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I. Kapitel. Theatergründungen 1. Unbegründete Gründungen

Full text: Das Theater als Geschäft / Epstein, Max

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6 Millionen aufzubringen. Jeder, der mit ihnen 
zu tun hat, kennt die ganze Geschichte. Das 
Theater dieser Gründung ist etwas zurück 
gebaut, es fasst gegen 2000 Personen, vorn liegt 
ein grosses Restaurant, ein Cafe, ein Konzert 
saal. Das Cafe ist schon für 100.000 Mark 
jährlich vermietet. Das Polizeipräsidium hat 
schon die Genehmigung zum Bau erteilt. Herr 
Oberregierungsrat v. Glasenapp, mit dem 
der Gründer eng befreundet ist, ist einfach ent 
zückt und hat noch nie etwas so gutes ge 
sehen. Die erste Hypothek von vier Millionen 
ist gesichert, zwei Banken reissen sich darum, 
die fünfte Million lässt der Baumeister stehen. 
Es ist nur noch die sechste Million zu be 
schaffen. Man denkt an eine grosse Brauerei, 
an B a r u c h und andere solvente Herren. Die 
Polizei verlangt nur noch eine zweite Aus 
fahrt nach einer anderen Strasse, dort liegt 
das Gymnasium, aber der Gründer kennt einen 
Stadtverordneten, der veranlassen wird, dass 
das Gymnasium verlegt wird. Der Stadtverord 
nete bekommt dafür Freibillets. 
Was ich hier geschildert habe, ist keine Ka 
rikatur, ich habe viel schlimmere Dinge oft 
erlebt. Sehr viele werden an den unglück 
lichen Max Garrison denken, der nur 
ein schwatzender Optimist war und sein Un 
glück kaum verdient hat. Er hatte fast jeden 
Tag eine andere Idee und suchte nicht nur 
seine Bekannten, sondern auch Bankdirektoren, 
bekannte Agenten und Künstler heim. Jn der
        
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