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Full text: Klima- und umweltbedingte Migration / Burkhardt, Stefan

Stefan Burkhardt / Silke Franke (Hrsg.)

KLIMA- UND UMWELTBEDINGTE
MIGRATION
Weltweit eine zunehmende Herausforderung

107
www.hss.de

Argumente und Materialien
zum Zeitgeschehen

Stefan Burkhardt / Silke Franke (Hrsg.)

KLIMA- UND
UMWELTBEDINGTE MIGRATION
Weltweit eine zunehmende Herausforderung

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978-3-88795-543-4

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Herausgebers wieder.

INHALT

5

EINFÜHRUNG
Stefan Burkhardt / Silke Franke

7

CLIMIGRATION – UMWELTBEDINGTE MIGRATION ALS
HERAUSFORDERUNG DES JAHRHUNDERTS
Thomas Loster / Sarah Stingl

15

SCHRITTE DER STAATENGEMEINSCHAFT ZUM SCHUTZ
KLIMABEDINGTER MIGRANTEN UND VERTRIEBENER
Vera Künzel

21

UMWELTMIGRATION IN DEN USA
Historische Perspektiven auf ein aktuelles Problem
Uwe Lübken

29

BINNENMIGRATION IN BOLIVIEN – EINE FOLGE DES KLIMAWANDELS?
Rafael Pfister

41

ÖKOLOGISCHE MIGRATION IN CHINA
Ein Impuls aus der Ländlichen Entwicklung
Melanie Kade / Sebastian Kade / Michael Klaus

51

KLIMA- UND UMWELTBEDINGTE MIGRATION IN VIETNAM
Le Anh Tuan

55

DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND MIGRATION
IN WESTAFRIKA
Herausforderungen und Lösungsansätze
Benjamin Schraven

61

KLIMAWANDEL, MIGRATION UND KONFLIKTE
AM BEISPIEL OSTAFRIKA
Janpeter Schilling

69

CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION IN KENYA
Assessing impacts on pastoralist communities, and legal and policy options
to enhance adaptation actions
Robert Kibugi / Sylvia Lanyasunya

75

DERIVING A LEGAL FRAMEWORK TO ADDRESS CLIMATE CHANGE
INDUCED MIGRATION IN THE PACIFIC
Cosmin Corendea / Tanvi Mani

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

3

EINFÜHRUNG
STEFAN BURKHARDT / SILKE FRANKE || Für die Hanns-Seidel-Stiftung gehören Klima, Umwelt,
Entwicklung und Migration zu zentralen Themen, vor allem in der internationalen Zusammenarbeit.
Unsere Auslandbüros führen mit lokalen Partnerorganisationen weltweit Maßnahmen durch. Dazu
gehören zum Beispiel Projekte zur Minderung von Treibhausgasemission, zur Sensibilisierung für
die Folgen des Klimawandels oder zur Umweltbildung und ganz konkrete Projekte für den Umweltschutz. Mit der vorliegenden Publikation wollen wir einen Einblick in die Problematik geben. Experten verschiedener Organisationen, darunter auch unsere Projektleiter und Partner vor Ort, stellen
die jeweilige Situation dar und liefern Einblicke in unterschiedliche Weltregionen.

Die Weltklimakonferenz 2017 fand in
Deutschland unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln statt. In dem pazifischen Inselstaat
leiden die Menschen schon jetzt unter den Folgen des Klimawandels (steigende Meeresspiegel,
Wirbelstürme). Die ersten Küstenbewohner sind
bereits umgesiedelt.
Wenn Wüsten sich weiter ausbreiten, der
Meeresspiegel ansteigt oder der Permafrostboden
auftaut, hat dies für viele Menschen Konsequenzen. Auch dort, wo sich Umweltbedingungen
verschlechtern, kann das gerade für ärmere
Schichten an ihre Lebensgrundlage gehen, etwa
wenn es Dürren gibt und die Grundwasservorkommen bereits versiegt sind, wenn Böden und
Flüsse verseucht und übernutzt sind oder wenn
Wetterextreme Ernten vernichten. Wie viele
Menschen aus diesen Gründen ihre Heimat verlassen müssen, lässt sich schwer beziffern. Oft
überlagern sich mehrere Faktoren, etwa Umweltverschlechterungen, fehlende Einkommensalternativen und Marginalisierung von bestimmten ethnischen oder sozialen Gruppen sowie
die Überlagerung mit dem globalen Trend der
Land-Stadt-Wanderung.

BEGRIFF UND STATUS
Welche Triebkräfte und Dimensionen stecken
in dem Begriff Klima- bzw. Umweltmigration?
Wo liegen die Hotsports? Welche politischen
Lösungsansätze werden diskutiert? Die ersten
beiden Beiträge von Thomas Loster / Sarah
Stingl und Vera Künzel skizzieren einführend,
wie Umwelt- und Klimamigration als Herausforderung für Staaten, wenn auch zögerlich, so
doch zunehmend Eingang in internationale Abkommen finden, ohne allerdings einen rechtlichen Status zu begründen.
BEISPIELE AMERIKA
Der Historiker Uwe Lübken verdeutlicht anschließend zwei Dinge: Durch Umweltveränderungen ausgelöste Bevölkerungsbewegungen hat
es schon immer gegeben. Solche Migration gibt
es in allen Teilen der Welt, auch in so hochindustrialisierten Staaten wie den USA. Man
denke da nur an die „Dust-Bowl-Migration“ in
den 1930er-Jahren oder an diejenigen, die vor
Hurrikan Katrina fliehen mussten, und schließlich an die großen technischen Anstrengungen,
die unternommen werden, um das Leben in den

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

5

STEFAN BURKHARDT / SILKE FRANKE

Trockenzonen im Westen möglich zu machen
(Wasserversorgung, Klimaanlagen).
Rafael Pfister zeigt im folgenden Beitrag am
Beispiel von Bolivien, wie frühere Kulturen mit
den natürlichen Gegebenheiten umgingen und
wo die heutigen Herausforderungen liegen. Zum
Problem wird insbesondere, dass durch das Abschmelzen der Gletscher und die fortschreitende
Entwaldung des Amazonasbeckens die Menge
des verfügbaren Wassers stetig abnimmt.
BEISPIELE ASIEN
China ändert sich rasant. Doch die wirtschaftliche Entwicklung führt auch dazu, dass
aufgrund des Baubooms gerade der Anteil landwirtschaftlich nutzbarer Flächen geringer wird
und gleichzeitig Wind, Wasser, Dürre und intensive Nutzung die Ressource Boden über alle
Maßen belasten. Eine Strategie ist die gezielte
Umsiedlungspolitik, mit der China den Druck
von sensiblen, belasteten Weideflächen nehmen
will. Doch ist sie zielführend? Melanie Kade /
Sebastian Kade / Michael Klaus ziehen Bilanz
und zeigen auf, wie auch die ländliche Entwicklung einen Beitrag leisten kann, den Migrationsdruck zu mindern.
Über 20 Prozent der Bevölkerung Vietnams
leben im Mekong-Delta, welches gleichzeitig
die wichtigste landwirtschaftliche Region des
Landes ist. Überschwemmungen sind für die
Menschen dort an sich nichts Ungewöhnliches.
Doch der ansteigende Meeresspiegel führt immer häufiger zu Überflutungen und Erosionen
sowie zu Versalzung von Böden und Grundwasser. In einem Interview erläutert Le Anh
Tuan, wie Vietnam über Nachhaltigkeitsziele,
Klimaschutzprojekte und Kommunikationskampagnen darauf reagiert.
BEISPIELE AFRIKA
Die starke Zuwanderung von Flüchtlingen
nach Deutschland im Jahr 2015 hat die Aufmerksamkeit für Migration in bzw. aus Afrika
erhöht. Vor allem aus westafrikanischen Ländern machen sich zahlreiche Menschen auf den
gefährlichen Weg durch die Sahara und das
Mittelmeer nach Europa. Doch der weitaus
größte Teil der Migranten verbleibt in den Ursprungsregionen. Benjamin Schraven, Janpeter
Schilling und Robert Kibugi / Sylvia Lanyasunya

6

zeigen für West- bzw. Ost-Afrika auf, wie neben
anderen Entwicklungen auch Umwelt- und Klimaänderungen den Migrationsdruck der Menschen erhöhen.

Die Hanns-Seidel-Stiftung führt WELTWEIT
Projekte im Bereich Klima- und Umweltpolitik
durch.

PAZIFIK – BESONDERS BEDROHTE INSELWELT
Mit dem Beitrag von Cosmin Corendea /
Tanvi Mani schließt sich der Kreis: Er setzt sich
erneut mit den rechtlichen Rahmenbedingungen
auseinander. Gerade das Beispiel der PazifikInseln zeigt drastisch, um was es geht, wenn
Menschen gezwungen werden, umzusiedeln und
nicht nur ihren Wohnort aufzugeben, sondern
auch das, was ihre Identifikation und Tradition
beinhaltet. Das Plädoyer der Autoren: Es bräuchte auch einen regionalen Ansatz und regionale
Übereinkünfte, die die betroffenen Einwohner
direkt einbeziehen und auf ihre Traditionen einzugehen vermögen. Zum anderen bedarf es auf
internationaler Ebene einer stärkeren Koordinierung verschiedenen Sektoren mit ihren jeweils
eigenen Rechtsrahmen (Menschenrecht, Flüchtlingsrecht, Umweltrecht, Klimaabkommen etc.).
Die sicherlich nur ausschnittsweise, aber dennoch weltweite Bestandsaufnahme lässt das
Ausmaß und die Folgen annäherungsweise ermessen. Wir hoffen, damit zum Verständnis für
die Komplexität von Migrationsprozessen beizutragen, und wünschen eine interessante Lektüre.

||

STEFAN BURKHARDT M.A.
Leiter des Referats „Süd- / Südostasien“ im
Institut für Internationale Zusammenarbeit,
Hanns-Seidel-Stiftung, München

||

SILKE FRANKE, DIPL.-GEOGR.
Leiterin des Referats „Umwelt und Energie, Städte,
Ländlicher Raum“ in der Akademie für Politik und
Zeitgeschehen, Hanns-Seidel-Stiftung, München

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

CLIMIGRATION – UMWELTBEDINGTE MIGRATION
ALS HERAUSFORDERUNG DES JAHRHUNDERTS
THOMAS LOSTER / SARAH STINGL || Die große Anzahl an Flüchtlingen im Sommer 2015 hat Europa
unvorbereitet getroffen, heute sehen wir klarer. Dennoch: Die Diskussion um Migration, Flucht und
Integration wird lange nicht versiegen. Schon heute zeichnet sich ab, dass die globale Migration
eher zu- als abnehmen wird. Umwelt- und Klimaänderungen kommt eine besondere Rolle zu. Sie
werden im Laufe des Jahrhunderts unzählige Menschen in die Flucht zwingen.

EINLEITUNG
Als sich Europa im Sommer 2015 mit einer
großen Zahl an Flüchtlingen konfrontiert sah,
lag eine von mehreren Ursachen auf der Hand:
Viele Menschen flohen aus Krisen- oder Kriegsgebieten, beispielsweise aus Syrien, Afghanistan
oder Somalia. Andere Migranten sahen sich aus
ökonomischen oder weiteren Gründen gezwungen, ihr Glück in Europa zu suchen. Auch sich
verändernde oder riskante Wetterbedingungen
lösen Flucht aus, das ist bekannt. So meldete
die Internationale Organisation für Migration
(IOM), dass El-Niño im Jahr 2015 der Hauptauslöser für knapp 20 Mio. Migranten in
113 Ländern war.1
Migration ist kein neues Phänomen. Wanderungen und Völkerbewegungen hat es in der
Menschheitsgeschichte schon immer gegeben.
Frühgeschichtliche Migration war sehr oft mit
Umweltbedingungen und Klima verbunden.
Eine der ältesten und bekanntesten Massenwanderungen fand während der letzten Eiszeit
vor rund 20.000 Jahren statt. Als die Beringsee
zwischen Sibirien und Alaska wegen des durch
die Vergletscherung sinkenden Meeresspiegels
trocken lag, wanderten Menschen von Asien
nach Nordamerika über die Beringbrücke ein.
Natürlich sind auch Flucht und Vertreibung
nicht neu. Ein bekanntes Beispiel aus Europa

ist die Verfolgung Andersgläubiger im Zuge der
Reformation zwischen dem frühen 16. und dem
späten 18. Jahrhundert. Die Vertriebenen flohen
vielfach in die neu gegründeten Kolonien in
Nordamerika und wurden dort sesshaft.
Bei Migration wird der Lebensmittelpunkt
räumlich verlegt, meist um Lebensbedingungen
zu verbessern. Dies kann im eigenen Land, aber
auch über die Grenzen hinweg erfolgen.2 Schätzungsweise gibt es heute weltweit 244 Millionen
internationale Migranten. Das sind 3 Prozent
der Gesamtbevölkerung – ein Anteil, der sich in
über 50 Jahren nicht wesentlich verändert hat.3
Die Zahl der gewaltsam Vertriebenen hingegen
stieg in den vergangenen Jahren stark an. Während das UN-Flüchtlingshilfswerk 2011 einen
Rekord von weltweit 42,5 Mio. Personen verzeichnete, waren 2016 bereits 65,6 Mio. Menschen auf der Flucht.4

Die Zahl der internationalen Migranten
entspricht ungefähr 3 % DER GESAMTBEVÖLKERUNG der Welt.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

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THOMAS LOSTER / SARAH STINGL

Als Flüchtlinge werden allerdings nur jene
bezeichnet, die vor drohender Verfolgung fliehen, dabei die Landesgrenze überschreiten und
unter bestehenden Umständen nicht in ihre
Heimat zurückkehren können.5 Jene, die wegen
Krieg, Menschenrechtsverletzungen und Ähnlichem oder Natur- sowie von Menschen verursachten Katastrophen fliehen, aber dabei keine
Staatsgrenze überschreiten, sind auch auf der
Flucht, werden aber als intern vertriebene Personen (IDPs) bezeichnet.6 Der Großteil der Vertriebenen bleibt im eigenen Land. Von den rund
65 Mio. weltweit Vertriebenen waren 2016 nur
rund ein Drittel (21 Mio.) grenzüberschreitend
unterwegs. Fast neun von zehn leben in Entwicklungsländern, das ist eine beachtliche Zahl.
UMWELTMIGRANTEN OHNE RECHT
Migration und Flucht sind in den meisten
Fällen wichtiger Teil einer Anpassungsstrategie.
Es ist aus rechtlichen Gründen wichtig, zwischen freiwilliger und erzwungener Migration
zu unterscheiden. Menschen, die heute aus
Umwelt- oder Klimagründen migrieren, haben
keinen internationalen Rechtsstatus. So werden
jene, die aufgrund von wetterbedingten Naturkatastrophen oder von langfristigen Umweltveränderungen ihre Heimat verlassen, nicht als
„Flüchtlinge“ im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention 1951 anerkannt. Diese legt nämlich – stark geprägt durch die Erfahrungen des
zweiten Weltkrieges – eine begründete Furcht
zugrunde: vor Verfolgung aufgrund von Rasse,
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer
bestimmten sozialen Gruppe oder wegen politischer Überzeugung. Es werden also nur politische Flüchtlinge international als schutzbedürftig anerkannt. Dabei übersteigt die Zahl der
umweltbedingten Migranten schon heute jene
der konfliktbedingten. Viele halten aus diesem
Grund die Flüchtlingskonvention für überholt
und diskutieren deren Ausweitung. In aktuellen
klimapolitischen Abkommen wird zunehmend
auch das Migrationsthema aufgegriffen. Dass
wir hier erst am Anfang stehen, belegen die
Weltklimagipfel (Conferences of the Parties,
COPs). Auf der COP 16, die 2010 in Cancún
stattfand, wurde im Abschlussdokument des
Adaptation Framework Agreements der entsprechende Paragraph 14 verabschiedet:7

8

Internationale KLIMAABKOMMEN thematisieren
zögerlich erste Fragen von klimabedingter
Migration und Flucht.

„Paragraph 14 invites all Parties to enhance action
on adaptation under the Cancun Adaptation Framework, taking into account their common but differentiated responsibilities and respective capabilities,
and specific national and regional development priorities, objectives and circumstances, by undertaking,
inter alia, the following:
(f) Measures to enhance understanding, coordination and cooperation with regard to climate change
induced displacement, migration and planned relocation, where appropriate, at the national, regional
and international levels;“
Auf Deutsch in etwa:
„Paragraph 14 lädt alle Vertragsstaaten ein, Anstrengungen zur Anpassung im Rahmen des Cancún-Anpassungsregelwerks zu verstärken. Dabei sollen sie
ihre gemeinsamen und dennoch unterschiedlichen
Verantwortlichkeiten und entsprechenden Fähigkeiten in Erwägung ziehen. Auch spezifische nationale
und regionale Entwicklungsprioritäten, Ziele und
Umstände sollen wie folgt berücksichtigt werden:
(f) Maßnahmen zur Verstärkung des Verständnisses
der Koordination und Kooperation hinsichtlich der
vom Klimawandel verursachten Vertreibung, Migration und geplanten Umsiedlung – wo passend – auf
nationaler, regionaler und internationaler Ebene.“

Auf den ersten Blick sieht dieser Paragraph
gut aus, in etwa: bei klimabedingter Vertreibung
oder Verlagerung Maßnahmen ergreifen und verbessern, geplante Umsiedlung. Erst bei genauerer Betrachtung wird der mangelnde Nachdruck
der Handlungsforderung erkennbar: Länder
werden eingeladen, in Betracht zu ziehen, je
nach Zuständigkeit etwas zu unternehmen, wo
dies angemessen ist.
UMWELTBEDINGE MIGRATION IN DER
WISSENSCHAFT
In der Migrationswissenschaft des letzten
Jahrhunderts tauchten Umweltfaktoren anfangs
wenig oder nur sporadisch auf. Erst zur Jahrtausendwende rückte das Thema mehr in den
Mittelpunkt. Auch, weil der Weltklimarat, das

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

CLIMIGRATION – UMWELTBEDINGTE MIGRATION ALS HERAUSFORDERUNG

Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC), immer mehr regionale Aspekte der
Klimaveränderung beleuchtete. Zu Beginn des
21. Jahrhunderts stieg die Zahl fundierter Studien sprunghaft an (z. B. ab 2007 EACH-FORStudien zu Migrationsszenarien8, 2011 ForesightStudie9). Immerhin veröffentlichten die Vereinten Nationen bereits 2005 eine Weltkarte der
Klimaflüchtlinge (UN Climate Change Refugee
Map)10, die gefährdete Zonen und Hotspots
beinhaltete. Die Karte war jahrelang auf der
UNEP-Webseite abrufbar, wurde 2011 allerdings entfernt. Der Wissenschaftliche Beirat der
Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
(WBGU) in Deutschland beschrieb in seinem
Hauptgutachten „Welt im Wandel: Sicherheitsrisiko Klimawandel“11 qualitativ, wo Hotspots
für Umweltmigration liegen. Hier wurden sowohl die Dürre- und Trockenregionen der Erde
(z. B. Wüsten Afrikas) als auch die flutgefährdeten Zonen etwa in Bangladesch beschrieben.
Im EACH-FOR-Projekt der EU wurden mehr als
20 globale Hotspots in Ländern wie Thailand,
Vietnam, Bangladesch, Ghana, Guatemala und
Peru untersucht. Bevölkerungsdichte, Klimafaktoren, Naturgefahren und wirtschaftliche
Faktoren wie Agrarland wurden unter die Lupe
genommen. Im Kontext der wissenschaftlichen
Studien wurde auch die Nomenklatur stets verändert, nahezu alle denkbaren Begrifflichkeiten
kommen vor (climate change – induced displaced, environmental migration, environmental
refugee, climate refugee, climigrant etc.). Ausschlaggebend ist am Ende, welche Nomenklatur, Regulierung und Gesetzgebung international anerkannt wird und zum Tragen kommt.
VIELDISKUTIERTE KLIMAMIGRATION –
EIN BLICK AUF HOTSPOTS
Zu Beginn unseres Jahrhunderts nahm die
Berichterstattung zu umweltbedingter Migration
deutlich zu. Einzelne Beispiele schafften es in
die internationale Presse: die Carteret Islands in
Papua Neuguinea sowie andere Pazifikinseln,
auch eine indigene Volksgruppe, die Inuit in
Alaska. Etwas später wurde zunehmend über
alarmierende Anzeichen aus Afrika berichtet.
Alle diese Hotspots haben unterschiedliche Hintergründe und Dimensionen. Die Schlüsse, die
aus den einzelnen Beispielen gezogen werden

können, liefern wichtige Indizien für nachhaltiges Management der Klimamigration.
Die Carteret Islands in Papua Neuguinea –
ein Volk muss umziehen
Ab etwa 2005 wurde zunehmend berichtet,
dass die Carteret-Inseln, ein Atoll im Pazifik,
das zu Papua Neuguinea gehört, bald im Meer
versinken würden. Die Inseln liegen nur knapp
über dem Meeresspiegel, die Fläche beträgt
etwa 60 ha. Rund 2.600 Menschen waren und
sind vom Meeresspiegelanstieg unmittelbar
bedroht. Schon 1999 waren zwei unbewohnte
Inseln bei Kiribati im Pazifik untergangen, das
beflügelte die Debatten. Die Schäden im Carteret-Atoll wurden sukzessive größer und sichtbarer. Die Inselbewohner bauten Deiche und
pflanzten Mangroven, der Untergang ihrer Heimat war dennoch absehbar. Denn der Meeresspiegelanstieg von knapp 10 mm / Jahr und
Stürme verschlangen nach und nach ganze Inselteile. Evakuierungsprogramme für rund
150 Familien wurden angestoßen. Geldmangel
und Bedenken behinderten allerdings größere
Umsiedlungen. Familien, die migrierten, fühlten sich in ihrem neuen Umfeld nicht wohl und
angenommen; sie wollten in die Heimat zurück.
Kiribati im Pazifik – Migrieren mit Würde
Auch Kiribati und Tuvalu, östlich von Australien, könnten in wenigen Dekaden nur sehr
schlecht oder nicht mehr bewohnbar sein.
Schon heute dringt Salzwasser in Süßwasserspeicher ein, die Küstenerosion nimmt zu. Extrem hohe Flutstände, die sogenannten King
Tides, richten immer wieder schwere Schäden
an. Nachdem Länder wie Australien eine rigorose, abweisende Migrationspolitik verfolgen
und Zielländer wie Neuseeland nur beschränkt
Migranten aufnehmen, beginnen die Menschen
auf Kiribati bereits jetzt Schritt für Schritt in
Nachbarländer (z. B. Neuseeland) auszuwandern. Unter dem Motto „Migrieren mit Würde“
(Migrate with Dignity) siedeln Inselbewohner
um und verlassen ihre Heimat sowie Familien.
Bekannt wurde der Fall einer kiribatischen Familie, die auch unter Nennung der Klimaänderung um ihr Bleiberecht in Neuseeland kämpfte.
Ein Deich in Kiribati sei gebrochen, das Brunnenwasser ungenießbar. Nachdem es aber in

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

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THOMAS LOSTER / SARAH STINGL

der UN-Rechtsprechung keine „Klimaflüchtlinge“ gibt, wurde Familie Teitiota letztendlich im
September 2015 aus Neuseeland abgeschoben.

Wegen KLIMAKATASTROPHEN musste bereits
ein Teil der Bevölkerung von Kiribati, Bangladesch oder Afrika seine Heimat verlassen.

Alaska – weltweite Aufmerksamkeit für die Inuit
In Alaska sind im Zuge der Klimaerwärmung
die mittleren Temperaturen seit 1950 um mehr
als 3 °C gestiegen. Der Permafrostboden beginnt
aufzutauen, Häuser – wie etwa in der InuitGemeinde Shishmaref – kippen, weil das Fundament buchstäblich wegtaut. In der Umgebung
findet massive Erosion statt. Die Regierung hält
alle Entwicklungen seit mehr als 10 Jahren in
Berichten fest. Die NOAA (National Oceanic
and Atmospheric Administration) fördert Untersuchungen zum Status von Umwelt, Erosion,
Gesundheit, Einkommen, Wasser und Indikatoren für Umsiedlung. Der Interamerikanische
Gerichtshof hat eine Klage der Inuit angenommen, welche die USA mitverantwortlich für den
Klimawandel macht. Das sagt nichts über das
Verhandlungsergebnis aus und erlaubt nicht,
auf Maßnahmen oder gar finanzielle Kompensation zu hoffen. Die Anerkennung der Klage
ist aber ein bemerkenswerter Fakt. Nach Aussagen der renommierten US-Anwältin Robin
Bronen ist ein großes Problem der Bevölkerung
in Shishmaref, dass es in der Regierung keine
offizielle Stelle gibt, die ein Mandat für die finanzielle Unterstützung von Umzügen hat. Und es
gebe keine beschriebenen Prozesse, die festlegen,
wann klimabedingte Umsiedlung angezeigt ist.
Immerhin hat Präsident Obama im August 2015
Alaska für 3 Tage besucht. Im Zuge dessen gab
er auch einer von der Klimaerwärmung betroffenen Inuit-Gemeinde – Kivalina – Sichtbarkeit.
Konkrete politische Maßnahmen folgten zunächst nicht, allerdings sollen weitere offizielle
Gespräche anvisiert werden.

10

Bangladesch –
schleichende und abrupte Migration
Ein weiteres plakatives Beispiel für umweltbedingte Migration liefert Bangladesch. Hier siedeln aus allen Teilen des Landes Menschen in
die Hauptstadt Dhaka um. Mit knapp 25 Mio.
Einwohnern war sie 2015 die zweitgrößte Stadt
der Welt – und sie ist weltweit die Megastadt
mit der höchsten Wachstumsrate in der letzten
Dekade. Experten sprechen von einem Zuzug
von etwa 1.000 Menschen pro Tag.
Der erwartete Zuwachs bis 2025 liegt bei ca.
10 Mio. Menschen. Die Grenzen von ökonomischer und umweltbedingter Migration verschwimmen. Die meisten kommen, weil sie sich
in der Großstadt bessere Verdienstchancen ausrechnen. Menschen migrieren aber auch, weil
sich die Umweltbedingungen in ihren Heimatdörfern schleichend verändern. Flusserosion ist
ein weit verbreitetes Phänomen im Land, riesige
Ströme reißen immer wieder Ortsteile weg, wie
etwa in dem kleinen Inseldorf Singpur nördlich
von Dhaka. Gemeindeteile oder ganze Gemeinden müssen umsiedeln. Ein eindeutiger Bezug
zur Klimaerwärmung ergibt sich über die damit
verbundene Zunahme extremer Wetterbedingungen – veränderten Monsunmustern mit Überschwemmungen und veränderter Zyklon-Aktivität.
Abbildung 1: Die 24-jährige Hasina und ihr Sohn
leben im Bhola Slum in Dhaka. Nach einem
verwüstenden Zyklon sind ihre Eltern 1970 in
die Hauptstadt migriert und sesshaft geworden. Heute lebt Hasina mit ihrer Familie – insgesamt 8 Personen – in zwei kleinen Räumen.

Quelle: Thomas Loster, Archiv Münchener Rück Stiftung.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

CLIMIGRATION – UMWELTBEDINGTE MIGRATION ALS HERAUSFORDERUNG

Schwere Zyklone führen zu Migration, ein
Beleg: Am 12. November 1970 verwüstete Wirbelsturm Bhola die Küstenregion des Landes,
das damals noch Ostpakistan hieß. Über 3 Mio.
Menschen waren betroffen, mehr als 300.000
Menschen verloren ihr Leben. Wer stark genug
war zu gehen, wanderte aus.
Heute befindet sich auf einer aufgeschütteten Fläche in Dhaka ein großes Armenviertel,
der Bhola Slum. In diesem leben mehrere Tausend Menschen. Wenn im wärmeren Klima die
Zyklon-Aktivität und -stärke im Golf von Bengalen zunehmen, werden diese Wetterextreme
auch immer mehr Menschen in die Flucht treiben. In Dalbanga South, einem Ort im Süden
des Landes, der häufig von Zyklonen getroffenen wird, musste gerade ein exponierter Teil
der Ortschaft offiziell aufgegeben werden.
Afrika und der Klimawandel –
Flucht nach Norden?
Der afrikanische Kontinent stand mehrfach
im Mittelpunkt größerer Untersuchungen zu
Migration. Das Ergebnis: Auch ohne den Klimawandel ist ein starkes Wachstum von Migrationsbewegungen schon heute vorprogrammiert.
Denn das komplexe Zusammenspiel von politischen, demographischen und ökonomischen
Gegebenheiten führt zu einer steigenden Abwanderungsbereitschaft (Push-Faktoren). So veranschaulicht ein Blick auf die Weltkarte der als
fragil klassifizierten Staaten des Fund for Peace,12
dass die Verhältnisse auf dem afrikanischen
Kontinent besonders besorgniserregend sind.
2017 wurde die überwältigende Mehrheit der
afrikanischen Länder als instabil eingestuft, 5
davon gleich mit der höchsten Alarmstufe: Somalia, die Demokratische Republik Kongo, die
Zentralafrikanische Republik, der Sudan und
der Südsudan. Weltweit sind nur noch Syrien
und der Jemen auf dieser sehr kritischen Stufe.
Die Länder haben mit schlimmen humanitären
Krisen zu kämpfen. Verknüpft man die Karte
mit Geburtenraten,13 sind starke Korrelationen,
welche die Situation verschärfen, erkennbar.
Die durchschnittliche Geburtenrate in Afrika
ist fast dreimal so hoch wie die in Europa. Hinzu kommt ein im globalen Vergleich auffällig
niedriger Entwicklungsstand (Human Development Index, HDI).14 Der HDI berechnet sich

aus der Lebenserwartung, der Dauer der Ausbildung und dem Bruttonationaleinkommen pro
Kopf, er ist ein wichtiger Gradmesser. Es verwundert nicht, dass der G20-Gipfel von Hamburg im Juli 2017 großteils den Herausforderungen in Afrika gewidmet war.
Wie gesagt ist es grundsätzlich schwer, politische, ökonomische und umweltbedingte Migration zu trennen. Es liegt aber auf der Hand,
dass Klimastress als Push-Faktor den Wegzug
von Menschen aus fragilen Staaten beschleunigen dürfte. Große Dürren, wie 2010 am Horn
von Afrika oder 2015/16 in Malawi, zehren
ganze Regionen aus und richten erhebliche
humanitäre und ökonomische Schäden an. In
Ägypten findet sich ein gutes kausales Beispiel
für zukünftige Klimamigration. Das Nildelta ist
die wichtigste Region des Landes für Landwirtschaft und die Versorgung der Menschen. Steigt
der Meeresspiegel im Laufe dieses Jahrhunderts
um etwa einen Meter an, so werden rund 15 Prozent des bewohnbaren Landes überflutet oder
Ackerland wegen der Versalzung nicht mehr
nutzbar und etwa 6 Mio. Menschen in die
Flucht gezwungen. Es ist schon heute absehbar,
dass sich dann auch starke Migrationsbewegungen auf die nördlich angrenzenden Regionen –
besonders die Länder der EU – ergeben werden.
TRIEBKRÄFTE FÜR MIGRATION –
UMWELTFAKTOREN HOCH IN KURS
Beleuchtet man die Triebkräfte für Migration aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit mit
ihren Säulen „ökologisch, ökonomisch, sozial“,
so zeigt sich nach einer großen Studie der britischen Regierung von 2011 (Foresight-Studie:
Migration and Global Environmental Change),15
dass Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Aspekte wie Ernährungs- und Trinkwassersicherheit, Agrarproduktivität, Bewohnbarkeit
oder die Exposition gegenüber Naturgefahren
werden als wichtiger eingeschätzt als ökonomische Faktoren (Beschäftigungsmöglichkeiten,
Einkommen, Erzeuger- und Verbraucherpreise).
Soziale Faktoren (Bildung, Heiratsmigration etc.)
fallen in der Studie deutlich ab. Selbst politische (z. B. Diskriminierung, Regierungsführung,
Unsicherheit) und demographische Faktoren
(z. B. Bevölkerungsdichte, -struktur) werden in
der Foresight-Studie nicht so hoch bewertet.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

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THOMAS LOSTER / SARAH STINGL

Bei der Migrationsursache spielen UMWELTFAKTOREN eine größere Rolle als ökonomische
oder soziale Aspekte.

KLIMAMIGRATION –
TEMPORÄR ODER FÜR IMMER?
Es ist nicht leicht, das Gewicht des Umweltfaktors in der Migration festzumachen. Wichtig ist es, zwei verschiedene Ursachentypen zu
unterscheiden: Plötzlich oder schockartig auftretende Ereignisse (sudden-onset events) wie
etwa Sturzfluten, Erdrutsche oder Wirbelstürme
und die schleichenden Ereignisse (slow-onset
events), wie etwa Desertifikation oder Meeres-

spiegelanstieg. Auch ist nicht sicher, ob Umweltmigranten unwiederkehrbar umsiedeln –
wie im Fall des Bhola-Zyklons – oder ob sie
einige Zeit nach dem Ereignis zurückkehren.
Eine Untersuchung der Bewegungsmuster nach
Hurrikan Katrina 2005 in New Orleans in den
USA belegte, dass auch nach langer Zeit Teile
der „Wetterflüchtlinge“ nicht wieder in ihren
Heimatort zurückkehrten.16 Gehen wegen des
Meeresspiegelanstiegs ganze Küstenräume verloren, wie das in Bangladesch absehbar ist, ist
eine Rückkehr ohnehin nicht möglich.
Umweltmigration tritt also in unterschiedlichster Form auf, je nachdem, wie groß die
Magnitude des auslösenden Ereignisses ist (siehe
Abb. 2). Es gibt gewollte, beispielsweise saisonale Arbeitermigration, ein längerfristiges Wegziehen mit Rückkehr oder eine Flucht ohne
Wiederkehr, dann, wenn die Heimat zerstört
oder verloren ist.

Abbildung 2: Migrationsmuster von Flüchtenden

Das Ausmaß und die Art einer
Katastrophe sind für entstehende Migrationsmuster ausschlaggebend. Bei kleineren
Ereignissen – etwa bei Stürmen – oder bei Arbeitsmigration kehren die Migranten
meist zurück an den Heimatort. Bei Großkatastrophen ist
dies ungewiss, denn Vertriebene lassen sich auch in
anderen Regionen nieder.
Bei massiven Veränderungen
durch den Klimawandel – wie
bei einem Meeresspiegelanstieg oder bei Wüstenbildung – können die Lebensgrundlagen oder die Heimat
für immer zerstört werden.
Eine Rückkehr ist unmöglich.

Quelle: Warner, Koko: People on the move, in: Positionen Dialogforen 2017, hrsg. von der Münchener Rück Stiftung,
München 2017, S. 13.

12

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

CLIMIGRATION – UMWELTBEDINGTE MIGRATION ALS HERAUSFORDERUNG

FAZIT UND AUSBLICK
Exakte Zahlen oder Prognosen für die Zukunft zu Klimamigration können wegen der
Dynamik aller beteiligten Parameter nur schwer
abgegeben werden. Dennoch kursieren bereits
zahlreiche Aussagen dazu. Laut Greenpeace
sind heute bereits mehr als 20 Mio. Menschen
wegen der Auswirkungen des Klimawandels
auf der Flucht.17 In den nächsten 30 Jahren sollen es laut der Umweltorganisation ca. 200 Mio.
sein. Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban
Ki-moon prognostizierte 2009, dass es in den
nächsten Jahren bis zu 350 Mio. Klimaflüchtlinge gebe. Wie viele es am Ende tatsächlich
sind, ist offen.
Wir wissen aber heute schon, dass die Anzahl der umweltbedingten Migranten im Zuge
des Klimawandels sehr stark anwachsen wird.
Steht den Menschen sprichwörtlich das Wasser
bis zum Hals, so wird die Staatengemeinschaft
sicher einspringen und Nothilfe leisten. Diese
These ist gut belegt angesichts der Reaktionen
nach Großkatastrophen (sudden-onset events)
wie den Fluten in Mosambik (2000), dem Tsunami in Asien 2004 oder dem Erdbeben von
Haiti 2010. Menschen in Not werden dann in
letzter Sekunde gerettet und in Notunterkünfte
umgesiedelt. Auch bei Migration werden die
Menschen aufgenommen, teilweise kontingentiert, wie in Neuseeland. Es stellt sich die Frage, ob sie nach dem Verlust ihrer Heimat und
ihres sozialen Umfelds – egal aus welchem
Grund – menschenwürdig und gesellschaftsverträglich untergebracht und in neue Strukturen
richtig integriert werden.
Wenn Migrationsmanagement nachhaltig
gelingen soll – im vollem Sinn der Aspekte ökologisch, ökonomisch und sozial –, dann müssen
die Anzeichen, die wir heute schon sehen, auch
früh ernstgenommen werden. Wo wir wissen,
dass Migration erfolgen wird, müssen vorausschauend und früh passende, auch rechtliche
Rahmenbedingungen geschaffen werden. Entscheider in Ländern und die internationale Staatengemeinschaft müssen alle Hinweise aufgreifen,
ernst nehmen und gut koordiniert behandeln.
Wenn dies gelingt, dann führen umweltbedingte
Migration und Klimaflucht trotz der damit verbundenen Herausforderungen zur gelungenen
Anpassungsstrategie und nicht zum Problem.

||

THOMAS LOSTER, DIPL-GEOGR.
Geschäftsführer Münchener Rück Stiftung,
München

||

SARAH STINGL
cand. M.A. International Humanitarian Action,
NOHA, Uppsala Universitet, Uppsala / Schweden

ANMERKUNGEN
1

2

3

4

5

6

7

8

http://www.iom.int/newsdesk/20160922, Stand:
26.9.2017.
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Pub
likationen/Migrationsberichte/migrationsbericht2011.pdf?__blob=publicationFile, Stand: 25.9.2017.
Schmid, Susanne: Afrikas Migrationspotenzial, in:
Argumentation Kompakt der Hanns-Seidel-Stiftung
14/2016.
http://www.unhcr.org/576408cd7.pdf,
Stand:
26.9.2017.
http://www.unhcr.org/dach/de/services/faq/faqfluechtlinge, Stand: 25.9.2017.
https://www.tdh.de/fileadmin/user_upload/inhalte/
10_Material/Diverses/un_leitlinien_binnenvertrei
bung_deutsch_e-cn4-1998-53-add2.pdf, Stand:
25.9.2017.
http://unfccc.int/resource/docs/2010/cop16/eng/07
a01.pdf#page=4, Stand: 25.9.2017.
http://www.ccema-portal.org/article/read/each-forproject-publications, Stand: 25.9.2017.

9

https://www.gov.uk/government/uploads/system/
uploads/attachment_data/file/287717/11-1116migration-and-global-environmental-change.pdf,
Stand: 25.9.2017.

10

http://www.monde-diplomatique.de/karten/view.
php?id=354, Stand: 25.9.2017.
http://www.wbgu.de/fileadmin/user_upload/wbgu.
de/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgut
achten/jg2007/wbgu_jg2007.pdf, Stand: 25.9.2017.
http://fundforpeace.org/fsi/, Stand: 25.9.2017.

11

12
13

14

http://www.laenderdaten.de/bevoelkerung/geburten
rate.aspx, Stand: 25.9.2017.
http://hdr.undp.org/en/countries, Stand: 25.9.2017.

15

https://www.gov.uk/government/uploads/system/
uploads/attachment_data/file/287717/11-1116migration-and-global-environmental-change.pdf,
Stand: 25.9.2017.

16

https://pqdtopen.proquest.com/doc/919025308.ht
ml?FMT=ABS, Stand: 25.9.2017.

17

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.
de/files/publications/20170524-greenpeace-studie-kli
mawandel-migration-deutsch.pdf, Stand: 25.9.2017.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

13

SCHRITTE DER STAATENGEMEINSCHAFT
ZUM SCHUTZ KLIMABEDINGTER MIGRANTEN
UND VERTRIEBENER
VERA KÜNZEL || Der Klimawandel bedroht die Existenzgrundlage vieler Menschen, gerade im globalen Süden. Klimafolgen können Lebensräume unbewohnbar machen und die betroffenen Menschen
kurzfristig oder permanent zum Verlassen ihres Heimatlandes zwingen. Ihr Schutz ist in dieser
Situation nicht gesichert. Diese Herausforderung ist u. a. mit dem Pariser Klimaabkommen auf der
internationalen politischen Ebene erkannt worden, bestehende Lösungsansätze müssen aber dringend weiterentwickelt werden.

KLIMAFOLGEN BEEINTRÄCHTIGEN
LEBENSBEDINGUNGEN
Die Auswirkungen des Klimawandels stellen
die Menschen insbesondere in stark betroffenen Weltregionen wie Küstenregionen in Bangladesch, kleinen Inselstaaten im Pazifik oder von
Dürren geplagte Gebiete in Subsahara-Afrika
vor große Herausforderungen. Extremwetterereignisse wie Stürme, Überflutungen und Dürren sowie langsam fortschreitende Ereignisse
wie der Anstieg des Meeresspiegels bedrohen die
Existenzsicherung. Verwüstungen, aber auch andere sich schrittweise vollziehende Verschlechterungen wie die Versalzung von Böden und der
Verlust von Frischwasser, können die Befriedigung der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse unmöglich und ganze Lebensräume unbewohnbar machen. In der Folge ist die Sicherung
ihrer grundlegenden Menschenrechte wie das
Recht auf Nahrung, Wasser und Wohnen nicht
mehr gewährleistet.
Für die betroffenen Menschen und Gemeinden bedeutet dies im schlimmsten Fall, dass
sie ihre Lebensorte verlassen müssen. Jene, die
ohnehin sehr verletzlich sind wie beispielsweise
arme, sehr junge oder alte und kranke Menschen, sind überproportional von dieser Herausforderung betroffen. Gerade auf sie wirken

die Klimafolgen sehr direkt – sie leben bspw.
von Subsistenzwirtschaft und können Ernteverluste nicht ausgleichen.
Natürlich sind die Gründe für Migration und
Vertreibung nie nur auf eine einzelne Ursache
zurückzuführen. Doch sind die (klimabedingten) Umweltveränderungen hier oft ein wichtiger Faktor im Geflecht von sozio-ökonomischen, zunehmend aber eben auch ökologischen
Ursachen – immer häufiger sind sie der letzte
Auslöser.

EXTREMWETTEREREIGNISSE nehmen in
Wahrscheinlichkeit und Heftigkeit deutlich zu.

Eine Vorhersage über das Ausmaß der betroffenen Menschen zu machen, ist schwierig.
Als Orientierung können aber die Zahlen des
Internal Displacement Monitoring Centres dienen. Ihren Untersuchungen zufolge wurden
alleine im Jahr 2016 weltweit 24,2 Mio. Men-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

15

VERA KÜNZEL

schen durch Extremwetterereignisse vertrieben –
dreimal so viele wie jene durch Konflikte.1 Auch
wenn ein einzelnes Ereignis nicht eindeutig dem
Klimawandel zugeordnet werden kann, so nehmen diese aber durch einen fortschreitenden
Klimawandel in ihrer Wahrscheinlichkeit und
Heftigkeit deutlich zu, sodass zukünftig auch
die Zahl der Menschen wächst, die von den
Auswirkungen betroffen sein werden.
Auch der Weltklimarat „Intergovernmental
Panel on Climate Change“(IPCC), der als wissenschaftliches Gremium die internationalen
Klimaverhandlungen begleitet, sieht Migrationsbewegungen als eine der gravierendsten Folgen
des Klimawandels für den Menschen.
Einen Fall besonderer Härte in der Debatte
um klimabedingte Migration und Vertreibung
stellen sogenannte „trapped populations“ dar.
Sie können sich aufgrund fehlender Kapazitäten oder körperlicher Verfassung nicht aus den
unsicheren und teilweise lebensbedrohlichen
Situationen befreien und ihre Wohnorte verlassen. Sie sind gezwungen zu bleiben, obwohl die
Migration für sie die angemessenste Umgangsform mit Klimafolgen wäre.

Der Weltklimarat schätzt Migrationsbewegungen als eine der gravierendsten Folgen des
KLIMAWANDELS für den Menschen ein.

VERSCHWINDENDE STAATEN?
Für kleine Inselstaaten, die bei der diesjährigen Klimakonferenz der Vereinten Nationen
durch den Konferenzvorsitz2 des Pazifik-Staates
Fidschi im Fokus stehen, ergibt sich eine besondere Problemkonstellation durch die Bedrohungen des Klimawandels. Aufgrund ihrer Höhe
von nur wenigen Metern über dem Meeresspiegel führt ein Anstieg dessen zu fundamentalen
Herausforderungen. Eine vollständige und permanente Überflutung könnte zum „Verschwinden“ der Inseln und damit des Staatsterritoriums führen und die Bevölkerung ins Exil treiben. Eine mögliche Folge ist die Auflösung des

16

Staates und die Staatenlosigkeit seiner Bürger.3
Ein solcher Fall ist völkerrechtlich beispiellos.
Doch lange bevor das Territorium versinkt, wird
es unbewohnbar: Küstenerosion bedroht Häuser und Siedlungen, das Eindringen von Salzwasser minimiert die Verfügbarkeit von Frischwasser, Böden versalzen, Landwirtschaft wird
zunehmend unmöglich und führt zu Importabhängigkeit für Trinkwasser und Nahrung. Die
Versauerung der Meere (ebenfalls eine Folge des
sich erwärmenden Meerwassers) zerstört marine
Ressourcen und beeinträchtigt den Fischfang.
Die Existenzsicherung wird unmöglich. Mit
dem Untergang der Inseln entstünde auch ein
enormer ökonomischer Schaden: das Küstenmeer als staatliches Hoheitsgebiet ginge verloren, Fischereirechte und andere Nutzungsanspruche würden erlöschen. Die Regierung von
Kiribati hat bereits versucht, sich auf diese Gefahren einzustellen und Land auf Fidschi erworben. Zunächst zum Anbau von Agrarprodukten. Auch die Umsiedlung der Bevölkerung ist
denkbar, aber mit fundamentalen Herausforderungen durch große Vorbehalte der ansässigen
Bevölkerung verbunden.
Darüber hinaus führt die Vertreibung auch
zu nicht zu unterschätzenden nicht-ökonomischen Verlusten: Sie gefährdet die Aufrechterhaltung der Kultur der Betroffenen. Gerade im
Pazifik zeichnet sich diese durch eine enge Verbundenheit zum Land aus.
International wird bereits überlegt, wie mit
drohender klimabedingter Staatenlosigkeit umzugehen ist. Skizzierte Lösungsoption in dieser
Debatte ist einerseits, dass Menschen die Staatsangehörigkeit eines anderen als ihres Heimatlandes annehmen, andererseits, dass andere Staaten
Teile ihres Territoriums abtreten und der betroffenen Bevölkerung zur Verfügung stellen – die
so ihre Staatsangehörigkeit behalten würde.4

Kleine Inselstaaten könnten durch den Anstieg
des Meeresspiegels ÜBERFLUTET werden und
die Bevölkerung staatenlos machen.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

SCHRITTE DER STAATENGEMEINSCHAFTEN ZUM SCHUTZ KLIMABEDINGTER MIGRANTEN

DIE VÖLKERRECHTLICHE SCHUTZLÜCKE
DER BETROFFENEN
Verlassen Menschen ihre Heimat, liegt ihr
Ziel in den allermeisten Fällen in der unmittelbaren Nähe – in kulturell ähnlichen Regionen.
Je nachdem, wo sich die Bedingungen als sicherer und weniger lebensbedrohlich herausstellen,
verbleiben sie dabei in ihrem Heimatland oder
überschreiten nationalstaatliche Grenzen.
Müssen sie ihr Heimatland verlassen, fallen
die Betroffenen in eine Schutzlücke. Es fehlt ein
rechtlicher Status, der ihren Schutz sichert. Die
Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), die das
Flüchtlingsrecht regelt, schützt Menschen, die
aufgrund von Verfolgung (aufgrund ihrer Rasse,
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer
bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Überzeugung) fliehen. (Klimabedingte)
Umweltveränderungen sind kein anerkannter
Fluchtgrund. Dieser Umstand erklärt auch, warum viele Experten davon absehen, den Begriff
„Klimaflüchtling“ zu verwenden. Eine einheitliche Definition existiert bisher nicht.
Die Schutzlücke zu schließen, um die Menschenrechte der Betroffenen zu sichern, ihre
menschliche Sicherheit zu gewährleisten und sie
in die Entwicklung von Lösungen einzubinden,
ist also eine dringende und nicht einfach zu lösende Aufgabe. Eine Öffnung der GFK zwecks
ihrer Erweiterung ist hierbei keine wahrscheinliche Option und zusätzlich mit vielen Risiken
für diejenigen behaftet, die bereits jetzt unter
ihrem Schutz stehen. Andere Lösungsansätze
sind daher nötig und werden bereits diskutiert.
DER KLIMAWANDEL ALS
RISIKOMULTIPLIKATOR
Auch über die Belastungen für die grundlegende Existenzsicherung hinaus verstärkt der
Klimawandel bereits jetzt bestehende Risiken und
kann Konflikte verschärfen. Eine der methodisch belastbarsten Studien zu diesem Zusammenhang unter Leitung des Potsdam-Instituts
für Klimafolgenforschung (PIK), unterstreicht
diese Wirkung. Ihr zentrales Ergebnis: Klimabedingte Naturkatastrophen erhöhen das Risiko
für bewaffnete Konflikte in Ländern mit vielen
verschiedenen ethnischen oder sozialen Gruppen. Knapp ein Viertel (23 %) aller Ausbrüche
bewaffneter Konflikte in dieser Art von Ländern

fielen zwischen 1980 und 2010 mit dem Auftreten von klimabedingten Naturkatastrophen
zusammen. Diese Ergebnisse gelten insbesondere für Länder in Zentralasien sowie Nord- und
Zentralafrika, die einerseits unter ethnischen
Spannungen und andererseits unter ihrer Verletzlichkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels leiden.5

Klimabedingte Umweltveränderungen sind laut
Genfer Flüchtlingskonvention KEIN anerkannter
Fluchtgrund.

Auch im konkreten Beispiel des syrischen
Konfliktausbruchs 2011 trugen Klimafolgen im
Vorfeld zu einer Verschärfung des Risikos bei. In
der Region herrschte laut Daten der National
Aeronautics and Space Administration (NASA)
in den Jahren 2006 bis 2011 die längste und
eine der schwersten Dürren seit 900 Jahren.6
Ein Bericht des damaligen UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Nahrung zeigt die
fatalen Folgen dieser Dürre für viele der hier
lebenden Bauern auf: Ihre Viehherden verendeten, ihrer Existenzsicherung wurde der Boden
entzogen. Versäumnisse in den ländlichen Regionen wie die Verschleppung dringend nötiger
Landreformen, einer nicht nachhaltigen Landwirtschafts- und Umweltpolitik, die z. B. zu
einer Absenkung des Grundwasserspiegels führte, kamen erschwerend hinzu, wie eine Studie
zeigt, die im Fachmagazin „Proceedings of the
National Academy of Sciences“ (PNAS) erschienen ist.7 In der Folge wanderten viele Menschen
vom Land in die Städte, wo die Kapazitäten zur
ausreichenden und fairen Versorgung der Bevölkerung ohnehin schon mehr als ausgeschöpft
waren und sich die Situation weiter zuspitzte.
Auslöser für die Flucht in andere Staaten war
letztendlich der gewaltsame Konflikt. Die Folgen des Klimawandels hatten den Studien zufolge die bestehenden Konfliktkonstellationen
allerdings weiter verschärft.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

17

VERA KÜNZEL

Es wird deutlich, dass derartige Risikokonstellationen von einem fortschreitenden Klimawandel zukünftig häufiger verstärkt werden.
POLITISCHE LÖSUNGSANSÄTZE
Um Regelungen zu finden, die den Schutz
der betroffenen Menschen stetig erhöhen und
schließlich gewähren, steht an erster Stelle, das
Phänomen zu verstehen. Menschen verlassen in
der Folge von plötzlichen Naturkatastrophen
fluchtartig, vorübergehend oder langfristig ihren
Wohnort; in der Folge schleichender Umweltveränderungen meist permanent. Die zweite
Kategorie ist noch deutlich weniger untersucht,
die Bestimmung des Zeitpunktes, ab dem eine
Abwanderung unausweichlich ist, ist schwieriger.
In den vergangenen Jahren hat die Problematik zunehmend Beachtung und Erwähnung auf
verschiedenen UN-Konferenzen (z. B. zur Reduzierung von Katastrophenrisiken,8 zur humanitären Hilfe9 und im Rahmen der Klimaverhandlungen10) gefunden.
Bereits 2010 hat das Thema „klimabedingte
Migration und Vertreibung“ Eingang in die internationalen UN-Klimaverhandlungen erhalten. Erste Zielformulierung war hier, das Verständnis, die Koordination und Kooperation in
Bezug auf klimabedingte Vertreibung, Migration
und geplante Umsiedlung zu erweitern.11 Mit
der Einrichtung des Warschau Mechanismus
(WIM) im Rahmen der Klimaverhandlungen
im Jahr 2013, der sich als zentrales Gremium
mit Schäden und Verlusten12 durch den Klimawandel beschäftigt, fand das Thema einen
festen Platz als Handlungsfeld im Arbeitsplan
des WIM. Aus dem Pariser Klimagipfel ist 2015
die Aufforderung zur Einrichtung einer neuen
Arbeitsgruppe zu Vertreibung (Task Force on
Displacement) hervorgegangen. Im Mai 2017
hat sie ihre Arbeit aufgenommen und das
Thema so noch stärker in der internationalen
Klimaarchitektur verankert. Die internationalen Experten sollen bis Ende 2018 konkrete
Empfehlungen erarbeiten, wie klimabedingter
Vertreibung vorgebeugt werden kann und wie
mit ihr umzugehen ist.
Als Pionier gilt die 2012 von Norwegen und
der Schweiz gegründete „Nansen Initiative“.13
Als erster zwischenstaatlicher – wenn auch

18

freiwilliger – Prozess hat sie sich konkret mit
Schutzmöglichkeiten für Menschen auseinandergesetzt, die aufgrund von Naturkatastrophen
im Kontext des Klimawandels vertrieben werden und dabei nationalstaatliche Grenzen überschreiten.
Konsultationen in verschiedenen Weltregionen bildeten im Rahmen der Nansen Initiative
die Grundlage, um die unterschiedlichen Herausforderungen des Problems zu verdeutlichen
und so mögliche Ansätze zur Lösung identifizierbar zu machen. Zentrales Ergebnis der Initiative ist die 2015 veröffentlichte „Schutzagenda“,14
die von über 100 Staaten unterstützt wurde. Damit ist eine wichtige Grundlage zum Schließen
der Schutzlücke gelegt worden. Sie beinhaltet
sowohl Vorschläge, wie Staaten Vertreibungen
durch Naturkatastrophen besser vorbeugen
können, als auch zum Umgang mit Menschen,
die Zuflucht suchen. Zum Beispiel durch bilaterale Lösungen, wie die zumindest zeitweise
Aufnahme von Menschen aus anderen Ländern
nach Naturkatastrophen. Die Arbeit an Ansätzen
dieser Art wird nun im Rahmen der Platform
on Disaster Displacement (PDD)15 weitergeführt. 2016 aus der Nansen Initiative hervorgegangen, hat sie sich der Umsetzung der Schutzagenda verschrieben.

Die SCHUTZAGENDA enthält Empfehlungen
zur Vorbeugung von Vertreibung durch Klimakatastrophen.

Auch im Bereich der internationalen Migrationspolitik wächst die Bedeutung des Klimawandels als bestimmender Faktor für Wanderungsbewegungen. Sie fließen bspw. in die
aktuell stattfindenden Diskussionen um einen
„Global Compact for Safe, Orderly and Regular
Migration“ der Vereinten Nationen ein, der noch
2018 verabschiedet werden soll. Die Entscheidung, einen entsprechenden Pakt abzuschließen, geht auf eine Einigung der 193 Staaten der

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

SCHRITTE DER STAATENGEMEINSCHAFTEN ZUM SCHUTZ KLIMABEDINGTER MIGRANTEN

Vereinten Nationen bei der Generalversammlung 2016 zurück.16 Zum ersten Mal wird ein
gemeinsamer Rahmen für die internationale
Kooperation im Bereich von Migration und
menschlicher Mobilität auf globaler Ebene vereinbart. Ein gemeinsames Verständnis, Prinzipien und Vereinbarungen sollen die Koordination internationaler Migration verbessern. Der
Klimawandel als Treiber von Migration und
Vertreibung war hier bereits Thema vorbereitender Konsultationen. Nun ist zu hoffen, dass
konkrete Vorschläge in den Pakt aufgenommen
werden, wie mit den Herausforderungen umgegangen werden sollte, die mit fortschreitendem
Klimawandel weiter zunehmen.
NÄCHSTE SCHRITTE ZUM SCHLIEßEN DER
SCHUTZLÜCKE
Um die Schutzlücke für klimabedingte
(Umwelt-)Migranten zu schließen, sind mit der
Nansen Schutzagenda und der Arbeitsgruppe
zu Vertreibung wichtige Grundsteine gelegt.
Entscheidend ist nun vor allem, wie Empfehlungen in konkrete Regelungen übergehen und
wie diese international verbindlich gemacht
werden können. Auch muss der Weg von Empfehlungen zur Implementierung genauer definiert werden. Um die Betroffenen besser zu
schützen, müssen alle Staaten ihren bestehenden menschenrechtlichen Verpflichtungen (z. B.
durch die von vielen Staaten unterzeichneten
UN-Menschenrechtspakte) nachkommen. Vorsorglich sind sowohl eine stärkere (finanzielle)
Unterstützung von Maßnahmen zur Anpassung
an den Klimawandel zentral, als auch für ein
besseres Klimarisiko-Management, um die Ursachen erzwungener Migration zu verringern.
Wenn das Verlassen der Heimat unabwendbar
ist, müssen die Betroffenen eingebunden werden, um Lösungsoptionen zu entwickeln.
Wichtig ist außerdem weiterhin, dass eine gute
Abstimmung zwischen den verschiedenen Prozessen stattfindet und das Thema sowohl in der
Klima- als auch in der Migrationspolitik kohärent verankert ist.
Die Grundlage für die Eindämmung des Klimawandels und somit zur Vermeidung klimabedingter Migration und Vertreibung liegt im
ambitionierten Klimaschutz. Die Beschränkung
des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich

unter 2 °C oder sogar 1,5 °C – wie im Pariser
Klimaabkommen beschlossen – ist fundamental, um das Ausmaß der Klimafolgen auf ein
bewältigbares Maß zu begrenzen. Hier klafft allerdings noch eine große Lücke zwischen dem
gegenwärtigen Emissionsniveau und den notwendigen Reduktionen.

||

VERA KÜNZEL
Referentin für Anpassung an den Klimawandel und
Menschenrechte, Germanwatch e.V., Bonn

ANMERKUNGEN
1

International Displacement Monitoring Centre:
Global report on internal displacement 2017, Genf
2017, S. 31, http://www.internal-displacement.org/
assets/publications/2017/20170522-GRID.pdf

2

Der Vorsitz der Verhandlungen wechselt jährlich,
die jeweilige Präsidentschaft der Konferenz steht im
Fokus und leitet die Verhandlungen und prägt so
ihren Fortgang. In diesem Jahr besteht die Besonderheit darin, dass die Konferenz aufgrund von Kapazitätsengpässen nicht im Land der Präsidentschaft
Fidschi stattfindet, sondern in Bonn, dem Sitz des
Klimasekretariats.

3

McAdam, Jane: „Disappearing States“, Statelessness
and the Boundaries of International Law, in: Climate Change and Displacement: Multidisciplinary
Perspectives, hrsg. von Jane McAdam, Oxford 2010.

4

UNHCR: Submission: Climate Change and Statelessness: An Overview. FCCC/AWGLCA/2009/MIS
C.5, http://unfccc.int/resource/docs/2009/awglca6/
eng/misc05.pdf, Stand: 5.10.2017.

5

Schleussner, C.-F. / Donges, J. F. / Donner, R. V.
(u. a.): Armed-conflict risks enhanced by climaterelated disasters in ethnically fractionalized countries, in: Proceedings of the National Academy of
Sciences (Early Edition, EE) 113/2016.

6

Cook, B. I. / Anchukaitis, K. J. / Touchan, R. (u. a.):
Spatiotemporal drought variability in the Mediterranean over the last 900 years, in: J. Geophys. Res.
Atmos. 121/2016, S. 2060–2074.

7

Kelley, C. P. (u. a.): Climate change in the Fertile
Crescent and implications of the recent Syrian
drought, in: Proceedings of the National Academy
of Sciences (PNAS) 11/2015, S. 3241–3246.

8

UNISDR – United Nations International Strategy
for Disaster Reduction.

9

World Humanitarian Summit.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

19

VERA KÜNZEL

10

UNFCCC – United Nations Framework Convention
on Climate Change.

11

Cancun Adaptation Framework: www.unfccc.int/
resource/docs/2010/cop16/eng/07a01.pdf, Stand:
5.10.2017.

12

Jene Klimafolgen, die auch mit Hilfe von Anpassungsmaßnahmen nicht mehr bewältigt werden
können – bspw. die Überflutung ganzer Landstriche.

13

https://www.nanseninitiative.org/, Stand: 5.10.2017.

14

http://disasterdisplacement.org/wp-content/uploa
ds/2015/02/PROTECTION-AGENDA-VOLUME1.pdf, Stand: 5.10.2017.

15

http://disasterdisplacement.org/, Stand: 5.10.2017.

16

https://www.iom.int/sites/default/files/our_work/
ODG/GCM/NY_Declaration.pdf, Stand: 5.10.2017.

20

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

UMWELTMIGRATION IN DEN USA
Historische Perspektiven auf ein aktuelles Problem
UWE LÜBKEN || Der Beitrag befasst sich mit Beispielen aus der Geschichte der USA, die aufzeigen,
dass durch Umweltveränderungen ausgelöste Bevölkerungsbewegungen eine Geschichte haben
und eine Vielzahl von Formen annehmen können. Zudem sind solche Migrationen nicht ausschließlich im Globalen Süden zu verorten, sondern in allen Teilen der Welt und eben auch in hochindustrialisierten Staaten, wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität.

UMWELT, MIGRATION UND GESCHICHTE:
EIN NEUES FELD
Warum Geschichte?
Der Zusammenhang zwischen menschlich
verursachtem Klimawandel und Migration wird
seit einiger Zeit intensiv diskutiert – sowohl in
der Forschung wie auch in der Öffentlichkeit,
aber wer denkt dabei schon an Deutschland
oder die USA? Im Mittelpunkt der Debatte stehen vor allem Länder aus dem Globalen Süden
wie Bangladesch, kleine Inselstaaten im Südpazifik und indigene communities in der Arktik.
Zeitlich werden hauptsächlich gegenwärtige und
zukünftige Entwicklungen in den Blick genommen. Was also kann eine historische Perspektive zu dieser Debatte beitragen, zumal, wenn sie
sich der Geschichte der USA zuwendet?
Ein historischer Ansatz mag auf den ersten
Blick wenig zweckmäßig erscheinen, wenn man
„Klimamigration“1 verstehen will, ist der gegenwärtige Klimawandel in seiner Geschwindigkeit und seinem gesellschaftlichen impact doch
ohne historisches Beispiel. Wenn man die Geschichtswissenschaft aber nicht als bloße magistra vitae versteht, die einfache Lehren aus der
Vergangenheit vermittelt, sondern als eine Orientierungswissenschaft, die Auskunft darüber gibt,
wie sich Gesellschaften in der Vergangenheit
mit ähnlichen, wenn auch nicht identischen Situationen auseinandergesetzt haben, dann kann

die Analyse von historischer „Umweltmigration“ dazu beitragen, gegenwärtige Phänomene
besser zu verstehen und die oft mit grobem
Pinsel gemalten Zukunftsszenarien schärfer zu
konturieren.2 Gerade die Geschichte von Naturkatastrophen wie Flussüberschwemmungen,
Hurrikanen oder Sturmfluten bietet hier ein
ideales Untersuchungsfeld. Auch wenn die einzelnen historischen Ereignisse nicht vom Klimawandel verursacht wurden, so lassen die Folgen und der Umgang damit doch Rückschlüsse
auf gegenwärtige Problemlagen zu.

Die Analyse HISTORISCHER Umweltmigration
ermöglicht, gegenwärtige Phänomene besser zu
verstehen.

Umwelt und Migration in den
Geschichtswissenschaften
Bis vor Kurzem hatten sich die beiden Subdisziplinen der Geschichtswissenschaft, die das
größte Potenzial für die Analyse von historischer
Umweltmigration aufweisen – die historische
Migrationsforschung und die Umweltgeschich-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

21

UWE LÜBKEN

te –, relativ wenig zu sagen. Zu groß war auf
beiden Seiten wohl die Furcht vor deterministischen Argumentationsmustern.3 Dabei sind die
Schnittmengen beider Felder immens. So spielten im 19. Jahrhundert Umweltfaktoren eine
bedeutende Rolle bei der Entscheidung zur
Auswanderung in die USA. Wetter und Klima,
Böden, Bewaldung, Fauna und Flora waren
prominente Themen in deutschen Auswandererratgebern, Briefen an die Zurückgebliebenen
und anderen Dokumenten, die Aufschluss über
die Zielregion geben sollten. Nach der Ankunft
in der Neuen Welt wurden die Migranten dann
oft mit einer Umwelt konfrontiert, die erstaunlich anders war als die ihnen bekannten Landschaften und als das vorher vermittelte Bild. So
war es für Siedler aus dem bewaldeten Nordwesteuropa, die zwischen Mitte und Ende des
19. Jahrhunderts in das Gebiet der Great Plains
der USA kamen, schwer, mit einer Landschaft
zurechtzukommen, in der weit und breit kein
Baum zu sehen und kaum Niederschlag zu verzeichnen war. Schließlich nahmen Migranten
immer auch Bestandteile ihrer alten Umwelt
mit auf die Reise, sei es als Erinnerung an zurückgelassene Landschaften, als Teil der kollektiven Identität einer Auswanderergruppe
oder ganz konkret in Form von unbewusst und
absichtlich mitgebrachten Pflanzen, Tieren,
Mikroben, etc.4

Das Klima spielt für Migration eine BEDEUTENDE
Rolle – selbst wenn es durch Klimaanlagen
erzeugt wird.

Darüber hinaus waren landschaftsverändernde Infrastrukturmaßnahmen selten ohne die
Hilfe von Wanderarbeitern und Migranten möglich. Dies gilt etwa für den Bau der transkontinentalen Eisenbahn in den USA in der Mitte
des 19. Jahrhunderts, die ohne die harte Arbeit
chinesischer Einwanderer kaum so schnell hätte vollendet werden können.5 Und schließlich

22

sollte Klima auch als pull-Faktor für Migration
nicht unterschätzt werden, und zwar sowohl als
natürlich vorhandene wie auch als maschinell
erzeugte Lebensumwelt. So war das moderate
Klima Floridas im 20. Jahrhundert ein wichtiger Grund für die Binnenmigration vieler amerikanischer Ruheständler in den Sunshine State.
Gleichzeitig hat der Siegeszug der Klimaanlage
(und damit die Regulierung von Mikroumwelten) das rapide Bevölkerungswachstum im Sun
Belt der USA erheblich erleichtert, wenn nicht
überhaupt erst ermöglicht.6

Desastermobilität
Innerhalb dieser Bandbreite an Beziehungen
zwischen Wanderungsbewegungen und Umweltfaktoren spielt die Vertreibung von Menschen
durch extreme Naturereignisse eine besondere
Rolle. Doch auch hier zeigt eine tiefschürfende
historische Analyse schnell, dass die Annahme
von einer „Flut“ an Klimamigranten und die
Fokussierung auf die (medienwirksame) große
Zahl zukünftiger Klimaflüchtlinge, die vor allem in der frühen Forschung populär war (die
mit Szenarien von mehreren hundert Millionen
betroffenen Menschen spielte), ein falsches Bild
erzeugt.7 Viel wahrscheinlicher ist es, dass wir
es in der Zukunft wie in der Vergangenheit mit
einer ganzen Vielzahl von Prozessen zu tun haben werden, die zudem noch sehr eng mit ökonomischen, sozialen, militärischen und kulturellen Entwicklungen verflochten sind.
Das Spektrum dieser „Desastermobilitäten“
ist dabei sehr groß und reicht von (oft kurzfristiger) Evakuierung und Flucht bis zur dauerhaften Migration, von freiwilligen Migrationsprozessen als langfristige Anpassungsstrategie
bis zur erzwungenen Umsiedlung, von grenzüberschreitenden Wanderungen bis zur Zuflucht bei Verwandten im nächsten Dorf.8 So
verließen nach Hurrikan Andrew 1992 zwar ca.
40.000 Menschen dauerhaft Miami-Dade County, die Hälfte davon zog aber in eine Gegend
nördlich von Miami, die nur eine halbe Autostunde entfernt war.9
Und schließlich spielt auch in der umweltbedingten Katastrophenmigration die historische
Dimension eine große Rolle. Das Erinnern an
und Vergessen von desaströsen Ereignissen be-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

UMWELTMIGRATION IN DEN USA

Das Erinnern und Vergessen KATASTROPHALER
EREIGNISSE beeinflusst die gegenwärtige
Vulnerabilität und Resilienz.

einflusst die gegenwärtige Vulnerabilität und
Resilienz und damit auch displacement-Effekte. Das Gleiche gilt für kulturelle Deutungsmuster von Katastrophen, in einer Gesellschaft
verankerte Mobilitätsstrategien und den Erhalt
oder die Vernachlässigung von Schutzbauten,
deren Versagen wie im Falle von Hurrikan Katrina im Jahr 2005 zu Tod, Flucht und Vertreibung
führen kann. Zudem beeinflussen über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte herausgebildete Machtverhältnisse, wie eine Stadt wiederaufgebaut wird, wer in die Lage versetzt wird, zu
bleiben bzw. wiederzukehren, und wer sein
Schicksal an einem anderen Ort suchen muss.10

Dass nur ein Teil der Anasazi migrierte, kam anscheinend aus sozio-kulturellen Gründen nicht
in Frage.11
Als die Euroamerikaner in die Region westlich des Mississippi kamen, vor allem in die
trockenen Gebiete der Great Plains und des
Südwestens der USA, wurden diese Landschaften als „Great Inland Desert“ oder als weiter
Ozean beschrieben, mithin als wertlos und von
einigen sogar als natürliche Grenze der USamerikanischen Westexpansion angesehen.12
Nach der gewaltsamen Vertreibung der Native
Americans, der Erfindung des Pfluges und vor
allem der Bewässerung weiter Teile dieser Region durch die Umleitung von Flüssen, den Bau
von Staudämmen und das Anzapfen unterirdischer Wasserressourcen wie den Ogallala Aquifer wurden die Great Plains jedoch zu einer der
produktivsten landwirtschaftlichen Regionen
der Welt.13

Die Great Plains sind heutzutage eine der
PRODUKTIVSTEN Regionen der Welt.
DÜRREN, LANDWIRTSCHAFT UND MIGRATION
Das Territorium der heutigen USA weist als
großer Naturraum die unterschiedlichsten Naturgefahren auf, an die sich die amerikanische
Gesellschaft immer wieder anzupassen hatte.
Schon die Besiedelung des Doppelkontinents
war im Grunde eine Klimamigration, denn sie
konnte erst erfolgen, als während der letzten
Kaltzeit eine Landbrücke zwischen Ostsibirien
und Alaska entstand.
Bedeutender für die Lebensumwelt vieler indigener Gruppen waren aber Dürreperioden. So
geht man heute davon aus, dass zwei extreme
Trockenzeiten erheblich dazu beigetragen haben, dass die präkolumbianischen Anasazi gegen Mitte des 12. Jahrhunderts und dann wieder am Ende des 13. Jahrhunderts die von
ihnen besiedelte Gegend im Grenzgebiet der
heutigen Bundesstaaten Utah, Colorado, Arizona und New Mexico verließen. Die mit der
Dürre einhergehende Abnahme der Niederschläge ließ nicht mehr genug Maisproduktion
für die Versorgung der ganzen Bevölkerung zu.

Die Dust-Bowl-Migration
Diese intensive Flächennutzung hatte allerdings auch eine Kehrseite. Die Böden der Southern Plains, allen voran in den Staaten Oklahoma, Kansas, Texas und New Mexico, waren
durch die jahrzehntelange intensive Nutzung
ausgelaugt. Eine schwere Dürreperiode in den
frühen 1930er-Jahren sorgte dann für endzeitartige Szenen, als Stürme die lose Erde aufwirbelten und Farmen tief im Staub versanken.
Ohnehin schon schwer angeschlagen durch die
Krise der Landwirtschaft nach Ende des Ersten
Weltkrieges, durch technische Innovationen, die
immer mehr Landwirte „freisetzten“, und einen
aggressiven Agrarkapitalismus, der auf Effizienz
und Profitabilität setzte, konnten viele Farmer
und ihre Familien ihre Felder nicht mehr bewirtschaften und zogen weg. 227.000 Menschen
verließen Kansas in den 1930er-Jahren, 440.000

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

23

UWE LÜBKEN

Oklahoma, was 18,4 % der Einwohnerzahl entsprach. Insgesamt kehrten etwa 3,5 Millionen
Menschen den Staaten der Great Plains in den
1930er-Jahren den Rücken.14

Dust-Bowl-Migration: Intensive Bodennutzung
laugte die Böden aus und Dürren zwangen
Farmer, ihr Land zu VERLASSEN.

Auch hier gilt wieder, dass längst nicht alle
Migranten die Region wegen der Dust Bowl verließen, dass genaue Zahlen schwer zu erlangen
sind und dass viele nur kurze Distanzen zurücklegten – etwa in die nächstgelegene Stadt,
das benachbarte county oder den Nachbarstaat.
Gleichzeitig gibt es aber keinen Zweifel daran,
dass die Migration von „Okies“15 und „Exodustern“ vor allem nach Kalifornien ein Massenphänomen war. Allein in der zweiten Hälfte
der 1930er-Jahre passierten fast 300.000 verarmte Menschen mit ihren klapprigen Automobilen die Staatsgrenze des „Golden State“.
Auf den Straßen der Transitstaaten New Mexiko
und Colorado war der Anblick einer Familie, die
ihr Hab und Gut auf einem Handkarren oder
in einem Auto verstaut hatte, ein alltägliches
Bild. Wie viele andere Facetten des New Deal,
so fanden auch die Dust-Bowl-Migranten ihre
künstlerische Verarbeitung – verewigt etwa in
der Prosa John Steinbecks, den Fotografien von
Dorothea Lange und den Folksongs von Woody
Guthrie.16 Der Historiker Don Worster resümiert: „... it was unmistakenly one of the most
spectacular migrations in American history“.17

PFADE UND PFADABHÄNGIGKEITEN
Die Mississippi Flut 1927
Neben Dürren hatten in den USA nur wenige Naturgefahren das Potenzial, große Wanderungsbewegungen auszulösen. Wenige Jahre
vor der Dust Bowl war es allerdings eine Über-

24

schwemmung, die massive und vielfältige Desastermobilitäten auslöste. Die Flut am unteren
Mississippi im Jahr 1927 machte etwa 700.000
Menschen temporär obdachlos, von denen etwa
die Hälfte African-Americans waren.18 Diese
erzwungene Mobilität ließ viele Plantagenbesitzer fürchten, dass die schwarzen Arbeiter die
Katastrophe dazu nutzen würden, den Süden
zu verlassen. Um diese Flucht und Migration
zu verhindern, wurden African Americans auf
vielfältige Weise dazu gezwungen, bei der Entladung von ankommenden Hilfslieferungen oder
Schutzmaßnahmen an den Deichen mitzuarbeiten und sich in die 154 Zeltstädte des Roten
Kreuzes zu begeben. Anders als die weiße Bevölkerung erhielten sie oft nur dort Verpflegung
und Kleidung.19

ÜBERSCHWEMMUNGEN trugen neben Dürren
auch in den USA immer wieder zu Flucht und
Migration bei.

Gerade weil die Unterbindung von Mobilität
der schwarzen Bevölkerung durch die weißen
Eliten des Südens in den Jahrzehnten nach dem
Ende des Bürgerkrieges eines der wichtigsten
Instrumente der rassistischen Unterdrückung
war, kreierte die Mississippiflut 1927 aber auch
Chancen. Für Tausende von African Americans
war die Flut nicht nur zusätzliche Motivation,
den Süden zu verlassen, sondern schuf auch die
dafür günstigen Gelegenheiten.20

Migrationskorridore
Die Mississippiflut im Jahr 1927 ist auch ein
gutes Beispiel dafür, dass Umweltmigration, wie
andere Migrationsformen auch, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht plan- und
ziellos stattfindet. Vielmehr folgt sie oft Pfaden,
die historisch entstanden sind, und Migrationsströmen, die bereits existieren. So war der
Exodus vieler African Americans nach der Flut

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

UMWELTMIGRATION IN DEN USA

Teil der jahrzehntelangen Great Migration, also
der Abwanderung aus den sklavereiähnlichen
Zuständen im Süden in die Bevölkerungszentren
des Nordostens, des Mittleren Westens und der
Westküste der USA. Diese Verbindung erleichterte die Auswanderung aus dem Süden trotz
aller Hemmnisse insofern, als es bereits fest etablierte Routen, familiäre Infrastrukturen, Informationen und konkrete Ziele gab.
In kleinerem Rahmen lässt sich eine solche
„Migration innerhalb einer Migration“ auch
zwischen Louisiana und Houston konstatieren.
Die texanische Stadt wurde im Gefolge des ersten großen Ölfundes in Texas im Jahr 1901 zu
einem Magnet für Menschen aus der gesamten
Region, die Arbeit in den Raffinerien suchten
und fanden. Für Creoles of Color21 wurde der
Stadtteil Frenchtown seit der Jahrhundertwende
zum Anlaufpunkt. Diese etablierte Route wurde
nicht nur 1927 zum Pfad aus der Katastrophenregion hinaus, sondern auch 2005, als Hurrikan
Katrina die Golfregion um New Orleans verwüstete.22

Migrationshindernisse
Das Vermächtnis der Katastrophengeschichte einer Region erzeugt allerdings nicht nur
Korridore, die aus den betroffenen Gebieten
hinausführen, es kann auch Flucht-, Evakuierungs- und Migrationswege verstellen. Die Wirkung von Hurrikan Betsy 1965 war in dieser
Hinsicht gleich doppelt verhängnisvoll. So hielt
sich unter der afroamerikanischen Bevölkerung
in New Orleans nach 1965 jahrzehntelang das
Gerücht, das Ingenieurskorps der US-Armee
hätte gezielt bestimmte Deiche gesprengt, um
schwarze Viertel von New Orleans zu fluten und
so weiße Nachbarschaften zu schonen. Nach
Craig Colten und Amy Sumpter war die Nichtbeachtung dieses Misstrauens gegenüber den
Behörden mit dafür verantwortlich, dass Aufrufe
zur Evakuierung vor Hurrikan Katrina missachtet wurden.23 Ein weiteres „Erbe“ von Betsy war
die Umstellung der Evakuierungsplanungen
vom öffentlichen Nahverkehr auf den privaten
Automobilverkehr. Dies hatte zur Folge, dass
Tausende Bewohner von New Orleans, die
kein Auto besaßen, die Stadt gar nicht verlassen konnten, als Katrina sich näherte.24

URBANE TRANSFORMATIONEN
Die Auswirkungen, die Naturkatastrophen
auf den urbanen Raum und insbesondere auf
die Bevölkerungszusammensetzung einer Stadt
haben, sind oft nicht sofort erkennbar. Dass
Städte nach Naturkatastrophen komplett verlegt werden, ist in der Moderne eher die Ausnahme. Valdez in Alaska wurde nach dem Erdbeben von 1964 auf stabilerem Untergrund wiederaufgebaut, die Kleinstädte Shawneetown und
Valmeyer in Illinois nach Überschwemmungen
des Ohio River 1937 und des Mississippi 1993
wenige Meilen entfernt auf höheren Grund verlegt.25 Vielmehr gleicht der Effekt, den Ereignisse wie Fluten oder Erdbeben auf Städte haben,
auf den ersten Blick oft der Landschaft in einer
Schneekugel, die nach dem Schütteln wieder an
ihren Ausgangszustand zurückkehrt. Tatsächlich werden viele Städte nach Katastrophen erstaunlich oft fast vollständig wiederaufgebaut.
Doch genau wie bei der Schneekugel befindet
sich auch hier nicht notwendigerweise jedes
Element an seinem alten Platz.

Auswirkungen, die Naturkatastrophen auf die
BEVÖLKERUNGSZUSAMMENSETZUNG einer Stadt
haben, sind oft nicht sofort erkennbar.

Die Katastrophe als willkommene Gelegenheit
Immer wieder wurden Naturkatastrophen
für Maßnahmen der Stadtentwicklung instrumentalisiert – ein Phänomen, das viele Städte
am Ohio River nach der „Jahrtausendflut“ 1937
erfuhren. In Cincinnati kam die Flut den Stadtplanern entgegen, die die „slums“ in Flussnähe
beseitigen und die Gegend autogerecht modernisieren wollten. Die zentral gelegenen Wohngegenden in den Niederungen am Ohio wurden
de facto aufgegeben. Hier lebten die Einwohner
von geliehener Zeit, wie eine lokale Tageszeitung 1952 festhielt. Früher oder später würden
sie gehen müssen.26 Die Einwohnerzahl an der

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

25

UWE LÜBKEN

„Central Riverfront“ sank in der Tat von etwa
6.000 Menschen um die Jahrhundertwende auf
nur noch 120 in den 1960er-Jahren. Diese Entwicklung war natürlich nicht nur das Ergebnis
der Überschwemmung, die Katastrophe fungierte aber als ein willkommenes Instrument für
den Umbau der Stadt. Ähnliches ließ sich in
Louisville, Kentucky beobachten. Dort wurden
Teile von The Point, Heimat einer raubeinigen
Bevölkerung und von Kesselfabriken, Gerbereien, Schrottplätzen und Müllhalden, die den
lokalen Eliten ein Dorn im Auge waren, nach
derselben Flut in einen Park verwandelt. In
Frankfort, der Hauptstadt des US-Bundesstaates
Kentucky, läutete die Flut des Kentucky River
den Niedergang von Crawfish Bottom ein, ebenfalls eine Gegend, in der primär Arbeiter wohnten.27
In Vanport, Oregon, war die Ausgangslage
eine andere, weil die Stadt erst 1943 als riesige
Siedlung für die Arbeiter in den kriegswichtigen
Industrien, allen voran der Kaiser Shipbuilding
Company, errichtet wurde. Eingepfercht zwischen der Stadtgrenze Portlands und dem Columbia River wurde Vanport 1948 komplett
überflutet, zerstört, und nicht wieder aufgebaut.
Zwar lebten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr
40.000 Menschen in Vanport, wie noch zu
Kriegszeiten, doch mussten immer noch 18.000
Flutopfer eine neue Bleibe finden, darunter viele
African Americans. Die Stadtregierung weigerte
sich, diesen „Flutflüchtlingen“ die noch existierenden „public housing facilities“ in den anderen Teilen der Stadt zur Verfügung zu stellen, so
dass den Vertriebenen nur die Wahl blieb, sich
in dem kleinen, vor allem von Afroamerikanern
bewohnten Stadtteil Albina eine Unterkunft zu
suchen oder die Stadt ganz zu verlassen.28
Zukünftige Herausforderungen
Wo liegen heute also die größten Vulnerabilitäten der USA in Bezug auf durch Umweltfaktoren ausgelöste Migrationen? Zum einen im
trockenen Westen des Landes, v. a. in „Wüstenmetropolen“ wie Phoenix oder Las Vegas. Die
letzte große Dürre von 2011 bis 2016 hat gezeigt, dass nur durch teils drastische Anpassungsmaßnahmen die Wasserversorgung großer
Teile der Bevölkerung in Kalifornien, Arizona
oder Nevada aufrecht zu erhalten war. Es ist

26

kaum vorstellbar, dass sich das immer noch
beachtliche Wachstum innerhalb des Sun Belts
bei zunehmender globaler Erwärmung aufrecht
erhalten lässt.
An der Atlantikküste und im Golf von Mexiko sind die größten Probleme der Meeresspiegelanstieg, die Subsidenz der Küstenregionen
etwa in Louisiana oder in der Chesapeake Bay
und die Bedrohung durch Tropenstürme und
Hurrikane bei ebenfalls stetiger Zunahme von
Bevölkerung und wirtschaftlichem Schadenspotenzial in der gefährdeten Region. Abwanderungstendenzen entstehen dabei nicht nur durch
die unmittelbaren Schäden nach Naturkatastrophen, sondern auch durch immer größere
finanzielle Schwierigkeiten beim Wiederaufbau,
etwa wenn, wie nach Hurrikan Sandy 2012, die
Prämien für die staatlich unterstützte Überschwemmungsversicherung um bis zu 25 % erhöht wurden.29
FAZIT
Der anthropogene Klimawandel wird in den
nächsten Jahrzehnten Menschen auf der ganzen Welt mobilisieren – allerdings nicht nur,
wie oft behauptet und befürchtet, in Form von
großen Wanderungsbewegungen, sondern auch
durch eine ganze Vielzahl an Disastermobilitäten. Zu deren Verständnis trägt ein historischer
Ansatz bei, indem er die Motive von Umweltmigranten kontextabhängig untersucht, die
Interaktion verschiedener Entstehungsgründe
von Migration erklärt, auf mögliche Pfade und
Migrationshemmnisse hinweist und auf potenzielle Folgen aufmerksam macht.

||

PROF. DR. UWE LÜBKEN
Professor für Amerikanische Kulturgeschichte
am Amerika-Institut der Ludwig-MaximiliansUniversität München

ANMERKUNGEN
1

Klimamigration und Umweltmigration bezeichnen
in diesem Text nicht nur die umweltbedingte, großräumige Migration einer hohen Anzahl an Menschen, sondern die Vielfalt der Wanderungs- und
Entortungsprozesse, die durch massive Klima- bzw.
Umweltveränderungen ausgelöst werden.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

UMWELTMIGRATION IN DEN USA

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Lübken, Uwe: Historia Magistra Vitae, as the Saying
Goes. Why Societies Do not Necessarily Learn from
Past Disasters, in: Learning and Calamities. Practices,
Interpretations, Patterns, hrsg. von Heike Egner,
Marén Schorch und Martin Voss, New York 2014,
S. 112-122.
Hulme, Mike: Reducing the Future to Climate: A
Story of Climate Determinism and Reductionism, in:
Osiris 26/2011, S. 245-266.
Sheng, Fei: Environmental Experiences of Chinese
People in the Mid-Nineteenth Century Australian
Gold Rush, in: Global Environment 7-8/2012, S. 99127; Coates, Peter: American Perceptions of Immigrant and Invasive Species: Strangers on the Land,
Berkeley 2007.
White, Richard: Railroaded: The Transcontinentals
and the Making of Modern America, New York
2010, Kapitel 7.
Arsenault, Raymond: The Cooling of the South, in:
Wilson Quarterly 8/3/1984, S. 150-59.
Lübken, Uwe: Chasing a Ghost? Environmental
Change and Migration in History, in: Global Environment 9/2012, S. 5-24 (7-8).
Grame, Hugo: Environmental Concerns and International Migration, in: International Migration Review 30/1/1996, S. 105-131.
Oliver-Smith, Anthony: Disasters and Forced Migration in the 21st Century, June 2006, http://understan
dingkatrina.ssrc.org/Oliver-Smith/, Stand: 1.10.2017.
Oliver-Smith, Anthony: Peru’s Five-Hundred-Year
Earthquake: Vulnerability in Historical Context, in:
The Angry Earth: Disaster in Anthropological Perspective, hrsg. von Anthony Oliver-Smith und Susanna Hoffman, New York / London 1999, S. 74-88.

11

Benson, Larry / Petersen, Kenneth / Stein, John:
Anasazi: (Pre-Columbian Native-American) Migrations during the middle-12th and late-13th Centuries – were they Drought induced?, USGS StaffPublished Research 750/2007, http://digitalcom
mons.unl.edu/usgsstaffpub/750, Stand: 1.10.2017.

12

Culver, Lawrence: The Desert and the Garden:
Climate as Attractor and Obstacle in the Settlement
History of the Western United States, in: Global
Environment 9/2012, S. 130-159.

13

Reisner, Marc: Cadillac Desert. The American
West and its Disappearing Water, New York 1986;
Opie, John: Ogallala: Water for a Dry Land: A Historical Study in the Possibilities for American Sustainable Agriculture, Lincoln, NE 1993.

14

Worster, Donald: Dust Bowl: The Southern Plains
in the 1930s, New York 1979, S. 48. Diese Zahlen
markieren dabei die Differenz zwischen Zu- und
Abwanderung.

15

Damit waren zwar in erster Linie Dust-Bowl-Migranten aus Oklahoma gemeint. Der Begriff bezeichnet
aber im Verlauf der Dust-Bowl-Krise alle Menschen

aus den Southern Plains-Staaten, die auf dem Weg
in den Westen waren.
16

Worster: Dust Bowl, S. 44.

17

Ebd., S. 50.

18

Barry, John M.: Rising Tide. The Great Mississippi
Flood of 1927 and How It Changed America, New
York 1997, S. 417.

19

Mizelle, Richard M. Jr.: Backwater Blues: The 1927
Mississippi River Flood in the African American
Imagination, Minneapolis, MN 2014, S. 33-37.

20

Auch hier sind die Zahlen unsicher. Barry: Rising
Tide, S. 417, spricht von „tens of thousands“, an
anderer Stelle (S. 286) suggeriert er, dass von den
300.000 Betroffenen, die sich nicht in den „concentration camps“ des Roten Kreuzes wiederfanden
oder andernorts versorgt wurden, die meisten die
Region verlassen hatten. Siehe auch Mizelle: Backwater Blues, S. 101.

21

Creoles of Color war die Selbstbeschreibung von in
der Neuen Welt geborenen, zumeist freien Bürgern
afrikanischer Herkunft. Vgl. Mizelle: Backwater
Blues, S 101.

22

Ebd., S. 22-23.

23

Colten, Craig E. / Amy R. Sumpter: Social Memory
and Resilience in New Orleans, in: Natural Hazards
48/2009, S. 355-364 (360).

24

Colten / Sumpter: Social Memory and Resilience in
New Orleans, S. 360-361.

25

Coulter, Henry W. / Migliaccio, Ralph R.: Effects
of the earthquake of March 27, 1964, at Valdez,
Alaska, USGS professional paper 542-C, Washington, DC, 1966; Lübken, Uwe: Die Natur der
Gefahr: Überschwemmungen am Ohio River im
19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 2014, S. 269277; Kuhlicke, Christian: Umsiedlung und Naturrisiken – Die Umsiedlung der Gemeinde Valmeyer
(Illinois, USA) nach dem Mississippi-Hochwasser
von 1993, in: Naturrisiken und Sozialkatastrophen,
hrsg. von Thomas Glade und Carsten Felgentreff,
Heidelberg 2008, S. 311-323.

26

Cincinnati Times-Star, 16.4.1952.

27

Welky, David: The Thousand-Year Flood. The
Ohio-Mississippi Disaster of 1937, Chicago 2011;
Lübken: Natur der Gefahr, S. 258-265; Boyd, Douglas A.: Crawfish Bottom. Recovering a Lost Kentucky
Community, Lexington, KY 2011.

28

Pearson, Rudy: A Menace to the Neighborhood:
Housing and African Americans in Portland, 19411945, in: Oregon Historical Quarterly 102/2/2001,
S. 158-179 (177); Skovgaard, Dale: Oregon Voices:
Memories of the 1948 Vanport Flood, in: Oregon
Historical Quarterly 108 1/2007), S. 88-106.

29

Premiums for Federal Flood Insurance Are Set to
Rise as Much as 25 Percent, in: New York Times,
4.4.2015.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

27

BINNENMIGRATION IN BOLIVIEN –
EINE FOLGE DES KLIMAWANDELS?
RAFAEL PFISTER || Der Klimawandel macht sich auch in Bolivien bemerkbar. Inwiefern sich die
jüngsten Symptome des Klimawandels auf die Migration innerhalb Boliviens auswirken, soll im
Folgenden näher erläutert werden. Dazu werden die geographischen und historischen Grundlagen
skizziert, die für die Binnenmigration eine wichtige Rolle spielen, um danach die momentanen
Migrationsströme und deren Ursachen zu erläutern.

Bolivien ist eines der Länder, in denen die
Folgen des Klimawandels mit am deutlichsten
sichtbar sind. Die Gletscher in den tropischen
Breitengraden der Anden schmelzen schneller
als die Gletscher in anderen Breitengraden. Die
ersten Gletscher, wie zum Beispiel der Chacaltaya, bis vor wenigen Jahren Boliviens einziges
Skigebiet, sind bereits ganz verschwunden. Der
zweitgrößte See des Landes, der Lago Poopo, war
2016 vorübergehend vollständig ausgetrocknet
und in 142 der 339 Munizipien – dies entspricht ungefähr einem Landkreis – des Landes
wurde wegen akutem Wassermangel der Notstand ausgerufen. Auch in der Hauptstadt La
Paz gab es in vielen Vierteln wochenlang keine
ordentliche Wasserversorgung. Das Leitungswasser musste extrem rationiert werden, so
dass vielen Familien nur wenige Stunden in der
Woche Wasser zur Verfügung stand.
Die Prognosen für die Region sind besorgniserregend: Insbesondere die Verfügbarkeit von
Wasser im bolivianischen Hochland soll in den

Die WASSERVERSORGUNG im bolivianischen
Hochland wird immer schlechter.

Abbildung 1: Bolivienflagge am Titikakasee

Quelle: HSS.

kommenden Jahren noch schlechter werden.
Durch das Abschmelzen der Gletscher reduzieren sich die natürlichen Wasserspeicher und
durch die fortschreitende Entwaldung des Amazonasbeckens verringert sich die Menge des
verdunstenden Wassers, das die vom Atlantik
kommenden Winde normalerweise als Regenwolken bis ins bolivianische Hochland tragen,
wo diese abregnen.
Diese Umstände belasten besonders die ländliche Bevölkerung, die zum großen Teil von der
Landwirtschaft lebt und mit einer veralteten
und unzureichend ausgebauten Infrastruktur zurechtkommen muss.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

29

RAFAEL PFISTER

GEOGRAPHISCHE BESONDERHEITEN
BOLIVIENS
Der Plurinationale Staat Bolivien ist administrativ in 9 Departamentos, 112 Provinzen
und 339 Munizipien untergliedert. Aufgrund
der Lage in den Anden verfügt Bolivien über
ein beachtliches Höhenprofil mit sehr diversen
Naturräumen. Ein beträchtlicher Teil des bolivianischen Territoriums besteht aus dem so genannten Altiplano, einer Hochebene auf durchschnittlich 4.000 Metern über dem Meeresspiegel, mit den Departamentos La Paz, Oruro und
Potosí. Das Altiplano wird eingerahmt von der
Cordillera Real und der Cordillera Occidental,
zwei Ketten der Anden, deren Gipfel über
6.500 Meter aufragen. Es ist durch ein sehr arides Klima geprägt, wobei der Niederschlag fast
ausschließlich in der Regenzeit von Dezember
bis Ende März fällt. Die Gletscher der Andenkordilleren spielen dabei eine entscheidende
Rolle: Sie speichern den in den Regenmonaten
fallenden Niederschlag, geben ihn sukzessive in
Form von Schmelzwasser an die tiefer gelegenen Gebiete ab und ermöglichen somit auch in
der trockenen Jahreszeit die sparsame Nutzung
von Frischwasser für Landwirtschaft und die
Versorgung der Bevölkerung. Neben der Wasserknappheit erschwert die Höhenlage das Leben
der Bewohner und die Landwirtschaft zusätzlich. Starke Temperaturschwankungen im Tagesverlauf, extreme Sonneneinstrahlung, karge
Böden sowie der geringe Sauerstoffgehalt der
Luft lassen nur wenige Arten wie bestimmte
Knollen- und Hülsenfrüchte gedeihen.

Ausbleibender Niederschlag und hohe Temperaturschwankungen ERSCHWEREN den Anbau in
der bolivianischen Hochebene.

Die Bewohner des Altiplanos waren seit jeher
auf ein intelligentes Wassermanagement bzw.
eine auf die hydrographischen und klimatischen
Voraussetzungen ausgerichtete Landwirtschaft

30

angewiesen. Durch die Nutzung von Terrassen
und ausgeklügelten Bewässerungssystemen wurde der Anbau bestimmter Arten ermöglicht. Unter außerordentlich erschwerten Bedingungen
wie ausbleibendem Niederschlag oder außerordentlichen Temperaturschwankungen geraten
jedoch auch die spezialisierten Arten an ihre
Belastungsgrenzen.
Abbildung 2: Landkarte

Quelle: https://www.cia.gov/library/publications/resour
ces/the-world-factbook/geos/bl.html

Der bolivianische Osten dagegen, mit den
Departamentos Pando, Beni und Santa Cruz
(sowie teilweise Tarija), erstreckt sich vom Fuß
der Anden bis zu den Grenzen nach Brasilien
und Argentinien in einem weitläufigen Tiefland,
das zum Norden hin in ein tropisches Klima
mit hohen Niederschlagsmengen und einer
endemischen Regenwaldflora übergeht. Im Südosten ist das Tiefland trockener und geht in
eine Savanne über, die in der Region El Chaco
genannt wird. Auch hier gibt es den Zyklus von
Regen- und Trockenzeit, wobei aber auch in
der Trockenzeit Niederschlag fällt. Große Teile
des Departamentos Beni werden aufgrund der
vielen Niederungen und hohen Niederschlagsmengen regelmäßig überflutet.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

BINNENMIGRATION IN BOLIVIEN – EINE FOLGE DES KLIMAWANDELS?

Abbildung 3: Altiplano bei Oruro

Abbildung 4: Weinanbau in Tarija

Quelle: HSS.

Zwischen diesen zwei sehr unterschiedlichen
Naturräumen befinden sich an den Osthängen
der Anden die Valles (Täler) oder auch Yungas –
eine von imposanten Tälern und Schluchten
geprägte Gebirgslandschaft, die von 4.000 auf
ca. 300 Meter über dem Meeresspiegel abfällt
und je nach Höhe ein Hochgebirgs-, gemäßigtes
oder tropisches Klima aufweist. In dieser überwiegend gemäßigten Region liegen die Departamentos Cochabamba, Chuquisaca und Tarija,
aber auch Teile von La Paz.
Durch diese geographische Heterogenität herrschen in den verschiedenen Bereichen des Landes völlig unterschiedliche klimatische Bedingungen, die seit jeher entsprechende Anpassungsstrategien der lokalen Bevölkerung erfordern.

Der Klimawandel auf dem Altiplano bedingt
AUF DAUER Migrationsbewegungen.

Wie anfangs erwähnt, werden jedoch mittlerweile die Menschen auf dem Altiplano durch
die sich verändernden Klimabedingungen mit
zusätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert.

Quelle: HSS.

Die stärksten klimatischen Veränderungen
sind auf dem Hochland zu spüren, wo veränderte Niederschlagsmuster zu einer verringerten
Verfügbarkeit von Wasser und verstärkter Erosion führen. Es ist daher auch zu erwarten, dass
der Klimawandel besonders auf dem Altiplano
einen immer bedeutenderen Push-Faktor für
Migrationsbewegungen darstellt.
Im folgenden Kapitel wird erläutert, wie
frühere Kulturen auf dem Hochland mit den
natürlichen Gegebenheiten umgingen und was
diese für Auswirkungen auf Leben, Wirtschaft
und soziale Struktur hatten.
HISTORISCHE ENTWICKLUNG
Schon in der Frühgeschichte war das Hochland Boliviens relativ stark besiedelt, worauf bis
zu 7.000 Jahre alte archäologische Funde schließen lassen. Im Lauf der Zeit gab es verschiedene
Hochkulturen, wie die Tihuanaku-Kultur, die
Königreiche der Ayamara und, als bekanntestes
Beispiel, die Inkas. Diese Zivilisationen haben
unter anderem eine spezialisierte Landwirtschaft
mit Terrassen- und Bewässerungssystemen entwickelt, die noch heute die Grundlage für landwirtschaftliche Aktivitäten auf dem Altiplano
darstellen. Allerdings war als Folge dieser Spe-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

31

RAFAEL PFISTER

zialisierung Ackerbau nur begrenzt möglich, da
nur die wenigsten Arten in dieser Höhe gedeihen. Um also eine Ernährung jenseits von Lamafleisch und Kartoffeln zu ermöglichen, mussten
andere Produktionsstandorte gefunden werden.
Wenn man Texte über die präkolumbianische Zeit studiert, fällt immer wieder ein Prinzip auf: Um die Landwirtschaft diversifizieren
zu können, hat die Bevölkerung immer das Potenzial der einzelnen Höhenstufen genutzt. So
wurden in den höchsten Lagen über 4.000 Metern Lamas und Alpakas gehalten, am Titicacasee und in begünstigten Lagen Kartoffeln und
Bohnen angepflanzt, in den großen Tälern
wurden Mais und Gemüse und in noch tieferen
Lagen tropische Früchte angebaut. Auf diese
Weise wurde ein System etabliert, das – gemessen an der das System alimentierenden Subsistenzwirtschaft – eine relativ hohe Lebensqualität
garantierte. Durch den Austausch von Produkten und Arbeitskraft konnte die Ernährung der
Bevölkerung deutlich diversifiziert und verbessert werden. Eine schlechte Ernte z. B. in Folge
einer Dürreperiode konnte durch die Bewirtschaftung verschiedener Höhenstufen ausgeglichen oder zumindest deren Konsequenzen vermindert werden.

Die einzelnen Höhenstufen garantierten FRÜHER
eine Diversifizierung der Landwirtschaft und
somit eine gute Versorgung der Bevölkerung.

Allerdings war dafür ein soziopolitischer
Rahmen notwendig. Im Ayllu1, der kleinsten
Organisationseinheit in der traditionellen andinen Gesellschaft, konnten solche Ausfälle
nur unzureichend kompensiert werden. Daher
gab es unter der Herrschaft der Inkas ein intelligentes System der Lagerhaltung sowie Tribute
und verschiedene Formen der gemeinnützigen
Arbeit wie ayni und minka − grob beschrieben
als Arbeitsdienst für die Dorfgemeinschaft − oder
die relativ bekannte mita, eine Art Arbeitsdienst

32

für den Staat. Diesen nutzten später die spanischen Kolonisatoren, um Arbeitskräfte für den
Bergbau zu rekrutieren. Diese auf kollektivem
Denken basierenden Systeme machten die Gesellschaft widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse und ermöglichten eine bestimmte funktionale bzw. temporale Differenzierung der andinen Gesellschaft. Öffentliche Gebäude wurden
mithilfe der Bevölkerung gebaut und Familien
halfen sich gegenseitig bei der Erledigung größerer Aufgaben wie z. B. der Errichtung eines
Wohnhauses. Ausfälle in der landwirtschaftlichen Produktion wurden ebenfalls kollektiv beglichen.
Dieses kollektive Gesellschaftssystem wurde
mit der Ankunft der Spanier drastisch verändert.
Die Ayllus verloren immer mehr an Bedeutung
und an Stelle der traditionellen Organisationsformen traten zunehmend Prinzipien des modernen Europas. Um die Steuereinnahmen besser
organisieren zu können, wurden Verwaltungsstrukturen neu geschaffen und das tägliche Leben der indigenen Bevölkerung den Bedürfnissen
der Kolonisatoren entsprechend umstrukturiert.
Im Rahmen der Einführung der Encomienda
wurden große Landstriche inklusive deren Bevölkerung an Kolonisatoren vergeben, die fortan Land und Leute nach ihrem Gutdünken
verwalten konnten. Rechtlich gesehen waren
die Bewohner der Encomienda freie Menschen,
praktisch gesehen mussten sie jedoch die Anweisungen des Encomenderos befolgen, was
meist eine lebenslange Zwangsarbeit bedeutete.
Unter der Herrschaft des Vizekönigs Francisco
Toledo (1569-1581) wurden viele Verwaltungsstrukturen geographisch neu verteilt, um die
Steuereintreibung zu erleichtern. Somit wurden
in der Kolonialzeit viele der traditionellen Strukturen aufgebrochen, die das Ergebnis jahrhundertelanger gesellschaftlicher Entwicklung waren und das Leben in den ländlichen Gebieten
Boliviens ermöglicht und geprägt haben.
HISTORISCHE MIGRATIONSBEWEGUNGEN
IN BOLIVIEN
In den letzten Jahrzehnten gab es verschiedene Migrationsbewegungen, die sowohl politisch, wirtschaftlich als auch durch klimatische
Veränderungen motiviert waren. Im Rahmen
der Nationalen Revolution im Jahr 1952 wurde

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

BINNENMIGRATION IN BOLIVIEN – EINE FOLGE DES KLIMAWANDELS?

eine Landreform durchgeführt, im Zuge derer
der Osten des Landes systematisch besiedelt
werden sollte. Katalysiert durch wirtschaftliche
und staatliche Anreize, migrierten in den folgenden Jahrzenten viele Bolivianer vom westlichen Hochland in das östliche Tiefland. Dadurch sollte auch verhindert werden, dass sich
traumatisierende Gebietsverluste der Vergangenheit wiederholten, die unter anderem dadurch ermöglicht wurden, dass die betroffenen
Gebiete nur sehr dünn besiedelt waren. Vor allem der Verlust des „Gran Chaco“ an Paraguay
nach dem Chacokrieg 1935 wurde als Trauma
empfunden.
Neben der staatlich intendierten Besiedelung
des Ostens spielten allerdings auch wirtschaftliche Entwicklungen eine ausschlaggebende Rolle. Bolivien durchlebte Mitte der 80er-Jahre des
20. Jahrhunderts eine ökonomische Krise:2 Ursache war neben Missmanagement staatlicher
Unternehmen und Korruption vornehmlich ein
Einbruch des Zinnpreises am Weltmarkt. Damals wurden viele Minen stillgelegt und tausende Bergarbeiter standen ohne Einnahmequelle
da. Um ihre Familien ernähren zu können, zog
es viele in die Städte, aber auch in die ländlichen Gebiete im Osten, wo sich – wegen der
vorangegangenen Ostmigration – eine landwirtschaftliche Industrialisierung vollzogen hatte.
Die Bevölkerung im Departamento Santa Cruz
hat sich von 1950 bis 2000 von 240.000 Einwohnern auf mehr als 2 Millionen verzehnfacht.3 Ein Hotspot der Zuwanderung war auch
der Chaparé, der tropische Teil des Departamentos Cochabamba, der immer wichtiger für
die Kokaproduktion geworden war. Aufgrund
der steigenden Nachfrage nach Koka für die
Kokainproduktion hauptsächlich in Kolumbien
waren die Erwerbsmöglichkeiten für die Neuankömmlinge sehr gut und lockten weitere
Hochlandbewohner in die Region.
Bereits Mitte der 80er-Jahre traten ungünstigere Klimabedingungen als Motivation für
Abwanderung ein: „As mentioned earlier, the
response to the great drought was migration
that took two forms. For the few who gained
access to land, migration was permanent. In the
case of those who went to the cities, migration
was mainly temporary. This latter type of migration is the one that became widespread. It was

repeated in the second wave of migration and
became consolidated as a strategy of adaptation
to the changes in climate variability. The purpose of this temporary migration is to obtain
the money people need to cover family expenditure.“4

Eine erste große (West-Ost) Migrationsbewegung fand nach 1952 statt: Der Osten des Landes
sollte SYSTEMATISCH erschlossen und besiedelt
werden.

Während damals ein großer Teil der Migration lediglich temporär erfolgte, dergestalt dass
einzelne Familienmitglieder vorübergehend zum
Erwerb des Lebensunterhaltes und zur Unterstützung des immer noch auf Landwirtschaft
basierenden Familieneinkommens in urbane Zonen gingen, deuten neuere Zahlen darauf hin,
dass Migration immer mehr einen permanenten
Charakter annimmt.5
AKTUELLE MIGRATIONSBEWEGUNGEN
IN BOLIVIEN
Während die große Migrationswelle vom
Hochland in die tiefer gelegenen Landesteile
Mitte der 90-Jahre langsam abnahm, setzte sich
der Trend zur Urbanisierung verstärkt bis heute fort. Die ländliche Bevölkerung verlässt zunehmend ihre angestammten Dörfer und zieht
vorübergehend oder dauerhaft in die Städte.
Vor allem Cochabamba und Santa Cruz haben
in den letzten Jahren enorme Zuwächse erlebt.
El Alto wuchs von 2001 bis 2012 um 30 %,
Oruro um 30 %, Potosí um 32 %, Tarija um
34 %, Cochabamba um 23 % und Santa Cruz
um 29 %, während die Gesamtbevölkerung Boliviens im gleichen Zeitraum um 22 % gewachsen ist. Das zeigt, dass die wichtigsten Städte,
mit Ausnahme von La Paz, stärker wachsen als
das übrige Land. Etliche ländliche Provinzen
haben hingegen im Zeitraum von 2001 bis
2012 gar kein Wachstum oder sogar Rückgän-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

33

RAFAEL PFISTER

ge in der Bevölkerungszahl verzeichnet. So sind
beispielsweise viele Munizipien in den Departamentos Chuquisaca, La Paz und Potosí in dem
besagten Zeitraum geschrumpft. Nachdem
Aus- und Einwanderung in Bolivien eine eher
kleine Rolle spielen, zeigen diese Zahlen eine
deutliche Bevölkerungsbewegung vom Land
Richtung Stadt.6
Abbildung 5:
Der schnell wachsende Stadtrand von El Alto

Quelle: HSS.

Interessant ist auch, dass etliche Kleinstädte
im Einzugsbereich der Metropolregionen sehr
stark gewachsen sind. Beispielsweise Viacha,
Pucarani und Laja in der Nähe von La Paz oder
Montero und Warnes in der Nähe von Santa
Cruz. Die einstigen Vororte Quillacollo und
Sapaca sind mittlerweile mit der Großstadt
Cochabamba zu einer Metropolregion verwachsen. Für die Landbevölkerung sind diese Orte
besonders attraktiv, weil sie dort oft Verwandte
haben, näher an ihren Heimatdörfern leben
und ihnen das halburbane Leben vertrauter ist
als die Realität in den Großstädten selbst. Außerdem sind die Lebenshaltungskosten in diesen
urbanen Randgebieten günstiger. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass in Bolivien
eine Migrationstendenz von ländlichen in (semi-)
urbane Zentren besteht.7

Die Bevölkerung bevorzugt zunehmend
(SEMI-)URBANE ZENTREN mit besseren Lebensbedingungen als auf dem Land.

34

URSACHEN DER MIGRATION
Die Folgen des Klimawandels sind in Bolivien bereits sehr deutlich zu sehen und beeinflussen die Landwirtschaft bereits seit den 1980erJahren. „In the 1980s, Bolivia underwent a
severe drought and has since experienced a rise
in the frequency of extreme weather events, as
well as a shift in rainfall patterns.“8 Die ohnehin sensible Landwirtschaft im bolivianischen
Hochland wird mit immer schlechter werdenden Umweltbedingungen konfrontiert. Regine
Brandt hat in zwei Gemeinden in der Umgebung von La Paz Dorfbewohner befragt und
kommt zu folgendem Ergebnis: „The research
demonstrates that migration has increased in
importance as a livelihood strategy and that
rural Bolivians consider environmental factors,
social ties and economic needs together when
making these decisions.“9 Es scheint also, dass
der Klimawandel nur einer von mehreren
Gründen ist, die die Entscheidung zur Migration der ländlichen Bevölkerung beeinflussen.
Allerdings bleibt offen, ob den Befragten alle
Zusammenhänge vollständig klar sind. So führen viele die wirtschaftliche Situation an, die in
der Landwirtschaft eben auch von den klimatischen Bedingungen abhängt. Wie allerdings
schon oben erwähnt, war die Landwirtschaft
auf dem bolivianischen Altiplano nie besonders
ergiebig. Die klimatischen Bedingungen auf
4.000 Metern über dem Meeresspiegel sind
extrem und selbst mit spezialisierten Anbaumethoden lassen sich nur überschaubare Erträge
erzielen.
Ein weiteres Problem ist die Größe der verfügbaren Anbaufläche. Der Grundbesitz wird
seit der Revolution von 1952 unter den Nachkommen aufgeteilt, das bedeutet, dass die
verfügbare Anbaufläche pro Familie mit jeder
Generation kleiner wurde. Vor diesem Hintergrund fällt es vielen Familien auch ohne die
negativen Folgen des Klimawandels schwer,
ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Demgegenüber lockt die wachsende Wirtschaft in
den Ballungsräumen mit einer Vielzahl von
Arbeitsplätzen auch für ungelernte Menschen.
Allerdings sind sich die meisten bewusst, dass
eine möglichst gute Ausbildung ihren Kindern
die Tore in eine bessere Zukunft zu öffnen
vermag.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

BINNENMIGRATION IN BOLIVIEN – EINE FOLGE DES KLIMAWANDELS?

Daher ist nicht schwer nachzuvollziehen,
dass viele Familien versuchen, ihre Kinder zu
Verwandten in die Städte zu schicken, wo ihnen
im besten Fall eine höhere Bildung zukommt.
Der Umstand, dass junge Menschen die Dörfer
ihrer Eltern verlassen, weil es nur unzureichende Ausbildungs- und Einkommensmöglichkeiten gibt, ist selbst im reichen Mitteleuropa oder
anderen, vom Klimawandel weniger geplagten
Regionen zum Alltag geworden. Eine Forschergruppe um den bolivianischen Soziologen Carlos
Balderrama Mariscal untersuchte die Faktoren
für die Migrationsentscheidung. Dabei differenzierten sie zwischen den Gruppen „Erwachsene“, „junge Männer“ und „junge Frauen“. In
allen drei Gruppen war der meistgenannte
Grund das Fehlen von Einkommen bzw. zu
wenig landwirtschaftlich nutzbare Fläche.10
Allerdings werden klimatische Ursachen immer
häufiger als Grund für die Migration genannt.
Besonders in Gebieten, in denen der Klimawandel stark sichtbar ist, nehmen die Menschen die Veränderungen sehr bewusst wahr.
Das Team von Regina Brandt befragte Bauern in
Palca, einer Gemeinde nahe des Berges Illimani, der das Wahrzeichen der Stadt La Paz ist
und in den letzten Jahrzehnten mehr als ein
Drittel seiner vergletscherten Flächen verloren
hat. Die Wissenschaftler stellten fest, dass dort
der Klimawandel als Grund häufiger genannt
wurde als in anderen Gemeinden mit gleichen
klimatischen Bedingungen.11 Noch nicht überall verstehen die Bewohner den Zusammenhang
zwischen den verschlechterten Umweltbedingungen und dem Klimawandel. Allerdings verbreitet sich dieses Wissen immer mehr, auch in
Folge von zivilgesellschaftlichen und staatlichen
Aufklärungsmaßnahmen oder international geförderten Entwicklungsprojekten.
Mitunter neigen wiederum einige aktuelle
Berichte zur Vereinfachung der Zusammenhänge. Ein Artikel auf dem Portal „Inside Climate
News“ beispielsweise erzählt die Geschichte des
Dorfes Santiago de Machaca, das zur Geisterstadt wird, nachdem 2016 in Folge der Trockenheit die gesamte Quinoaproduktion eingebrochen ist.12 Allerdings muss hier angeführt
werden, dass der gesamte Quinoa-Sektor in
Bolivien eine recht dramatische Vergangenheit
hat. Nachdem Quinoa in Europa und USA als

Die mangelnde WETTBEWERBSFÄHIGKEIT der
landwirtschaftlichen Produkte ist nicht immer
auf klimatische Bedingungen zurückzuführen.

Superfood entdeckt wurde, boomte der Sektor
in Bolivien. Die Bauern investierten und spezialisierten sich. Bald fingen auch Bauern in anderen Ländern wie Peru, aber auch den USA oder
Indien an, Quinoa zu produzieren, da sie sich
hohe Gewinne versprachen. Die Produktivität
der ausländischen Erzeuger war deutlich höher
als die der bolivianischen Bauern und so konnte
das bolivianische Quinoa mit der Konkurrenz
auf dem Weltmarkt nicht mithalten. Spätestens
Ende 2014 war damit der Quinoaboom in
Bolivien vorbei und die spezialisierten Betriebe
standen vor dem Aus. Die Trockenheit 2016
war also nicht unbedingt der ausschlaggebende
Punkt für die Misere der bolivianischen Quinoabauern, sondern vielmehr die Rückständigkeit
der bolivianischen Infrastruktur und die Bindung
der bolivianischen Währung an den Dollar, die
Exporte enorm verteuert. Es war schlichtweg
die fehlende Wettbewerbsfähigkeit des bolivianischen Agrarsektors. Nachdem viele Familien
mit diesem Experiment gescheitert waren, suchten sie neue Erwerbsquellen, die oft in den
Städten gefunden wurden.
Abbildung 6:
Der Illimani von La Paz aus gesehen

Quelle: HSS.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

35

RAFAEL PFISTER

Lykke Andersen hat 2002 die Migration in
Bolivien im Zeitraum 1950 bis 2001 untersucht
und kommt zu dem Ergebnis, dass die Urbanisierung in Bolivien kein ernsthaftes Problem darstelle. Sie hebt als positiven Effekt hervor, dass
die Grundversorgung der Bevölkerung in Ballungsräumen leichter realisiert werden kann.13
Aus einer retrospektiven Betrachtung heraus
kann man sagen, dass diese Erkenntnis auch
von der Regierung während der letzten 10 Jahre
genutzt wurde. Die schwierige Erreichbarkeit vieler ländlicher Gegenden in Bolivien aufgrund
fehlender oder maroder Verkehrsverbindungen
hätte für die Verbesserung der Grundversorgung in entlegenen Gebieten weitaus mehr In-

vestitionen verlangt, als in den Ballungsräumen
erforderlich waren, um bestimmte Entwicklungserfolge zu erzielen. In den Jahren 2006 bis 2017
hat sich die Grundversorgung in Bolivien für
einen großen Teil der Bevölkerung verbessert,
an vielen ländlichen Gebieten ist diese Entwicklung jedoch leider vorübergegangen. Während die Infrastruktur in den Innenstädten der
großen Städte immer mehr europäischen Standards entspricht, fehlt es auf dem Land teilweise
noch an den einfachsten Grundlagen wie Elektrizität oder fließendem Wasser. Nicht zuletzt
spielt daher der Entwicklungsvorsprung der Ballungsräume eine große Rolle für die Migration
Land-Stadt in Bolivien.

Abbildung 7: Anteil der Haushalte mit Stromversorgung im Departamento La Paz 2001 und 2012.
In den ländlichen Regionen ist der Anteil der Haushalte mit Stromanschluss nach wie vor deutlich
geringer als in den Ballungsräumen.

Quelle: Instituto Nacional de Estadísticas de Bolivia, http://censosbolivia.ine.gob.bo/webine/content/la-paz-por-municipioscnpv-2012, Stand: 18.9.2017.

36

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

BINNENMIGRATION IN BOLIVIEN – EINE FOLGE DES KLIMAWANDELS?

Tabelle 1: Migrationsursachen

Group 1: Adults

Group 2: Young Men

Group 3: Young Women

Insufficient land

Lack of income within the family.
Farming production is only enough
for family consumption. Not enough
is produced to be able to sell it or to
pay for education or clothes.

Young women leave because there is
not enough money to pay for their
education.

Scarce production

People earn very little from the sale
of crops and animals.

Young women need clothes – that’s
why they migrate

Natural disasters:
Frost , Hail, Drought,
Torrential rain

There are years of drought and hailstorms that affect the valleys.

Insufficient land for agriculture

Subsistence

Plots of land used to be larger. Now
they are smaller and insufficient for
the family.

Parents migrate due to a lack of money or clothes.

Malnutrition

Sometimes young people are left as
orphans. This is due to the lack of
money, medical care and food.

Scarce production – only enough for
family consumption.

Westernisation

Before, irrigation wasn’t necessary as
it rained at the right time. Now, because of climate change, irrigation is
necessary. We also put chemicals on
our crops. We are more dependent on
the city.

The land is eroded by water and because of how the soil is used.

Frost and hailstorms destroy the
crops.
Quelle: Mariscal, Carlos Balderrama u. a.: Rural migration in Bolivia: the impact of climate change, economic crisis and
state policy (International Institute for Environment and Development), London 2011, S. 24.

Dass es für die Abwanderung aus ländlichen
Gebieten mehrere Faktoren gibt, zeigt auch die
Untersuchung von Mariscal und Kollegen aus
dem Jahr 2011, die besonders die Migration aus
dem nördlichen Teil des Departamentos Potosí
untersucht haben: „The catalyst for migration
from Northern Potosí was the break-up of the
vertical control of ecological levels, the economic
uncertainty caused by the mining enclave and the
devastation of the environment. These historicalstructural factors are the cause of the region's im-

poverishment. The triggers were climate change,
with the great drought of 1983-1985, and the
(neoliberal) structural adjustment policy.“14
Tabelle 1 stammt ebenfalls aus der Untersuchung von Mariscal und stellt dar, welche
Gründe von Erwachsenen, jungen Männern
und jungen Frauen genannt wurden. Hieraus
geht ebenfalls hervor, dass es verschiedene
Gründe für die Abwanderung gibt. Oft kommt
die endgültige Entscheidung erst durch die
Kombination mehrerer Ursachen zustande.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

37

RAFAEL PFISTER

EFFEKTE AUF DIE ZIELREGIONEN
Einer der wichtigsten Migrationsströme in Bolivien führt vom ruralen in den urbanen Raum.
Die wichtigsten Ziele sind La Paz / El Alto, Cochabamba und Santa Cruz. Durch das enorme
Bevölkerungswachstum sowie den Bedarf an
Frischwasser für Industrie und Gewerbe werden hier die natürlichen Ressourcen besonders
stark beansprucht. In den Fällen La Paz / El Alto
und Cochabamba gab es bereits in der Vergangenheit große Probleme mit der Wasserversorgung. Beide Städte hängen in erster Linie von
künstlich angelegten Speicherseen ab, die den
Niederschlag der Regenmonate sammeln, da
das Schmelzwasser der umliegenden Berge bei
Weitem nicht ausreicht, um die Städte in den
trockenen Monaten mit ausreichend Wasser zu
versorgen.
Bereits in der Vergangenheit kamen die genannten Städte immer wieder in Versorgungsnöte, da auch die Speicherkapazitäten nicht
ausreichten, um die Versorgung während der
trockenen Monate zu garantieren. In Verbindung mit einem steigenden Bevölkerungs- und

Wirtschaftswachstum, auch in Folge verstärkter Migration, wird es in Zukunft noch schwieriger sein, besonders vor dem Hintergrund sich
verschlechternder klimatischer Bedingungen,
eine funktionierende Wasserversorgung für alle
zu garantieren. Eine mögliche Lösung wäre,
das Wasser aus dem Umland verstärkt in die
Ballungsräume zu leiten. Das würde allerdings
die Versorgungssituation für den umliegenden
ruralen Raum weiter verschlechtern und den
Druck für die Migration in die Stadt weiter erhöhen – ein Teufelskreis.
Ein weiteres Problem der Migration in die
Metropolen ist die Ausweitung der Stadtgebiete
auf ungeeignetes Bauland. Besonders in La Paz,
das in einem engen Talkessel liegt, werden informelle Siedlungen oft an erosionsgefährdeten
Hängen konstruiert, da kein erschwingliches Bauland zur Verfügung steht. Meistens bleibt den
lokalen Autoritäten keine andere Wahl, als die
informellen Siedlungen nachträglich zu legalisieren. Bereits in der Vergangenheit kam es, besonders nach schweren Regenfällen, zu Erdrutschen und entsprechenden Unfällen.

Quelle: HSS.

Abbildung 8: La Paz Zentrum und Hangsiedlungen

38

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

BINNENMIGRATION IN BOLIVIEN – EINE FOLGE DES KLIMAWANDELS?

ANMERKUNGEN

Einer der wichtigsten Migrationsströme führt
vom ruralen in den urbanen Raum, wobei die
WASSERVERSORGUNG das größte Problem
darstellt.

KONKLUSION
Die Migration innerhalb Boliviens vollzieht
sich seit Mitte der 80er-Jahre immer stärker
von ländlichen Gebieten in die (peri-) urbanen
Zentren. Die wichtigsten Ursachen sind hierbei
der Entwicklungsvorsprung der Ballungsräume, bessere Ausbildungsmöglichkeiten, mehr
und diversifiziertere Erwerbsmöglichkeiten,
aber immer stärker auch der Umstand, dass die
klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft in den ländlichen Gegenden des bolivianischen Hochlandes immer schwieriger werden. Die beschriebenen Migrationsbewegungen
sind also nicht ausschließlich auf klimatische
Veränderungen zurückzuführen, aber nachweislich immer stärker auch von diesen motiviert. Davon ausgehend, dass sich die Erderwärmung und damit verbundene Wetterveränderungen in Zukunft weiterentwickeln, wird
auch die umweltbedingte Migration weiter zunehmen, sofern sich die Lebens- und Einkommensbedingungen der ländlichen Bevölkerung
in Bolivien nicht drastisch ändern sollten. Da
aber eine großflächige Industrialisierung des
ländlichen Raumes wenig realistisch scheint,
wird die Grundlage der Wirtschaft und damit
der menschlichen Existenz in ländlichen Regionen Boliviens auch in Zukunft auf der Landwirtschaft beruhen. Wenn diese nicht mehr
möglich ist, ist eine weitgehende Entvölkerung
des ländlichen Altiplanos wahrscheinlich.

||

1

Vgl. Arana Bustamante, Luis : Hacia una perspectiva
diacrónica y etnohistórica sobre parentesco andino,
linealidad y ayllu, in: Investigaciones Sociales
32/2014, S. 16-20.

2

Meus, Lukas: „El minero es un revolucionario“. Eine
Analyse über die gemeinsame Identität der Bergarbeiter in Bolivien im Wandel der Zeit, Diplomarbeit
Universität Wien, https://core.ac.uk/download/pdf/
11585260.pdf, Stand: 5.9.2017.

3

https://de.wikipedia.org/wiki/Departamento_Santa_
Cruz#cite_note-ine-1

4

Mariscal, Carlos Balderrama u. a.: Rural migration
in Bolivia: the impact of climate change, economic
crisis and state policy (International Institute for
Environment and Development), London 2011.

5

Die Daten stammen aus dem Census 2012 bzw. aus
Vergleichen des Census 2012 mit dem Census 2001,
erhältlich auf der Homepage des Instituto Nacional
de Estadistica de Bolivi, http://censosbolivia.ine.
gob.bo/webine/, Stand: 4.9.2017.

6

Vgl. ebd.

7

Vgl. ebd.

8

Julian, William: Climate, Economy, Family: Migration in the Bolivian Andes, 2017, http://glacierhub.
org/2017/06/21/climate-economy-family-migrationin-the-bolivian-andes/, Stand: 6.9.2017.

9

Ebd.

10

Mariscal u. a.: Rural migration in Bolivia.

11

Julian: Climate, Economy, Family: Migration in the
Bolivian Andes.

12

Walker, Ben: Climate Change Is Making This Bolivian Village a Ghost Town, https://insideclimate
news.org/news/25082017/climate-change-shocksbolivia-rural-poor-migration-agriculture-quinoa,
Stand: 6.9.2017.

13

Andersen, Lykke: Migracion rural-urbana en Bolivia:
ventajas y disventajas, in: Documento de trabajo,
12/02 (Instituto de Investigaciones Socio-Económicas, Universidad Católica Boliviana San Pablo), La
Paz 2002.

14

Mariscal u. a.: Rural migration in Bolivia, S. 19.

RAFAEL PFISTER
Büroleiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Bolivien

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

39

ÖKOLOGISCHE MIGRATION IN CHINA
Ein Impuls aus der Ländlichen Entwicklung
MELANIE KADE / SEBASTIAN KADE / MICHAEL KLAUS || Zunehmend sieht sich China mit weitreichenden Umweltproblemen konfrontiert. Im Kampf gegen Desertifikation, Degradation der Böden
und die hieraus resultierende Armut der Bevölkerung setzt die chinesische Regierung auf eine gezielte Umsiedlungspolitik. Am Beispiel Xilingol League in der Inneren Mongolei möchten wir ein Bild
von dieser Strategie zeichnen und dabei auf Erfolge und Herausforderungen eingehen. Schließlich
werden wir weitere Potenziale und nachhaltige Alternativen aus der Perspektive der Ländlichen
Entwicklung aufzeigen.

UMWELT UND MIGRATION IN CHINA
China ist ein Land der Superlative – auch
wenn wir das Thema Migration betrachten.
Unbestritten ist es das Land mit den größten
Binnenmigrationsbewegungen. In aller Regel
sind die wirtschaftlichen Zentren an der Küste
dabei Ziel der Migranten – eine Bewegung vom
Land in die Ballungsräume. Auch durch wirtschaftliche Anreize gesteuerte Migration ist dabei ein wichtiges Werkzeug in der Strategie der
Regierung in Peking. Chinesische Bauern aus
armen Provinzen machen seit Jahrzehnten als
Pioniere marginale Ackerflächen nutzbar oder
siedeln gegen Subventionszahlungen und soziale Anreize in den westlichen Provinzen. In der
wirtschaftlichen Entwicklung von abgelegenen
Regionen und zur Armutsbekämpfung wurde
diese Strategie bereits unter Mao verfolgt. So
verwundert es nicht, dass die Umsiedlung von
Bewohnern auch im Umweltschutz eingesetzt
wird.
Spätestens seit den Vorbereitungen für die
Olympiade 2008 in Peking sind einige drängende Umweltprobleme Chinas weithin bekannt.
Smog, Desertifikation und Sandstürme, Wasserknappheit und ein ungezügelter Bauboom
belasten das aufstrebende Land zunehmend.
Dabei wird vor allem eine Ressource über alle
Maßen belastet: Boden. Die wirtschaftliche
Entwicklung des noch vor 50 Jahren ärmsten
Landes der Welt schluckt enorme Mengen land-

wirtschaftlicher Nutzfläche. Gleichzeitig zehren
Wind, Wasser, Dürre und intensive menschliche Nutzung an den verbleibenden Flächen. Ein
Drittel der landwirtschaftlichen Flächen Chinas
ist bereits stark gefährdet und 28 % des chinesischen Staatsgebiets desertifiziert1 – eine Fläche sieben Mal so groß wie Deutschland. Dabei
steht China schon jetzt vor der Herausforderung, mit nur 7 % der landwirtschaftlichen
Nutzflächen 22 % der Weltbevölkerung zu
versorgen. Rund 400 Millionen Chinesen leben
dabei noch immer unmittelbar von der Landwirtschaft.

Die größten UMWELTPROBLEME Chinas
sind Smog, Desertifikation, Sandstürme und
Wasserknappheit.

Die Bekämpfung von Degradation und Desertifikation ist somit von enormer Bedeutung.
Sie trägt zudem in hohem Maße zum Schutz
gegen die bedrohlichen Sandstürme bei, die den
Norden Chinas seit Jahrzehnten heimsuchen.
Sandstürme sind zunehmend zu einem der

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

41

MELANIE KADE / SEBASTIAN KADE / MICHAEL KLAUS

größten Probleme für Peking geworden. So hatte
ein Rekordsturm 2006 mehr als 300.000 Tonnen Staub in die Stadt getragen.2 Der Gelbe
Drache, wie das im Frühling saisonal auftretende Wetterphänomen auch genannt wird,
verursacht dabei hohe wirtschaftliche Schäden.
Neben Ernteausfällen und massiven Störungen
im Flug- und Straßenverkehr ist der feine Staub
gesundheitsschädlich und kann im Extremfall
sogar Todesopfer fordern. Die Sandmassen aus
den desertifizierten Gebieten, die jährlich in
den Yangtze geweht werden, führen regelmäßig
zu Überschwemmungen und einige Sandstürme ziehen bis Korea, Japan und sogar in die
USA weiter. Zudem geht mit jedem Sturm auch
kostbarer Mutterboden aus degradierten Gebieten verloren. Desertifikation, Bodendegradation und Sandstürme treffen somit sämtliche
Gesellschaftsschichten in Nordchina, und die
hohen finanziellen Aufwendungen, die in den
Umweltschutz fließen, sind auch eine Folge
von eben dieser unmittelbaren Betroffenheit der
Hauptstadt.
Abbildung 1: Sandsturm über Peking

Quelle: Se Hasibagen, Australian Department of Foreign
Affairs and Trade, frei verfügbar unter https://www.flickr.co
m/photos/dfataustralianaid/10657582856/in/photostream/

SANDSTÜRME verursachen sekundär Überschwemmungen und Abtragung von Mutterboden.

42

BODENDEGRADATION IM NORDWESTEN
CHINAS
Über drei Viertel der Böden Nord- und
Nordwestchinas sind inzwischen von Degradation betroffen. Hauptsächlich dafür verantwortlich sind der zunehmende Wasserverbrauch
durch rasant wachsende Städte und Industrieanlagen sowie die Überweidung der trockenen
Steppen und Gebirge. Doch auch ein steter
Klimawandel mit trockeneren und wärmeren
Sommern und stürmischeren Frühjahren beschleunigt das Problem.
Die Autonome Region Innere Mongolei, entlang der chinesisch-mongolischen Grenze, liegt
im Zentrum dieser Entwicklungen. Die Region
bildet das östliche Ende der eurasischen Steppe, die sich von Ungarn im Westen bis kurz
vor Peking erstreckt. Seit Jahrhunderten weiden mongolische Hirten ihre Herden hier. Für
rund 14 % der Landbevölkerung liegt in der
Weidewirtschaft auch heute noch ihre Lebensgrundlage. Mit den starken sozio-ökonomischen Veränderungen in der Region seit den
50er-Jahren wandelte sich die Art der Landnutzung jedoch radikal. Statt der traditionellen
nomadischen Weidewirtschaft sind die meisten
Mongolen in China heute sesshaft und bewirtschaften definierte Flächen mit klar geregelten
Nutzungsrechten.
Im Zuge des starken Bevölkerungsanstiegs
unter den Mongolen (nationale Minderheiten
sind in China von der Ein-Kind-Politik ausgenommen), bei zugleich schlechter Bildung in
den abgelegenen ländlichen Gebieten, kam es
zu einem starken Zuwachs an neuen Viehhirten. Dies führte dazu, dass sich die Zahl des
Weideviehs mehr als verzwanzigfachte, bei einem gleichzeitigen Rückgang der vorhandenen
Weideflächen. Doch Steppen sind ein fragiles
und volatiles Ökosystem, das schnell an Grenzen stößt und mit intensiver Viehhaltung nicht
vereinbar ist.
Neben dem deutlichen Anstieg der Produktion in der Landwirtschaft verfügt die Innere
Mongolei über reiche Kohlevorkommen, die
immer häufiger in gewaltigen Industrieanlagen
unter immensem Wasseraufwand in die strategischen Ressourcen Benzin und Diesel umgewandelt werden. Dies ließ in den letzten Jahren
vor allem den Grundwasserpegel stetig sinken.3

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

ÖKOLOGISCHE MIGRATION IN CHINA

In der Inneren Mongolei ist das Ökosystem STEPPE
erheblich gefährdet.

Unter dem Strich ist das Ökosystem Steppe
in der Inneren Mongolei stark gefährdet. Dies
betrifft neben den mongolischen Viehhirten auch
han-chinesische Bauern, die auf dem trockenen,
marginalen Ackerland Landwirtschaft betreiben.
Weideverbote helfen den betroffenen Flächen
zwar meist, sich zügig zu erholen, erhöhen aber
auch den sozio-ökonomischen Druck, der
dabei auf die Anwohner ausgeübt wird. Diese
weichen mit ihren Herden auf nicht geschonte
Flächen aus, was meist zu einer noch stärkeren
Belastung führt.4 Gerade im Kontext der immer
häufiger auftretenden Dürren ist eine Verknappung der Weideflächen bei gleichbleibenden
Viehbeständen zudem problematisch, da keinerlei Ausweichflächen zur Verfügung stehen, um
Land und Vieh in besonders trockenen Zeiten
zu schonen. Dies beschleunigt die Desertifikation auf der einen und belastet die finanziellen
Lebensbedingungen der Hirten auf der anderen
Seite. Ein gefährlicher Nexus aus Armut und
Umweltbelastung wird so schnell zur Abwärtsspirale:5 Umweltdegradation führt zu Einkommensausfällen und Armut, was wiederum durch
verstärkte Bodennutzung zu Degradation führt.
Somit ist es in diesem Kontext sinnvoll, Maßnahmen des Umweltschutzes mit solchen der
Armutsbekämpfung zu verknüpfen.

ÖKOLOGISCHE MIGRATION ALS
STAATSSTRATEGIE
Seit über 40 Jahren kämpft die chinesische
Regierung gegen die stete Degradation und
Desertifikation. Bereits 1978 startete im Kampf
gegen die Wüste mit der Großen Grünen Mauer
das größte Aufforstungsprojekt der Menschheitsgeschichte. Doch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts stand stets die ökonomische Entwicklung weit vor der ökologischen auf der Prioritätenliste der Zentralregierung. Mit zunehmender
Verschärfung vieler Probleme wurde auch
deutlich, welche Schäden und direkten Kosten
entstehen. Seit 2000 geht die chinesische Regierung daher deutlich entschiedener gegen die
großen Umweltprobleme des Landes vor. Unter
den großen Oberbegriffen „Ecological Construction“ und „Ecological Restauration“ unternehmen die betroffenen Ministerien immense
Anstrengungen und haben eigene Programme
gegen Desertifikation und Degradation aufgenommen. So wurden bis 2010 landesweit über
500 Mrd. RMB (rund 64 Mrd. €) in diese Maßnahmen investiert.

Die Innere Mongolei führt Maßnahmen wie
Aufforstung, Weideverbote oder Umsiedlungen
zum Schutz des WEIDELANDES durch.

Abbildung 2:
Ein mongolischer Hof in den Weiten der Steppe

Quelle: Robert James Hughes; frei verfügbar unter
https://www.flickr.com/photos/rhughes411/10245067996/

Für die Innere Mongolei sind dabei drei
Programme von besonderer Bedeutung: „Beijing-Tianjin Sandstorm Source Control“, „Desertification Combating Around Beijing and
Tianjin“ sowie „Grains for Green“. Alle drei
Programme werden von der State Forestry Administration (kurz SFA) getragen, die landesweit im Bereich Bodendegradation und Desertifikation die meisten Programme verantwortet.
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Aufforstung
ein Schlüsselthema in den Bemühungen bleibt
und die SFA auch weite Teile des Ödlands
verwaltet.6

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

43

MELANIE KADE / SEBASTIAN KADE / MICHAEL KLAUS

Innerhalb der Programme in der Inneren
Mongolei kommen verschiedene Maßnahmen
zum Einsatz: Aufforstung, (saisonale) Weideverbote, Umwandlung von Weide- und Ackerflächen in Wald und Brachen, Veränderung der
Tierhaltung und großangelegte Umsiedlungen
sind dabei zentral.
Diese Umsiedlungen, die als „Ecological
Resettlement“ bezeichnet werden, sind dabei
im Sinne einer durch Anreize gelenkten ökologischen Migration zu verstehen. 1998 bis 2001
wurden die ersten Versuche mit 6.000 Teilnehmern unternommen und zügig ausgeweitet.
So war bis 2010 die Migration von 600.000
weiteren Bewohnern geplant. Um den Boden
zu schonen und eine möglichst hohe Einkommenssteigerung zur Armutsbekämpfung zu
realisieren, finden die meisten ökologischen
Migrationen vom ländlichen in den urbanen
Raum statt. Zu betonen ist, dass diese Migration freiwillig erfolgt. Die Maßnahme spricht
dabei vor allem arme Familien an, die auf eine
neue Chance in der Stadt hoffen und wird von
drei Säulen getragen: Sie entschädigt die Bauern für ihre Nutzungsrechte, sie subventioniert
die neue Tätigkeit und sie kompensiert die
Steuerausfälle der lokalen Verwaltung. So soll
sichergestellt werden, dass keiner der beteiligten Akteure einen Nachteil davonträgt und alle
gleichermaßen partizipieren. Neben den rein
finanziellen Kompensationen sind besonders
auch die sozialen Anreize ein wichtiger Faktor,
wie wir am Beispiel Xilingol noch sehen werden. Auch wenn das Konzept der ökologischen
Migration zum Umweltschutz und zur Armutsbekämpfung in mehreren Provinzen Chinas
Anwendung findet, liegen die meisten Projekte
in der Inneren Mongolei, denn hier sind fast alle
Regionen betroffen.
Darüber hinaus lässt sich selbstverständlich
auch eine „normale“ Migration der Landbevölkerung in die Städte verzeichnen. Diese
Wanderbewegung ist dabei ebenfalls finanziell
motiviert und betrifft vor allem die Jüngeren.
Dass ganze Höfe aus rein ökologischen Gründen aufgegeben werden, ist jedoch sehr selten.
Die unmittelbare Verknüpfung von Umweltfaktoren und Migration findet sich daher fast
ausschließlich in der politisch gelenkten ökologischen Migration.

44

FALLBEISPIEL: ÖKOLOGISCHE MIGRATION IN
XILINGOL LEAGUE
Xilingol League war einer der ersten Bezirke
der Inneren Mongolei, in denen ökologische
Migration als Maßnahme eingesetzt wurde. Bei
einem Kontinentalklima mit heißen, trockenen
Sommern und kalten Wintern fällt in der Region
nur wenig Niederschlag. Von den rund 1,1 Millionen Einwohnern stellt die nationale mongolische Minderheit nach den Han die zweitgrößte
Bevölkerungsgruppe. Die traditionelle mongolische Weidewirtschaft nimmt daher für die Region einen wichtigen Stellenwert ein. Seit 1940
hat sich die Bevölkerung in Xilingol League von
200.000 Einwohnern mehr als verfünffacht,
während sich die Anzahl des Weideviehs von
rund 1 Million auf 24 Millionen vervierundzwanzigfacht hat. Gleichzeitig ist das zur Verfügung
stehende Weideland jedoch zurückgegangen
und damit im Verhältnis von fünf Hektar auf
einen zehntel Hektar pro Tier geschrumpft.7 Die
Region leidet schon lange unter Dürre; Desertifikation und Degradation der Böden schreiten
rapide voran.
Abbildung 3: Xilingol League (rot) in der Inneren Mongolei (orange)

Quelle: „gemeinfreies Bild ohne Urheberrecht“, https://de.
wikipedia.org/wiki/Xilin_Gol#/media/File:China_Inner_
Mongolia_Xilin_Gol.svg

Politische Maßnahmen, um dies aufzuhalten
bzw. umzukehren, konzentrieren sich vor allem
auf die Rehabilitation der Umwelt bei gleich-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

ÖKOLOGISCHE MIGRATION IN CHINA

zeitiger Verbesserung der Lebensbedingungen
der lokalen Bevölkerung. Die Lokalregierung
untergliederte die Region in unterschiedliche
Umweltschutzmaßnahmen. Ökologische Migration wurde hierbei als Maßnahme in „Gebieten
mit Weideverbot“ – also extrem degradierten
Gebieten – ergriffen. So erklärten sich zwischen
2001 und 2010 rund 49.000 Menschen der
ländlichen Bevölkerung dazu bereit, ihre Weideflächen zu verlassen und in die nahe gelegenen
Dörfer und Städte umzusiedeln.8
Zu Beginn des „Ecological Restauration
Programs“ (2001-2006) fand die ökologische
Migration zunächst in benachbarte Dörfer statt.
Die chinesische Regierung stellte jedem Haushalt ein Haus von 30 m2, eine warme Scheune,
einen Silage Keller und ein Stück Land von
20 mu (1,3 ha) zum Anbau von Viehfutter zur
Verfügung. Zudem erhielten die Haushalte im
ersten Jahr gratis Tierfutter und subventionierte Kredite, um Vieh kaufen zu können. Dieser
Ansatz war vielversprechend, da hierin zwei
Maßnahmen – ökologische Migration sowie
Veränderung der Tierhaltung und Landnutzung – miteinander verknüpft wurden. Die Lokalregierung ging zudem davon aus, dass es
sich bei der Milchviehwirtschaft um eine sehr
profitable Form der Viehhaltung handele und
der Zukauf von Futter die umliegenden Bodenflächen nicht gefährde. Viele der immigrierten
Haushalte konzentrierten sich daher auf die Haltung von Milchkühen. Als die Regierung, wie
angekündigt, nach dem ersten Jahr die Belieferung mit subventioniertem Futter einstellte,
konnten viele der Haushalte jedoch nicht länger
wirtschaftlich bestehen. Aufgrund zu geringer
Erfahrungen in der Milchviehhaltung und dem
Anbau von Viehfutter bei gleichzeitig niedrigen
Milchpreisen entschieden sich im zweiten Jahr
viele der Haushalte, wieder auf ihre ehemaligen
Weideflächen zurückzukehren. Es sei an dieser
Stelle aber auch darauf hingewiesen, dass sich
die Lebensbedingungen und auch das Einkommen für einige der Immigranten stark verbessert
haben. So waren Haushalte, die in der Lage waren, mehr als zehn Kühe anzuschaffen, durchaus
langfristig wirtschaftlich erfolgreich.
Aus dieser durchwachsenen Startphase des
ökologischen Migrationsprojektes zog die Lokalregierung das Fazit, dass eine Migration inner-

halb des ersten Sektors, also der Landwirtschaft,
nicht erfolgversprechend sei. Der Fokus verlagerte sich daher vom Dorf auf die Stadt. Die
Hirten sollten innerhalb von fünf Jahren in die
Stadt umsiedeln und Fuß fassen. Dieses Mal hielt
die Regierung eigens für sie gebaute 70-qmWohnungen bereit. Die immigrierten Haushalte
erhielten monatlich eine Kompensationszahlung,
die sich an ihrer Landfläche orientierte, Fortbildungen und Unterstützung bei der Suche
nach Arbeit. Besonders attraktiv war für die
Haushalte die Möglichkeit, sich innerhalb des
chinesischen Systems der staatlichen Haushaltsregistrierung, dem Hukou-System, ummelden
zu können. So bringt eine Ummeldung vom
Land-Hukou in einen Stadt-Hukou einen verbesserten Zugang zu Sozialleistungen, wie beispielsweise Krankenversicherungsansprüche,
mit sich. Auch die Rentenansprüche der immigrierten Haushalte wurden auf das städtische
Rentensystem übertragen. Die Kinder erhielten
darüber hinaus Stipendien und kostenlose Unterkunft in den Schulen.9

Die Bevölkerung in Xilingol League ist seit
1940 um das 5-Fache ANGEWACHSEN, die Zahl
der Weidetiere um das 24-Fache.

Insgesamt hat sich die Lebenssituation der
teilnehmenden Haushalte zunächst stark verbessert. Sie erhielten unmittelbaren Zugang
zum Gesundheitssystem, Elektrizität, Bildung
und reichhaltigeren Mahlzeiten sowie bessere
Erreichbarkeit aufgrund eines guten Verkehrsnetzes und guter Mobilfunkabdeckung. Auch
ist das Einkommen der meisten Haushalte anfangs deutlich angestiegen. Diese kurzfristigen
Gewinne ließen sich jedoch nur schwer langfristig sichern, denn vielen ehemaligen Hirten
fiel es schwer, in der Stadt Arbeit zu finden. Ihnen fehlten entsprechende Qualifikationen und
unqualifizierte Arbeiten waren zumeist zeitlich
befristet. De facto zogen zudem viele der Haus-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

45

MELANIE KADE / SEBASTIAN KADE / MICHAEL KLAUS

halte in die für sie vorgesehenen Wohnungen
nie ein. Die Kompensationszahlung fiel für sie
höher aus, wenn sie sich stattdessen ein kleines
Apartment selbst mieteten. Auch waren die
Unterhaltskosten für die großen Wohnungen,
wie etwa Heizkosten, für sie zu hoch.

Die verbesserte Lebenssituation der umgesiedelten Hirten konnte NICHT dauerhaft erhalten
werden.

Arme Haushalte mit wenig oder keinem Vieh
immigrierten aufgrund der Kompensationszahlungen zuerst. Auch Haushalte mit wenigen
Personen und großen Flächen Weideland entschieden sich schnell für die Immigration. Die
Motivation der Bevölkerung für die ökologische Migration war folglich ausschließlich in
den sozialen und wirtschaftlichen Anreizen begründet.10
Die Lokalregierung konzentrierte sich auf
die Anzahl der immigrierten Haushalte und die
von diesen genutzten Flächen. Gleichzeitig war
die administrative Kapazität zur Kontrolle der
Maßnahmen begrenzt. So nutzten zum Teil
Nachbarn das nun frei gewordene Land von
immigrierten Haushalten für ihr Vieh weiter.
Einige immigrierte Haushalte, die alle Vorzüge
des Programms genossen und damit auch die
Kompensationszahlungen bezogen, hielten zudem weiterhin Vieh. Dies geschah auf gemieteten Flächen oder in den Herden von Bekannten. Viele von ihnen planten, mit dem Ende der
Kompensationszahlungen auf ihr Weideland zurückzukehren, und die Weidewirtschaft wieder
aufzunehmen.11 Die erzielte Umweltentlastung
auf den geschonten, degradierten Flächen hielt
somit nur kurz an.
Leider waren Umweltprobleme und Umweltschutz bisher keine treibende Motivation
für die Bevölkerung Xilingols, um sich für die
ökologische Migration zu entscheiden. Soziale
und wirtschaftliche Anreize sind einem Ver-

46

ständnis für die Umweltproblematik übergeordnet. Die Identifikation der Bevölkerung mit
dem „Ecological Restauration Program“ fällt
daher eher gering aus. Die entstandene Diskrepanz zwischen den Bemühungen der Regierung
und den Herausforderungen für die Bevölkerung ist mit Sicherheit in dem bisher gewählten
Top-down Ansatz begründet. Zudem haben
die lokalen Regierungen häufig eine deutlich
andere Schwerpunktsetzung innerhalb der Projekte als dies ursprünglich von der SFA geplant
wurde. Sie werden an erster Stelle am Grad der
wirtschaftlichen Entwicklung gemessen, die sie
erreichen. Für die lokalen Zuständigen liegt es
daher nahe, die für die Umweltmaßnahmen bereitgestellten Mittel an Stellen aufzuwenden,
die dieses Ziel befördern können.12

Nach Ende der KOMPENSATIONSZAHLUNGEN
kehrten die meisten Haushalte wieder auf ihr
Weideland zurück.

LÄNDLICHE ENTWICKLUNG ALS IMPULSGEBER
Die Ergebnisse der ökologischen Migration
können hier also durchaus als sehr durchwachsen bezeichnet werden. Auch wenn das gewählte Vorgehen – die Zahl der Landwirte zu
senken, um das Land zu entlasten – prinzipiell
geeignet ist, die Steppen zu schonen und der
Armut unter den Viehhirten zu begegnen, ist
die Umsetzung sicherlich optimierbar.
Dabei könnten Ansätze der Ländlichen Entwicklung, wie sie in der Dorferneuerung und
Flurneuordnung angewendet werden, hier einen
wertvollen Impuls geben. Ländliche Entwicklung ist eine staatliche Strategie zur Umsetzung
der Raumordnungsziele im ländlichen Raum
und hat als solche immer die Verbesserung der
Lebensverhältnisse sowie Umweltschutz im Blick.
Hierzu haben sich Formen der Bürgerbeteiligung als Dialogplanung durchgesetzt. Es geht
um die Implementierung staatlicher Zielvorstellungen und gesellschaftspolitischer Notwen-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

ÖKOLOGISCHE MIGRATION IN CHINA

digkeiten unter Berücksichtigung der lokalen
Interessen der Bürger. Eine zentrale Frage hier
ist, wie eine lokale Wertschöpfung in Verbindung mit Zielen des Umweltschutzes erreicht
werden kann. Dabei kommt es auf jede Idee an.
Der Bürger als Experte in seinem Lebensraum
kann wertvolle Hinweise liefern, wie einerseits
der Gedanke des Schutzes der Umweltgüter
erreicht werden kann, aber andererseits noch
Raum für eine lokale Wertschöpfung ist, die
das Bleiben ermöglicht und damit Migration
minimiert. Über eine Beteiligung der Bürger
können deren Vorstellungen in den Gesamtplanungsansatz eingebracht werden: Umweltschutz
mit dem Bürger, nicht gegen den Bürger. Mit
diesem Gedanken lässt sich die Bevölkerung aktivieren und Umweltschutz nachhaltig sichern.
So hätte in Xilingol früher auffallen können,
dass viele Landwirte keinen langfristigen Wechsel in die Stadt planen, und es hätte erarbeitet
werden können, was geboten werden müsste,
um Weidenflächen wirklich schonen zu können.
Dabei sollten auch die sektoralen Planungsansätze aufgegeben werden, zugunsten eines
integrativen Ansatzes mehrerer Verwaltungen.
Hierbei sollte es unter den Verwaltungen eine
koordinierende Stelle geben. Dieser Ansatz bedingt auch eine fachliche Qualifikation der
staatlichen Akteure in Bezug auf partizipative
Planungs- und Umweltansätze. So wird sichergestellt, dass verschiedene Ebenen tatsächlich an
einem Strang ziehen, und nicht wie in Xilingol
individuelle Agenden verfolgen. Letztlich geht
es um die Umsetzung der räumlichen Gerechtigkeit mit ihren vier Gerechtigkeitsfeldern
(Chancen-, Verteilungs-, Verfahrens- und Generationengerechtigkeit).13 Generationengerechtigkeit spielt hier eine wichtige Rolle, denn diese
beschreibt den Aspekt der Nachhaltigkeit, der
ohne die Mitnahme der Bürger nicht erreicht
werden kann.

Verwaltungen benötigen eine KOORDINIERENDE
Stelle bei der Umsetzung der räumlichen
Gerechtigkeit.

FAZIT
Alles in allem zeigt die Vorgehensweise der
chinesischen Regierung in Bezug auf die Bekämpfung der Desertifikation durchaus Erfolge. Die von dem Programm umfassten Flächen
erholen sich sehr schnell und die Aufforstung
nimmt weiter zu. Seit dem Jahr 2000 ist erstmals ein Rückgang der Wüstenflächen zu verzeichnen. Damit sinkt seit 2001 die Zahl der
Sandstürme über Peking, und der Anteil des
Sandstaubs am Gesamtfeinstaub hat abgenommen.14 China verfügt heute über die größten durch Aufforstung entstandenen Waldbestände der Welt, die Waldfläche steigt und
es wurden bereits über 400 Mrd. Bäume gepflanzt.
Bei der Lösung der Umweltprobleme setzt
China jedoch zu oft auf eine sektorale Betrachtungsweise, über die hinauszugehen ist – insbesondere, wenn es um eine Sicherung der Umweltgüter geht. Denn viele Maßnahmen sind
schwer zu überwachen oder werden von einem
anderen staatlichen Akteur überwacht als dem,
der die Maßnahme ursprünglich implementiert
hat.15 Das führt nicht selten zu Problemen, wie
auch in Xilingol.
Insgesamt muss eingewendet werden, dass
sich politische Ziele und Vorgaben widersprechen. Umweltschutz ist ein Staatsziel, aber auch
die Selbstversorgung mit Getreide ist ein Staatsziel. Die Regierung hat dafür eine sogenannte
rote Linie von 120 Millionen Hektar Ackerfläche definiert, die bisher nicht unterschritten
werden darf. Zieht man die Flächen in Betracht,
die durch sonstige Bodendegradierung und
Bodenvergiftung aus der landwirtschaftlichen
Nutzung fallen, geraten Flächen, die aktuell
noch relevant für den Umweltschutz sind oder
für Renaturierungen geeignet wären, unter
Druck. Zusätzlich erhöhen nationale oder lokale
Produktionsvorgaben und Ziele der Produktivitätssteigerung noch den Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen, was wiederum Umweltschäden hervorrufen kann.
Flächen für Natur- und Umweltschutz geraten auch oft mit wirtschaftlichen Entwicklungszielen der lokalen Verwaltungen in Konflikt. In
Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung in China geht Ökonomie oft vor
Umweltschutz.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

47

MELANIE KADE / SEBASTIAN KADE / MICHAEL KLAUS

Eines der größten Defizite in Bezug auf eine
nachhaltige Zielerreichung ist aber die mangelnde Koordination der Akteure und der Topdown Ansatz ohne Beteiligung der lokalen
Bevölkerung. Statt auf lokale Wertschöpfung
zu setzen, die sicherlich auch mit der Implementierung von Umweltzielen erreicht werden
kann, entsteht durch die bisherige Politik und
Umsetzungspraxis eine hohe Abhängigkeit von
Subventionen und Kompensationen. Dies zeigt
das Beispiel Xilingol ganz klar. Nach Finanzierung und Umsetzung der Maßnahme und der
Aufrechnung in den statistischen Erfolg kommt
ein entsprechendes Follow-up, das auf Effizienz
und Nachhaltigkeit abzielt, häufig zu kurz.

Für eine nachhaltige Sicherung der Projekte
muss mehr mit den BÜRGERN zusammengearbeitet werden.

Mit diesen Betrachtungen ergeben sich die
Lösungsansätze von selbst, und sie sind deckungsgleich mit den Forderungen der Ländlichen Entwicklung: Es sollte für eine nachhaltige Sicherung der Anstrengungen und Projekte
mehr mit den Bürgern zusammengearbeitet
werden. Geeignete Ansätze hierfür können aus
der Ländlichen Entwicklung adaptiert werden.
Bottom-up Strategien mit einer starken Einbindung der Bürger sind der strategisch wichtige
Ansatz für eine nachhaltige Sicherung der Aktivitäten. Einkommensdiversifizierung, die in diesem Ansatz enthalten ist, trägt ebenfalls hierzu
bei. Dies erfordert aber Dialogbereitschaft und
eine berufliche Qualifikation der Bürger. Es ist
zu prüfen, ob mit diesem Ansatz auch Migration vermieden werden kann. Es gilt, nicht nur
sektorale Maßnahmen umzusetzen, sondern
über eine bessere Vernetzung und Koordination aller Akteure integrative Maßnahmen zu
erarbeiten und zu implementieren. Um dies zu
erreichen, muss der Aspekt Bildung stärker in
den Vordergrund treten. Durch Bildungsmaß-

48

nahmen vor allem im Bereich Umwelt für Bürger und Mitarbeiter der Verwaltungen können
Synergieeffekte erzielt werden. Allerdings müssen Verwaltungen auch auf diese Aufgaben vorbereitet werden. Hierzu sind Fort- und Weiterbildungen für Verwaltungen und (lokale) Kader
in Bezug auf Beteiligungsformen von Bürgern
in Planung und Umsetzung nötig.
Übergeordnet sollte dringend an Raumordnungsplänen auf National- und Provinzebene
gearbeitet werden. Es muss hier um langfristige
Entwicklungen unter Einbeziehung aller Akteure gehen: weg von sektoralen Entwicklungsplänen hin zu Leitvorstellungen und integrativen Ansätzen, die Widersprüche schon in der
Planungsphase erkennen lassen und diese durch
abgestimmte Lösungsansätze verhindern können.
Ergänzend lohnt ein Nachdenken über Regelungen zum Ausgleich bei Eingriffen in Umweltgüter. Über Ausgleichsmaßnahmen können strategische Ziele des Umweltschutzes erheblich
leichter erreicht werden.
Es zeigt sich somit deutlich, dass Umweltprobleme in China nur selten ein Grund zur
Migration sein müssten. Insbesondere mit Maßnahmen der Ländlichen Entwicklung gibt es
geeignetere Wege, um Umweltschutz und Armutsbekämpfung nachhaltig zu gestalten.

||

MELANIE KADE
Projektmanagerin HSS Qingzhou, China

||

SEBASTIAN KADE
Projektmanager HSS Qingzhou, China

||

DR. MICHAEL KLAUS
Projektleiter, HSS Qingzhou, China

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

ÖKOLOGISCHE MIGRATION IN CHINA

ANMERKUNGEN
1

Davon etwa zwei Drittel natürliche Wüste (Taklamakan, Gobi etc.) und ein Drittel durch Degradation
geschaffen.

2

Vgl. Spiegel Online: Sandsturm hüllt Peking in gelben Staub, http://www.spiegel.de/panorama/chinasandsturm-huellt-peking-in-gelben-staub-a-684749.
html, Stand: 27.9.2017.

3

Vgl. Sternberg, Troy / Femia, Francesco / Werrell,
Caitlin: Inner Mongolia – Coal Heaven, Water Hell,
https://climateandsecurity.org/2013/06/17/innermongolia-coal-heaven-water-hell, Stand: 27.9.2017.

4

Squires, Victor / Hua, Limin: North-West China’s
Rangelands and Peoples – Facts, Figures, Challenges
and Responses, in: Towards Sustainable Use of
Rangeland in North-West China, hrsg. von Victor
Squires, Limin Hua, Degang Zhang, Guolin Li, New
York 2010, S. 14.

5

Oft auch als „poverty-environment-trap“ oder
„poverty environment nexus“ bezeichnet.

6

Vgl. Runsheng, Yin / Guiping, Yin: China’s Ecological Restoration Programs – Initiation, Implementation, and Challenges, in: An Integrated Assessment
of China’s Ecological Restoration Programs, hrsg.
von Yin Runsheng, Dordrecht 2009, S. 2 ff.

7

Vgl. ferner Jiang, Gaoming / Han, Xingguo / Wu,
Jianguo: Restoration and Management of the Inner
Mongolia Grassland Require a SustainableStrategy,
in: Ambio 5/2006.

8

Normile, Dennis: Getting at the Roots of Killer Dust
Storms, in: Science Magazine 5836/2007, S. 317.

9

Vgl. Zhang, Qian: The Dilemma of Conserving
Rangeland by Means of Development – Exploring
Ecological Resettlement in a Pastoral Township of
Inner Mongolia, in: Nomadic Peoples, 1/2012, S. 98 f.

10

Ebd.

11

Vgl. Ebd., S. 100 f.

12

Li, Yingming / Wang, Yi / Schwarz, Reimund: Pathways to Sustainable Grassland Development in China, in: Helmholtz UFZ Discussion Papers 2/2014,
S. 5.

13

Magel, Holger: Territorial Justice for Urban and
Rural Regions? About the Responsibility and Role
of the Bavarian Academy for Rural Areas, in: GLL
Geomatics, Landmanagement and Landscape 1/2017,
S. 65-79.

14

Yan, Ai: Beijing sees heaviest sandstorm in two
years, https://news.cgtn.com/news/3d41544d31637
a4d/share.html, Stand: 27.9.2017.

15

So wird etwa das Weideverbot von der SFA verhängt und implementiert, aber für die Überwachung
und Durchsetzung ist eine Unterbehörde das Landwirtschaftsministerium zuständig. Vgl. Squires / Hua:
North-West China’s Rangelands.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

49

KLIMA- UND UMWELTBEDINGTE MIGRATION
IN VIETNAM
LE ANH TUAN || ist stellvertretender Leiter des DRAGON-Instituts (Delta Research and Global Observation Network) der Can Tho Universität und dort seit 2012 Associate Professor. Seine Lehrtätigkeit
und zahlreichen Veröffentlichungen befassen sich vor allem mit Wasserressourcenplanung und
-management, Umwelttechnik, Katastrophenschutz, Hydrologie und Meteorologie. Die HannsSeidel-Stiftung unterstützt das Dragon-Institut seit vielen Jahren. Der Fokus liegt auf Studien zum
Klimawandel im Mekong-Delta. Diese liefern beispielsweise die Grundlage für die Empfehlung
geeigneter landwirtschaftlicher Produktionsmodelle. Durch die Kooperation ist es gelungen, das
Bewusstsein für den Klimawandel innerhalb der Bevölkerung der Region zu steigern.

Die Folgen des Klimawandels bedrohen die
Lebensgrundlage zahlreicher Menschen. Welche Region und welche Bevölkerungsgruppen
sind in Vietnam am stärksten vom Klimawandel betroffen und wie können sie besser geschützt werden?
Le Anh Tuan: Der Einfluss des Klimawandels und der dadurch bedingte Anstieg des
Meeresspiegels wirken sich vor allem auf die
arme, ländliche Bevölkerung aus. In Vietnam ist
vor allem das Mekong-Delta betroffen. Durch
den erhöhten Meeresspiegel wird der dortige
Reisanbau durch das Vordringen von Salzwasser gefährdet. Darüber hinaus droht das Flussdelta auszutrocknen, da aufgrund erhöhter
Temperaturen mehr Wasser zur Bewässerung
aus dem Fluss entnommen wird.
Besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen
sind Frauen und Kinder sowie Menschen, die
unter chronischen Krankheiten oder Behinderungen leiden. Für sie sind die Folgen des Klimawandels besonders schwer zu verkraften. Sie
leiden stärker unter großer Hitze und Extremwetterereignissen. Die vietnamesische Regierung
hat Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung
vor den Auswirkungen des Klimawandels ergriffen. Es wurden regionale Ausschüsse einge-

richtet, um potenzielle Gefahren jeder Region zu
identifizieren. Außerdem verteilen sie das zur
Verfügung stehende Budget zur KlimawandelAnpassung. Rettungsübungen werden bereits
seit einigen Jahren zur Katastrophenvorsorge
durchgeführt. Zusätzlich gibt es Informationskampagnen zur Erhöhung des Bewusstseins für
den Klimawandel.

Alte und kranke Menschen sowie Kinder leiden
besonders unter den Folgen des KLIMAWANDELS.

In der Region ist Vietnam Vorreiter bei der
Implementierung der VN-Agenda 2030. Deren
Sustainable Development Goals (SDGs) wurden von der Vietnamesischen Regierung in
einem Aktionsplan in nationale Ziele (VSDGs)
umgesetzt. Sind nach Ihrer Erfahrung die Herausforderungen des Klimawandels durch die
VSDGs abgedeckt?

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

51

LE ANH TUAN

Le Anh Tuan: Nach meiner persönlichen
Erfahrung spielen die nationalen Nachhaltigkeitsziele eine entscheidende Rolle. Sie helfen
bei der strategischen Orientierung, um die Herausforderungen des Klimawandels anzugehen.
Besonders relevant sind sie für die Implementierungen auf lokaler Ebene, da dort die konkrete Umsetzung der Ziele in den Kommunen
stattfindet. Die größte Herausforderung für die
lokalen Verwaltungen liegt in der Schulung von
Personal und der Finanzierung.
Die Nachhaltigkeitsziele sollen zur Orientierung der Entwicklung sowohl auf der globalen als auch auf der nationalen Ebene dienen.
Sie sind Richtlinien für konkrete Aktionspläne
auf regionaler und lokaler Ebene. Die Reaktion
auf den Klimawandel auf lokaler Ebene ist sehr
wichtig, da die Kommunen unmittelbar z. B.
durch extreme Wetterbedingungen betroffen
sind. Die Implementierung auf der kommunalen Ebene entscheidet deshalb letztendlich, ob
die globalen Entwicklungspläne erfolgreich sind
oder fehlschlagen.
Im Rahmen des nationalen Aktionsplans zur
Implementierung der Nachhaltigkeitsziele wurden Kommunikationskampagnen zur Bewusstseinserhöhung für die Kommunen organisiert.
Wissenschaftliche Institutionen wie Universitäten und Forschungsinstitute tragen wesentlich
zur Entwicklung theoretischer und praktischer
Modelle bei und stellen die Kapazitäten für
lokale Behörden bereit. Die Regierung bindet
internationale Organisationen, NGOs / CSOs
mit ein, um Klimaschutzprojekte auf lokaler
Ebene zu implementieren.
Welche Ziele halten Sie für besonders
wichtig für den Schutz der Bevölkerung vor
den Folgen des Klimawandels?
Le Anh Tuan: Meiner Meinung nach sind
die Nachhaltigkeitsziele mit Bezug auf Umweltund Ökosystemschutz besonders relevant. Sie
tragen dazu bei, die Ausbeutung natürlicher
Ressourcen zu verringern, und helfen, Energieverbrauch und Emissionen zu reduzieren.
Gleichzeitig sollten Aktivitäten zur Verbesserung
der Einkommen von benachteiligten Gruppen
vorangetrieben werden. Der gleiche Zugang zu
Bildung, Gesundheit und sozialer Wohlfahrt
trägt zur Entwicklung von Kommunen bei. Des

52

Weiteren müssten die wissenschaftlichen und
technischen Errungenschaften besser für den
Klimaschutz genutzt werden. Beispielsweise
sollte eine nachhaltige und klimabeständige
Landwirtschaft unterstützt werden. Schulungen
über ökologische Anbaumethoden und ressourcenschonende Bewässerungstechniken, aktuelle
Marktinformationen und eine Produktion, die
internationalen Standards gerecht wird, können
die ländliche Bevölkerung unterstützen.
Wie groß ist das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Ursachen und die zukünftige
Entwicklung des Klimawandels?
Le Anh Tuan: In den letzten Jahren ist das
Bewusstsein erheblich gestiegen. Eine vor fünf
Jahren durchgeführte Umfrage des DRAGONInstituts ergab, dass nur 20 bis 35 Prozent der
Befragten ein grundlegendes Wissen über den
Klimawandel hatten. Sie waren nicht in der
Lage, dieses Phänomen von anderen Naturereignissen zu unterscheiden. Derzeit ist der Anteil
auf bemerkenswerte 60 bis 75 Prozent gestiegen. Trotz des verbesserten Wissens herrscht
bei allen Befragten große Besorgnis über die
negative Klimaentwicklung. Sie äußerten die
Sorge, dass ein Anstieg des Meeresspiegels zum
Verlust von Anbaufläche führt und eine verlängerte Dürreperiode die Wasserknappheit verschlimmert.

Das BEWUSSTSEIN der Bevölkerung für den
Klimawandel ist gestiegen.

Hat die vietnamesische Regierung Strategien entwickelt, um dieser Herausforderung zu
begegnen? Inwieweit beeinflussen Aspekte des
Klimawandels die Politik Vietnams?
Le Anh Tuan: Die vietnamesische Regierung hat eine nationale Strategie zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels
entwickelt, ein nationaler Aktionsplan konkretisiert sie. Alle Wachstumsstrategien und die

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

KLIMA- UND UMWELTBEDINGTE MIGRATION IN VIETNAM

Entwicklungspläne müssen den Klimawandel
berücksichtigen. Die vietnamesische Regierung
bezeichnet die Auswirkungen des Klimawandels mittlerweile als eine der größten Herausforderungen. Sie setzt sich für Kooperationen
ein und arbeitet international zusammen. Die
zunehmend offensichtlichen Auswirkungen des
Klimawandels nehmen Einfluss auf relevante
Entscheidungen der Regierung.
Die Regierung hat jeder Provinz im Durchschnitt 1 bis 2 Milliarden VND (ca. 40.000 bis
80.000 Euro) zugewiesen, mit deren Hilfe sie
Pläne zur Reaktion auf den Klimawandel bis
2030 erstellen sollen. Jede Provinz hat ihren
eigenen, für den Klimawandel verantwortlichen
Ausschuss. Um jedoch die Problematik des
Klimawandels langfristig zu lösen, ist ein holistischer Ansatz erforderlich, der von der zentralen bis zur lokalen Ebene umgesetzt wird.
Lösungen mit Bezug auf Verbesserungen
der Infrastruktur sind nach wie vor kostspielig,
besonders im Kontext der erhöhten Staatsverschuldung Vietnams. Zudem wurde die sektorale Planung zur Anpassung an den Klimawandel
isoliert vorgenommen, ohne die Berücksichtigung anderer Sektoren. Die Umsetzung gestaltet sich problematisch, wenn bei sektoralen
Planungen unterschiedliche Prioritäten gesetzt
wurden.
Gibt es im Mekong-Delta bereits Anzeichen
für eine klimabedingte Migration?
Le Anh Tuan: Klimabedingte Migration wird
besonders im Mekong-Delta sichtbar. Lange
Dürreperioden und das Vordringen von Salzwasser schwächen besonders die Landwirtschaft. Deshalb wandern viele Jugendliche in
die Städte ab. Weitere Gründe für Migration
sind die Änderungen der Wirtschaftsstruktur,

Das MEKONG-DELTA ist vom Klimawandel
besonders stark betroffen: Dürre und das
Vordringen des Salzwassers schwächen die
Landwirtschaft.

Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche und
die Auflösung der traditionellen Familienstrukturen.
Welche Herausforderungen sehen Sie für
die Menschen in der Region und deren Haupteinnahmequelle, nämlich die Landwirtschaft?
Le Anh Tuan: Die vietnamesische Landwirtschaft steht vor einer großen Herausforderung.
Sie beschäftigt mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen in Vietnam – in manchen Regionen des
Mekong-Deltas sogar bis zu drei Viertel. Die
Mehrheit der Landwirte verdient unterdurchschnittlich. Infrastruktur und Informationen
über Absatzmärkte sind nur eingeschränkt vorhanden. Traditionelle Anbaumethoden ohne
Maschinen überwiegen, die Produktivität ist
gering. Die Auswirkungen des Klimawandels
verringern die Ernteerträge schon heute. Das
macht die Landwirtschaft immer mehr zu einer
risikoreichen Einkommensquelle.
Die lokale Regierung der Region des Mekong-Deltas nennt den Mangel an effektiven
Kooperationen zwischen den verschiedenen
Provinzen als Hauptproblem. Jede Provinz folgt
nur ihrem eigenen Entwicklungsplan ohne
Abstimmung mit den Nachbarprovinzen. Der
ineffiziente Umgang mit Ressourcen führt zu
Konflikten, vor allem bezüglich der Wassernutzung. Unlängst wurden Kooperationsmaßnahmen zum Informationsaustausch zwischen
Provinzgruppen im Mekong-Delta und den
Küstenregionen durchgeführt. Die vorherrschenden Themen betrafen Produktivitätssteigerung
sowie die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft durch eine verbesserte Infrastruktur.
Zunehmende Industrialisierung führt zu
einer stärken Umweltbelastung – besonders in
urbanen Gebieten. Dennoch hält der Zustrom
der Landbevölkerung in die Städte an. Haben
Luft- und Lärmbelastung einen Einfluss auf
den Trend der Landflucht?
Le Anh Tuan: Luft- und Lärmbelastungen
haben aus unserer Erfahrung keinen großen
Einfluss auf den Migrationsfluss. Allerdings
beeinträchtigen sie ältere und chronisch kranke
Menschen. Sie leiden besonders stark unter
Lärm und schlechter Luftqualität. Vor allem
Kohlekraftwerke im Mekong-Delta verursachen

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

53

LE ANH TUAN

große Probleme. Die dortigen Bewohner würden
sogar einen Umzug vorziehen.

Die UMWELTBELASTUNG in den Städten ist
ein großes Problem und beeinflusst die Lebensqualität.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um
der steigenden Umweltbelastung in den Städten
zu begegnen?
Le Anh Tuan: Die Regierung bemüht sich,
die steigende Umweltbelastung einzudämmen.
Trotz zahlreicher Maßnahmen wie Kontrolle der
Emissionen, Medienkampagnen und höherer
Sanktionen für Firmen, die gegen Umweltregularien verstoßen, nimmt die Umweltverschmutzung in den Städten weiter zu. Die angesprochenen Maßnahmen reichen nicht, um die
vielen Probleme zu lösen, weil die Infrastruktur
nicht schnell genug dem Bevölkerungswachstum angepasst werden kann. Eine langfristigere
Planung der Infrastruktur wäre erforderlich, um
den Herausforderungen im Bereich Verkehr,
Wasser- und Abfallmanagement zu begegnen.

Das Gespräch führten Axel Neubert, Außenmitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Hanoi,
und Nguyen Thu Trang, Projektmanagerin der
Hanns-Seidel-Stiftung.

54

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND MIGRATION IN WESTAFRIKA
Herausforderungen und Lösungsansätze
BENJAMIN SCHRAVEN || Westafrika ist eine sehr mobile Weltregion – Migration ist hier allgegenwärtig und vielfältig. Klima- und Umweltwandel sowie daraus resultierende Migrationsprozesse
betreffen vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen, für die Migration häufig auch eine Form der
Anpassung ist. Darin liegt nicht zuletzt auch ein Schlüssel für den politischen Umgang mit dem
Phänomen „Umweltmigration“.

EINLEITUNG
Nach der hundertausendfachen Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland und
Europa vor allem aus Syrien, dem Irak und Afghanistan im Jahr 2015 richtet sich die Aufmerksamkeit in der Migrationsdebatte seitdem
zunehmend auf den afrikanischen Kontinent.
Vor allem aus westafrikanischen Ländern machen sich tausende Menschen auf den hochgefährlichen Weg durch die Sahara und das Mittelmeer nach Europa, den viele mit dem Leben
bezahlen. Gemessen an den Asylerstantragstatistiken zwischen Juli 2016 und Juni 2017 sind
beinahe 60 % dieser Migranten Staatsbürger aus
nur sieben Ländern Westafrikas: der Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Guinea, Mali, Senegal
und – mit annähernd 23 % führend in dieser
Statistik – Nigeria.1 Gleichzeitig gilt Westafrika als eine Weltregion, die bereits heute stark
von den Folgen des Klimawandels betroffen ist
und erst recht in den kommenden Jahren und
Jahrzehnten sein wird. Dies legt bei einigen
Beobachtern die Vermutung nahe, dass der
Klimawandel mittel- bis langfristig eine neue
gigantische Migrationsbewegung (vor allem)
aus Westafrika in Richtung Europa hervorrufen
wird.

Aber auch Umweltveränderungen, die nichts
mit dem Klimawandel zu tun haben, setzen
den Menschen in der Region zu und könnten
grundsätzlich sehr viele Menschen dazu veranlassen, ihre Heimat zu verlassen. Im Folgenden
soll skizziert werden, wie Klima- und Umweltveränderungen sich tatsächlich auf Migrationsprozesse in Westafrika auswirken und wie politische Entscheidungsträger mit dem Phänomen
„Umweltmigration“ umgehen sollten.

Es gibt Befürchtungen, dass der Klimawandel
neue MIGRATIONSBEWEGUNGEN in Richtung
Europa auslösen wird.

MIGRATION IN WESTAFRIKA
Westafrika ist seit jeher eine höchst „mobile“ Region. Bereits in vorkolonialer Zeit gab es
größere Migrationsbewegungen – etwa durch
den transsaharischen Güteraustausch sowie den

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

55

BENJAMIN SCHRAVEN

transatlantischen Sklavenhandel. Durch die vordringende Kolonialherrschaft ab der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts und damit einhergehenden Infrastrukturmaßnahmen (Straßenund Eisenbahnbau) sowie der zum Teil rapide
Wachstum westafrikanischen Städte (Lagos,
Accra, Ibadan, Lomé, Dakar, etc.) entwickelten
sich neue Migrationsdynamiken – sowohl von
ländlichen Regionen in die Städte als auch zwischen ländlichen Räumen.2

Es bestehen häufig große ENTWICKLUNGSUNTERSCHIEDE zwischen den küstennahen
Gebieten und den küstenfernen Savannen.

Ein ganz wesentlicher Ausgangspunkt für
die Entwicklung vieler westafrikanischer Migrationsdynamiken sind die naturräumlichen,
geographischen und geologischen Unterschiede
zwischen den nördlichen und küstenfernen Sahel- und Savannengebieten auf der einen Seite
und den südlichen, tropischen Wald- und Küstengebieten auf der anderen Seite. Der südliche, küstennahe Teil Westafrikas erlaubt die
Gewinnung von Gold sowie anderen Edelmetallen und Tropenhölzern sowie den kommerziellen Anbau von Kakao und anderen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Der Sahel sowie
die Savannengebiete hingegen waren und sind
vor allem aufgrund der harschen klimatischen
Bedingungen mit einer langen Trockenzeit traditionell vor allem von kleinbäuerlicher Subsistenzlandwirtschaft und Viehwirtschaft geprägt. Diese Unterschiede führten dazu, dass
die lukrativen bzw. prosperierenden Sektoren
in Küstennähe von den Kolonialmächten in
Westafrika – allen voran von der britischen und
französischen – etwa durch Infrastrukturinvestitionen massiv gefördert wurden, während andere Regionen wenig Beachtung fanden und
damit einen bis heute deutlich erkennbaren
Entwicklungsunterschied zwischen den Savannen- und den küstennahen Regionen weiter
forcierten.

56

Dies führte aber ebenfalls dazu, dass der
Bedarf an Arbeitskräften in den angesprochenen Sektoren stetig wuchs. Als – wie etwa in
der Goldküste (dem heutigen Ghana) geschehen – dieser Bedarf kaum noch durch lokale
Arbeitskräfte gedeckt werden konnte, veranlasste dies im frühen 20. Jahrhundert die Kolonialverwaltungen zunehmend dazu, Arbeiter aus
den Savannenregionen (zum Teil unter Zwang)
zu rekrutieren.3 Durch diese Rekrutierungen
etablierten sich langsam bis heute noch gängige
Formen saisonaler und zirkulärer Migration, die
zumeist landesintern oder zwischen benachbarten Ländern geschehen. Eine typische Form ist
etwa, dass (traditionellerweise) die jungen Männer eines kleinbäuerlichen Haushaltes aus den
Savannengebieten während der Trockenzeit, in
der kein Regenfeldbau möglich ist, in die südlichen Gebiete migrieren, dort (zum Beispiel auf
Kakaoplantagen) arbeiten und zu Beginn der
Regenzeit wieder in ihre Heimat zurückkehren.
Saisonale Migrationsformen haben den potenziellen Vorteil, dass die Migranten während der
Trockenzeit nicht die ohnehin schon meist sehr
knappen Lebensmittelvorräte ihrer auf Subsistenzproduktion angewiesenen Familien „belasten“ und bei ihrer Rückkehr, sehr zum Nutzen
ihrer Familien und ihrer Heimatdörfer, Geld,
Lebensmittel oder auch Know-how mitbringen.
Aufgrund dieser positiven Aspekte wuchs
die Migration innerhalb Westafrikas während
des 20. Jahrhunderts stetig an und verlor auch
nach der Unabhängigkeit der westafrikanischen
Länder in den 1950er- und 1960er-Jahren nicht
an Bedeutung. Dies gilt sowohl für grenzüberschreitende als auch landesinterne Migration.
Im Laufe der Jahrzehnte kam es auch zu mehr
permanenter Migration, gerade in die Großstädte.4 Durch ihre wirtschaftliche Stärke, bedingt durch den Kakaoanbau bzw. die Erdölförderung, entwickelten sich vor allem die
Elfenbeinküste und Nigeria zu Einwanderungsmagneten in der Region und blieben dies auch
für längere Zeit. Darüber hinaus wanderten
nach der Unabhängigkeit viele Westafrikaner
regulär in die ehemaligen kolonialen Mutterländer oder andere OECD-Länder ein. So gibt
es z. B. eine große senegalesisch-stämmige Diaspora in Frankreich oder zahlreiche Migranten
mit nigerianischen oder ghanaischen Wurzeln

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND MIGRATION IN WESTAFRIKA

in Großbritannien. In den 1990er-Jahren trat
dann in verstärktem Maße das Phänomen der
irregulären Migration aus Westafrika in Richtung Europa in größerem Umfang auf (siehe
auch oben), was nicht zuletzt mit einer Reduktion der Zuwanderungsmöglichkeiten nach Europa zu tun hat.5 Ebenfalls in den 1990er- und
frühen 2000er-Jahren kam es zu einer massiven
Zunahme von Flucht und Binnenvertreibung
durch die Bürgerkriege in Sierra Leone, Liberia
oder der Elfenbeinküste, die gegen Ende der
2000er-Jahre wieder stark zurückging. Erst
durch die Aktivitäten der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram in den letzten Jahren
kam es wieder zu einer Zunahme vor allem bei
der Binnenvertreibung.6

800 Millionen Menschen das westliche Afrika
bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts bevölkern
werden,9 wird Migration im westafrikanischen
Kontext kaum an Bedeutung verlieren. Gerade
auch die Städte Westafrikas werden ihre Anziehungskraft kaum einbüßen, auch wenn vielerorts das natürliche Bevölkerungswachstum
in den Städten ein größerer Treiber urbanen
Wachstums geworden ist als Zuwanderung
und es eher Individuen in die Städte zieht als
ganze Familien.10
Abbildung 1: Westafrikanische Städte wie die
senegalesische Hauptstadt Dakar bleiben Zuwanderungsmagneten

Bis Mitte des 21. Jahrhunderts könnten über
800 Millionen Menschen in WESTAFRIKA leben.

Um der reichen und vielfältigen Migrationshistorie sowie der enormen Bedeutung von
Mobilität für die individuellen Lebensumstände
und der gesamtvolkswirtschaftlichen Dimension in der westafrikanischen Subregion gerecht
zu werden, beschloss der zu dieser Zeit erst vier
Jahre alte Staatenbund „Economic Community
of West African States“ (ECOWAS) schon im
Jahr 1979 die Einführung eines Freizügigkeitsprotokolls. Dieses Protokoll besteht aus drei
Stufen (Recht auf Freizügigkeit, Aufenthaltsrecht und Niederlassungsrecht)und gilt grundsätzlich für alle Bürger der ECOWAS-Staaten.7
Trotz einiger Rückschläge – dazu zählt etwa die
Ausweisung von über einer Million Ausländer
aufgrund der wirtschaftlichen Lage in Nigeria
1983 (vorwiegend Ghanaer) und der Tatsache,
dass es bis heute noch nicht komplett umgesetzt ist – gilt das Protokoll als vorbildhaft für
den ganzen afrikanischen Kontinent im Hinblick
auf eine positive Gestaltung von Migration.8
Aufgrund der demographischen Entwicklung,
bei der man davon ausgehen kann, dass über

Quelle: Benjamin Schraven.

KLIMA- UND UMWELTWANDEL IN
WESTAFRIKA
Der Klimawandel in Westafrika äußert sich
bereits heute in einer Zunahme und auch einer
steigenden Intensität von Naturkatastrophen,
wozu vor allem Flutereignisse, Dürren und
Hitzewellen gehören. Vor allem aber äußert er
sich in einer schleichenden Veränderung der
Regenfallcharakteristika. Hier sind vor allem
die Savannengebiete mit einer zunehmenden
Regenfallvarianz betroffen, welche nicht notwendigerweise eine Reduktion der Regenfallmengen mit sich bringt, sehr wohl aber einen
späteren Beginn bzw. eine kürzere Dauer sowie
eine höhere Wahrscheinlichkeit von „MiniDürren“ innerhalb der Regenzeit auf der einen
Seite und Starkregenereignissen auf der anderen.
Außerdem ist ein Großteil der westafrikani-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

57

BENJAMIN SCHRAVEN

schen Küste vom Senegal bis zum Niger-Delta
vom Anstieg des Meeresspiegels und somit von
einer zunehmenden Küstenerosion, einer wachsenden Versalzung küstennaher Grundwasserressourcen und einer steigenden Anzahl von
Flutereignissen betroffen.11

Ölverschmutzung, düngerintensive Agrarproduktion und fehlende Infrastruktur führen
zu starken UMWELTVERÄNDERUNGEN.

Daneben gibt es aber auch noch viele andere
Prozesse lokaler, unmittelbar von Menschenhand verursachten Umweltveränderungen. Hierzu zählen etwa die massive Ölverschmutzung
im Nigerdelta, aber auch der in weiten Teilen
Westafrikas verbreitete Verlust von Bodenfruchtbarkeit, welches überwiegend eine Folge
von landwirtschaftlicher Übernutzung und
„düngerintensiver“ Agrarproduktion ist. Durch
die in den letzten Jahrzehnten stark angewachsenen Großstädte ergeben sich durch Prozesse
„urbaner Zersiedlung“ (englisch „urban sprawl“),
also Situationen, in denen die sanitäre und sonstige Infrastruktur dem Anwachsen von Siedlungen (insbesondere Slums) nicht mehr standhält,
große umweltbezogene Probleme. So kommt
es in vielen westafrikanischen Großstädten
regelmäßig nach heftigen Regenfällen zu Überschwemmungen mit Todesfällen. Auch der informelle, oberflächennahe Bergbau, wie er etwa
in Ghana und einigen Nachbarländern betrieben
wird, verursacht nicht zuletzt durch den massiven Einsatz von Chemikalien wie Quecksilber
schwerwiegende Umweltbeeinträchtigungen.
Auch die seit den 1960er-Jahren vor allem aufgrund von starker Übernutzung verursachte Zusammenschrumpfung des Tschadsees ist eine
Bedrohung für die Lebensgrundlage vieler Menschen in Nigeria, Kamerun und dem Tschad.
Diese Umweltveränderungen beeinträchtigen
zum Teil die physische Integrität der betroffenen Menschen. Mit anderen Worten: Leib und

58

Leben sind gerade bei Flutereignissen stark
gefährdet. Alleine im Zeitraum zwischen 2010
und 2014 waren etwa 28 Millionen Menschen
in Westafrika von Naturkatastrophen betroffen.
Andererseits reduzieren die schleichenden Veränderungen wie die Veränderungen der Regenfallvarianz die Verfügbarkeit von natürlichen
Ressourcen vieler Menschen, wozu vor allem
Land mit einer guter Bodenqualität und Wasser
gehören, und beeinträchtigen somit nicht zuletzt auch in potenziell sehr negativer Weise die
landwirtschaftliche Produktion, den Fischfang
oder die Viehhaltung sowie die Grundwasserversorgung ärmerer Bevölkerungsgruppen.12
DIE MIGRATIONSBEZOGENEN FOLGEN
ÖKOLOGISCHEN WANDELS
Eine systematische Analyse bezüglich des
Zusammenhangs zwischen Umwelt- / Klimawandel und Migration für die gesamte westafrikanische Region gibt es in dieser Form nicht.
Nichtsdestotrotz erlauben einige Fallstudien13 14 15
ein paar grundsätzliche Aussagen. Betroffene
von Migration, die im Kontext ökologischen
Wandels in Westafrika stattfindet – und dies
ist im Zusammenhang mit den oben skizzierten
unmittelbaren Folgen wenig überraschend –
sind in erster Linie ärmere Bevölkerungsgruppen
und hier vor allem Menschen, deren Lebensgrundlagen unmittelbar auf der Nutzung natürlicher Ressourcen beruhen. Es handelt sich also
vor allem um Kleinbauern, Pastoralisten, Fischer
sowie städtische Arme. Wie in anderen Weltregionen übrigens auch, vermischen sich Migrationsentscheidungen vulnerabler Bevölkerungsgruppen in Westafrika wie z. B. ökologischen
Faktoren mit anderen – wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, demographischen oder politischen – Faktoren.
So stellt zum Beispiel der Faktor steigende
Regenfallvarianz zwar für viele kleinbäuerliche
Haushalte in Westafrika eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen
Produktion dar, denn wenn es zu Beginn der
Regenzeit und der Aussaat zu einer Mini-Dürre
kommt, kann dies katastrophale Folgen für die
Ernteaussichten und die Nahrungssituation in
diesem Haushalt haben. Allerdings ist der klimatische Wandel hier nur ein Faktor neben
vielen anderen wie etwa geringer werdenden

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND MIGRATION IN WESTAFRIKA

Landgrößen (auch durch die rasch wachsende
Bevölkerung), kaum vorhandenem Zugang zu
landwirtschaftlichen Beratungsdiensten und anderen staatlichen Unterstützungsleistungen oder
einem nur geringen Marktzugang, falls einmal
Überschüsse erwirtschaftet werden. Diese Faktoren ziehen für die vorwiegend noch auf Subsistenz ausgelegte Landwirtschaft äußerst karge
und harte Rahmenbedingungen nach sich.
Migration, die in diesem Kontext stattfindet,
lässt sich daher schwerlich als „umweltbedingt“
charakterisieren, da die Dominanz des Faktors
hier nicht wirklich messbar ist. Da es sich aber
überwiegend um die bereits erwähnten zirkulären oder saisonalen Migrationsformen handelt,
bei denen einzelne Haushaltsmitglieder – zunehmend auch Frauen – für eine gewisse Zeit
migrieren, um Geld zu verdienen und so ihre
Familien mit Geld- oder Materialsendungen zu
unterstützen, kann man hier Migration durchaus auch als eine Anpassungsstrategie beschreiben. Allerdings wird dieser (potenziell) positive
Effekt durch mangelnden Rechtsschutz und
häufig schwierige Lebens- und Arbeitsbedingungen der Migranten im informellen Sektor der
Städte oder der kommerziellen Landwirtschaft
wieder gefährdet. Nichtsdestotrotz ist in Anbetracht der wohl noch schwierigeren Lebens- und
Arbeitsbedingungen für Kleinbauern, aber auch
Fischer und Pastoralisten feststellbar, dass viele
junge Menschen diesen Lebens- und Arbeitsweisen zunehmend den Rücken kehren möchten und langfristig eine Lohnbeschäftigung anstreben. Migration ist dabei eine wichtige Strategie, diesen Wandel herbeizuführen. Allerdings
herrscht bei vielen politischen Entscheidungsträgern nach wie vor die Überzeugung vor, mit
Maßnahmen wie der ländlichen, kleinbäuerlichorientieren Entwicklung junge Menschen von
der Migration abhalten zu können.

Die von ARMUT betroffenen Menschen begeben
sich nicht auf den gefährlichen Weg durch die
Sahara in Richtung Europa.

Viele der vom Umweltwandel betroffenen
Menschen sind gar nicht erst in der Lage,
überhaupt irgendwohin zu migrieren, da ihnen
aufgrund extremer Armut dazu schlichtweg das
notwendige Geld fehlt. Diese in der Literatur als
„trapped populations“ bezeichneten Bevölkerungsgruppen werden von den Auswirkungen
des klimatischen oder generell ökologischen
Wandels in Form von häufiger auftretenden
Flutereignissen oder stetig abnehmenden Erntemengen und entsprechend steigender Nahrungsmittelunsicherheit für gewöhnlich mit
voller Härte getroffen. Und häufig werden sie
auch härter getroffen als die Menschen, bei
denen Migration – zumindest für einen oder
mehrere Familienangehörige – eine Option ist.
Deswegen ist für Westafrika auch von keinem
Automatismus zwischen Klima- / Umweltwandel und Migration getreu dem Motto „je heißer,
je mehr Dürren oder je unzuverlässiger der Regen, desto mehr Migration“ auszugehen. Auch
ist aufgrund der Armut der betroffenen Migranten nicht davon auszugehen, dass der Klimawandel in absehbarer Zeit die nächste große
Welle von Migranten über das Mittelmeer in
Richtung Europa treiben wird. Diejenigen, die
sich heute auf den höchstgefährlichen Weg
durch die Sahara in Richtung Nordafrika und
dann weiter in Richtung Europa machen, werden nicht vom Klimawandel beeinflusst. Sie
entstammen für gewöhnlich aus anderen, vermögenderen Bevölkerungsgruppen.
UMWELTMIGRATION IN WESTAFRIKA:
WAS TUN?
Die Herausforderungen, die sich aus dem
Gesamtkomplex Umweltwandel und Migration
in Westafrika – und auch in anderen Erdteilen –
ergeben, gehen über einzelne Politikfelder wie
etwa Umwelt- oder Migrationspolitik, Katastrophenschutz und Städteplanung hinaus. Gleiches
gilt selbstverständlich für die korrespondierenden Felder der Entwicklungszusammenarbeit.
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass in
den vorhandenen Politikfeldern auf nationaler
und regionaler Ebene wie auch in den Aktionsfeldern der Entwicklungszusammenarbeit noch
viel stärker auf die Bedürfnisse der von Umweltwandel betroffenen und insbesondere der
vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen eingegan-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

59

BENJAMIN SCHRAVEN

gen wird. Westafrika ist in den letzten anderthalb bis zwei Jahrzehnten friedlicher und demokratischer geworden, was sich zum Beispiel in
mehreren friedlichen Machtwechseln in Ghana
und Nigeria als auch der weitestgehend unblutig verlaufenden Beendigung der „Langzeitpräsidentschaften“ in Burkina Faso und Gambia
äußerte. Für die weitere Entwicklung im Westen
Afrikas wird es von enormer Wichtigkeit sein,
die marginalisierten Teile der Bevölkerung, die
besonders unter den Folgen von Klima- und
Umweltwandel leiden und leiden werden, adäquat in die notwendigen Transformations- und
Modernisierungsprozesse miteinzubinden.
Dabei kann es nicht nur um eine Intensivierung von Anpassungsmaßnahmen etwa beim
Küstenschutz, eine bessere, die Folgen von Umweltwandel und Bevölkerungswachstum antizipierende Stadtplanung oder um eine resilientere (kleinbäuerliche) Landwirtschaft gehen. Die
Aussicht, dass durch derlei Maßnahmen in den
Herkunftsregionen Migration verhindert werden könne, sind jedoch unrealistisch. Es muss
vielmehr auch das vorhandene Anpassungs- und
Entwicklungspotenzial von Migration durch eine
(weitere) Verbesserung der Rahmenbedingungen
für Migranten genutzt werden, vor allem durch
eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Migranten. Hier sind sowohl
der westafrikanische Staatenbund ECOWAS
als auch die nationalen Regierungen gefragt.
Migranten und von Umweltwandel betroffene
Bevölkerungsgruppen – viele leben in marginalen Verhältnissen – sollten in Entscheidungsund Planungsprozesse einbezogen werden. Nur
so kann es gelingen, städtische und ländliche
Lebensbedingungen dauerhaft zu verbessern
und gegenüber den Folgen des ökologischen
Wandels resilienter zu gestalten.

||

eigene Berechnungen; http://ec.europa.eu/eurostat/
de/web/asylum-and-managed-migration/data/data
base, Luxemburg 2017, Stand: 17.9.2017.
2

Yaro, Joseph: Migration in West Africa: Patterns,
Issues and Challenges, Accra 2013.

3

Thomas, Roger G.: Forced labour in British West
Africa: The case of the Northern Territories of the
Gold Coast 1906-1927, in: The Journal of African
History 14/1973, S. 79-103.

4

Schraven, Benjamin: Irrigate or migrate? Livelihood
adaptation in Northern Ghana in response to ecological changes and ecological challenges, Bonn 2010.

5

Flahaux, Marie-Laurance / de Haas, Hein: African
migration: Trends, patterns, drivers, in: Comparative
Migration Studies 4, S. 1-25.
Devillard, Alexandre / Bacchi, Alessia / Noack,
Marion: A survey on migration policies in West
Africa, Wien / Dakar 2015.
Fioramonti, Lorenzo / Nshimbi, Chris: Regional migration governance in the African continent: Current
state of affairs and the way forward; Bonn 2016.
Devillard / Bacchi / Noak: A survey on migration
policies, S. 30.

6

7

8

9

Food and Agricultural Organization of the United
Nations (2007) Annual population data,
http://www.fao.org/faostat/en/#data,
Stand:
25.9.2017.

10

Schraven, Benjamin: Migration dynamics in SubSahara Africa – Myths, facts and challenges, in: Rural 21 – The International Journal for Rural Development 2/2016, S. 27-29.

11

Niang, Isabelle / Ruppel, Oliver C. / Abdrabo,
Mohamed A. / Essel, Ama u. a. in: Climate Change
2014: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Part B:
Regional Aspects. Contribution of Working Group II
to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, hrsg. von Vincente
R. Barros, Christopher B. Field, David J. Dokken
u. a., Cambridge / New York 2014, S. 1199-1265.
Zickgraf, Caroline / Vigil, Sara / de Longueville,
Florence u. a: The Impact of Vulnerability and
Resilience to Environmental Changes on Mobility
Patterns in West Africa, Washington D. C. 2016.
Ebd.

12

13
14

Schraven, Benjamin / Rademacher-Schulz, Christina: Shifting rainfalls, shifting livelihoods: seasonal
migration, food security and social inequality in
Northern Ghana, in: Environmental migration and
social inequality (Advances in Global Change Research 61), hrsg. von Robert McLeman, Jeanette
Schade und Thomas Faist, Berlin / Heidelberg 2015,
S. 43-56.

15

Nielsen, Jonas / Reenberg, Anette: Cultural barriers
to climate change adaptation: A case study from
Northern Burkina Faso, in: Global Environmental
Change 1/2010, S. 142-152.

DR. BENJAMIN SCHRAVEN
Deutsches Institut für Entwicklungspolitik,
Umweltpolitik und Ressourcenmanagement, Bonn

ANMERKUNGEN
1

Eurostat: Asylbewerber und erstmalige Asylbewerber
nach Staatsangehörigkeit, Alter und Geschlecht;
monatliche Daten (Juli 2016-Juni 2017); Datensatz:

60

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

KLIMAWANDEL, MIGRATION UND KONFLIKTE
AM BEISPIEL OSTAFRIKA∗
JANPETER SCHILLING || Zeitungsüberschriften wie „Auf der Flucht vor dem Klimawandel“1, „Wen
das Wetter vertreibt“2 oder „Klimawandel treibt mehr Flüchtlinge nach Europa“3 suggerieren einen
direkten Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und Migration. Andere Überschriften wie
„Mehr Gewalt durch Klimawandel“4, „Geheimdienstanalyse: BND warnt vor Klimawandel-Konflikten“5 und „Wie die Klimaerhitzung Terror und Gewalt fördert“6 stellen gar den Klimawandel als
(direkten) Treiber von Konflikten dar.

EINLEITUNG
In der Tat sind Klimawandel, Migration und
Konflikte wichtige Phänomene unserer Zeit. Jedes für sich genommen ist schon komplex. Die
Zusammenhänge zwischen diesen Phänomenen
sind um ein Vielfaches komplexer und sehr viel
weniger direkt als die angeführten Überschriften vermuten lassen7. Der vorliegende Beitrag
verdeutlicht einige der zentralen Zusammenhänge und Herausforderungen des sogenannten
Klima-Migration-Konflikts Nexus anhand von
zwei Beispielen aus Ostafrika. Die Region erlebt
immer wieder ausgeprägte Dürren. Die Dürre
von 2017, die vor allem den Südsudan, Somalia
und Teile von Äthiopien und Kenia erfasst hat,
gilt als eine der schlimmsten seit 1945.8

Migration und KONFLIKTE sind wichtige
Phänomene unserer Zeit.

Das erste Beispiel dieses Beitrags thematisiert
die Flüchtlingsbewegungen von Somalia nach
Kenia und zeigt dabei die Schwierigkeit, Dürren

von anderen Migrations-Treibern wie bewaffneten Konflikten zu unterscheiden. Das zweite
Beispiel geht auf Auswirkungen von Klimaveränderungen auf bewaffnete Konflikte zwischen
Viehhaltergruppen in Nordwestkenia ein. Zuvor wird der Klima-Migration-Konflikt Nexus
kurz beschrieben.

DER KLIMA-MIGRATION-KONFLIKT NEXUS
Abbildung 1 zeigt, wie der globale Klimawandel zunächst zu lokalen Umweltveränderungen und schließlich zu einer Verschlechterung der Ressourcenverfügbarkeit führen kann.
Wenn sich beispielsweise die Niederschlagsmuster so ändern, dass Landwirtschaft nur
noch schwer oder überhaupt nicht mehr möglich ist, könnten Bauern die landwirtschaftliche
Produktion aufgeben und innerhalb ihres Landes oder über Landesgrenzen hinweg migrieren.
Je nach Ausstattung und Nutzung der Ressourcen kann es dann zu Konflikten um Ressourcen
zwischen den Gemeinden in der Zielregion und
den Neuankömmlingen kommen.9 Eine Änderung der Ressourcenverfügbarkeit kann auch
ohne Migration bestehende Konflikte verschärfen.10 Jedoch ist die Kooperation zwischen Akteuren eine ebenso mögliche Handlungsoption.
Wissenschaftlich ist der Zusammenhang zwischen Klimawandel, Migration und Konflikten

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

61

JANPETER SCHILLING

Abbildung 1: Der Klima-Migration-Konflikt Nexus11

noch unzureichend verstanden. Der Großteil der
Literatur geht davon aus, dass der Klimawandel ein potenzieller Treiber sowohl von Migration als auch von bewaffneten Konflikten ist.12
Wie stark der Einfluss der Klimawandels jedoch
ausfällt, ist derzeit umstritten.13 Dies liegt zum
einen daran, dass die Gründe für Migration selten monokausal sind. Das heißt, dass Menschen
selten aus nur einem Grund migrieren und so oft
mehrere sogenannte „Push-Faktoren“ parallel
auftreten. Dies führt zu dem zweiten Problem:
die Unterscheidung von Klima- und Umweltveränderungen von anderen Push-Faktoren wie
etwa Armut, Verfolgung und Gewalt.14

lion Flüchtlinge aus Somalia.15 Oft werden die
wiederholt auftretenden Dürren und die damit
verbundenen schlechten Nahrungs- und Lebensmittelbedingungen als Grund für die Fluchtbewegungen nach Kenia angeführt.16 Abbildung 2 legt jedoch nahe, dass die Anzahl der
somalischen Flüchtlinge (rosa Kurve) eher mit
der Anzahl der Konflikttoten in Somalia (graue
Balken) zusammenhängt als mit dem Auftreten
von Dürren (orange Balken). Die Darstellung ist
keine wissenschaftlich belastbare Korrelationsanalyse. Dennoch zeigt Abbildung 2 das parallele Auftreten von verschiedenen Push-Faktoren.
Abbildung 2: Somalische Flüchtlinge in Kenia,
Dürren und Konflikttote in Somalia17

Die Gründe für Menschen zur MIGRATION sind
vielfältig und oft nicht klar zu unterscheiden.

FLUCHTBEWEGUNGEN VON SOMALIA
NACH KENIA
Die Schwierigkeit, Klima- und Umweltveränderungen von anderen Push-Faktoren zu
unterscheiden, lässt sich gut am Beispiel der
Fluchtbewegungen von Somalia nach Kenia verdeutlichen. In Kenia leben gut eine halbe Mil-

62

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

KLIMAWANDEL, MIGRATION UND KONFLIKTE AM BEISPIEL OSTAFRIKA

KLIMA UND KONFLIKTE IN KENIA
Das zweite Beispiel geht auf die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf bewaffnete
Konflikte in Nordwest Kenia ein. Die Region
ist die ärmste und am wenigsten entwickelte
des Landes.18 Die Zentralregierung in Nairobi
hat es hier bisher nicht verstanden, eine Wirtschafts-, Bildungs- und Transportinfrastruktur
aufzubauen.19 Hirtenvölker, insbesondere die
Turkana und die Pokot, kämpfen hier um
Wasser, Weideflächen und Vieh (Abb. 3).
Kaum ein Monat vergeht, ohne dass bei den
Kämpfen Menschen getötet oder verwundet
werden.20 Laut offiziellen Angaben kosteten die
Konflikte auf dem Gebiet der Pokot und Turkana alleine 2009 mehr als 600 Menschen das
Leben.21 Um die Ursachen des Konflikts zwischen den Turkana und Pokot besser zu verstehen, wurden die Hauptgewaltakteure, sprich
die Viehdiebe, zu ihren Motiven befragt.22 Die
Viehdiebe auf der Seite der Pokot gaben die zu
zahlende Brautsteuer (üblicherweise mehrere
Dutzende Schafe, Ziegen und Kamele) und eine
Steigerung des eigenen Wohlstands als wichtigste Gründe für die Durchführung von Angriffen auf die Turkana an. Bei den Turkana
hingegen stellten sich Hunger und Dürre als
wichtigste Konfliktmotive heraus (Tab. 1).

Abbildung 3: Nomadischer Hirte mit Kamel in
Turkana, Kenia

Foto: J. Schilling, 4. März 2011.

Auch wenn die Anzahl der befragten Viehdiebe mit 41 recht klein ist, wurde die Motivlage durch Interviews mit weiteren Mitgliedern
(Viehhaltern, Frauen, Dorfvorstehern, etc.) der
beiden Gruppen bestätigt.23 Damit zeigt Tabelle 1, dass auf Grundlage einer qualitativen Datenerhebung ein Einfluss von klimatischen Bedingungen, zumindest bei einer Konfliktpartei,
festzustellen ist. Die Unterschiede der Konfliktmotive zwischen den Turkana und den Pokot

Tabelle 1: Motive der Viehdiebe in Nordwest Kenia24

Hunger

Wohlstand

Brautsteuer

Land

78 %

22 %
25 %

50 %

25 %

33 %

22 %

Dürre

Primärmotiv
Turkana
Pokot
Sekundärmotiv
Turkana
Pokot

25 %

44 %

75 %

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

63

JANPETER SCHILLING

sind vor allem mit den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen zu erklären, die während
der Befragung 2011 in der Region vorzufinden
waren. Während die Pokot im Hochland verhältnismäßig viel Regen bekommen hatten und
damit über Wasserstellen, Vieh und Weideflächen (Abb. 4) verfügten, herrschte in der Tiefebene der Turkana eine Dürre, die die Turkana
in die Abhängigkeit von Nahrungsmittellieferungen der kenianischen Regierung und internationalen Organisationen zwang (Abb. 5).

Abbildung 5:
Ausgabe von Nahrungsmitteln in Turkana

Abbildung 4: Kühe und Hirtenjungen an einer
Wasserstelle in West Pokot

Foto: J. Schilling, 28. September 2011.

Foto: J. Schilling, 18. Oktober 2011.

Der Zusammenhang zwischen gewaltsamem
Viehdiebstahl und klimatischen Bedingungen
lässt sich auch quantitativ analysieren. Die Temperaturwerte und Niederschlagsmengen stammten dabei von einer lokalen Wetterstation. Die
Konfliktdaten wurden von einer Viehhalterorganisation gesammelt, die Auskunft über die
Überfälle sowie die Anzahl der Toten, Verletzten
und gestohlenen Tiere in Nordwestkenia gibt.25
Die Analyseergebnisse in Abbildung 6 überraschen.

Abbildung 6: Viehdiebstähle und Niederschläge in Turkana 2006 bis 200926

64

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

KLIMAWANDEL, MIGRATION UND KONFLIKTE AM BEISPIEL OSTAFRIKA

Unterschiedliche KLIMATISCHE BEDINGUNGEN
führen zu unterschiedlichen Konfliktmotiven.

In Jahren mit normaler Regenverteilung wie
2006 und 2008 fanden die meisten Viehdiebstähle nicht, wie man annehmen würde, während der Trockenzeit statt, in der die Wasserressourcen und Weideflächen am knappsten
sind, sondern während und nach der kurzen
und langen Regenzeit. Nur in Dürrejahren wie
2009 stieg die Anzahl der Überfälle besonders
an. Wie ist das zu erklären? Die von Schilling27
durchgeführten Interviews deuten darauf hin,
dass die Trockenphasen die Viehbestände reduzieren und so den Druck auf die Hirten erhöhen, die Herden durch Viehdiebstähle aufzustocken. Mit den Viehdiebstählen warten die
Viehdiebe, bis es wieder regnet. Dann bietet die
Vegetation den Angreifern Deckung und die
erbeuteten Kühe, Kamele und Ziegen sind kräftig genug, um den Transport vom gegnerischen
zum eigenen Lager zu überstehen. In trockenen
Perioden dagegen sind die Hirten damit ausgelastet, ihre Tiere am Leben zu halten – das bedeutet weniger Angriffe. Nur in Zeiten länger
anhaltender Dürre wie 2009 kommt es zu Angriffen. Diese dienen jedoch nicht dazu, den
eigenen Viehbestand zu erhöhen sondern vielmehr dazu, sich die Kontrolle über knappe Wasserressourcen und Weideflächen zu verschaffen
oder diese zu verteidigen.28

ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass
der Klimawandel ein potenzieller Treiber von
Migration und ein möglicher Verstärker von
Konflikten ist. Wie groß der Einfluss des Klimawandels jedoch ausfällt, ist noch kaum verstanden und derzeit umstritten. Das Beispiel der
Fluchtbewegung von Somalia nach Kenia zeigt,
dass es schwierig ist, klimatische Veränderungen
und Bedingungen von anderen Push-Faktoren
wie etwa Gewaltkonflikten zu unterscheiden.
Am Beispiel des Turkana-Pokot-Konfliktes wird
deutlich, dass der Klimawandel bestehende
Konflikte verschärfen kann.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Anstrengungen, den Klimawandel zu reduzieren,
auch zu einer Minderung von bewaffneten
Konflikten beitragen. Andererseits ist Frieden
die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche
Anpassung an den Klimawandel. In Nordwestkenia wird beides gebraucht – Frieden und eine
Stärkung der lokalen Kapazitäten, sich an den
Klimawandel anzupassen.
Um Frieden zwischen den Turkana und den
Pokot zu schaffen, sind vor allem zwei Maßnahmen vielversprechend. Erstens, direkte Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien.
Diese Gespräche könnten und werden auch zum
Teil schon von der kenianischen Regierung sowie lokalen und internationalen Organisationen
organisiert. Zweitens müssen vor allem für die
Viehdiebe alternative Handlungsoptionen zu
den Überfällen entwickelt werden. Das könnten
beispielsweise Kleinkredite zur Anschaffung von
kleinen Motorrädern zum Aufbau eines Transportbusiness oder eines Lebensmittelhandels
sein.

||
Friedensgespräche zwischen den KONFLIKTPARTEIEN und alternative Handlungsoptionen
sind wichtig.

JUN. PROF. DR. JANPETER SCHILLING
Universität Koblenz-Landau, Institut für
Umweltwissenschaften, Forschungsgruppe
Landnutzungskonflikte;
Assoziierter Wissenschaftler: Friedensakademie
Rheinland-Pfalz e.V.; Universität Hamburg,
Forschungsgruppe Klimawandel und Sicherheit

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

65

JANPETER SCHILLING

11

Eigene Darstellung angelehnt an Scheffran, J. /
Link, P. M. / Schilling, J.: Theories and models of
climate-security interaction: Framework and application to a climate hot spot in north Africa, in:
Climate change, human security and violent conflict:
Challenges for societal stability, hrsg. von Jürgen
Scheffran, J. Brzoska u. a., Berlin, S. 91-131.

12

Scheffran / Brzoska / Kominek / Link / Schilling:
Disentangling the climate-conflict nexus: Empirical
and theoretical assessment of vulnerabilities and
pathways, Review of European Studies, Bd. 4; S. 113; Ide, T.: Why do conflicts over scarce renewable
resources turn violent? A qualitative comparative
analysis, Global Environmental Change, Bd. 33/
2015; S. 61-70; Ide, T. / Link, P. / Scheffran, J. /
Schilling, J.: The climate-conflict nexus: Pathways,
regional links, and case studies, in: Handbook on
sustainability transition and sustainable peace, hrsg.
von Hans Günther Brauch, Ursula Oswald Spring,
John Grin und Jürgen Scheffran, Cham 2016,
S. 285-304.

ANMERKUNGEN
∗

Der Beitrag ist ursprünglich erschienen unter Schilling, Janpeter: Klimawandel, Migration und Konflikte am Beispiel Ostafrika, in: Migration und Flucht
zwischen Klimawandel und Konflikten, Bd. 9, hrsg.
von Jürgen Scheffran, S. 75-82, Hamburg 2017.

1

Frankfurter Rundschau (2015): Auf der Flucht vor
dem Klimawandel, http://www.fr-online.de/klima
wandel/migration-auf-der-flucht-vor-dem-klimawan
del,1473244,32712340.html, Stand: 23.11.2016.

2

Zeit (2016): Wen das Wetter vertreibt, http://www.
zeit.de/wirtschaft/2015-12/flucht-klimawandel-klima
fluechtling-migration-kleinbauer, Stand: 12.11.2016.

3

Welt (2015): Klimawandel treibt mehr Flüchtlinge
nach Europa, https://www.welt.de/wissenschaft/
umwelt/article139965901/Klimawandel-treibt-mehrFluechtlinge-nach-Europa.html, Stand: 12.11.2016.

4

Süddeutsche Zeitung (2013): Mehr Gewalt durch
den Klimawandel, http://www.sueddeutsche.de/wis
sen/konfliktforschung-mehr-gewalt-durch-den-klima
wandel-1.1736542, Stand: 12.11.2016.

13

Spiegel (2013): BND warnt vor Klimawandelkonflikten, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/
geheimdienst-analyse-bnd-warnt-vor-klimawandelkonflikten-a-931290.html, Stand: 23.11.2016.

Burrows, Kate / Kinney, Patrick L.: Exploring the
climate change, migration and conflict nexus, International Journal of Environmental Research and
Public Health, Bd. 13/2016.

14

Kliot, Nurit: Environmentally induced population
movements: Their complex sources and consequences. A critical review, in: Environmental change
and its implications for population migration, hrsg.
von Jon D. Unruh, Maarten S. Krol und Nurit Kliot,
Berlin 2004, S. 69-99.

15

United Nations High Commissioner for Refugees
(UNHCR): Global trends – forced displacement in
2015, Genf 2016.

16

UNOCHA, U. N. O. F. T. C. O. H. A.: Somalia:
Extreme concern over the deteriorating drought
situation, http://www.unocha.org/top-stories/allstories/somalia-extreme-concern-over-deterioratingdrought-situation, Stand: 18.8.2011.

17

Eigene Darstellung von Lisa Krause und Janpeter
Schilling, auf Datengrundlage von UNHCR 2016;
UCDP/PRIO 2015: Ucdp/prio armed conflict dataset codebook version 4-2015, http://ucdp.uu.se/
downloads/, Stand: 26.4.2016; Reliefweb (2005):
Djibouti: Drought – apr 2005, http://reliefweb.int/
disaster/dr-2005-000061-dji, Stand: 23.11.2016;
Reliefweb (2012): Horn of africa crisis: 2011-2012,
http://reliefweb.int/disaster/dr-2011-000029-ken,
Stand: 23.11.2016; Reliefweb (2016): Somalia:
Drought 2015-2016, http://reliefweb.int/disaster/dr2015-000134-som, Stand: 23.11.2016.

18

UNDP: Kenya national human development report
2009, Nairobi 2016.

19

GOK: National policy for the sustainable development of arid and semi arid lands, Nairobi 2007,
Government of Kenya.

5

6

7

SZ (2017): Wie die Klimaerhitzung Terror und Gewalt fördert, http://www.sueddeutsche.de/politik/
politik-und-klimawandel-wie-die-klimaerhitzung-ter
ror-und-gewalt-foerdert-1.3470911, Stand: 20.4.2017.
Scheffran J. / Brzoska, M. / Kominek, J. / Link, P. M. /
Schilling, J.: Climate change and violent conflict,
Science, Vol. 336, S. 869-871; Scheffran J. / Broska,
M. / Kominek, J. / Link, P. M. / Schilling, J.: Disentangling the climate-conflict nexus: Empirical and
theoretical assessment of vulnerabilities and pathways, Review of European Studies, Bd. 4, S. 1-13.

8

Africanews (2017): Reality of the worst drought
since 1945 peaking in parts of Africa, http://www.
africanews.com/2017/03/17/depth-of-the-worst-dro
ught-since-1945-peaking-in-parts-of-africa//, Stand:
20.4.2017; United Nations (2017): Drought drives
food price spike in east Africa, un warns,
http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=
56167#.WPnfRmdWiGM, Stand: 20.4.2017.

9

Scheffran / Brzoska / Kominek / Link / Schilling:
Climate change and violent conflict, Science, Bd. 336,
S. 869-871.

10

Schilling, J. / Akuno, M. / Scheffran, J. / Weinzierl, T.:
On raids and relations: Climate change, pastoral
conflict and adaptation in northwestern Kenya, in:
Conflict-sensitive adaptation to climate change in
Africa , hrsg. von Salomé Bronkhorst und Urmilla
Bob, Berlin 2014, S. 241-268.

66

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

KLIMAWANDEL, MIGRATION UND KONFLIKTE AM BEISPIEL OSTAFRIKA

20

Schilling, Jürgen / Opiyo, Frances / Scheffran, Jürgen:
Raiding pastoral livelihoods: Motives and effects of
violent conflict in north-western kenya, Pastoralism: Research, Policy and Practice, Bd. 2/2012,
S. 25; Schilling, Jürgen: Verschärft der Klimawandel Konflikte in Kenia?, in: Wie der Klimwandel
Konflikte anheizt, hrsg. von Christoph Bongard und
Richard Klasen, Köln 2015.

21

CEWARN (Conflict Early Warning and Response
Mechanism): Cewarn country updates: SeptemberDecember 2009, Addis Ababa.

22

Schilling / Opiyo / Scheffran: Raiding pastoral livelihoods.

23

Ebd.

24

Ebd., S. 8.

25

Schilling / Akuno / Scheffran / Weinzierl: On raids
and relations, Berlin 2014.

26

Ebd., S. 250.

27

Ebd., S. 241-268.

28

Ebd.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

67

CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION
IN KENYA
Assessing impacts on pastoralist communities, and legal and
policy options to enhance adaptation actions
ROBERT KIBUGI / SYLVIA LANYASUNYA || The fact that the impacts of Climate Change are being felt
in Kenya cannot be questioned. The proof is in the increasingly erratic and unpredictable weather
patterns that the country has been experiencing in recent times. Certain segments of society such
as pastoralists are more vulnerable to the adverse effects of Climate Change than others. In Kenya,
the most serious extreme weather event is drought, and although this is not a new phenomenon,
recent instances of drought have increased in frequency and magnitude thus threatening the very
existence of pastoralists who rely on livestock rearing as their main source of livelihood. In recognition of the seriousness of this situation, the Kenyan government is taking action to build the
resilience, and enhance the adaptive capacity of pastoralist communities. This policy brief is an
assessment of the situation, and review of legal, policy and strategic action being undertaken in
Kenya to address the climate challenges facing pastoralist communities, including mitigating against
forced migration.

EVIDENCE AND IMPACTS OF CLIMATE CHANGE
IN KENYA
The Fifth Assessment Report (AR5) of the
Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC),1 released in 2014 noted that "warming
projections under medium scenarios indicate
that extensive areas of Africa will exceed 2 °C
by the last 2 decades of this century relative to
the late 20th century mean annual temperature
and all of Africa under high emission scenarios."2 In addition, AR5 reported that African ecosystems are already being affected by climate
change, which will further amplify existing
stress on water availability in Africa, with strong
adverse effects on food security.3 The IPCC has,
further, reported that climate extremes exert a
significant control on the day-to-day economic
development of Africa, particularly in traditional
rain-fed agriculture, pastoralism, and water resources, at all scales. In this case, vulnerability is
exacerbated by floods and droughts that cause

major human and environmental impacts on,
and disruptions to the economies of African
countries.4 The IPCC reports support observations made earlier by the 2010 East African
Community (EAC) Climate Change Policy that
"EAC Partner States are generally dependent on
climate-sensitive natural resources, have high
poverty levels, coupled with low adaptive capacities."5 The EAC policy also noted that
"high reliance on rain-fed agriculture makes rural livelihoods and food security highly vulnerable to consequences of climate variability and
change."6
The impacts of climate change, in Kenya,
have been interrogated by the 2013-2017 National Climate Change Action Plan (NCCAP),7
and the 2014 Draft Framework Climate Change
Policy.8 These impacts of climate change, as
observed in Kenya, have resulted in changes in
the frequency, intensity, spatial extent, duration,
and timing of extreme weather and climate

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

69

ROBERT KIBUGI / SYLVIA LANYASUNYA

events.9 This has resulted in unprecedented extreme weather and climate events, with evidence of higher frequency and intensity being
noted in Kenya, particularly droughts and floods.
The country's famine cycles have reduced from
20 years (1964-1984), to 12 years (1984-1996),
to two years (2004-2006) and to yearly (2007/
2008/2009/2010/2011/2012).10

IMPACTS OF CLIMATE CHANGE ON
PASTORALIST LIVELIHOODS IN KENYA
Livestock keeping, and particularly through
pastoralism by nomadic communities, faces significant challenges from the impacts of climate
change. The 2010 National Climate Change
Response Strategy (NCCRS), noted that nearly
half of all livestock in Kenya is found in fragile
ecosystems, such as Arid and Semi-Arid Lands
(ASALs) that are most vulnerable to climate
change, and livestock production is therefore
not exempt from the vagaries of climate
change.
Fig 1: Map of Kenya with Arid and Semi Arid
Counties highlighted (source: John Allosso of
McAllosso & John Creatives)

70

Consequences of climate change for pastoralist
communities in Kenya are severe.

According to the NCCAP, approximately
60 per cent of the country's livestock is found
in the ASALs, which constitute about 80 per
cent of the country's land mass and which are
home to 30 per cent of the country's population. It is important to note that land in most
of these areas is communal and not owned by
individuals.11 Pastoralism is the dominant form
of livestock-keeping in the ASALs and given
the recourse to mobility to manage climate variability, pastoralism is inherently adaptive, but
the increased frequencies of extreme weather
events multiply the impact of factors that constrain pastoralists' livelihoods.12 The 2014
Draft Climate Change Policy concurs, noting
that as livestock is experiencing negative impacts from climate change due to increased
frequency of droughts in the ASALs, there is
higher livestock morbidity and mortality.13 The
impact of these events on pastoralism communities is profound:
∙ Frequency in droughts has major impacts
on pastoralist communities, destroying livelihoods and increasing vulnerability. Men,
who are traditionally responsible for livestock have been compelled, by reduced herd
sizes, to migrate to urban centres for wageemployment. This has had implications for
women and children due to the additional
burden of sustaining household food, water
and human security, such that school attendance rates decreased, child labour increased and conflicts over resources were
observed to intensify.14
∙ The ASALs have witnessed several transformations that impacted on the livelihoods
of the pastoralists. Migration of rural communities from the congested high-potential
areas and the dry arid areas to cities has
contributed to over-populated slums and
settlements that lack basic services. The

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION IN KENYA

∙

∙

∙

∙

dwellers of the slums in turn continue to
migrate to the semi-arid areas and pursue
non-pastoral activities such as cropping in
grazing lands not well suited for agriculture.15
There has been increased displacement of
communities and migration of pastoralists
into and out of the country resulting in conflicts over natural resources, such as pasture
and water.16
Pastoralism requires mobility, often over
wide spatial areas. Diminishing land sizes
due to higher population, sale of land to
non-pastoralist communities resulting in
fencing of pastoralist corridors and access
to water, exacerbates the challenges arising
from climate change. This has resulted in
livestock being pushed into unsuitable areas,
including the City of Nairobi, where incidences of diseases, and conflicts with other
communities, increase.
Increased scale and duration of migration by
the men (heads of families), with the livestock in search of water and pasture, will
likely increase pressure on families, including higher vulnerability to famine.
Climate-change induced migration, in situation of extreme drought and famine, in
search of water and pasture, creates conflict
and challenges over property rights as
herdsmen encroach on the land belong to
other people. In the north of Kenya, for instance, pastoralists from West Pokot and
Turkana counties often move their herds
towards and even into neighbouring Uganda
when drought intensifies and this has been
witnessed already this year.17 This movement has led to conflicts in some parts of
the country, such as in Laikipia with pastoralists from the neighbouring counties forcibly relocating their herds to privately owned
ranches to graze. Incidences of conflict increase as pastoralists from different ethnic
communities migrate from their traditional
homelands to other parts of the country
where they are not always welcome. The
competition for grazing land between pastoralists from different communities raises
tensions and sometimes turns violent as the
situation becomes more desperate.

∙ Communities that used to be considered
nomadic are now less mobile and more likely to have settled homesteads, which brings
both benefits in terms of access to services
as well as challenges such as natural resource degradation and reduced economic
potential. For instance, the Turkana people
of northern Kenya are still referred to by
some as nomads yet many Turkana now
grow crops and only some members of the
family, or hired herdsmen, migrate with
livestock in search of water and pasture.18
The interface between pastoralist livelihoods, ASAL ecosystems and climate change,
is enhancing the vulnerability of pastoralist
communities by lowering their resilience and
adaptive capacity. The mobility of pastoralist
communities through migration, is historically,
a strong strategy for adapting to the natural
variances. This mobility has become migration,
within Kenya, and often, out of Kenya into
neighbouring countries such as Uganda. However, long periods of drought have affected the
practice of mobility that is based on transhumance, which implies seasonal migration between distinct resource area, such as wet and
dry season pasture areas, including across international borders.19

LEGAL AND POLICY OPTIONS ADDRESSING
ADAPTATION TO CLIMATE CHANGE BY
PASTORALIST COMMUNITIES
Kenya has undertaken a number of legal
and policy steps that provide a firm basis for
action, and support the implementation of
adaptation actions by pastoralist communities:
Enactment of Climate Change Act
Kenya, in 2016, enacted the Climate Change
Act (CCA) to provide a legal framework that
will trigger and support coordinated actions
taken in response to climate change. This law
provides the overall governance structure for
climate change in Kenya, and to support
development and implementation of measures
and mechanisms that will enhance climate
change resilience (through adaptation) for the
sustainable development of Kenya. This would

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

71

ROBERT KIBUGI / SYLVIA LANYASUNYA

include actions to support adaptation of pastoralist communities to the impacts of climate
change, which is evident from some of the
objectives of the CCA, below:
∙ Taking into account climate change considerations (otherwise referred to as mainstreaming climate change), during all development planning, decision making and implementation in Kenya
∙ Formulating adaptation programmes and
plans to support and enhance reduction of
vulnerability, and strengthen capacity of
human and ecological systems
∙ Taking into account the needs for climate
change disaster risk reduction in public policy decisions
∙ Support and facilitate development of capacity for public participation in climate change
actions through awareness creation, public
consultations, public representation, and access to information.
Development and implementation of a
National Climate Change Action Plan
It is important to note that the National
Climate Change Action Plan (NCCAP) is the
main mechanism through which mainstreaming of climate change actions is undertaken,
and it includes actions to be undertaken by the
national government, and county governments.
Section 19 of the CCA requires county governments to implement climate actions through
County Integrated Development Plans (CIDPs)
which are intended to be developed in a participatory manner, including engagement with
local communities.
There are a number of policy choices and
strategies to enhance adaptation by
pastoralist communities to the impacts of
climate change, namely:
∙ Implementation of climate smart agriculture
policy strategies, including restoration of
degraded pasture areas, and adoption of
agro-forestry practices by pastoralist communities.
∙ Promotion of diversification of livelihood
activities such as indigenous poultry, rabbits, beekeeping, and emerging livestock,
such as quail and guinea fowl.

72

∙ Enhancing citizen participation in decision
making. There is need for county governments to devise methods for pastoralist
communities to make contributions to the
development of CIDPs, in order to identify
climate change interventions that are suitable and relevant. In addition, pastoralist
communities, in ASAL counties, should be
involved in prioritization of climate actions
in order for public funds to be dedicated to
the most appropriate interventions.
∙ There is need for county governments in the
ASAL areas most affected by climate change,
to make efforts to access climate finance
sources available within Kenya, and under
the international climate change framework,
to fund policy interventions that promote
building the resilience and adaptive capacity
of pastoralist communities.
∙ In order to ensure that pastoralist migration
and the transhumance lifestyle continues
peacefully without conflict, it is important
for county governments to create forums
through which communities can engage on
migratory routes and access to water. In
addition, it is important for neighbouring
counties to formally engage on the question
of migratory routes and access to water in
order to avoid the break out of conflict.

CONCLUSION
It is clear that climate change impacts facing
Kenya continue to increase, in terms of frequency and magnitude, particularly with respect
to extreme weather events such as drought.
Pastoralism, as the dominant form of livestockkeeping in the ASALs applies mobility and
transhumance to manage climate variability.
Therefore, pastoralism is inherently adaptive but
the increased frequencies of extreme weather
events multiply the impact of factors that constrain pastoralists’ livelihoods. This is evident
through the increased displacement of communities and migration of pastoralists into and
out of the country resulting in conflicts over
natural resources, such as pasture and water. In
addition, the diminishing land sizes due to
higher population and the sale of land to nonpastoralist communities has resulted in fencing

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION IN KENYA

of pastoralist corridors and access to water,
therefore exacerbating the challenges arising
from climate change. This has resulted in livestock being pushed into unsuitable areas, including the City of Nairobi, where incidences
of diseases, and conflicts with other communities, increase. In addition, the increased scale
and duration of migration by the men (heads of
families), with the livestock in search of water
and pasture, will likely increase pressure on
families and increase vulnerability to famine.

Cooperation of Kenyan county governments
with the national government and pastoralists
communities is critical for adapting to climate
change.

The enactment of the Climate Change Act
in Kenya is a key step, as well as the prioritization of adaptation actions focusing on building
resilience and enhancing the adaptive capacity
for pastoralism as a form of livelihood. The role
of county governments, working together with
pastoralist communities, and the national government will remain critical, in order to sustain
pastoralism as a viable livelihood option, while
adapting to climate change and reducing the
vulnerability of the pastoralist communities,
the livestock and the ASAL landscapes.
Climate Change poses a great risk to the
livelihoods of the pastoralists living in the Arid
and Semi Arid parts of Kenya, however as has
been discussed, there is hope of mitigating
against the more severe impacts if all stakeholders involved come together to implement
solutions. The Kenya government has taken the
steps to show its commitment towards assisting pastoralists to cope with an uncertain future. When implemented, these policies will
help to ensure that livestock rearing remains a
viable economic pursuit for the ASAL areas of
the country as well as enhancing the quality of
life of people living in these areas.

||

ROBERT KIBUGI
Environmental Lawyer & Senior Lecturer,
School of Law, University of Nairobi

||

SYLVIA LANYASUNYA
Project Officer Climate Change,
Hanns Seidel Foundation Kenya-Ethiopia

||

UTA STASCHEWSKI
Resident Representative,
Hanns Seidel Foundation Kenya-Ethiopia

ANMERKUNGEN
1

Pachauri, R. K. and Meyer, L. A. (eds): Climate
Change 2014: Synthesis Report. Contribution of
Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on
Climate Change (IPCC, 2014).

2

Niang, I., Ruppel, O. et al.: Africa, in: Barros, V.
R.,. Field, C. B. et al. (eds): Climate Change 2014:
Impacts, Adaptation, and Vulnerability, Part B: Regional Aspects, Contribution of Working Group II
to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Cambridge University Press, 2014), 22.

3

Cf. ibid.

4

IPCC, 2012: Managing the Risks of Extreme Events
and Disasters to Advance Climate Change Adaptation. A Special Report of Working Groups I and II
of the Intergovernmental Panel on Climate Change
(Field, C. B., Barros, V. et al.: (eds), Cambridge
University Press, Cambridge, UK, and New York,
NY, USA), 252.

5

East African Community, East African Community
Climate Change Policy (EAC Secretariat, 2010), 1.

6

Cf. ibid.,15.

7

Kenya, National Climate Change Action Plan 20132017 (Ministry of Environment and Mineral Resources, 2013), 15.

8

Kenya, Draft Sessional Paper on National Climate
Change Framework Policy (Ministry of Environment, Water and Natural Resources, 2014). Online:
http://www.environment.go.ke/wp-content/uploa
ds/2014/09/Draft-Climate-Change-Policy.pdf, last
accessed 31.1.2016.

9

Cf. ibid., 14.

10

Kenya, National Climate Change Action Plan 20132017 (Ministry of Environment and Mineral Resources, 2013), 14.

11

Cf. ibid., 48.

12

Cf. ibid.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

73

ROBERT KIBUGI / SYLVIA LANYASUNYA

13

Kenya, Draft Sessional Paper on National Climate
Change Framework Policy (Ministry of Environment, Water and Natural Resources, 2014), 11.

14

Kenya, National Climate Change Action Plan 20132017 (Ministry of Environment and Mineral Resources, 2013), 52.

15

Cf. ibid., 53.

16

Cf. ibid., 4.

17

National Drought Early Warning Bulletin January
2017 (The Presidency, Ministry of Devolution and
Planning, 2017), 3.

18

Building climate change resilience for African livestock in sub-Saharan Africa - World Initiative for
Sustainable Pastoralism (WISP): a program of
IUCN – The International Union for Conservation
of Nature, Eastern and Southern Africa Regional
Office, Nairobi, March 2010, 4.

19

Cf. ibid.

74

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DERIVING A LEGAL FRAMEWORK TO ADDRESS
CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION IN THE
PACIFIC
COSMIN CORENDEA / TANVI MANI || The effects of climate change on the people of the Pacific
have long been underestimated due to the lack of information and adequate research into the
nature of the responses, the adaptability of the communities and the consequences, which have
included over time, forced migration. The Pacific Island Communities consider the land to be an
integral part of their identity and the loss they face due to the erratic weather patterns and debilitating natural disasters has been significant. This article seeks to address the legal mechanisms
available through which the rights of climate migrants can be safeguarded. It propounds a regional,
bottom up approach that involves effective stakeholder engagement and a comprehensive understanding of grassroots needs in order to derive constructive responses, durable channels of engagement and sustainable solutions under the overarching umbrella of international law.

INTRODUCTION
The dynamic changes in weather patterns
witnessed over the last decade and the far-reaching impact they have on vulnerable communities can no longer be ignored. The Intergovernmental Panel on Climate Change Assessment
Report (AR5) within the 19th Chapter places a
special emphasis on the emerging risk and
highlights the key threats in the context of climate change induced migration. The effect of
such migration on both sending and receiving
regions will be significant and it is therefore
imperative that the international community
derives steadfast and plausible solutions that are
both durable and sustainable in the long run.
The response of the international community
to climate induced migration must however be
contextualized in a plausible framework of international law, one that draws as much from
the human rights articulation as it does from
the still evolving regime of environmental governance. The Paris Agreement, for instance, has
encapsulated within its text the immediacy of

the need to address, minimize and more importantly, avert the loss and damage caused to
communities through both extreme weather
patterns and slow onset events. In the context
of the Pacific Island Countries, it is especially
important to situate the mechanisms of addressing climate induced migration in a comprehensive understanding of the legal norms,
customs, traditions and cultures that govern
the societies within the island nations. It is
therefore important to also consider the noneconomic losses sustained in the process of migrating due to climate induced disasters. These
include the loss of identity as well as the psychological, social, emotional and cultural damages concomitant with this relocation. These
disasters have significantly amplified the preexisting vulnerabilities within the communities
affected, often resulting in the complete debilitation of the homes, livelihoods and basic means
of sustenance of the poor. The land is thus
rendered unable to support its occupants resulting in the forced displacement of its people.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

75

COSMIN CORENDEA

In this context this essay attempts to construct a legal response to address this climate
change induced diaspora using the tools encapsulated within various instruments of international law. It advocates for the creation of linkages
within the various branches of international law,
primarily, human rights, environmental law and
refugee law to derive a comprehensive response
structure that leaves enough flexibility for nations to derive their own mechanisms while at
the same time defining a universal standard of
reference. This argument is contextualized in
the idea that the law cannot remain static and
must evolve to address and effectively respond
to the dynamic needs of a constantly changing
society. The arguments within this essay also
propound a bottom up approach grounded
within regionalism, with a view to advance the
notion that the most effective strategic interventions are likely to emerge from within the
region itself, through the close involvement
and consistent deliberation amongst the stakeholders most affected.

SAFEGUARDING THE RIGHTS OF
CLIMATE MIGRANTS
According to a recent estimation close to
two million people will be displaced in the
Pacific Island region in the 21st century alone if
appropriate responses are not systematically
instituted.1 In 2009, the Pacific church leaders
issued a resettlement statement; the Moana
Declaration, a farsighted approach to set into
motion a planned, well managed and effective
relocation process. It called for the institution
of scientific measures to identify appropriate
and available land that was equipped with
enough resources to sustain environmentally
displaced communities. It also propagated carrying out community consultations with the islanders affected by rising sea levels and disruptive weather patterns so as to involve them in the
development of policy articulations that would
protect their right to land, property, food security, livelihood, healthcare and education.2
The first part of the declaration is in effect a
call to national governments to identify land
that can be made available to environmentally
displaced persons. This would require the gov-

76

ernments to work in collaboration with traditional and customary landowners to identify
the possibility of accepting migrants within
their own country and relocating internally
displaced persons. If required, this would also
involve resettlement outside the Pacific Island
countries – a possibility that could only be manifested through targeted negotiations with host
countries.
The second part of the declaration is an
acknowledgment that in instances of forced
migration, the choice of the islanders is taken
away from them and more often than not, they
have no other option available. Thus, it is imperative that their human rights be protected
through comprehensive policy formulations at
a national and regional level. It emphasizes on
a participatory process that takes into account
the concerns of the islanders and provides
them with assurances that seek to protect their
culture and identity. The carrying out of these
community consultations in vernacular languages and with an appropriate representation
from the grassroots level would assuage the
concerns of the islanders and prevent them
from feeling alienated through what they might
otherwise perceive as a foreign process being
imposed upon them.

The success of engagement depends crucially
on the consideration of the cultural sensitivities
and the traditions of the islanders.

An effective stakeholder engagement within
the Pacific Islands would be successful only if
it takes into account the cultural sensitivities
and the traditions of the people.3 For example,
communication about resilience building strategies and scientific management of land to
facilitate a smooth migration process would be
most effective if conveyed in vernacular languages. For any adaptation strategy to be effective and sustainable in the long run the govern-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DERIVING A LEGAL FRAMEWORK TO ADDRESS CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION

ments of the Pacific Island countries must take
the lead in formulating policies that are viable
in their own contexts, thus owning the climate
change challenge for themselves and responding to it in their own ways.4 This would require
a reduced dependence on external aid. The effectiveness of foreign aid significantly reduces if it
is used to fund adaptation strategies that do not
work effectively in the Pacific Island contexts
and are simply implemented by the governments at the behest of donor countries because
they do not want to risk losing this aid.
The lack of foresight and planning ahead on
the part of the Pacific islanders, in this context,
has also posed a difficulty to the implementation of effective long-term adaptation strategies.5 In the face of imminent food scarcity and
unreliable weather patterns leading to crop
shortages, short-term strategies seem to be most
attractive and plans for migration do not fall
within this ambit.6 There is a notable incongruence between the aspirations of the government in addressing climate change and the
mobilization of the will of civil society. This is
in part driven by the widening gulf between the
government agenda of scientifically planned
migration and the social resistance to it, rooted
in a longstanding need for identity and cultural
preservation. An effective migration policy
would therefore have to strive towards effectively reconciling scientific solutions with the
cultural claims of the islanders.7
Deriving legal safeguards within
International Law
The Refugee Convention includes within its
ambit persons displaced "owing to well-founded fear of persecution for reasons of religion,
race, and nationality, membership of a social
group or even political opinion". (Convention
Relating to the Status of Refugees 1951). However, persons displaced due to environmental
adversity or climate refugees are not included
within this definition.
The international human rights framework
thus falls short of providing a sufficient ambit
of protection to these migrants.8 Additionally,
there is no universal definition of "climate refugees" or "environmental migrants".9 Within the
existing literature on arriving at a workable

definition, there has been no substantial distinction drawn between internal, international,
voluntary, forced, temporary or permanent
climate related migration.10 The rights based
approach to addressing climate change induced
migration essentially seeks to outline an international framework for the "recognition, protection and resettlement of climate refugees".11
One such approach has focused on five guiding
notions, namely the principles of planned relocation and resettlement, resettlement instead
of temporary asylum, collective rights for local
populations, international assistance for domestic measures and international burden sharing.12
An international funding mechanism was proposed to facilitate the resettlement.13

It lacks a universal definition of "climate
refugees" or "environmental migrants" and a
sufficient ambit of protection.

However, these approaches were critiqued
on their impracticality. Specifically, the encapsulation of solutions to environmentally induced
displacement within an international framework was thought to be limiting as it would
not involve any participation of the communities affected and would not reflect their sentiments or desires. Further, a one-fits all solution
seemed both unlikely and impossible to implement and therefore insufficient to resolve
the humanitarian crises of the thousands displaced.14
For the first time, in 2010 the Cancun Agreements called for "measures to enhance understanding, coordination and cooperation in the
context of climate change related displacement,
migration and planned relocation" (The Cancun
Agreements 2010). International Human Rights
law has been the strongest foundation from
which Courts have drawn to address climateinduced migration. Adverse climate events such
as the rise in sea level, storms, droughts and

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

77

COSMIN CORENDEA

floods have resulted in the diminishing of certain inalienable rights such as the right to life,
the right to work, the right to property, the
right to self-determination, the right to development, right to culture and finally, the right
to an adequate standard of living.15
Drawing on the strength of International
Human Rights law to derive effective protections for environmentally displaced persons
would require a novel approach of interpretation; one that is rooted in concepts that allow
for the encapsulation of a rights based approach within the international legal framework. The living tree doctrine is one such mechanism of legal interpretation that endorses a
progressive and broad reading of constitutional
doctrines so as to adapt fundamental legal concepts to newer and often unprecedented situations.16 In addition to this, the idea of policyoriented jurisprudence emphasizes on the intrinsic features of the context in which the law
is considered to be applied and the conflicting
claims of various social structures within this
context so as to enable effective interventions.17
The decisions arrived at through this school of
jurisprudence take into account factors conditioning the involvement of various stakeholders
and the environment influencing the terms on
which they engage. This approach gives what
might have been a purely legal intervention, a
social and humanist aspect and in doing so attempts to enhance the access of all to the most
desirable human values.18
Both of these doctrines contribute to the
progressive interpretation of the law – an approach that has been mirrored by international
courts in their attempt to spearhead the evolution of the law and facilitate its adaptation to
dynamic contexts. For example, the International Court of Justice agreed to provide its
opinion on a matter related to climate change
when asked by Palau and later by the General
Assembly, thus exhibiting its determination to
shape newer and more effective international
legal standards.19 The Fifth Assessment Report
of the Intergovernmental Panel on Climate
Change20 and the ever increasing displacement
of persons due to adverse environmental events
have caused Courts to apply norms of international law to regional contexts. For example,

78

in the case of Sigeo Alesana v. New Zealand,
refugee status was granted on humanitarian
grounds, albeit on appeal, to a family whose
livelihood and home was adversely impacted
by the rising sea levels in Tuvalu.21

The International Governance of
Climate Change Induced Migration –
A Counter Perspective
According to Williams, "the unwillingness
of States to compromise on the tenets of
their sovereignty would render a global
agreement on climate displacement unlikely".22 Similarly, Williams postulates,
"the utility and policy consequences of
underpinning solutions to climate change
induced displacement on a multilateral
instrument will not, without a widespread
ratification and implementation, address
the humanitarian issue, due to the nature
of the migration and the desires of the
communities affected by it".23 International organizations have attempted to circumvent the issue by seeking alternatives
to migration. The International Organization for Migration (IOM) for example, carried out numerous projects to provide
alternatives to migration through building
resilience to climate change amongst vulnerable communities, especially in the
Asia Pacific region.24 They developed risk
reduction, preparedness and management,
rehabilitation and human security and
stabilization programs.25 They also advocated for a policy framework on resilience
enhancement while preparing assistance to
vulnerable populations affected by natural
disasters in Kyrgyzstan, Turkmenistan and
Bangladesh. The model of "migration as
adaptation" has been favored as an alternative, to avoid migration and use it as a
last resort. This has been reflected in the
IOM's focus on building resilience and assisting populations face natural disasters as
opposed to fulfilling their mandate of facilitating "orderly" and "voluntary" migration

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DERIVING A LEGAL FRAMEWORK TO ADDRESS CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION

(Constitution of the International Organization for Migration 1953 art 1; IOM 2010).
The international deliberation on environmental migration has been reduced to a
growing fear amongst Western countries
that this would result in a diaspora of
environmental refugees from developing
countries arriving at the shores of the
developed world – a fear that has underpinned the western bias of policy oriented
research on environmental migration that
often disregards empirical evidence on
the ground that highlights an unavoidable
need for planned, strategic migration.26

The Hybrid Legal Approach
The hybrid legal approach constitutes a
multi-dimensional legal research instrument to
facilitate addressing the human security effects
of climate change in a holistic manner. This mechanism is rooted in the tripartite functioning of
environmental law, human rights and migration
law within an international context.
Deriving an international mechanism through
the singular lens of hybrid law addresses both
the cause and effects of climate change in a
multidimensional manner. The cause of the
climate change induced adversity is found in
environmental law, its effects, in human rights
law due to the impact it has on society and its
subsidiary consequences, in migration law.
Climate induced migration posits itself as an
alternative to suffering the adverse impacts of
future climatic turmoil. The intuitive response
to climate adversity is therefore to find alternatives to improve the situation through either
adapting or migrating. Most societies (over
30 %) choose the latter as it presents a more
immediate solution than adapting, which would
require long term planning and the strategic
management of vulnerable resources.27
The fundamental advantage of employing a
hybrid approach in an international context is
that it provides an aspect of clarity in determining exactly which legal instruments can be
utilized to address the individual instances of
loss and damage caused by climate change. It

simultaneously allows for an amalgamation of
principles from all three branches of law to derive an effective response to the impact of such
loss and damage and assign responsibility for
the protection of its victims. The strength of
these principles, whether binding or not binding, can offset each other to facilitate the formulation of persuasive arguments that address
particular violations. For example, the polluter
pays principle, a cornerstone of environmental
law, may vary in the strength of its enforceability across jurisdictions. However, the right to
a clean and healthy environment remains an inalienable, fundamental canon of international
law that cannot be neglected by courts or governments.

The hybrid approach enables an enhanced level
of protection and a context specific application
of international law.

Moreover, through this hybrid approach the
victims of climate change have the advantage
of an enhanced level of protection rooted in a
threefold legal structure that guarantees a
stronger preservation of human security in the
face of climate change. Thus, while the 1951
refugee convention does not specifically apply
to climate migrants, the underlying principle of
"non-refoulment" can be transposed to the environmental law and human rights jurisprudence, under the hybrid approach, and be made
applicable to climate change induced migrants.
The majority of international legal instruments are focused on the regulation of adaptation and migration at a global level. However,
these seem to fall short of suitably adapting
their operation to a regional or local level. The
Hybrid law approach could potentially address
this shortcoming and herald in a new era of
context specific application of international law
that lays emphasis on the unique claims of the
stakeholders it seeks to protect. It could there-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

79

COSMIN CORENDEA

fore expand beyond being simply a research tool
to operating as a regulatory mechanism as well.
The facilitation of a hybrid mechanism would
therefore require the multilateral cooperation of
research networks, international organizations
and UN agencies working in the field of environmental, human rights and migration law.
Such a planned collaboration could potentially
shift the focus to addressing the impacts of
climate change at a grassroots level through
focused stakeholder engagement and a truly participatory process at the household level. The
Paris Agreement also endorses this bottom up
approach and would be well in alignment with
facilitating the reflection of climate change legislation with a hybrid, multi perspective lens in
order to enable the participation of non-state
actors, encourage responses to loss and damage at a local level and address the rights of
local communities, indigenous people and climate migrants in the most effective manner.

MOVING FROM THE INTERNATIONAL
GOVERNANCE OF CLIMATE MIGRATION
TOWARDS A REGIONAL APPROACH
The formulation of a universal standard or a
global set of norms to govern climate change
induced migration, albeit even through a hybrid
process seems ambitious at best. A more realistic approach would be to enable and empower
regional and sub-regional mechanisms in the
form of regional agreements that operate within a guiding international framework.28 States
would be more likely to accept a curtailment of
their sovereign rights in the form of a binding
regional agreement than an international one.

Regional agreements would be more effective
and could address specific groups or vulnerable
communities.

Migration as Adaptation
Within the International policy-making
sphere climate change induced migration
is an imminent priority. However, mechanisms that fund adaptation to climate
change must also include migration as a
means of adapting and enhancing resilience. The initiatives undertaken by the
UNFCCC must recognize the links between
climate change and migration and should
ideally focus on enhancing the resilience
of populations in areas vulnerable to
climate change, especially in low income
countries through mechanisms such as
climate-efficient development, sustainable
urban planning, emergency preparedness
and early warning systems. The adaptive
advantages of migration to some communities can be linked to demographic deficits and labor shortages in host nations to
make planned migration a more viable and
sustainable solution.

80

Further, this would prove to be more effective than an international agreement that does
not hold the strength of enforcement. These regional agreements would also be more focused
and address specific groups or vulnerable communities instead of the generalized approach
of an international treaty which would club together "environmental migrants" without establishing a concrete definition for them. States
would therefore be more inclined to agree
upon clearly specified standards focusing on
well-defined parameters so that they know the
exact extent to which they would be bound or
be obligated to act in the regional sphere.
A regional approach may result in the creation of different standards on the rights of
migrants. However, these standards would be
context specific and would be arrived at in a
manner that is both relevant and acceptable to
the stakeholders it seeks to protect; as opposed
to a universal standard that remains ineffective
due to it's over generalization. A universal standard would merely rest on the universal aspirations of countries and would be a demonstra-

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DERIVING A LEGAL FRAMEWORK TO ADDRESS CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION

tion of political capital rather than political will
rooted in an actual obligation or responsibility
to safeguard the rights of climate migrants in
an effective manner.
The response to climate change at a national level has, to a large extent, been dependent
on external aid, is predominantly project based
and has cultivated on an ad hoc basis. According to an FAO report, this has been due to the
lack of effective prioritization, the lack of sustained national level commitment and an extensive dependence on external funding.29 A top
down approach has proven to be ineffective in
the efficient channeling of aid to peripheral
communities, most affected by climate change.30
Most of these communities are governed
by traditional leaders and still follow historical
hierarchical structures, in some cases informed
by traditional laws or Kastom. The community
leaders therefore need to be made aware of the
impending need to plan ahead for climate
change induced migration and they need to be
made involved in the formal decision making
process with respect to the relocation and integration of people displaced due to climate
adversity. It is therefore important for international donors to be aware of the decision making process within the islands and instead of relying solely on governments, attempt to engage
directly with communities at a grassroots level.
This would require a shift in focus from capacity
building to empowering the community, understanding their culture and identity and channeling plans to enable effective, planned and
voluntary migration through them. The emphasis should also ideally shift from regional
financing to community level assistance so as to
counterbalance the resistance towards migration. This can be done through the identification and development of sites for communities
to relocate to, which would encourage governments to develop long term strategies for
planned relocation.

Regional Agreements –
A more effective alternative?
The trend of regional agreements has
proven to be more successful than international governance efforts especially in
the context of migration. For example, the
2009 African Union Convention for the

Protection and Assistance of Internally
Displaced Persons in Africa has made the
Guiding Principles on Internal Displacement, which have universally been recognized as soft law, binding within its ambit.
A regional approach would therefore, as
has been highlighted by scholars, "establish a structural framework wherein good
practice can be demonstrated and exchanged between regional groups." International networks, organizations and institutions could even foster such an exchange through the observation and analysis of best practices.

CONCLUSION
The land within the Pacific Island Countries
is predominantly distributed in accordance with
a system of customary ownership, inherited
across generations of closely intertwined kinship. It thus forms a core component of the
identity of the islanders and is integral to their
social and cultural heritage. The deep emotional connect the people have with the land is
significantly disrupted when they are made to
forcibly relocate due to the debilitating impacts
of climate change. While the scheme of environmental governance has attempted to impute
responsibility, foster preparedness and reduce
the impact of such disasters, there is no singular body of law that addresses the post facto
situation of thousands of people having been
displaced as a result of the systematic destruction of their homes, lives and livelihoods. International Human Rights law as well as International Humanitarian and Refugee Law do
not, within their scope, account for the displacement caused due to environmental factors
and it is thus within the gaping chasms of these

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

81

COSMIN CORENDEA

seemingly interconnected but still separated
articulations of international law that the rights
of climate migrants seem to be obviated. A regional approach, through the involvement of
the affected communities and the integration
of their customs within the scheme of policy
frameworks would be most beneficial in attempting to secure the rights of these migrants
at a domestic level. At an international level, it
is the interlinking of laws across sectors in response to the dynamic contexts of their application that could prove to be immensely useful
in developing a comprehensive guide which
nations would be using to derive their own regional responses. A dual approach of a regional
standard encapsulated within an internationally recognized framework could provide greater
legitimacy and facilitate more effective interventions while deriving comprehensive solutions to address the plight of climate migrants.

5

Novaczek, I., Mitchell, J. and Veitayaki, J. (eds)
2005: Pacific Voices: equity and sustainability in
Pacific Island fisheries. Suva: Institute of Pacific
Studies, The University of the South Pacific.

6

Cf. ibid.

7

Mertz, O., Halnæs, K., Olesen, J. E. and Rasmussen,
K. 2009: Adaptation to climate change in developing
countries. Environmental Management 43, 743-752.

8

Crépeau, F. 2012: The Special Rapporteur on the
human rights of migrants, 13 August 2012, Report
on the Human Rights of Migrants. UN Document
A/67/299.

9

Renaud, F. G., Dun, O., Warner, K. and Bogardi, J.
2011: A Decision Framework for Environmentally
Induced Migration. International Migration 49 (doi:
10.1111/j.1468-2435.2010.00678.x.), e5-e29.

10

CRIDEAU 2008: Draft Convention on the International Status of Environmentally-Displaced Persons.
Revue de Droit de l'Université de Sherbrooke 39,
451, 461-462; CIDCE: Draft Convention on the International Status of Environmentally-Displaced
Persons (Second Version – May 2010).

||

11

Docherty, B. and Giannini, T. 2009: Confronting a
Rising Tide: A Proposal for a Convention on Climate Change Refugees. Harvard Environmental
Law Review 33, 349.

12

Cf. ibid.

13

Biermann, F. and Boas, I. J. C. 2010: Preparing for
a warmer world: Towards a global governance system to protect climate refugees. Global Environmental Politics 10(1), 60-88 (doi: 10.1162/glep.
2010.10.1.60.).

14

McAdam, J. 2011: Swimming against the Tide:
Why a Climate Change Displacement Treaty is Not
the Answer. International Journal of Refugee Law
23(1), 2.

15

Corendea, C. 2016: Legal Protection of the Sinking
Islands Refugees. Vandeplas Publishing, 15.

16

Miller, B.W. 2009: Beguiled by Metaphors: The
"Living Tree" and Originalist Constitutional Interpretation in Canada, The Canadian Journal of Law
and Jurisprudence 22, 331.

17

Wiessner, S. and Willard, A. R. 1999: Policy-Oriented
Jurisprudence and Human Rights Abuses in Internal
Conflict: Toward a World Public Order of Human
Dignity. American Journal of International Law 93,
316.

18

Cf. ibid.

19

Cf. ibid.

20

Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).
Fifth Assessment Report 2009, https://www.ipcc.ch/
report/ar5/., last accessed 22.10.2017.

COSMIN CORENDEA
United Nations University – Institute for Environment and Human Security, Bonn

||

TANVI MANI
The Graduate Institute of International and
Development Studies, Geneva

ANMERKUNGEN
1

2

3

4

82

Nicholls, R. J. et al 2011: Sea-level rise and its possible impacts given a "beyond 4 C world" in the
twenty-first century. Philosophical Transactions of
the Royal Society of London 369, 161-181.
The Moana Declaration 2009, available at
http://www.oikoumene.org/en/resources/documen
ts/wcc-programmes/justice-diakonia-and-responsi
bility-for-creation/climate-change-water/pacificchurch-leaders-statement, last accessed 1.7.2017.
Seacrest, S., Kuzelka, R. and Leonard, R. 2000:
Global climate change and public perception: the
challenge of translation. Journal of the American
Water Resources Association 36(2), 253-263.
Nunn, P. D. 2009: Responding to the challenges of
climate change in the Pacific Islands: management
and technological imperatives. Climate Research
40, 211-231.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

DERIVING A LEGAL FRAMEWORK TO ADDRESS CLIMATE CHANGE INDUCED MIGRATION

21

Climate change part of refugee ruling. Radio New
Zealand, 4.8.2014, available at http://www.radionz.
co.nz/news/national/251293/climate-change-partof-refugee-ruling, last accessed 22.10.2017.

22

Williams, A. 2008: Turning the Tide: Recognizing
Climate Change Refugees in International Law.
Law and Policy 30(4), 502, 517.

23

McAdam, J. 2012: Climate Change, Forced Migration, and International Law, Oxford, 119-160; Rayfuse, R. 2011: International Law and Disappearing
States: Maritime Zones and the Criteria for Statehood. Enviro Policy and Law 41, 281.

24

Indonesia: IOM 2010: Migration Initiatives Appeal
107, available at http://www.iom.int/jahia/webdav/
site/myjahiasite/shared/shared/mainsite/published_
docs/books/Migration-Initiatives-Appeal.pdf, last
accessed 22.10.2017.

25

International Organization for Migration: Migration
Initiatives Appeal 2010, available at https://publi
cations.iom.int/books/migration-initiatives-appeal2010, last accessed 22.10.2017.

26

Barnett, J. and Webber, M. 2010: Migration as Adaptation: Opportunities and Limits, in: J. McAdam
(ed) 2010: Climate Change and Displacement: Multidisciplinary Perspectives, 41; McLeman, R. and
Smit, B. 2006: Migration as an Adaptation to Climate Change. Climatic Change 76, 31; McLeman,
R. and Smit, B. 2011: ADB, Facing the Challenge of
Environmental Migration in Asia and the Pacific.

27

Corendea, C. 2016: Development implications of
climate change and migration in the Pacific. Climate Law and Governance Working Paper Series
No 3/2016, McGill University, Montreal, 35.

28

Williams, A. 2008: Turning the Tide: Recognizing
Climate Change Refugees in International Law. Law
and Policy 30(4), 502, 517.

29

FAO 2008: Climate Change and Food Security in
Pacific Island Countries. Food and Agriculture Organization of the United Nations, Rome, Italy.

30

Duncan, R. 2008: Cultural and economic tensions
in Pacific Islands' futures. International Journal of
Social Economics 35, 919-929.

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

83

VERANTWORTLICH
Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser
Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, Hanns-Seidel-Stiftung, München;
er lehrt Internationale Politik an der Universität Regensburg.

HERAUSGEBER
Stefan Burkhardt M.A.
Leiter des Referats „Süd- / Südostasien“ im Institut für Internationale Zusammenarbeit,
Hanns-Seidel-Stiftung, München
Silke Franke, Dipl.-Geogr.
Leiterin des Referats „Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum“ in der Akademie für Politik und
Zeitgeschehen, Hanns-Seidel-Stiftung, München

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

85

Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen
Die „Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen“ werden ab Nr. 14 parallel zur
Druckfassung auch als PDF-Datei auf der Homepage der Hanns-Seidel-Stiftung angeboten:
www.hss.de/mediathek/publikationen.html. Ausgaben, die noch nicht vergriffen sind,
können dort oder per E-Mail unter publikationen@hss.de kostenfrei bestellt werden.

Nr. 01

Berufsvorbereitende Programme für Studierende an deutschen Universitäten

Nr. 02

Zukunft sichern: Teilhabegesellschaft durch Vermögensbildung

Nr. 03

Start in die Zukunft – Das Future-Board

Nr. 04

Die Bundeswehr – Grundlagen, Rollen, Aufgaben

Nr. 05

„Stille Allianz“? Die deutsch-britischen Beziehungen im neuen Europa

Nr. 06

Neue Herausforderungen für die Sicherheit Europas

Nr. 07

Aspekte der Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union

Nr. 08

Möglichkeiten und Wege der Zusammenarbeit der Museen in Mittel- und Osteuropa

Nr. 09

Sicherheit in Zentral- und Südasien – Determinanten eines Krisenherdes

Nr. 10

Die gestaltende Rolle der Frau im 21. Jahrhundert

Nr. 11

Griechenland: Politik und Perspektiven

Nr. 12

Russland und der Westen

Nr. 13

Die neue Familie: Familienleitbilder – Familienrealitäten

Nr. 14

Kommunistische und postkommunistische Parteien in Osteuropa – Ausgewählte Fallstudien

Nr. 15

Doppelqualifikation: Berufsausbildung und Studienberechtigung –
Leistungsfähige in der beruflichen Erstausbildung

Nr. 16

Qualitätssteigerung im Bildungswesen: Innere Schulreform –
Auftrag für Schulleitungen und Kollegien

Nr. 17

Die Beziehungen der Volksrepublik China zu Westeuropa –
Bilanz und Ausblick am Beginn des 21. Jahrhunderts

Nr. 18

Auf der ewigen Suche nach dem Frieden – Neue und alte Bedingungen für die Friedenssicherung

Nr. 19

Die islamischen Staaten und ihr Verhältnis zur westlichen Welt – Ausgewählte Aspekte

Nr. 20

Die PDS: Zustand und Entwicklungsperspektiven

Nr. 21

Deutschland und Frankreich: Gemeinsame Zukunftsfragen

Nr. 22

Bessere Justiz durch dreigliedrigen Justizaufbau?

Nr. 23

Konservative Parteien in der Opposition – Ausgewählte Fallbeispiele

Nr. 24

Gesellschaftliche Herausforderungen aus westlicher und östlicher Perspektive –
Ein deutsch-koreanischer Dialog

Nr. 25

Chinas Rolle in der Weltpolitik

Nr. 26

Lernmodelle der Zukunft am Beispiel der Medizin

Nr. 27

Grundrechte – Grundpflichten: eine untrennbare Verbindung

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

87

Nr. 28

Gegen Völkermord und Vertreibung – Die Überwindung des zwanzigsten Jahrhunderts

Nr. 29

Spanien und Europa

Nr. 30

Elternverantwortung und Generationenethik in einer freiheitlichen Gesellschaft

Nr. 31

Die Clinton-Präsidentschaft – ein Rückblick

Nr. 32

Alte und neue Deutsche? Staatsangehörigkeits- und Integrationspolitik auf dem Prüfstand

Nr. 33

Perspektiven zur Regelung des Internetversandhandels von Arzneimitteln

Nr. 34

Die Zukunft der NATO

Nr. 35

Frankophonie – nationale und internationale Dimensionen

Nr. 36

Neue Wege in der Prävention

Nr. 37

Italien im Aufbruch – eine Zwischenbilanz

Nr. 38

Qualifizierung und Beschäftigung

Nr. 39

Moral im Kontext unternehmerischen Denkens und Handelns

Nr. 40

Terrorismus und Recht – Der wehrhafte Rechtsstaat

Nr. 41

Indien heute – Brennpunkte seiner Innenpolitik

Nr. 42

Deutschland und seine Partner im Osten – Gemeinsame Kulturarbeit im erweiterten Europa

Nr. 43

Herausforderung Europa – Die Christen im Spannungsfeld von nationaler Identität,
demokratischer Gesellschaft und politischer Kultur

Nr. 44

Die Universalität der Menschenrechte

Nr. 45

Reformfähigkeit und Reformstau – ein europäischer Vergleich

Nr. 46

Aktive Bürgergesellschaft durch bundesweite Volksentscheide?
Direkte Demokratie in der Diskussion

Nr. 47

Die Zukunft der Demokratie – Politische Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Nr. 48

Nachhaltige Zukunftsstrategien für Bayern –
Zum Stellenwert von Ökonomie, Ethik und Bürgerengagement

Nr. 49

Globalisierung und demografischer Wandel – Fakten und Konsequenzen zweier Megatrends

Nr. 50

Islamistischer Terrorismus und Massenvernichtungsmittel

Nr. 51

Rumänien und Bulgarien vor den Toren der EU

Nr. 52

Bürgerschaftliches Engagement im Sozialstaat

Nr. 53

Kinder philosophieren

Nr. 54

Perspektiven für die Agrarwirtschaft im Alpenraum

Nr. 55

Brasilien – Großmacht in Lateinamerika

Nr. 56

Rauschgift, Organisierte Kriminalität und Terrorismus

Nr. 57

Fröhlicher Patriotismus? Eine WM-Nachlese

Nr. 58

Bildung in Bestform – Welche Schule braucht Bayern?

Nr. 59

„Sie werden Euch hassen ...“ – Christenverfolgung weltweit

Nr. 60

Vergangenheitsbewältigung im Osten – Russland, Polen, Rumänien

88

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

Nr. 61

Die Ukraine – Partner der EU

Nr. 62

Der Weg Pakistans – Rückblick und Ausblick

Nr. 63

Von den Ideen zum Erfolg: Bildung im Wandel

Nr. 64

Religionsunterricht in offener Gesellschaft

Nr. 65

Vom christlichen Abendland zum christlichen Europa –
Perspektiven eines religiös geprägten Europabegriffs für das 21. Jahrhundert

Nr. 66

Frankreichs Außenpolitik

Nr. 67

Zum Schillerjahr 2009 – Schillers politische Dimension

Nr. 68

Ist jede Beratung eine gute Beratung? Qualität der staatlichen Schulberatung in Bayern

Nr. 69

Von Nizza nach Lissabon – neuer Aufschwung für die EU

Nr. 70

Frauen in der Politik

Nr. 71

Berufsgruppen in der beruflichen Erstausbildung

Nr. 72

Zukunftsfähig bleiben! Welche Werte sind hierfür unverzichtbar?

Nr. 73

Nationales Gedächtnis in Deutschland und Polen

Nr. 74

Die Dynamik der europäischen Institutionen

Nr. 75

Nationale Demokratie in der Ukraine

Nr. 76

Die Wirtschaftsschule von morgen

Nr. 77

Ist der Kommunismus wieder hoffähig?
Anmerkungen zur Diskussion um Sozialismus und Kommunismus in Deutschland

Nr. 78

Gerechtigkeit für alle Regionen in Bayern –
Nachdenkliches zur gleichwertigen Entwicklung von Stadt und Land

Nr. 79

Begegnen, Verstehen, Zukunft sichern –
Beiträge der Schule zu einem gelungenen kulturellen Miteinander

Nr. 80

Türkische Außenpolitik

Nr. 81

Die Wirtschaftsschule neu gedacht – Neukonzeption einer traditionsreichen Schulart

Nr. 82

Homo oecologicus – Menschenbilder im 21. Jahrhundert

Nr. 83

Bildung braucht Bindung

Nr. 84

Hochschulpolitik: Deutschland und Großbritannien im Vergleich

Nr. 85

Energie aus Biomasse – Ethik und Praxis

Nr. 86

Türkische Innenpolitik – Abschied vom Kemalismus?

Nr. 87

Homo neurobiologicus – Ist der Mensch nur sein Gehirn?

Nr. 88

Frauen im ländlichen Raum

Nr. 89

Kirche im ländlichen Raum – Resignation oder Aufbruch?

Nr. 90

Ohne Frauen ist kein Staat zu machen – Gleichstellung als Motor für nachhaltige Entwicklung

Nr. 91

Der Erste Weltkrieg – „In Europa gehen die Lichter aus!“

Nr. 92

Deutsch als Identitätssprache der deutschen Minderheiten

Nr. 93

Frankreichs Grandeur – Einst und Jetzt

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

89

Nr. 94

Alphabetisierung – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Nr. 95

Linksextremismus in Deutschland – Bestandsaufnahme und Perspektiven

Nr. 96

Ländliche Kultur – unterschätzt!

Nr. 97

Armut im ländlichen Raum? Analysen und Initiativen zu einem Tabu-Thema

Nr. 98

Gegen das große Unbehagen –
Strategien für mehr Datensicherheit in Deutschland und der Europäischen Union

Nr. 99

Wem gehört das Sterben? Sterbehilfe und assistierter Suizid

Nr. 100

Frankreich im Umbruch – Innerer Reformdruck und außenpolitische Herausforderungen

Nr. 101

Fachkräftesicherung im ländlichen Raum

Nr. 102

Brexit und Grexit – Voraussetzungen eines Austritts

Nr. 103

Energie- und Klimapolitik – Die Rolle der Kohle und der Energiemärkte

Nr. 104

Wandel und Kontinuität – Was bleibt von der DDR und vom Kalten Krieg?

Nr. 105

Heimat zwischen Tradition und Fortschritt

Nr. 106

Flüchtlinge aufs Land?

Nr. 107

Klima- und umweltbedingte Migration – Weltweit eine zunehmende Herausforderung

90

ARGUMENTE UND MATERIALIEN ZUM ZEITGESCHEHEN 107

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