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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

Großstadt-Dokumente 93b. 45. Großstadt. Wohnungselend. 43

zur Nachahmung reizten und zu einer mir heute völlig unbegreiflichen Verderbtheit verführten. Wir waren damals in einer kleinen Bande organisiert, die zu allen schlechten Streichen zusammenhielt, und unsere schlechtesten waren wohl die Überfälle, die wir auf unsere kleinen Gespielinnen machten. Das, was wir erlauscht und gesehen hatten, suchten wir, halb im Bewußtsein des Bösen, halb in kindlicher Ahnungslosigkeit und Neugierde nachzuahmen. Ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre, wenn damals nicht der Zufall mich der Großstadt entführt hätte."

Aber es kommen auch schlimmere Dinge vor. Nicht ungestraft drängt man Menschen jeder Altersstufe aus ein paar Quadratmeter Schlafraum zusammen. Ich fragte schon oben einmal: „hört ihr den Iammerruf geschändeter Kinder?" Nun wohl, ich greife einen Gerichtsbericht des Berliner Lokalanzeigers vom 8. März 1908 heraus, an dem ich kein Wort geändert, nichts ausgelassen und nichts hinzugefügt habe; auch die Aufeinanderfolge der Fälle ist ganz unverändert geblieben. Er lautet: Die Schädlichkeit des Schlafstellenwesens wurde wieder einmal durch eine Reihe von Strafprozessen illustriert, in denen es sich um schwere Sittlichkeitsverfehlungen gegen kleine Kinder handelte. Einen besonders charakteristischen Beitrag zu dieser Frage lieferte eine Verhandlung vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Verbrechens gegen den § 176, 3 StGB. war der Arbeiter Andreas Wojciechowsky angeklagt. Der in Moabit wohnhafte Arbeiter K. hatte die einzige Stube seiner Wohnung noch an zwei Schlafburschen abvermietet. In dieser schliefen außerdem noch die beiden 11- bzw. 8jäh-
        
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