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Full text: Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung

Gesundheitlicher Nutzen
von Sport und Bewegung

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Inhalt

Inhalt
Grußwort Andreas Geisel, Senator für Inneres und Sport

...........................................................................

4

Bewegung ist gesund – was heißt das? ........................................................................................................................ 6
Gesund durch Bewegung: Wie profitieren Kinder und Jugendliche? .................................................... 8
Treppensteigen, Radfahren, Gehen: Gesundheitseffekte für Erwachsene .................................. 14
Mit Sport und Bewegung gesund alt werden ....................................................................................................... 20
Mit Sport und Bewegung zu mehr Lebensqualität für chronisch Kranke ...................................... 25
Ausblick und Perspektive ...................................................................................................................................................... 30
Impressum und QR-Code zu den Abstracts der Studien .............................................................................. 31

Grußwort
Andreas Geisel,
Senator für
Inneres und Sport
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Bewegungsmangel hat sich nach einer aktuellen Studie der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit zu einem der
größten Risikofaktoren für Zivilisationskrankheiten entwickelt.
Inzwischen sitzen und liegen rund 1,4 Milliarden Menschen
weltweit zu viel und bewegen sich zu wenig. Die Folgen der
mangelnden Bewegung sind gravierend und werden finanziell
inzwischen genauso hoch eingestuft wie die Auswirkungen des
Rauchens.
Für die Bundesrepublik Deutschland fallen die Erkenntnisse im weltweiten Vergleich noch deutlich schlechter aus. So
bewegen sich 42 Prozent aller Deutschen zu wenig. Damit
liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der WHOLänder. Alarmierend ist insbesondere, dass die Werte nicht
besser werden, sondern sich in den letzten Jahren sogar noch
verschlechtert haben. Nach Forschungen der WHO müssen
weltweit 67,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben werden, um
die Folgen des Bewegungsmangels zu bekämpfen.
Dabei liegen die Mittel gegen Bewegungsmangel auf der Hand
und sind uns allen mehr als bekannt: Regelmäßiger Sport
und Bewegung wirken präventiv gegen viele chronische Erkrankungen und können medikamentöse Therapien überaus

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sinnvoll ergänzen. In der vorliegenden Broschüre wurden die
wissenschaftlichen Erkenntnisse und Zusammenhänge für Sie
noch einmal zusammengefasst, um beispielhafte Einblicke in
die Hintergründe und die vielen unterschiedlichen Auswirkungen auf die Gesundheit in allen Lebenssituationen zu geben.

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Statement

Sport hält fit und
macht gesund

Die Broschüre fasst zusammen, in welchen Bereichen Sport
und Bewegung helfen können. Das gilt für einfache Formen,
wie Treppensteigen und Radfahren, aber auch für spezifische
Interventionen. Die Broschüre ist nicht umfassend, aber exemplarisch und legt auf hohem Niveau wissenschaftliche Beweise
vor, warum Sport und Bewegung gesund halten oder gesund
machen.
Die Sportministerkonferenz der Bundesländer hat 2016 den
Schulterschluss mit der Gesundheitsministerkonferenz gesucht. Beide Konferenzen wollen das Thema „Sport und Gesundheit“ mit einer stärkeren Förderung von Sport und Bewegung unter gesundheitlichen Aspekten im Bewusstsein der
Bevölkerung stärker verankern. Gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium wurden die nationalen Empfehlungen
für Bewegung und Bewegungsförderungen initiiert, die von

einem Konsortium aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von acht Hochschulen auf den Weg gebracht wurden. Unsere Broschüre dokumentiert noch einmal eindrucksvoll die Basis für diese Empfehlungen.
Sport und Bewegung können Krankheiten effektiv vorbeugen
und deren Folgen nebenwirkungsfrei lindern. Daher ist es nun
an der Zeit für uns alle, der Bewegung und dem Sport endlich
dauerhaft mehr Raum in unserem Alltag einzuräumen.

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Bewegung ist gesund –
was heißt das?
Prof. Dr. Lutz Vogt
im Interview
Prof. Dr. Lutz Vogt ist Vizepräsident „Bewegung und Gesundheit“ in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und
stellvertretender Leiter der Abteilung Sportmedizin an der
Universität Frankfurt. Im Interview spricht er unter anderem
über Messbarkeit von Gesundheit und darüber, wie es gelingen
kann, Sport und Bewegung als gesundheitlichen Faktor mehr
in die Breite zu tragen.
Prof. Vogt, es ist allseits bekannt, dass Sport und Bewegung
gesund sind. Was heißt das aber genau?
Zunächst einmal gilt es zu unterstreichen, dass Sport und
Bewegung gesund sind. Der Frage aber, was es genau heißt,
gehen wir in dieser Broschüre nach. Man muss zunächst eine
Idee dafür haben, wie man Gesundheit überhaupt messen oder
ausdrücken kann. Denn es gibt sehr viele Faktoren, die dazu
führen können, dass man sagt: Bewegung ist gesund. Das können körperliche Anpassungen sein wie eine Verbesserung der
Herz-Kreislauf-Arbeit. Es kann die Reduktion eines Krankheitsoder Sterblichkeitsrisikos sein. Es können aber auch beispielsweise Wohlbefinden oder die schulische Leistung sein.
Es gibt auch keine hundertprozentige Gesundheit oder Krankheit. Modellhaft gesprochen liegen wir irgendwo auf einem
Kontinuum zwischen totaler Krankheit und totaler Gesundheit. Und Sport und Bewegung können uns helfen, uns mehr in
den Bereich Gesundheit zu orientieren. Wir können Bewegung
als eine Ressource nutzen, um zum Beispiel mit Stressfaktoren
wie Arbeitsbelastung besser umzugehen und so Sport als eine
Art Widerstandsquelle nutzen.
Welche Inhalte transportiert die Broschüre?
Mit den zusammengefassten Studien geben wir Hintergrundinformationen zum gesundheitlichen Nutzen von Sport und
Bewegung an die Hand. Wir möchten auch zeigen, was gute
wissenschaftliche Praxis ist und liefern Beispiele dafür, was in
verschiedenen Personengruppen gemessen wurde und in welchen Lebenswelten die Untersuchungen vorgenommen wurden.

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Die Broschüre ist für jene, die Hintergründe wissen wollen,
aber auch um zu zeigen, dass schon viele Alltagsbeschäftigungen helfen. Wenn ich beispielsweise wissen will: Was ist der Gesundheitsnutzen, wenn ich jeden Tag Treppen steige oder mit
dem Fahrrad fahre? Wie viel gesünder werde ich dadurch oder
welches Krankheitsrisiko reduziere ich damit? Diese Broschüre
verschafft einen Überblick über den vielfältigen Nutzen von
Bewegung und Sport.
Worauf haben Sie bei der Auswahl der Studien geachtet?
Wir haben versucht, die ganze Palette körperlicher Aktivität
abzubilden. Denn es geht ja nicht nur um die hochintensive Aktivität oder Sport mit einem Theraband oder anderem Gerät,
sondern auch um Alltagsaktivität. Deswegen haben wir zum
Beispiel in der Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren Studien über das Tanzen und den Nutzen von Gartenarbeit berücksichtigt.
Grundsätzlich haben wir Studien mit hohen Evidenzklassen
ausgesucht, also Untersuchungen, deren Aussagen wissenschaftlich belastbar sind. Wir haben uns die Frage gestellt,
wie gut wir das in den Studien Gemessene wirklich auf die
vorgenommene Intervention zurückführen können oder ob es
andere Erklärungsmodelle für die Ergebnisse gibt. Je weniger
alternative Erklärungsmodelle es gibt, desto belastbarer und
zutreffender ist eine wissenschaftliche Aussage.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse, die aus den dargestellten
Studien resultieren?
Vielleicht ist das Wichtigste, dass wir so eine Wertung gar nicht
vornehmen, sondern die gesamte Breite der Effekte im Blick
haben. Das heißt, wir schauen nicht nur auf die Herz-KreislaufVerbesserung oder die Steigerung der Muskelkraft, sondern
auch auf das, was Bewegungsinterventionen im mentalen Bereich oder für die Psyche bewirken.

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Interview

Wir wissen um den gesundheitlichen Nutzen von Bewegung.
Auf dieser Erkenntnis beruhen die „Nationalen Empfehlungen
für Bewegung und Bewegungsförderung“. Wie kann man die
Bewegungsempfehlungen jetzt in die Breite bringen?
Aus der in der Broschüre beschriebenen Erkenntnis, dass Sport
und Bewegung gesund sind, entstanden die „Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung“. Sie beschreiben, wie man die Rahmenbedingungen schaffen kann,
um Bewegung effektiv zu implementieren und zu fördern. Das
wird mittlerweile in sehr vielen Programmen sichtbar. Allen gemeinsam ist, dass verschiedene Akteure miteinander vernetzt
sind und so keine Parallelwelten entstehen.
Ein Kreis von Beratern hat Materialien entwickelt, die über die
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung
gestellt werden. Beispielhaft sind auch die Bewegungsparcours, ein Freilufttraining-Angebot für die Bevölkerung, von
denen es zum Beispiel in Hessen inzwischen knapp 150 gibt,
und viele weitere auch in anderen Bundesländern.

schaftsplanern wurden die Parcours an attraktiven Plätzen in
Parks installiert. Die Kommune kümmert sich um die Bewerbung sowie um die Wartung und Pflege der Outdoor-Anlagen.
Welcher der Akteure ist denn gefordert, den ersten Schritt zu
machen, um Bewegungsprojekte ins Leben zu rufen?
Das ist sehr unterschiedlich. Im Prinzip kann jeder der Akteure
den Hut aufhaben: öffentliche Einrichtungen, der organisierte
Sport, Betriebe, Seniorenorganisationen, Kirchen und Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Ich sehe also niemanden, bei dem generell der Ball liegt. Jeder kann einen Anfang
machen. Aber an erster Stelle sind die Kommunen zu nennen,
denn sie haben den besten Einfluss auf die Gestaltung der Lebenswelten. Und sie sollen jetzt gewonnen werden, sich der
Umgestaltung anzunehmen.

Für dieses Projekt bedurfte es eines Schulterschlusses zwischen Kommune, organisiertem Sport, Sportwissenschaft und
der Industrie. Der organisierte Sport hat spezielle Kursleiter
qualifiziert und ausgebildet. Außerdem bietet er Übungsangebote an, damit die Parcours regelmäßig bespielt werden. In
Zusammenarbeit mit der Industrie sowie Garten- und Land-

Wir haben in Anlehnung an die
Nationalen Bewegungsempfehlungen versucht, die ganze Palette
körperlicher Aktivität abzubilden

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Gesund durch Bewegung:
Wie profitieren Kinder und Jugendliche?

In jungen Jahren durch Bewegung
gesundheitliche Grundlagen legen

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Bewegungsmangel beeinträchtigt die Gesundheit. Eine bekannte Weisheit, die nicht
nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder
und Jugendliche gilt. Obwohl junge Menschen
sich mehr bewegen müssen, um ihren optimalen gesundheitlichen Nutzen zu erreichen,
kommt körperliche Aktivität in ihrem Alltag
häufig zu kurz. Sie nimmt meist nur unter
eine Stunde am Tag ein und auch aktiv zurückgelegte Wegstrecken werden kürzer.
Dazu kommt ein verändertes Freizeitverhalten, in dem Mediennutzung zu den beliebtesten Beschäftigungen gehört.

Dabei werden schon in jungen Jahren durch
körperliche Aktivität gesundheitliche Grundlagen gelegt, die sogar bis ins hohe Alter
nachwirken. Beispiel dafür sind die positiven
Effekte von Sport und Bewegung im Kindesalter für die Knochengesundheit.
Fehlende körperliche Aktivität in der frühen
Lebensphase wiederum begünstigt die Entstehung von chronischen Erkrankungen im
späteren Lebensverlauf. So resultieren aus
Haltungsschwächen mit der Zeit Haltungsschäden, die im schlimmsten Fall ein Leben
lang bleiben können.

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Jugendliche

Gesundheitliche Folgen von Bewegungsmangel können schon in der Kindheit oder Jugend
auftreten. So erhöht Übergewicht das Risiko,
schon in jungen Jahren Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und einen gestörten
Zuckerhaushalt zu entwickeln. Dieser Trend
setzt sich bei den Erwachsenen fort und stellt
insgesamt nicht nur ein volksmedizinisches,
sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem dar. Laut WHO kostet er Deutschland
jährlich 14,5 Milliarden Euro.

BEWEGuNG uNd KNoChENGESuNdhEIT1
hintergrund
• Bewegung im Kindesalter beeinflusst unterschiedliche Parameter der
Knochengesundheit günstig
• Osteoporose-Prävention sollte im Kindesalter beginnen
• Die meisten Interventionsstudien wenden hierbei spezielle Bewegungsformen an (z.B. Springen, Hüpfen), die mit hohen Scher- und
Bodenreaktionskräften (Sprünge, Richtungswechsel) einhergehen
ziel der Studie
• Überprüfung, ob eine „allgemeine“, im Setting Schule durchführbare,
Bewegungsintervention mit moderater Intensität bei präpubertären
Mädchen die Knochengesundheit verbessern kann

Bewegung und Knochengesundheit
Die hier vorgestellte Studie zum Thema „Bewegung und Knochengesundheit“ zeigt, dass
Osteoporose-Vorbeugung schon im Kindesalter beginnen sollte. Um herauszufinden,
welche Effekte Sport und Bewegung auf die
Knochengesundheit haben, wurden rund 100
Mädchen zwischen sieben und neun Jahren
über einen Zeitraum von zwei Jahren wissenschaftlich begleitet. Dabei absolvierte die eine
Hälfte der Studienteilnehmerinnen Sportunterricht über die Dauer von einer Stunde die
Woche, die andere Gruppe mit 200 Minuten
mehr als das dreifache Sportpensum.

• Intervention: täglich 40 Minuten „normaler“ Sportunterricht
(200 Minuten pro Woche) im Vergleich zu 60 Minuten pro Woche
„normalem“ Sportunterricht über die Dauer von 2 Jahren
• Sportlehrer, ohne besondere Zusatzausbildung o.ä.
Teilnehmende
• 49 Mädchen zwischen 7 und 9 Jahren in der Interventionsgruppe,
verglichen mit 50 Mädchen im gleichen Alter in „normalen“ Klassen
• Keine zufällige Zuteilung in Interventions- bzw. Kontrollgruppe

Knochenaufbau

Das Ergebnis: Die Mädchen, die mehr Sport
getrieben hatten, wiesen eine bessere Knochengesundheit mit einem höheren Knochenmineralgehalt und größerer Knochendichte
auf. Sie werden ein Leben lang von dieser
gut ausgebildeten Knochenmasse profitieren. Denn bis etwa zum 30. Lebensjahr kann
man durch Sport und Bewegung den Aufbau
seiner Knochenmasse fördern, sodass man

Ergebnisse
• Nach 2 Jahren wiesen Mädchen der Interventionsgruppe eine bessere
Knochengesundheit (höherer Knochenmineralgehalt, größere
Knochendichte) auf
Schlussfolgerung
• Alleine die Erhöhung des Umfanges des Sportunterrichts fördert die
Knochengesundheit bei präpubertären Mädchen

Person A

Erhöhtes Risiko
für Knochenbrüche
ab 80 Jahren

Erhöhtes Risiko
für Knochenbrüche
ab 60 Jahren

Person B

Alter

0

10

20

natürlicher Knochenaufbau

30

40

maximale
Knochenmasse

50

60

70

80

90

100

natürlicher Knochenabbau

1 Studie zu Bewegung und Knochengesundheit: Christian Linden et al., J Bone Miner Res. 2006*

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im Alter, wenn die Sturzgefahr steigt, ein geringeres Frakturrisiko hat.
Besonders gut eignen sich Sprünge und Läufe mit Richtungswechseln. Ab etwa 30 Jahren
beginnt der natürliche Knochenabbau von
ein bis zwei Prozent jährlich. Dieser lässt sich
nicht mehr umkehren, man kann ihn jedoch
durch Sport und Bewegung und wechselnde
Belastungen so verlangsamen, dass er fast
zum Stillstand kommt.

Bewegung und mentale Gesundheit

Durch Bewegung zu
mehr Selbstwertgefühl

Sport und Bewegung sind nicht nur ein wichtiger Teil der Gesundheitsprävention, sondern wirken sich auch positiv bei unterschiedlichsten körperlichen Erkrankungen wie zum
Beispiel Bluthochdruck, Diabetes oder Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems aus.

Weniger bekannt ist, dass auch die mentale
und kognitive Gesundheit durch körperliche
Aktivität positiv beeinflusst wird.
Auch hier lohnt sich der Blick auf die Kinder
und Jugendlichen. Denn laut der WHO leiden
weltweit etwa 20 Prozent dieser Zielgruppe
unter mentalen Störungen wie Depression
und Angstzuständen bis hin zu suizidalen Gedanken.
Die hier dargestellte Abhandlung zu „Bewegung, Selbstwertgefühl und Selbstkonzept
bei Kindern und Jugendlichen“ ist eine Zusammenfassung aus 38 wissenschaftlich hochwertigen Untersuchungen. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen waren zwischen
3 und 20 Jahren alt. In der Mehrzahl der Studien stand ausschließlich Bewegung auf dem
Programm. 14 Studien kombinierten Bewegung mit anderen Strategien wie therapeutischen oder beratenden Einheiten.
Die körperlichen Aktivitäten waren sehr unterschiedlich, sodass sich aus den zusammengefassten Studien nicht ableiten lässt,
welche Bewegungsform in welchem Umfang
die besten Ergebnisse liefert. Klar ist jedoch
nach Auswertung aller Daten, dass Sport und
Bewegung das Selbstwertgefühl und Selbstkonzept von Kindern und Jugendlichen steigern können.

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Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Jugendliche

Bewegung, Selbstwertgefühl und Selbstkonzept
bei Kindern und Jugendlichen2
Hintergrund
•	Mentale Probleme bei Kindern und Jugendlichen
weit verbreitet
•	Selbstwertgefühl und Selbstkonzept werden mit gesundheitlichen Outcomes (z.B. Depression, Angstzustände,
suizidale Gedanken) in Verbindung gebracht
Ziel der Studie
•	Zusammenfassende Darstellung der Evidenzlage
Teilnehmende
•	Kinder und Jugendliche (3–20 Jahre)

kombiniert mit anderen Strategien (z.B. kognitive
Verhaltenstherapie, motivierende Gesprächsführung)
•	In 25 Studien zufällige Zuteilung, in 13 Studien keine
zufällige Zuteilung in Interventions- bzw. Kontrollgruppe
•	24 Studien in Schulen
•	Dauer der Interventionen: 4–80 Wochen
•	In 12 Studien „normale“ Population, in 12 Studien übergewichtige und /oder adipöse Kinder und Jugendliche
Ergebnisse
•	Bewegungsinterventionen sind kombinierten
Interventionen überlegen und können Selbstwertgefühl
und Selbstbild von Kindern und Jugendlichen positiv
beeinflussen

Eingeschlossene Studien
•	Intervention: Bewegung oder Bewegung kombiniert mit
anderen Strategien

•	Größte Effekte bei Interventionen in Schulen und
Sportvereinen

•	Interventionsgruppe vs. Vergleichsgruppe

•	Aufgrund unterschiedlicher Interventionen, optimale Form
und Umfang der Bewegung aktuell nicht ableitbar

•	Studien mit und ohne zufällige Zuteilung in
Interventions- bzw. Kontrollgruppe
•	38 Studien eingeschlossen, davon 24 Studien ausschließlich Bewegungsintervention und 14 Studien Bewegung

Schlussfolgerung
•	Bewegung kann Selbstwertgefühl und Selbstkonzept von
Kindern und Jugendlichen steigern

Bemerkenswert an dieser Studie ist, dass im
dargelegten Zusammenhang Bewegung allein wirksamer war, als in kombinierten Interventionen. Wenn also die Gesamtzeit der
Studie auf die Bewegung investiert wurde,
haben sich bei den Kindern und Jugendlichen
deutlich bessere gesundheitliche Effekte ergeben, als wenn zum Beispiel Gesprächsführungen Teil der Intervention waren.

Bewegung und schulische Leistung
Wer in der Schule Sport treibt, hat neben
dem Spaß an der Bewegung höchstens noch
die Bewertung im Sportunterricht im Sinn,
jedoch nicht eine bessere Mathe-Note. Ein
Trugschluss, wie eine Studie zum Thema „Bewegung und schulische Leistung“ nahelegt.
Sport und Bewegung sind überall möglich –
auch zwischen Schulbänken. Deswegen wurden für die teilnehmenden Zweit- und Drittklässler Klassenräume zu Bewegungsarealen.

Bewegung im Klassenraum kann
schulische Leistungen verbessern

2 Studie zu Bewegung und Selbstwertgefühl bei Kindern und Jugendlichen: Mingli Liu et al., PLoS One. 2015*

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Bewegung und schulische Leistung

3

Hintergrund
•	Es liegen einige Hinweise vor, dass Bewegung akut chemische Prozesse
im Gehirn so beeinflussen kann, dass Aufmerksamkeit und kognitive
Leistung steigen, und dass über die Zeit stattfindende Bewegung die
Morphologie von Hirnarealen, die beim Lernen eine wichtige Rolle
spielen, verbessern kann
•	In einigen Studien wurde Bewegung und „normaler“ Unterricht kombiniert, diese Studien scheinen gut umsetzbar und können sowohl
gesundheitliche (z.B. BMI) als auch kognitive (z.B. schulische Leistung)
Merkmale verbessern
Ziel der Studie
•	Überprüfung der Wirksamkeit eines kombinierten Programmes auf
Mathe-, Lese- und Rechtschreibkompetenzen
Die Intervention
•	Bewegungsanteile mit moderat-hoher Intensität (wie z.B. Hüpfen,
Joggen) im Fachunterricht (Mathe und Sprache)
•	Über zwei akademische Jahre, 22 Wochen im Jahr, 3 Mal in der Woche,
jeweils 20 bis 30 Minuten (10 bis 15 Minuten Mathe und 10 bis
15 Minuten Holländisch)
•	Zufällige Zuteilung der Klassen in Interventions- bzw. Kontrollgruppe
Teilnehmende
•	449 Kinder, Durchschnittsalter 8,1 Jahre (2. und 3. Klasse)
•	12 Grundschulen in Nordholland verglichen mit „normalen“ Klassen
Ergebnisse
•	Nach 2 Jahren bessere Mathe- und Rechtschreibleistung in Bewegungsklassen (in der Leistung 4 Monate Vorsprung gegenüber der „normalen Klasse“)
•	Lesekompetenz verbessert sich nicht
Schlussfolgerung
•	In regulären Fachunterricht integrierte Bewegung verbessert die
schulische Leistung im Bereich Mathematik und Rechtschreiben

Im regulären Fachunterricht stand neben
Algebra und holländischer Grammatik zwei
Schuljahre lang auch Hüpfen und Joggen
auf dem Programm. Nach zwei Schuljahren
zeigte sich, dass die schulischen Leistungen
der Bewegungsklassen sich in Mathematik
und Rechtschreibung verbessert hatten. Die
Kinder in den Bewegungsklassen waren den
Schülern der unbewegten Kontrollgruppen
sogar um vier Monate im Lehrplan voraus.
Diese Erkenntnis ist nicht hoch genug einzuschätzen, denn mathematische und sprachliche Fähigkeiten spielen eine Schlüsselrolle
für eine gute Schulbildung.
Doch welcher Wirkmechanismus steckt dahinter? Wissenschaftler gehen davon aus,
dass kindliches Lernen auch durch körperliche Aktivität unterstützt wird. Außerdem beeinflusse Bewegung chemische Prozesse im
Gehirn so, dass Aufmerksamkeit und Denkvermögen gesteigert werden. Bewegung könne sogar dazu führen, dass das Gehirn neue
Zellen und Blutgefäße bilde.

Ausdauer-, Krafttraining und
kombiniertes Training bei adipösen
Jugendlichen
Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern
und Jugendlichen in Deutschland (KiGGs) des
Robert Koch-Instituts sind 15,4 Prozent der
Kinder und Jugendlichen in Deutschland im
Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig, 5,9
Prozent gelten sogar als adipös. Vor allem adipöse Kinder und Jugendliche tragen gesundheitliche Risiken. Laut der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist etwa
die Hälfte von ihnen mindestens einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten auf.
Je größer das Übergewicht, desto mehr Risikofaktoren treten auf. Adipöse Kinder und Jugendliche leiden häufig darunter, dass sie weniger fit sind als Gleichaltrige und fühlen sich
in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. 75 Prozent der adipösen Jugendlichen bleiben bis ins
Erwachsenenalter zumindest übergewichtig.
An der Studie zu „Ausdauer-, Krafttraining und
kombiniertem Training bei adipösen Jugendlichen“ nahmen über 300 adipöse Jugendliche
teil. Gegenstand der Studie war die Frage, wie

3 Studie zu Bewegung und schulischer Leistung: Marijke J. Mullender-Wijnsma et al., Pediatrics. 2016*

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Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Jugendliche

sich ein halbjähriges Ausdauer- und Krafttraining an Geräten auf die muskuläre Fitness
auswirkt. Außerdem wurden Trainingseffekte
auf die kardiorespiratorische Fitness untersucht, also darauf, ob Atmung und Blutkreislauf nach der Intervention den Körper besser
mit Sauerstoff versorgen konnten.
Alle Trainingsgruppen profitierten. Für die
größten Effekte sorgte aber das kombinierte
Training aus Ausdauer- und Krafteinheiten.
Es wirkte sich am positivsten auf die kardiorespiratorische und muskuläre Fitness aus. Es
verbesserte die Beinkraft sowie die Kraft der
oberen Extremitäten und kräftigte die Bauchmuskeln der Teilnehmer.

Weitere gesundheitsfördernde
Bewegungseffekte
Die vier in diesem Kapitel exemplarisch dargestellten Studien können nur einen Teil des
gesundheitlichen Nutzens von Sport und Bewegung für Kinder und Jugendliche abbilden.
Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Beispiele
für gesundheitsfördernde Effekte körperlicher Aktivität. So hält Bewegung auch bei
Kindern und Jugendlichen die Blutgefäße
flexibel und mindert die Wahrscheinlichkeit,

dass sie im Erwachsenenalter einen Schlaganfall erleiden oder an einer Störung des
Herz-Kreislauf-Systems erkranken. Aber auch
junge Menschen, die bereits an einer HerzKreislauf-Erkrankung leiden, profitieren von
Sport und Bewegung.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an
Diabetes Typ 2 erkranken, hat in den letzten
zehn Jahren stark zugenommen. Bewegungsmangel ist eine der Hauptursachen dafür. Diabetes-Patienten jeden Alters ist ein aktiver Lebensstil angeraten. Denn Sport und Bewegung
senken den Blutzuckerspiegel und machen
Körperzellen empfindlicher gegenüber Insulin.
Nicht zuletzt spielen Sport und Bewegung mit
an Krebs erkrankten Kindern während und
nach der Krebstherapie eine wichtige Rolle.
So rückt auch, wie in der gesamten Krebsforschung, das sogenannte Fatigue-Syndrom
mehr und mehr in den Fokus. Es beschreibt
einen krankhaften Erschöpfungszustand der
während und nach Tumorerkrankungen auftritt. Zur Linderung der Symptome von Fatigue hat sich neben anderen Therapiemaßnahmen körperliche Aktivität bewährt.

Ausdauer-, Krafttraining und kombiniertes Training
bei adipösen Jugendlichen 4
Hintergrund
• Adipöse Jungendliche weniger fit als Normalgewichtige
• Hohe Fitness ist ein protektiver Faktor
•	Es liegen Hinweise vor, dass Ausdauertraining die kardiorespiratorische Fitness und Krafttraining die Muskelkraft
und Körperzusammensetzung verbessern
Ziel der Studie
•	Überprüfung der Wirksamkeit von Ausdauer-, Kraft-, bzw.
kombiniertem Training auf die kardiorespiratorische und
muskuläre Fitness bei adipösen Jugendlichen
Teilnehmende
• 303 14–18-jährige adipöse Jugendliche
•	Zufällige Einteilung in die Gruppen: Ausdauer (an Geräten),
Kraft (Geräte und freie Gewichte), Kombi, Kontrollgruppe

Intervention
•	Ernährungsberatung und 4 Mal in der Woche Training,
6 Monate
Ergebnisse
•	Größte Gesamtverbesserung in der kardiorespiratorischen
und muskulären Fitness nach Kombitraining
•	Ausdauer- und Kombitraining verbessern die
kardiorespiratorische Fitness
• Alle drei Trainingsformen verbessern die Beinkraft
•	Kraft oberer Extremitäten verbessert nach Kraft- und
Kombitraining
•	Bauchmuskeln verbessert nach Ausdauer- und
Kombitraining
Schlussfolgerung
•	Alle drei Trainingsformen sind gesundheitswirksam.
Umfassendster Nutzen nach Kombitraining

4 Studie zu Ausdauer- und Krafttraining bei adipösen Jugendlichen: Angela S. Alberga et al., Appl Physiol Nutr Metab. 2016*

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Treppensteigen, Radfahren, Gehen:
Gesundheitseffekte für Erwachsene

Der gesundheitliche Nutzen
beginnt schon mit
dem ersten Schritt und dem
ersten Tritt in die Pedale

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Die Deutschen sitzen zu viel. Über sieben
Stunden täglich verbringen sie durchschnittlich auf Bürostühlen, im Auto oder auf dem
heimischen Sessel vor dem Fernseher. Das
begünstigt nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, es erhöht auch die Gefahr, um beispielsweise an Diabetes oder Darmkrebs zu
erkranken. Und mehr: Während bei Kindern
und Jugendlichen eine Verkürzung der Lebenserwartung weniger im Fokus steht,
wenn es um die Folgen von Bewegungsmangel geht, sieht das bei Erwachsenen ganz anders aus.

Gehen, Radfahren, Treppensteigen und Gartenarbeit: alle Bewegungsformen, die in diesem Kapitel eine Rolle spielen, sind niedrigschwellig. Für sie benötigt man keine Sportkleidung und Erwachsene können sie gut in
den Alltag integrieren, auch wenn dieser von
Arbeit und Termindruck geprägt ist. Mittels
Gehen und Radfahren können sie zudem Mobilität aktiv gestalten und von dem so generierten gesundheitlichen Nutzen profitieren.

Denn weltweit sterben etwa ähnlich so viele
Menschen an den Folgen des Rauchens wie
an Bewegungsmangel. Um dieses Risiko zu
verdeutlichen, umfasst dieses Kapitel auch
eine Studie zur Wirkung von Sport und Bewegung auf die Gesamtsterblichkeit.

Die Studie zu „Radfahren und Gehen und Gesamtsterblichkeit“ ist eine Übersichtsarbeit.
Das heißt, sie fasst eine Vielzahl von Studien
zusammen.

Radfahren und Gehen und
Gesamtsterblichkeit

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Erwachsene

Ziel der Untersuchung war es herauszufinden,
wie sich Radfahren und Gehen auf die Gesamtsterblichkeit auswirken. Diese beschreibt
die Sterblichkeit an allen Todesursachen zusammengenommen, bezogen auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe in einem festgelegten Zeitraum. Durch Sport und Bewegung
oder medizinische Maßnahmen lässt sich das
Risiko der Gesamtsterblichkeit senken.

Minuten Radfahren oder 90 Minuten Gehen
ein. Vielmehr ist es so, dass der größte Nutzen schon ab der ersten Minute bis zu diesen
Marken besteht. Will man den doppelten Gesundheitsnutzen erreichen und das Risiko
im gleichen Maß weiter vermindern, wird es
anspruchsvoller. Um das Risiko durch Gehen
um 20 Prozent zu reduzieren, bedarf es schon
1,5 Stunden Gehen pro Tag.

Im Fokus dieser Studie stand die Frage:
In welchem Maße lässt sich das Risiko reduzieren und wie viel Radfahren oder Gehen
ist dafür erforderlich? Die gute Nachricht:
Die Untersuchung zeigt, dass sich der Gesundheitsnutzen von Bewegung nicht erst
durch tägliches hochintensives Sporttreiben
einstellt, sondern schon durch leichtes und
moderates Training.
Schon bei rund 2,5 Stunden Radfahren pro
Woche reduziert sich das Risiko um 10 Prozent. Beim Gehen sind es etwa 1,5 Stunden
für denselben Effekt. Der gesundheitliche
Nutzen stellt sich aber nicht erst nach 150

Radfahren und Gehen und Gesamtsterblichkeit5

•	Erfassung von Radfahren und /oder Gehen

Hintergrund
•	Gesundheitlicher Nutzen von Gehen und Radfahren
unabhängig von anderen Formen der körperlichen
Aktivität ist nicht gut untersucht

•	Statistisches Adjustieren nach anderen Arten
körperlicher Aktivität

•	Bestimmung des Dosis-Wirkung-Zusammenhangs
zwischen Gehen und Radfahren sowie Gesamtsterblichkeit
•	Bis dato keine zusammenfassende Studie über Radfahren
und Gesamtmortalität
Ziel der Studie
•	Zusammenfassende Darstellung der Evidenzlage
•	Feststellung der Höhe der Risikoreduktion bei einer Aktivität entsprechend der aktuellen Bewegungsempfehlungen
•	Beschreibung des Dosis-Wirkung-Zusammenhangs
Teilnehmende
•	Gesunde Erwachsene
Eingeschlossene Studien
•	Prospektive Kohortenstudien

•	14 Studien zum Gehen, insgesamt 280.000 Personen,
2,6 Millionen Personenjahre
•	7 Studien zum Radfahren, insgesamt 187.000 Personen,
2,1 Millionen Personenjahre
Ergebnisse
•	Die Risikoreduktion bei einem Umfang von Gehen
entsprechend der aktuellen Bewegungsempfehlungen
und nach Adjustierung nach anderen Arten von
körperlicher Aktivität beträgt 11 %, beim Radfahren
beträgt sie 10 %
•	Der größte Effekt zeigt sich innerhalb der ersten
120 Minuten (Gehen) bzw. 100 Minuten (Radfahren)
Schlussfolgerung
•	Die Alltagsbewegungen Gehen und Radfahren
gehen mit bedeutsamen Reduktionen des Gesamtmortalitätsrisikos einher

5 Studie zu Radfahren und Gehen und Gesamtsterblichkeit: Paul Kelly et al., Int J Behav Nutr Phys Act. 2014*

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Treppensteigen und
Herz-Kreislauf-Gesundheit
Vielen Menschen erscheint der Gang oder die
Fahrt zum Sportplatz als zu aufwändig. Und
selbst eine kostenpflichtige Mitgliedschaft im
Fitnessstudio ist kein Garant dafür, dass man
regelmäßig Sport treibt. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass etwa die Hälfte
der zahlenden Mitglieder sogenannte Karteileichen sind.
Dabei bedarf es nicht immer voll ausgestatteter Sportstätten oder Geräteparks eines
Fitnessclubs, um aktiv zu sein. Wer zum Beispiel im Alltag die Rolltreppe links liegen lässt
und stattdessen Treppen steigt, hat schon
die ersten großen Schritte für seine Gesundheit getan. Zumal er dabei viel Energie verbraucht.
Die Studie zum Thema „Treppensteigen und
kardiovaskuläre Gesundheit“ wurde im Betrieb umgesetzt. Im Umfeld Büro sollten Personen erreicht werden, die sich nicht ausreichend bewegen und teils auch nicht um den
Nutzen von körperlicher Alltagsaktivität für
die Gesundheit wissen. Für 160 Büroangestellte, die fast den gesamten Arbeitstag sitzend verbringen, hieß es fortan: täglich zehn
Minuten lang Treppensteigen. Der Großteil
der Teilnehmer folgte der Aufforderung mindestens drei Mal in der Woche.

Mit Treppensteigen Bewegung
in den Alltag bringen

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Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Erwachsene

Treppensteigen und kardiovaskuläre Gesundheit6
Hintergrund
•	Das Setting Betrieb hat hohes Potential für die Umsetzung
körperlicher Aktivität
•	Treppensteigen ist eine Aktivität mit hoher Intensität, bei
der 5–10-mal so viel Energie verbraucht wird wie in Ruhe
Ziel der Studie
•	Messung von Veränderungen der Herz-Kreislauf-Gesundheit infolge von Aufforderungen, im Setting Betrieb,
bei überwiegend sitzender Tätigkeit, täglich Treppen
zu steigen
Intervention
• Zufällige Zuteilung in Interventions- oder Kontrollgruppe
•	Interventionsgruppe erhält eine wöchentliche E-Mail mit
der Aufforderung, täglich 10 Minuten lang Treppen zu
steigen – 10 Wochen lang
•	Die Kontrollgruppe erhält eine wöchentliche E-Mail
mit der Aufforderung, das bisherige Aktivitätsniveau
beizubehalten

Teilnehmende
•	160 Büroangestellte (125 Frauen, 35 Männer;
Durchschnittsalter 42 Jahre)
• 89,5% der Arbeitszeit mit Sitzen verbracht
Ergebnisse
•	82,7% der Teilnehmenden absolvierten wöchentlich
mindestens 3 10-minütige Treppensteige-Einheiten
•	Die Ausdauerleistungsfähigkeit nahm in der Interventionsgruppe um 6 in der Kontrollgruppe um 2 % zu
•	Die Teilnehmenden, die zu Beginn eine niedrige Ausdauerleistungsfähigkeit aufwiesen, verbesserten diese um 10 %
und senkten sowohl ihren systolischen als auch diastolischen Blutdruck
Schlussfolgerung
•	Ca. 3 x 10 Minuten Treppensteigen kann die Ausdauerleistungsfähigkeit von Personen mit einem überwiegend
sitzenden Arbeitsalltag steigern
•	Diese Steigerung fällt besonders bei Untrainierten
hoch aus

Gesundheitsnutzen
von der ersten Stufe an

Die Studie zeigt: Wer Treppen nicht als lästige
Stolperfallen begreift, sondern als Gelegenheit, im Alltag seine Fitness zu steigern, der
kann von deutlichen gesundheitsförderlichen
Effekten profitieren. Mit jeder Treppenstufe, die man steigt, tut man etwas für sein
Herz-Kreislauf-System – von der ersten Stufe an. Am meisten gilt das für diejenigen, die
eine geringe Ausdauerleistung mitbringen.
Denn gerade die Teilnehmer, die zu Beginn
der Studie am wenigsten fit waren, konnten
den größten gesundheitlichen Nutzen verbuchen. Sie senkten nicht nur ihren Blutdruck,
sondern steigerten ihre Ausdauerleistung um
10 Prozent.

6 Studie zu Treppensteigen und kardiovaskulärer Gesundheit: Lars Louis Andersen et al., J Med Internet Res. 2013*

17

Gartenarbeit und Gesundheit
Gärtnern liegt im Trend und ist längst kein
Zeitvertreib mehr für ausschließlich Ältere.
Wer keinen Schrebergarten sein eigen nennt,
der kann in urbanen Gemeinschaftsgärten
Hochbeete anlegen und an der frischen Luft
im Kontakt mit der Natur seine Leidenschaft
ausleben. Dass Gärtnern nicht nur Spaß
macht, sondern auch gesund ist, zeigt eine
zusammenfassende wissenschaftliche Untersuchung, die sich dem Thema „Gartenarbeit
und Gesundheit“ widmet.
22 Studien zeichnen darin ein eindeutiges
Bild: Gartenarbeit bewirkt eine breite Palette an körperlichen und psychischen Effekten.
Dazu zählen nicht nur die positiven Auswirkungen auf den Köper wie eine Verbesserung
der Herz-Kreislaufgesundheit oder ein geringerer Körpermasseindex.
Im Grünen die Seele baumeln
lassen und Stress abbauen

Gartenarbeit und Gesundheit7
Hintergrund
•	Gartenarbeit scheint ein bedeutsames
Gesundheitspotential zu haben
Ziel der Studie
•	Zusammenfassende Darstellung
der Evidenzlage zu den Gesundheitseffekten von Gartenarbeit
• Quantifizierung der Gesundheitseffekte
Teilnehmende
•	Gesunde und nichtgesunde Personen,
in einer Studie Kinder, in 21 Studien
Erwachsene
Eingeschlossene Studien
•	Vergleiche vor – nach Gartenarbeit
bzw. „Gärtner“ vs. Nicht-Gärtner
•	22 Studien, sehr unterschiedlich in
Dauer, Ausführung etc.
Ergebnisse
•	Breite Palette an körperlichen
(z.B. BMI, allgemeiner Gesundheitszustand) und mentalen/psychologischen
(z.B. Depression, Lebensqualität,
Outcomes, Stress, Lebenszufriedenheit
etc.) Messwerten
•	Es zeigte sich bei den meisten der
untersuchten Merkmale ein positiver
Zusammenhang, keine Studie
berichtet von negativen Effekten auf
die Gesundheit
•	Gartenarbeit kann den Gesamtumfang
der körperlichen Aktivität steigern
•	Die Effekte sind besonders stark bei
Patienten und nach gezielten Gartenarbeit-Interventionen
Schlussfolgerung
•	Gartenarbeit geht mit vielfältigem
gesundheitlichen Nutzen einher

7 Studie zu Gartenarbeit und Gesundheit: Masashi Soga et al., Prev Med Rep. 2016*

18

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Erwachsene

Gartenarbeit wirkt positiv
auf Körper und Psyche

Wer sich eine eigene kleine grüne Oase schafft,
steigert seine Lebensqualität und wird zufriedener. Gartenarbeit mindert Stress und hilft
bei Depression oder Ängsten.
Die Studien in diesem Kapitel haben gezeigt,
dass auch viel beschäftigte Erwachsene ausreichend Möglichkeiten haben, vom gesundheitlichen Nutzen von Sport und Bewegung
zu profitieren. Auch wenn sie Alltagsaktivitäten nachgehen und sportlich von A nach B
kommen. Zum Beispiel, wenn sie mit dem

Fahrrad oder zu Fuß in den Job gelangen,
dort Treppen steigen, statt den Fahrstuhl zu
nehmen, und am Wochenende zum Ausgleich
Gartenarbeit machen. So kommen sie in den
Genuss einer Vielzahl gesundheitsförderlicher Effekte durch Bewegung.

19

Mit Sport und Bewegung
gesund alt werden

Tanzen macht
Spaß und reduziert
das Sturzrisiko

Die Deutschen werden immer älter. Mit einem
Durchschnittsalter von 45,9 Jahren hatte
Deutschland 2015 nach Italien und Spitzenreiter Japan weltweit die drittälteste Bevölkerung. Mit steigender Lebenserwartung steigt
für den Einzelnen aber auch die Wahrscheinlichkeit, im Alter beispielsweise an Krebs oder
Demenz zu erkranken.
Weil ältere Menschen ein höheres Risiko für
chronische Krankheiten haben, ziehen sie einen größeren gesundheitlichen Nutzen aus
körperlicher Aktivität als Jüngere. Trotzdem
steigt unter Älteren die Zahl der Personen,
die inaktiv sind und den Großteil der Zeit im
Sitzen verbringen.

20

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Ältere

Flüssigkeitsmangel, schlechte Seh- und Hörfähigkeit, Schwäche oder durch die vermehrte Einnahme von Medikamenten verursachter Schwindel erhöhen im fortgeschrittenen
Alter das Sturzrisiko. Die damit verbundenen
Verletzungsgefahren sind immens.
Eine häufige sturzbedingte Verletzung im
hohen Alter ist die Oberschenkelhalsfraktur. Sie ist schmerzvoll und hat größere Einschränkungen der Mobilität zur Folge. Personen, die eine sturzbedingte Fraktur erleiden,
weisen auch ein höheres Sterblichkeitsrisiko
auf. In diesem Kapitel ist dargelegt, wie Sport
und Bewegung als Sturzvorbeugung wirken
können und welchen weiteren gesundheitlichen Nutzen das Durchbrechen von Inaktivität für Ältere bereithält.

Tanzen für gesundes Altern
Tanzen ist: Im Rhythmus der Musik gemeinsam mit Gleichgesinnten und Gleichaltrigen
Spaß haben, soziale Kontakte pflegen und
Geselligkeit erleben. All das macht es unter
Senioren beider Geschlechter beliebt. Dass
Ältere dadurch auch viel für ihre Gesundheit
tun, hat eine Vielzahl von Studien belegt.
Wie bewege ich mich im Raum, wo ist meine
Position und wie ist meine Körperhaltung?
Das Üben von Tanzschritten stellt vielfältige
Anforderungen an die Koordination und fördert gleichzeitig die Körperwahrnehmung.

Tanzen und Gesundheit im Alter
(Funktion und metabolische Gesundheit)8
Hintergrund
• Tanzen setzt unterschiedliche Reize und regt
physiologische Anpassungen an
• Hinweise auf gesundheitlichen Nutzen liegen vor
Ziel der Studie
• Zusammenfassende Darstellung der Evidenzlage,
Effekte des Tanzes auf Funktion (z.B. Balance,
Flexibilität, Muskelkraft) und metabolische
Gesundheit (z.B. Blutlipide, Körperzusammensetzung, BMI, Glukose- und Insulinstoffwechsel)
Teilnehmende
• Erwachsene mit und ohne Erkrankungen,
55 Jahre und älter
Eingeschlossene Studien
• Beobachtungs- und Interventionsstudien
• Intervention: Tanz
• Interventionsgruppe vs. Vergleichsgruppe
(gar keine oder andere Aktivitäten als Tanz)
• Studien mit und ohne zufällige Zuteilung in
Interventions- bzw. Kontrollgruppe
• 50 Studien, davon 31 mit zufälliger Zuteilung in
Interventions- bzw. Kontrollgruppe

• In 31 Studien gesunde Teilnehmende
• Die am häufigsten untersuchte Tanzform:
Gesellschaftstanz (18 Studien)
• Interventionsdauer: 2 Wochen bis 2 Jahre
• Am häufigsten 3 Einheiten à 60 Minuten/Woche
• Nur 8 Studien mit Angaben zur Intensität:
moderate Intensität
Ergebnisse
• Positive Ergebnisse in:
– Balance: 29/30 Studien
– Gehfähigkeit: 15/17 Studien
– Sturzprophylaxe: 13/13 Studien
– Lebensqualität: 7/7 Studien
– Muskelkraft: 15/15 Studien
– Flexibilität: 5/7 Studien
– Kardiorespiratorische Fitness: 11/12 Studien
– Blutlipide: 7/10 Studien
– Blutdruck: 2/11 Studien
– Körperzusammensetzung: 9/13 Studien
Schlussfolgerung
• Unterschiedliche Tanzformen bringen für ältere
Erwachsene vielfältigen gesundheitlichen Nutzen,
vor allem im Bereich funktionelle Gesundheit
• Besonders gute Evidenz im Bereich Gleichgewicht

8 Studie zu Tanzen und Gesundheit im Alter (Funktion und metabolische Gesundheit): Josianne Rodrigues-Krause et al., Altern Ther Health Med. 2018*

21

Die Übersichtsarbeit „Tanzen für gesundes
Altern“ hat die Effekte des Tanzens auf den
Körper aus insgesamt 50 Studien zusammengefasst. Im Fokus standen dabei positive Auswirkungen auf die funktionelle Gesundheit
wie eine verbesserte Balance, Beweglichkeit
oder Muskelkraft. Die am häufigsten untersuchte Tanzform war der Gesellschaftstanz,
aber auch Aerobic und Volkstänze standen
auf dem Programm.
Der gesundheitliche Nutzen durch Tanzen
– ganz gleich welchen Stils – auf den Bewegungsapparat sind demnach vielfältig. Neben
Kräftigung und verbesserter Beweglichkeit,
haben besonders die positiven Effekte auf
das Gleichgewicht eine hohe Aussagekraft.
Sie bestätigen, dass Tanzen ein geeignetes Mittel sein kann, um das altersbedingte
Sturzrisiko zu reduzieren und den Erhalt der
Altersmobilität zu gewährleisten. Andere
Studien zum gesundheitlichen Nutzen von
Tanzen im Alter haben unter anderem eine
verbesserte Ausdauer der Studienteilnehmer
und damit positive Auswirkungen auf die
Herz-Kreislauf-Gesundheit festgestellt.

Therabandtraining
Das Training mit einem Theraband ist simpel,
effektiv und kostet nicht viel. Es kräftigt die
Muskeln, ohne dabei nur auf die Zunahme
des Muskelquerschnitts abzuzielen. Es schult

Das Training mit dem
Theraband ist einfach
wie effektiv

22

auch das Zusammenspiel von unterschiedlichen Muskeln, die an einer Bewegung beteiligt sind, die sogenannte intermuskuläre
Koordination.
Die ist vor allem wichtig, wenn es darum geht,
Stürze zu vermeiden. Denn beim Abfangen eines Sturzes zählt nicht nur, dass ein Muskel
besonders stark ist, sondern dass verschiedene Muskeln sinnvoll zusammenarbeiten.
Viele ältere Menschen haben einen sturzrisikobehafteten Gang mit einem vornüber
gebeugten Oberkörper. Um den Rumpf aufzurichten und seine Körperhaltung willentlich
zu verändern, ist eine gute Körperwahrnehmung vonnöten und das Wissen darüber, welche Muskeln anzuspannen sind.
Über das Training mit dem Theraband lernt
man, bestimmte Muskelpartien bewusst anzuspannen und dabei möglichst viele Muskelfasern zu aktivieren. Dieser Vorgang beschreibt die intramuskuläre Koordination.
Die Wirksamkeit von Therabandtraining bei
Älteren war der Gegenstand einer Studie.
Zwei Mal die Woche trainierten über 65-jährige Frauen und Männer 80 Minuten lang mit
dem Gymnastikband. Nach acht Wochen waren die Teilnehmer kräftiger, hatten eine bessere Ausdauer und Balance und berichteten
über eine verbesserte Lebensqualität.

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Ältere

Therabandtraining9
Hintergrund
• Bewegung kann dem funktionellen
Abbau im Alter entgegenwirken
Ziel der Studie
• Überprüfung der Wirksamkeit einer
Intervention auf körperliche Funktionen
und Lebensqualität bei Älteren
Die Intervention
• nur eine Interventionsgruppe, keine
Kontrollgruppe
• 8 Wochen, 2 Mal pro Woche,
80 Minuten pro Einheit (10 Minuten
Aufwärmen, 65 Minuten Übungen,
5 Minuten Cooldown)
• Übungen mit dem Theraband zur
Kraftausdauer und Balance der oberen
und unteren Extremitäten
Teilnehmende
• 8 Männer und 38 Frauen, selbstständig
zuhause lebende 65-Jährige und älter
Ergebnisse
• Die Intervention hat die Ausdauerleistungsfähigkeit, Kraftausdauer der
oberen und unteren Extremitäten,
Gleichgewicht und Agilität verbessert
• Auch die Lebensqualität der Teilehmenden hat sich verbessert
Schlussfolgerung
• Regelmäßig durchgeführte TherabandÜbungen können die Kraft, Balance
und Lebensqualität älterer Menschen
verbessern

Mit Bewegung gegen
Schmerzen im Alter

Mit Bewegung den
Schmerz lindern

Chronische Schmerzen nehmen im Alter zu.
Osteoporose, Rheuma oder verschleißbedingte Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen – die Ursachen sind vielfältig. Schmerz
löst häufig einen Teufelskreis aus. Wer unter
Rückenschmerzen leidet, nimmt zum Beispiel
schnell eine unnatürliche beziehungsweise
schädliche Haltung ein, um weiteren Schmerz
zu vermeiden. Dadurch verstärken sich die
Beschwerden meist nur.
Andere wiederum werden durch Schmerz inaktiv. Sie leiden dann häufig unter einer Verminderung der Lebensqualität, weil sie – in
ihrer Mobilität eingeschränkt – kaum noch
am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sinkende Lebenszufriedenheit und Depression
sind oft die Folge.

9 Studie zu Therabandtraining: So-Yeon Park et al., J Phys Ther Sci. 2015*

23

bewegt. Die Wissenschaftler und Fachtherapeuten befürchteten, dass Teilnehmer durch
den „Flurfunk“ von den Trainingseinheiten
erfahren und dadurch beginnen könnten,
sich vermehrt zu bewegen, obwohl sie eigentlich einer Kontrollgruppe zugeordnet sind.

Bewegung wirkt wie ein
körpereigenes „Schmerzmittel“

Die hier dargestellte Studie hat untersucht,
wie sich Sport und Bewegung auf Schmerz
bei älteren Heimbewohnern auswirkt. Mitgemacht haben Menschen mit Schmerzen
im Stütz- und Bewegungsapparat, also Personen, die Beschwerden im Nacken, in der
Schulter, der Hüfte, im Knie, im Knöchel oder
in mehreren dieser Bereiche hatten.
In dieser Studie gab es keine Aufteilung der
Teilnehmer in Interventions- und Kontrollgruppen innerhalb der Heime, sondern es
machten fünf Heime mit und fünf blieben un-

Mit Bewegung gegen Schmerzen im Alter10

Nach nur acht Wochen mit Kräftigungs-,
Dehnungs-, und Gleichgewichtsübungen berichteten die Teilnehmer von verminderten
Beschwerden in allen schmerzbetroffenen
Körperregionen. Auch die Annahme, dass die
Lebenszufriedenheit der Schmerzpatienten
steigt und sich depressive Symptome vermindern, wurde bestätigt.
Doch wieso hilft Bewegung eigentlich gegen
Schmerz? Bewegung löst eine Ausschüttung
von Serotonin und Dopamin aus, die wie körpereigene „Schmerzmittel“ wirken. Anfangs
können sich Schmerzen durch körperliche Aktivität zunächst leicht verschlimmern, bevor
es mit steigender Übungshäufigkeit zu einer
Linderung kommt.

• 8 Wochen, 1 Mal pro Woche, 60 Minuten vom Fachtherapeuten angeleitetes Training (15 Minuten
Aufwärmen, 45 Training, u.a. mit Therabändern,
Kräftigungs-, Dehnungs- und Gleichgewichtübungen)

Hintergrund
• Chronische Schmerzen im Alter weit verbreitet,
bes. viele Heimbewohner betroffen

Teilnehmende
• Ältere (60 +) mit muskuloskelettalen Schmerzen,
aber ohne Kognitionseinbußen

• Schmerzen können zu Mobilitätseinschränkung,
verminderter Lebensqualität und psychischen
Beschwerden führen
• Circulus vitiosus

Ergebnisse
• Schmerzminderung, verbesserte Gelenkmobilität und
psychische Funktionen (Glück, Lebenszufriedenheit,
depressive Symptome)

• Hinweise, dass Bewegung wirksam im
Schmerzmanagement ist
Ziel der Studie
• Überprüfung der Wirksamkeit einer Trainingsintervention bei älteren Heimbewohnern auf
Schmerzen, Mobilität und psychische Funktionen

Schlussfolgerung
• Schon 1 Stunde angeleitetes Training in der Woche kann
Gelenkschmerzen, Gelenkmobilität und Wohlbefinden
bei älteren Heimbewohnern verbessern

Die Intervention
• Zufällige Einteilung in Interventions- und Kontrollgruppe:
in 5 Heimen Training, in 5 Heimen kein Training

10 Studie zu Bewegung gegen Schmerzen im Alter: Mimi M. Y. Tse et al., Pain Manag Nurs. 2014*

24

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - chronisch Kranke

Mit Sport und Bewegung
zu mehr Lebensqualität für chronisch Kranke
Ab wann ein Patient als chronisch krank gilt,
hängt immer auch von der Art seiner Erkrankung ab. Rückenschmerzen gelten zum Beispiel als chronisch, wenn sie mehrere Monate
am Stück oder in immer wiederkehrenden
Episoden auftreten. Beschwerden, die unter
sechs Wochen andauern, gelten als akut.
Chronische Erkrankungen haben für Betroffene oftmals neben körperlichen auch
psychische und soziale Folgen. Sie können
mit Schmerzen verbunden sein und schwerwiegende Auswirkungen auf viele Lebensbereiche haben. Dabei sind Menschen mit
einer chronischen Erkrankung alles andere
als Einzelfälle. Laut einer aktuellen Umfrage
der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind
über 50 Prozent der Erwachsenen in Deutsch-

land von einer chronischen Krankheit betroffen. Am häufigsten vertreten sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie
Rücken-, Gelenk- und Knochenerkrankungen.
Sport und Bewegung können in mehrerer
Hinsicht auf chronische Erkrankungen einwirken. Erstens können sie dazu beitragen,
dass der Mensch gesund bleibt und Krankheiten gar nicht erst auftreten. Zweitens
unterstützen sie dabei, eine bestehende
chronische Erkrankung zu verarbeiten, das
Voranschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Nebenwirkungen einer klinischen Therapie besser zu verkraften. Nicht
zuletzt können Sport und Bewegung dabei
helfen, nach einer Therapie oder Operation
eine Wiedererkrankung zu vermeiden.

Aquatraining:
Wasser therapeutisch nutzen

25

Kann Bewegung Krebs in
Schach halten?
Krebs ist ein volksmedizinisches Problem. In
Deutschland erhalten jedes Jahr rund eine
halbe Million Menschen die Diagnose Krebs.
Zu den häufigsten Arten der Krebserkrankung zählen hierzulande Brustkrebs bei Frauen sowie Prostatakrebs bei der männlichen
Bevölkerung. Die Mehrzahl der von Krebs
Betroffenen stirbt mittlerweile nicht mehr an
der eigentlichen Erkrankung. Krebspatienten
leben länger und auch die Zahl derer, die eine
Krebserkrankung überleben, nimmt zu.

Kann Bewegung Krebs in Schach halten?11
Hintergrund
•	Die protektive Wirkung von Bewegung bei der Entwicklung von bestimmten onkologischen Erkrankungen, vor allem bei Brust-, Darm- und Gebärmutterschleimhautkrebs, gilt inzwischen als wissenschaftlich erwiesen
•	Weniger bekannt ist, ob Bewegung nach einer Diagnose die Überlebenschancen verbessern kann
Ziel der Studie
•	Zusammenfassende Darstellung der Evidenzlage, ob Bewegung die
Überlebenschancen von Krebspatienten verbessern kann
Teilnehmende
•	Erwachsene Krebspatienten
Eingeschlossene Studien
•	21 prospektive Kohortenstudien, 10 Studien mit Brustkrebspatientinnen,
6 Studien mit Dickdarmkrebspatienten, 3 mit Prostatakrebspatienten
Ergebnisse
•	Zusammenfassend zeigt sich eine Risikoreduktion von 38 % bei
Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebspatienten (Vergleich aktivste
vs. inaktive Patienten)
•	Bei anderen Entitäten kaum Daten vorhanden
•	In ca. Hälfte der Studien, die einen Dosis-Wirkung-Zusammenhang
untersuchten, zeigte sich ein linearer Zusammenhang
Schlussfolgerung
• Wenngleich keine genauen Angaben zu Dosis und Art der Bewegung
möglich sind, deuten die vorliegenden Daten darauf hin, dass Bewegung
die Überlebenschancen von Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebspatienten
verbessern kann

Bewegung kann die Lebensqualität von Krebspatienten steigern, weil sie unter anderem
hilft, die häufig sehr belastenden Therapien
zu tolerieren, und so einen Therapieabbruch
zu vermeiden. Zudem tragen Sport und Bewegung dazu bei, die Nebenwirkungen einer Chemo- oder Hormontherapie besser zu
verkraften. Bei der Behandlung des Fatigueoder Erschöpfungs-Syndroms, das sowohl
durch eine Tumorerkrankung selbst als auch
durch Therapien ausgelöst wird, haben sich
Sport und Bewegung als Teil einer Gesamtbehandlung als gesundheitsfördernd erwiesen.
Es geht für Betroffene aber nicht ausschließlich um eine Verbesserung der Lebensqualität
durch Sport und Bewegung, sondern nicht zuletzt um die Erhöhung der Überlebenschancen. Eine Übersichtsarbeit hat sich deswegen
die Frage gestellt: „Kann Bewegung Krebs in
Schach halten?“. Die Forscher berücksichtigten dabei eine Vielzahl von Studien, die teils
sehr lange Zeiträume umfasste. Eine der Studien hat Patienten über zwanzig Jahre lang
begleitet.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass
Sport und Bewegung die Überlebenschancen
von Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebspatienten verbessern können. In der Onkologie
wurde schon vielfach nachgewiesen, dass
schon körperliche Aktivitäten mit niedriger
Intensität und Dosis positive Gesundheitseffekte auslösen. Bei der Hälfte der Studien
zeigte sich aber auch: Je mehr sich der Patient bewegt, desto deutlicher steigen die
Überlebenschancen.

11 Studie zu Bewegung gegen Krebs: Christine M. Friedenreich et al., Clin Cancer Res. 2016*

26

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - chronisch Kranke

Aquatherapie bei Patienten mit
chronischen Rückenschmerzen
Rückenschmerzen sind weltweit die Hauptursache für Behinderungen. Auch in chronischer Ausprägung sind sie stark verbreitet
und die stationären Behandlungen steigen
in Deutschland seit Jahren. Gerade für Langzeitpatienten kann Wirbelsäulentraining im
Wasser eine geeignete Therapie sein. Denn
Wasser bietet vielfältige und einzigartige
Möglichkeiten für das Rückentraining.

Eine Studie hat die Auswirkungen der Aquatherapie bei Patienten, die sich wenig bewegen und an chronischen Rückenschmerzen
leiden, untersucht. Nach nur zwei Monaten
intensiver Aquatherapie konnten die Forscher eine ganze Reihe von positiven Effekten auf die Gesundheit feststellen. Fitness
und Beweglichkeit der Patienten zeigten sich
verbessert. Außerdem hatten sie an Gewicht
verloren. Am deutlichsten aber waren die Reduktionen von Schmerz und Behinderung.

Wasser bietet einzigartige
Trainingsmöglichkeiten

Wasser ist körpergewichtsentlastend. Das
macht das Training gelenkschonend. Die
Bandscheiben werden weniger beansprucht
und Bewegungen lassen sich leichter ausführen, alles fast ohne jegliches Verletzungsrisiko. Eine weitere Eigenschaft des Wassers, die
gerne für Trainingszwecke genutzt wird: Je
schneller man sich darin bewegt, desto größer wird der Widerstand. Außerdem lässt sich
die Trägheit von Wasser nutzen, indem man
zum Beispiel eine Rotationsbewegung ausführt und dann abstoppt. So kann man gegen das vorbeiströmende Wasser Widerstand
ausüben und seinen Stand stabilisieren.
Aquatherapie bei Patienten mit chronischen
Rückenschmerzen12
Hintergrund
•	Chronische Rückenschmerzen sind weit verbreitet und der
führende Grund für Behinderung bei Erwachsenen
•	Lebensqualitätseinbußen
•	Bewegungstherapie, inkl. Aquatherapie (reduzierte
Gelenkbelastung) kann Symptome lindern
Ziel der Studie
•	Überprüfung der Effekte auf Schmerzen, Behinderung,
Lebensqualität, Körperzusammensetzung, Fitness,
Beweglichkeit und Kraftausdauer der Rumpfmuskulatur
bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen
Die Intervention:
•	2 Monate lang 5 Mal in der Woche, jeweils 60 Minuten,
in Kleingruppen (8 Teilnehmende)
•	10 Minuten Aufwärmen, 15–20 Minuten Krafttraining,
20–25 Minuten Ausdauertraining, 10 Minuten Cooldown

•	Klinische Studie
Teilnehmende
•	38 inaktive Patienten zwischen 18 und 65 Jahren, mit
chronischen Rückenschmerzen (12 Wochen und länger)
•	Wartekontrollgruppe
Ergebnisse
•	Klinisch relevante Reduktion von Schmerz und Behinderung
•	Verbesserung in Bereichen der Lebensqualität
•	Verbesserung der Körperzusammensetzung
(Reduktion in Gewicht, BMI und Fettmasse)
•	Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit sowie
eine verbesserte Beweglichkeit und Kraftausdauer
der Bauchmuskulatur
Schlussfolgerung
•	Eine zweimonatige intensive Aquatherapie verbessert
vielfältige Outcomes bei Patienten mit chronischen
Rückenschmerzen

12 Studie zu Aquatherapie bei chronischen Rückenschmerzen: Pedro Ángel Baena-Beato et al., Clin Rehabil. 2014*

27

Bewegung und Lebensqualität
bei Kniearthrose
Das Knie muss große Belastungen aushalten.
Schon beim Gehen wirkt das Mehrfache des
Körpergewichts auf die Kniegelenke. Durch
den Verschleiß der Knorpelschicht im Kniegelenk stellen sich ab einem gewissen Ausmaß
Einschränkungen der Beweglichkeit sowie
der Kniestabilität ein. Jedes überzählige Kilo
belastet die Gelenke und beschleunigt diesen
Verschleiß und führt zu einer Verdichtung
der Gelenkflächen. Für den Betroffenen ist
das mit Schmerzen verbunden, die nicht vom
Knorpelgewebe herrühren, sondern von den
durch den Knorpelschwund ungeschützten
Knochen, die aneinander reiben.
Ein nicht belastbares Knie geht mit enormen
Einschränkungen bei der Bewältigung des
Alltags einher. Selbst einfache Bewegungen,
wie das Aufstehen von einem Stuhl, fallen
den Betroffenen schwer. Patienten berichten
auch von Schmerzen, wenn das Knie unbewegt bleibt, was wiederum Schlafstörungen
nach sich ziehen kann. Körperliche Aktivität
ist geeignet, die Beschwerden der Kniearthrose zu lindern und die Kniefunktion zu verbessern. Das ist durch viele Studien belegt.
Eine Übersichtsstudie hat den Bereich „Bewegung und Lebensqualität bei Kniearthrose“

untersucht. Die Teilnehmer übten dabei sehr
unterschiedliche Bewegungsformen aus,
unter anderem Tai Chi. Eine Sportart, die
langsam ausgeführte und koordinativ anspruchsvolle Bewegungsübungen mit hoher
Präzision beinhaltet. Technisch richtig durchgeführt ist Tai Chi muskelkräftigendes Training und Gleichgewichtsübung in einem. Die
Patienten profitierten körperlich und mental.
Befragungen der Teilnehmer ergaben eine
höhere Lebenszufriedenheit als Ergebnis aller
unterschiedlichen Bewegungsinterventionen.

Schon wenig Bewegung ist gut,
mehr ist noch besser
Viele Studien befassen sich mit Personengruppen, die nur einen Risikofaktor für eine
bestimmte Erkrankung haben. Die Realität
sieht meist anders aus, denn häufig haben
Patienten mehrere unterschiedliche Beschwerden. So geht Übergewicht oft mit Bluthochdruck einher. Die Wissenschaft spricht
von vergesellschafteten Risikofaktoren, die
gemeinsam auftreten und sich gegenseitig
bedingen. Jemand, der übergewichtig ist, bewegt sich zum Beispiel sehr häufig zu wenig.
Dieser Mangel an Bewegung kann zu Veränderungen der Insulinresistenz führen, was
schlechtere Blutfettwerte zur Folge hat. Der

Bewegung und Lebensqualität bei Kniearthrose13

•	Zufällige Einteilung in Interventions- bzw. Kontrollgruppe

Hintergrund
•	Bewegungstherapie verbessert die Funktion und mindert
den Schmerz bei Kniearthrosepatienten

•	Lebensqualität erfasst mit dem Fragebogen SF-36

•	Effekt auf die Lebensqualität ist weniger klar

•	Bewegungsformen: muskelkräftigendes Training, Walking,
Gleichgewichtsübungen, Tai Chi etc.
•	12 Studien, Dauer: 8–72 Wochen, 2–7 Einheiten pro Woche

Ziel der Studie
•	Zusammenfassende Darstellung der Evidenzlage,
Effekte der Bewegungstherapie auf die Lebensqualität
bei Kniearthrosepatienten

Ergebnisse
•	Bewegung kann die körperliche und mentale Komponente
der Lebensqualität verbessern

Teilnehmende
•	Patienten mit Kniearthrose

Schlussfolgerung
•	Unterschiedliche Bewegungsformen können die
Lebensqualität bei Kniearthrose verbessern

Eingeschlossene Studien
•	Bewegung oder Bewegungstherapie

13 Studie zu Bewegung und Lebensqualität bei Kniearthrose: Ryo Tanaka et al., J Phys Ther Sci. 2015*

28

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - chronisch Kranke

Schon wenig Bewegung ist gut, mehr ist noch besser14

Hintergrund
•	Kardiorespiratorische Fitness ist ein wichtiger Prädiktor
für chronische Erkrankungen und Mortalität
•	Viele übergewichtige oder adipöse postmenopausale
Frauen bewegen sich zu wenig oder gar nicht
Ziel der Studie
•	Überprüfung der Effekte unterschiedlicher Dosen von
Bewegung (ca. 50 vs. 100 vs. 150 % der Empfehlungen)
auf die kardiorespiratorische Fitness bei postmenopausalen, übergewichtigen oder fettleibigen, inaktiven
Frauen mit Bluthochdruck
Die Intervention
•	6 Monate lang 3 Mal in der Woche auf Liegend-Fahrradergometern bzw. Laufband mit moderater Intensität

•	Zufällige Einteilung in drei Interventionsgruppen mit
ca. 70, 135 bzw. 190 Minuten Training pro Woche
bzw. eine Kontrollgruppe
Teilnehmende
•	464 postmenopausale, übergewichtige und fettleibige
inaktive Frauen, die auch an Bluthochdruck litten
Ergebnisse
•	Die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessert sich in allen
drei Interventionsgruppen
•	linearer Dosis-Wirkung-Zusammenhang: je mehr trainiert
wurde, desto höher war die Verbesserung der Fitness
•	auch der Taillenumfang (ein Marker für die abdominale
Adipositas) hat sich in den Interventionsgruppen verbessert
Schlussfolgerung
•	Schon ca. 70 Minuten Training verbessern die Ausdauerleistungsfähigkeit bei Personen mit kardiovaskulären Risiken

Teufelskreis schließt sich, wenn dadurch der
Stoffwechsel gestört wird und dies zu Übergewicht führt.
US-amerikanische Forscher haben sich für
eine Studie eine Zielgruppe mit mehreren Risikofaktoren gesucht: inaktive, übergewichtige beziehungsweise adipöse postmenopausale Frauen. Untersucht wurde der Einfluss
von Sport und Bewegung auf die sogenannte
kardiorespiratorische Fitness. Ein wichtiger
Aspekt für die Gesundheit: Denn wenn Lunge und Blutkreislauf den Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgen, hat das
einen hohen Voraussagewert für das Erleiden
chronischer Erkrankungen und vorzeitiges
Versterben. Je nach zugeteilter Bewegungsgruppe erfüllten die Teilnehmerinnen ein unterschiedliches Trainingspensum und verbesserten ihre Ausdauerleistung.
Deutlich wurde: Je mehr Training, desto höher die Verbesserung der Fitness. Außerdem
reduzierten die Teilnehmerinnen ihren Taillenumfang, der ein wichtiger Hinweis für das
sehr gefährliche Bauchfett ist. Dieses lagert
sich rund um die inneren Organe an und ist
bei Fettleibigkeit gesundheitlich bedenklicher
als das Gesamtgewicht.

14 Studie zu Effekten unterschiedlicher Dosen von Bewegung: Timothy S. Church, JAMA. 2007*

29

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Ausblick und Perspektive

5. Ausblick und Perspektive
Mittlerweile ist es völlig unumstritten, dass
Sport und Bewegung eine äußerst positive
Wirkung auf die Gesundheit der Menschen
haben, selbst wenn es noch immer gegenteilige Behauptungen gibt. Ob nun das HerzKreislauf-System, das Lebensgefühl, der mentale Zustand, das Skelett-System, die Lernfähigkeit, der Wille – alle profitieren von den
Wirkungen, die Sport und Bewegung auf den
Körper haben, vorausgesetzt, er findet regelmäßig statt. Selbst Alltagsaktivitäten wie
Gartenarbeit, Radfahren oder Laufen haben
nicht zu unterschätzende Auswirkungen.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass Bewegung selbst bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs, Diabetes
und Herzerkrankungen sowohl präventiv als
auch bei der Bewältigung der Krankheiten
bei der richtigen Anwendung zur Stärkung
der Physis und der Psyche beiträgt.
Wie können die Menschen zu
einem körperlich aktiven Lebensstil
motiviert werden?

Der Wissensstand über die positiven Effekte
körperlicher Aktivität für die Gesundheit ist

fundiert, was natürlich nicht bedeutet, dass
es keine offenen Fragen gibt. Die zukünftige
Forschung wird immer differenziertere Antworten liefern. Spannend ist z.B. die Frage,
wie Erkenntnisse aus der Genforschung dazu
beitragen können, individuellere „maßgeschneiderte“ Sportprogramme zu entwickeln.
Damit könnte Bewegung noch gezielter gesetzt werden.
Gleichzeitig geht es aber auch immer um die
Frage, wie kommen die gesicherten Erkenntnisse über die Wirkung von Bewegung an
die Zielgruppen der Multiplikatoren wie z.B.
Ärzte, Erzieher, Pfleger. Gerade der Arzt ist
ein wichtiger Gesundheitsinformant. Ärzte
können ihre Patienten zu mehr Bewegung
raten und zu einem Wechsel von Inaktivität
zur Aktivität motivieren. Der internationale Vergleich zeigt, dass dies gelingen kann.
Allein aus ökonomischer Sicht sind die Einsparungszentrale riesig, wie schon eine Broschüre der Berliner Senatsverwaltung für
Inneres und Sport 2016 gezeigt hat.
Zum anderen wird die Frage immer wichtiger, wie die Zielgruppen in den unterschiedlichen Lebenswelten mit Sport und Bewegung
versorgt und langfristig zu einem körperlich
aktiven Lebensstil motiviert werden können.
Hier setzen die Nationalen Empfehlungen
für Bewegung und Bewegungsförderung an,
die im Auftrag des Bundesministeriums für
Gesundheit erarbeitet worden sind. Während
zu Beginn Materialien und Strategien zur
Verbreitung entwickelt wurden rücken nun
immer mehr die Kommunen in das Zentrum
der Bemühungen, denn sie haben direkten
Einfluss auf die Menschen und ihr Lebensumfeld. Welche Strukturen werden zum Beispiel
benötigt, wie müssen Räume bewegungsund sportfreundlich gestaltet sein, wie kann
das Wissen über Bewegung und Gesundheit
in die Breite und an den „Endverbraucher“,
die Menschen, gebracht werden.

30

Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung - Impressum

* QR-Code zu den Abstracts der in dieser

Broschüre dargestellten Studien

IMPRESSUM
Herausgeber:
Senatsverwaltung für Inneres und Sport
Abteilung Sport
Dr. Herbert Dierker
Klosterstraße 47, 10179 Berlin
Ansprechpartnerin für Gesundheitssport: Ute Siggelkow
Tel.: (030) 9 02 23 - 29 46
E-Mail: ute.siggelkow@seninnds.berlin.de
www.berlin.de/sen/inneres/sport
Idee:
AG „Sport und Gesundheit“ der Sportministerkonferenz
Redaktion:
wirkhaus.berlin: Günter Müller, Marco Dames
Wissenschaftliche Begleitung:
Prof. Dr. Lutz Vogt (Sportmedizin, Goethe-Universität Frankfurt/Main)
Dr. Eszter Füzéki
Gestaltung:
monica freise, visuelle kommunikation
Fotonachweise:
Alle Bilder: © Michaela Eberlin
außer Seite 4 oben links: © SenInnDS,
Seite 6 oben links: © Uwe Dettmar,
Seite 16 unten rechts: © NicoElNino (fotolia)
Produktion:
ruksaldruck, Lankwitzer Straße 35, 12107 Berlin
www.ruksaldruck.de
Auflage:
5.000
Stand:
10/2018

Abteilung Sport
Klosterstraße 47
10179 Berlin
Ute Siggelkow
(Ansprechpartnerin für Gesundheitssport)
Tel.: (030) 9 02 23-29 46
E-Mail: ute.siggelkow@seninnds.berlin.de
www.berlin.de/sen/inneres/sport
© 10/2018
        
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