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Full text: Großstädtisches Wohnungselend / Südekum, Albert

Großstadt-Dokurnente Bd. 45. Großstadt. Wohnungselend. 25 
eine bessere hineinkommt, so geben uns jene Nachmes¬ 
sungen offenbar kein vollständiges Bild. Will man ein 
solches gewinnen, so muß man einen anderen Weg be¬ 
schreiben. Es kommt dann darauf an, die Wohnungs¬ 
geschichte einzelner Menschen, bestimmter Familien 
und bestimmter genau zu umschreibender Bevölkerungs¬ 
schichten in der Zeitsolge zu erforschen. Man kann auch 
eine andere Methode befolgen, die zwar nicht zu den¬ 
selben, aber doch auch zu beachtenswerten Resultaten 
führt, nämlich die Erforschung der Verwendungsgeschichte 
bestimmter Häuser, die Feststellung, welche Mietsparteien 
in ihnen nacheinander gewohnt haben. Diese zweite 
Methode hat in Frankreich einige Anhänger gefunden, 
die zur Unterstützung ihres Vorschlages, für jedes be¬ 
stehende Haus in einer Stadt eine Individualkarte bei 
einer Behörde einzurichten und durch regelmäßige Ein¬ 
tragungen evident zu halten, derartige Hausgeschichten 
probeweise verfaßten. Die Resultate waren nicht un¬ 
interessant; in Frankreich gibt es sehr viele Städte, die 
nur einen ganz geringen Bevölkerungszuwachs zeigen 
und infolgedessen auch nur wenig Neubauten auszuweisen 
haben. Was an neuen Wohnungen überhaupt her¬ 
gestellt wird, dient fast ausschließlich den wohlhabendsten 
Schichten, die aus engen und unbequemen Straßen in 
luftigere mit Gartenanlagen durchsetzte Quartiere ziehen. 
Ihre verlassenen Häuser werden dann durch Teilung der 
Wohnungen zu Proletarierhausungen eingerichtet. Manches 
stolze Familienhotel, in dem noch unter dem zweiten Kaiser¬ 
reich ein provinzieller „Salon" blühte, ist seither zu einem 
schmutzigen Logis für arme Leute geworden. In Deutsch¬ 
land haben wir solche Verhältnisse nur an verschwindend
        
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