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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

40 Großstadt-Dokumente Bd. 45. Großstadt. Wohnungselend.

Eines Tages erschienen Zimmerleute mit viel Holz. Indessen nicht etwa dazu, um Turngeräte auszubauen, sondern um — einen neuen, starken und dicht gefügten Zaun um den Platz zu legen. Vielleicht war der Besitzer ein Griesgram, der durch die spielenden Kinder gestört wurde; vielleicht hatte er irgend einen andern Grund, seinen	Besitz	mit dieser	Holzmauer zu	um-

gürten. Jedenfalls waren die Kinder meiner Gegend nun ihres besten Spielplatzes beraubt. In seinem ergreifenden Buche über die Armut in Nordamerika schildert Robert Hunter einen ähnlichen Vorfall. Er beobachtete eines Tages einige Jungen, die in einer amerikanischen Großstadt von der einzigen freien Baustelle in einem	dicht	bevölkerten	Quartier vertrieben

wurden. Die Buben protestierten und warfen mit Steinen auf den Mann, der sie von dem Platze verjagte. Hunter redete einige von ihnen, die in einer Gruppe zusammenstanden, an und fragte, was sie denn so in Aufregung versetzte; da sagte einer, indem ihm die Tränen in die Augen traten: „Die Leute wollen da ein Haus bauen und dann haben wir nicht mal mehr Platz für unser Ballspiel." Solche Szenen sind für alle Großstädte typisch. In den älteren Vierteln sind die Bauplätze schon ganz verschwunden, und die weisen Väter der Städte, mögen sie an alles andere gedacht haben, vergaßen bei ihren Plänen die Kinder und ihre Spielplätze. Ja, wozu die Verschwendung des schönen Baulandes! Spielen	können die Kinder auf dem Hofe	oder

auf der Straße,	wenn	sie wollen,	oder, wenn sie	das

nicht können, dann mögen sie das Spielen unterlassen. Als ob der Mensch zum Spielen da wäre!
        
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