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VI. Kapitel. Autoren und Verleger

Full text: Das Theater als Geschäft / Epstein, Max

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Sie haben endlich das System dreimonat 
licher Abrechnung und behalten au! 
diese Weise die den Bühnenschriftstellern zu 
kommenden Tantiemen ungebührlich 
lange. 
War also die Idee, einen Normal vertrag zu 
erreichen, glücklich und wichtig, so hätte die 
Vertriebsstelle, wenn ihr alle Autoren beitre 
ten, auch gewaltige Nachteile. Da nämlich 
ein Autor wie der andere behandelt werden 
soll, so sind die ausländischen Autoren, weil 
diese ja nicht an die Vertragsbestimmungen des 
Verbandes gebunden sind, den Mitgliedern 
gegenüber bevorzugt. Es werden ferner die 
wertvollen Schriftsteller durch die Masse der 
wertlosen erdrückt, wie in jeder Schulklasse 
die tüchtigen Jungen durch die Herde der un 
begabten leiden müssen. Will man aber diese 
Fehler vermeiden, so wird man wiederum nichts 
weiter tun können, als die guten Autoren zu 
bevorzugen. Ich bin auch völlig überzeugt, 
dass, wenn alle Autoren zur Vertriebsstelle 
gehen, Schriftsteller mit grossen Erfolgen dort 
mit der Zeit eine ganze andere Rolle spielen 
werden als die anderen, und so ist den Neuen 
und Kleineren wieder ebensowenig geholfen 
wie früher. Sie werden es sogar schlimmer 
haben. Denn wenn es ihnen bisher nicht bei 
einem Verleger gefallen hat, gingen sie zu 
einem anderen; jetzt kommen sie aber in eine 
trostlose Abhängigkeit von einer behörden 
artigen Genossenschaft. Eine solche Zwangs
        
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