen können junge Menschen anwenden, um nicht mit einer sofortigen Eskalation seitens der
Polizei rechnen zu müssen? Warum gesteht man den Demonstrierenden nicht eine gewisse Kreativität und Vielfalt
ein?

16

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.2 Theater Strahl 			
Wöchentliche Dreharbeiten
„Das wird man doch noch sagen dürfen“ lautet der Titel
einer Sammlung von Szenen, die Jugendliche und junge
Erwachsene aus Berlin gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern des Theaters Strahl in einer mehrmonatigen
Workshop-Phase entwickelt haben.

Während in den Szenen der Schwerpunkt auf dem Phänomen Rassismus und seiner Auswirkung auf Menschen
lag, waren die Diskussionen während des Entwicklungsprozesses breiter angelegt. Immer wieder ging es um Fragen
nach der eigenen Haltung und um die damit verbundenen
Emotionen:
Wo stehe ich emotional und politisch? Ist das Gegenteil
von rechts zwingend links? Welche Mittel der Auseinandersetzung stehen mir zur Verfügung und wo liegen die
Grenzen der Auseinandersetzung? Rechtfertigt Gewalt
Gegengewalt? Sind aktuelle Formen linker Militanz angesichts massiv zunehmender rassistischer Einstellungen
und rechter Gewalt gerechtfertigt?

In einem Workshop-Wochenende im Wendland erarbeiteten 18 Projektteilnehmende in Zusammenarbeit mit
Gegen Vergessen – für Demokratie e.V. sowie Künstlerinnen
und Künstlern des Theaters Strahl erste Szenen für das
Theaterstück. Im Rahmen dessen wurde mithilfe klassischer Methoden der Theater- und Medienpädagogik die
Basis für die kommenden wöchentlichen Theaterproben
geschaffen.
Zudem gelang durch ein Anti-Diskriminierungstraining
die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen Diskriminierung, Gewalt und Konflikt.

Die Herausforderung, den thematischen Rahmen des
Stückes nicht zu sprengen, brachte die Jugendlichen auf
die Idee, die Inhalte der Diskussionen und die intensive
Dynamik des Gruppenprozesses filmisch festzuhalten. Aus
dieser Idee heraus entwickelte sich ein eigenes Projekt, im
Rahmen dessen sie in Eigenregie und unter medienpädagogischer Anleitung die Entstehung der Theaterszenen und
die darüber hinaus bearbeiteten Themen dokumentierten
und reflektierten.
Die Premiere des Stückes fand am 04. Juli 2017 im
Theater Strahl in Berlin statt.

17

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.2 Theater Strahl 			
Informationsveranstaltung
für Multiplikator/-innen
     am 19. September 2017
Im Rahmen der Spielzeitpräsentation des Theaterstückes gab es für etwa 25 schulische und außerschulische
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus der kulturellen
Jugendbildung die Möglichkeit, Einblicke in das Projekt zu
erhalten und sich mit den teilnehmenden Jugendlichen
auszutauschen.
Bei der Informationsveranstaltung zeigten die Jugendlichen zunächst einzelne Szenen aus ihrem Stück und präsentierten die Vorabversion der filmischen Dokumentation.
Der Einblick in die Dokumentation hatte insbesondere zum
Ziel, den teilnehmenden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren einen Eindruck des Entstehungsprozesses, also
sowohl der Arbeitsweise als auch der inhaltlichen Auseinandersetzung, zu geben.

In einer anschließenden informellen Diskussionsrunde
zeigten sich die anwesenden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren nicht nur am Projektaufbau sondern darüber
hinaus auch an der Projektthematik sehr interessiert.
Sie berichteten von ihren Erfahrungen mit Jugendlichen
mit Radikalisierungstendenzen im schulischen Umfeld und
der Herausforderung im Umgang mit diesen Tendenzen.
Angesprochen wurde von Lehrerinnen und Lehrern auch,
dass es noch wenig niedrigschwelliges Präventionsmaterial
zum Thema „Radikalisierung“ für den Unterricht gebe.
Ein großes Interesse bestand seitens der Lehrkräfte dar-

18

in, die fertige Dokumentation zu erhalten, um diese auf
der Fachkonferenz „Ethik und Geschichte“ in ihrer Schule
zeigen zu können. Die Ausstrahlung der Dokumentation
im schulischen Kontext dient als Basis der inhaltlichen
Auseinandersetzung und als Anregung und inspirative
Grundlage für die eigene Projektarbeit.
Für die Pädagoginnen und Pädagogen der außerschulischen Jugendbildung war insbesondere reizvoll zu erfahren,
wie die inhaltliche Auseinandersetzung auf theatraler Ebene
sowie mithilfe des Mediums Film funktioniert. Verschiedene
Interessen und Kompetenzen können bei Filmprojekten
berücksichtigt und gestärkt werden: Schauspiel, Technikinteresse,derkreativeUmgang mit Materialien (Kostüm, Szenographie) und das Schreiben (Erstellung von Filmskripts).

ABSCHLUSSBERICHT 2017

Ist es in Ordnung, „Wir hassen AfD“ zu skandieren?

8.3 Theater Strahl 			
Diskussionsveranstaltung
„Wie weit würdest du gehen?“
am 16. Oktober 2017
Unter dem Titel „Wie weit würdest du gehen?“ trafen
sich 13 jugendliche Teilnehmende, ein Theaterpädagoge
sowie eine Medienpädagogin für eine Diskussions- und
Reflexionsveranstaltung im Jugendkulturzentrum Die Weiße
Rose, einer Spielstätte des Theater Strahl. Im Rahmen dessen
fand eine intensive und reflexive Auseinandersetzung mit
dem Thema Radikalisierung statt.
Durch die Gespräche nach den Theatervorführungen
wurde ein hoher Redebedarf über – sowohl von rechts als
auch von links motiviertes – Gewaltpotenzial deutlich.
Trotz dessen der Fokus im Theaterstück überwiegend auf
Rassismus und rechtsmotivierter Diskriminierung lag, kamen bereits während der Erarbeitungsphase des Stückes
auch die Themen Linksextremismus, linksmotivierte Gewalt
und politische Radikalisierung auf. Diese bekamen auf der
Bühne jedoch nur wenig Raum. Einige Jugendliche aus
dem Projekt wollen sich in der Zukunft gerne tiefergehend
künstlerisch-theatral mit der Thematik Radikalisierung auseinandersetzen. Der inhaltliche Einstieg gelang durch diese
gemeinsame Diskussionsveranstaltung.

„Die Parole „Nazis raus“ pauschalisiert und macht keinen
Sinn. Aber eine Gegendemo ist gut, denn man sollte der
AfD nicht die alleinige Öffentlichkeit überlassen.“

Wie weit darf man bei einem Protest gehen?
„Man kann Feuer nicht mit Feuer bekämpfen.“

Ist Gewalt ein Mittel gegen Diskriminierung?
„Man darf Gewalt anwenden, wenn man etwas, das mit
Gewalt zu tun hat, schlichtet.
Also, wenn man so mehr Gewalt verhindern kann.“

Lässt sich Gewalt rechtfertigen und wenn ja, wann?
„Ich darf Gewalt nur anwenden,wenn ich mich
verteidigen muss.“

Ist rechtsmotivierte Diskriminierung und Gewalt
„schlimmer“ als linksmotivierte?
„Extremismus ist immer Gewalt und Randale,
egal von welcher Seite.“

Wie kann man rechte und linke Gruppen in einen
friedlichen Dialog bringen?
„Nur soziale Gerechtigkeit und Zufriedenheit führen
letztendlich zu Zusammenhalt.“

Im Gesprächsverlauf wurden folgende Fragen diskutiert:
Ist jeder Mensch, der AfD gewählt hat, ein Nazi?
„Die tatsächliche Parole bewirkt nichts, aber für das
Individuum kann es gut sein, weil man so seine
Aggressionen rauslassen kann.“

Der Gesprächsbedarf der Jugendlichen war groß. Zum
Ende der Diskussion wiesen sie auch auf die Rolle der Schule
hin: Ihrer Erfahrung und Meinung nach, findet in der Schule
die konstruktive Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen nicht oder nur in sehr geringem Maße
statt. Und wenn, dann wenig ergebnisoffen und neutral.
Es geht nur um das Vermitteln von Wissen, nicht um die
Vermittlung und Stärkung von einem demokratischen und
partizipativen Miteinander.

19

ABSCHLUSSBERICHT 2017

Human Rights Hall

8.4 Human Rights Hall		
Workshop
„Menschenrechte“
am 03. - 04. August 2017

Im Rahmen der „Themenwoche Menschenrechte“
stand ein zweitägiger Workshop in Berlin auf dem Plan.
Bei dem Workshop nahmen acht Jugendliche aus Anklam
und Greifswald teil. Die Thementage hatten zum Ziel,
eine Basis für die künstlerische Umsetzung der „Human
Rights Hall“ zu schaffen. Dabei dienten die ersten Tage
der inhaltlichen und persönlichen Auseinandersetzung mit
Menschenrechten.

Der Tag begann mit einem gemeinsamen Austausch
über bereits bestehende Vorstellungen, Ideen und Wünsche.
Anschließend wurden mögliche Kunstaktionen diskutiert
und entwickelt. Darunter eine Weltkarte, auf der konkrete
Menschenrechtsverletzungen in Form von Pressemitteilungen von den Jugendlichen angepinnt werden, ein großes
selbst gestaltetes und umgesetztes Graffiti sowie die Darstellung der Menschenrechte in Piktogrammen, als Stencil
oder Wandmalerei. Als Ergebnis entstand ein Grundriss
der Bahnhofshalle, in dem auf Papier gezeichnete Möbel
und die geplanten Kunstaktionen ihren Platz fanden.

Human Rights Hall

Human Rights Hall
Direkt nach der Ankunft in Berlin folgte ein Besuch der
aktuellen Ausstellung im Haus der Demokratie und Menschenrechte, es ging um Identität und Diskriminierung in
Grenzregionen. Anschließend hatten die Jugendlichen die
Möglichkeit, entweder mit Amnesty International oder mit
der Internationalen Liga für Menschenrechte ins Gespräch zu
kommen. Die Schwerpunkte lagen dabei auf dem Umgang
mit Menschenrechten, auf politischen Beteiligungsformen
bei Menschenrechtsverletzungen sowie auf Möglichkeiten
der Aufklärung über und Bildungsarbeit zu Menschenrechten in der Öffentlichkeit. An die künstlerische Umsetzung
von Menschenrechten sollte sich mithilfe eines Workshops
herangetastet werden, der am darauffolgenden Tag in den
Räumlichkeiten von Minor stattfand.

Neben der politischen, gesellschaftlichen und künstlerischen Auseinandersetzung mit Menschenrechten führte
der Workshop auch zu Auseinandersetzungen innerhalb der
Gruppe. Der Wunsch nach einer Hausordnung resultierte
in eine Diskussion über unterschiedliche Vorstellungen von
Hausregeln. Dabei ergab sich insbesondere auch die Frage
danach, ob die Human Rights Hall tatsächlich offen für
alle sein soll, also auch für „altbekannte Nazis“. Dabei
wurden Konfliktszenarien sowie mögliche Verhaltens- und
Handlungsweisen besprochen, diskutiert und reflektiert.

Human Rights Hall

Human Rights Hall

20

Human Rights Hall

ABSCHLUSSBERICHT 2017

Human Rights Hall
8.4 Human Rights Hall		
Gestaltung der
Human Rights Hall
über die gesamte Projektlaufzeit
Im Anschluss an die Themenwoche „Menschenrechte“
kamen die Teilnehmenden und andere Aktive des Demokratiebahnhofs in Anklam zusammen. Im Rahmen dessen
konnte sich darüber ausgetauscht werden, was im Laufe
der Themenwoche sowohl inhaltlich bearbeitet als auch
kreativ entwickelt worden ist. Es wurden die erarbeiteten

Um diese Funktionen erfüllen zu können, musste die HRH
zunächst ein Ort zum Wohlfühlen und Verweilen werden.

Wer gerade vor Ort war, wurde in die Bauarbeiten mit
einbezogen. Die Wände wurden vom Schmutz befreit, der
Putz entfernt und neu aufgetragen. Im Anschluss an die
Grundierung wurden die Wände weiß gestrichen, um eine
Basis für die Neugestaltung zu schaffen. Zwei Kleingruppen
entwarfen derweil ein buntes Graffiti und ein Wandbild,
welches das Wort „Menschenrechte“ in unterschiedlichen Sprachen darstellen soll. Es folgten Anschaffungen
wie Plakathalterungen, Teppiche, Sitzgelegenheiten und
Lichtquellen.

Kunstobjektideen und der Grundriss der Bahnhofshalle
mit dem ersten Einrichtungskonzept vorgestellt. Die Teilnehmenden standen den anderen Aktiven für alle Fragen
zur Verfügung und konnten das neu angeeignete Wissen
rund um das Thema „Menschenrechte“ als Expertinnen

Human Rights Hall

und Experten weitergeben.

Aufgrund der basisdemokratischen Struktur im Demo-

Insbesondere das Thema ‚Barrierefreiheit‘ spielte für
alle Engagierten eine große Rolle. Die Jugendlichen diskutierten beispielsweise darüber, wie die Informationen
über Menschenrechte für die verschiedenen Zielgruppen
aufbereitet und dargestellt werden können, sodass sich
auch Kinder und Menschen, die wenig oder kein Deutsch
sprechen, informieren können.

kratiebahnhof wurde über alle erarbeiteten Ideen und Konzepte für die Neugestaltung der Bahnhofshalle gemeinsam
abgestimmt. Der Grundkonsens: Aus der einfachen und
bisher eher ungemütlichen Bahnhofshalle soll die „Human
Rights Hall“ (HRH) werden. Die HRH soll verschiedene
Funktionen erfüllen:
•

Ein öffentlicher, generationsübergreifender Vernetzungs- und Begegnungsraum

•

Ein Informationspunkt, an dem Besucherinnen und
Besucher in den Menschenrechtsdiskurs einbezogen werden

•

ein Schutz- und Dialograumraum für Jugendliche
und junge Menschen, in dem sich junge Menschen
unterschiedlicher politischer Einstellungen über
ihre Themen, Einstellungen und Wünsche bezüglich
ihrer Lebenswelt und der Gesellschaft austauschen
können

Human Rights Hall

21

ABSCHLUSSBERICHT 2017

Human Rights Hall
8.4 Human Rights Hall		
Aktionstag
Human Rights!
am 24. August 2017

Menschenrechte zu erinnern. Zudem wollten die Teilnehmenden selbst einen Beitrag zum Thema leisten, indem
sie ihren Wunsch – die Wahrung der Menschenrechte – in
der Öffentlichkeit darstellen.

Zum Aktionstag „Human Rights!“ wurde der Anklamer
Marktplatz zu einer Bühne für Menschenrechte. Gemeinsam führten verschiedene Jugendliche eine themenbasierte
Performance auf.

Human Rights Hall

Für den inhaltlichen Zugang wurde die Aktion mit Thementagen für Menschenrechte eingeleitet, welche vom 20.22. August stattfanden. Dort konnten erste Informationen
vermittelt, Assoziationen hervorgerufen und eine inspirierende Grundlage geschaffen werden. Im Anschluss an eine
Aufwärmphase, im Rahmen dessen theaterpädagogische
Methoden spielerisch angewendet wurden, entwickelten
die Teilnehmenden unter professioneller Anleitung eine
Performance.

Die Entstehung der Performance war durch intensive
Gespräche und Diskussionen geprägt. Ein gemeinsames
Ziel war es, das Thema Menschenrechte in die Öffentlichkeit zu tragen und Menschen an den Wert universeller

22

Unter dem Slogan „Power is in your hands“ sollte zum
Ausdruck gebracht werden, dass man sich aktiv für die
Einhaltung von Menschenrechten einsetzen muss und jeder
Mensch gleichermaßen dafür Verantwortung trägt.
Das abschließende Auswertungsgespräch ergab, dass
die meisten Teilnehmenden das Gefühl hatten, mit der
Aktion die zuschauenden Menschen erreicht und sensibilisiert zu haben. Am Ende gab es Einigkeit darüber, dass
derartige Aktionen zwar wichtig und sinnvoll sind, aber
dennoch nicht ausreichen, um die Menschenrechte nachhaltig zu schützen. Die Teilnehmenden stellten daraufhin
ihre Ideen vor, wie man sich selbst für die Einhaltung von
Menschenrechten einsetzen kann: Kampagnenarbeit, das
Schreiben von öffentlichen Briefen und Pressemitteilungen,
durch Zivilcourage im Alltag etc.

Human Rights Hall

Human Rights Hall

Das Drehbuch
Auf dem Anklamer Marktplatz kommen Jugendliche
aus allen Richtungen und bauen eine Mauer aus bunten
Kartons zusammen, vor der sie sich aufstellen. Verschiedene Episoden zu Menschenrechtsverletzungen werden
dem Publikum auf eindrückliche Weise vorgestellt und von
einem stetigen Trommelschlag begleitet.
Die Teilnehmenden gehen nacheinander hinter die zuvor
aufgestellte Mauer und drehen die Kartons. Nun ist der
Schriftzug „Power is in your hands“ zu sehen.
Die Kartons werden erneut gedreht und die Frage „What
are Human Rights?“ ist zu lesen. Verstärkt durch ein Mikrofon werden Menschenrechte lautstark „ausgerufen“.
Die jungen Teilnehmenden drehen erneut die Kartons. Eine
große Erdkugel wird sichtbar, die den Titel „Wishes for
the world“ trägt.

ABSCHLUSSBERICHT 2017

8.5 Abschlussveranstaltung
am 11.November 2017

Human Rights Hall

Human Rights Hall

Tisch stehende Theaterpädagogin gab den Besucherinnen
und Besuchern die Anweisung, ihm alles zum Essen zu
geben zu können, was sie wollten. Ziel der Performance
war es herauszufinden, wie extrem Menschen in solchen
Situationen agieren, ob andere in extremen Situationen
eingreifen oder darüber lachen, wenn ein Mensch getrocknete
Würmer essen „muss“. Erstaunlich war zu beobachten, dass
zwar einige aus Spaß eklige Dinge auf den Teller legten,
sich dennoch viele einmischten und teilweise sogar die
Schüsseln wegnahmen.

Die Projektabschlussveranstaltung fand im Demokratiebahnhof in Anklam statt. Dort gab es für alle Teilprojekte die Möglichkeit, ihre Aktivitäten und Ergebnisse vor
dem Publikum zu präsentieren. Insgesamt nahmen rund
30 Jugendliche teil.
Ein Bühnenprogramm führte die Besucherinnen und
Besucher durch den ersten Teil des Abends. Dieser fand im
Jugendclub statt, welcher direkt an die Eingangshalle des
Bahnhofs grenzt. Zu Beginn führten die Jugendlichen und
jungen Erwachsenen vom Theater Strahl einige Szenen aus
ihrem Stück „Das wird man doch mal sagen dürfen“ vor
und präsentierten die filmische Dokumentation auf einer
Leinwand. Die anschließende Diskussionsrunde gab dem
Publikum Raum für Fragen rund um die Projektthemen,
den theatralen sowie den inhaltlichen Projektverlauf.
Danach stellten Katrin Schankin und Christian Thönelt,
die Partnerinnen und Partner aus dem Projekt „Aktivitäten
der Jugendringe in M-V“, ihre Aktivitäten vor. Im Anschluss
an das Bühnenprogramm wurde das Buffet und die ‚Human
Rights Hall’ eröffnet. In der Bahnhofshalle konnten die
Besucherinnen und Besucher die gestalteten Kunstobjekte
rund um das Thema Menschenrechte anschauen und sich
auf Stellwänden mit Fotos und Steckbriefen detailliert über
die Aktivitäten und Ergebnisse aller Projekte informieren. Die Projektteilnehmenden aus allen drei Projekten
standen Interessierten für Fragen und einen Austausch
zur Verfügung.
Besondere Aufmerksamkeit erlangte eine Theater-Performance zum Thema Extremismus. Ein Theaterpädagoge saß
mit verbundenen Augen auf einem Stuhl vor einem Tisch.
Auf dem Tisch befanden sich Schüsseln mit Lebensmitteln
wie Schokolade, Gemüse, Kaffee und Butter, aber auch
getrocknete Würmer und Katzenfutter. Die neben dem

Human Rights Hall

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