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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

Großstadt-Dokumente Bd. 45. Großstadt. Wohnungselend. 61

lief), Kommen wird, und zwar in nicht ferner Zeit kommen wird, ist meine feste Überzeugung. Die ganze minderbemittelte Bevölkerung unserer großen Städte leidet heute, in höherem oder in geringerem Grade, unter den Llbeln eines veralteten, weder ethisch noch hygienisch zu rechtfertigenden Wohnungsmietsystems, dessen Vorteil nur einer verschwindend kleinen Minderheit zukommt. Freilich wollen wir dabei nicht übersehen, daß neben den Boden- und Hausbesitzern die zahllosen Hypo-thekeninteressenten stehen, deren mittelbares Haus- und Grundeigentum sie für die Aufrechterhaltung des Bestehenden in die Kampflinie führt. Aber der Widerstand ist nicht unüberwindlich, und es naht der Tag, wo das private Geschäft der Baulanderschließung und des Wohnungsbaues zu einer öffentlichrechtlichen Funktion werden wird. Die Lage ist ungefähr so, wie vor der Einführung der ersten Arbeiterschutzgesetze in der kapitalistischen Epoche: die „Unentwegten" erklärten den Kindermord in den Baumwollspinnereien von Lancashire noch immer für ihr heiligstes Gut und für ein unveräußerliches Menschenrecht der Unternehmer, als die öffentliche Meinung schon geschwenkt hatte und der humane Geist weitblickender Menschenfreunde bereits die Paragraphen der Schutzgesetze zusammenfügte. So darf uns auch heute das Gebaren der Boden- und Hausiuteressenten nicht irre machen, die sogar den alten Schwindel von der Gefährdung der „Kulturinteressen" durch einen „wüsten Kommunismus" und andere alte abgestandene Märchen wieder aufleben lassen, um die Mächtigen im Staate ihren Wünschen gefügig und dienstbar zu halten. Unsere Bürokraüe ist wahrlich nicht weitblickend, und die
        
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