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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

Großstadt-Dokumente 23b. 45. Großstadt. Wohnungselend. 49

sie habe die Verantwortung für die sittliche Haltung ihrer Kinder nicht tragen können und sich daher mit dem Gedanken abgefunden, daß, wenn ihren Töchtern „etwas Menschliches passierte", es lieber in einer Schlafstelle als unter ihren Augen im blutschänderischen Verkehr geschehen solle.

Das Schlafstellenwesen ist von noch schlimmeren Gefahren für die Gesundheit und für die Sittlichkeit weiter Volkskreise, als manche vielberufene Hausindustrie. Seit langer Zeit hat es die Aufmerksamkeit der Sozial-politiker auf sich gezogen; es sind auch mancherlei Verbesserungsvorschläge gemacht worden. Aber man Kann es nicht ausrotten, weil der hohe Preis großstädtischer Wohnungen die Arbeiterschaft immer und immer wieder zu der Ausnahme familienfremder Mitglieder drängt, die im Schlafgelde wenigstens einen Teil der Miete mit ausbringen sollen; und weil die alleinstehenden Arbeiter und Arbeiterinnen heute keine andere Wohngelegenheit finden können.

Arbeiterbudgets, die in Nürnberg, Dresden und ganz zuletzt noch im Jahre 1907 in Hannover aufgenommen worden sind, zeigen uns das ganz deutlich.

Es liegen keine Untersuchungen über die Herkunst der Schlasgänger in Großstädten vor; man kann von vornherein annehmen, daß darunter eine erhebliche Zahl solcher Männer und Frauen sind, die vorn Lande der Stadt zuströmen. Meine privaten Umfragen haben aber ergeben, daß die Zahl solcher Schlasgänger sehr groß ist, die ihre Eltern in derselben Großstadt wohnen haben. Aus den oben geschilderten Verhältnissen erklärt sich das ja auch leicht. Die Arbeiterjugend der Großstadt gewöhnt

Großstadt-Dokumente Bd. 45.	4
        
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