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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

Großstadt-Dokumente 23b. 45. Groszstädt. Wohnungselend. 33

gesund sind", als daß sie auch mit hinaus dürfen. Ich kannte einen Berliner Arbeiter, der auf eigene Faust den Lufthunger seiner kleinen Garde füllte. Sein Bruder, der in einer großen Planefabrik tätig war, hatte ihm billig ein Zelt verschafft, das er irgendwo in den Wäldern an der Oberspree während der ganzen Sommermonate regelmäßig Sonnabends nachmittags aufschlug, um darin mit Kind und Kegel bis Montags früh zu kampieren. Während der Woche verwahrte er es bei einem befreundeten Gastwirt, von dem er sich auch Speise und Trank holte; denn zu kochen wagte er aus Furcht vor der Polizei nicht, die ihn überdies zwang, immer neue geeignete Stellen für fein Feldlager zu suchen. Natürlich, man begreift, daß in dem „Ordnungsstaate" Preußen den Bürgern nicht erlaubt sein darf, die vier Wände einer scheußlichen Mietswohnung zu verlassen, um unter-freiem Himmel den eigenen Körper und den der Kinder in Licht, Lust, Sonne und Wasser zu baden! Jedesmal, wenn der Sonnabend herannahte, dann bemächtigte sich, so erzählte mir mein Gewährsmann, seiner Kinder eine solche Aufregung, daß sie oftmals die Nacht vorher kaum ein Auge schließen konnten. So sehnte sich ihr junger Körper nach der Erfrischung des Verkehrs mit der Natur.

Dieselbe Erfahrung fieberischen Lufthungers hat nran auch bei der Einrichtung großer Ferienspielplätze gemacht, von denen Berlin jetzt drei aus seinen Meselgütern eingerichtet hat.

Nur wenige proletarische Eltern geben ihren Kindern Gelegenheit, wie dieser Vater es tat, ihren Lusthunger zu stillen. Zum Teil fehlt ihnen dazu die Zeit und das Geld, zum Teil aber auch das Verständnis. Denn, wie wir schon

Grotzstadt.Dokumente 93b. 45.	3
        
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