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VIII. Kapitel. Theater und Presse

Full text: Das Theater als Geschäft / Epstein, Max

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Grundsätzen. Da wird denn Herr Dr. Leo 
pold Schmidt zur Beurteilung einer Posse, 
die nur einigen harmlosen Leuten einige 
harmlos vergnügte Stunden bereiten soll, aus 
gesandt, blos weil sich darin auch einige 
Takte Musik finden. Da wird die kritische 
Kraft eines Julius Hart oder Paul 
Schlenther bemüht, um einen gutgemein 
ten und vielleicht für ein Durchschnittspubli 
kum ganz amüsanten Schwank tot zu schla 
gen. Ist das nicht alles höchst unvernünftig? 
Wem soll denn das nützen? Den harmlosen 
Leuten wird das Vergnügen verbittert, den 
Direktoren wird der grösste materielle Scha 
den zugefügt. Sollen denn wirklich alle 
Menschen, die oft schwer gearbeitet haben, 
nur literarische Taten im Theater geme 
ssen, muss es nicht auch leichte Unterhaltungs 
stücke geben, die nichts Böses tun und ab und 
zu zum Lachen oder zum Lächeln reizen. Das 
ist in allen grossen Städten so und nirgends 
hat man dagegen etwas einzuwenden. Nur 
in Berlin wird alles zu ernst und tragisch ge 
nommen. Tut man nicht allen diesen Werken 
viel zu viel Ehre an, dass man sie genau wie 
eine grosse Premiere im Deutschen The 
ater an hervorragender Stelle kritisch wür 
digt? Wäre es wirklich ein Unglück, wenn 
einige Menschen durch eine böse Kritik nicht 
vom Besuch eines solchen vielleicht verfehl 
ten Schwankes abgeschreckt würden? Mit 
einem Wort: wäre es nicht besser, Kritik bei
        
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