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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

48 Großstadt-Dokumente 23b. 45. Großstadt. Wohnungselend.__

ersten Gruppe 452, in solchen von der zweiten 126. Mit der Zeit haben sich diese Verhältnisse ein klein wenig gebessert: 1900 kamen von 1000 nur noch 401 Bewohner aus die mäßig und 99 aus die stark übervölkerten Wohnungen. Indessen dars man diese „Besserung" nicht überschätzen. Der Statistiker selbst sagt: „Wir zählen als übervölkert alle aus nur einem Wohnraum bestehenden Wohnungen mit mehr als 4 und alle aus zwei Wohn-räumen bestehenden Wohnungen mit mehr als 9 Bewohnern. Wohnungen der erstgenannten Art gab es im Jahre 1900 in der Stadt Berlin 1378 mit 7815 Bewohnern, so daß im ganzen 11843 Menschen oder 6,4 pro Mille der Bevölkerung in so überfüllten Wohnungen Hausen." In so übersüllten Wohnungen Hausen aber nicht die Familienmitglieder allein, sondern in der Zahl dieser Unglücklichen sind eine Menge von Familiensremden mitenthalten. Danach kann man sich eine Vorstellung von den fürchterlichen Gefahren des Schlafgängerwesens machen.

Kalt und teilnahmlos sehen die Behörden der Stadt solchen Zuständen zu. Wie sollten sie auch ihre Hand frevelnd gegen den „heiligen Herd", gegen das „traute Heim" erheben! Dieses „traute Heim" ist in vielen Fällen so abstoßend, daß der Familiennachwuchs ihm so bald wie möglich zu entfliehen strebt. Eine brave Arbeiterfrau, Mutter von sechs Kindern, sagte mir einmal, daß ihre Buben und Mädchen mit 14 und 15 Iahren alle aus dem Hause gegangen seien; sie habe auch nicht einmal den Versuch gemacht, sie zurückzuhalten, weil ihre Wohnungsverhältnisse so beengt waren, daß an ein geregeltes Familienleben ohnehin nicht zu denken gewesen wäre;
        
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