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V. Kapitel. Theaterdirektoren

Full text: Das Theater als Geschäft / Epstein, Max

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Frankfurter Zeitung und Leiter der von ihm 
gegründeten „Freien Bühne“, (der später auch 
die gleichnamige Zeitschrift herausgab), zum 
Direktor des Theaters aufgeschwungen hat, 
ist ja bekannt genug. B r a h m ’ s Er 
scheinung, äusserlich nicht glänzend, aber 
Geist verratend, unelegant, mit einer leisen 
Stimme, die aber im Notfälle schon durchdringt, 
wortkarg und doch voll scharfen Witzes, hat 
im Verkehr mit seinen Mitgliedern und Ange 
stellten trotz aller Präzision keine Spur von 
Tyrannei. Er verkehrt mit ihnen, schreit Nie 
mand an, hat sogar oft etwas väterlich freund 
liches und kümmert sich um alles, was not 
wendig ist. Er kennt seinen Etat, seine Kasse 
und geht doch andererseits auf in der litera 
rischen Leistung. Die Einseitigkeit, die er 
hierbei wahrt, ist mit eine Erklärung seines 
Erfolges. Er kennt die Grenze seines Schaf 
fens so genau, dass er sich auf ihm oft nahe 
gelegte Experimente besonders mit klassi 
schen Stücken nicht einlässt. In seiner Art, 
ein Repertoire und stilgerechte Aufführungen 
zu schaffen, ist er fast unerreicht. Es gibt 
keinen Schauspieler, den er nicht entbehren 
kann und keinen, aus dem er nicht etwas 
machen kann. Aus seiner Schule sind Rein 
hardt, Meinhardt, Bernauer 
Zickel und deren Ableger hervorgegangen. 
Er endet voraussichtlich als Direktor des 
Wiener Burgtheaters. 
Professor Max Reinhardt, der popü-
        
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