Path:

Full text: Stadt, Land, Hunger? / Miller, Leif (Rights reserved)

STADT LAND HUNGER ? Werden wir noch alle satt? 1 Jahre Anna | 1 Vorwort ontent re ah | na J 12 Em i|1 Wir alle essen und jeder hat ein Bild im Kopf, wie unsere Nahrung wächst. Woher du kommst bestimmt, was du gerade vor Augen hast. Vielleicht sind es die endlosen Reisterrassen in China oder der Gemüsegarten zwischen Plattenbauten in Berlin oder die Tomate auf dem Fensterbrett zu Hause. 1 Ja hre A Und doch hungern viele Menschen auf der ganzen Welt. Wir springen ins Jahr 2050: 10 Milliarden Menschen teilen sich die Erde und ihre begrenzten Ressourcen. Wie können wir alle ernähren? Wie wird unsere Nahrung in Zukunft wachsen? Das sind die Fragen die „Stadt Land Hunger?” mit Schüler_innen in Berlin diskutieren will. Herausgeber: GRÜNE LIGA Berlin e.V. Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin 030 - 44 33 91 - 0 info@grueneliga-berlin.de www.grueneliga-berlin.de Und da wir alle ein Bild im Kopf haben, das durch unsere Umwelt und Erziehung bestimmt wird, sollten wir ab und zu eine neue Perspektive einnehmen. Deshalb haben wir Kinder auf der ganzen Welt aufgerufen, kreativ zu werden und uns zu zeigen, wie ihre Ideen aussehen, wie unsere Nahrung wachsen wird. In dieser Broschüre findest du ihre Visionen: Von schwimmenden Gärten zu Weltraumkartoffeln und grünen Feldern. V.i.S.d.P.: Leif Miller Redaktion: Ulrich Nowikow Text: Anke Küttner, Clara Hunger, Daniela Masís Valverde & Sarah Buron Grafik & Design: www.cubusberlin.com Fotos: Pixabay, soweit nicht anders angegeben Verwendete Lizenzen: CC0 https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/ CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/ CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/ CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ Finde heraus, was María aus Kuba isst und wo Tobias aus Deutschland sein Essen herbekommt. Vielleicht kannst du so auch erkennen, wie ihre Ideen entstanden sind. Was kannst du von ihnen lernen? Dazu gibt es kurze Texte zu wichtigen Themen, die Einfluss auf die landwirtschaftliche Entwicklung haben. Was müssen wir ändern für eine nachhaltige Landwirtschaft weltweit? Wie steuern wir die Verteilung der Nahrungsmittel, damit jeder genug gesundes Essen hat? Finde heraus, wie Landraub und Klimawandel die Ernährungssicherheit bedrohen. Lerne was Ernährungssouveränität ist und warum die Stärkung von Frauen hilft, den Hunger zu bekämpfen und entdecke andere Lebensstile. Wir danken der Jury: Beatrice Davies, Dana Jestel and Clara Hunger. Der Wettbewerb wurde unterstützt durch Sarah Wiener. 1. Auflage: Januar 2018 Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Karen Thormeyer | GRÜNE LIGA Berlin e.V. Für den Inhalt dieser Publikation ist allein GRÜNE LIGA Berlin e.V. - Landesverband des GRÜNE LIGA e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt von Engagement Global gGmbH und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wieder. re ah no En | J 12 1 Inhalt Einleitung 05 Felder rund um die Welt 06 Das globale Keksnetzwerk 07 Visionen aus Deutschland 08 Wer is(s)t fair? 12 »Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern« Frauen ackern auch 13 Future food – Was werden wir in Zukunft essen? 14 Brauchen wir biologische Vielfalt in der Landwirtschaft? 16 Zukunft säen 17 Visionen aus dem Globalen Süden 18 Das große Wegschmeißen 22 Mein Land, dein Land? 24 2. Nachhaltigkeitsziel, Vereinte Nationen 2015 Boden gut, alles gut! 25 Ernährungssicherheit oder Ernährungssouveränität? 26 Wie wächst unsere Nahrung in der Zukunft? 28 Edith | 11 Jahre 2 3 Einleitung Heute sind wir 7,5 Milliarden Menschen. Davon leiden mehr als 800 Millionen an Hunger. Im Jahr 2050 könnten wir 10 Milliarden Menschen auf der Erde sein. Die Frage ist, wie wir alle ernähren werden, wenn schon heute Menschen hungern. Die gute Nachricht ist, dass wir bereits Nahrungsmittel für 12 Milliarden Menschen produzieren. Die schlechte Nachricht ist, dass diese Nahrungsmittel ungerecht verteilt sind. Denjenigen, die nicht genug zu essen haben, fehlt entweder das Land zum Anbau oder das Geld, um Essen zu kaufen. Viele Faktoren tragen zu dem Problem bei. Auf der Seite der Produktion sind es Klimawandel, Landraub und Monokulturen. Auf Seite des Verbrauchs die Essgewohnheiten und der Umgang mit Nahrungsmitteln, die zu Hungerkrisen beitragen. Wusstest du, dass in Deutschland jedes fünfte Brot weggeschmissen wird? Was für eine Verschwendung! Oder, wie wär‘s mit etwas weniger Fleisch? Schweine und Hühner verbrauchen große Mengen Weizen, Mais und Soja als Futter. Damit könnte man viele Menschen ernähren. Und die Fleischproduktion steigt stetig, weil immer mehr Menschen täglich Fleisch essen. Du willst nicht verzichten? Wie wär’s mit einem Burger aus Insekten oder dem Labor? Lies weiter und erfahre, wie wir in Zukunft Nahrung anbauen und was wir essen werden. Djordje | 12 Jahre 4 5 Felder rund um die Welt Das globale Keksnetzwerk Felder von heute sind scheinbar endlose grüne oder gelbe Flächen. Nur eine Art wächst auf jedem der riesigen Felder. Und die gleiche Nutzpflanze wird oft immer wieder, Jahr für Jahr, gepflanzt. Diese Art des Anbau wird als Monokultur bezeichnet und ging in den 1960’ern mit der „Grünen Revolution“ richtig los. Kekse sind toll, das ist eine Tatsache! Aber wusstest du, was für ein globaler Zutaten-Mix sie sind? Schau mal nach und du wirst feststellen, dass sie aus allen Teilen der Welt kommen. Wenn du Schokokekse im Supermarkt in Frankreich kaufst, kommen Weizen, Zucker und tierische Produkte wie Eier und Milch wahrscheinlich aus der Region oder einem Nachbarland. Größere Maschinen, Bewässerung und Chemie auf großen Feldern halfen die Erträge zu steigern. Aus der Landwirtschaft wurde eine Industrie, um den Hunger zu besiegen! Nur wenige Nutzpflanzen und Tiere ernähren heute Milliarden von uns. Pflanzen wie Mais, Reis und Weizen und Tiere wie Schweine und Hühner sind die wichtigsten. Doch der Erfolg hatten einen hohen Preis: Nicht jeder Bauer und jede Bäuerin profitierte. Viele kleine Höfe mussten ihr Land aufgeben, da sie mit den Großen nicht konkurrieren konnten. Heute leben trotzdem noch 2,5 Milliarden Menschen von der Landwirtschaft. Sie sind entweder Arbeiter_innen auf den großen Landwirtschaftsbetrieben oder bewirtschaften ihre eigenen kleinen Höfe. Obwohl das meiste Land den wenigen großen Unternehmen gehört, ist der Rest noch immer in der Hand vieler kleiner Familienbetriebe. Und diese produzieren oft mehr Nahrung auf kleinerer Fläche. Deshalb sind sie in vielen Gegenden von Asien und Afrika der Schlüssel, um den Hunger zu überwinden. Sie ernähren die Familien selbst und versorgen die lokalen Märkte mit Lebensmitteln. 6 Doch was ist mit Kakao, Palmfett und Soja? Diese Pflanzen wachsen in Ländern wie der Elfenbeinküste, Indonesien und Brasilien und werden um die ganze Welt transportiert. Obwohl sie von verschiedenen Kontinenten stammen, wachsen sie alle auf großen Plantagen. Diese haben oft zwei Dinge gemeinsam: erstens, schlechte Arbeitsbedingungen für die Arbeiter_innen und sogar Kinderarbeit. Zweitens, sie verursachen massive Umweltprobleme. Zum Beispiel wird der Indonesische Regenwald abgeholzt für die riesigen Ölpalmplantagen. Die Ureinwohner verlieren ihr Land und Tiere wie der Orang-Utan ihren Lebensraum. Hinzu kommen Pestizide, die alles vergiften. Es ist schwer, diese Probleme zu kontrollieren, wenn die Zutaten so weit entfernt produziert werden. Deshalb scheint es uns oft so, als ob wir nicht viel tun könnten. Aber es ist wichtig, dass wir uns dieser Situation bewusst sind und bei der Auswahl unseres Essens bedenken. Palmfett Mehl Zucker Kakao Eier Sojalecithin Salz Milch 7 Visionen aus Deutschland 8 GRETA & PRISCA | ALTER 11 | DEUTSCHLAND Was ist dein Lieblingsessen? Greta: Lasagne | Prisca: Eier in Senfsoße Was isst du alles an einem normalen Tag? Greta: Müsli, Brot, Apfel, und abends was Warmes Prisca: Brötchen, Marmelade, Nutella, Fleisch, Nudeln, Brot und Salami 1. Platz rb e w e b t t We Woher kommt dein Essen? Greta: Aus dem Supermarkt und der Bäckerei Prisca: Aus dem Supermarkt und Bioladen 9 2. Platz Wett b ewe rb 3. Platz rb e w e b t t We LUZI | ALTER 11 DEUTSCHLAND TOBIAS | ALTER 10 DEUTSCHLAND Was ist dein Lieblingsessen? Crepes mit Tomaten, Avocado und Mozzarella Was ist dein Lieblingsessen? Nudeln mit passierten Tomaten Was isst du alles an einem normalen Tag? Haferflocken mit Obst und Honig, Gemüse, Käsestulle und abends was Warmes Woher kommt dein Essen? Aus dem Supermarkt und Bioladen 10 Was isst du alles an einem normalen Tag? Crunchies mit Milch, Brot, Butter, Gemüse, Salami, Kartoffeln und Quark Woher kommt dein Essen? Aus dem Supermarkt und Bioladen 11 Wer is(s)t fair? Frauen ackern auch Viele Kinder rund um die Welt können nicht zur Schule gehen, vor allem in Afrika und Asien. Sie müssen arbeiten, weil ihre Eltern nicht genug Geld verdienen, um ihre Familien zu ernähren. Sie schuften auf Feldern und Plantagen, aber der Profit geht an die großen Konzerne. Auch Verbraucher_innen in Deutschland und Kanada profitieren davon. Sie können Waren wie Ananas und Schokokekse billig einkaufen. andn, dass L e k n e d l Vie ist. In erarbeit n n ä dings M ft oft. Aller s a wirtscha d t m tim orts eine aft vieler trieben s e h c B ts n e ir ß w o nd gr ihrer in der La Einfluss n e e r u h a a r F w bis zur der spielen onarbeit lle. Doch is o a R S e n h o ic gen ihre rkt. V wesentl n versor unbeme e u ft a o r t F ib – em Feld Arbeit ble beit auf d r A n e h c tägli ung. ssourcen mit Nahr ng zu Re a g u Z n Familien e r en verschlechte anisation ie g s r O n e d b n a u en r allem Dabei h äufig, vo tiker_inn h li o n P e u r. a e ndfr ng der als Männ eitstellu rieren La r o e n B ig ie r d e e d h l für dies rn. Durc gessen o nd Mitte ngslände u e lu g k u ic e z tw n in En ng, Werk ngernde Ausbildu hl der hu a Z ie gleichen d is könnte um 100 b Frauen, der Welt in n e h c ziert Mens nen redu o li il M 0 15 1 werden! Menschen und die Natur fair zu behandeln ist wichtig für eine nachhaltige Landwirtschaft. Es hilft Armut, Kinderarbeit und die Ausbeutung von Mensch und Natur zu reduzieren. Du hast bestimmt schon das Fair-Trade-Siegel1 gesehen. Du findest es auf Ananas von einer Plantage, die unter strikten sozialen Standards produziert. Das bedeutet zum Beispiel faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Aber, fair ist nicht das gleiche wie „bio“! Bio-Standards stellen sicher, dass Menschen und Umwelt nicht durch gefährliche Chemikalien gefährdet werden. Die Produkte sind in der Regel teurer und schaffen so ein besseres Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern. Und die Verbraucher_innen bekommen unbelastete Nahrungsmittel. Durch die Wahl eines Produktes mit beiden Logos wird nachhaltige Landwirtschaft unterstützt. Und ja, das ist meist teurer. Aber bewusster konsumieren ist etwas, das jeder tun kann, besonders wenn es um so etwas wie eine Ananas geht. 12 1 www.fao.org/gender/infographic/en/ Diese Fr auen können gestärkt werden durch: 1. Aus bildung und Aus tradition tausch v elle Lan on Wiss dwirtsch en über aft und U 2. Gle ichen Zu mwelt gang zu anderen Land, Kle Ressour inkredit cen en und 3. Knü pfen von Kontakt Koopera en und H tiven un ilfe, um d Netzw erke zu 4. Ber bilden eitstellu ng wich Schulen tiger Inf rastruk und Kra tur wie nkenhäu Frauen ser für M sowie La ä d g chen un e rräume landwirts d und Tran chaftlich sport fü en Prod r die ukte 13 Future food. Was werden wir in Zukunft essen? ALGEN Jeden Tag geht uns Ackerland verloren, aber was ist mit den Ozeanen? Algen sind bescheiden und wachsen sogar in verschmutzten Gewässern. Sie sind nicht nur Nahrung für uns, sie können unsere Maschinen füttern, als Biokraftstoff. Speisen aus Insekten und Algen werden schon in einigen Teilen der Welt gegessen. Sie können eine nachhaltige Alternativen zu unserem Essen von heute sein. LABORFLEISCH Einige Labors versuchen Fleisch in Petrischalen wachsen zu lassen. Dazu brauchen sie nur ein paar Zellen, zum Beispiel von einer Kuh, und eine Flüssigkeit mit Nährstoffen, um die sich vermehrenden Zellen zu versorgen. 14 INSEKTEN Sie enthalten viele Proteine, Vitamine und Mineralstoffe, sind anspruchslos und wachsen schnell. Die Zucht verbraucht wenige Rohstoffe. Nehmen wir den Bedarf an Land: für 1 kg Schweinefleisch brauchen wir 50 m², für 1 kg Rindfleisch bis zu 250 m², aber für 1 kg Insekten sind es nur 18 m². WÜNSCH DIR EINE MAHLZEIT Du hast bestimmt schon Replikatoren in Filmen gesehen. Die synthetisieren jede Art von Essen zu jeder Zeit. Das ist noch reine Science-Fiction. Aber wusstest du, dass Pizza und andere Gerichte heute schon ausgedruckt werden? Und sie sind essbar! Doch woher kommen die Zutaten? Denn diese 3D-Drucker benötigen immer noch Teig und Tomatensoße. x Ma 15 1 |1 hre Ja Brauchen wir bio­ logische Vielfalt in der Landwirtschaft? Ja, Nutzpflanzenvielfalt ist aus vielen Gründen wichtig. Pflanzen beeinflussen sich gegenseitig beim Wachstum und nutzen Ressourcen wie Wasser, Nährstoffe und Licht unterschiedlich. Ein guter Weg, um davon zu profitieren, ist die Mischkultur - das Gegenteil der Monokultur. Ein weiteres Plus ist, dass Unkräuter, Schädlinge und Pflanzenkrankheiten auch ohne Pestizide unter Kontrolle gehalten werden. Das sind gute Nachrichten für uns und die Umwelt. Monokulturen und Pestizide sind die Hauptgründe für das Insektensterben. Wenn die Insekten verschwinden, fehlt ein wichtiges Glied der Nahrungskette. Viele Nutzpflanzen sind für die Bestäubung von Insekten abhängig. Das bedeutet auch, dass Vögel, die sich von den Insekten und Samen ernähren, dem Untergang geweiht sind. Nutzpflanzenvielfalt ist außerdem der Schlüssel, um die Risiken und Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen. Die meisten von uns verzehren täglich Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis oder Kartoffeln. Angebaut in riesigen Monokulturen sind sie schnell gefährdet durch extreme Wetterbedingungen wie Dürren. In einer Mischkultur kann eine Nutzpflanze ausfallen, während eine andere Art weiter gedeiht. Bäuerinnen und Bauern, die nur auf eine Sorte setzen, riskieren hingegen die gesamte Ernte. Zukunft säen Vor mehr als 10.000 Jahren haben unsere Vorfahren angefangen wilde Pflanzen zu züchten. Sie wählten Samen von Pflanzen mit nützlichen Merkmalen. Merkmale sind bestimmte Eigenschaften, die von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden. Bei Nutzpflanzen waren das größere Früchte oder ein höherer Ertrag. Jede Bäuerin nutzte ihr eigenes Saatgut - so entstand eine große Vielfalt an Sorten. In den letzten 50 Jahren haben große Konzerne angefangen, Saatgut in industriellem Maßstab zu züchten. Sie haben Hybride1 und genetisch veränderte Samen2 geschaffen. Diese versprechen hohe Erträge oder Schädlingsresistenz. Alle nutzen nun dasselbe Saatgut, wodurch die Nutzpflanzenvielfalt verloren geht. Außerdem können die Bäuerinnen kein eigenes Saatgut mehr vermehren. Sie sind dadurch abhängig von den Konzernen. Um die Vielfalt zu bewahren, werden Samen in Samenbanken auf der ganzen Welt gelagert. Das ist wichtig, denn bestimmte Merkmale können entscheidend sein, um die Ernährung zu sichern. Wenn sich Klima und Böden ändern, kann Vielfalt bei der Anpassung helfen. Einige Sorten und Wildformen haben vielleicht geringere Erträge, aber sie überleben Trockenheit, Salz, Schädlinge oder andere Belastungen. Doch um die Vielfalt wirklich zu erhalten, müssen die Samen auch verwendet werden. 1 Die Kreuzung von zwei oder mehr verschiedenen Sorten oder Arten erzeugt Hybride. Man züchtet sie, um die Merkmale der Eltern miteinander zu kombinieren. Allerdings kann man aus Hybrid-Pflanzen kein neues Saatgut gewinnen, weil sie unfruchtbar sind oder die gewünschten Eigenschaften nicht weitergeben. 16 2 Wissenschaftler_innen verändern den genetischen Code von Pflanzen im Labor. Sie fügen neue Teile von anderen Pflanzen, Tieren oder Bakterien ein. 17 Visionen aus dem Globalen Süden 18 MARIA | ALTER 9 | KUBA Was ist dein Lieblingsessen? Reis, Eier und Bananen Was isst du alles an einem normalen Tag? Reis mit Bohnen und Fleischwurst 1. Platz rb e w e b t t We Woher kommt dein Essen? Vom Markt 19 2. Platz Wett b ewe rb 3. Platz rb e w e b t t We SOFIA | ALTER 11 COSTA RICA LIRA | ALTER 8 MOSAMBIK Was ist dein Lieblingsessen? Lasagne Was ist dein Lieblingsessen? Maisbrei mit Soße Was isst du alles an einem normalen Tag? Reis mit Bohnen, Mais, etwas Gemüse und Obst, Fisch Was isst du alles an einem normalen Tag? Reis mit roten Bohnen Woher kommt dein Essen? Vom Markt 20 Woher kommt dein Essen? Vom Markt 21 Das große Wegschmeißen Ein einfacher Weg den Hunger zu stoppen, wäre, weniger Nahrung wegzuwerfen. Ein Drittel der Nahrung, die auf den Feldern wächst, landet nie in unseren Mägen. Und sie geht an vielen Stellen verloren: bei der Ernte, der Verarbeitung, dem Transport, im Laden und zu Hause. Wie viel verloren geht und wann es passiert, hängt von der Weltregion und der Art des Essens ab. Zum Beispiel gibt es in vielen afrikanischen Ländern weniger Möglichkeiten zum Lagern, Kühlen und Transportieren von Nahrungsmitteln wir Getreide, Früchten oder Fleisch. Das Fehlen dieser Infrastruktur bedeutet, dass Nahrungsmittel verderben, bevor sie verkauft und gegessen werden. Dagegen kommt in Europa und Nordamerika das Meiste im Supermarkt an. Aber die Verbraucher sind wählerisch. Sie kaufen keine krummen Möhren oder Jogurt mit bald ablaufendem Haltbarkeitsdatum, deshalb werfen die Händler sie weg. Aber nicht nur Konzerne verschwenden so essbare Nahrungsmittel, auch Verbraucher tun das. Sie lassen die Milch im Kühlschrank sauer werden. Oder schmeißen die Brotkruste in den Müll. Was für eine Verschwendung von Ressourcen und harter Arbeit! Um Nahrungsmittelverschwendung in Ländern wie Mali zu verhindern, müssen Kleinbauern gestärkt und die Infrastruktur verbessert werden. In Deutschland sollten die Menschen Lebensmittel mehr wertschätzen. Warum nicht ein leckeres Essen aus den Resten von gestern kochen? 22 Klara | 11 Jahre 23 Mein Land, dein Land? Ein neuer Kolonialismus ist im Kommen. Konzerne aus Ländern wie den USA, Großbritannien und China kaufen Land in armen Entwicklungsländern, die viele natürliche Ressourcen wie Wasser und fruchtbaren Boden haben. Ihr Ziel ist es, dort große Mengen an Nutzpflanzen zu produzieren, um sie auf dem Weltmarkt gewinnbringend zu verkaufen. Die Regierungen überlassen den Konzernen das Land. Sie hoffen auf Entwicklungshilfe oder stecken sich gar das Geld in die eigene Tasche, während die lokalen Kleinbäuerinnen und -bauern ihr Land verlieren. Auch Urwälder werden vernichtet, um Platz für mehr Felder zu schaffen. Die Landräuber argumentieren, dass industrielle Boden gut, alles gut! Landwirtschaft hilft, die Hungerkrise zu stoppen. Aber das meiste wird exportiert und in Industrieländern wie Deutschland als Futter für Schweine oder Treibstoff für Autos verwendet. Die Ernten werden gar nicht auf den lokalen Märkten verkauft. Die Bäuerinnen und Bauern haben ihr Land verloren und können nicht mehr ihre eigene Nahrung anbauen. Sie sind arbeitslos oder arbeiten auf den neuen großen Betrieben unter schlechten Bedingungen. Zum Beispiel sind sie schlecht vor gefährlichen Pestiziden geschützt und schuften für einen Hungerlohn. Der Landraub hinterlässt den Menschen weder Land, noch Nahrung und sehr wenig Geld. Das ist einer der Gründe, warum Länder wie Äthiopien auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Ein gesunder, lebendiger Boden ist die beste Grundlage für ein ertragreiches Feld. Doch fruchtbarer Boden geht in alarmierender Geschwindigkeit verloren. Ein Drittel ist bereits zerstört. Das erhöht den Druck auf diese wertvolle Ressource weiter und gefährdet auch die Ernährungssicherheit. Wie geht Boden verloren? Klimawandel und Verstädterung beeinflussen unser Land und damit unsere Böden. Doch der wichtigste Faktor ist die Landwirtschaft. Genauer gesagt die industrielle Landwirtschaft! Zu viel Chemie schädigt die Mikroorganismen, die Humus produzieren. Schwere Maschinen verdichten den Boden, so dass die Wurzeln beim Wachsen Probleme bekommen. Das Pflügen riesiger Felder hinterlässt den Boden ungeschützt gegenüber Wind und Regen. Der fruchtbare Boden wird weggeblasen oder weggespült. Wenn der Boden erst einmal weg ist, wird es schwierig, das Feld wiederherzustellen. Für die Nutzer_innen ist es einfacher weiterzuziehen zum nächsten Stück fruchtbaren Boden. Das bedeutet oft die Rodung von Wald und verstärkt das Problem. Zurück bleiben öde und verlassene Felder, die sich in Wüsten verwandeln. Nachhaltige Landwirtschaft muss Priorität haben. Kleinbäuerinnen und -bauern nutzen weniger schwere Maschinen. Außerdem sind Fruchtfolge und Mischkultur weitere Anbaumethoden, um Bodenerosion zu verhindern und den Einsatz von Chemie zu reduzieren. 24 Boden ist eine Mischung aus mineralischem Gestein, organischer Substanz und lebenden Organismen. Hinzu kommen Wasser und Luft in den Zwischenräumen. So entsteht ein gesunder lebendiger Boden. 25 Ernährungssicherheit oder Ernährungssouveränität? »Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben« 26 iede? tersch n nug zu U e i der ge nd d je i s s s s a a w ,d deutet deutet as und . Es be rung. e s d b u t a it s i e in h Was icherh n Nah rüber rungss ung vo eht da il d, g e t s r e e Ernäh r des Kin nd V Abe u je . t g n a n n h e u er r ein t, w essen hl, Lag ung fü rreich r a e h w t a s is N u ng zu auch A gssicherheit n Zuga n n u a r M h ä r n Er d jede ben. rau un ben ha e L s jede F e tiv des ak gesun t ränitä souve s g r! n h u e r Ernäh noch m dass d n u s , s da heißt e wie ist all esagt g t, a h h c a l h Einf die Wa h c t und u r a duzie jeder o r p g hrun ns in die Na t wird. Für u ir sind l e d t es, w iß gehan e h hland unser Deutsc hlen, woher ä wir w nd was malia frei zu u t m o kom r wie S Essen Lände r­ r ü g F n . Hu e o essen w , n hiopie utet es und Ät , bede n ig e t ü w bhäng krisen ie una s s d s in a s ,d ie zudem den. S r e w t ) mit el, rän ebens (souve L f u a aatgut icht oder S dann n e f il H Wenn ielle iesen. w finanz e g n ät ßen a veränit ich u o s von au s g ährun n sie s sie Ern aben, könne rnhöfe th aue erreich ch kleine B r u orgen. d t te vers selbs k r ä M hkale Deutsc ng ie und lo w r e icklu Länd e Entw s Reiche ie d mit önnen önnen k ie land k S . issen, tützen von W unters h c s u a chem ust dem A technis rbesd n u ung zur Ve Erfahr elfen, h strukw o h n Infra dite e l Knowa k o der l inkre serung gen, und Kle Kleind itra nen un lten tur be äuerin b sol in s e l ll da an K A . n e und geb bauern schenke sein iner Ge t zu e jedoch ht nich ic S e g auf lan keit führen. gig n ä Abh 27 Wie wächst unsere Nahrung in der Zukunft? Mit schwindenden Ressourcen, wie fruchtbarem Land und Wasser, sowie den Auswirkungen von Klimawandel und Verstädterung suchen die Menschen nach neuen Wegen. Wie du gesehen hast, haben wir viele gute Ideen für die Zukunft der Landwirtschaft bekommen. Aber was denken Expertinnen und Experten? Wie werden unsere Felder aussehen und wo werden sie sein? Einige Felder der Zukunft werden ganz anders aussehen als die von heute. Sie werden in Städten zu finden sein, dort wo die meisten Menschen leben werden. Vertikale Farmen in Häusern, Gärten auf Dächern oder Anbau in Bunkern unter der Erde gibt es bereits an einigen Orten. Schwimmende Farmen in Häfen und auf Ozeanen könnten ein alltäglicher Anblick sein. All diesen Ideen liegt der gleiche Aufbau zu Grunde. Damit die Anbausysteme sich selbst erhalten können, nutzen sie keinen Boden, sondern Wasser mit Nährstoffen1. Tiere wie Fische können auch ein Teil dieser Systeme sein. Trotz der utopischen Visionen wird die meiste Nahrung weiterhin auf echten Feldern angebaut werden. Wenn sich die derzeitige Entwicklung fortsetzt, wird es noch mehr Monokultur mit größeren Maschinen und mehr Automatisierung geben. Aber nachhaltige Landwirtschaft ist ebenfalls im Kommen. Immer mehr von uns möchten gesünder essen und die Umwelt schützen. Wir werden alle satt, wenn wir achtsam mit Ressourcen umgehen. Gösta | 11 Jahre 1 Das nennt sich Hydroponik. Wenn man Fische als weiteres Element integriert heißt es Aquaponik. 28 Lilja | 1 1 Jahre Bildquellen: Seite 7: By ICCFO - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42557878 Seite 12: By IRRI Images - http://www.flickr.com/photos/ricephotos/7554466118/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26687568; By Tom Skrinar - Flickr: High Street, Shamwana, Katanga, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20397107; By Trocaire from Ireland - nicaragua 3 GHR 19, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33049907 Seite 13: By Patrick Sakyi (Own work) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons Seite 16: By Paul Rogé - Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38367812 Seite 22/23: By Sigurdas - [1] (found automatically by User:Picasa Review Bot) Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6033214; By petrr - https://secure.flickr.com/photos/gustavthree/2431874910, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26750389; By M M from Switzerland - Laos, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40538858 Seite 25: By Dehaan - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5156458; Regenwurm: © BildPix.de - Fotolia.com Seite 26: By @Jojkot (Own work) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons Seite 27: By CIAT (Flickr: NP India burning 29) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons Seite 28: By lienyuan lee, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59623892; By FarmBot - https://farmbot.io/media-kit/, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50503886; By Narek75 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53495399
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.