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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

38 Großstadt-Dokumente Bd. 45. Großstadt. Wohnungselend.

gewicht der Kinder und dem den Familien zur Verfügung stehenden Wohnraum sind mir keine deutschen Zahlen bekannt: aber der Dr. Mackenzie hat im Jahre 1907 dem Schulamt der Stadt Glasgow in Schottland einen höchst beachtenswerten Bericht über den körperlichen Zustand der dortigen Volksschulkinder erstattet. Von etwa 73000 Kindern lebten 80 Prom. in einräumigen, 58 Prom. in zweiräumigen, der Rest in mehrräumigen Wohnungen. Dr. Mackenzie hat alle Schulkinder gewogen und gemessen und was stellt er fest? Er sagt: „Es kann kein Zufall sein, daß alle Knaben, die aus ein- oder zweiräumigen Wohnungen stammen, im Durchschnitt beinahe 12 Pfund leichter sind als die Knaben aus vierzimm-rigen Wohnungen und beinahe 5 Zoll kleiner. Es kann auch kein Zufall sein, dasz die Mädchen aus einzimm-rigen Wohnungen durchschnittlich 14 Pfund leichter und 5V2 Zoll kleiner sind als die Mädchen aus Vierzimmerwohnungen." Ein ganz gleiches Verhältnis hat Nice-foro durch genaue Untersuchung der Schulkinder in Lausanne aufgedeckt.

Der Spielplatz des Proletarierkindes ist der Winkel neben dem Kochherd, oder der Hof, oder die Straße. In den ersten Lebensjahren werden die Kinder aber unverhältnismäßig viel Zeit in den schlechten Wohnungen gehalten. Ja, wo nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter aus Arbeit ausgehen muß, da kommen die Kleinen manchmal den ganzen Tag nicht in das, was man in solchen Stadtvierteln „frische Luft" nennt. Die Mutter versteckt, wenn sie fortgeht, nicht nur verständigerweise die Streichhölzer, sondern bindet auch die Fenster mit Bindfaden zu, damit kein Unglück in ihrer Ab-
        
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