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Full text: Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt / Granato, Mona

FGW-Studie Vorbeugende Sozialpolitik 08 Mona Granato, Bettina Milde, Joachim Gerd Ulrich Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Herausgeber FGW – Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung e.V. Kronenstraße 62 40217 Düsseldorf Telefon: 0211 99450080 E-Mail: info@fgw-nrw.de www.fgw-nrw.de Geschäftsführender Vorstand Prof. Dr. Dirk Messner, Prof. Dr. Ute Klammer (stellv.) Themenbereich Vorbeugende Sozialpolitik Prof. Dr. Ute Klammer, Vorstandsmitglied Christoph Gille, Wissenschaftlicher Referent Layout Olivia Mackowiak, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Förderung Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen ISSN 2567-0050 Erscheinungsdatum Düsseldorf, Juni 2018 Mona Granato, Bettina Milde, Joachim Gerd Ulrich Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Auf einen Blick  Passungsprobleme liegen vor, wenn die Teilnehmer auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes (Betriebe, Jugendliche) nicht genügend zusammenfinden, weil sie sich nicht ausreichend gegenseitig über ihre Ausbildungswünsche informieren oder aber weil ihre Ausbildungswünsche voneinander abweichen: in beruflicher oder regionaler Hinsicht bzw. im Hinblick auf die Merkmale, über die die jeweiligen Ausbildungsvertragspartner verfügen sollen.  Nordrhein-Westfalen ist im Vergleich zum sonstigen Bundesgebiet in unterdurchschnittlichem Maße von Passungsproblemen betroffen. Doch haben diese auch hier zugenommen. Der Anteil der ungenutzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote steigt kontinuierlich an, während die erfolglose Nachfrage der Jugendlichen ungeachtet eines leichten Rückgangs in 2017 auf relativ hohem Niveau verharrt.  Insbesondere bislang typische ,Hauptschülerberufe´ haben mit hohen Anteilen unbesetzter Ausbildungsplätze zu kämpfen. Die Ursachen hierfür liegen zum einen in einem starken Rückgang von Schulabsolvent_innen mit Hauptschulabschluss und dem damit verbundenen Nachfrageschwund.  Zum anderen weichen viele Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen typischen ,Hauptschülerberufen aus. Sie präferieren Berufe, die sie als intelligente, gebildete und einkommensstarke Personen erscheinen lassen. ,Hauptschülerberufen unterstellen sie, dies nicht in ausreichendem Maße zu leisten.  Während solche Motive die berufliche Flexibilität der Jugendlichen stark einschränken, ist ihre regionale Flexibilität zumindest so groß, dass auch in Nordrhein-Westfalen regionale Ausbildungsmarktunterschiede stark eingeebnet werden. Rechnerisch steht in allen Arbeitsagenturbezirken genügend Nachfrage für das Ausbildungsplatzangebot zur Verfügung – allerdings mit den oben geschilderten berufsbezogenen Abweichungen zwischen Angebot und Nachfrage.  Zur Minderung der beruflichen Disparitäten und der daraus resultierenden Passungsprobleme muss die Attraktivität und Reputatio t pis he ‚Haupts hüle e ufe deutlich gesteigert werden. i Abstracts Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt – Eine vertiefende Analyse für NordrheinWestfalen Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen ist durch wachsende Passungsprobleme gekennzeichnet. Während immer mehr Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, verharrt die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz auf hohem Niveau. Mit Bezug auf die Wert-Erwartungs-Theorie, Berufswahltheorien und die Identitätspsychologie wird untersucht, warum Jugendliche Ausbildungsangebote nicht nutzen. Die empirische Basis bilden neben amtlichen Statistiken Befragungen durch das Bundesinstitut für Berufsbildung. Demnach beurteilen die Jugendlichen Ausbildungsberufe primär danach, ob diese ihre soziale Identität stärken. Berufen, in denen traditionell viele Personen mit niedrigen Schulabschlüssen arbeiten, unterstellen sie, dies nicht leisten zu können, zumal sie selbst immer häufiger über höhere Schulabschlüsse verfügen. Somit bleiben gerade in jenen Berufen viele Ausbildungsangebote ungenutzt, die auch schulisch Leistungsschwächeren Chancen bieten. Problems of misfit in the vocational training market – An analysis for North Rhine-Westphalia The vocational training market in North Rhine-Westphalia is characterized by growing matching problems involving misfit between young adults and apprenticeship positions. While more and more apprenticeships cannot be filled, the number of young people without an apprenticeship position remains high. By relating to value-expectation theory, career choice theories and identity psychology, we examined why adolescents do not take advantage of apprenticeship offers. Besides official statistics, the empirical basis includes surveys distributed by the Federal Institute for Vocational Education and Training. According to the empirical data, young people primarily assess skilled occupations by evaluating if the occupations strengthen their social identity. They assume that occupations traditionally filled by individuals with low academic credentials are unable to do so, especially when they themselves had obtained increasingly higher academic credentials. As a result many training positions remain unfilled, especially in occupations that offer apprenticeship opportunities for those with limited academic credentials. ii Inhalt Abbildungsverzeichnis .................................................................................................................. v Tabellenverzeichnis ......................................................................................................................vi Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................................... viii 1 Einleitung ..................................................................................................................... 1 1.1 Problemstellung ..................................................................................................................... 1 1.2 Aufbau des Beitrags und Zusammenfassung zentraler Ergebnisse........................................ 4 2 Marktungleichgewichte .............................................................................................. 10 2.1 Regionale Disparitäten ......................................................................................................... 10 2.2 Berufliche Disparitäten......................................................................................................... 12 2.3 Merkmalsdisparitäten .......................................................................................................... 15 Veränderungen im schulischen Vorbildungsniveau ausbildungsinteressierter Jugendlicher ..................................................................................................................... 15 Von den Betrieben erwartete und von den Bewerber_innen erreichte Schulabschlüsse18 Reaktionen der Markteilnehmer (Betriebe, Jugendliche) auf die Disparitäten ............... 19 3 Passungsprobleme als Folgen heterogener Marktlagen................................................ 23 3.1 Versorgungsprobleme ungeachtet unbesetzter Ausbildungsplätze .................................... 23 3.2 Besetzungsprobleme ungeachtet noch suchender Ausbildungsstellenbewerber_innen .... 25 4 Ursachen .................................................................................................................... 28 4.1 Welche Faktoren behindern eine stärkere Anpassung der Ausbildungsplatznachfrage an die angebotenen Ausbildungsberufe? ................................................................................. 28 Hinweise aus der Wert-Erwartungs-Theorie .................................................................... 28 Werte im Kontext der Berufsfindung ............................................................................... 29 Hinweise aus der amtlichen Statistik ............................................................................... 43 Erwartungen im Kontext der Berufsfindung .................................................................... 47 4.2 Welche Faktoren erschweren eine stärkere Anpassung des Ausbildungsplatzangebots an die Berufswünsche der Jugendlichen? ................................................................................. 55 Zusammenhang zwischen Ausbildungsplatzangebot und Ausbildungsinteresse der Jugendlichen ..................................................................................................................... 56 Institutionell verursachte Beschränkungen des Ausbildungsplatzangebots.................... 56 iii 4.3 Welche Faktoren behindern eine stärkere Anpassung der Ausbildungsplatznachfrage an die regionale Verteilung der Ausbildungsplatzangebote? ................................................... 60 4.4 Warum passt sich das Ausbildungsplatzangebot nicht stärker quantitativ an die Ausbildungsplatznachfrage vor Ort an? ............................................................................... 65 4.5 Haben sich die Wünsche der Jugendlichen an die Merkmale ihres Ausbildungsbetriebs geändert? ............................................................................................................................. 68 4.6 Warum lehnen Betriebe bisweilen Bewerber_innen ab, selbst wenn ihre Ausbildungsplätze dann nicht besetzt werden können? .................................................................................... 72 4.7 Ist das Informationsverhalten der Marktteilnehmer unzureichend? .................................. 75 Informationsverhalten erfolgloser und erfolgreicher Bewerber_innen .......................... 75 Wie erfolgreiche Bewerber_innen auf ihre Ausbildungsstelle aufmerksam wurden ...... 78 Informationsverhalten der Betriebe ................................................................................ 79 4.8 5 Spielen statistische Artefakte eine Rolle? ............................................................................ 81 Maßnahmen ............................................................................................................... 85 5.1 Ansatzpunkte für unmittelbar wirkende Maßnahmen ........................................................ 86 Informationsverhalten der Betriebe ................................................................................ 87 Auswahlverhalten der bislang erfolglosen Betriebe ........................................................ 88 Informationsverhalten der bislang erfolglosen Bewerber_innen .................................... 89 Auswahlverhalten der bislang erfolglosen Bewerber_innen ........................................... 90 5.2 Ansatzpunkte für mittelbar wirkende Maßnahmen ............................................................ 93 Erschließung neuer Ausbildungsinteressent_innen ......................................................... 93 Erschließung neuer Ausbildungsplätze ............................................................................ 96 5.3 6 Fazit ...................................................................................................................................... 96 Tabellenanhang .......................................................................................................... 98 Literatur....................................................................................................................................104 iv Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Regionale Ausbildungsmarktlagen 2017 in NRW und in Deutschland insgesamt ........... 11 Abbildung 2: Zahl der Absolvent_innen aus allgemeinbildenden Schulen mit Hauptschulabschluss und mit allgemeiner Hochschulreife 2007 bis 2016 ............................................................... 16 Abbildung 3: Ausbildungsplatznachfrage 2007 bis 2016 differenziert nach Schulabschlüssen ............ 18 Abbildung 4: Regionale Anteile erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage 2017 in NRW und in Deutschland insgesamt .................................................................................................... 24 Abbildung 5: Regionale Anteile erfolglos angebotener betrieblicher Ausbildungsplatzangebote 2017 in NRW und in Deutschland insgesamt............................................................................ 26 Abbildung 6: Wert-Erwartungs-theoretische Reflexionen im Kontext der Berufswahl ........................ 29 Abbildung 7: Toleranz- und Akzeptanzgrenzen einer Jugendlichen mit Hauptschulabschluss bei der Berufswahl nach der Theorie von Linda Gottfredson (fiktives Beispiel) ......................... 31 Abbildung 8: Von Jugendlichen in NRW vermutete Präferenzen bei ihren Freund_innen und Familien, wenn es um die Berufswahl der Jugendlichen gehen würde .......................................... 34 Abbildung 9: Präferenzverteilungen der Jugendlichen bei zehn ausgewählten Berufen ..................... 37 Abbildung 10: Vermutungen von Jugendlichen, wie andere über Personen denken, die den Beruf Bäcker_in bzw. Gestalter_in für visuelles Marketing ausüben ........................................ 39 A ildu g : ‚Dualis us i I age o Be ufsi ha e _i e u d sei e Bedeutu g fü die Neigu g, den entsprechenden Beruf zu ergreifen .......................................................................... 40 Abbildung 12: Investitionsrisiko und Berufswahlentscheidungen ........................................................ 47 Abbildung 13: Faktoren, die eine realistische Einschätzung der Ausbildungsmarktlagen hemmen könnten ............................................................................................................................ 49 Abbildung 14: Angebots-Nachfrage-Relationen (eANR) in den Berufen Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk und Kaufmann/-frau im Einzelhandel im Jahr 2014 .................. 53 Abbildung 15: Korrespondenz zwischen der Zahl der ausbildungsinteressierten Personen und dem Ausbildungsplatzangebot sowie zwischen der Zahl der Abiturient_innen und der Zahl der neu eingerichteten Studienplätze in Deutschland .................................................... 57 Abbildung 16: Aufbau des ökonometrischen Prognose- und Simulationsmodells des Ausbildungssystems (PROSIMA) ...................................................................................... 59 Abbildung 17: Die Ausbildungsmarktverhältnisse in den nordrhein-westfälischen Arbeitsagenturbezirken vor und nach Mobilität im Jahr 2017 ........................................ 62 Abbildung 18: Auszubildendenauswahl in den multiplen Welten eines Betriebes .............................. 73 Abbildung 19: Systematik möglicher Maßnahmen zur Linderung von Passungsproblemen ................ 86 v Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Entwicklung der Erfolglosenanteile auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes 2009 bis 2017 in Nordrhein-Westfalen (NRW) und in Deutschland insgesamt ............................... 2 Tabelle 2: Ausbildungsberufe mit hoher Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) im Jahr 2017 ............ 13 Tabelle 3: Ausbildungsberufe mit niedriger Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) im Jahr 2017 ....... 14 Tabelle 4: Institutionell erfasste ausbildungsinteressierte Jugendliche und offizielle Ausbildungsplatznachfrage 2009 bis 2017 nach Schulabschlüssen ................................ 17 Tabelle 5: Betriebliche Berufsausbildungsstellen nach erwartetem Schulabschluss und Bewerber_innen nach erreichtem Schulabschluss im Berichtsjahr 2016/17 .................. 19 Tabelle 6: Unbesetzte betriebliche Ausbildungsstellen nach erwartetem Schulabschluss und erfolglos suchende Bewerber_innen nach erreichtem Schulabschluss (Berichtsjahr 2016/17) .... 20 Tabelle 7: Erfolglose Ausbildungsplatznachfrage 2009-2017 differenziert nach Schulabschlüssen ..... 22 Tabelle 8: Statistische Abhängigkeit der Neigung zu den zehn Berufen von den Reaktionen Dritter – Ergebnisse der BIBB-Schülerbefragung 2015 .................................................................. 33 Tabelle 9: Berufsmerkmale und ihr Einfluss auf die positiven Reaktionen der Freund_innen ............. 35 Tabelle 10: Berufsmerkmale und ihr Einfluss auf positiven Reaktionen der Familie ............................ 36 Tabelle 11: Mögliche Ursachen für die Passungsprobleme im Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlichen Phänomenen .......................................................................... 42 Tabelle 12: Der Zusammenhang zwischen Berufsmerkmalen und dem Anteil unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplatzangebote in stärker besetzten Berufen im Jahr 2017 .... 45 Tabelle 13: Statistische Einflussgrößen auf die Quote unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplatzangebote in stärker besetzten Ausbildungsberufen 2017 ................... 46 Tabelle 14: Merkmale der beiden Berufe Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk und Kaufmann/-frau im Einzelhandel (2017).......................................................................... 52 Tabelle 15: Einflüsse auf die von Jugendlichen vermuteten Bewerbungschancen in zwei alternativen Berufen des Warenhandels ............................................................................................. 54 Tabelle 16: Die Ausbildungsmarktverhältnisse in den nordrhein-westfälischen Arbeitsagenturbezirken nach und vor Mobilität im Jahr 2017 ............................................................................... 63 Tabelle 17: Ausmaß überregionaler Bewerbungen bei Jugendlichen, die 2016 bei Arbeitsagenturen oder den Jobcentern in gemeinsamer Trägerschaft (JCgE) als Ausbildungsstellenbewerber_innen gemeldet waren..................................................... 64 Tabelle 18: Die regionale Entwicklung der erfolglosen Ausbildungsplatznachfragequote in Abhängigkeit von der Veränderung des betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots ............................................................................................... 67 vi Tabelle 19: Wünsche der Ausbildungsstellenbewerber_innen an den Ausbildungsbetrieb ................ 70 Tabelle 20: Informationsverhalten der Ausbildungsstellenbewerber_innen des Jahres 2016 (in %) .. 76 Tabelle 21: Intensität der Kooperationsanbahnungsversuche zu den Betrieben (berechnet nur für diejenigen, die von entsprechenden Versuchen berichteten) ........................................ 77 Tabelle 22: Wege erfolgreicher Ausbildungsstellenbewerber_innen zu ihrem Ausbildungsplatz (in %) ......................................................................................................................................... 79 Tabelle 23: Statistische Einflussgrößen auf die regionale Entwicklung der erfolglosen Ausbildungsplatznachfragequote in den Jahren 2013 bis 2017 ...................................... 84 Tabelle 24: Erfordernis, Betriebe mit Besetzungsproblemen bei ihren Werbe- und Rekrutierungsmaßnahmen zu unterstützen, aus Sicht von Berufsbildungsfachleuten .. 88 Tabelle 25: Mögliche Maßnahmen zur Steigerung der Berufe mit Besetzungsproblemen aus der Sicht von Berufsbildungsfachleuten ......................................................................................... 91 Tabelle 26: Erfordernis von Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsmarktkompetenz von Jugendlichen aus Sicht von Berufsbildungsfachleuten .................................................... 92 Tabelle 27: Mögliche Maßnahmen zur Steigerung der allgemeinen Attraktivität der beruflichen Bildung aus der Sicht von Berufsbildungsfachleuten ...................................................... 95 Tabelle 28 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 nach Ländern ........................................ 99 Tabelle 29 (Anhang): Eckwerte zur Ausbildungsmarktentwicklung 2009 bis 2017 in NordrheinWestfalen und in Deutschland insgesamt ..................................................................... 100 Tabelle 30 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 in den Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens. Teil 1: Aachen-Düren bis Hamm .............................................. 101 Tabelle 31 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 in den Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens. Teil 2: Herford bis Solingen-Wuppertal ................................... 102 Tabelle 32 (Anhang): Abgänger_innen und Absolvent_innen aus allgemeinbildenden Schulen 2007 bis 2016 in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland insgesamt ...................................... 103 vii Abkürzungsverzeichnis ANR Angebots-Nachfrage-Relation BA Bundesagentur für Arbeit BBiG Berufsbildungsgesetz BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung eANR erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation FGW Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung e. V. NRW Nordrhein-Westfalen viii Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt 1 Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Ei leitu g Im vorliegenden Bericht werden bestehende Ungleichgewichte auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen beschrieben, die daraus resultierenden Passungsprobleme aufgezeigt und Ursachen für die zunehmenden Passungsprobleme identifiziert. Basis der Analysen bilden amtliche Statistiken sowie Befragungen von Betrieben, Jugendlichen und Berufsbildungsfachleuten, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführt wurden. Ausgehend von den Auswertungen werden Vorschläge erarbeitet, wie die Passungsprobleme verringert werden können. Der Bericht wurde federführend im BIBB-Arbeitsbereich 1.1 Berufsbildungsangebot und nachfrage, Bildungsbeteiligung und unter Mitwirkung des BIBB-Forschungsprojektes 2.1.310 Bildungsorientierungen und -entscheidungen im Kontext konkurrierender Bildungsangebote erstellt. Er unterliegt der Verantwortung derjenigen Personen, die ihn verfassten. 1.1 Problemstellung Im Unterschied zu anderen Bildungssektoren, etwa dem Schul- und Hochschulsystem, erfolgt der Zugang von Jugendlichen zur dualen Berufsausbildung über privatrechtliche Verträge und somit auf einem Markt. Ausbildungsinteressierte Jugendliche suchen passende Betriebe, die ihrerseits wiederum Jugendliche suchen, die zu ihnen passen. Damit möglichst viele Jugendliche und Betriebe zufriedengestellt werden können, gilt neben dem rechnerischen Ausgleich von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage die erfolgreiche Zusammenführung beider Marktseiten hin zu Ausbildungsvertragsabschlüssen als wichtiges bildungspolitisches Handlungsziel (vgl. Schier/Ulrich 2017). Seit Beginn dieses Jahrzehnts ist der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen jedoch zunehmend von Passungsproblemen betroffen, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie viele andere Regionen in Deutschland (vgl. Frei/Dahms/Prick 2014, S. 45ff. Matthes et al. 2018, Tabelle A4). Ungeachtet eines auf relativ hohem Niveau verharrenden Anteils erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage seitens der Jugendlichen (2009: 24.900 Jugendliche bzw. 17,0 %; 2017: 22.600 bzw. 16,2 %; vgl. Tabelle 1, Spalte 7) steigt der Anteil der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote, der nicht besetzt werden kann (2009: 2.400 bzw. 2,1 %; 2017: 7.500 bzw. 6,1 %; vgl. Tabelle 1, Spalte 4). Angebot und Nachfrage finden also seltener als bislang zueinander. Der Index Passungsprobleme, definiert als Produkt aus den Erfolglosenanteilen auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes (vgl. Milde/Matthes 2016), stieg seit 2009 kontinuierlich an (vgl. Tabelle 1, Spalte 8). Für Nordrhein-Westfalen, das immer noch stärker als die meisten anderen Länder damit zu kämpfen hat, dass viele Jugendliche bis zum Ende des Jahres erfolglos einen Ausbildungsplatz suchen (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2016, S. 106ff.; Matthes et al. 2018, Tabelle A1), stellt die steigende Zahl von bereitstehenden, aber ungenutzten Ausbildungsplätzen eine besonders ungünstige Entwicklung dar: Hätte 2017 das betriebliche Ausbildungsplatzangebot im selben Maße wie noch in 2009 ausgeschöpft werden können (damals noch zu 97,1 %, zuletzt nur noch zu 93,9 %), wären nicht nur rund 4.900 betriebliche Ausbildungsverträge mehr 1 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen abgeschlossen worden. Es wäre damit auch die Quote der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage um dreieinhalb Prozentpunkte niedriger ausgefallen. Zudem wäre das Risiko geringer, dass sich Betriebe, die erfolglos Ausbildungsplätze anbieten, demotiviert vom Ausbildungsmarkt zurückziehen und damit der Ausgleich von Angebot und Nachfrage künftig noch schwieriger wird. Zu wachsenden Passungsproblemen, wie sie für die jüngere Ausbildungsmarktentwicklung in NRW, aber auch im übrigen Bundesgebiet kennzeichnend sind, kann es u. a. kommen, wenn ausbildungsrelevante Vorstellungen und Wünsche auf den beiden Seiten des Marktes (Jugendliche, Betriebe) voneinander abweichen und sie sich in ihren Wünschen nicht mehr so weit annähern, dass sie zu einem Ausbildungsvertragsabschluss gelangen (vgl. Matthes/Ulrich 2014). Tabelle 1: Entwicklung der Erfolglosenanteile auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes 2009 bis 2017 in Nordrhein-Westfalen (NRW) und in Deutschland insgesamt darunter: darunter: darunter: Ausbildungsplatzangebot "betriebliches" Angebot Anteil des erfolglosen ohne Erfolg betrieb- Ausbildungs- bei der Anteil der Ausbildungs erfolglosen lichen unbesetzte platzAngebots nachfrage platzsuche Nachfrage Plätze (Sp.3/Sp.2) NRW 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Deutschland 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Index Passungsprobleme (Sp.6/Sp.5) (Sp.4 x Sp.7) Sp.1 Sp.2 Sp.3 Sp.4 Sp.5 Sp.6 Sp.7 Sp.8 123.940 125.137 131.195 128.845 125.653 122.855 122.895 121.679 124.157 117.023 118.391 125.604 123.521 122.401 119.525 119.712 118.738 121.439 2.436 2.827 4.642 4.828 5.570 5.458 6.123 6.964 7.461 2,1% 2,4% 3,7% 3,9% 4,6% 4,6% 5,1% 5,9% 6,1% 146.376 144.797 147.265 145.486 144.623 141.306 140.099 137.793 139.313 24.872 22.487 20.712 21.469 24.540 23.909 23.327 23.078 22.617 17,0% 15,5% 14,1% 14,8% 17,0% 16,9% 16,7% 16,7% 16,2% 35,4 37,1 52,0 57,7 77,2 77,3 85,2 98,2 99,7 581.871 579.762 599.826 585.309 564.167 561.470 563.753 563.750 572.227 536.070 538.719 569.366 559.405 542.486 541.076 544.888 546.200 556.348 17.564 19.802 30.446 34.051 34.625 38.269 41.592 43.478 48.937 3,3% 3,7% 5,3% 6,1% 6,4% 7,1% 7,6% 8,0% 8,8% 652.947 640.416 641.797 627.377 613.284 604.589 603.198 600.875 603.511 88.640 80.456 72.417 76.119 83.742 81.388 81.037 80.603 80.221 13,6% 12,6% 11,3% 12,1% 13,7% 13,5% 13,4% 13,4% 13,3% 44,5 46,2 60,3 73,9 87,2 95,2 102,5 106,8 116,9 Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 2 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Abweichende Vorstellungen und Wünsche zwischen den ausbildungsinteressierten Jugendlichen und Betrieben können bestehen im Hinblick auf: ̶ die Region, in der die Ausbildung stattfinden soll (regionale Disparitäten): wenn Jugendliche in Regionen ausgebildet werden möchten, in denen es zu wenig Angebote gibt, und nicht dort, wo verstärkt Betriebe ausbilden möchten und wo relativ viele Ausbildungsplatzangebote vorhanden sind (vgl. Baas/Baethge 2017; Matthes/Ulrich 2017; Ulrich 2013); ̶ den Beruf, in dem ausgebildet werden soll (berufliche Disparitäten): wenn Jugendliche Berufe präferieren, in denen Betriebe nicht im selben Maße ausbilden möchten, und wenn sie zugleich Berufe mit relativ vielen Ausbildungsplatzangeboten ignorieren (Fink et al. 2016; Haverkamp 2016; Schier/Ulrich 2014; Ulrich 2016); ̶ die Merkmale, die die Ausbildungsvertragspartner jeweils mitbringen sollen (Merkmalsdisparitäten): wenn Betriebe beispielsweise Bewerber_innen mit bestimmten Schulabschlüssen wünschen, die Bewerber_innen für ihre Ausbildungsplätze aber über andere Abschlüsse verfügen (Eberhard 2016; Eberhard/Ulrich 2010; Frei/Dahms/Prick 2014; Imdorf 2009; Milde/Kroll 2015), oder umgekehrt, wenn sich Jugendliche verstärkt die Ausbildung in einer bestimmten betrieblichen Lernumgebung wünschen (z. B. in einem überregionalen Dienstleistungsunternehmen), die Ausbildungsplatzangebote aber überwiegend von Unternehmen mit anderen Merkmalen stammen (z. B. von kleineren lokalen Handwerksbetrieben; vgl. Dornmayr 2016; Eberhard/Ulrich 2017; Mischler 2018). Darüber hinaus können Passungsprobleme Folgen eines unzureichenden Informationsverhaltens seitens der Teilnehmer auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes sein (Jugendliche, Betriebe). Als Folge solcher Informationsdefizite wissen beide Seiten zu wenig voneinander, und die durchaus mögliche Einigung zwischen den beiden Seiten in Form eines Ausbildungsvertragsabschlusses wird somit verhindert. Defizite des Informationsverhaltens aufseiten der Betriebe und Jugendlichen können sowohl das Sich-selbst-Informieren (über mögliche Vertragspartner) als auch das Informieren Dritter (über die eigenen Ausbildungsabsichten und Merkmale) betreffen. Ausmaß, Qualität und Erfolg des Informationsverhaltens hängen wiederum von den Ressourcen und Verhaltensstrategien der Jugendlichen und Betriebe ab. 3 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen 1.2 Aufbau des Beitrags und Zusammenfassung zentraler Ergebnisse Wir werden im Folgenden zunächst die Marktungleichgewichte in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland, wie sie sich zuletzt (2017) in regionaler und beruflicher Hinsicht abzeichneten, darstellen. Darüber hinaus untersuchen wir, als einen zentralen Aspekt der Merkmalsdisparitäten, die Unterschiede zwischen den von Arbeitgeber_innen gewünschten und den tatsächlichen Schulabschlüssen der Ausbildungsstellenbewerber_innen (vgl. Kapitel 2). Die regionalen und beruflichen Marktungleichgewichte sowie die Merkmalsdisparitäten summieren sich auf übergeordneter Ebene zu Passungsproblemen: Hieraus resultieren in einem bestimmten Ausmaß Versorgungsprobleme von Ausbildungsstellenbewerber_innen und Besetzungsprobleme von betrieblichen Ausbildungsstellen, die selbst dann vorhanden wären, wenn Angebot und Nachfrage in einem rechnerisch ausgeglichenen Verhältnis zueinander stünden. Wir beschreiben für 2017 die Versorgungs- und Besetzungsprobleme in Nordrhein-Westfalen und Deutschland und berechnen, wie hoch der Umfang erfolgloser Nachfrage bei rechnerisch ausgeglichenen Marktverhältnissen immer noch wäre (vgl. Kapitel 3). Anschließend fragen wir nach den Ursachen für die zunehmenden Passungsprobleme. Wir gehen dabei spiegelbildlich vor. Zunächst thematisieren wir, welche Faktoren eine stärkere Anpassung der Ausbildungsplatznachfrage von Jugendlichen an die angebotenen Ausbildungsberufe behindern (vgl. Kapitel 4.1). Anschließend greifen wir umgekehrt die Frage auf, welche Faktoren eine stärkere Anpassung der Ausbildungsplatzangebote an die Berufswünsche der Jugendlichen erschweren (vgl. Kapitel 4.2). Da eine stärkere Ausrichtung des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots an den Berufswünschen der Jugendlichen aufgrund des in Deutschland etablierten institutionellen Rahmens aus den in Kapitel 4.2 zu schildernden Gründen nicht erwartet werden kann, legen wir den Schwerpunkt im vierten Kapitel auf die Ursachen, warum Ausbildungsplatzangebote von den Ausbildungsplatznachfrager_innen zunehmend nicht mehr aufgegriffen werden. Dabei orientieren wir uns an der Wert-Erwartungs-Theorie, Berufswahltheorien und identitätspsychologischen Ansätzen. Die Besetzungsprobleme in Nordrhein-Westfalen dürften demnach vor allem aus den großen Reputationsunterschieden zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen resultieren, die in einem zunehmenden Spannungsverhältnis zu den sozialen Identitätsansprüchen der ausbildungsinteressierten Jugendlichen und ihres Umfeldes stehen. Mit der sich in den letzten Jahren stark öffnenden Schere zwischen der sinkenden Zahl der Schulabsolvent_innen mit Hauptschulabschluss und der weiter steigenden Zahl an studienberechtigten Absolvent_innen geraten gerade typische ,Hauptschülerberufe unter Druck. Denn die Jugendlichen und ihr soziales Umfeld präferieren Berufe, die ihre Identität im sozialen Umfeld stärken. Dabei zählen sie neben dem Einkommen im Beruf vor allem auch das durchschnittliche Bildungsniveau in den Berufen zu den zentralen reputationsförderlichen Faktoren. Berufe mit einem hohen Anteil an Hauptschulabsolvent_innen gelten somit nicht als identitäts- 4 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen förderlich, das heißt als förderlich für die eigene Stellung im sozialen Umfeld. Dies gilt insbesondere für jene stetig wachsende Zahl an Jugendlichen, die selbst über höhere Schulabschlüsse verfügen und es als Verschwendung ihrer schulischen Bildungsinvestitionen betrachten würden, fänden sie sich in einem typischen ,Hauptschülerberuf wieder. Hinzu kommen offenkundig Vorbehalte gegenüber Berufen mit überwiegend körperlicher Tätigkeit; dabei scheinen auch in der Gesells haft tief e a ke te dualistis he Ü e zeugu ge hi si htli h des We tes ‚geistige u d ‚kö pe li he Bildu g und Arbeit eine Rolle zu spielen. Angesichts des Phänomens, dass in Nordrhein-Westfalen wie in Deutschland das Ausbildungsplatzangebot in den Wunschberufen der Jugendlichen begrenzt ist, sollten sich ausbildungsinteressierte Jugendliche nach den Annahmen der Wert-Erwartungs-Theorie auch Be ufe it te de ziell ied ige e su jekti e We tigkeit öff e . De ih ‚I estitio s isiko i Form von erfolglosen Bewerbungen kann in ihren Wunschberufen bisweilen sehr hoch sein. Für die Bewerber_innen in Nordrhein-Westfalen wie auch für die Bewerber_innen in Deutschland insgesamt deutet sich jedoch an, dass viele offenbar nicht in der Lage sind, die Ausbildungsmarktlagen in den verschiedenen Berufen treffend einzuschätzen. Sie konzentrieren sich deshalb womöglich auf Berufe, bei denen die Ausbildungsmarktlage ihnen letztlich den Zugang in die duale Berufsausbildung nicht ermöglicht. Als Folge dieser Fehleinschätzungen verbleiben somit nicht nur Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, sondern es bleiben auch betriebliche Ausbildungsplätze in den Berufen ungenutzt, in denen die Jugendlichen bessere Zugangschancen hätten. Die Kapitel 4.3 und 4.4 behandeln die Ursachen regionaler Disparitäten und sind der Frage gewidmet, warum sich Angebot und Nachfrage nicht stärker an die regionale Verteilung der jeweiligen Gegenseite des Marktes anpassen. In Kapitel 4.3 behandeln wir zunächst die Ursachen, warum sich die Ausbildungsplatznachfrage nicht stärker an der regionalen Verteilung der Ausbildungsplatzangebote in Nordrhein-Westfalen orientiert. Die Beantwortung dieser Frage hat sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, dass die offiziellen Angebots-Nachfrage-Relationen bereits die von Mobilität geprägten Ausbildungsmarktverhältnisse widerspiegeln und der tatsächliche Effekt der von den Jugendlichen praktizierten Mobilität auf die regionalen Marktlagen bislang nicht bekannt ist. Wir rekonstruieren deshalb zunächst die noch von Mobilität unbeeinflussten regionalen Ausbildungsmarktverhältnisse. Der Vergleich mit den durch Mobilität geprägten Angebots-Nachfrage-Relationen zeigt, dass das Ausmaß der Mobilität der Jugendlichen bereits heute so groß ist, dass in Nordrhein-Westfalen über alle Berufe hinweg betrachtet rechnerisch in jedem Arbeitsagenturbezirk den Ausbildungsplatzangeboten eine genügend große Nachfrage seitens der Jugendlichen gegenübersteht. Dies bedeutet, dass die Besetzungsprobleme vor Ort somit vor allem aufgrund beruflicher Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage existieren. Wir beschäftigen uns deshalb im zweiten Teil des Kapitels 4.3.1 mit der Frage, inwieweit eine noch stärkere Mobilität der Jugendlichen auch diese beruflichen Disparitäten auszugleichen ver- 5 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen mag. Dabei gelangen wir zu einem skeptischen Ergebnis. Denn Befragungen der nordrhein-westfälischen Bewerber_innen zeigen, dass zwischen regionaler und beruflicher Mobilität ein Spannungsverhältnis besteht und regional mobilitätsbereite Jugendliche eher höhere Ansprüche an ihren künftigen Beruf stellen. Sie funktionalisieren ihre Mobilitätsbereitschaft dahingehend, dass sie in den Zielregionen allgemein als attraktiv geltende Berufe nachfragen, die nicht von Besetzungsproblemen betroffen sind. Die Bereitschaft, auf Berufe zuzugehen, die nicht unbedingt ihre oberste Priorität sind, ist eher bei denjenigen Jugendlichen gegeben, die sich sehr ortsverbunden zeigen. Die Tatsache, dass viele Bewerber_innen ihre Heimatregion nicht verlassen möchten, erscheint somit in einem doppelten Licht: als hemmend im Kampf gegen regionale, aber förderlich im Kampf gegen berufliche Disparitäten auf dem Ausbildungsmarkt. In Abschnitt 4.4 stellen wir zunächst die Gegenfrage, warum sich das betriebliche Ausbildungsplatzangebot nicht stärker an das Ausmaß der Ausbildungsplatznachfrage vor Ort anpasst. Hier gelten letztlich jedoch dieselben Hinderungsgründe, die bereits in Abschnitt 4.2 thematisiert wurden. Wir greifen deshalb stattdessen die Frage auf, wie sich zusätzlich bereitgestellte, öffe tli h fi a zie te ‚auße et ie li he Plätze auf die Mi de u g o Passu gsp o le e auswirken würden. Solche Plätze nehmen zwar Nachfrage vom Markt, stellen allerdings keine echte Lösung von Passungsproblemen dar, da sie das eigentliche Problem, die mangelnde Korrespondenz zwischen dem betrieblichen Angebot und der Nachfrage aufseiten der Jugendlichen, nicht wirklich lösen und zudem die Besetzbarkeit von betrieblichen Angeboten erschweren. Die außerbetrieblichen Plätze wurden somit in den vergangenen Jahren in Nordrhein-Westfalen im selben Maße abgebaut wie das betriebliche Angebot zunahm, sodass sich die Marktlagen für die Jugendlichen durch den Abbau nicht verschlechterten. Eigenartigerweise dürfte die Substitution außerbetrieblicher Plätze durch betriebliche Ausbildungsplatzangebote gleichwohl dazu beigetragen haben, dass die Quote erfolgloser Nachfrage zumindest statistisch auch in Nordrhein-Westfalen auf relativ hohem Niveau verharrte. Dieses Phänomen hängt damit zusammen, dass außerbetriebliche Plätze zielgenau auf die Betroffenen zugeschnitten sind und stets dann in der Angebotsstatistik mitgezählt werden, wenn sie auch besetzt sind. Betriebliche Ausbildungsplatzangebote unterliegen dagegen einem Nichtbesetzungsrisiko, insbesondere auch dann, wenn sie aus wenig nachgefragten Berufen stammen. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese betrieblichen Angebote rechnerisch die Quote unbesetzter Plätze erhöhen. Die Kapitel 4.5 und 4.6 widmen sich den Merkmalsdisparitäten, die aus unzureichenden Entsprechungen der Betriebe gegenüber den Wünschen der Jugendlichen an ihren Ausbildungsbetrieb und aus unzureichenden Entsprechungen der Jugendlichen gegenüber den Vorstellungen der Betriebe resultieren. Wir fragen in Kapitel 4.5 zunächst, wie die Wünsche der Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen zu den Merkmalen ihres Ausbildungsbetriebs aussehen und ob sie sich ändern, wenn immer mehr ausbildungsinteressierte Jugendlichen über eine Studienberechtigung verfügen. Es deutet sich einerseits an, dass große Betriebe infolge der veränderten schulischen 6 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Vorbildung der Jugendlichen weitere Wettbewerbsvorteile gegenüber kleinen Betrieben erlangen könnten, dass aber andererseits kleine Betriebe im Wettbewerb bestehen können, sofern sie sich als Arbeitgeber präsentieren, die ein langfristiges Interesse an einer qualifizierten Mitarbeit der Jugendlichen hegen und dementsprechend mit einer qualifizierten Ausbildung in ihre künftigen Fachkräfte investieren möchten. Anschließend gehen wir in Kapitel 4.6 der Frage nach, welche Merkmale Betriebe von ihren künftigen Auszubildenden wünschen und warum sie bisweilen Bewerber_innen selbst dann ablehnen, wenn sie als Folge ihre Ausbildungsplätze nicht besetzten können. Es zeigt sich, dass Betriebe vor allem im Hinblick auf das Auftreten der Jugendlichen bestimmte Mindeststandards setzen, die aus ihren Produktivitätszwängen, innerbetrieblichen Kooperationserfordernissen und Kundenbeziehungen resultieren und bei denen sie nur bedingt Kompromisse machen können. Themen des Kapitels 4.7 sind das Informationsverhalten der Jugendlichen und Betriebe. Zunächst untersuchen wir anhand der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016, wie sich Ausbildungsstellenbewerber_innen über den Ausbildungsmarkt informieren, wie sie dabei von Dritten unterstützt werden und wie sie versuchen, Kooperationen mit Betrieben anzubahnen. Dabei wird deutlich, dass das Informationsverhalten der erfolglos suchenden Bewerber_innen nicht schwächer ausgeprägt ist als das der erfolgreichen Bewerber_innen. Ähnliches gilt, wie die Ergebnisse verschiedener Betriebsbefragungen zeigen, für Betriebe, die ihre Ausbildungsplätze erfolglos anbieten. Die Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt dürften insofern nur zu einem geringen Teil auf ein unzureichendes Informationsverhalten zurückzuführen sein. In Kapitel 4.8 verlassen wir die inhaltlich ausgerichteten Ursachenanalysen für die Passungsprobleme und widmen uns der Frage, ob die in den offiziellen Indikatoren angezeigten Passungsprobleme auch durch statistische Artefakte erzeugt sein könnten. Dabei konzentrieren wir uns auf die Quote der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage, angeregt durch die Beobachtung der Entwicklung des Hamburger Ausbildungsmarktes, auf dem diese Quote in den vergangenen Jahren stark anstieg, ohne dass sich dies durch eine massive Verschlechterung der Hamburger Ausbildungsmarktverhältnisse erkläre ließe. Anhand der Entwicklungen in den nordrhein-westfälischen Regionalmärkten zeigen wir, dass solche Effekte grundsätzlich auch in Nordrhein-Westfalen zu beobachten sind, über alle Regionen hinweg betrachtet bislang jedoch nicht im selben Ausmaß wie in Hamburg auftraten. Das Phänomen der rechnerisch zunehmenden Passungsprobleme in Nordrhein-Westfalen verweist somit mit hoher Wahrscheinlichkeit auf tatsächlich zunehmende Schwierigkeiten, Angebot und Nachfrage insbesondere auf beruflicher Ebene zusammenzuführen. Das Abschlusskapitel 5 ist möglichen Maßnahmen zur Verringerung der Passungsprobleme gewidmet. Da Passungsprobleme rechnerisch über jene erfolglosen Marktteilnehmer ermittelt werden, welche die Beratungs- und Vermittlungsdienste in Anspruch nehmen und bis zum Stichtag 30. September erfolglos bleiben, müssen sich letztlich alle Maßnahmen, die sich auf eine 7 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen unmittelbare Verringerung des Passungsproblems richten, auf den unterjährig laufenden Vermittlungsprozess von Marktteilnehmer konzentrieren, die bei der Bundesagentur für Arbeit registriert sind und die mit ihren Ausbildungswünschen zu scheitern drohen. Mit anderen Worten: Es müssen die Bedingungen dafür verbessert werden, dass die bislang mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolglosen Betriebe und Ausbildungsstellenbewerber_innen künftig zusammenfinden. Die Gegenüberstellung der unbesetzten Berufsausbildungsstellen nach erwartetem und der erfolglosen Bewerber_innen nach erreichtem Schulabschluss und die großen Abweichungen auf den beiden Seiten verdeutlichen die Herausforderungen, die gerade in Nordrhein-Westfalen mit einer solchen Aufgabe verbunden sind. So wird bei mehr als der Hälfte der unbesetzten Stellen lediglich ein Hauptschulabschluss als schulische Mindestvoraussetzung erwartet. Der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss unter den erfolglos Suchenden beträgt jedoch nicht einmal mehr ein knappes Fünftel, während inzwischen mehr als zwei Fünftel über eine Studienberechtigung verfügen. Ziel müsste es demnach sein, mehr Personen mit höheren Schulabschlüssen dazu zu bewegen, sich Berufen zuzuwenden, die grundsätzlich auch Bewerber_innen mit niedrigeren Abschlüssen offenstehen. In den von uns berichteten BIBB-Untersuchungen wurde letztlich ein doppeltes Schisma offenkundig, auf der einen Seite zwischen der beruflichen und akademischen Berufsausbildung und auf der anderen Seite i e hal de duale Be ufsaus ildu g z is he de e ei tli h ‚a sp u hs olle e Die stleistu gs e ufe u d de Be ufe it höhe e A teile kö pe li he Tätigkeit. Will man unter den oben skizzierten Bedingungen erfolgreich sein, gilt es nicht nur, die Reputation der dualen Berufsausbildung gegenüber der akademischen Ausbildung grundlegend zu verbessern, sondern auch den Ruf der stärker körperlich tätigen Berufsarbeit bzw. der typis he ‚Haupts hüle e ufe gege ü e de e ei tli h ‚a sp u hs olle e Be ufe it ü e wiegend geistiger Tätigkeit. Dies erfordert zunächst eine Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, nicht nur, weil damit die Arbeit als solche attraktiver wird, sondern auch, weil es unter den Jugendlichen als erklärungsbedürftig oder gar rufschädigend gilt, sich bei eigenem höheren Schulabschluss Berufen auszusetzen, die durch nachteilige Arbeitsbedingungen und geringer Reputation gekennzeichnet sind. Darüber hinaus müssen symbolträchtige Signale etabliert werden, die die Gleichwertigkeit von hochschulischer und beruflicher Bildung glaubhaft herausstellen. Diese Signale müssen nicht nur die Jugendlichen, sondern auch ihr soziales Umfeld erreichen. Viele sinnvolle Maßnahmen wurden bereits von verschiedenen Seiten angedacht bzw. eingeleitet, so die Kampagnen zur Verbesserung des Images im Handwerk, der Ausbau der Berufsorientierung in den Gymnasien, Auszubildende, die als Ausbildungsbotschafter_innen in Schulen selten nachgefragte Berufe vorstellen, die Eta lie u g ei es doppelt ualifizie e de Bildu gsga gs ‚duale Be ufsaus ildu g plus A itu ode das Ko zept ei e höhe e Be ufs ildu g. Darüber hinaus halten wir Maßnahmen für besonders bedeutsam, die nicht unmittelbar, sondern eher auf mittelbarem Wege Gleichwertigkeit andeuten. Hierzu könnte die Einführung eines la des eit gültige ‚Aus ildu gsti kets au h fü Juge dli he i de Be ufsaus ildu g pa allel 8 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen zu de ‚Se este ti kets fü Studie e de zähle , au h e i u die i stitutio elle S h ierigkeiten bei der Etablierung eines solchen Tickets wissen. Ein weiterer symbolträchtiger Schritt wäre die Überführung von Studentenwohnheimen in Bildungswohnheime, in denen in möglichst starker Durchmischung Studierende und Auszubildende zugleich wohnen. Als ein entscheidendes S ol fü das, as ‚Bildu g i u se e Gesells haft tatsä hli h edeutet, et a hte i jedo h de Fä he ka o i je e S hule , die als ‚höhe e S hule titulie t e de . Sola ge i diesen Schulen die Förderung von gestalterischen, kreativen und handwerklichen Fähigkeiten nicht ebenfalls zum selbstverständlichen Fächerkanon gehört, werden weiterhin starke Signale ausgesendet, dass es auf diese Form der Bildung auch nicht wirklich ankommt, und es dürfte weiterhin schwierig bleiben, Jugendliche nach dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule doch noch vom vermeintlichen Gegenteil zu überzeugen. 9 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt 2 Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Marktu glei hgewi hte 2.1 Regionale Disparitäten Regionale Disparitäten spielen überall dort eine besondere Rolle, wo die regionalen Ausbildungsmarktlagen innerhalb einer übergeordneten regionalen Einheit stark voneinander abweichen, wo also einerseits Regionen zu finden sind, in denen das Ausbildungsplatzangebot die Nachfrage deutlich übertrifft, und andererseits Regionen, in denen es im Vergleich zur Nachfrage ein deutliches Angebotsdefizit gibt. Kommt es zu keinen ausgleichenden Wanderungsbewegungen aufseiten der Ausbildungsplätze nachfragenden Jugendlichen (fort von Regionen mit Angebotsdefiziten hin zu Regionen mit Angebotsüberschüssen), manifestiert sich auf übergeordneter Ebene eine Ausbildungsmarktlage, bei der selbst bei ausgeglichener Angebots-Nachfrage-Relation sowohl viele erfolglose Ausbildungsplatznachfrager_innen als auch viele unbesetzte Ausbildungsplätze zu verzeichnen sind. Nach der offiziellen Ausbildungsmarktbilanz 2017 fielen zwar auch in den 30 NRW-Arbeitsagenturbezirken die Angebots-Nachfrage-Relationen recht unterschiedlich aus. Denn zwischen dem niedrigsten Wert von eANR = 76,4, gemessen im Bezirk Oberhausen, und dem höchsten Wert von 96,9, gemessen im Bezirk Meschede-Soest, lagen mehr 20 Prozentpunkte. Doch erreichte kein Arbeitsagenturbezirk eine Angebots-Nachfrage-Relation von 100 und mehr (vgl. Abbildung 1).1 Rein rechnerisch waren somit auch im Jahr 2017 alle NRW-Arbeitsagenturbezirke noch von Angebotsdefiziten betroffen, ungeachtet der insgesamt verbesserten Marktlage. Bei der Interpretation dieser Ergebnisse ist allerdings zu berücksichtigen, dass die AngebotsNachfrage-Relationen bereits das Ergebnis von erfolgreicher regionaler Mobilität widerspiegeln (Matthes/Ulrich 2017). Wir werden deshalb in Kapitel 4.3 den Versuch unternehmen, die noch von Mobilität unbeeinflussten Marktverhältnisse in Nordrhein-Westfalen zu rekonstruieren. Die dortigen Berechnungsergebnisse verweisen darauf, dass es ohne Mobilität auch in NordrheinWestfalen beträchtliche regionale Disparitäten geben würde, bei denen Regionen mit starken Angebotsüberschüssen Regionen mit beträchtlichen Nachfrageüberschüssen gegenüberstünden. 1 Zugrunde gelegt wird im Rahmen dieses Berichts ausschließlich die erweiterte Nachfragedefinition in Anlehnung an § 86 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Demnach wird die Höhe der Nachfrage durch Addition der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (‚erfolgreiche Nachfrage ) und der Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten, zum 30. September noch suchenden Ausbildungsstellenbewerber_innen berechnet (‚erfolglose Na hf age . Im Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) findet sich neben der erweiterten Nachfragedefinition auch eine zweite, restriktive Berechnungsvariante, bei der jene noch suchenden Bewerber_innen nicht zur Nachfrage gezählt werden, die zum Bilanzierungsstichtag über eine Überbrückungsmöglichkeit bzw. Verbleibsalternative verfügen (z. B. erneuter Schulbesuch, Praktikum, Arbeit, Jobben, berufsvorbereitende Maßnahmen, Studium). Indem wir auf die erweiterte Nachfragedefinition zurückgreifen, basieren auch alle Berechnungen der Angebots-Nachfrage-Relationen (ANR) auf der erweiterten Nachfrage. Wir kennzeichnen diese erweiterten ANR-Be e h u ge du h das Kü zel ‚eANR . 10 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Abbildung 1: Regionale Ausbildungsmarktlagen 2017 in NRW und in Deutschland insgesamt Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt © GeoBasis-DE / BKG 2017 (Daten verändert) Visualisierung der Arbeitsagenturbezirke: Bundesinstitut für Berufsbildung, Arbeitsbereich 2.1, R.-O. Granath Zahl der Ausbildungsplatzangebote je 100 Nachfrager (ANR) Zahl der Regionen in Nordrhein-Westfalen Zahl der Regionen in Deutschland insgesamt unter 80 80 – u. 90 90 – u. 100 100 – u. 110 über 110 1 15 14 - - 3,3 % 50,0 % 46,7 % - - 1 39 73 29 12 0,6 % 25,3 % 47,4 % 18,8 % 7,8 % Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); eigene Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 11 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt 2.2 Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Berufliche Disparitäten Während auf der Ebene der Arbeitsagenturbezirke unter dem Einfluss regionaler Mobilität alle Angebots-Nachfrage-Relationen unter 100 liegen, verhält sich dies auf der Ebene der einzelnen Ausbildungsberufe anders. Hier lässt sich eine Reihe von Berufen identifizieren, in denen nach der offiziellen Bilanz deutlich mehr Ausbildungsplatzangebote als Ausbildungsplatznachfrage vorhanden sind (vgl. Tabelle 2, Spalte 7 und für Deutschland insgesamt Spalte 16). Die stärksten relativen Angebotsüberschüsse fanden sich 2017, für alle Regionen Nordrhein-Westfalens zusammengefasst, in den Berufen Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk (128,9 Angebote je 100 Nachfrager_innen; Deutschland: 148,9), Fachmann/-frau für Systemgastronomie (127,1; Deutschland: 143,8), Restaurantfachmann/-frau (126,0; Deutschland: 138,4), Schornsteinfeger_in (120,8; Deutschland: 107,1), Hörakustiker_in (120,3; Deutschland: 123,3), Fachkraft im Gastgewerbe (113,0; Deutschland: 118,2), Bäcker_in (112,1: Deutschland: 120,7) und Gerüstbauer_in (110,8; Deutschland: 120,7). Es sind demnach vor allem Handwerksberufe und Berufe in der Gastronomie, die durch Angebotsüberschüsse gekennzeichnet sind. Zugleich zeigt sich, dass die Angebotsüberschüsse in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu Deutschland niedriger ausfallen. Ausbildungsberufe, in denen es 2017 in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zur Ausbildungsplatznachfrage besonders wenige Ausbildungsplatzangebote gab, sind in Tabelle 3 aufgeführt (vgl. auch hier insbesondere Spalte 7). Hierzu zählen zuvorderst die Berufe Mediengestalter_in Bild und Ton (50,1 Angebote je 100 Nachfrager_innen; Deutschland: 53,8), Sport- und Fitnesskaufmann/-frau (69,4; Deutschland: 76,6), Chemielaborant_in (70,2; Deutschland: 75,7), Fachangestellte_r für Arbeitsmarktdienstleistungen (71,4; Deutschland: 75,2), Buchhändler_in (71,9; Deutschland: 82,1) und Mediengestalter_in Digital und Print (73,0; Deutschland: 72,8). Somit werden vor allem Medien-, Labor-, Verwaltungs- und Verkaufsberufe besonders stark nachgefragt. Im Vergleich zu Deutschland insgesamt fällt das Angebotsdefizit in diesen Berufen in Nordrhein-Westfalen noch etwas höher aus. 12 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 2: Ausbildungsberufe mit hoher Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) im Jahr 2017 Nordrhein-Westfalen Neue Ausbildungsverträge Ausbildungsplatzangebote außerinsge- betrieb- insgelich samt samt Berufe mit hoher Angebots-Nachfrage-Relation Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk Deutschland insgesamt Quoten erfolgloser Marktteilnahmen Ausbildungsplatznachfrage unbesetzt unbesetzte insge- noch susamt chend ANR Plätze 1) erfolglose Nachfrage Neue Ausbildungsverträge Ausbildungsplatzangebote außerinsge- betrieb- insgelich samt samt unbesetzt Quoten erfolgloser Marktteilnahmen Ausbildungsplatznachfrage insge- noch susamt chend ANR unbesetzte Plätze 1) erfolglose Nachfrage Sp.1 Sp.2 Sp.3 Sp.4 Sp.5 Sp.6 Sp.7 Sp.8 Sp.9 Sp.10 Sp.11 Sp.12 Sp.13 Sp.14 Sp.15 Sp.16 Sp.17 Sp.18 a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut in % in % in % a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut in % in % in % 1.400 15 1.905 505 1.478 78 128,9 26,7 5,3 6.469 122 10.136 3.667 6.809 340 148,9 36,6 5,0 Fachmann/-frau für Systemgastronomie 403 * 535 132 421 18 127,1 24,7 4,3 1.510 * 2.278 768 1.584 74 143,8 33,7 4,7 Restaurantfachmann/-frau 446 6 626 180 497 51 126,0 29,0 10,3 2.884 36 4.321 1.437 3.122 238 138,4 33,5 7,6 Schornsteinfeger/-in 117 0 145 28 120 3 120,8 19,3 2,5 646 4 709 63 662 16 107,1 8,9 2,4 Hörakustiker/-in Fachkraft im Gastgewerbe 288 393 0 17 368 496 80 103 306 439 18 120,3 46 113,0 21,7 21,5 5,9 10,5 1.252 2.193 8 165 1.633 2.881 381 688 1.325 2.437 73 123,2 244 118,2 23,4 25,3 5,5 10,0 Bäcker/-in 590 3 716 126 639 49 112,1 17,7 7,7 2.954 66 3.786 832 3.213 259 117,8 22,4 8,1 Gerüstbauer/-in 101 * 123 22 111 10 110,8 18,2 9,0 374 3 495 121 410 36 120,7 24,6 8,8 Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice 92 * 101 9 92 0 109,8 9,0 0,0 238 * 285 47 241 3 118,3 16,6 1,2 Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik 96 0 106 10 99 3 107,1 9,4 3,0 444 0 477 33 463 19 103,0 6,9 4,1 900 27 1.055 155 988 88 106,8 15,1 8,9 3.610 87 4.272 662 3.889 279 109,8 15,8 7,2 91 0 102 11 96 5 106,3 10,8 5,2 402 0 458 56 413 11 110,9 12,2 2,7 Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice 151 0 176 25 168 17 104,8 14,2 10,1 543 3 692 149 578 35 119,7 21,6 6,1 Beton- und Stahlbetonbauer/-in 124 0 142 18 136 12 104,4 12,7 8,8 623 26 814 191 666 43 122,2 24,2 6,5 6,2 Berufskraftfahrer/-in Gießereimechaniker/-in Zahnmedizinischer Fachangestellte/-r 2.854 0 3.187 333 3.070 216 103,8 10,4 7,0 12.891 20 14.362 1.471 13.744 853 104,5 10,3 Augenoptiker/-in 624 4 702 78 680 56 103,2 11,2 8,2 2.881 9 3.222 341 3.079 198 104,6 10,6 6,4 Holzmechaniker/-in 173 * 185 12 181 8 102,2 6,5 4,4 596 16 659 63 636 40 103,6 9,8 6,3 32 2.034 261 1.995 222 102,0 13,0 11,1 9.219 187 11.405 2.186 10.123 904 112,7 19,5 8,9 7.461 139.313 22.617 87,2 6,1 16,2 523.290 15.879 556.348 48.937 603.511 80.221 92,2 8,8 13,3 Koch/ Köchin Berufe insgesamt 1) 1.773 116.696 2.718 121.439 Anteil der unbesetzten Ausbildungsplätze am betrieblichen Ausbildungsplatzangebot. Es werden nur Ausbildungsberufe des dualen Systems (BBiG/ HwO) aufgeführt, in denen im Jahr 2017 in NRW mindestens 100 Ausbildungsplätze angeboten wurden. Werte kleiner als drei werden nicht ausgewiesen. Quellen: BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September 2017 (vgl. Matthes et al. 2018); Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017a); eigene Berechnungen 13 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 3: Ausbildungsberufe mit niedriger Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) im Jahr 2017 Nordrhein-Westfalen Neue Ausbildungsverträge Ausbildungsplatzangebote außerinsge- betrieb- insgelich samt samt Berufe mit niedriger Angebots-Nachfrage-Relation Mediengestalter/-in Bild und Ton Sport- und Fitnesskaufmann/-frau Chemielaborant/-in Fachangestellter/-e für Arbeitsmarktdienstleistungen Buchhändler/-in Mediengestalter/-in Digital und Print Fachkraft für Schutz und Sicherheit Automobilkaufmann/-frau Verwaltungsfachangestellte/-r Pferdewirt/-in Fotograf/-in Kaufmann/ -frau für Büromanagement Fahrzeuglackierer/-in Veranstaltungskaufmann/-frau Tiermedizinischer Fachangestellter/-e Tischler/-in Fachlagerist/-in Maschinen- und Anlagenführer/-in Medizinischer Fachangestellte/-r Hauswirtschafter/-in Kraftfahrzeugmechatroniker/-in Kaufmann/-frau im Einzelhandel Immobilienkaufmann/-frau Sozialversicherungsfachangestellte/-r Verkäufer/-in Berufe insgesamt 1) unbesetzt Deutschland insgesamt Quoten erfolgloser Marktteilnahmen Ausbildungsplatznachfrage insge- noch susamt chend ANR erfolgunbe- lose setzte NachPlätze 1) frage Neue Ausbildungsverträge Ausbildungsplatzangebote außerinsge- betrieb- insgelich samt samt unbesetzt Quoten erfolgloser Marktteilnahmen Ausbildungsplatznachfrage insge- noch susamt chend ANR erfolgunbe- lose setzte NachPlätze 1) frage Sp.1 Sp.2 Sp.3 Sp.4 Sp.5 Sp.6 Sp.7 Sp.8 Sp.9 Sp.10 Sp.11 Sp.12 Sp.13 Sp.14 Sp.15 Sp.16 Sp.17 a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut in % in % in % a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut a bs ol ut in % in % in % 50,1 69,4 70,2 71,4 71,9 73,0 73,8 76,0 76,1 76,2 76,4 79,4 79,5 79,6 79,8 80,5 81,0 82,1 82,2 82,3 82,7 83,3 83,4 84,5 84,8 0,0 7,8 0,0 0,0 3,0 2,5 4,7 2,1 0,5 2,7 7,2 3,4 3,7 3,1 2,6 0,9 3,8 2,3 3,4 5,0 2,5 7,5 2,4 1,7 7,8 49,9 36,0 29,8 28,6 30,2 28,8 29,8 25,6 24,3 25,9 29,1 23,2 23,3 22,9 22,2 20,2 21,7 19,8 20,6 21,3 19,3 22,8 18,7 16,9 21,5 53,8 75,6 75,7 75,2 82,1 72,8 82,3 82,5 85,1 86,1 75,1 84,3 86,5 80,6 79,8 85,4 83,1 89,3 86,0 90,4 88,1 94,2 84,5 90,2 87,6 0,7 10,0 1,4 0,6 2,6 3,0 7,9 3,5 1,0 5,7 5,1 4,0 7,4 3,8 2,5 3,4 5,3 5,0 3,5 7,6 3,8 13,5 1,6 2,7 10,3 46,6 31,9 25,4 25,3 20,1 29,3 24,1 20,4 15,8 18,8 28,7 18,9 19,6 22,4 22,3 17,3 20,7 15,0 17,0 15,6 15,1 18,2 16,9 12,2 20,8 7.461 139.313 22.617 87,2 6,1 16,2 523.290 15.879 556.348 48.937 603.511 80.221 92,2 8,8 13,3 172 452 393 172 97 811 281 1.299 1.204 143 141 6.942 486 494 760 1.789 1.435 1.252 4.110 196 4.390 5.500 723 520 5.564 116.696 0 * * 0 * 7 0 * 11 0 0 158 22 * 0 98 188 40 5 26 85 97 * 0 329 172 490 393 172 100 832 295 1.327 1.210 147 152 7.179 504 510 780 1.805 1.484 1.281 4.255 205 4.501 5.935 741 529 6.009 2.718 121.439 0 38 0 0 3 21 14 28 6 4 11 237 18 16 20 16 49 29 145 9 111 435 18 9 445 343 706 560 241 139 1.139 400 1.746 1.590 193 199 9.040 634 641 977 2.242 1.833 1.561 5.179 249 5.442 7.127 889 626 7.087 171 254 167 69 42 328 119 447 386 50 58 2.098 148 147 217 453 398 309 1.069 53 1.052 1.627 166 106 1.523 682 1.818 1.639 812 481 3.093 1.170 5.292 6.516 759 578 28.654 2.336 1.961 2.722 7.915 6.072 4.349 16.282 1.096 22.220 24.473 2.973 2.462 22.681 * 8 * 0 3 58 12 24 22 0 6 1.062 110 11 * 491 825 193 20 154 482 493 11 0 1.821 687 2.018 1.663 817 494 3.186 1.269 5.483 6.584 805 609 29.792 2.514 2.038 2.793 8.176 6.367 4.569 16.875 1.174 23.077 28.214 3.022 2.530 25.074 5 200 24 5 13 93 99 191 68 46 31 1.138 178 77 71 261 295 220 593 78 857 3.741 49 68 2.393 1.278 2.669 2.198 1.087 602 4.376 1.542 6.650 7.737 935 811 35.329 2.907 2.527 3.501 9.572 7.661 5.118 19.616 1.299 26.185 29.936 3.576 2.805 28.633 596 851 559 275 121 1.283 372 1.358 1.221 176 233 6.675 571 566 779 1.657 1.589 769 3.334 203 3.965 5.463 603 343 5.952 Sp.18 Anteil der unbesetzten Ausbildungsplätze am betrieblichen Ausbildungsplatzangebot. Es werden nur Ausbildungsberufe des dualen Systems (BBiG/ HwO) aufgeführt, in denen im Jahr 2017 in NRW mindestens 100 Ausbildungsplätze angeboten wurden. Werte kleiner als drei werden nicht ausgewiesen. Quellen: BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September 2017 (vgl. Matthes et al. 2018); Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017a); eigene Berechnungen 14 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt 2.3 Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Merkmalsdisparitäten Merkmalsdisparitäten sind gegeben, wenn der bzw. die jeweilige potenzielle Ausbildungsvertragspartner_in (der bzw. die Jugendliche oder der Betrieb) nicht über die Merkmale verfügt, die man sich von ihm bzw. ihr erwünscht. Dies wäre z. B. der Fall, wenn die Schulabschlüsse der Ausbildungsstellenbewerber_innen niedriger ausfallen, als der Betrieb von seinen künftigen Auszubildenden erwartet, oder umgekehrt, wenn der bzw. die Jugendliche seine bzw. ihre Ausbildung in einem größeren Betrieb absolvieren möchte und nicht in einem Kleinbetrieb. Welche Merkmale sich Ausbildungsstellenbewerber_innen von ihren Ausbildungsbetrieben wünschen, werden wir in Kapitel 4.5 erörtern. Was die von Betriebe präferierten Merkmale ihrer Ausbildungsstellenbewerber_innen angeht, so hat die Berufsbildungsforschung zahlreiche personenbezogene Merkmale identifiziert, die von den Betrieben bisweilen als Auswahlkriterium genutzt werden. Hierzu zählen unter anderem das Geschlecht der Bewerber_innen, ihre Herkunft, ihr Äußeres, ihr Auftreten, ihre Hobbys, ehrenamtliches Engagement, unentschuldigte Fehltage in der Schule, ihre Schulnoten und Schulabschlüsse (vgl. Beicht/Walden 2012, 2014; Eberhard 2016; Imdorf 2012, 2015; Protsch et al. 2017). Wir wollen uns in diesem Abschnitt jedoch auf nur eines dieser Merkmale konzentrieren, und dies sind die Schulabschlüsse der ausbildungsinteressierten Jugendlichen bzw. die Erwartungen, die Betriebe im Hinblick auf die schulische Vorbildung ihrer künftigen Auszubildenden hegen.2 Hierfür sind zwei Gründe maßgeblich. Der eine resultiert aus dem Umstand, dass es zu den betrieblichen Erwartungen hinsichtlich der Schulabschlüsse ihrer Bewerber_innen ‚a tli he Date gibt, nicht jedoch zu anderen Merkmalen. Der andere betrifft das Phänomen, dass sich das Merkmal Schulabschlüsse der ausbildungsinteressierten Jugendlichen in seinen Ausprägungen stärker als jedes andere Merkmal in den vergangenen Jahren veränderte, und dies in auffallender Parallele zu den steigenden Passungsproblemen. Veränderungen im schulischen Vorbildungsniveau ausbildungsinteressierter Jugendlicher Hintergrund dieser starken Veränderungen ist, dass sich das schulische Vorbildungsniveau der Abgänger_innen und Absolvent_innen aus allgemeinbildenden Schulen stark nach oben verschob. So fiel 2016 die Zahl der Absolvent_innen mit Hauptschulabschluss in Nordrhein-Westfalen um 18.200 bzw. 37,9 % niedriger aus als im Jahr 2007 (Deutschland: um 89.400 bzw. -39,1 %), während umgekehrt die Zahl der Absolvent_innen mit allgemeiner Hochschulreife um 18.600 bzw. 30,5 % höher war (Deutschland: um 38.000 bzw. +14,7 %). Kamen 2007 rechnerisch in Nordrhein-Westfalen noch auf einen Absolventen bzw. eine Absolventin mit Hauptschulabschluss 1,3 Abiturient_innen (Deutschland: 1,1), waren es 2016 bereits 2,7 (Deutschland: 2,1; vgl. Abbildung 2 sowie Tabelle 32 im Anhang, in der auch die Zahlen für Personen mit sonstigen Schulabschlüssen enthalten sind). 2 Wir werden auf diese Merkmale in Kapitel 4.6 eingehen. Dort wenden wir uns der Frage zu, warum Betriebe auf die verschiedenen Bewerbermerkmale bisweilen so großen Wert legen, dass sie Bewerber_innen selbst dann ablehnen, wenn sie ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können. 15 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Abbildung 2: Zahl der Absolvent_innen aus allgemeinbildenden Schulen mit Hauptschulabschluss und mit allgemeiner Hochschulreife 2007 bis 2016 Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt Quellen: Statistisches Bundesamt 2017a; eigene Berechnungen Zu den Schulabschlüssen der ausbildungsinteressierten Jugendlichen und der Ausbildungsplatznachfrage liegen in der amtlichen Statistik leider keine vollständigen Daten vor, denn das Merkmal Schulabschluss wird im Rahmen der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September nicht erfasst (vgl. Flemming/Granath 2016). Die Aufteilung der ausbildungsinteressierten Personen und der Ausbildungsplatznachfrage nach Schulabschlüssen lässt sich jedoch sehr gut schätzen, indem Daten der Berufsbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes mit Stichtag 31.12. auf die Ergebnisse der BIBB-Erhebung zum Stichtag 30.09. projiziert werden. Beide Erhebungen sind eng miteinander verwandt (vgl. Uhly et al. 2009). Die Schätzergebnisse für den Zeitraum 2009 bis 2017 zu den beiden Größen (ausbildungsinteressierte Personen, Ausbildungsplatznachfrage) finden sich in Tabelle 4. 16 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 4: Institutionell erfasste ausbildungsinteressierte Jugendliche und offizielle Ausbildungsplatznachfrage 2009 bis 2017 nach Schulabschlüssen Nordrhein-Westfalen Insgesamt ohne Hauptschulabschluss mit Hauptschulabschluss Realschulabschluss 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 205.641 201.365 198.738 200.721 201.292 198.159 194.788 191.821 194.153 5.723 5.487 4.684 4.756 4.407 4.607 4.615 4.841 5.256 52.214 53.479 50.274 48.681 46.706 43.334 41.168 38.729 39.219 73.077 74.375 73.099 72.407 67.530 67.674 65.679 64.258 64.135 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 146.376 144.797 147.265 145.486 144.623 141.306 140.099 137.793 139.313 4.759 4.298 3.878 3.913 3.669 3.879 3.910 4.125 4.376 39.063 39.854 38.500 36.162 35.100 32.076 30.337 28.237 28.553 53.331 53.874 54.073 52.528 48.178 48.542 47.622 46.802 47.104 Deutschland insgesamt studienberechtigt keine Angabe Insgesamt ohne Hauptschulabschluss mit Hauptschulabschluss Realschulabschluss studienberechtigt keine Angabe Institutionell erfasste ausbildungsinteressierte Personen insgesamt 60.523 62.100 65.799 70.339 78.375 78.506 79.632 80.037 80.799 14.104 5.924 4.882 4.537 4.274 4.039 3.695 3.956 4.745 867.000 847.381 835.718 826.711 816.232 812.387 805.407 803.553 805.794 27.249 25.311 21.721 20.872 20.149 19.708 18.980 20.505 21.064 267.764 273.447 261.617 250.190 235.743 226.474 215.821 206.737 205.583 339.487 344.624 337.554 334.668 328.634 328.258 323.660 320.268 318.946 176.509 181.865 199.475 208.068 217.732 224.235 232.941 239.157 241.444 55.990 22.134 15.350 12.914 13.973 13.712 14.003 16.887 18.757 22.861 19.164 17.807 17.159 16.815 16.559 16.124 17.558 17.856 210.878 208.662 201.822 190.672 178.440 168.341 160.511 151.864 152.033 271.920 272.231 268.314 262.752 256.448 255.103 253.478 251.187 251.685 127.920 132.481 147.521 151.128 155.359 158.307 166.438 171.571 172.893 19.367 7.878 6.332 5.667 6.221 6.279 6.645 8.696 9.044 Offizielle Ausbildungsplatznachfrage 43.098 43.951 48.122 50.444 55.434 54.636 56.327 56.349 56.911 6.125 2.820 2.692 2.438 2.242 2.174 1.904 2.280 2.370 652.947 640.416 641.797 627.377 613.284 604.589 603.198 600.875 603.511 Anmerkungen: Die Gesamtzahlen berücksichtigen nachträgliche Korrekturen der Bundesagentur für Arbeit bis zum Jahr 2009, durch die Bewerber_innen in so genannten Abiturientenberufen nun mitgezählt werden. Dies führte zu leicht höheren Bewerberzahlen (in Nordrhein-Westfalen erhöhte sich damit die Bewerbergesamtzahl um 280 Personen bzw. 0,2 %). Bei der Aufteilung der Bewerber_innen nach Schulabschlüssen konnten diese Personen nicht immer zugeordnet werden; sie wurden dementsprechend in der Kategorie keine Angabe mit ausgewiesen. Die daraus resultierenden Abweichungen sind marginal und zu vernachlässigen. Um die Aufteilung der ausbildungsinteressierten Personen und der Nachfrage nach Schulabschlüssen schätzen zu können, wurden die Daten der Berufsbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes mit Stichtag 31.12. auf die Ergebnisse der BIBB-Erhebung zum Stichtag 30.09. projiziert. Dabei wurden wie in der BIBB-Erhebung Personen mit einem Anschlussvertrag ausgeschlossen. Zur Schätzung für 2017 wurden die Ergebnisse vom 31.12.2016 herangezogen, für frühere Jahre die Ergebnisse aus dem jeweils selben Jahr. Quellen: Bundesagentur für Arbeit (2013, 2017c, 2017d); Bundesinstitut für Berufsbildung (2017, 2018); eigene Berechnungen Demnach sank zwischen 2009 und 2017 die Zahl der ausbildungsinteressierten Personen mit Hauptschulabschluss in Nordrhein-Westfalen von 52.200 auf 39.200 (Deutschland insgesamt: von 267.800 auf 205.600), während die Zahl der studienberechtigten ausbildungsinteressierten Personen von 60.500 auf 80.800 anstieg (Deutschland: von 176.500 auf 241.400).3 2017 gab es somit in Nordrhein-Westfalen mehr als doppelt so viele Ausbildungsinteressent_innen mit Studienberechtigung als mit Hauptschulabschluss. Da nun die offizielle Ausbildungsplatznachfrage eine Teilmenge aus der Gruppe der ausbildungsinteressierten Personen darstellt (sie enthält alle ausbildungsinteressierten Personen, die ihren Ausbildungswunsch bis zum Stichtag 30. September realisierten oder aber aufrechterhielten), schlugen sich die Veränderungen in der schulischen Vorbildung der Ausbildungsinteressierten auch in dieser Größe nieder. Betrug das Verhältnis zwischen den Nachfrager_innen mit Hauptschulabschluss und den Nachfrager_innen mit Studienberechtigung in Nordrhein-Westfalten 3 Die Zahl der ausbildungsinteressierten Personen schließt alle institutionell erfassten Jugendlichen mit ein, die sich zumindest zeitweise für eine Berufsausbildung interessierten und bei denen auch die Eignung für die Aufnahme einer Berufsausbildung unterstellt wurde (vgl. zur Berechnung Ulrich 2012). 17 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen 2009 noch 39.100 zu 43.100 (Deutschland: 210.900 zu 127.900), so lag es 2017 geschätzt bei 28.600 zu 56.900 (Deutschland: 152.000 zu 172.900). Dies bedeutet: In keinem anderen Bundesland wird die Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt inzwischen so stark von Studienberechtigten geprägt wie in NRW (vgl. auch Abbildung 3). Sie bilden inzwischen die größte Gruppe unter den Nachfrager_innen und übertreffen somit auch die Nachfragegruppe mit mittlerem Schulabschluss. Damit stellt sich nun die Frage, wie diese Sachlage mit den von den Betrieben erwarteten Schulabschlüssen korrespondiert. Abbildung 3: Ausbildungsplatznachfrage 2007 bis 2016 differenziert nach Schulabschlüssen Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt Quellen: Bundesagentur für Arbeit 2013, 2017c, 2017d; Bundesinstitut für Berufsbildung 2017, 2018; eigene Berechnungen Von den Betrieben erwartete und von den Bewerber_innen erreichte Schulabschlüsse Ab Berichtsmonat September 2017 weist die Berufsausbildungsstellenstatistik der Bundesagentur für Arbeit den erwarteten Schulabschluss aus. Das Merkmal gibt nach Angaben der BA „Ausku ft darüber, welchen Schulabschluss ein Arbeitgeber für eine bestimmte Ausbildungsstelle (mindestens) erwartet (Ohne Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Fachhochschulreife, Allgemeine Hochschulreife, nicht relevant, Keine Angabe). Somit können der erwartete Schulabschluss für Berufsausbildungsstellen und der erreichten/angestrebte Schulabschluss de Be e e e gli he e de (Bundesagentur für Arbeit 2017a, S. 26). Die Ergebnisse sind insofern bemerkenswert, als dass die Mindestanforderungen hinsichtlich des Schulabschlusses von den meisten Arbeitgeber_innen eher niedrig angesetzt werden (vgl. Tabelle 5): Für 44,2 % der in NRW angebotenen Berufsausbildungsstellen (Deutschland: 50,5 %) beschränkt sich die Mindesterwartung der Betriebe auf einen Hauptschulabschluss. Eine Studienberechtigung (Fachhochschul-, Hochschulreife) wird als Mindestanforderung lediglich für 14,6 % der gemeldeten Ausbildungsstellen erwartet. Die tatsächliche schulische Vorbildung der Ausbildungsstellenbewerber_innen weicht davon deutlich ab: Nur 19,4 % verfügen über einen 18 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Hauptschulabschluss (Deutschland: 26,2 %), während 40,3 % (Deutschland: 27,5 %) studienberechtigt sind. Tabelle 5: Betriebliche Berufsausbildungsstellen nach erwartetem Schulabschluss und Bewerber_innen nach erreichtem Schulabschluss im Berichtsjahr 2016/17 Nordrhei n-Wes tfa l en Deuts chl a nd i ns ges a mt Betri ebl i che Berufs a us bi l Bewerber na ch dungs s tel l en errei chtem na ch erwa rtetem Schul a bs chl us s Schul a bs chl us s Betri ebl i che Berufs a us bi l dungs s tel l en na ch erwa rtetem Schul a bs chl us s Bewerber na ch errei chtem Schul a bs chl us s a bs . in % a bs . in % a bs . in % a bs . in % 272 0,2 2.602 1,9 471 0,1 8.805 1,6 Ha upts chul a bs chl us s 48.740 44,2 26.559 19,4 263.340 50,5 143.793 26,2 Rea l s chul a bs chl us s 37.138 33,7 46.634 34,0 192.285 36,8 221.078 40,4 Fa chhochs chul rei fe 13.295 12,1 31.970 23,3 37.394 7,2 75.377 13,8 Al l gemei ne Hochs chul rei fe 2.829 2,6 23.171 16,9 8.062 1,5 75.162 13,7 ni cht rel eva nt, kei ne Anga be 7.962 7,2 6.037 4,4 20.318 3,9 23.609 4,3 100,0 136.973 100,0 521.870 100,0 547.824 100,0 ohne Ha upts chul a bs chl us s Ins ges a mt 110.236 © Stati s ti k der Bundes a gentur für Arbei t Die Angaben zu den betrieblichen Berufsausbildungsstellen nach erwartetem Berufsabschluss im Berichtsjahr 2016/17 folgen dem aktualisierten Datenstand vom Februar 2017. Quellen: Bundesagentur für Arbeit 2017a, 2017b, 2018a; eigene Berechnungen Reaktionen der Markteilnehmer (Betriebe, Jugendliche) auf die Disparitäten Es stellt sich nun die Frage, wie die beiden Seiten des Ausbildungsmarktes auf diese Disparitäten zwischen Mindesterwartungen und tatsächlich mitgebrachten Schulabschlüssen reagieren. Reaktionen der Betriebe Was die Betriebe betrifft, so lässt sich aus der in Tabelle 5 aufgeführten Verteilung der erwarteten Schulabschlüsse zunächst schließen, dass viele von ihnen durchaus bereit wären, gegebenenfalls auch Jugendliche mit niedrigeren Schulabschlüssen als Auszubildende einzustellen. Untersuchungen zu den Übergangschancen von Bewerber_innen mit Hauptschulabschluss in Abhängigkeit von verschiedenen Marktlagen deuten darauf hin, dass die Betriebe bei Bewerbermangel auch so reagieren (vgl. Ulrich 2013). Andererseits macht die tatsächliche schulische Vorbildung der Personen mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag deutlich, dass die Betriebe die geforderten Schulabschlüsse vor allem als Mindestanforderungen betrachten. Sie sperren sich nicht dagegen, gegebenenfalls auch Bewerber_innen einzustellen, die höhere Schulabschlüsse als die erwarteten mitbringen. So verfügten zum 31.12.2016 nach Sonderauswertungen der BIBB-Datenbank Auszubildende auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) nur 20,8 % der Personen mit 19 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag über einen Hauptschulabschluss (Deutschland: 24,8 %) und 40,8 % über eine Studienberechtigung (Deutschland: 28,7 %).4 Viele Betriebe nutzen demnach die (vermeintlichen) Vorteile, die sich aus den höheren Schulabschlüssen ihrer Ausbildungsstellenbewerber_innen ergeben.5 Höhere Abschlüsse dürften in Situationen, in denen mehrere Bewerber_innen zur Auswahl stehen, zumeist auch präferiert werden (vgl. Eberhard 2012; Imdorf 2009). Reaktionen der ausbildungsinteressierten Jugendlichen Offen ist jedoch, ob die schulisch höher qualifizierten Jugendlichen ebenfalls so flexibel reagieren: Werden sie Berufsausbildungsstellen akzeptieren, die aus Sicht der Betriebe auch von Personen mit Hauptschulabschluss besetzt werden könnten? Gehen mit der gestiegenen schulischen Vorbildung womöglich auch höhere Ansprüche an die Berufsausbildungsstellen einher, und werden damit die angebotenen Berufsausbildungsstellen genügend Akzeptanz unter diesen Jugendlichen finden? Erste Hinweise zur Beantwortung dieser Fragen liefert eine Gegenüberstellung der unbesetzten Berufsausbildungsstellen nach erwartetem Schulabschluss und der erfolglosen Bewerber_innen nach tatsächlich vorhandenem Schulabschluss im Jahr 2017 (vgl. Tabelle 6). Tabelle 6: Unbesetzte betriebliche Ausbildungsstellen nach erwartetem Schulabschluss und erfolglos suchende Bewerber_innen nach erreichtem Schulabschluss (Berichtsjahr 2016/17) Nordrhei n-Wes tfa l en Unbes etzte Berufs a us bi l dungs s tel l en na ch erwa rtetem Schul a bs chl us s Deuts chl a nd i ns ges a mt Erfol gl os e Bewerber na ch errei chtem Schul a bs chl us s Unbes etzte Berufs a us bi l dungs s tel l en na ch erwa rtetem Schul a bs chl us s Erfol gl os e Bewerber na ch errei chtem Schul a bs chl us s a bs . in % a bs . in % a bs . in % a bs . in % 12 0,2 506 2,2 84 0,2 1.523 1,9 ohne Ha upts chul a bs chl us s Ha upts chul a bs chl us s 4.089 54,8 4.228 18,7 30.007 61,3 22.162 27,6 Rea l s chul a bs chl us s 1.997 26,7 7.698 34,0 12.124 24,8 30.677 38,2 Fa chhochs chul rei fe 829 11,1 5.974 26,4 3.599 7,3 12.374 15,4 Al l gemei ne Hochs chul rei fe 112 1,5 3.352 14,8 455 0,9 10.427 13,0 ni cht rel eva nt, kei ne Anga be 427 5,7 859 3,8 2.715 5,5 3.058 3,8 7.466 100,0 22.617 100,0 48.984 100,0 80.221 100,0 Ins ges a mt © Stati s ti k der Bundes a gentur für Arbei t Die Angaben zu den unbesetzten betrieblichen Berufsausbildungsstellen nach erwartetem Berufsabschluss im Berichtsjahr 2016/17 folgen dem aktualisierten Datenstand vom Februar 2017. Quellen: Bundesagentur für Arbeit 2017a, 2017b, 2018a; eigene Berechnungen 4 Ohne Personen mit Anschlussverträgen. Vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung 2018. Dies ist jedoch, so die Erfahrungen mancher Betriebe, nicht immer von Vorteil. Studienberechtigte einzustellen, ist bisweilen mit einem erhöhten Risiko verbunden, dass sie nach Abschluss der Ausbildung doch noch ein Studium aufnehmen und somit dem Betrieb als Fachkräfte (vorerst) verlorengehen. 5 20 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Demnach entfiel von den insgesamt 7.500 zum Stichtag 30. September unbesetzten Berufsausbildungsstellen Nordrhein-Westfalens deutlich mehr als die Hälfte (54,8 %) auf Plätze, bei denen lediglich ein Hauptschulabschluss als schulische Mindestanforderung erwartet wurde. Somit waren die Besetzungsprobleme vor allem bei jenen Ausbildungsplätzen groß, die – was die schulische Mindestanforderung betraf – einer besonders großen Zahl von Ausbildungsstellenbewerber_innen zugänglich gewesen wären (denn 102.002 Bewerber_innen in NRW hätten 2017 die Mindestanforderung für diese Plätze erfüllt; vgl. nochmals Tabelle 5). Ausbildungsplätze mit höheren Erwartungen bezüglich der schulischen Vorbildung waren dagegen viel seltener unter den unbesetzten Ausbildungsstellen zu finden. Probleme mit Vakanzen haben somit inzwischen verstärkt jene Betriebe, die eher niedrigere Anforderungen an die schulische Vorbildung der Jugendlichen stellen (vgl. auch Fink et al. 2016, S. 34-35). Oft handelt es sich bei den Betrieben mit Besetzungsproblemen zugleich um kleinere Betriebe (vgl. Frei/Dahms/Prick 2014, S. 44-45). Umgekehrt entfielen von den 22.600 erfolglosen Bewerber_innen in Nordrhein-Westfalen insgesamt 9.300 bzw. 41,2 % auf Personen mit einer Studienberechtigung, obwohl gerade diesen Jugendlichen besonders viele der gemeldeten Stellen offen gestanden hätten. Personen, die bezogen auf die schulischen Mindestanforderungen nur für relativ wenig Ausbildungsstellen in Frage kamen, weil sie lediglich über einen Hauptschulabschluss verfügten, waren dagegen nur relativ selten (zu 18,7 %) unter den erfolglosen Ausbildungsstellenbewerber_innen zu finden. Solche vordergründig widersprüchlichen Ergebnisse lassen sich letztlich nur dadurch erklären, dass den gemeldeten Ausbildungsstellen in Abhängigkeit ihrer schulischen Mindestvoraussetzungen eine unterschiedlich hohe Attraktivität zukommt. Der Ausbildungsmarkt scheint – bezogen auf die schulische Vorbildung – von starken Segmentierungen geprägt zu sein, die beide Seiten des Marktes betreffen: Auf der einen Seite neigen die Betriebe dazu, zumindest bei einem kleineren Teil ihrer Ausbildungsstellen Jugendlichen mit niedrigen Schulabschlüssen den Zutritt grundsätzlich zu verweigern. Auf der anderen Seite aber – und dieses Phänomen dürfte für die gewachsenen Besetzungsprobleme in den letzten Jahren von entscheidender Bedeutung gewesen sein – neigen die Jugendlichen dazu, nach Erreichen höherer Schulabschlüsse einen großen Teil des Ausbildungsplatzangebots weitgehend außer Acht zu lassen, weil sie ihn nicht mehr als ausreichend attraktiv erachten. Offenbar ignorieren viele von diesen Jugendlichen diesen Teil der Berufe auch dann, wenn sie damit ihren rechnerischen Vorteil, die schulischen Eingangsvoraussetzungen für viele Berufe mitzubringen, verlieren und am Ende des Jahres zu den erfolglosen Bewerber_innen zählen. Somit lässt sich anhand der hier geschilderten Entwicklungen der Schulabschlüsse und Präferenzen der ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch erklären, warum inzwischen unter den erfolglosen Ausbildungsplatznachfrager_innen Nordrhein-Westfalens mehr als doppelt so viele Personen mit einer Studienberechtigung zu finden sind als mit einem Hauptschulabschluss. Noch im Jahr 2009 hatte es dagegen unter den erfolglosen Bewerber_innen mehr Personen mit Hauptschulabschluss als mit Studienberechtigung gegeben (vgl. den oberen Teil der Tabelle 7). 21 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Zugleich kam es zwischen 2009 und 2017 zu einer Verschiebung bei den Erfolglosenanteilen. Blieben 2009 noch 16,2 % der Ausbildungsplatznachfrager_innen mit Hauptschulabschluss ohne Erfolg bei der Ausbildungsplatzsuche, waren es 2017 geschätzt nur noch 14,8 %. Bei den studienberechtigten Ausbildungsplatznachfrager_innen nahm dagegen die Quote der Erfolglosen von 14,6 % in 2009 auf 16,4 % in 2017 zu und übertraf damit den Erfolglosenanteil unter den Nachfrager_innen mit Hauptschul-, aber auch mit Realschulabschluss (vgl. den unteren Teil der Tabelle 7). Offenbar haben sich in den letzten Jahren die Probleme bei der Versorgung von ausbildungsinteressierten Jugendlichen verschoben. In früheren Jahren erschwerten oft niedrige Schulabschlüsse die Vermittlung in Berufsausbildung. Dagegen sind es in jüngerer Zeit verstärkt hohe Schulabschlüsse, die sich mit veränderten Anspruchshaltungen zu verbinden scheinen. Tabelle 7: Erfolglose Ausbildungsplatznachfrage 2009-2017 differenziert nach Schulabschlüssen Nordrhein-Westfalen Insgesamt ohne mit Haupt- HauptRealschulab- schulab- schulabschluss schluss schluss studienberechtigt Deutschland insgesamt keine Angabe Insgesamt ohne mit Haupt- HauptRealschulab- schulab- schulabschluss schluss schluss studienberechtigt keine Angabe Erfolglose Ausbildungsplatznachfrage 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 24.872 22.487 20.712 21.469 24.540 23.909 23.327 23.078 22.617 635 290 305 259 244 301 316 321 506 6.321 5.217 4.568 4.455 4.768 4.867 4.488 4.325 4.228 9.968 9.863 8.567 8.363 9.242 8.881 8.416 8.065 7.698 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 17,0% 15,5% 14,1% 14,8% 17,0% 16,9% 16,7% 16,7% 16,2% 13,3% 6,7% 7,9% 6,6% 6,7% 7,8% 8,1% 7,8% 11,6% 16,2% 13,1% 11,9% 12,3% 13,6% 15,2% 14,8% 15,3% 14,8% 18,7% 18,3% 15,8% 15,9% 19,2% 18,3% 17,7% 17,2% 16,3% 6.282 6.193 6.633 7.703 9.646 9.112 9.408 9.572 9.326 1.666 924 639 689 640 748 699 795 859 88.640 80.456 72.417 76.119 83.742 81.388 81.037 80.603 80.221 3.285 1.853 1.413 1.548 1.471 1.363 1.382 1.319 1.523 29.141 26.850 23.223 23.300 24.658 23.795 23.233 22.742 22.162 33.799 33.598 30.184 30.955 34.059 33.076 32.504 31.453 30.677 13.645 14.008 15.234 17.953 20.993 20.704 21.358 22.344 22.801 8.770 4.147 2.363 2.363 2.561 2.450 2.560 2.745 3.058 13,8% 12,9% 11,5% 12,2% 13,8% 14,1% 14,5% 15,0% 14,6% 12,4% 12,3% 11,2% 11,8% 13,3% 13,0% 12,8% 12,5% 12,2% 10,7% 10,6% 10,3% 11,9% 13,5% 13,1% 12,8% 13,0% 13,2% 45,3% 52,6% 37,3% 41,7% 41,2% 39,0% 38,5% 31,6% 33,8% Quote erfolgloser Nachfrage 14,6% 14,1% 13,8% 15,3% 17,4% 16,7% 16,7% 17,0% 16,4% 27,2% 32,8% 23,7% 28,3% 28,5% 34,4% 36,7% 34,9% 36,2% 13,6% 12,6% 11,3% 12,1% 13,7% 13,5% 13,4% 13,4% 13,3% 14,4% 9,7% 7,9% 9,0% 8,7% 8,2% 8,6% 7,5% 8,5% Anmerkungen: Die Gesamtzahlen berücksichtigen nachträgliche Korrekturen der BA bis zum Jahr 2009, durch die Bewerber in so genannten Abiturientenberufen nun mitgezählt werden. Dies führte zu leicht höheren Bewerberzahlen (in NRW erhöhte sich damit die Bewerbergesamtzahl um 280 Personen bzw. 0,2%). Bei der Aufteilung der Bewerber nach Schulabschlüssen konnten diese Personen nicht immer zugeordnet werden; sie wurden dementsprechend in der Kategorie "keine Angabe" mit ausgewiesen. Die daraus resultierenden Abweichungen sind marginal und vernachlässigenswert. Um die Aufteilung der Ausbildungsplatznachfrage nach Schulabschlüssen schätzen zu können, wurden die Daten der Berufsbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes mit Stichtag 31.12. auf die Ergebnisse der BIBB-Erhebung zum Stichtag 30.09. projiziert. Dabei wurden wie in der BIBB-Erhebung Personen mit einem Anschlussvertrag ausgeschlossen. Zur Schätzung für 2017 wurden die Ergebnisse vom 31.12.2016 herangezogen, für frühere Jahre die Ergebnisse aus dem jeweils selben Jahr. Quellen: Bundesagentur für Arbeit 2013, 2017c, 2017d; Bundesinstitut für Berufsbildung 2017, 2018; eigene Berechnungen 22 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen 3 Passu gspro le e als Folge heteroge er Marktlage Je stärker die Vorstellungen der Betriebe und Jugendlichen hinsichtlich des Berufs, des Ausbildungsortes und der Merkmale des jeweiligen Ausbildungsvertragspartners bzw. der jeweiligen Ausbildungsvertragspartnerin voneinander abweichen, desto wahrscheinlicher ist es, dass selbst bei weitgehend ausgeglichenen Ausbildungsmarktverhältnissen auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes höhere Anteile von erfolglosen Marktteilnahmen zu beobachten sind. Versorgungsprobleme von Jugendlichen und Besetzungsprobleme von betrieblichen Berufsausbildungsstellen gehen miteinander einher und manifestieren damit das Phänomen der Passungsprobleme. In Nordrhein-Westfalen fällt die Ausbildungsplatznachfrage in Relation zum Ausbildungsplatzangebot immer noch höher aus; damit gibt es zwangsläufig erfolglose Nachfrage. Wir wollen uns im folgenden Kapitel 3.1 nicht nur einen Überblick über die Quoten der erfolglosen Nachfrage in den verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens verschaffen, sondern zugleich auch den Nachweis erbringen, dass diese Quoten in den verschiedenen Regionen als Folge von beruflichen und Merkmalsdisparitäten vor Ort höher ausfallen, als es bei einem nicht durch Passungsprobleme geprägten Ausbildungsmarkt der Fall wäre. Im Abschnitt 3.2 werden wir dann umgekehrt untersuchen, inwieweit die Besetzungsprobleme von Ausbildungsstellen in den Regionen als Folge von Passungsproblemen höher ausfallen, als es angesichts der Angebots-Nachfrage-Relationen eigentlich der Fall sein müsste. 3.1 Versorgungsprobleme ungeachtet unbesetzter Ausbildungsplätze Wie zunächst der obere Teil der Abbildung 4 zeigt, variieren die Anteile erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage in Nordrhein-Westfalen (links) tendenziell auf höherem Niveau als im Bundesgebiet insgesamt (rechts). In neun bzw. 30 % der 30 Arbeitsagenturbezirke Nordrhein-Westfalens schwanken die Erfolglosenanteile zwischen 15 % und 20 % (Deutschland: in 24,7 %), und in 26,7 % der Bezirke liegen sie sogar höher als 20 % (Deutschland insgesamt: in 9,1 %). Dass nun die Höhe der Erfolglosenanteile in den verschiedenen Regionen nicht allein durch das niedrigere Ausbildungsplatzangebot bestimmt wird, sondern auch durch Passungsprobleme, lässt sich durch ein einfaches Verfahren recht anschaulich demonstrieren: Dabei werden die in den Regionen beobachteten Quoten erfolgloser Nachfrage in Beziehung gesetzt zu den Angebots-Nachfrage-Relationen. Zwischen beiden Größen besteht erwartungsgemäß eine enge rechnerische Beziehung. Sie wird über die eingezogene Regressionsgrade symbolisiert: Je mehr Ausbildungsplatzangebote je 100 Nachfrager_innen es gibt, desto geringer fällt der Anteil der erfolglosen Nachfrage aus. 23 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Abbildung 4: Regionale Anteile erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage 2017 in NRW und in Deutschland insgesamt Anteile erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage Nordrhein-Westfalen unter 5 % 5 % bis unter 10 % 10 % bis unter 15 % 15 % bis unter 20 % 20 % und mehr Deutschland insgesamt 1 12 9 8 3,3 % 40,0 % 30,0 % 26,7% unter 5 % 5 % bis unter 10 % 10 % bis unter 15 % 15 % bis unter 20 % 20 % und mehr 5 38 59 38 14 3,2 % 24,7 % 38,3 % 24,7 % 9,1 % © GeoBasis-DE / BKG 2017 (Daten verändert) Visualisierung der Arbeitsagenturbezirke: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Arbeitsbereich 2.1, R.-O. Granath Ausbildungsmarktlage und Anteile erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage Deutschland insgesamt 30% Anteil der erfolglosen Nachfrager_innen Anteil der erfolglosen Nachfrager_innen Nordrhein-Westfalen 25% 20% 15% 10% 5% R² = 0,8625 30% 25% 20% 15% R² = 0,7446 10% 5% 0% 0% 75 80 85 90 95 100 105 110 115 120 125 Zahl der Ausbildungsangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager_innen 75 80 85 90 95 100 105 110 115 120 125 Zahl der Ausbildungsangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager_innen Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); eigene Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 In Nordrhein-Westfalen gab es 2017 keinen Arbeitsagenturbezirk, in dem rechnerisch 100 Ausbildungsangebote oder mehr je 100 Nachfrager_innen zur Verfügung standen. Anhand der Re- 24 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen gressionsgeraden lässt sich nun jedoch ermitteln, welche Auswirkung es auf die Quote erfolgloser Nachfrage hätte, wäre in einer Region das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ausgeglichen, gäbe es also genau 100 Angebote je 100 Nachfrager_innen. Wäre dieser Markt von keinerlei Passungsproblemen betroffen, hätten beide Seiten des Marktes vollständig zueinander gefunden und die Quote der erfolglosen Nachfrage läge bei null. Dies trifft auf die nordrhein-westfälischen Arbeitsagenturbezirke jedoch nicht zu, wie die Regressionsgerade zeigt; der Anteil der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage läge unter den jetzigen Bedingungen bei circa 7,5 % (vgl. die kreisförmige Markierung im linken unteren Teil der Abbildung 4). Es würden demnach selbst bei einem ausgeglichenen Markt 7,5 % der Ausbildungsplatznachfrage erfolglos bleiben. Wären nun alle nordrhein-westfälischen Märkte rechnerisch ausgeglichen, wären 2017 als Folge von Passungsproblemen rund 10.400 (eben 7,5 %) der insgesamt 139.300 nordrhein-westfälischen Ausbildungsplatznachfrager_innen erfolglos geblieben. Dieser Wert kann grob als der Effekt bestehender Passungsprobleme interpretiert werden; die darüber hinaus gehenden 12.200 erfolglosen Nachfrager_innen wären der Tatsache geschuldet, dass es 2017 in allen Regionen Nordrhein-Westfalens im Vergleich zur Ausbildungsplatznachfrage zu wenig Angebote gab. Vergleicht man nun die Quote Nordrhein-Westfalens (7,5 %) mit der Quote für Deutschland insgesamt – diese liegt bei 10,5 %, wie in der Abbildung 4 unten rechts anhand der dortigen Regressionsgraden ablesbar ist –, so wird auch an dieser Stelle deutlich, dass zwar auch NordrheinWestfalen von Passungsproblemen betroffen ist, dies aber nicht im selben Maße wie Deutschland insgesamt. 3.2 Besetzungsprobleme ungeachtet noch suchender Ausbildungsstel- lenbewerber_innen Wechseln wir nun zur anderen Seite des Ausbildungsmarktes und betrachten wir zunächst die in 2017 zu beobachtenden Anteile der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote in den nordrhein-westfälischen Arbeitsagenturbezirken (vgl. Abbildung 5, oben links) bzw. in allen deutschen Arbeitsagenturbezirken (vgl. Abbildung 5, oben rechts). Demnach liegen die Quoten der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote in zehn bzw. 33,3 % der 30 nordrhein-westfälischen Bezirke unter 5 %. In weiteren 18 bzw. 60,0 % der Bezirke variieren sie zwischen 5 % und 10 %, und in zweien bzw. 6,7 % der Bezirke schwanken sie sogar zwischen 10 % und 15 %. Höhere Werte werden in den Regionen Nordrhein-Westfalens zurzeit noch nicht verbucht, im Gegensatz zu Deutschland insgesamt. In Deutschland insgesamt sind nicht nur bereits in 25,3 % aller Arbeitsamtsbezirke Quoten unbesetzter Ausbildungsplätze zwischen 10 % und 15 % zu beobachten, sondern in 7,8 % der Regionen sogar Anteile zwischen 15 % und 20 % und in weiteren 3,2 % Spitzenwerte von über 20 %. 25 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Ungeachtet der deutlich gestiegenen Zahl unbesetzter Plätze fallen die regionalen Quoten der bis zum Stichtag offenen betrieblichen Ausbildungsplatzangebote in den nordrhein-westfälischen Regionen im Vergleich zu allen deutschen Agenturbezirken somit immer noch unterdurchschnittlich aus. Abbildung 5: Regionale Anteile erfolglos angebotener betrieblicher Ausbildungsplatzangebote 2017 in NRW und in Deutschland insgesamt Anteile erfolglos angebotener betrieblicher Ausbildungsplatzangebote Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt © GeoBasis-DE / BKG 2017 (Daten verändert) Visualisierung der Arbeitsagenturbezirke: Bundesinstitut für Berufsbildung, Arbeitsbereich 2.1, R.-O. Granath Erfolglosenanteil unter 5 % 5 % bis unter 10 % 10 % bis unter 15 % 15 % bis unter 20 % 20 % und mehr Zahl der Regionen 10 18 2 - 33,3 % 60,0 % 6,7 % - Nordrhein-Westfalen unter 5 % 5 % bis unter 10 % 10 % bis unter 15 % 15 % bis unter 20 % 20 % und mehr 21 77 39 12 5 13,6 % 50,0 % 25,3 % 7,8 % 3,2 % 30% Anteil der unbesetzten Angebote Anteil der unbesetzten Angebote Zahl der Regionen Deutschland insgesamt 30% 25% 25% 20% 15% Erfolglosenanteil 20% 15% R² = 0,1127 10% 10% 5% 0% 80 85 90 95 100 105 110 115 120 125 130 Zahl der Ausbildungsnachfrager_innen je 100 Ausbildungsplatzangebote R² = 0,6184 5% 0% 80 85 90 95 100 105 110 115 120 125 130 Zahl der Ausbildungsnachfrager_innen je 100 Ausbildungsplatzangebote Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit (BA), Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 26 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Um nun wiederum einen Eindruck zu gewinnen, wie hoch die Quote der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote ausfiele, wären die regionalen Märkte ausgeglichen, werden die regionalen Anteile der bis zum Stichtag noch ungenutzten Angebote in Beziehung zu den Marktverhältnissen gebracht, wobei es sich an dieser Stelle anbietet, die Relationen umzukehren und die Marktverhältnisse als Zahl der Ausbildungsplatznachfrager_innen je 100 Angebote zu ermitteln (vgl. Abbildung 5, unten links). Zunächst wird wiederum deutlich, dass es 2017 keine nordrhein-westfälische Region gab, in der rechnerisch nicht genügend Ausbildungsplatznachfrager_innen den Angeboten gegenüberstanden. Darüber hinaus zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen den regionalen Anteilen der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote und den Marktverhältnissen in Nordrhein-Westfalen nicht so eng ist wie die Beziehung zwischen den regionalen Quoten der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage und den dortigen Angebots-Nachfrage-Relationen. Eine der Ursachen hierfür könnte die deutlich geringere Spannweite der in Nordrhein-Westfalen zu beobachtenden regionalen Anteile unbesetzter Angebote sein. Diese Anteile liegen viel dichter beieinander als die in allen Regionen Deutschlands gemessenen Quoten. Deshalb ist die anhand der Regressionsgraden vorzunehmende Berechnung, wie hoch die Quote der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote ausfiele, stünden in einer Region genau 100 Nachfrager_innen für 100 Angebote zur Verfügung, deutlich unsicherer. Würde man sie dennoch durchführen, läge das Resultat wiederum bei 7,5 %. Dieser Wert fällt niedriger aus als der für alle deutschen Arbeitsagenturbezirke (11 %; vgl. die Regressionsgrade in der Abbildung 5, unten links). Ungeachtet der größeren statistischen Unsicherheit deutet es sich somit auch hier an, dass die nordrhein-westfälischen Passungsprobleme nicht dasselbe Ausmaß besitzen wie die Passungsprobleme in Deutschland insgesamt. Gleichwohl bleibt festzustellen, dass auch in Nordrhein-Westfalen die Passungsprobleme seit 2009 deutlich zunahmen und dass diese Entwicklung primär durch den stetig steigenden Anteil an nicht mehr besetzbaren betrieblichen Ausbildungsplatzangeboten verursacht wurde. Der Anteil der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage stieg zwar nicht weiter an, sank aber auch nicht substanziell und verharrte auf relativ hohem Niveau (vgl. nochmals Tabelle 1). Zu klären ist somit insbesondere die Frage, warum die ausbildungsinteressierten Jugendlichen die Chancen, die sich durch die insgesamt verbesserte Marktlage und die bis zum Ende des Jahres deutlich höhere Zahl an noch offenen Ausbildungsstellen ergaben, nicht stärker nutzten. Wir wollen deshalb bei der nachfolgenden Ursachenanalyse den Schwerpunkt auf das Auswahlverhalten der Jugendlichen legen und nach Gründen suchen, warum Jugendliche Bildungsangeboten ausweichen, obwohl sie in diesem Fall gegebenenfalls ohne Ausbildungsplatz verbleiben. 27 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen 4 Ursa he 4.1 Welche Faktoren behindern eine stärkere Anpassung der Ausbil- dungsplatznachfrage an die angebotenen Ausbildungsberufe? Warum weichen ausbildungsinteressierte Jugendliche bestimmten Berufen aus bzw. beachten sie erst gar nicht? Es liegt nahe, Annahmen hierzu aus Theorien abzuleiten, die sich mit der Berufswahl von jungen Menschen beschäftigen. Im Rahmen der hier vorliegenden Fragestellung ist jedoch eine Besonderheit zu berücksichtigen. Herkömmlicherweise beschäftigen sich Berufswahltheorien mit der Frage, warum bestimmte Berufe gewählt werden, weniger mit der Frage, warum sie nicht gewählt werden. Die Wahl und Nichtwahl von Berufen müssen jedoch nicht zwingend denselben Logiken folgen. Eine Klärung dieser Frage ist keineswegs eine theoretische Spitzfindigkeit, da sie gravierende praktische Konsequenzen hat. Denn sollte die Nichtwahl von Berufen tatsächlich anderen Logiken folgen, so müssen Gegenmaßnahmen zugunsten der bislang nicht beachteten Berufe zuvorderst auch an diesen Logiken ansetzen (vgl. Matthes 2018). Ein weiteres Problem für die Suche nach Antworten auf die oben gestellte Frage besteht in der inzwischen stark gewachsenen Zahl der verschiedenen Berufswahltheorien (vgl. auch hier Matthes 2018). Im Rahmen der hier vorliegenden, begrenzten Expertise es nicht möglich, die verschiedenen Ansätze auch nur grob zu skizzieren. Das Problem lässt sich jedoch insofern minimieren, als sich letztlich alle Berufswahltheorien auf ein allgemeines Handlungsmodell zurückführen bzw. als Spezifikationen dieses allgemeinen Handlungsmodells interpretieren lassen. Gemeint ist die Wert-Erwartungs-Theorie (vgl. Beckmann/Heckhausen 2006; Esser 1999; Vroom 1964). Wir wollen sie deshalb zum Ausgangspunkt unserer theoretischen Überlegungen machen, um sie an verschiedenen Stellen als Sprungbrett in weitere theoretische Ansätze zu nutzen, die im Zusammenhang mit unserem Thema von Relevanz sind. Hinweise aus der Wert-Erwartungs-Theorie Die grundlegende These der Wert-Erwartungs-Theorie ist einfach: Menschen bevorzugen jene Handlungsziele, denen sie einen möglichst hohen Wert (W) beimessen und von denen sie zugleich mit ausreichender Sicherheit erwarten (E), dass wir sie erreichen können. Übertragen auf die Berufswahl geht es somit zum einen um die Frage, welchen beruflichen Aspekten die Jugendlichen im Einzelnen einen Wert beimessen. Zum anderen steht die Frage im Raum, an welchen Aspekten sie ihre Erwartung festmachen, ob sie diejenigen Berufe, deren Wahl sie als wertvoll erachten, auch erreichen können. Fasst man nun die Ergebnisse der Berufswahlforschung zusammen, so lassen sich die verschiedenen beruflichen Aspekte, denen Jugendliche in der Regel einen Wert (W) beimessen, vereinfachend zwei grundlegenden Fragen zuordnen (vgl. Abbildung 6): ̶ Entsprechen die Tätigkeiten und Bedingungen im Beruf dem, wie und unter welchen Umständen ich arbeiten möchte? 28 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt ̶ Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Stärkt der Beruf meine soziale Identität, meinen Platz in der Gesellschaft und das Bild, das andere Menschen von mir haben? Die Erwartung (E), erfolgreich einen bestimmten Beruf zu erlernen, macht sich zunächst an dem subjektiven Zutrauen fest, in der Ausbildung bestehen zu können. Hier geht es um die Frage: ̶ Traue ich mir zu, den vermuteten Ausbildungs- und Arbeitsanforderungen gerecht werden zu können? Im Rahmen eines marktförmigen Inklusionsmechanismus, wie er für den Eintritt in die duale Berufsausbildung typisch ist (vgl. Schier/Ulrich 2017), sind jedoch auch die Eintrittschancen zu reflektieren: ̶ Sind meine Chancen gut, einen Zugang in die Berufsausbildung zu finden? Abbildung 6: Wert-Erwartungs-theoretische Reflexionen im Kontext der Berufswahl Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Vroom 1964, Esser 1999 sowie Beckmann/Heckhausen 2006 Sowohl bei der Wert- als auch bei der Erwartungskomponente geht es zudem darum, die relative Bedeutung der verschiedenen Aspekte zu klären, die für die jeweilige Komponente konstitutiv sind: Wie relevant sind soziale Identitätsbedürfnisse im Vergleich zum Wunsch, eine interessante Tätigkeit auszuüben, und in welchem Verhältnis stehen beide Seiten? Welche Rolle spielt das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten im Vergleich zur Frage, ob die Zugangschancen auf dem Ausbildungsmarkt gut sind? Und gibt es bei den Antworten auf beide Fragen Unterschiede, je nachdem, ob es um die Wahl oder um die Nichtbeachtung eines bestimmten Berufs geht? Werte im Kontext der Berufsfindung Dass für den Ausschluss von Berufen bei der Berufswahl andere Kriterien eine Rolle spielen könnten als für die Wahl eines Berufs, wird umso wahrscheinlicher, je stärker die Berufswahl vielfältige Bedürfnisse eines Menschen berührt und je stärker die verschiedenen Bedürfnisse in einem ungleichen, hierarchischen Verhältnis zueinander stehen. Bereits der Motivationspsychologe Abraham Maslow vermutete, dass die verschiedenen Bedürfnisse des Menschen eine Hierarchie bilden, bei der grundlegende Bedürfnisse der materiellen Existenzsicherung Vorrang gegenüber sozialen Bedürfnissen der Anerkennung und diese wiederum Priorität gegenüber Selbstverwirklichungsbedürfnissen haben (vgl. Maslow 1943). 29 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Für die Berufswahl bedeutet dies, dass hier zunächst im- oder explizit all jene Berufe ausgeschlossen würden, die eine materielle Existenzsicherung oder Schutz vor körperlicher Unversehrtheit nicht in einem aus Sicht des Jugendlichen akzeptablen Mindestmaß sicherstellen. Die meisten dualen Ausbildungsberufe dürften allerdings solchen Bedürfnissen weitgehend genügen; es sei denn, spezielle Merkmale der Jugendlichen (z. B. Allergien) grenzen den Kreis der in Frage kommenden Berufe von vornherein aus. In stark unterschiedlichem Maße scheinen dagegen die dualen Ausbildungsberufe zur sozialen Anerkennung und damit zur Stärkung der sozialen Identität beizutragen. Aus der Wert-Erwartungs-Theorie lässt sich nun die Annahme ableiten, dass Jugendliche versuchen, mit der Wahl ihres Berufs ihren Nutzen auch an dieser Stelle zu maximieren. Sie würden demnach zunächst all jene Berufe ausschließen, die aus ihrer Sicht nicht in ausreichendem Maße ihre soziale Identität stärken, um sich erst dann die Frage zu stellen, welche der realistischerweise noch verbleibenden, genügend anerkennungsträchtigen Berufe sich mit für sie interessanten Tätigkeiten verbinden. Während somit für die letztendliche Auswahl des Berufs Interessen eine bedeutende Rolle spiele , si d es fü de o zeitige Auss hluss o ‚e st ga i ht i F age ko e de Berufen neben Sicherheits- und materiellen Bedürfnissen vor allem soziale Identitätsbedürfnisse. Die Berufswahltheorie von Linda Gottfredson Wohl kaum eine andere Berufswahltheorie hat stärker auf eine mögliche Hierarchie der verschiedenen Bedürfnisse hingewiesen, die Jugendliche im Zuge der Berufswahl zu stillen zu versuchen, als die der amerikanischen Psychologin Linda Gottfredson (vgl. Gottfredson 1981, 2004). Ihrer Theorie zufolge dient Berufswahl maßgeblich der Stärkung der eigenen Identität, indem all jene Berufe ausgeschlossen werden, die dazu nicht in ausreichendem Maße in der Lage sind. Die Identitätsbedürfnisse umfassen dabei auch Aspekte geschlechtlicher Identität; das heißt, der Beruf wird im- oder explizit auch dazu herangezogen, die eigene geschlechtliche Identität zu stärken bzw. zumindest nicht durch einen unpassenden Beruf zu schwächen. Abbildung 7 veranschaulicht Gottfredsons theoretischen Ansatz am fiktiven Beispiel einer Jugendlichen mit Hauptschulabschluss. Ihr erscheinen als weiblicher Person Berufe wie Gerüstbauerin oder KFZ-Mechatronikerin nicht passend zu sein. Bei Berufen wie Bäckerin oder insbesondere auch Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk ist dies ihrem Eindruck nach zwar der Fall, doch stehen diese beiden Berufe ihrer Ansicht nach ihren (vom Geschlecht unabhängigen) Prestigebedürfnissen entgegen. Was den möglichen Prestigegewinn betrifft, hält sie Berufe wie Buchhändlerin oder Mediengestalterin für besonders nützlich, doch rechnet sie angesichts ihrer Vorbildung nicht damit, diese Ausbildungsberufe erreichen zu können. Erreichbar und immer noch genügend statusträchtig erscheinen ihr dagegen die Berufe Medizinische Fachangestellte, Kauffrau für Büromanagement, Kauffrau im Einzelhandel oder Floristin, unter denen sie schließlich auch unter Berücksichtigung ihrer Tätigkeitsinteressen eine Auswahl derjenigen Berufe trifft, auf die sie sich bewerben wird. 30 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Abbildung 7: Toleranz- und Akzeptanzgrenzen einer Jugendlichen mit Hauptschulabschluss bei der Berufswahl nach der Theorie von Linda Gottfredson (fiktives Beispiel) Erläuterung: Die Zone der bei ihrer Berufswahl akzeptablen Alternativen beschränken sich bei dieser Bewerberin auf die Berufe Medizinische Fachangestellte, Kauffrau für Büromanagement, Kauffrau im Einzelhandel und Floristin. Die Berufe Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Restaurantfachfrau und Bäckerin scheiden aus, weil sie den Prestigebedürfnissen der Bewerberin nicht genügen. Dies wäre bei dem Beruf KFZ-Mechatronikerin zwar der Fall, doch erscheint der Jugendlichen dieser Beruf nicht passend für ihr Geschlecht. Die Berufe Buchhändlerin und Mediengestalterin versprechen zwar ein hohes Prestige und scheinen auch geschlechtsadäquat zu sein, scheiden aber aus, weil sie der Jugendlichen unerreichbar erscheinen. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Gottfredson 2004 Sollten geschlechtliche und soziale Identitätsbedürfnisse beim Ausschluss von Berufen tatsächlich eine wesentliche Rolle spielen, wie Gottfredson behauptet, schließen sich zwei Fragen an: Erstens: Wie erkennen die Jugendlichen, ob ein bestimmter Beruf ihre geschlechtliche und soziale Identität stärkt? Und zweitens: Welche Berufsmerkmale tragen zu einer Stärkung der geschlechtlichen und sozialen Identität bei, und welche Merkmale vermögen dies nicht oder schwächen diese sogar? Die erste Frage berührt die Beziehung zwischen dem Selbstbild einer Person und dem Bild, das ihr soziales Umfeld von ihr bildet (vgl. dazu ausführlich Eberhard et al. 2015). Es ist ein zentrales Ergebnis der Identitätsforschung, dass die Ausformung des Selbstkonzeptes von Rückmeldungen der sozialen Umwelt abhängig ist (vgl. Burke 1980; Mead 1934). Aus den Reaktionen Dritter auf das eigene Verhalten schließt die Person auf die Merkmale und Charakteristika der eigenen Person (vgl. Stets/Burke 2003); die Reaktionen bilden gleichsam einen sozialen Spiegel, in dem die Person sich selbst erkennt (vgl. Cooley 1902, S. 152). Zeigen sich Dritte z. B. beeindruckt vom Verhalten der Person, so stärkt dies nicht nur das Selbstwertgefühl der Person, sondern zugleich auch ihr Selbstkonzept, attraktiv zu sein (vgl. Haußer 1983). 31 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Für die Berufswahl bedeutet dies, dass sich eine Person im- oder explizit einen Eindruck verschafft, wie relevante Dritte aus ihrem Umfeld reagieren könnten, würde sie einen bestimmten Beruf erlernen wollen. Sind die (tatsächlichen oder auch bloß vermuteten) Reaktionen positiv, kann die Person mit einer Stärkung ihrer sozialen Identität rechnen; fallen sie negativ aus, droht die Wahl des entsprechenden Berufs dagegen ihre soziale Position zu schwächen. Da eine Person aufgrund ihres Bedürfnisses nach sozialer Anerkennung stark an positiven Rückmeldungen auf ihr Verhalten interessiert ist, verhält sie sich in Berufswahlsituationen nicht passiv. Vielmehr versucht sie von vornherein, die Reaktionen Dritter zu steuern, indem sie selbst solche Berufe präferiert, die positive Rückmeldungen wahrscheinlich und negative Rückmeldungen unwahrscheinlich machen. Die Berufswahl wird damit zu einem Instrument der Selbstdarstellung der Person und ihres Versuchs, den Eindruck zu steuern, den Dritte von ihr haben sollen (‚Impression Management ; vgl. Mummendey 2002; Tedeschi 1981).6 Dies bedeutet wiederum umgekehrt, dass die Neigung einer Person, einen bestimmten Beruf zu ergreifen, stets von den imaginären oder tatsächlichen Reaktionen ihres sozialen Umfeldes mitbestimmt wird. Hinweise aus der BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 Wir wollen diese These im Folgenden anhand einer Stichprobe von knapp 2.000 nordrhein-westfälischen Schüler_innen der neunten und zehnten Jahrgangsstufe näher beleuchten. Die Untersuchung, durchgeführt als schriftliche Befragung der Schüler_innen im Klassen- bzw. Kursverband, fand im Frühjahr 2015 und damit zum Ende des ersten bzw. zum Beginn des zweiten Halbjahres des Schuljahres 2014/15 statt. Schüler_innen aus Gymnasien waren zu 34 % vertreten, solche aus Realschulen zu 43 % und solche aus Hauptschulen zu 23 %. Jungen und Mädchen waren nahezu gleichmäßig vertreten. Bei der Auswahl der Schulen, realisiert als Klumpenstichprobe, wurde darauf geachtet, dass in den betreffenden Regionen unterschiedliche Ausbildungsmarktverhältnisse herrschten. Die Studie wurde von einer Mitarbeiterin des BIBB geleitet, die sie zugleich als Datenbasis für ihre Dissertation nutzte. Dissertationsthema war auch hier die Frage, warum Berufe nicht gewählt werden (vgl. Matthes 2018). Den Schüler_innen waren jeweils zehn Berufe mit der Frage vorgegeben worden, wie gut sie sich vorstellen könnten, später einmal selbst im jeweiligen Beruf zu arbeiten. Zugleich sollten die Schüler_innen für jeden der zehn Berufe angeben, wie gut sie damit vermutlich a) bei ihren Freund_innen und b) bei ihrer Familie ankommen würden. Damit ließen sich intrapersonale Korrelationen zwischen der eigenen Neigung hin zum Beruf und den vermuteten Reaktionen der Freund_innen und der Familie berechnen, die wir im Rahmen eines so genannten Within-Regressionsmodells ermittelten (vgl. Allison 2009; Brüderl 2010). 6 Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer bereits Mitte der 19. Jahrhunderts auf die Neigung des Menschen verwies, den beruflichen Kontext zugunsten seines Anerkennungsstrebens und seines Bedürfnisses zu funktionalisieren, den Eindruck Dritter zu steuern: Er verutete, dass „fast Alles, o a h Me s he , ih Le e la g, it astloser Anstrengung und unter tausend Gefahren und Mühsäligkeiten, unermüdlich streben, zum letzten Zwecke hat, sich dadurch in der Meinung Anderer zu erhöhen, indem nämlich nicht nur Aemter, sondern auch Reichthum, und selbst Wissenschaft und Kunst, im Grunde u d hauptsä hli h deshal a gest e t e de (Schopenhauer 1891, S. 398-399.). 32 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Zu den zehn vorgegebenen Berufen zählten die vier dualen Ausbildungsberufe Bäcker_in, Friseur_in, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Kraftfahrzeugmechatroniker_in, die drei Pflegeberufe Altenpfleger_in, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger_in, Gesundheits- und Krankenpfleger_in sowie die beiden akademischen Berufe Arzt bzw. Ärztin und Lehrer_in (zu den Auswahllogiken vgl. Matthes 2018). Die Ergebnisse der Berechnungen finden sich in Tabelle 8. Neben den in Spalte 1 berichteten Werten für die Befragten insgesamt finden sich auch Differenzierungen zwischen Jugendlichen, deren Elternteile beide Akademiker_innen sind (Spalte 2), und denjenigen, bei denen dies nicht der Fall ist. Tabelle 8: Statistische Abhängigkeit der Neigung zu den zehn Berufen von den Reaktionen Dritter – Ergebnisse der BIBB-Schülerbefragung 2015 darunter: Alle Eltern sind sonstige Jugendlichen Akademiker Jugendlichen %-Ausgangswert, bezogen auf den Beruf "Altenpfleger/in" 1) Sp.1 Sp.2 Sp.3 35,739 32,241 36,115 +0,420 *** +0,406 *** +0,419 *** +0,207 *** +0,151 *** +0,213 *** 8,3 1.853 15.430 41,5% 8,6 229 1.979 38,6% 8,3 1.624 13.451 42,2% Ve ä de u g dieses We tes u …. %-Pu kte : ● wenn die vermutete Reaktion der Freunde um einen %-Punkt positiver ausfällt ● wenn die vermutete Reaktion der Familie um einen %-Punkt positiver ausfällt Zusammenfassende Statistiken ● ● ● ● Mittlere Zahl der untersuchten Berufe (gültige Werte) Zahl der untersuchten Probanden Zahl der untersuchten Urteile Erklärte Varianz *p≤ , 1) ** p ≤ , *** p ≤ , ei z eiseitige Tests bei tendenziell positiver Reaktion der Freunde und der Familie Ergebnisse eins 'Within-Regressionsmodells' auf Basis regionaler Längsschnittsdaten unter Kontrolle der Einzelberufe mittels Dummys Quelle: BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 (vgl. dazu auch Matthes 2018) Wie nun anhand der Regressionskoeffizienten ablesbar ist, zeigen sich die erwarteten Einflüsse. So steigt die Neigu g die ‚Vo stell a keit , später einmal selbst im jeweiligen Beruf zu arbeiten, um 0,420 Prozentpunkte, wenn die vermutete Reaktion der Freund_innen um einen Prozentpunkt positiver ausfällt (vgl. Spalte 1). Reagiert die Familie ebenfalls um einen Prozentpunkt positiver, so steigt die Neigung nochmals um 0,207 Prozentpunkte (vgl. Spalte 1). Die Einflüsse der Reaktionen Dritter sind sowohl bei Schüler_innen zu erkennen, deren Elternteile beide Akademiker_innen sind (vgl. Spalte 2), als auch bei den befragten Jugendlichen, bei denen dies nicht der Fall ist. Auf welche Berufe reagieren nun die Freund_innen und die Familie überdurchschnittlich positiv und auf welche eher negativ? Die Ergebnisse finden sich in Abbildung 8, eingetragen auf einer 33 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen z-Skala, bei der 0 dem Durchschnittswert und eine Einheit um 1 einer Standardabweichung entsprechen. Demnach kämen die Jugendlichen aus ihrer Sicht bei ihren Familien besonders gut mit den beiden akademischen Berufen Lehrer_in und Arzt bzw. Ärztin an und am schlechtesten mit den drei Handwerksberufen Friseur_in, Bäcker_in und KFZ-Mechatroniker_in. Dabei ist das schlechte Abschneiden des Berufs KFZ-Mechatroniker_in primär darauf zurückzuführen, dass Familien vor allem dann negativ reagieren, wenn es um die Berufswahl weiblicher Jugendlicher geht. Somit führt von den vier hier berücksichtigten dualen Ausbildungsberufen lediglich der Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel aus der Perspektive der Jugendlichen zu überdurchschnittlich positiven Rückmeldungen ihrer Familien. Abbildung 8: Von Jugendlichen in NRW vermutete Präferenzen bei ihren Freund_innen und Familien, wenn es um die Berufswahl der Jugendlichen gehen würde Quelle: BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 (vgl. dazu auch Matthes 2018) Bei ihren Freund_innen ist das Reaktionsmuster nach dem Eindruck der Jugendlichen ähnlich; nur lösen hier die Berufe Lehrer_in und Altenpfleger_in deutlich weniger positive Rückmeldungen aus, wodurch der Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel auf den zweiten Rangplatz und der Beruf KFZ-Mechatroniker_in vom drittletzten auf den siebten Rangplatz aufsteigt. Damit eröffnet sich die Frage, an welchen beruflichen Aspekten sich die Freund_innen und die Familie – aus Sicht der befragten Jugendlichen – bei ihren Rückmeldungen orientieren könnten. Um hierauf eine Antwort zu finden, wurden verschiedene berufliche Merkmale wie der (von den 34 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Befragten vermutete) Verdienst7, der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss und mit Studienberechtigung im entsprechenden Bildungsgang sowie das Ausmaß der Geschlechtsadäquanz8 mit den vermuteten Reaktionen der Freund_innen und Familie in Beziehung gesetzt. Entsprechende Ergebnisse hierzu finden sich in Tabelle 9 und Tabelle 10. Tabelle 9: Berufsmerkmale und ihr Einfluss auf die positiven Reaktionen der Freund_innen darunter: Alle Eltern sind sonstige Jugendlichen Akademiker Jugendlichen 1) 63,345 59,182 63,909 ● wenn der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss um einen %-Punkt höher ausfällt -0,163 *** -0,122 ** -0,169 *** ● wenn der Anteil der Personen mit Studienberechtigung um einen %-Punkt höher ausfällt -0,053 *** +0,052 * -0,067 *** ● wenn die Verdienstmöglichkeiten um einen %-Punkt höher ausfallen +0,535 *** +0,496 *** +0,538 *** ● wenn die Geschlechtsadäquanz um einen %-Punkt höher ausfällt +0,259 *** +0,174 *** +0,270 *** 8,3 1.853 15.430 41,5% 8,6 229 1.979 38,6% 8,3 1.624 13.451 42,2% %-Ausgangswert Ve ä de u g dieses We tes u …. %-Pu kte : Zusammenfassende Statistiken ● ● ● ● Mittlere Zahl der untersuchten Berufe (gültige Werte) Zahl der untersuchten Probanden Zahl der untersuchten Urteile Erklärte Varianz *p≤ , ** p ≤ , *** p ≤ , ei ei seitige Tests 1) bezogen auf den fiktiven Fall eines Berufs mit einem Studienberechtigtenanteil von 20% und einem Hauptschüleranteil von 0%, bei mittlerer Geschlechtsadäquanz und mittleren Verdienstmöglichkeiten Ergebnisse eines linearen Regressionsmodells ("Within-Modells" auf Basis regionaler Längsschnittsdaten) Quelle: BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 (vgl. dazu auch Matthes 2018) Demnach würden die Freund_innen nach Auffassung der befragten Jugendlichen mit umso positiveren Rückmeldungen reagieren, je weniger Personen mit Hauptschulabschluss den Beruf erlernen, je größer die Verdienstmöglichkeiten und je typischer der Beruf für das Geschlecht des jeweiligen Jugendlichen ist (vgl. Tabelle 9). Dass möglichst viele Studienberechtigte den Beruf erlernen, zeitigt dagegen keine positiven Effekte. Allerdings gilt dies nicht für die Jugendlichen, deren Eltern Akademiker_innen sind (vgl. mittlere Spalte). Für sie, die sich mehrheitlich in einem Gymnasium befinden, spielt auch dies eine signifikant positive Rolle. Hier zeigt sich der aus anderen Studien bekannte Einfluss der Herkunft auf die Bildungsansprüche ihres sozialen Umfeldes, der offenbar auch die eigenen Freund_innen einschließt (vgl. dazu auch Mischler 2018; Mischler/Ulrich 2018). 7 Hier transformiert auf einer Perzentilskala von 0 sehr niedrig bis 100 sehr hoch. Berechnet wie folgt: Je höher im jeweiligen Beruf der Anteil der Personen mit demselben Geschlecht wie das des bzw. der jeweils befragten Proband_in ausfällt, desto höher ist auch die Geschlechtsadäquanz. 8 35 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 10: Berufsmerkmale und ihr Einfluss auf positiven Reaktionen der Familie darunter: Alle Eltern sind sonstige Jugendlichen Akademiker Jugendlichen 1) 71,974 66,187 72,778 ● wenn der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss um einen %-Punkt höher ausfällt -0,332 *** -0,280 ** -0,340 *** ● wenn der Anteil der Personen mit Studienberechtigung um einen %-Punkt höher ausfällt +0,006 +0,070 ** -0,002 *** ● wenn die Verdienstmöglichkeiten um einen %-Punkt höher ausfallen +0,505 *** +0,498 *** +0,504 *** ● wenn die Geschlechtsadäquanz um einen %-Punkt höher ausfällt +0,151 *** +0,061 ** +0,164 *** 9,0 1.869 16.859 38,8% 9,3 230 2.131 47,1% 9,0 1.639 14.728 37,8% %-Ausgangswert Ve ä de u g dieses We tes u …. %-Pu kte : Zusammenfassende Statistiken ● ● ● ● Mittlere Zahl der untersuchten Berufe (gültige Werte) Zahl der untersuchten Probanden Zahl der untersuchten Urteile Erklärte Varianz *p≤ , ** p ≤ , *** p ≤ , ei ei seitige Tests 1) bezogen auf den fiktiven Fall eines Berufs mit einem Studienberechtigtenanteil von 20% und einem Hauptschüleranteil von 0%, bei mittlerer Geschlechtsadäquanz und mittleren Verdienstmöglichkeiten Ergebnisse eines linearen Regressionsmodells ("Within-Modells" auf Basis regionaler Längsschnittsdaten) Quelle: BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 (vgl. dazu auch Matthes 2018) Dieser Herkunftseffekt lässt sich auch bei den vermuteten Reaktionen der Familie finden (vgl. die mittlere Spalte in Tabelle 10). Und auch in anderer Hinsicht ähneln die Ergebnisse den Resultaten der Tabelle 9. So sind ein niedriger Anteil von Personen mit Hauptschulabschluss im Beruf (vgl. dazu auch Wellgraf 2012), ein hoher Verdienst und ein Beruf, der für das Geschlecht des jeweiligen Jugendlichen typisch ist, offenbar auch für die vermuteten Reaktionen der Familie wichtige Orientierungsgrößen. Dabei spielt die Geschlechtsadäquanz bei den Familien, in denen die Eltern Akademiker_innen sind, zwar auch eine signifikante Rolle, doch ist dieser Effekt nicht so stark ausgeprägt wie bei den anderen Familien (vgl. Eberhard et al. 2015). Was bedeuten diese Ergebnisse nun für die Einstellung der Jugendlichen gegenüber den hier untersuchten Berufen? Abbildung 9 gibt wieder, welche Berufe bei den Jugendlichen eher eine überdurchschnittliche und welche eher eine unterdurchschnittliche Präferenz besitzen. Dabei wird wiederum auch zwischen Jugendlichen mit Akademikereltern und sonstigen Jugendlichen unterschieden. Demnach ist die Neigung der Jugendlichen zu den Berufen Friseur_in, Bäcker_in und Altenpfleger_in am geringsten, am höchsten dagegen, zumindest bei den Jugendlichen ohne Akademikereltern, zum Beruf Einzelhandelskaufmann/-frau. Bei den Jugendlichen mit Akademikereltern ist dies anders; hier ist – wenn auch bei diesen Jugendlichen der Beruf Einzelhandelskaufmann/frau überdurchschnittlich gut abschneidet – der Arztberuf mit Abstand am attraktivsten. Zudem zählt bei ihnen auch der Lehrerberuf zu den deutlich überdurchschnittlich attraktiven Berufsbildern. 36 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Dass der Beruf KFZ-Mechatroniker_in insgesamt eher unterdurchschnittlich abschneidet, ist allein auf das starke Desinteresse der weiblichen Jugendlichen zurückzuführen, die sich bei diesem Beruf noch deutlich seltener als bei den Berufen Beruf Bäcker_in oder Friseur_in vorstellen können, ihn auszuüben. Dagegen zählt der Beruf KFZ-Mechatroniker_in bei den männlichen Jugendlichen zusammen mit den Berufen Einzelhandelskaufmann/-frau und Arzt bzw. Ärztin zu den attraktivsten. Die Tendenz zu einer geschlechtsspezifischen Berufswahl zeigt sich somit auch in dieser Studie (vgl. dazu auch Eberhard et al. 2015). Abbildung 9: Präferenzverteilungen der Jugendlichen bei zehn ausgewählten Berufen Quelle: BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 (vgl. dazu auch Matthes 2018) Es sei darauf hingewiesen, dass angesichts der beschränkten Anzahl von Berufen und in die Untersuchung einbezogenen potenziellen Einflussgrößen die hier berichteten Ergebnisse aus der BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 mit Vorsicht zu interpretieren sind. Andererseits stehen sie in Übereinstimmung mit anderen Studien, die sich mit der Bedeutung sozialer Identitätsbedürfnisse für die Berufswahl beschäftigen. Soziale Anerkennung zu erfahren, stellt auch bei der Berufswahl ein zentrales Motiv dar. Dass dabei das Geschlecht immer noch eine Rolle spielt, wie Gottfredson behauptete, ließe sich hier anhand der vermuteten unterschiedlichen Reaktionen in Abhängigkeit vom eigenen Geschlecht, etwa beim Beruf KFZ-Mechatroniker_in, belegen. 37 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Hinweise aus früheren BIBB-Studien Damit bleibt noch die Frage zu klären, welche Aspekte zum Prestige, der zweiten wichtigen Identitätsdimension in Gottfredsons Modell, beitragen. Die hier berichteten Ergebnisse aus der BIBBSchülerbefragung NRW 2015 deuten auf zwei Aspekte hin, die eine Rolle spielen könnten, nämlich einerseits einkommensstark (reich) und andererseits gebildet zu wirken. Doch wie lässt sich dieser Eindruck, gebildet zu wirken, durch eine Berufswahl erzeugen? Offenbar dadurch, dass jene Berufe aus dem Kreis der grundsätzlich in Frage kommenden Berufe ausgeschlossen werden, in der das Bildungsniveau als nicht sehr hoch eingeschätzt wird. Dieser Weg scheint nahezu zwingend zu sein, rekapituliert man die bereits in den 1980er-Jahren von Gildemeister/Robert getroffene Feststellung, dass Berufe ‚zentrale Definitionsräume sozialer Identität seien, da von ihnen stets auch auf die Persönlichkeitsmerkmale der Berufsinhaber_innen geschlossen würde: „I de Wah eh u g du h a de e – der Fremdidentifizierung des Einzelnen – werden Beruf u d Pe so oft te de ziell i ei s gesetzt, i d i Be uf ei I dikato dafü gesehe , ‚ e die Pe so ist . De Beruf wird dann zum Filter, durch den hindurch eine Person wahrgenommen, beurteilt und taxiert wird. An ihn schließen sich Identitätshypothesen an, Stereotype und I ages. Au h u te diese Aspekt ildet de Be uf ei e ese tli he ‚K istallisatio spu kt soziale Ide tität , uss si h jede Sel stdefi itio des A eite de it de da i e thalte e Ide titätszu utu ge ausei a de setze (Gildemeister/Robert 1987, S. 73).9 Wir wollen diesem Phänomen10 im Folgenden am Beispiel des Berufs Bäcker_in noch etwas näher nachgehen – jenem Beruf, der in der BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 zusammen mit dem Beruf Friseur_in die negativsten Reaktionen hervorrief. Bereits in den 2000er-Jahren wurde vom Bundesinstitut für Berufsbildung untersucht, welche, wie Gildemeister/Robert (1987) es ausd ü kte , ‚Ide titätszu utu ge si h it diese Be uf verbinden. Die damaligen Schüler_innen wurden gefragt, was sie vermuten, wie Andere über jemanden denken, der als Bäcker_in arbeitet. Zum Vergleich wurde diese Frage auch für andere Berufe gestellt, so für den Beruf Gestalter_in für visuelles Marketing, einen Beruf, der zu den am stärksten nachgefragten dualen Ausbildungsberufen zählt. Die Ergebnisse finden sich in Abbildung 10. Ähnlich argumentierte Treiman bereits in den 1970er-Jah e : „Me s he e de ü e ih e Arbeit erkannt. Es ist deshalb kein Zufall, dass, wenn sich Fremde treffen, das Gespräch mit der Standardfrage e öff et i d: ‚Wel he Arbeit ü e Sie aus? Denn diese Information liefert den besten Hinweis auf die Art von Person, die man ist und mit der man es zu tun hat. Sie kennzeichnet eine Person als jemanden, mit dem man rechnen muss oder als jemanden, der getrost ignoriert werden kann, als jemanden, dem Respekt gezollt werden muss oder als jemanden, von dem Respekt erwartet werden kann. Darüber hinaus erlaubt sie zumindest grobe Rückschlüsse auf Einstellungen, Erfahrungen und Lebensstil. Kurz gesagt, berufliche Rollen lokalisieren Individuen im sozialen Raum und schaffen so die Bühne für ihre Interaktion miteinander T ei a , S. ; Ü e setzu g des e glis he O igi alte tes du h die Ve fasse dieses Beitrages). 9 10 Am 15.01.2009 berichtete die Frankfurter Rundschau unter der Überschrift Bloß keinen Metzger im Bett über eine EMNID-Befragung von 1.000 Personen, in welchem Beruf der bzw. die jeweilige Partner_in ‚auf keinen Fall arbeiten sollte . Metzger_innen, Schlachter_innen und Bestattungsunternehmer_innen waren de a h ‚ehe i ht e ü s ht . Au h e die Studie ehe u te halte de Cha akte hatte, e a s haulicht sie doch, welche Folgen die Berufswahl für die soziale Selbstverortung von lndividuen haben kann. 38 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Abbildung 10: Vermutungen von Jugendlichen, wie andere über Personen denken, die den Beruf Bäcker_in bzw. Gestalter_in für visuelles Marketing ausüben Abgebildet werden die mittleren Einstufungen auf einer bipolaren Antwortskala von -100 bis +100 innerhalb eines semantischen Differenzials. N = 420 Schüler_innen, darunter n = 304, die das Image des Bäckers bzw. der Bäckerin beurteilten, und n = 116, die das Image des Gestalters bzw. der Gestalterin für visuelles Marketing einstuften. Ergebnisse aus der BIBB-Schülerbefragung 2005. Quelle: Eberhard et al. 2009, S. 11 Nach den Vermutungen der befragten Jugendlichen verorten ihre Mitmenschen Bildung, Intellekt und Vermögen von Bäcker_innen demnach eher im unterdurchschnittlichen Bereich und halten Gestalter_innen für visuelles Marketing für signifikant gebildeter, intelligenter und reicher. Insbesondere Realschüler_innen gingen damals von deutlichen Unterschieden zwischen den beiden Berufen aus, was die Einschätzungen Dritter betrifft. Hauptschüler_innen urteilten zwar etwas vorsichtiger, waren aber nichtsdestotrotz ebenso von deutlichen Unterschieden überzeugt. Relativ positiv schnitt der bzw. die Bäcker_in dagegen bei den Eigenschaften selbstlos, körperlich fit, kontaktfreudig, fleißig und geschickt ab. Gleichwohl führten all diese Eigenschaften nicht dazu, dass den Bäcker_innen ein hohes Ansehen unterstellt wurde; im Gegenteil glaubten die befragten Jugendlichen, dass deren Ansehen bei den Anderen eher gering ist. Die hier exemplarisch für die beiden Berufe Bäcker_in und Gestalter_in für visuelles Marketing dargestellten Ergebnisse ließen sich im Hinblick auf die sonstigen damals untersuchten Berufe verallgemeinern: Wie eine Faktorenanalyse zeigte, scheint es auf der einen Seite aus Sicht der Jugendlichen in der Fremdwahrnehmung von Berufsinhaber_innen eine zusammenhängende Gruppe von Eigenschaften zu geben, welche die Eigenschaften intelligent, gebildet und reich sowie ehrgeizig umfasst. Darüber hinaus existiert eine zweite Gruppe mit den Eigenschaften geschickt, körperlich fit, fleißig, kontaktfreudig und selbstlos (vgl. Abbildung 11). Die untersuchten Berufe zeigen nun in den beiden Merkmalsgruppen jeweils spezifische Ausprägungen; entscheidend dabei ist aber, dass die Eigenschaften, die für das Ansehen bei Dritten maßgeblich sind, primär in der ersten Gruppe zu finden sind: intelligent, gebildet und reich zu 39 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen wirken. Daher werden Berufe, deren Inhaber entsprechend beurteilt werden, von den Jugendlichen bevorzugt. Die Aspekte der zweiten Dimension (geschickt, körperlich fit, fleißig, kontaktfreudig und selbstlos) fördern dagegen kaum das Prestige. Sie stärken somit auch kaum die Neigung der Jugendlichen, entsprechende Berufe zu ergreifen (vgl. Eberhard et al. 2009). Abbildung 11: ‚Dualismus‘ im Image von Berufsinhaber_innen und seine Bedeutung für die Neigung, den entsprechenden Beruf zu ergreifen Den Pfeilen sind die entsprechenden Zusammenhangsmaße zugeordnet (Produkt-Moment-Korrelationen). Je größer die Werte sind, desto stärker ist der Zusammenhang. Die Werte in den Klammern hinter den einzelnen Attributen der beiden Image-Dimensionen entsprechen den Faktorladungen und sind ie die Ko elatio skoeffizie te zu i te p etie e . ≤ ≤ . . BIBB-Schülerbefragung 2005. Quelle: Eberhard et al. 2009, S. 11 Berufsinhaber, die weniger verdienen und/oder niedrige Bildungsabschlüsse vorweisen, erfahren somit nach Meinung der Jugendlichen deutlich weniger Anerkennung, selbst dann, wenn sie in ihrem Beruf eine hohe Geschicklichkeit erwerben, sich als sozial umgänglich und selbstlos erweisen. Auch bewegungsreiche Arbeiten, die die körperliche Fitness stärken, helfen kaum, das Prestige zu fördern. Aus Sicht der Jugendlichen ist es somit für das eigene Ansehen nicht übermäßig hilfreich, gewerbliche Berufe wie z. B. Landwirt_in, Gebäudereiniger_in oder Maler_in und Lackierer_in zu ergreifen, da diese eher auf der zweiten Dimension verortet werden. Dienstleistungsberufe schneiden dagegen oft besser ab, wie oben auch der Vergleich zwischen den Ausbildungsberufen Gestalter_in für visuelles Marketing und Bäcker_in gezeigt hat. Im Rahmen der BIBB-Schülerbefragung NRW 2015 wurden ähnliche Ergebnisse erzielt, obwohl hier die Schüler_innen nur zu beurteilen hatten, wie Personen, die Pflegeberufe ergriffen hatten, von Dritten wahrgenommen werden. Wiederum zeigte sich ein eigentümlicher Dualismus, bei dem eine Gruppe mit den Eigenschaften gebildet, intelligent und reich einer zweiten Gruppe mit den Eigenschaften fleißig, geschickt, kontaktfreudig und körperlich fit gegenüberstand. Und auch hier korrelierte die erste Merkmalsgruppe deutlich mit dem vermuteten Ansehen (r = 0,506, n = 1.746), während der Zusammenhang der zweiten Gruppe mit dem vermuteten Ansehen (r = 0,125, n = 1.746) eher schwach ausfiel. Gesellschaftlich-kulturelle Ursachen 40 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Offenbar werden aus Sicht der Jugendlichen in unserer Gesellschaft Intelligenz und körperliches Geschick tendenziell nicht nur als zwei unterschiedliche, mehr oder weniger unabhängige Eigenschaften wahrgenommen, sodass Geschick auch nicht als etwas gelten kann, das mit Intelligenz oder mit Bildung zu tun hat. Darüber hinaus wird die Intelligenz, wie sie auch immer zu definieren ist, als höherwertiger und damit auch als prestigeträchtiger als körperliches Geschick wahrgenommen. Die Jugendlichen scheinen mit ihrer Wahrnehmung somit auf jenen Dualismus zu reagieren, der nach Ansicht des amerikanischen Entwicklungspsychologen Paul Bloom zu den angeborenen Alltagsillusionen des Menschen zählt (vgl. Bloom 2004, 2005) und sowohl unsere Kulturgeschichte im Allgemeinen als auch unsere Bildungssysteme im Speziellen geprägt haben: hier der Geist und die Aufgabe des Bildungssystems, die Einsichtsfähigkeit des Geistes und seine Herrschaft über die Triebhaftigkeit des Körpers zu stärken, und dort der Körper, der dem Geist untergeordnet ist, ihm als ein Werkzeug dient und der entsprechend trainiert werden kann, dessen Geschicklichkeit aber nicht mit der Bildung gleichgesetzt werden kann. Zweifelsohne erschwert eine solche, ge ade i de ‚ge ildete S hi hte e eitete Vo stellung, Berufen dasselbe Ausmaß an Achtung entgegenzubringen, in denen in unterschiedlichem Maße ‚geistig u d ‚kö pe li h gea eitet i d (vgl. Eberhard et al. 2009).11 Anerkennenswerte Bildung wäre somit eher eine Sache des in (hoch-)schulischer Umgebung geformten Intellekts, weniger des in der Praxis ausgeformten Tätigkeitsvermögens (vgl. Ulrich 2018). So stimmte auch beim im 2018 durchgeführten BIBB-Expertenmonitor die überwiegende Zahl der Berufsbildungsfachleute darin überein, dass Berufe, in denen körperlich gearbeitet wird, in der Gesellschaft eher als minderwertig gelten. Berufe mit Bewerbermangel fänden vor allem deshalb keine Interessent_innen, weil diese Berufe ein geringes gesellschaftliches Ansehen hätten und die duale Berufsausbildung insgesamt im Vergleich zum Studium ein schlechteres Image habe (vgl. Tabelle 11). BIBB-Expertenmonitor Beim BIBB-Expertenmonitor handelt es sich um ein Onlineerhebungsinstrument, mit dem mehrere Hundert Fachleute in regelmäßigen Abständen zu Entwicklungen und Problemen im Bereich der beruflichen Bildung befragt werden. Die Expert_innen stammen aus Betrieben, Arbeitnehmer-, Arbeitgeber-, Wirtschafts-, Berufsverbänden, Hochschulen, Schulen, Forschungseinrichtungen, beruflichen Bildungsstätten sowie der Bildungs- und Arbeitsadministration. Der Monitor des Frühjahres 2018 fand unter der Überschrift Betriebe ohne Azubis, Jugendliche ohne Ausbildungsstellen: Ausbildungsmarkt in der Krise statt (vgl. Eberhard et al. 2018). Bereits bei Platon (428/427 v.Chr. – 348/347 v.Chr.) finden sich Äußerungen über eine angebliche Minderwertigkeit der Handwerksberufe. Zwar kann ein Staat auch nach platonischer Auffassung nicht ohne diese Berufe bestehen. Doch sind diese Berufe, da der Körper geringzuschätzen ist, eines gebildeten Menschen unwürdig. Der Nährstand ordnet sein Tun einem äußeren Zweck unter (z. B. der Herstellung eines Brotes oder Tongefäßes), nicht jedoch der Erkenntnis und Vervollkommnung seiner Seele. Er wird zum βάναυσος, zum – so in wörtlicher Übersetzung – ‚am Ofen arbeitenden Banausen, dessen Arbeit ihn von der Vervollkommnung seines Geistes abhält (vgl. auch Janich 2015, S. 15; Schelten 2005). 11 41 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 11: Mögliche Ursachen für die Passungsprobleme im Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlichen Phänomenen Herkunft der Experten Berufe, i n denen körperl i ch gea rbei tet wi rd, gel ten i n der Ges el l s cha ft eher a l s mi nderwerti g. Ka mmer, zus tändi ge Stel l e, Innung, Arbei tgeber-, Wi rts cha fts Betri eb verba nd 66 72 Uni vera l l gemei ns i tät, Arbei tBi l dungs -, Arbei ts nehmer- Hoch- bi l dende s ons ti ge verwa l oder orga ni - s chul e, Forberufs - Bi l dungs tung, s a ti on, ei nBerufs - s ons ti ge Gewerk- s chungs - bi l dende s cha ft i ns ti tute Schul e ri chtung verba nd Herkunft Insgesamt 62 71 79 71 65 75 71 Berufe mi t Bewerberma ngel fi nden vor a l l em des ha l b kei ne Interes s enten, wei l di es e Berufe ei n geri nges ges el l s cha ftl i ches Ans ehen ha ben. 73 74 71 72 77 73 72 72 73 Di e dua l e Berufs a us bi l dung ha t i m Vergl ei ch zum Studi um ei n s chl echteres Ima ge. 72 79 67 70 74 76 69 72 73 Za hl der Befra gten 55 78 45 48 65 46 38 24 399 Beri chtet werden di e mi ttl eren Zus ti mmungs gra de a uf ei ner Ska l a von 0 "überha upt kei ne Zus ti mmung" bi s 100 "völ l i ge Zus ti mmung". Quelle: Ergebnisse aus dem BIBB-Expertenmonitor 2018 Ausbildungsmarkt in der Krise?; vgl. Eberhard et al. 2018 Ei e „U glei h e e tu g o i tellektuelle u d ha d e kli he Fähigkeite legiti ie t u d verfestigt jedoch nicht nur soziale Ungleichheit, wie Mansel (1993, S. 55) hervorhob. Sie vereinseitigt auch das Bildungsverständnis in der Gesellschaft: Der Ausschluss handwerklichen Geschicks aus dem Fächerkanon der höheren Schulen sendet symbolträchtige Signale, dass hande kli he Fähigkeite zu ‚ ah e Bildu g ei es Me s he kaum beitragen (vgl. Nida-Rümelin 2014). „No h gilt i Deuts hla d i Z eifel: Lie e arbeitsloser Architekt als gefragter, gut bezahlte Heizu gste h ike , vermutete die Handelsblatt-Journalistin Barbara Gillmann 2014. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung Julian Nida-Rü eli s a h ollzieh a , die „kognitive Schlagseite a de S hule zu beseitigen und an den Gymnasien durch entsprechende Unterrichtsinhalte dafür zu sorgen, „dass die Förderung von gestalterischen, kreativen und handwerklichen Talenten au h do t „zur Bildung gehört . Nida-Rümelin verbindet dies mit der Hoffnung, dass si h da au h „ein wachsender Teil derer, die eine Hochschulzugangsberechtigung haben, für einen anderen Weg entscheiden würde, wie er es im Interview mit Kilian Kirchgessner (2016) formulierte. In eine ähnliche Richtung geht der Vorstoß, die Angebote an doppeltqualifizierenden Bildungsgä ge ‚Duale Be ufsaus ildu g u d A itu auf- und auszubauen, durch den die Jugendlichen i ht u „seh gute Vo aussetzu ge e e e , „u zukü ftig z.B. i Ha d e ks et ie e a sp u hs olle Aufga e zu ü e eh e (Pollmer/Roser 2016, S. 53). Es würden hierüber zugleich auch Wege beschritten, die dem Konzept eines umfassenden Bildungsverständnisses ent- 42 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen sprächen. Die Etablierung solcher doppeltqualifizierten Bildungsgänge ist Teil der Initiative Höhere Berufsbildung, mit der die Wirtschaft die Gleichwertigkeit des beruflichen Bildungssystems stärken möchte (vgl. DIHK/ZDH 2017). Hinweise aus der amtlichen Statistik Wir wollen zum Abschluss dieses Kapitels prüfen, ob sich die hier berichteten Ergebnisse und Schlussfolgerungen in der Berufsbildungsstatistik 2017 niederschlagen, und orientieren uns dabei an dem von Ulrich genutzten Untersuchungsaufbau (vgl. Ulrich 2016). Rekapitulieren wir hierzu zunächst kurz die bisherigen Ausführungen: Berufswahltheorien verorten die Beweggründe der Jugendlichen, Berufe zu nicht zu beachten und bei ihren Berufswahlüberlegungen auszuschließen, weniger im Desinteresse an bestimmten Arbeitstätigkeiten als in ihrem Wunsch, ihre Stellung im eigenen sozialen Umfeld zu fördern (vgl. Gottfredson 2004; Matthes 2018). Denn Jugendliche wissen um die Symbolkraft von Berufen, aus denen Außenstehende oft auch auf die Eigenschaften der Personen schließen, die die Berufe ausüben (vgl. Gildemeister/Robert 1987). Jugendliche bevorzugen daher jene Berufe, die sie besonders anerkennungswürdig erscheinen lassen. Ihrer Meinung nach gelingt dies in unserer Gesellschaft insbesondere solchen Berufen, in denen primär geistig und nicht körperlich gearbeitet wird und die auf intelligente, gebildete sowie einkommensstarke Personen hindeuten (vgl. Eberhard et al. 2009). Zudem sollten die Berufe aus Sicht der Jugendlichen den Eindruck vermitteln, wer sie ausübt, sei auch in zwischenmenschlicher Hinsicht attraktiv. Berufe, die auf geschlechtstypische Aspekte verweisen, die auch im Geschlechterspiel eingesetzt werden können, werden somit eher gewählt als Berufe, bei denen das Gegenteil der Fall ist (vgl. Rommes et al. 2007). Wenn nun Berufe auf gebildete, einkommensstarke und attraktive Berufsinhaber_innen verweisen sollen, was folgt daraus für die Besetzbarkeit von Ausbildungsplätzen? (1) Besetzungsprobleme sollten verstärkt jene Berufe haben, deren Beschäftigte im Schnitt über eine niedrige Schulausbildung verfügen und deren Ausübung somit nicht dazu beiträgt, sich als ‚gebildet darzustellen. Dies gilt umso mehr, als immer mehr Jugendliche eine Studienberechtigung erreichen und die Zahl der Schulabsolvent_innen mit Hauptschulabschluss in den letzten Jahren stark eingebrochen ist. Nicht zuletzt der Wunsch, erworbene Bildungsoptionen auch zu nutzen, lenkt die Nachfrage der Jugendlichen damit viel stärker als früher an den typischen ,Hauptschülerberufen vorbei. (2) Zudem sollten niedrige Ausbildungsvergütungen mit Besetzungsproblemen einhergehen. Die betroffenen Berufe haben materielle, aber auch immaterielle Nachteile. Denn e e ig e die t, gilt als ‚ ei ko e s- s h a h , s hei t lei ht e setz a zu sei oder eine Arbeit auszuüben, die weniger wichtig ist. Niedrige Einkommen korrelieren deshalb aus Sicht der Jugendlichen mit geringerem Ansehen (vgl. Eberhard et al. 2009). (3) Etwas schwieriger abzuleiten ist, wie sich das Bedürfnis, als attraktiv wahrgenommen zu werden, auf die Besetzbarkeit von Ausbildungsplätzen auswirkt. Berufswahlen, die für 43 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen das eigene Geschlecht besonders typisch sind, finden im sozialen Umfeld mehr Anerkennung (vgl. Eberhard 2015). Sie haben somit innerhalb des eigenen Geschlechts Wettbewerbsvorteile gegenüber geschlechtsuntypischen Berufen. Für die Betriebe haben einseitig geschlechtstypische Berufe aber den Nachteil, dass sie von vornherein rund die Hälfte aller potenziellen Kandidat_innen ausschließen. Am günstigsten sollte es deshalb aus betrieblicher Sicht sein, wenn Berufe für beide Geschlechter interessant sind. Demnach müssten Berufe mit ausgeglichenem Geschlechterverhältnis im Schnitt weniger Besetzungsprobleme haben. (4) Geringere Besetzungsprobleme sind auch bei jenen Berufen zu erwarten, deren Berufsbezeichnungen den Eindruck ermitteln, dass die dort Tätigen primär geistig und nicht körperlich arbeiten, und dies auf anspruchsvollem Niveau. Hierzu sollten z. B. Berufe zähle , i de e Be ufs ezei h u g die Na e s esta dteile ‚Fa ha gestellte_ , ‚Medie , ‚Kauf a /-f au ode ‚Gestalt o ko e . Um diese und die obigen Annahmen zu überprüfen, wird im Folgenden eine Stichprobe von dualen Ausbildungsberufen untersucht. Berücksichtigt wurden Berufe mit zwei- bis dreieinhalbjähriger Ausbildungszeit, sofern in ihnen 2017 in Nordrhein-Westfalen mindestens 100 duale Ausbildungsplätze angeboten wurden und Informationen zu den im Jahr 2017 gezahlten Ausbildungsvergütungen aus der Datenbank des BIBB vorlagen (vgl. Beicht 2018). Dies traf auf insgesamt 100 Berufe zu. In ihnen wurden in Jahr 2017 101.900 bzw. 87,3 % aller 116.700 neuen Ausbildungsverträge registriert, in Deutschland 454.600 bzw. 86,9 % aller 523.300 Verträge. In Tabelle 12 werden nun zunächst die bivariaten Zusammenhänge berichtet, zum einen für Nordrhein-Westfalen und zum anderen für Deutschland insgesamt. Dabei werden nicht nur die Korrelationen der hier berücksichtigten Berufsmerkmale mit dem Anteil der unbesetzten beruflichen Ausbildungsplatzangebote dargestellt, sondern auch die Korrelationen der Berufsmerkmale untereinander. Wie erwartet korrelieren der Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss positiv und die Ausbildungsvergütung sowie eine Berufsbezeichnung mit den Namensbestandteilen ‚Fa ha gestellte_ , ‚Medie , ‚Kauf a /-f au ode ‚Gestalt negativ mit der Quote der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote. Dies gilt für NRW ebenso wie für Deutschland insgesamt. Dagegen steht das Ausmaß des Geschlechterungleichgewichts anders als erwartet in keinem positiven Zusammenhang mit der Quote der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote. Der kräftigste bivariate Zusammenhang mit der Quote unbesetzter betrieblicher Angebote besteht mit dem Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss, die im jeweiligen Beruf arbeiten. Die Korrelationen der Berufsmerkmale untereinander machen deutlich, warum das so ist. De je stä ke ei Be uf ei ‚Haupts hüle e uf ist, desto ied ige fällt te de ziell die Ausbildungsvergütung aus. Zugleich wird es zunehmend unwahrscheinlich, dass es sich um einen Beruf handelt, in dem augenscheinlich primär geistig und nicht körperlich gearbeitet wird, und dies zugleich auf augenscheinlich anspruchsvollem Niveau. Es ergibt sich also eine Reihe von Nachteilen für diejenigen, die eine Berufsausbildung in den typischen ,Hauptschülerberufen anfangen möchten. 44 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Dazu mag für den einen oder anderen Jugendlichen auch zählen, dass diese Berufe auch signifikant seltener ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis aufweisen. Wer in Mischberufen arbeiten möchte, wird, dies zeigen die weiteren Korrelationen in Tabelle 12, findet diese in den augenscheinlich anspruchsvollen Dienstleistungsberufen, in denen zugleich auch nicht die Ausbildungsvergütungen negativ von der Durchschnittsbezahlung abweichen und die zugleich den Eindruck eines überdurchschnittlich hohen Bildungsniveaus vermitteln. Tabelle 12: Der Zusammenhang zwischen Berufsmerkmalen und dem Anteil unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplatzangebote in stärker besetzten Berufen im Jahr 2017 Quote Anteil der Auszubildenden unbesetzter mit Hauptschulbetrieblicher Angebote (in %) abschluss (in %) Ausbildungse gütu g i € Berufsbezeichnung mit Namensbestandteil "Fachangestellte/r"-, "Medien"-, Ausmaß des "Kaufmann/Geschlechterfrau" oder ungleich"Gestalt" gewichts (in %) Nordrhein-Westfalen Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss (in %) +0,485 *** Aus ildu gs e gütu g i € -0,323 *** -0,256 ** Ausmaß des Geschlechterungleichgewichts (in %) -0,027 Berufsbezeichnung mit Namensbestandteil 'Fachangestellte/r'-, 'Medien'-, 'Kaufmann/-frau' oder 'Gestalt' - -0,256 ** +0,385 *** -0,532 *** - +0,044 +0,124 +0,385 *** 0,044 - -0,456 *** -0,286 ** -0,532 *** +0,124 -0,456 *** - Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss (in %) +0,526 *** - -0,339 *** +0,360 *** -0,536 *** Aus ildu gs e gütu g i € -0,224 * -0,339 *** - +0,050 +0,148 Ausmaß des Geschlechterungleichgewichts (in %) -0,009 +0,360 *** +0,050 - -0,393 *** Berufsbezeichnung mit Namensbestandteil 'Fachangestellte/r'-, 'Medien'-, 'Kaufmann/-frau' oder 'Gestalt' -0,327 *** -0,536 *** +0,148 -0,393 *** - Deutschland insgesamt Berücksichtigt wurden 100 Berufe, in den 2017 in Nordrhein-Westfalen mindestens 100 Ausbildungsplätze angeboten und für die aus der Datenbank Ausbildungsvergütung Informationen vorlagen. Dabei wurde für die Analyse für Nordrhein-Westfalen die Ausbildungsvergütung (West) berücksichtigt, für die Analyse für Deutschland die für den Bund insgesamt errechnete Ausbildungsvergütung. Der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss unter den Personen mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag wurde zum Stichtag 31. Dezember 2016 gemessen. *p≤ , ** p ≤ , *** p ≤ , ei ei seitige Tests Ergebnisse von Produkt-Moment-Korrelationen Quellen: Eigene Berechnungen auf Basis von Daten der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge (vgl. Matthes et al. 2018), der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Landesämter und des Statistischen Bundesamtes (vgl. Statistisches Bundesamt 2017b), der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017a) sowie der Datenbank Ausbildungsvergütung des Bundesinstituts für Berufsbildung (vgl. Beicht 2018). 45 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Das Dile a de ‚Haupts hüle e ufe offe a t si h i och größerer Deutlichkeit, wenn der Zusammenhang der Berufsmerkmale mit der Quote der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote nicht korrelativ, sondern über einen Regressionsansatz als multiple Korrelation ermittelt wird (vgl. Tabelle 13). Tabelle 13: Statistische Einflussgrößen auf die Quote unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplatzangebote in stärker besetzten Ausbildungsberufen 2017 NordrheinWestfalen Anteil der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote: Deutschland 10,438 12,525 ● wenn der Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss um einen Prozentpunkt höher ausfällt +0,139 *** +0,194 *** ● wenn die mtl. Ausbildungsvergütung um einen Euro höher ausfällt -0,007 * -0,000 ● wenn die Unausgewogenheit des Geschlechterverhältnisses (Ausgangswert 0%) um einen Prozentpunkt höher ausfällt -0,050 ** -0,065 ** ● wenn in der Berufsbezeichnung der Namensbestandteil 'Fachangestellte/r'-, 'Medien'-, 'Kaufmann/-frau' oder 'Gestalt' enhalten ist -1,823 -2,358 Ausgangswert in % 1) Ve ä de u g dieses A teils u …. %-Pu kte : Zusammenfassende Statistiken ● Zahl der untersuchten Berufe ● Erklärte Varianz (R2) 100 100 32,9% 33,4% 1) Bezogen auf einen Beruf mit ausgeglichenem Geschlechterverhältnis unter den Auszubildenden sowie folge de eite e Me k ale : tl. Aus ildu gs e gütu g i Jah € Du hs h itts e t ü e alle Lehrjahre), Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss: 20%, Berufsbezeichnung ohne die Namensbestandteile 'Fachangestellte'-, 'Medien'-, 'Kaufmann/-frau' oder 'Gestalt'. Berücksichtigt wurden 100 Berufe, in den 2017 in Nordrhein-Westfalen mindestens 100 Ausbildungsplätze angeboten und für die aus der Datenbank Ausbildungsvergütung Informationen vorlagen. Dabei wurde für die Analyse für Nordrhein-Westfalen die Ausbildungsvergütung (West) berücksichtigt, für die Analyse für Deutschland die für den Bund insgesamt errechnete Ausbildungsvergütung. Der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss unter den Personen mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag wurde zum Stichtag 31. Dezember 2016 gemessen. *p≤ , ** p ≤ , *** p ≤ , ei ei seitige Tests Ergebnisse eines linearen Regressionsmodells Quellen: Eigene Berechnungen auf Basis von Daten der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge (vgl. Matthes et al. 2018), der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Landesämter und des Statistischen Bundesamtes (vgl. Statistisches Bundesamt 2017b), der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017a) sowie der Datenbank Ausbildungsvergütung des Bundesinstituts für Berufsbildung (vgl. Beicht 2018) Bezogen auf Deutschland insgesamt erweist sich in diesem Fall der Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss als die dominant erklärungsträchtige Variable unter den hier untersuchten Merkmalen dafür, warum in einem bestimmten Beruf die Quote der unbesetzten Angebote höher ausfällt, und dies deshalb, weil diese Variable die Einflüsse der sonstigen Berufsmerkmale aufgrund der oben geschilderten Interkorrelationen statistisch weitgehend mit in sich aufzunehmen vermag. Für Nordrhein-Westfalen gilt ähnliches, auch wenn hier zusätzlich noch ein signifikant negativer Einfluss der Ausbildungsvergütung zu identifizieren ist (je höher die Vergütung, desto geringer ist tendenziell die Quote der unbesetzten Plätze). Dies bedeutet aber, 46 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen dass der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss im Beruf allein schon ein erklärungsträchtiges Merkmal dafür ist, warum Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben (vgl. dazu auch Wellgraf 2012). Erklärungsbedürftig bleibt darüber hinaus in Tabelle 13 das Ergebnis, warum die Unausgeglichenheit des Geschlechterverhältnisses nicht nur nicht, wie intuitiv anzunehmen wäre, positiv mit den Besetzungsproblemen in den Berufen zusammenhängt, sondern sogar mit der Quote der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplatzangebote negativ korreliert, diese also eher mindert. Ein solches Ergebnis war in ähnlicher Form bereits in der für das Jahr 2015 für Deutschland insgesamt durchgeführten Studie ermittelt worden, an der sich die hier berichtete Untersuchung orientiert (vgl. Ulrich 2016). Bereits damals wurde nach den Gründen gesucht, und es zeigte sich, dass nicht „ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis per se […] on Bedeutung [ist], ob sich Ausbildungsplätze in einem Beruf besetzen lassen, sondern allein das Ausmaß der in beiden Geschlechtern zu beobachtenden Nachfrage sowie der daraus resultierende Gesamteffekt (Ulrich 2016, S. 19). Erwartungen im Kontext der Berufsfindung Nach den Wert-Erwartungs-Theorien wird Motivation nicht nur durch Anreize, sondern auch durch (Erfolgs-)Erwartungen erzeugt. Weniger attraktive Alternativen werden bisweilen dennoch gewählt, wenn ihre Realisierbarkeit größer erscheint als die von attraktiveren Optionen. Dies hängt mit den Kosten zusammen, die mit dem jeweiligen Handeln verbunden sind, und dem daraus resultierenden Investitionsrisiko. Die daraus resultierenden Entscheidungslogiken sind in Abbildung 12 anhand eines Beispiels aus dem Kontext der Berufswahl dargestellt. Abbildung 12: Investitionsrisiko und Berufswahlentscheidungen a) bei pessimistischer Erwartungshaltung b) bei optimistischerer Erwartungshaltung Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Esser 1999, S. 269ff. 47 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Es beschreibt in vereinfachter Form die fiktive Entscheidungssituation einer Jugendlichen mit Hauptschulabschluss, die unter den drei Berufen Kauffrau im Einzelhandel, Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk und Gebäudereinigerin eine Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel am att akti ste fi det u d de ‚We t diese E ts heidu gs a ia te de e tsp e he d als elati hoch einstuft. Mit jeder Bewerbung sind jedoch spürbare Kosten verbunden, und zudem ist nicht auszuschließen, dass die Bewerbungen scheitern und der Kostenaufwand ohne den erhofften Ertrag bleibt. Jedwedes Handeln der Jugendlichen unterliegt somit einem Investitionsrisiko, das sich wiederum rechnerisch als das Verhältnis zwischen den Kosten des Handelns und der Erfolgserwartung definieren lässt und sich subjektiv in Unsicherheitsgefühlen niederschlägt. Das Investitionsrisiko wird somit selbst zum Kostenfaktor. Dies ist der Grund, warum sich die Jugendliche im Rahmen der in der linken Hälfte der Abbildung 12 aufgeführten Entscheidungssituation nicht dazu entschließt, sich für eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel zu bewerben, obwohl sie dieser Ausbildung von allen drei hier aufgeführten Alte ati e de hö hste ‚We t zuschreibt. Ihr erscheint das Investitionsrisiko als zu hoch. Das niedrigste Investitionsrisiko besteht aus Sicht der Jugendlichen bei einer Bewerbung als Gebäudereinigerin. Allerdings kann sie sich auch nicht hier nicht dazu entschließen, diesmal jedoch deshal i ht, eil ih de ‚We t ei e sol he Aus ildu g als so ge i g e s hei t, dass diese die su jekti e ‚Koste i ht de kt. Die U sa he hie fü dü fte , ie o e es h ie e , o alle in Vorstellungen zu suchen sein, mit einem entsprechenden Beruf die eigene soziale Identität nicht genügend stärken zu können, wenn nicht sogar zu schwächen. Somit wendet sich die Jugendliche dem Beruf der Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk zu, der aus ihrer Sicht zwar nicht die Wertigkeit des Berufs Kaufmann/-frau im Einzelhandel erreicht, aber dessen Attraktion immer noch so hoch ist, dass sich das Investitionsrisiko von Bewerbungen in diesem Beruf zu lohnen scheint. Auch wenn es dieser Jugendlichen damit nicht vergönnt ist, ihren Wunschberuf zu erlernen, so folgt ihr Verhalten doch – sofern sie ihre Bewerbungserfolgschancen richtig einschätzt – einer rationalen Kalkulation (vgl. Esser 1999) und trägt bei einem marktförmigen Zugang, wie ihn die duale Berufsausbildung charakterisiert, dazu bei, dass möglichst viele Ausbildungsplätze besetzt werden können. Insofern ist es auch aus einer bildungspolitischen Perspektive wünschenswert. Würde man darauf zielen wollen, dass Jugendliche stets ihren Wunschberuf erlernen könnten, müsste man öffentlich finanzierte, regelförmige Inklusionsmechanismen schaffen, bei denen der Bedarf an Ausbildungsplätzen an den Ausbildungswünschen der Jugendlichen ausgerichtet würde. Damit gäbe es zwar beim Zugang in die Berufsausbildung keine Versorgungsprobleme. Doch müsste mit größeren Übergangsschwierigkeiten von der Berufsausbildung in die Erwerbstätigkeit gerechnet werden, da sich das Ausbildungsangebot nicht nach dem Bedarf der Wirtschaft richtet. Wie würden die Entscheidungen der Jugendlichen bei einer optimistischeren Erwartungshaltung aussehen, z. B. als Folge einer allgemein verbesserten Ausbildungsmarktlage oder einer unrealistischen, zu positiven Einschätzung der Ausbildungsmarktlage (vgl. rechte Hälfte in Abbildung 12)? In diesem Fall erscheint das Investitionsrisiko von Bewerbungen für den Beruf Kaufmann/frau im Einzelhandel nicht mehr zu hoch, sodass nun dieser Beruf und nicht mehr der Beruf 48 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk prioritär umworben wird. Sind z. B. die zeitlichen und materiellen Bewerbungsressourcen der Jugendlichen begrenzt, ist es sogar möglich, dass die Jugendlichen auf Bewerbungen im Beruf Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk völlig verzichtet. Das ‚I estitio s isiko stellt ei e su jekti e G öße da . Falle die E folgse a tu ge de Jugendlichen für Bewerbungen in bestimmten Berufen höher aus, als es ihre Chancen tatsächlich sind, bewerben sie sich dennoch auf diese Berufe. Zugleich unterbleiben verstärkt Bewerbungen in den Berufen, die diese Jugendlichen aufgenommen hätten. Die Folge: Das Ausmaß der Lehrstellenvakanzen in diesen Berufen steigt ebenso wie die Zahl der erfolglos suchenden Jugendlichen. Das Wert-Erwartungs-Modell bietet somit einen Erklärungsansatz dafür, warum sowohl der Umfang unbesetzter Ausbildungsplätze als auch der Umfang erfolgloser Bewerber_innen zunehmen kann (vgl. Schier/Ulrich 2014). Demnach ist es für die Besetzbarkeit von Ausbildungsplätzen entscheidend, dass die Jugendlichen ihre Chancen in enger Anlehnung an die tatsächlichen Verhältnisse kalkulieren. Es ist jedoch nach Eberhard/Ulrich aus mehreren Gründen fraglich, ob die Jugendlichen dazu stets befähigt sind (vgl. Eberhard/Ulrich 2018). Die Autoren unterscheiden kognitive, motivationale und institutionelle Faktoren, die eine realistische Einschätzung der Ausbildungsmarktlagen hemmen könnten und die im Folgenden kurz skizziert werden sollen (vgl. Abbildung 13). Abbildung 13: Faktoren, die eine realistische Einschätzung der Ausbildungsmarktlagen hemmen könnten Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Eberhard/Ulrich 2018 ̶ Zunächst können Gewöhnungseffekte eine realistische Einschätzung der Ausbildungsmarktlagen hemmen: Jugendliche werden in den Schulen an regelförmige Inklusionsmechanismen in Verbindung mit meritokratischen Erfolgsinterpretationen gewöhnt (vgl. Esser 2000a, S. 233ff.; Solga 2008; Heinz 2011, S. 21): Wer eine Aufnahmeregel erfüllt, erhält die Zugangserlaubnis in die nächste Klassenstufe bzw. weiterführende Schule; und wem der Zugang gelang, dem gelang dies – so die Interpretation – aufgrund seiner Eignung und Motivation. Andere Erfolgsfaktoren werden dabei kaum noch wahrgenommen (vgl. Heinz 2011, S. 21). Ohne Aufklärung über die Zugangsbesonderheiten in duale Ausbildung kö te die Juge dli he so it dazu te die e , o alle „ ishe ige Bildungserfolge (Abschlüsse, Schulnoten) als Indikator der eigenen Leistungsfähigkeit und 49 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen da it de E folgse a tu g (Hillmert 2005, S. 181) bei ihren Bewerbungen heranzuziehen und die Ausbildungsmarktlagen in den von ihnen favorisierten Berufen zu ignorieren. ̶ Zweitens muss den Jugendlichen klar sein, dass von den Medien verbreitete allgemeine Einschätzungen zum Ausbildungsmarkt (z. B. Lehrlinge werden händeringend gesucht, Stuttgarter Zeitung vom 06.04.2017) regional und berufsspezifisch zu relativieren sind. Menschen neigen jedoch dazu, sich auf ihnen vorgegebene Informationen zu stützen, um an diesen Informationen ihr eigenes Urteil zu verankern. Die Neigung ist so stark, dass sie bisweilen selbst zufällig dargebotene Stimuli als Anker für ihre weiteren Kalkulationen verwenden und sich auch nicht die Mühe machen, ihr eigenes Kalkül auf eine validere Grundlage zu stellen (vgl. Tversky/Kahneman 1974). Übertragen auf unseren Kontext würde dies bedeuten, dass sie die Aussage ‚Lehrlinge händeringend gesucht ohne nähere Prüfung und Differenzierung auf ihren Wunschberuf übertragen und an dieser Aussage ihre Erwartung verankern, bei ihren Bewerbungen erfolgreich zu sein. ̶ Dass sich die Jugendlichen mit Meldungen der Medien zu den vermeintlich entspannten Ausbildungsmarktverhältnissen begnügen könnten und keine weiteren Informationen mehr einholen, dafür sprechen auch handlungs- und konsistenztheoretische Überlegungen (vgl. Beckmann/Heckhausen 2006): Menschen neigen dazu, Informationen in Übereinstimmung mit ihrem Wunschdenken zu suchen, zu meiden und zu verarbeiten, das heißt, ei je e I fo atio e zu e ha e , „die die ge ählte Ha dlu gsalte ati e auf e te , u d zuglei h je e I fo atio e zu eide , „die das U gekeh te ahelege (Beckmann/Heckhausen 2006, S. 98). Bei optimistisch stimmenden Meldungen zur allgemeinen Ausbildungsmarktlage ist das psychologische Investitionsrisiko für eine weitere Informationssuche demnach hoch. Denn die Wahrscheinlichkeit, auf eine noch optimistischere Meldung zu stoßen, ist ebenso gering wie deren Nutzen (die Marktlage erscheint ja bereits als sehr gut), während bei pessimistischeren Meldungen frustrierende Inkonsistenzen zum eigenen Wunschdenken drohen. Deshalb erscheint es günstiger, auf eine weitere Informationssuche zu verzichten und der optimistisch stimmenden Meldung zu vertrauen (vgl. auch Esser 1999, S. 269ff.). ̶ Gehemmt wurde eine differenzierte Erkundung der Marktlagen durch die Jugendlichen zudem bislang durch institutio elle Ba ie e , die die ‚Koste für ein solches Verhalten stark erhöhen. Denn es existieren in Deutschland noch keine über das Internet zugänglichen Datenbanken, in denen die Jugendlichen die Ausbildungsmarktlagen vor Ort rasch selbständig recherchieren können. Dabei spielen auch Datenschutzbestimmungen eine Rolle, die das für Marktbilanzen unabdingbare Zusammenführen von Datensätzen (vgl. hierzu Flemming/Granath 2016) und damit auch regionale Berechnungen von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage in den verschiedenen Berufen erschweren. Ob Jugendliche in der Lage sind, Ausbildungsmarktlagen bei der Einschätzung ihrer Bewerbungschancen treffsicher zu berücksichtigen, wurde von Eberhard/Ulrich (2018) anhand von Daten aus der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2014 untersucht. Sie konzentrierten sich dabei auf die beiden Berufe Kaufmann/-frau im Einzelhandel und Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk. 50 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Wir greifen ihren Untersuchungsansatz in vereinfachter Form auf und führen dabei zugleich auch NRW-spezifische Berechnungen durch. BA/BIBB-Bewerberbefragung 2014 Bei der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2014 handelt es sich um eine schriftlich-postalische Repräsentativerhebung bei jungen Menschen, die im selben Jahr bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern in gemeinsamer Trägerschaft (JCgE) als Ausbildungsstellenbewerber_innen gemeldet waren (vgl. Granato et al. 2016). Wir konzentrierten uns hier auf eine Teilstichprobe von bundesweit knapp 600 Proband_innen, die ihre potenziellen Bewerbungschancen im Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel oder aber Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk einschätzten, darunter rund 140 Proband_innen aus Nordrhein-Westfalen.12 Die Frage an die Proband_inne lautete i Wo tlaut: ‚Wie würden Sie Ihre aktuellen Chancen einschätzen, wenn Sie sich bewerben würden auf eine Lehrstelle im Beruf ... , e gä zt u de Hi eis ‚Bitte antworte Sie auch dann, wenn Sie bereits in einer (anderen) Ausbildung sind oder gerade keine Ausbildungsstelle suchen . Da ei s hätzte ei Teil der Proband_innen die Chancen im Beruf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk und der andere Teil im Beruf Kaufmann/frau im Einzelhandel ein. Die Aufteilung der Proband_innen erfolgte per Zufall. Die Auswahl dieser beiden Berufe erfolgte deshalb, weil es sich um zwei Berufe handelt, die nicht nur wegen des hohen Anteils an Verkaufsaufgaben ähnliche Tätigkeitsfelder umfassen. Neben der Verkaufstätigkeit spielen in beiden Berufen das Beraten der Kund_innen unter Einsatz von Warenkenntnissen, das Anbieten von Service und das Platzieren und Präsentieren von Waren im Verkaufsraum eine zentrale Rolle. Zudem gehört es zum Tätigkeitsbereich beider Berufe, Warenbestände und -bedarfe zu ermitteln, Arbeitsabläufe im Team zu planen und Arbeitsergebnisse auszuwerten und zu beurteilen. Beide Ausbildungen haben eine Regeldauer von drei Jahren und das Zeugnisniveau entspricht in beiden Fällen der Stufe 3B der International Standard Classification of Education (ISCED) bzw. dem Niveau 4 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR). Als Schulabschluss empfiehlt das Informationsportal ausbildung.de für beide Berufe mindestens den Hauptschulabschluss und verweist in beiden Fällen darauf, dass Wochenendarbeit möglich ist (vgl.dazu ausführlich Granato et al. 2016, S. 3). Gleichwohl sind beide Berufe im Schnitt durch sehr unterschiedliche Marktlagen gekennzeichnet (vgl. dazu ausführlich Granato et al. 2016). Während der Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im Einzelhandel überdurchschnittlich beliebt ist und stark nachgefragt wird, verhält es sich beim Ausbildungsberuf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk genau umgekehrt. Die Nachfrage ist vergleichsweise niedrig, und es bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt (vgl. Tabelle 14). 12 Die schulische Vorbildung und das Geschlecht der Jugendlichen entsprachen den für registrierte Bewerber_innen üblichen Verteilungen: 29% der Proband_innen (NRW: 25 %) verfügten maximal über einen Hauptschulabschluss, 51 % (NRW: 48 %) über einen mittleren Abschluss und 20 % (NRW: 27 %) über eine Studienberechtigung. Weiblichen Geschlechts waren 49 % (NRW: 44 %). 51 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 14: Merkmale der beiden Berufe Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk und Kaufmann/-frau im Einzelhandel (2017) Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt FachFachverkäufer/-in Kaufmann/- verkäufer/-in Kaufmann/frau im frau im im im Lebensmittel- Einzelhandel Lebensmittel- Einzelhandel handwerk handwerk Ausbildungsmarktdaten zum Stichtag 30.09.2017 ● ● ● ● ● ● ● ● ● Neue Ausbildungsverträge darunter: außerbetriebliche Verträge Ausbildungsplatzangebote darunter: unbesetzt Ausbildungsplatznachfrage darunter: noch suchend Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) Quote der unbesetzten betrieblichen Angebote Anteil der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage 1.400 15 1.905 505 1.478 78 128,9 26,7% 5,3% 5.500 97 5.935 435 7.127 1.627 83,3 7,5% 22,8% 6.469 122 10.136 3.667 6.809 340 148,9 36,6% 5,0% 24.473 493 28.214 3.741 29.936 5.463 94,2 13,5% 18,2% 83,2% 2,3% 58,3% 32,5% 6,3% 0,5% 49,6% 2,8% 21,2% 39,7% 35,5% 1,4% 81,8% 3,2% 64,6% 27,7% 2,8% 1,7% 50,8% 2,3% 27,4% 47,0% 22,7% 0,6% € € € € Merkmale der Personen mit neuem Ausbildungsvertrag ● ● ● ● ● ● weiblich ohne Hauptschulabschluss Hauptschulabschluss mittlerer Schulabschluss Studienberechtigung keine Angabe zum Schulabschluss, sonstiger Ausbildungsvergütung (Mittelwert aller drei Lehrjahre) Für Nordrhein-Westfalen wurde aus der BIBB-Datenbank Ausbildungsvergütungen die Ausbildungsvergütung für Westdeutschland aufgeführt, für Deutschland die für den Bund insgesamt errechnete Ausbildungsvergütung.Die Angaben zu den Schulabschlüssen beziehen sich auf den Stichtag 31.12.2016. Quellen: BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September 2017 (vgl. Matthes et al. 2018); Berufsbildungsstatistik der Statistischen Landesämter und des Statistischen Bundesamtes zum Stichtag 31.12.2016 (vgl. Statistisches Bundesamt 2017b); Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017a); Datenbank Ausbildungsvergütung des Bundesinstituts für Berufsbildung (vgl. Beicht 2018) Vordergründig scheint es somit eine einfache Lösung zur Verringerung erfolgloser Marktteilnahmen zu geben: Würden diejenigen Bewerber_innen, die keine Ausbildungsstelle als Kaufmann/frau im Einzelhandel finden, stattdessen eine Ausbildung als Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk beginnen, ließen sich Passungsprobleme stark reduzieren. Doch scheinen die beiden Berufe trotz ihrer Verwandtschaft aus Sicht der Jugendlichen keine austauschbaren Alternativen zu sein. Während der dem Handwerk zugeordnete Beruf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk ein recht konkretes Einsatzgebiet vorsieht (die Fachkräfte sind meist in Bäckereien, Fleischereien, Konditoreien, in der Gastronomie oder Hotellerie tätig), variiert das Produktsortiment der Kaufleute deutlich stärker. Zudem unterscheiden sich die Ausbildungsvergütungen deutlich zugunsten der angehenden Kaufleute im Einzelhandel, und während es sich beim Beruf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk u ei e t pis he ‚Haupts hüle e uf fü ju ge Frauen handelt, werden zumindest in Nordrhein-Westfalen inzwischen mehr Studienberechtigte als Personen mit Hauptschulabschluss als Kaufleute im Einzelhandel ausgebildet, und dies 52 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen bei ausgeglichenem Geschlechterverhältnis (vgl. Tabelle 14). Darüber hinaus werden die Ausbildungsbedingungen im Beruf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk von seinen Auszubildenden nicht so gut eingeschätzt, wie Auszubildende anderer Berufe ihre Ausbildungsbedingungen beschreiben (vgl. DGB-Jugend 2017). Die su jekti e ‚We tigkeit des Be ufs ‚Kauf a /-frau i Ei zelha del ist so it aus Si ht de Juge dli he höhe (vgl. dazu ausführlich Granato et al. 2016), und dieser Aspekt liefert eine Teilerklärung für die deutlich höhere Nachfrage der Jugendlichen nach diesem Beruf. Doch wie verhält es nun mit der Erfolgserwartung bei Bewerbungen? Orientieren sich die Jugendlichen an den bereits im Jahr 2014 beruflich und regional sehr unterschiedlichen Marktverhältnissen (vgl. Abbildung 14), und zeigen sie sich deshalb bei Bewerbungen im Beruf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk zumindest im Schnitt deutlich optimistischer? Abbildung 14: Angebots-Nachfrage-Relationen (eANR) in den Berufen Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk und Kaufmann/-frau im Einzelhandel im Jahr 2014 Zahl der Ausbildungsplatzangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager 2014 a) Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk b) Kaufmann/-frau im Einzelhandel 120 und mehr 110 – u. 120 100 – u. 110 90 – u. 100 80 – u. 90 70 – u. 80 unter 70 © GeoBasis-DE / BKG 2017 (Daten verändert) Visualisierung der Arbeitsagenturbezirke: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Arbeitsbereich 2.1, R.-O. Granath NRW Deutschland NRW Deutschland Minimum 93,3 87,5 Minimum 62,0 56,8 Mittelwert 117,2 134,3 Mittelwert 79,4 87,1 Maximum 174,1 256,3 Maximum 91,1 119,4 Standardabweichung 16,9 37,1 Standardabweichung 7,2 10,5 Quellen: BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2014; Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen; Granato et al. 2016 Die Antworten hierzu finden sich in Tabelle 15. Mithilfe von Regressionsmodellen wurde hier überprüft, ob die Jugendlichen ihre vermuteten Bewerbungschancen mit den berufsspezifischen 53 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Ausbildungsmarktlagen vor Ort (vgl. nochmals Abbildung 14) in Verbindung bringen. Als Kontrollvariablen wurden zugleich berücksichtigt a) das Zutrauen der Jugendlichen, den jeweiligen Beruf erlernen zu können, b) ihr Schulabschluss und ihr Geschlecht. Darüber hinaus wurde untersucht, ob und in welche Richtung die subjektiven Erfolgsaussichten in den beiden Berufen voneinander abweichen. Die Analysen wurden sowohl für die bundesweite Stichprobe insgesamt als auch speziell für die nordrhein-westfälische Teilstichprobe durchgeführt. Tabelle 15: Einflüsse auf die von Jugendlichen vermuteten Bewerbungschancen in zwei alternativen Berufen des Warenhandels Befragte aus NRW Befragte aus Deutschland insgesamt Rechnerischer Ausgangsfall: Von einer Bewerberin mit maximal Hauptschulabschluss vermutete Bewerbungschance im Beruf "Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk" (auf einer Perzentilskala von 0 = sehr gering bis 100 = sehr hoch). Die Bewerberin lebt in einer Region mit ausgeglichener berufsspezifischer Angebots-Nachfrage-Relation und ist von einem lediglich mittleren Zutrauen geprägt ist, den Anforderungen des Ausbildungsberufs gerecht zu werden Ve ä de u g de e utete Cha e u 33,560 42,457 +0,034 +0,030 +0,437 *** +0,401 *** +2,203 +7,471 *** …. %-Pu kte : ● wenn in der eigenen Region die Angebots-Nachfrage-Relation im vorgegebenen Beruf um einen %-Punkt höher ausfallen würde ● wenn das Zutrauen, den vorgegebenen Beruf zu erlernen, um einen %-Punkt höher ausfallen würde ● wenn die befragte Person nicht über einen Hauptschulabschluss, sondern über einen mittleren Schulabschluss verfügen würde ● wenn die befragte Person nicht über einen Hauptschulabschluss, sondern über eine Studienberechtigung verfügen würde ● wenn die befragte Person männlichen Geschlechts wäre ● wenn es sich beim vorgegebenen Beruf um den Beruf "Kaufmann/-frau im Einzelhandel" handeln würde +15,156 ** +16,107 *** +4,416 -1,639 +10,452 * +3,239 142 30,3% 587 24,8% Zusammenfassende Statistiken ● Zahl der untersuchten Probanden ● Erklärte Varianz *p≤ , ** p ≤ , *** p ≤ , ei ei seitige Tests Quelle: BA/BIBB-Bewerberbefragung 2014; eigene Berechnungen Rechnerischer Ausgangsfall der in Tabelle 15 berichteten Ergebnisse ist die von einer Bewerberin mit maximal Hauptschulabschluss vermutete Bewerbungschance im Beruf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk (auf einer Perzentilskala von 0 = sehr gering bis 100 = sehr hoch). Die fiktive Bewerberin lebt zudem in einer Region mit ausgeglichener berufsspezifischer AngebotsNachfrage-Relation und ist von einem lediglich mittleren Zutrauen geprägt ist, den Anforderungen des Ausbildungsberufs gerecht zu werden. Wie nun Tabelle 15 zeigt, beträgt die von ihr vermutete Chance innerhalb der nordrhein-westfälischen Stichprobe 34 %. Die weiteren Angaben in der Tabelle geben nun wieder, wie sich die vermutete Chance bei Abweichungen vom Ausgangsfall ändern würde. Demnach spielen andere Marktverhältnisse vor Ort für die Erfolgserwartung der Jugendlichen keine signifikante Rolle. Die vermuteten Chancen würden dagegen höher ausfallen, wäre das Zutrauen der Person größer, diesen Beruf auch erlernen zu können, oder würde die Person über höhere Schulabschlüsse verfügen. Zudem würde 54 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen die vermutete Chance höher ausfallen, würde es sich beim vorgegebenen Beruf nicht um den bzw. die Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk handeln, sondern um den bzw. die Kaufmann/-frau im Einzelhandel. Dies gilt vor allem auch für die Proband_innen aus Nordrhein-Westfalen. Dies heißt mit anderen Worten: Zumindest im Schnitt orientieren sich die Jugendlichen bei der Kalkulatio ih es pote zielle ‚I estitio s isikos nicht an den Marktverhältnissen und halten dieses Risiko bei Bewerbungen im Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel sogar für kleiner als im Beruf Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk. Unter diesen Annahmen liegt es nahe, die eigenen Bewerbungen ausschließlich auf den Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel zu richten. Denn für diesen Beruf sprechen nun nicht nur die höhere Ausbildungsvergütung und sonstigen Vorteile, sondern auch die vermeintlich besseren Bewerbungsaussichten. Es ließe sich einwenden, dass die Kalkulation der Jugendlichen genauer ausfallen dürfte, wenn man sich bei der Auswahl der Proband_innen ausschließlich auf diejenigen konzentrieren würde, die auch ein näheres Interesse an dem jeweils vorgegebenen Beruf zeigen. Eberhard/Ulrich (2018) haben jedoch im Rahmen weitergehender Analysen keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass ein größeres Interesse oder auch ein subjektiv größeres Wissen über den jeweils vorgegebenen Beruf einen Einfluss auf die zuvor berichteten Ergebnisse haben. Die Autoren fanden dagegen Hinweise darauf, dass eine gute Vorbereitung der Jugendlichen auf die Ausbildungsplatzsuche mit starker Ausrichtung auf den Umgang mit verschiedenen Marktlagen zu besseren Ergebnissen führen kann, u d plädie e fü de Auf au o ‚Aus ildu gs a ktko pete z , el he ‚Be ufs ahlko pete z (vgl. Ratschinski 2012, S. 139) ergänzt. Subjektiv gutes Berufswissen allein stelle eine realistische Reflexion der Marktlagen nicht sicher, und angesichts der vermuteten psychologischen und institutionellen Hemmnisse sei auch nicht zu erwarten, dass diese ohne gezielte pädagogische Intervention herstellbar sei. 4.2 Welche Faktoren erschweren eine stärkere Anpassung des Ausbildungsplatzangebots an die Berufswünsche der Jugendlichen? Nach der in 4.1 behandelte Frage, welche Faktoren eine stärkere Anpassung der Ausbildungsplatznachfrage an die angebotenen Ausbildungsberufe erschweren, soll nun die Gegenfrage behandelt werden: Welche Faktoren verhindern eine stärkere Anpassung des Ausbildungsplatzangebots an die Berufswünsche der Jugendlichen? In der bildungspolitischen Auseinandersetzung sind Stimmen zu hören, die Kritik an Betrieben und Wirtschaft üben, sie kämen teilweise ihrer Verantwortung gegenüber den Jugendlichen nicht in ausreichendem Maße nach und bildeten in Relation zum Ausbildungsbedarf der Jugendlichen nicht genügend aus. Und in der Tat: Würden Wirtschaft und Verwaltung mehr Ausbildungsplätze in den von den Jugendlichen präferierten Berufen zur Verfügung stellen, würde dies zwar nicht das Problem der zunehmenden Zahl ungenutzter Ausbildungsplätze in den sonstigen Berufen lösen, es gäbe aber 55 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen deutlich weniger Ausbildungsplatznachfrage, die am Ende des Jahres über keinen Ausbildungsplatz e fügt, u d da it gä e es au h pe defi itio e e ige ‚Passu gsp o le e .13 Da dies nicht der Fall ist, stellt sich die Frage nach den Hinderungsgründen. Zusammenhang zwischen Ausbildungsplatzangebot und Ausbildungsinteresse der Jugendlichen Untersucht man auf Bundesebene innerhalb des dualen Berufsbildungssystems den Zusammenhang zwischen der Höhe des Ausbildungsangebots und dem Ausmaß des Ausbildungsinteresses der Jugendlichen, so lässt sich tatsächlich keine bedeutende Korrelation feststellen; beide Seiten des Marktes scheinen im Hinblick auf ihr Ausbildungsinteresse eigenen Logiken zu folgen, die nur bedingt miteinander korrespondieren. So kam es z. B. in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre bundesweit zu einem starken Rückgang des Ausbildungsplatzangebots, obwohl das Ausbildungsinteresse anstieg (vgl. Abbildung 15 links). Hier besteht ein deutlicher Unterschied zum Hochschulsystem. Denn die Zahl der Studienplätze korrespondiert stark mit der Abiturientenzahl. Selbst in den Jahren, in denen in den Ländern doppelte Abiturientenjahrgänge die allgemeinbildenden Schulen verließen, richtete sich das Studienplatzangebot relativ flexibel nach dem deutlich höheren Bedarf der jungen Menschen (vgl. Abbildung 15 rechts). Institutionell verursachte Beschränkungen des Ausbildungsplatzangebots Worin liegen die institutionellen Ursachen für den Unterschied zwischen dem dualen Berufsausbildungssystem und dem Hochschulsystem? Versteht man mit dem deutschen Soziologen Hartut Esse u te ‚I stitutio e „Regel it e a tete Geltu gsa sp u h (Esser 2000b, S. 5), so sind die Ursachen in unterschiedlichen Zugangsregelungen in die duale Berufsausbildung und in die Hochschulausbildung zu suchen. Der Eintritt in die Hochschulen für Studienberechtigte wird über einen regelförmigen Inklusionsmechanismus (‚Regelinklusion ; vgl. Esser 2000a, S. 235ff.) gesteuert, wobei zu berücksichtigen ist, dass ‚Inklusion im soziologischen Sprachgebrauch allgemein den Eintritt von Akteur_innen in soziale Systeme (vgl. Esser 2000a, S. 233) meint und sich nicht nur auf Menschen mit Behinderungen bezieht. Weit überwiegend öffentlich finanziert entscheiden staatliche Akteur_innen in Abhängigkeit des zu erwartenden Bedarfs über das Ausmaß der Anpassung des Studienplatzangebots an den Bedarf der jungen Menschen. Zugleich hängt der Eintritt in die Hochschulausbildung von weitgehend transparenten Regeln ab. Erfüllen die jungen Menschen diese Regeln, ist ihr Eintritt gesichert. Der Eintritt in die duale Berufsausbildung erfolgt auf andere Weise. Um einen Zugang zu erhalten, muss der bzw. die ausbildungsinteressierte Jugendliche einen Betrieb finden, dessen Ausbildungsinteressen sich mit den seinen bzw. ihren decken und der damit auch an seiner bzw. ihrer Ausbildung interessiert ist. Mit diesem Betrieb schließt er bzw. sie einen privatrechtlichen Ve t ag a , ie § des Be ufs ildu gsgesetzes BBiG fo de t. Diese „Be ufsaus ildu gs ert ag ko t, ie jede a de e Ve t ag, du h A ge ot u d A ah e zusta de (Lakies/Nehls 13 Denn mit dem Begriff ‚Passu gsp o le e i d ein Ausbildungsmarkt charakterisiert, bei dem auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes höhere Anteile erfolgloser Marktteilnahmen zu beobachten sind. Sind u die A teile u esetzte Plätze ho h, he s he ‚Besetzu gsp o le e o , si d u die A teile de e folglose Na hf age e höht, ist de Ma kt o ‚Ve so gu gsp o le e geke zei h et (vgl. Matthes/Ulrich 2014). 56 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen 2007, S. 72) und wird damit auf einem Markt ausgehandelt. Somit werden die Eintritte in die duale Berufsausbildung über einen marktförmigen Inklusionsmechanismus gesteuert (‚Marktinkusion ; vgl. Esser 2000a, S. 235ff.). Abbildung 15: Korrespondenz zwischen der Zahl der ausbildungsinteressierten Personen und dem Ausbildungsplatzangebot sowie zwischen der Zahl der Abiturient_innen und der Zahl der neu eingerichteten Studienplätze in Deutschland a) b) Institutionell erfasste ausbildungsinteressierte Personen und duale Berufsausbildungsplatzangebote 1992-2017 in Deutschland Korrelation (1992-2017) Zahl ausbildungsinteressierter Personen duale Ausbildungsplatzangebote r = +0,277 *p≤ , *** p ≤ , ** p ≤ , Abiturient_innen und neu eingerichtete Studienplätze an deutschen Hochschulen 1992-2016 (ohne Studienplätze für Ausländer_innen) Korrelation (1993-2016) neu eingerichtete Studienplätze Zahl der Abiturient_innen r = +0,936 *** (bei einseitigen Tests) Quellen: Statistisches Bundesamt 2017a, 2017c; Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September; eigene Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 Idealtypisch – unter bestimmten Nebenbedingungen wie z. B. vollständige Transparenz, zahlreiche Marktteilnehmer, Vergleichbarkeit der Güter etc. – sollte ein Markt über den Preis zu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage gelangen (vgl. Mankiw 2004, S. 67ff.). Auf dem Ausbildungsmarkt ist allerdings nicht nur die Variation des Preises institutionell eingeschränkt (vgl. § 17 BBiG): Es ist eine ‚angemessene Vergütung zu zahlen). Vielmehr ist über das Berufsbildungsgesetz auch die Richtung der Austauschbeziehungen zwischen den Betrieben und Jugendlichen vereinseitigt (vgl. § 12 BBiG). So ist es verboten, dass Jugendliche in Abhängigkeit ihrer 57 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Nachfrage dem Betrieb dafür eine Ausbildungsvergütung entrichten, dass dieser sie im gewünschten Beruf ausbildet. Vielmehr ist die Ausbildungsvergütung stets vom Betrieb an die Jugendlichen zu zahlen, und jede Vereinbarung ist nichtig, in der dies nicht der Fall ist. Jugendliche können sich damit keine Ausbildung im präferierten Beruf ‚erkaufen , wie dies in früheren Zeiten mit der Zahlung eines Lehrgeldes üblich war (vgl. Lakies/Nehls 2007, S. 106). Für die vom Gesetzgeber über § 12 BBiG durchgesetzte Vereinseitigung der Austauschbeziehungen gibt es gute Gründe (vgl. dazu Lakies/Nehls 2007, S. 139f.); sie bedeutet aber auch, dass die Bet ie e u d i ht die Juge dli he i die Rolle de ‚Zahle de auf de Aus ildu gs a kt gedrängt werden. Da nun aber die Betriebe die Zahlenden sind, stehen Art und Ausmaß der bereitgestellten Ausbildungsplätze in Abhängigkeit ihrer Nachfrage und damit ihres Qualifizierungs- und Beschäftigungsbedarfs (vgl. Herkner 2013, S. 18; Troltsch/Walden 2010) und sonstiger strategischer Überlegungen. ‚Nachfrager auf dem Ausbildungsmarkt sind also, so erzwingen es die Institutionen, die Betriebe, auch wenn sie in Deutschland in verwirrender Weise ‚Anbieter (von Ausbildungsplätzen) genannt werden (zu den Gründen vgl. Ulrich 2005). Fällt die betriebliche Nachfrage nach Auszubildenden geringer als das Ausbildungsinteresse der Jugendlichen aus oder weicht die berufliche Struktur der Plätze von den Ausbildungswünschen der Jugendlichen ab, bleiben zwangsläufig ‚marktbenachteiligte Jugendliche übrig, die im Wettbewerb mit anderen Bewerber_innen um die limitierten Plätze unterliegen (vgl. Eberhard 2012: Schier/Ulrich 2017). Zwischen den durch das Berufsbildungsgesetz erzeugten Handlungslogiken der Betriebe und der selbst vom Bu des e fassu gsge i ht geteilte öffe tli he E a tu g, dass „g u dsätzli h alle ausbildungswilligen Jugendlichen die Chance erhalten, einen Aus ildu gsplatz zu eko e – u d dies sel st da „ e das f eie Spiel de K äfte … i ht eh aus ei he sollte so das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 10. Dezember 1980) –, besteht demnach ein deutlicher institutioneller Widerspruch (vgl. Granato/Ulrich 2013). Erwartet wird von den Betrieben eine Mindestnachfrage, die sich an der Höhe des Ausbildungsangebots orientiert, also der Zahl ausbildungsinteressierter Jugendlicher. Im Konflikt dieser beiden Ansprüche hat jedoch bis heute die Faktizität der gesetzlichen Regelungen und der daraus erzeugten Handlungslogiken die Oberhand behalten. Dem öffentlichen Anspruch an ein Ausbildungsplatzangebot gerecht zu werden, das dem Bedarf der Jugendlichen weitgehend entspricht, ist letztlich nur auf statistischem Wege möglich: Indem – wie es die klassische Nachfrageberechnung vorsieht – all diejenigen erfolglosen Bewerber_innen aus de ‚Na hf age -Berechnung ausgeschlossen werden, die sich zum Stichtag 30. September in Alternativen befinden.14 Da sich erfolglose Bewerber_innen spätestens zu Beginn des 14 Es gibt, wie bereits mehrfach erwähnt, zwei Varianten der Ausbildungsplatznachfrageberechnung. Im Rahmen der klassischen, traditionellen Variante gelten als erfolglose Nachfrager_innen nur die bei der Bu desage tu fü A eit ge eldete ‚u e so gte Be e e _i e , die a . Septe e ede ü e eine Berufsausbildungsstelle noch über eine alternative Verbleibsmöglichkeit verfügen. Bewerber_innen, die sich in Alternativen befinden, werden grundsätzlich nicht als Nachfrager_innen mitgezählt, selbst wenn sie weiterhin auf Ausbildungsplatzsuche für das bereits begonnene Ausbildungsjahr sind. Bei der e eite te Na hf age e e h u g e de dagege e e de ‚u e so gte Be e e _i e zu i dest diejenigen sich in Alternativen befindenden Bewerber_innen zur erfolglosen Nachfrage gerechnet, die zum Stichtag 30. September noch auf Ausbildungsplatzsuche sind (vgl. Flemming/Granath 2016; Ulrich 58 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen neuen Ausbildungsjahres Gedanken über Überbrückungs- oder sonstige Alternativen machen müssen, werden auf diese Weise viele von ihnen nicht mehr in der Angebots-Nachfrage-Bilanz berücksichtigt. In diese Bilanz gehen somit vor allem erfolgreiche Ausbildungsplatznachfrager_innen ein, sodass Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage recht eng korrelieren (vgl. Granato/Ulrich 2013, S. 324ff.). Da es letztlich die Institutionen sind, die für die Betriebe und die Jugendlichen die „Logik de Situatio (Esser 2000b, S. 4) erzeugen, orientieren sich die Betriebe bei ihren Ausbildungsentscheidungen zwangsläufig an ihrem Bedarf. Zu diesem Bedarf zählen nicht nur der eigene Qualifizierungs- und/oder Beschäftigungsbedarf, sondern auch strategische Interessen. Dazu gehören bisweilen Bestrebungen, sich nicht gegenüber moralischen Forderungen aus der Öffentlichkeit zu verschließen, sich als ein verantwortungsvolles Unternehmen zu zeigen und gegebenenfalls auch über den eigenen Bedarf auszubilden bzw. über Quotenpläne gezielt auch Jugendlichen mit schwächeren Schulabschlüssen eine Ausbildungschance zu geben. Doch müssen auch diese betrieblichen Handlungslogiken für die Betriebe finanziell tragbar und verkraftbar sein. Abbildung 16: Aufbau des ökonometrischen Prognose- und Simulationsmodells des Ausbildungssystems (PROSIMA) Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Lösch/Kau 2005 2012). Diese erweiterte Nachfrageberechnung liegt den Analysen dieses Berichts zugrunde. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass auch mit dieser erweiterten Definition jene Bewerber_innen von der Nachfragezählung ausgeschlossen sind, die bereits vor dem Stichtag 30. September resignierten, ihren Ausbildungswunsch zurückzogen bzw. auf kommende Jahre verschoben. Wir werden hierauf in Kapitel 4.8 noch einmal zurückkommen. 59 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Deshalb wundert es nicht, dass die Rechenmodelle, die zur Vorhersage der Ausbildungsmarktentwicklung konstruiert wurden – wie z. B. PROSIMA, das ökonometrische Prognose- und Simulationsmodells des Ausbildungssystems des BIBB (vgl. Lösch/Kau 2005; Maier/Neuber-Pohl 2017) –, moralische oder politische Forderungen an die Wirtschaft und Verwaltung nach mehr Ausbildungsengagement nicht als vorhersagerelevante Größen für die Entwicklung des Ausbildungsplatzangebots integrieren, sondern vor allem ökonomische Faktoren, die auf die Existenz, den Umsatz und den Gewinn der Betriebe Einfluss nehmen (vgl. die beiden Hilfsmodelle in Abbildung 16). Zwar reagiert nach PROSIMA das Ausbildungsplatzangebot auch auf die Zahl der Schulabgänger_innen und auf die daraus resultierende Nachfrage, dies aber vor allem auch, weil bei entsprechender Nachfrage latente Angebotspotenziale aktiviert werden können, die wiederum umgekehrt deaktiviert werden oder gar verloren gehen, wenn die Nachfrage schwindet. Unter den gegebenen institutionellen Voraussetzungen kann und sollte eine passgenaue Angleichung des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots an die Ausbildungswünsche der Jugendlichen somit nicht erwartet werden, weder in beruflicher noch in regionaler Hinsicht. Deshalb soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, inwieweit Passungsprobleme dadurch reduziert werden können, dass neben der beruflichen Flexibilität der ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch ihre regionale Flexibilität gefördert wird. 4.3 Welche Faktoren behindern eine stärkere Anpassung der Ausbil- dungsplatznachfrage an die regionale Verteilung der Ausbildungsplatzangebote? Wie im Bundesgebiet insgesamt und in anderen Ländern, so schwanken auch in NordrheinWestfalen die regionalen Ausbildungsmarktverhältnisse (vgl. nochmals Abbildung 1). 2017 variierten die erweiterten Angebots-Nachfrage-Relationen in den Arbeitsagenturbezirken von eANR = 76,4 im Bezirk Oberhausen bis zu eANR = 96,9 im Bezirk Meschede-Soest. Dies wirft die Leitfrage dieses Kapitels auf, ob sich nicht durch stärkere regionale Mobilität der Jugendlichen eine einheitlichere Marktlage in den verschiedenen Regionen erreichen ließe. Bei der Suche nach Antworten sind zwei Phänomene zu berücksichtigen. Das erste betrifft die Beobachtung, dass die Angebots-Nachfrage-Relationen in allen Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens unterhalb von eANR = 100 liegen. Rein rechnerisch gesehen deckt damit bereits jetzt in jeder Region (jedem Arbeitsagenturbezirk) die Nachfrage das vorhandene Angebot, gibt es also in jeder Region mehr Nachfrage als Angebote. Wenn Plätze vor Ort nicht besetzt werden können, liegt dies somit zumindest rechnerisch nicht daran, dass es nicht genügend Nachfrage in der Region gibt, sondern an beruflichen oder Merkmalsdisparitäten zwischen Angebot und Nachfrage. Der zweite zu berücksichtigende Aspekt betrifft das Phänomen, dass die offiziellen AngebotsNachfrage-Relationen bereits das Ergebnis der von Mobilität beeinflussten Marktverhältnisse widerspiegeln. Es ist somit zunächst einmal unklar, in welchem Ausmaß die bereits realisierte 60 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Mobilität dazu beigetragen hat, dass in Regionen mit insgesamt unzureichender Nachfrage dennoch möglichst viele Ausbildungsplatzangebote besetzt werden konnten. Um also die Auswirku ge de Mo ilität auf die egio ale Aus ildu gs a ktlage a zus hätze , üsste die ‚u sp ü gli he , i ht du h Mo ilität eei flusste egio ale Ma kt e hält isse eka t sei . Solche Daten existieren jedoch nicht in der amtlichen Ausbildungsmarktstatistik, denn innerhalb dieser Statistik wird nicht danach unterschieden, ob die Nachfrage aus der Region oder von außen kommt (vgl. Ulrich 2012). Matthes/Ulrich (2017) entwickelten jedoch kürzlich ein Rechenverfahren, um die noch von Mobilität unbeeinflussten Angebots-Nachfrage-Relationen (die Autoren sprechen von ‚mobilitätsbereinigten Angebots-Nachfrage-Relationen ) in den verschiedenen Regionen zu schätzen. Ausgangspunkt ihres Schätzansatzes ist der Berechnungsmodus der offiziellen Angebots-Nachfrage-Relation. Zu ihrer Berechnung werden vier aus amtlichen Daten bekannte Elemente benötigt: (1) das erfolgreich besetzte Ausbildungsplatzangebot, das mit der Zahl der vom 01.10. bis zum 30.09. in der Region neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge identisch ist, (2) die bei der BA zum Stichtag 30.09. in der Region registrierten unbesetzten Ausbildungsstellen als Indikator für das erfolglose Angebot, (3) die erfolgreiche Ausbildungsplatznachfrage, die wie das erfolgreiche Angebot mit den in der Region neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gleichgesetzt wird, sowie (4) die bei der BA registrierten Ausbildungsstellenbewerber_innen aus der Region, die zum Stichtag 30.09. noch auf Ausbildungsplatzsuche sind, als Indikator für die erfolglose Nachfrage. Um die von Mobilität noch unbeeinflussten Angebots-Nachfrage-Verhältnisse in einer Region zu rekonstruieren, muss von den oben genannten vier Komponenten die dritte Komponente, also die erfolgreiche Ausbildungsplatznachfrage, neu geschätzt werden. Die übrigen drei Komponenten beinhalten ausschließlich Marktteilnahmen von Betrieben und Jugendlichen, die aus der betreffenden Region selbst stammen. In der dritten Komponente, der erfolgreichen Ausbildungsplatznachfrage, vermengen sich dagegen Nachfrage von inner- und außerhalb der Region, da sie wie das erfolgreiche Ausbildungsplatzangebot betriebsortbezogen und nicht entlang des Wohnortes der Jugendlichen erfasst wird (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017d; Flemming/Granath 2016; Ulrich 2012, S. 55). Die wohnortbezogene Nachfrage kann jedoch mit Hilfe der BA-Beschäftigtenstatistik geschätzt werden, welche Daten zum Betriebs- und Wohnort der Arbeitnehmer_innen enthält und zudem die Art und Dauer der Beschäftigung ausweist. Dabei wird auf die Teilmenge jener sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückgegriffen, die zu dem für die Bilanz relevanten Stichtag 30.09. nicht länger als ein Jahr Auszubildende in ihrem Betrieb sind (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2018b). Wir wollen an dieser Stelle auf die Schilderung des Schätzverfahrens verzichten und verweisen stattdessen auf die ausführliche Darstellung bei Matthes/Ulrich (vgl. Mathes/Ulrich 2017). Dort sind auch Validitätsanalysen zur mobilitätsbereinigten Angebots-Nachfrage-Relation 2015 zu finden. Sie deuten darauf hin, dass mit diesem Verfahren gute Näherungswerte erzielt werden können. 61 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Stattdessen wollen wir diesen Schätzansatz auf Nordrhein-Westfalen und die Ausbildungsmarktverhältnisse im Jahr 2017 übertragen. Die Ergebnisse finden sich in Abbildung 17 und in Tabelle 16, wo jeweils die von Mobilität noch unbeeinflussten und die offiziellen, das heißt, durch Mobilität geprägten Marktverhältnisse gegenübergestellt werden. Der Vergleich zwischen der mobilitätsbereinigten und der offiziellen Angebots-Nachfrage-Relation, die bereits von den Effekten der Mobilität geprägt ist, zeigt, dass die Mobilität der nordrhein-westfälischen Jugendlichen erheblich zu einem Marktausgleich beiträgt. Die Regionen Düsseldorf, Köln, Essen und AhlenMünster, in denen in Relation zur einheimischen Ausbildungsplatznachfrage ein deutlicher Angebotsüberschuss an Ausbildungsplätzen besteht (vgl. im Einzelnen Tabelle 16), würden ohne Mobilität unter einem erheblichen Nachfragemangel leiden. Die Mobilität der Jugendlichen sorgt dafür, dass auch hier rechnerisch mehr Nachfrage als Angebote vorhanden ist, wie dies letztlich in allen Regionen Nordrhein-Westfalens der Fall ist. Abbildung 17: Die Ausbildungsmarktverhältnisse in den nordrhein-westfälischen Arbeitsagenturbezirken vor und nach Mobilität im Jahr 2017 Ausbildungsplatzangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager (ANR) 2017 a) mobilitätsbereinigte eANR b) offizielle eANR Minimum (min) 67,6 Minimum (min) 76,4 Mittelwert 88,7 Mittelwert 88,4 Maximum (max) 142,0 Maximum (max) 96,9 Differenz max-min 74,4 Differenz max-min 20,5 Standardabweichung 16,6 Standardabweichung 5,5 Quellen: eigene Berechnungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit 2017, 2018b; des Bundesinstituts für Berufsbildung 2017. Berechnungsverfahren beschrieben in Matthes/Ulrich (2017); vgl. auch Matthes/Ulrich 2018 Wie stark sich die Ausbildungsmärkte durch die Mobilität der Jugendlichen angleichen, lässt sich auch anhand der Varianzindikatoren für die beiden Angebots-Nachfrage-Relationen vor und nach Marktausgleich ablesen (vgl. den unteren Teil der Abbildung 17). Die mobilitätsbereinigte Angebots-Nachfrage-Relation weist eine relativ große Standardabweichung von 16,6 Prozentpunkten auf; zwischen dem niedrigsten Wert (67,6 in Detmold) und dem höchsten (142,0 in Düsseldorf) besteht eine Differenz (Spannweite) von 74,4 Punkten. Bei der 62 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen offiziellen, durch Mobilität geprägten Angebots-Nachfrage-Relation beträgt die Standardabweichung nur noch 5,5 Prozentpunkte, und die Differenz zwischen dem niedrigsten (76,4 in Oberhausen) und dem höchsten Wert (96,9 in Meschede-Soest) verringert sich auf nur noch 20,5 Punkte. Tabelle 16: Die Ausbildungsmarktverhältnisse in den nordrhein-westfälischen Arbeitsagenturbezirken nach und vor Mobilität im Jahr 2017 Nr. 311 315 317 321 323 325 327 331 333 337 341 343 345 347 351 353 355 357 361 364 365 367 371 373 375 377 381 383 387 391 Arbei ts a genturbezi rk Aa chen-Düren Bergi s ch Gl a dba ch Bi el efel d Bochum Bonn Brühl Coes fel d Detmol d Dortmund Düs s el dorf Dui s burg Es s en Gel s enki rchen Ha gen Ha mm Herford Is erl ohn Köl n Krefel d Mettma nn Mönchengl a dba ch Ahl en-Müns ter Oberha us en Pa derborn Reckl i ngha us en Rhei ne Si egen Mes chede-Soes t Wes el Sol i ngen-Wuppertal Zus a mmenfa s s ende Statis tiken ▪ Mi ni mum ▪ Mi ttel wert ▪ Ma xi mum ▪ Spa nnwei te (mi n, ma x) ▪ Standa rda bwei chung mobi l i täts berei ni gte Angebots -Na chfra geRel a tion (mb_ANR) i m Ja hr 2017 89,1 79,0 100,9 84,5 93,7 70,7 88,5 67,6 100,9 142,0 83,5 114,9 72,0 75,3 78,0 80,2 90,1 125,2 80,8 84,1 87,9 107,0 75,6 92,3 68,8 83,1 91,9 94,7 75,4 81,9 offi zi el l e Angebots Na chfra ge-Rel a tion (ANR) i m Ja hr 2017 92,8 86,0 90,4 81,5 92,5 90,1 94,6 81,5 87,8 92,5 85,9 93,6 80,2 80,3 85,3 83,1 92,7 94,4 84,8 88,5 89,0 95,0 76,4 95,2 83,1 94,5 91,2 96,9 85,6 85,7 Verä nderung durch Mobi l i tät +3,7 +7,0 -10,5 -3,1 -1,2 +19,4 +6,1 +13,9 -13,0 -49,6 +2,4 -21,3 +8,2 +4,9 +7,3 +2,9 +2,6 -30,8 +4,0 +4,4 +1,1 -12,1 +0,7 +2,8 +14,2 +11,4 -0,7 +2,2 +10,2 +3,8 67,6 88,7 142,0 74,4 16,6 76,4 88,4 96,9 20,5 5,5 +8,7 -0,3 -45,2 -53,9 -11,2 Quellen: eigene Berechnungen von Daten der Bundesagentur für Arbeit 2017d, 2018b; des Bundesinstituts für Berufsbildung 2017; Matthes/Ulrich 2018; Berechnungsverfahren beschrieben in Matthes/Ulrich 2017 Wie sind nun diese Ergebnisse zu werten? Zunächst bleibt festzustellen, dass ein großer Teil der Mobilität in Nordrhein-Westfalen, die zur Angleichung der regionalen Marktverhältnisse führt, wie in Deutschland insgesamt durch Tagespendeln realisiert wird. Nach den Ergebnissen der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016, einer schriftlich-postalischen Repräsentativerhebung bei 63 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen gut 2.000 jungen Menschen, die im selben Jahr bei den Arbeitsagenturen und den Jobcentern in gemeinsamer Trägerschaft (JCgE) als Ausbildungsstellenbewerber_innen gemeldet waren, darunter rund 500 aus Nordrhein-Westfalen (vgl. dazu auch Eberhard/Ulrich 2017), gaben 17,1 % der nordrhein-westfälischen Proband_innen an, sich im Umkreis von 20 km bis unter 50 km beworben zu haben (bundesweit: 12,3 %), 7,9 % auch im Umkreis von 50 bis unter 100 km (bundesweit: 7,8 %) und 5,7 % auch im Umkreis von 100 km und mehr (bundesweit: 7,7 %). Es überwiegen somit überregionale Bewerbungen im näheren Umkreis (vgl. Tabelle 17). Tabelle 17: Ausmaß überregionaler Bewerbungen bei Jugendlichen, die 2016 bei Arbeitsagenturen oder den Jobcentern in gemeinsamer Trägerschaft (JCgE) als Ausbildungsstellenbewerber_innen gemeldet waren NordrheinWestfalen Deutschland insgesamt ▪ nein, keine im Umkreis von 20 km und mehr 63,5% 66,0% ▪ ja, im Umkreis von 20 km bis unter 50 km 17,1% 12,3% ▪ ja, auch im Umkreis von 50 km bis unter 100 km 7,9% 7,8% ▪ ja, auch im Umkreis von 100 km und mehr 5,7% 7,7% ▪ keine Angabe 5,7% 6,2% Befragte insgesamt 100,0% 100,0% Ungewichtete Stichprobengröße n = 508 n = 2.325 Berichtet werden gewichtete Ergebnisse. Quelle: BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016; eigene Berechnungen Angesichts eines recht hohen Anteils von 63,5 % (bundesweit: 66,0 %), die explizit angaben, bei ihren Bewerbungen nur den Umkreis von unter 20 km berücksichtigt zu haben, scheint es genügend Reserven zu geben, die regionalen Ausbildungsmarktverhältnisse durch eine noch intensivere Förderung der Mobilität aneinander anzugleichen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass die Mobilität in ihrem bereits jetzt gezeigten Umfang ausreicht, dass viele betriebliche Ausbildungsplätze auch in den Regionen besetzt werden können, die ohne Mobilität unter erheblichem Nachfragemangel und somit erheblichen Besetzungsproblemen leiden würden. In den vier Regionen mit den im Jahr 2017 ohne Mobilität höchsten Angebots-Nachfrage-Relationen von jeweils deutlich über 100 Angeboten je 100 Nachfrager_innen – dies waren die Arbeitsagenturbezirke Düsseldorf (142,0), Köln (125,2), Essen (114,9) und Ahlen-Münster (107,0) – blieben 2017 zwischen 3,2 % (Ahlen-Münster) und 8,0 % (Essen) und über alle vier Regionen hinweg 5,8 % der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote unbesetzt. Der Gesamtwert für Nordrhein-Westfalen lag 2017 bei 6,1 % und damit sogar höher. Dies bedeutet, dass es bereits mit der jetzt gezeigten Mobilität gelingt, auch Regionen mit hohem Angebotsüberschuss soweit zu befriedigen, dass hier nicht mehr Stellen unbesetzt bleiben als im Landesdurchschnitt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass zwischen der regionalen Flexibilität und der beruflichen Flexibilität ein Spannungsverhältnis besteht. Dies zeigte sich u. a. im Rahmen der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2014, einer schriftlich-postalischen Repräsentativerhebung bei gut 3.000 jungen 64 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Menschen, die im selben Jahr bei den Arbeitsagenturen und den Jobcentern in gemeinsamer Trägerschaft (JCgE) als Ausbildungsstellenbewerber_innen gemeldet waren, darunter rund 800 aus Nordrhein-Westfalen (vgl. Granato et al. 2016). Unter den nordrhein-westfälischen Bewerber_innen waren 15,7 % (bundesweit: 15,8 %) mit sehr hoher Mobilitätsbereitschaft zu finden, denen es ‚ziemlich egal war, wo sie in Deutschland ihre Berufsausbildung machen (‚trifft eher zu bzw. ‚trifft zu ), während dies 38,9 % (bundesweit: 38,5 %) ‚gar nicht egal war, die sich somit stärker ortsgebunden zeigten. Die stärker Ortsgebundenen waren jedoch relativ oft bereit, für ihre fehlende regionale Flexibilität einen Preis zu zahlen. 47,7 % von ihnen (bundesweit: 43,0 %) gingen so weit, dass sie lieber ihre Berufswünsche aufgeben wollten, als die Heimatregion zu verlassen. Eine solche berufliche Flexibilität zugunsten der Ausbildungsplatzangebote war in der Gruppe der regional sehr flexiblen Jugendlichen nicht zu finden. Diese Gruppe, in der sich verstärkt Studienberechtigte bzw. Jugendliche mit einem hohen Selbstvertrauen (hoher Selbstwirksamkeit) finden, setzt ihre regionale Flexibilität vielmehr gezielt ein, um ihre Berufswünsche zu realisieren. Ihre Nachfrage wird sich in den Zielregionen, in denen sie sich bewerben, somit kaum auf die allgemein wenig beliebten Berufe richten, sondern auf jene Berufe, in denen es im Vergleich zum Ausbildungsplatzangebot ohnehin keinen Mangel an Nachfrage gibt. Somit sind es verstärkt die regional wenig Mobilen, von denen am ehesten zu erwarten ist, dass sie auf die weniger nachgefragten Berufe vor Ort zugehen. Und da die Passungsprobleme in Deutschland zwischen Angebot und Nachfrage sehr stark aus den beruflichen Marktungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage resultieren, erscheint die Tatsache, dass viele Bewerber_innen ihre Heimatregion nicht verlassen möchten, in einem doppelten Licht: als hemmend im Kampf gegen regionale, aber förderlich im Kampf gegen berufliche Disparitäten auf dem Ausbildungsmarkt (vgl. Matthes/Ulrich 2018). 4.4 Warum passt sich das Ausbildungsplatzangebot nicht stärker quan- titativ an die Ausbildungsplatznachfrage vor Ort an? Die im Abschnitt 4.3 abgehandelte Frage, ob sich die Ausbildungsplatznachfrage nicht stärker an die regionale Ausbildungsplatzangebote anpassen könnte, lässt sich mit der Gegenfrage verbinden, ob sich nicht auch umgekehrt das Angebot stärker quantitativ an die Ausbildungsplatznachfrage vor Ort anpassen könnte. Die Antwort auf diese Frage fällt hier weitgehend mit den Ausführungen im Kapitel 4.2 zusammen: Eine stärkere Ausrichtung des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots an der Nachfrage der Jugendlichen ist angesichts des institutionellen Rahmens eher unwahrscheinlich. Eine stärkere Anpassung des Ausbildungsplatzangebots an den Umfang der Ausbildungsplatznachfrage vor Ort wäre demnach nur durch einen verstärkten Einsatz von ‚auße et ie li he , das heißt ü e iege d öffe tli h fi a zie te Aus ildu gsplätze öglich. Der Vorteil dieser Plätze bestünde darin, dass mit ihnen auch die Berufswünsche der Jugendlichen viel leichter berücksichtigt werden könnten. Zusätzliche Plätze könnten insbesondere in jenen Berufen eingerichtet werden, in denen das Ausbildungsplatzangebot nicht der starken Nachfrage entspricht. 65 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Eine Lösung der Passungsprobleme würde durch eine solche Maßnahme jedoch nicht erreicht; stattdessen würde Ausbildungsplatznachfrage durch die Umlenkung auf außerbetriebliche Berufsausbildung vom Markt genommen – unter unveränderter Hinnahme der bestehenden Passungsprobleme und der an einem Teil der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote vorbeigehenden Nachfrage. Tatsächlich wurde eine solche Strategie – der verstärkte Einsatz außerbetrieblicher Berufsausbildung – durch die berufsbildungspolitischen Akteure nicht verfolgt. Sowohl in NRW als auch im Bundesgebiet insgesamt war das Gegenteil der Fall. Fanden sich 2009 noch unter den 123.900 Ausbildungsplatzangeboten Nordrhein-Westfalens (Deutschland insgesamt: 581.900) 6.900 bzw. 5,6 % außerbetriebliche Plätze (Deutschland: 45.800 bzw. 7,9 %), waren es 2017 unter den 124.200 Angeboten (Deutschland: 572.200) nur noch 2.700 bzw. 2,2 % (Deutschland: 15.900 bzw. 2,8 %; vgl. Tabelle 29 im Anhang). Abgebaut wurden weniger außerbetriebliche Plätze für Menschen mit Behinderungen (2010 bis 2017: -100, Deutschland: -2.100) als für soziale Benachteiligte und Lernbeeinträchtigte (-2.200, Deutschland: -15.000) und aus Sonderprogrammen, die für Marktbenachteiligte gedacht waren (-1.700, Deutschland: -8.000).15 Der von 2009 bis 2017 vollzogene Abbau außerbetrieblicher Ausbildungsplatzangebote im Gesamtumfang von -4.200 (Deutschland: -29.900) wurde in NRW vollständig vom im selben Zeitraum zu beobachtenden Anstieg an betrieblichen Angeboten von +4.400 (Deutschland: +20.300) kompensiert. Der Gesamtumfang an betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangeboten verringerte sich also für die nordrhein-westfälischen Jugendlichen nicht. Zugleich wurde durch den Abbau der außerbetrieblichen Plätze verhindert, dass die Besetzungschancen des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots durch eine unvermindert hohe Bereitstellung außerbetrieblicher Plätze geschmälert wurden. Ungeachtet der Tatsache, dass der Rückgang des außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots zumindest in NRW vollständig durch die Zunahme des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots kompensiert werden konnte, kann gleichwohl nicht ausgeschlossen werden, dass im Zuge des ‚Austaus hs auße et ie li he Plätze durch betriebliche Angebote ungünstige statistische Effekte resultierten. Denn eine Analyse des statistischen Einflusses der Ausbildungsplatzangebote auf die Quote der erfolglosen Nachfrage im Zeitraum 2013 bis 2017 deutet sowohl für NRW als auch für Deutschland insgesamt an, dass ein Rückgang an außerbetrieblichen Plätzen die Quote der erfolglosen Nachfrage stärker in die Höhe trieb, als der Zuwachs an betrieblichen Angeboten die Quote erfolgloser Nachfrage zu senken vermochte (vgl. Tabelle 18).16 15 Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich in der Vergangenheit auch eine Abhängigkeit des regionalen Umfangs des außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots für sozial Benachteiligte und Lernbeeinträchtigte von den jeweiligen Verhältnissen auf dem Ausbildungsmarkt nachweisen ließ (vgl. Ulrich 2003). Dies mag zu verstehen helfen, warum im Zuge der Verbesserung der Ausbildungsmarktverhältnisse gerade auch Plätze für sozial Benachteiligte und Lernbeeinträchtigte abgebaut wurden. 16 Tabelle 18 liegt dieselbe Berechnung wie in Tabelle 23 in Abschnitt 4.8 zugrunde; der Unterschied besteht alleine darin, dass die Angebotsverhältnisse, die hier im Mittelpunkt der Analysen stehen, dort lediglich als Kontrollvariablen dienen. 66 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 18: Die regionale Entwicklung der erfolglosen Ausbildungsplatznachfragequote in Abhängigkeit von der Veränderung des betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots Regi ona l er Antei l der erfol gl os en Aus bi l dungs pl a tzna chfra ge bei durchs chni ttl i chen Verhä l tni s s en i m Aus ga ngs ja hr 2013 (i n %) Ve ä de u g di es es A tei l s u Nordrhei nWes tfa l en Deuts chl a nd 17,516 13,463 -0,672 *** -0,419 *** +0,934 *** +0,855 *** 5 30 150 71,1% 5 154 770 56,1% …. %-Pu kte : ● wenn di e Za hl der betri ebl i chen Aus bi l dungs pl a tza ngebote je 100 Aus bi l dungs i nteres s i erte um ei nen Pl a tz höher a us fä l l t 1) ● wenn di e Za hl der a ußerbetri ebl i chen Aus bi l dungs pl a tza ngebote je 100 Aus bi l dungs i nteres s i erte um ei nen Pl a tz niedriger a us fä l l t 1) Zus a mmenfa s s ende Stati s ti ken ● ● ● ● Za hl der unters uchten Ja hre Za hl der unters uchten Regi onen Za hl der unters uchten "Regi onenja hre" Erkl ä rte Va ri a nz der regi ona l en Entwi ckl ung *p≤ , ** p ≤ , *** p ≤ , ei z ei s ei ti ge Tes ts Di e Unters chi ede zwi s chen den Koeffi zi enten des betri ebl i chen und a ußerbetri ebl i chen Aus bi l dungs pl a tza ngebots s i nd bezogen a uf di e Berechnungen für a l l e Arbei ts a genturbezi rke i n Deuts hl a d s tati s ti s h s i g i fi ka t p ≤ , ei z ei s ei ti ge Tes t . Berechnungen unter Kontrol l e der Bewerbera ntei l e, di e vorzei ti g i hren Vermi ttl ungs wuns ch bei der Bundes a gentur für Arbei t s torni eren, und unter Ei ns chl us s von Ja hres dummys Ergebni s s e ei nes l i nea ren Regres s i ons model l s ("Wi thi n-Model l s " a uf Ba s i s regi ona l er Lä ngs s chni tts da ten) So bewirkte im Zeitraum 2013 bis 2017 ein zusätzliches betriebliches Ausbildungsplatzangebot je 100 ausbildungsinteressierte Personen eine Verringerung der Quote erfolgloser Nachfrage um 0,672 Prozentpunkte (alle Arbeitsagenturbezirke in Deutschland: -0,419 Punkte), während der Wegfall eines außerbetrieblichen Ausbildungsplatzes die Quote um 0,934 Punkte erhöhte (alle Bezirke in Deutschland: +0,855 Punkte). Solche unterschiedlich starken Einflüsse der außerbetrieblichen Plätze und des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots auf die Quote der erfolglosen Nachfrage sind möglich, da sich die außerbetrieblichen Ausbildungsplätze institutionell bedingt passgenau mit den Zielpersonen verbinden, während die (zusätzlichen) betrieblichen Ausbildungsplatzangebote aus den spezifischen Bedarfen der Betriebe resultieren und sich erst auf dem Ausbildungsmarkt entscheidet, ob sie genügend Nachfrage unter den Jugendlichen finden und besetzt werden können. Stammen die zusätzlichen betrieblichen Angebote aus Berufen, die bereits unter Besetzungsproblemen leiden, fällt der Minderungseffekt auf die Quote der erfolglosen Nachfrage relativ gering aus, und zugleich steigt der Anteil der unbesetzten betrieblichen Angebote.17 17 Welchen Berufen die zusätzlichen betrieblichen Angebote tatsächlich zugute kamen, wäre durch weitere, im Rahmen dieses Berichts jedoch nicht leistbare Analysen zu prüfen. 67 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt 4.5 Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Haben sich die Wünsche der Jugendlichen an die Merkmale ihres Ausbildungsbetriebs geändert? Wie in den vorausgegangenen Abschnitten deutlich wurde, wird es im Zuge der demografischen Entwicklung und des Trends zum Abitur für die nordrhein-westfälischen Betriebe schwieriger, Bewerber_innen für ihre Ausbildungsplätze zu finden. Gerade Plätze in so genannten ,Hauptschülerberufen lassen sich immer schwerer besetzen. Doch ist dies womöglich nicht das einzige Problem der Betriebe. Denn die ausbildungsinteressierten Jugendlichen – deutlich geringer an der Zahl, aber viel häufiger mit höheren Schulabschlüssen ausgestattet – könnten versucht sein, ihre gestärkte Marktposition zu nutzen und neben ihren Berufsansprüchen auch ihre Ansprüche an die Betriebe zu steigern. Deshalb soll im Folgenden auf Basis der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016 untersucht werden, was sich die nordrhein-westfälischen Ausbildungsstellenbewerber_innen von den Betrieben wünschen und in welcher Hinsicht Bewerber_innen mit Studienberechtigung, die in NordrheinWestfalen immer häufiger zu finden sind, von den Wünschen der anderen Jugendlichen abweichen. Wir orientieren uns bei diesen Analysen an den Vorarbeiten von Eberhard/Ulrich (2017), die für das Bundesgebiet durchgeführt wurden, und fügen zum Vergleich wiederum die Ergebnisse für Deutschland insgesamt hinzu. Theoretische Überlegungen Im Gegensatz zum Schulberufs- oder Hochschulsystem erfolgt der Zugang in eine betriebliche Ausbildungsstelle nach den Regeln des Marktes (vgl. Kapitel 4.2). Sowohl die Jugendlichen als auch die Betriebe entscheiden autonom darüber, wen sie sich als Vertragspartner für ihre Ausbildung auswählen möchten. Aus der Beginn des Abschnitts 4.1.1 vorgestellten Wert-Erwartungs-Theorie lässt sich wiederum ableiten, wie Jugendliche mit ihren Wünschen an die Betriebe reagieren, wenn sich ihre Marktposition verändert (vgl. Beckmann/Heckhausen 2006; Esser 1999; Vroom 1964). Ausgangspunkt ist erneut der Grundgedanke, dass ausbildungsinteressierte Jugendliche wie alle Menschen bestrebt sind, mit ihrem Handeln unter Berücksichtigung der jeweils gegebenen Umstände bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Sie orientieren sich deshalb bei der Ausbildungsplatzsuche nicht nur am Wert, den ein bestimmtes Handlungsergebnis für sie hat (hier: Eintritt in den Wunschbetrieb), sondern berücksichtigen auch die Wahrscheinlichkeit, dieses Ziel zu erreichen (Zugangschance zu diesem Betrieb). Denn alle Anstrengungen auf den Wunschbetrieb zu konzentrieren, wenn die Zugangschancen dorthin gering sind, birgt ein hohes Investitionsrisiko. In diesem Fall ist es besser, sich einem Betrieb zuzuwenden, der zwar als weniger attraktiv erscheint, dafür aber eine gute Eintrittschance bietet. Doch wie bestimmt sich der Attraktivitätsgrad der Betriebe? Folgt man der Argumentation von Vroom (1964), ist dieser dann besonders attraktiv, wenn er mit hoher Wahrscheinlichkeit jene Bedingungen bietet, die für Jugendliche infolge ihrer spezifischen Bedürfnisse einen besonders hohen Stellenwert besitzen. Damit wird auch klar, wie Jugendliche vorgehen, wenn sie zugunsten einer höheren Zugangschance Kompromisse bei der Attraktivität eines Betriebs machen. Sie verändern weniger ihre Wertepräferenzen (da diese als Teil ihrer Persönlichkeit relativ stabil 68 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen sind), sondern nehmen geringere Realisierungswahrscheinlichkeiten durch den jeweiligen Betrieb in Kauf – dies jedoch zunächst bei jenen Aspekten, denen sie nicht den höchsten Wert beimessen. Denn bei den anderen Aspekten sind sie aufgrund der höheren Wertigkeit weniger kompromissbereit. Dies heißt aber auch, dass Jugendliche, die über eine gute Marktposition verfügen, ohne größere Gefahr für ihre Ausbildungszugangschancen auch mehr Ansprüche stellen, und dies – da sie bei zentrale Werten ohnehin wenig Kompromisse machen würden – wiederum verstärkt bei jenen Aspekten, denen sie nicht den höchsten Wert beimessen. Dies hat zugleich zur Folge, dass die Auswahlkriterien der Jugendlichen mit ihrer Stellung auf dem Ausbildungsstellenmarkt variieren (vgl. Eberhard 2016). Untersuchungsansatz Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen soll im Folgenden anhand der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016 dargestellt werden, was sich die Jugendlichen von den Ausbildungsbetrieben wünschen und wie stark ihre Wünsche von ihrer schulischen Vorbildung beeinflusst wurden. Bei der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016 handelt es sich um eine schriftlich-postalische Repräsentativerhebung bei jungen Menschen, die im selben Jahr bei den Arbeitsagenturen und den Jobcentern in gemeinsamer Trägerschaft (JCgE) als Ausbildungsstellenbewerber_innen gemeldet waren (vgl. dazu Eberhard/Ulrich 2017). Unter den bundesweit rund 2.000 Proband_innen, die die Frage zu ihren Wünschen an den Ausbildungsbetrieb bearbeiteten, fanden sich auch rund 450, die aus Nordrhein-Westfalen stammen. Unter Berücksichtigung bisheriger Forschungsergebnisse (vgl. insbesondere Schank 2011a, Schank 2011b) wurden den Befragten 17 potenzielle Betriebsmerkmale mit der Bitte vorgegeben, sie danach zu bewerten, wie sehr sie sich wünschen, dass diese auch auf ihren (späteren) Ausbildungsbetrieb zutreffen (‚wünsche ich mir gar nicht , ‚eher nicht , ‚egal , ‚eher , ‚sehr ). In Tabelle 19 sind die 17 Aspekte aufgeführt. Die dort vorgenommene Zuordnung zu vier übergeordneten Themenfeldern ist bereits das Ergebnis des ersten Analyseschritts, bei dem untereinander korrelierende Wünsche mittels Hauptkomponentenanalyse zusammengefasst wurden. Welche Bedeutung wiederum die Jugendlichen diesen Themenfeldern und den sie konstituierenden Einzelaspekten zuweisen, ist an den genannten Perzentilwerten ablesbar: Je näher die Werte an 100 heranreichen, desto stärker wünschen sich die Jugendlichen, dass der betreffende Aspekt auf ihren Ausbildungsbetrieb zutrifft. 69 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 19: Wünsche der Ausbildungsstellenbewerber_innen an den Ausbildungsbetrieb Ausbildungsstellenbewerber aus: darunter: Deutschland NordrheinWestfalen mit Hauptschulabschluss mit mittlerem Abschluss mit Studienberechtigung Potenzial als langfristiger Arbeitgeber 89,6 90,5 89,5 90,3 92,2 Im Betrieb herrscht ein gutes Betriebsklima. Der Betrieb bietet sichere Arbeitsplätze. Der Betrieb bietet sehr gute Übernahmechancen. 93,0 90,1 85,8 93,4 90,7 87,5 92,4 88,9 87,4 92,5 91,4 86,9 95,9 91,8 89,0 Rahmenbedingungen während der Ausbildung 70,6 70,5 70,2 71,0 70,2 Der Betrieb ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Der Betrieb liegt in der Nähe meines Wohnorts. Auszubildende müssen keine unbezahlten Überstunden machen. Der Betrieb unterstützt Auszubildende finanziell (z. B. Fahrtkostenzuschuss). Der Betrieb fördert die Vereinbarkeit von Freizeit und Ausbildung. Der Betrieb bietet eine überdurchschnittlich hohe Ausbildungsvergütung. Der Betrieb bietet materielle Anreize zu Beginn der Ausbildung (z. B. iPhone etc.). 80,4 80,4 80,7 82,5 76,6 75,2 75,1 75,5 73,7 79,5 71,5 75,4 74,4 73,4 75,2 73,5 73,7 71,5 73,6 75,0 72,0 72,1 70,2 73,0 71,9 69,4 69,6 69,5 69,1 70,1 48,3 48,2 48,5 47,3 49,5 Gute gesellschaftliche Vernetzung des Betriebs 65,8 65,1 65,0 65,2 65,0 Der Betrieb hat ein gutes Image. Der Betrieb ist modern ausgestattet. Der Betrieb ist bekannt. Der Betrieb ist in sozialen Netzwerken vertreten (z. B. Facebook, Twitter, XING). 78,4 71,7 63,6 49,7 78,3 69,6 62,6 49,8 76,3 67,3 63,9 52,5 79,4 69,8 63,1 48,0 78,2 71,2 61,1 49,5 Ausbildungsmöglichkeiten wie in einem Großbetrieb 61,9 61,7 59,5 59,1 65,7 Der Betrieb bietet flexible Arbeitszeiten an. Der Betrieb bietet über die Ausbildungsordnung hinausgehende Zusatzangebote an (z. B. Auslandsaufenthalte, Erlernen von Fremdsprachen, Computerkurse). 67,0 61,5 66,8 61,5 67,4 55,3 66,4 56,8 67,3 70,2 Es gibt viele Auszubildende im Betrieb. 57,4 56,7 55,7 54,3 59,6 ≤ ≤ ≤ Stichprobengröße 1.946 ≤ . 440 ≤ Berichtet werden die Mittelwerte der Antworten auf einer Skala von 0 bis 100. Je näher der Wert an 100 heranreicht, desto stärker ist der Wunsch. Quelle: eigene Berechnungen auf Basis der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016; vgl. auch Eberhard/Ulrich 2017, S. 21 Ergebnisse Wie nun Tabelle 19 zeigt, geht es den Jugendlichen an erster Stelle um das Potenzial des Betriebs als langfristiger Arbeitgeber. Hierin unterscheiden sich die nordrhein-westfälischen Jugendlichen nicht von den Jugendlichen in Deutschland insgesamt, wie überhaupt die Unterschiede bei den Ausbildungswünschen auffallend gering sind. Das Potenzial des Betriebs als langfristiger Arbeitgeber manifestiert sich aus Sicht der Jugendliche wiederum in einem guten Betriebsklima und sehr guten Übernahmechancen auf sichere Arbeitsplätze. Die Priorisierung dieser Aspekte zeigt, dass sich die Jugendlichen mit der Wahl ihres Ausbildungsbetriebs vor allem die Option 70 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen für eine langfristige Lebensperspektive verschaffen möchten. Betriebe, die dies bieten können, sollten dementsprechend gerade auch hiermit werben. An zweiter Stelle wünschen sich die Jugendlichen gute Rahmenbedingungen während der Ausbildung, insbesondere im Hinblick auf die Erreichbarkeit des Betriebs und die Möglichkeit eines geregelten und auch in seinen Freizeitanteilen planbaren Lebens. Materielle Anreize wie z. B. ein iPhone als Eintrittsgeschenk spielen dabei nur eine nachgeordnete Rolle. Vor allem geht es darum, Ausbildungsbedingungen, Beruf und das Dasein außerhalb des Berufs in ein stimmiges, ausgewogenes und faires Lebenskonzept zu überführen. Was drittens die gesellschaftliche Einbettung des Betriebs betrifft, kommt es den Jugendlichen weniger auf dessen Präsenz in sozialen Medien wie Facebook an als auf dessen Image. Wir vermuten, dass die Jugendlichen zum einen vom Image auf die Ausbildungsbedingungen schließen und zum anderen bei ihrer eigenen sozialen Verortung vom guten Image des Betriebs profitieren wollen. Ähnliches ist aus der Forschung zum Image von Berufen bekannt (vgl. hierzu Kapitel 4.1.2). Vergleichsweise wenig Wert legen die Befragten zu guter Letzt auf Merkmale, die vor allem Großbetriebe kennzeichnen. Während ihnen flexible Arbeitszeiten noch relativ wichtig sind, hat es für sie keine allzu große Bedeutung, zusammen mit vielen Auszubildenden zu lernen. Allerdings zeigen sich gerade bei diesen Aspekten mit insgesamt eher nachrangiger Priorität, wie oben vermutet, Unterschiede zwischen nichtstudienberechtigten und studienberechtigten Jugendlichen. So spielen für Studienberechtigte über die Berufsausbildung hinausgehende Zusatzangebote eine deutlich zentralere Rolle. Etwas wichtiger als den sonstigen Bewerber_innen ist ihnen auch, in einer eher großbetrieblichen Umgebung zu lernen, in denen möglichst viele Auszubildende ausgebildet werden, auch wenn dieser Unterschied nicht so bedeutsam erscheint wie der Wunsch nach Zusatzangeboten. Dafür zeigen sich die Studienberechtigten kompromissbereiter bei einem Teil der Rahmenbedingungen während der Ausbildung. Eine gute Erreichbarkeit des Betriebes oder eine Ausbildung in der Nähe des Wohnortes sind für sie nicht so bedeutsam, wie dies insbesondere für die Jugendlichen mit Hauptschulabschluss der Fall ist. Es muss somit davon ausgegangen werden, dass sich im Zuge des immer größeren Anteils der ausbildungsinteressierten Jugendlichen mit Studienberechtigungen die Affinitäten zu den verschiedenen Typen von Ausbildungsbetrieben tendenziell ändern. Großbetriebe dürften davon grundsätzlich eher profitieren als kleinere Betriebe. Andererseits wünschen sich auch die studienberechtigten Jugendlichen vor allem Betriebe, die ihnen die Aussicht auf ein gesichertes und gutes Leben eröffnen. Sie zeigen sich hier ebenso wie die nichtstudienberechtigten Jugendlichen ausgesprochen konservativ. Angesichts des starken Drangs der Jugendlichen hin zu Betrieben mit dem Potenzial als langfristiger Arbeitgeber dürften somit Betriebe, die Auszubildende primär aus einer Kurzfristperspektive einstellen, weil sie bereits während der Ausbildung produktiv eingesetzt werden können und Gewinne abwerfen, am ehesten im sich verschärfenden Wettbewerb um die Jugendlichen unterliegen. 71 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Für kleinere Betriebe, die verstärkt unter Besetzungsproblemen leiden, ist wichtig, dass – wie Schank (2011b, S. 279) betont – die Unternehmensgröße auch für Studienberechtigte zunächst einmal nicht unbedingt einen ‚„We t an sich da stellt . Obwohl Jugendliche mit großbetrieblicher Ausbildung relativ viele Vorteile assoziieren wie z. B. bessere Übernahmechancen, müssen kleinere Betriebe – sofern sie auf dieselben Vorteile verweisen, ihr Potenzial als langfristiger Arbeitgeber betonen und gegebenenfalls auch qualifikationsbezogene Zusatzangebote machen können – selbst bei studienberechtigten Jugendlichen keine größeren Wettbewerbsnachteile gegenüber großen Betrieben befürchten. Allerdings müssen sie dafür sorgen, dass ihre Angebote mit derselben Wahrscheinlichkeit wie die der Großbetriebe wahrgenommen werden (vgl. dazu Kapitel 4.7.2). 4.6 Warum lehnen Betriebe bisweilen Bewerber_innen ab, selbst wenn ihre Ausbildungsplätze dann nicht besetzt werden können? Wir haben bislang die Besetzungsprobleme der Betriebe vor allem mit dem veränderten Nachfrageverhalten der Jugendlichen in Verbindung gebracht. Ein hier nicht genau quantifizierbarer Teil der Besetzungsprobleme könnte jedoch auch aus dem Umstand rühren, dass die Betriebe bisweilen Bewerber_innen selbst dann zurückweisen, wenn sie als Folge ihrer Entscheidung ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können – ähnlich wie Jugendliche Ausbildungsplatzangebote in bestimmten Berufen zurückweisen, obwohl sie damit ohne Ausbildungsstelle verbleiben. Die Betriebe werden in den bildungspolitischen Diskursen bisweilen dahin kritisiert, dass sie im Hinblick auf ihre Auswahlkriterien, welche Jugendlichen ihnen geeignet erscheinen, zu wählerisch seien. Gleichwohl folgt ihr Verhalten einer bestimmten Logik, die sich wie jedes andere Verhalten auch an den Maßstäben eines rationalen Modells spiegeln lässt, selbst wenn es vermeintlicherweise davon abzuweichen scheint. Insofern wollen wir in diesem Abschnitt spiegelbildlich zur Frage, was Jugendliche bisweilen so wählerisch erscheinen lässt, zumindest in kurzer Form auf die Frage eingehen, warum Betriebe bisweilen Bewerber_innen ablehnen, selbst wenn ihre Ausbildungsplätze dann nicht besetzt werden können. Der Schweizer Soziologe Christian Imdorf hat auf konventionensoziologischer Basis bzw. auf Basis der französischen Rechtfertigungssoziologie (vgl. Boltanski/Thévenot 2007) untersucht, wie Betriebe den Ausschluss bzw. die Zurückweisung von Bewerber_innen legitimieren (vgl. Imdorf 2012, 2015). Die Betriebe verweisen darauf, dass ein Betrieb – zusammengefasst in den Begriffen von Boltanski/Thévenot und Imdorf – ei Ko glo e at o e s hiede e ‚Welte da stellt, die eben- und miteinander bestehen und die ihren spezifischen Logiken folgen. Hierzu zählen zumindest die ‚i dust ielle Welt i de gea eitet u d p oduzie t i d , die ‚häusli he Welt i de die Mitgliede ei es Bet ie s ei e soziale Ge ei s haft ilde u d die ‚Welt des Ma ktes i der der Betrieb und seine Mitarbeiter_innen mit Zulieferern bzw. Zulieferinnen und Kund_innen in Kontakt treten). In jeder dieser Welten gelten besondere Ko e tio e u d da it au h ‚Tuge de , die au h durch Auszubildende ausgeübt werde üsse u d i sofe au h e eits ‚Be äh u gsp o e bei der Personalauswahl sind (vgl. Abbildung 18). 72 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Abbildung 18: Auszubildendenauswahl in den multiplen Welten eines Betriebes Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Imdorf 2012, 2015 I de ‚i dust ielle Welt , i de Wa e u d Die stleistu ge p oduzie t e de , e tsp e he die Jugendlichen den do t gelte de ‚Ko e tio e , e sie effizie t, p odukti u d fu ktioal ha del . Wi htige ‚Tuge de , die it diese Ko e tio e ko espo die e , si d so it eben dem Aufbau fachlicher Expertise u. a. Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen, Sorgfalt und Geschick. Ob die Ausbildungsstellenbewerber_innen nun zu den Konventionen dieser Welt passen, e su he die Bet ie e du h ‚Be äh u gsp o e he auszufi de . T pis he Be ährungsproben sind im Falle der industriellen Welt u. a. Schulabschlüsse, Schulnoten, Leistungstests, Praktika und Probetage. Im Betrieb kommen Menschen zusammen, die ihre sozialen Bedürfnisse und Ansprüche mitbringe . Da sie koope ie e üsse , ilde si h i Rah e de ‚häusli he Welt des Bet ie s Ko ventionen der Gemeinschaft heraus, die das Miteinander verlässlich und kontrollierbar machen. Juge dli he e tsp e he diese Ko e tio e , e sie i de ‚Geist des Hauses passe , ei Vorgesetzten und Kolleg_innen als willkommene neue Mitglieder der Betriebsgemeinschaft akzeptiert werden. Teamfähigkeit, Anpassungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind Tugenden, die diesen Konventionen dienen. Typische Bewährungsproben für Ausbildungsstellenbewerber_innen si d P o etage u d P aktika, a e au h das ‚Bau hgefühl der an der Personalauswahl beteiligten Mitarbeiter_innen. Kontakte bestehen im betrieblichen Alltag jedoch nicht nur unter den Betriebsangehörigen, sondern auch zu Kund_innen und Zulieferern bzw. Zulieferinnen. Dass diese reibungslos ablaufen, ist für den Geschäftserfolg des Unternehmens wesentlich. Die Mitarbeiter_innen passen in die ‚Welt des Ma ktes , e sie ei de Ku d_innen und Geschäftspartner_innen auf Akzeptanz und Gefallen stoßen. Tugenden, die dazu beitragen, dies zu erreichen, sind u. a. Umgangsformen, das äußere Erscheinungsbild und Kommunikationsfähigkeit. Zu den typischen Bewährungsproben für Ausbildungsstellenbewerber_innen zählen deshalb ihre Umgangsformen im 73 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Auswahlgespräch, bei Praktika und Probetagen, Bewerbungsfotos und das äußere Erscheinungsbild. Imdorfs Untersuchungen machen deutlich, warum es sich bei der Ausbildungswelt des Betriebes um eine Lernumgebung handelt, die im Vergleich zu einer schulischen oder hochschulischen Ausbildungswelt weitaus komplexere Zugangskriterien erforderlich macht. Während z. B. das äußere Erscheinungsbild, soziale Kompetenzen, Umgangsformen, Zuverlässigkeit und Kritikfähigkeit im Rahmen der bürokratisierten Zugangslogiken in ein Studium eher von nachrangiger Bedeutung sind und somit kaum überprüft werden, können solche Aspekte bei der Auszubildendenauswahl durch die Personalverantwortlichen nur bis zu jenem Punkt missachtet werden, an dem sie die Funktionsfähigkeit der verschiedenen Welten des Betriebes zu stören beginnen. Der in den Erziehungswissenschaften zum Teil sehr kritisch aufgenommene, 2006 veröffentlichte Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland (vgl. dazu Dobischat et al. 2012; Eberhard/Ulrich 2013; Schulte 2018; Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland 2006) korrespondiert auffallend stark mit den Tugenden, die Imdorf im Zusammenhang mit den in den verschiedenen Welten des Ausbildungsbetriebes gültigen Konventionen identifiziert hat. Auch hier spielen Aspekte, die mit dem ‚Auftreten und der Persönlichkeit der Jugendlichen zusammenhängen, eine große Rolle (vgl. auch Ebbinghaus/Gerhards 2013, S. 14). Jugendliche, die in den Betrieben ihre Berufsausbildung starten, befinden sich dort eben nicht nur in der Rolle von Schüler_innen oder Auszubildenden, sondern als Mitstreiter_innen in der industriellen, häuslichen und marktlichen Welt auch in der Rolle von Arbeitskräften, Mitarbeiter_innen, Kolleg_innen und Ansprechpartner_innen für Externe. Die damit verbundenen Rollenerwartungen schlagen sich somit auch in den Auswahlkriterien nieder und führen dazu, dass Betrieben klassische Arbeitstugenden wie Leistungsbereitschaft, Disziplin, Geschick, Rechenfähigkeiten wichtig sind – und wichtiger vielleicht, als Jugendliche bisweilen annehmen. Denn nach einer Untersuchung von Fink et al. im bayerischen Landkreis Erdi g ü e s hätze iele Juge dli he „die Bedeutu g fo ale Vo aussetzu ge S hul ote und auch die erwünschten Praxiserfahrungen und Kenntnisse ü e de Be uf (Fink et al. 2016, S. 33). Die Auto e s hlage o , „a de S hule die tatsä hli he P io itäte de Bet ie e (Fink et al. 2016, S. 33) stärker zu kommunizieren – eine Aufgabe, die sich auch der Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife gestellt hatte. Hier gibt es offenbar tatsächlich Handlungsbedarf, denn nach den Ergebnissen der DIHK-OnlineU te eh e s ef agu g e de die „Softskills, also die pe sö li he u d soziale Ko pete ze de Juge dli he „ o de U te eh e i e k itischer eingeschätzt. Für den Ausildu gse folg e de sie dadu h zu eh e d zu ‚Ha dskills , de sie kö e e ige als Le defizite du h Na hhilfe ausgegli he e de (Deutscher Industrie- und Handelskammertag 2016, S. 18). Imdorfs Untersuchungen helfen zu verstehen, warum die Betriebe solche Prioritäte setze . Zuglei h i d deutli h, a u de „ et ie li he Fle i ilität offe a G e ze gesetzt sind, die Betriebe nicht überschreiten wollen oder können, selbst wenn das bedeutet, Ausbildungsstellen un esetzt lasse zu kö e (Ebbinghaus/Gerhards 2013, S. 14). 74 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt 4.7 Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Ist das Informationsverhalten der Marktteilnehmer unzureichend? Neben beruflichen, regionalen und Merkmalsdisparitäten, die mit dem Auswahlverhalten der Marktteilnehmer zu tun haben, können auch Defizite im Informationsverhalten der Marktteilnehmer Ursache von Passungsproblemen sein: Ausbildungsinteressierte Betriebe und Jugendliche kommen als potenzielle Ausbildungsvertragspartner nicht zusammen, weil sie nicht oder nicht ausreichend voneinander wissen. Dies kann wiederum daran liegen, dass die Marktteilnehmer a) sich selbst nicht genügend über die Ausbildungsinteressen der anderen Marktseite und deren Akteure informiert haben oder b) dass sie nicht genügend die andere Marktseite und ihre Akteure über ihren Ausbildungswunsch informierten. Informationsverhalten erfolgloser und erfolgreicher Bewerber_innen Im Rahmen der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016 wurde deshalb das Informationsverhalten der Ausbildungsstellenbewerber_innen erkundet. Dieses lässt sich wiederum grob unterscheiden nach a) Aktivitäten des Sich-Informierens (z. B. durch Erkundungen im Internet), b) Unterstützungen des Informationsverhaltens der Jugendlichen durch die Schule bzw. vermittelt über die Schule (z. B. durch Betriebsbesuche mit der Klasse), c) sonstiger institutioneller Unterstützung der Jugendlichen (z. B. durch Gespräche mit dem bzw. der Berufsberater_in der Bundesagentur für Arbeit) und d) Kooperationsanbahnungen der Jugendlichen zu Betrieben (z. B. durch Versand von schriftlichen Bewerbungen). Wir wollen die Antworten der Jugendlichen zum einen dahingehend analysieren, welche Aktivitäten in welchem Ausmaß zu beobachten waren. Diese Analysen führen wir wiederum für die nordrhein-westfälischen Proband_innen und für die Proband_innen aus ganz Deutschland durch. Zum anderen untersuchen wir, inwieweit sich die Antworten der Jugendlichen in Abhängigkeit ihres Vermittlungserfolges unterscheiden. Dabei unterscheiden wir drei Gruppen: ̶ ̶ ̶ Bewerber_innen, die erfolgreich in eine Ausbildungsstelle einmündeten, Bewerber_innen, die bis zum Ende des Berichtsjahres bei ihrer Suche erfolglos bleiben, die sonstigen Bewerber_innen, die aus welchen Gründen auch immer ihren Vermittlungswunsch noch vor dem Stichtag 30. September wieder stornieren. Diese Unterscheidung treffen wir, um im Vergleich mit den erfolgreichen Ausbildungsstellenbewerber_innen Anhaltspunkte zu sammeln, ob der fehlende Einmündungserfolg der zweiten Gruppe auch mit einem unterdurchschnittlich ausgeprägten Informationsverhalten zusammenhängen könnte. Da die Differenzierung nach den drei verschiedenen Verbleibsgruppen für Nordrhein-Westfalen allein zu sehr kleinen Teilstichprobengrößen führen würde, erfolgt sie hier ausschließlich für Deutschland insgesamt. Die Ergebnisse finden sich in Tabelle 20. 75 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 20: Informationsverhalten der Ausbildungsstellenbewerber_innen des Jahres 2016 (in %) da runter (offi zi el l er Verbl ei b): Nordrhei nWes tfa l en Ei nmündung i n ei ne Deuts chl a nd Aus bi l dungs i ns ges a mt s tel l e bi s zum Sti chta g erfol gl os s uchend vorzei ti ge Storni erung des Vermi ttl ungs a uftra ges Sp.1 Sp.2 Sp.3 Sp.4 Sp.5 ● Informa ti on über di e ei genen berufl i chen Mögl i chkei ten (z.B. Internet) ● Hä ufi ge Ges prä che mi t den El tern über di e Berufs wa hl ● Hä ufi ge Ges prä che mi t den Freunden über di e Berufs wa hl 57,1 55,6 52,6 58,7 58,4 58,9 58,1 58,9 60,4 56,1 48,3 45,5 40,4 51,1 50,2 ● Bes uch des Berufs i nforma ti ons zentrums (BIZ) 41,1 35,5 33,0 39,5 37,4 ● Bes uch von Berufs mes s en und Aus ol bi vi l dungs l enbörs enl l i gen Pra kti kums ● Abs erungs tel ei nes frei wi (z.B. i n den Feri en) 47,3 48,1 46,5 54,0 48,1 30,2 33,0 37,6 27,3 29,0 ● Ei nzel ges prä che mi t Lehrern und a nderen Pä dauch gogen ● Bes ei nes Berufs bera ters i n der ei genen 23,5 19,6 16,1 22,3 23,4 39,7 41,4 41,0 39,5 42,6 Schul kl avon s s eBetri eben mi t der Schul kl a s s e ● Bes uch 17,2 18,9 17,5 18,3 20,9 ● Abs ol vi erung ei nes Schül erpra kti kums 59,3 59,5 58,8 60,8 60,0 ● Ei nzel ges prä che mi t ei nem Berufs bera ter der Bundes a gentur für Arbei t 66,1 61,9 61,0 69,5 60,0 ● Berufs ei ns ti egs begl ei ter bzw. Mentor 11,1 12,1 10,9 17,6 11,7 ● Berufs wa hl pa s s 8,8 7,2 6,4 6,6 8,7 ● Tei l na hme a n berufl i chen Ei gnungs tes ts 29,8 28,7 28,7 28,2 28,8 ● Na chfra ge bei Betri eben bzgl . Aus bi l dungs mögl i chkei ten 41,2 38,2 35,7 37,9 41,8 ● Vers a nd von s chri ftl i chen Bewerbungen 83,5 83,1 88,1 84,1 75,8 ● Tei l na hme a n Vors tel l ungs ges prä chen 62,9 61,3 71,7 56,1 49,4 ● Tei l na hme a n Ei gnungs tes ts 50,2 45,6 52,6 44,4 36,5 ● betri ebl i ches Pra kti kum 52,9 54,9 59,7 51,1 49,8 ● Probea rbei t 29,9 27,9 30,6 23,3 26,2 Sti chprobengröße (ungewi chtet) ≤ Aktivitäten des Sich-Informierens Unterstützung durch die Schule bzw. vermittelt über die Schule Sonstige institutionelle Unterstützung Kooperationsanbahnungen zu Betrieben ≤ . ≤ ≤ 2.273 . ≤ ≤ 1.278 ≤ ≤ 629 ≤ ≤ Les ebei s pi el : Unter denjeni gen, di e i n ei ne Aus bi l dungs s tel l e ei nmündeten, beri chteten 58,9% von hä ufi gen Ges prä chen mi t i hren El tern. Al l e Antei l s berechnungen ohne Pers onen, di e kei ne Anga ben ma chten. Beri chtet werden di e gewi chteten Berechnungs ergebni s s e. Quelle: BA-BIBB-Bewerberbefragung 2018 Wie zunächst der Vergleich der Spalten 1 und 2 in Tabelle 20 zeigt, unterscheidet sich das Informationsverhalten der Bewerber_innen in NRW kaum von dem der Bewerber_innen in Gesamtdeutschland. Es scheint im Schnitt eher noch etwas stärker ausgeprägt zu sein. Auch die Unterstützungen durch die Schule sowie durch sonstige Institutionen fallen nicht schwächer aus. Wir 76 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen wollen uns deshalb im Folgenden auf die Unterschiede zwischen den erfolglos suchenden und den erfolgreichen Bewerber_innen konzentrieren (Spalten 3 und 4 in Tabelle 20). Was das Sich-Informieren betrifft, so zeigte sich die Gruppe der erfolglos suchenden Bewerber_innen – wahrscheinlich auch als Konsequenz der längeren Suchzeiten – tendenziell aktiver als die erfolgreichen Bewerber_innen. Sie hatte sich häufiger über die eigenen beruflichen Möglichkeiten im Internet informiert (58,7 % versus 52,6 %), führte darüber öfter Gespräche mit Freund_innen (51,1 % versus 40,4 %), besuchte häufiger das Berufsinformationszentrum (39,5 % versus 33,0 %) oder Berufsmessen (54,0 % versus 46,5 %). Eine Ausnahme bildet alleine das Absolvieren eines freiwilligen Praktikums, von dem erfolglose Bewerber_innen deutlich seltener als erfolgreiche berichteten (27,3 % versus 37,6 %). Dieser Unterschied dürfte darauf zurückzuführen sein, dass ein solch freiwilliges Praktikum bereits von der Zustimmung eines Betriebes abhängig ist. Zustimmungen eines Betriebes für Kooperationsanbahnungen einzuholen, gelang den erfolglos suchenden Bewerber_innen seltener, wie der untere Teil der Tabelle 20 zeigt. So nahmen die erfolglos suchenden Bewerber_innen nicht nur seltener an Praktika (51,1 % versus 59,7 %) und Probearbeiten teil (23,3 % versus 30,6 %), sondern auch an Vorstellungsgesprächen und Eignungstests. Dies war der Fall, obwohl die erfolglos Suchenden ähnlich oft berichteten, bei den Betrieben nach Ausbildungsmöglichkeiten gefragt (37,9 % versus 35,7 %) bzw. sich beworben zu haben (84,1 % versus 88,1 %) und dies auch, wie Tabelle 21 zeigt, pro Person im Schnitt intensiver taten als die erfolgreichen Bewerber_innen. Tabelle 21: Intensität der Kooperationsanbahnungsversuche zu den Betrieben (berechnet nur für diejenigen, die von entsprechenden Versuchen berichteten) darunter (offizieller Verbleib): NordrheinWestfalen Deutschland insgesamt vorzeitige Einmündung in Stornierung des eine Ausbildungs- bis zum Stichtag Vermittlungserfolglos suchend stelle auftrages Mittelwert1) Median2) Mittelwert1) Median2) Mittelwert1) Median2) Mittelwert1) Median2) Mittelwert1) Median2) 23,8 18 19,8 10 18,5 10 25,3 20 19,3 10 35,3 25 27,6 20 25,1 15 36,4 25 27,8 20 Mittlere Zahl der Kooperationsanbahnungsversuche zu Betrieben (berechnet nur für diejenigen, die von solchen Versuche berichteten): ● Zahl der Nachfragen bei Betrieben bzgl. Ausbildungsmöglichkeiten ● Zahl der schriftlichen Bewerbungen Stichprobengröße (ungewichtet) ≤ ≤ ≤ ≤ . ≤ ≤ . ≤ ≤ 154 ≤ ≤ 1) Um statistischen Ausreißern bei der Mittelwertsberechnung nicht ein übermäßiges Gewicht zu verleihen, wurden alle Werte oberhalb des 95. Perzentils auf den Wert des 95. Perzentils zurückgesetzt. 2) Der Median ist derjenige Wert in der in aufsteigender Folge geordneten Reihe der Messwerte, bei dem erstmalig mindestens die Hälfte der Probanden einen niedrigeren oder allenfalls gleich hohen Wert aufweisen. Lesebeispiel: Die mittlere Anzahl der Bewerbungen von Personen, die in eine Ausbildungsstelle einmündeten, lag bei 25,1. Der Median betrug 15. Berichtet werden die gewichteten Berechnungsergebnisse Quelle: BA-BIBB-Bewerberbefragung 2018 77 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Alles in allem erhielten die erfolglos Suchenden auch nicht weniger Unterstützung über die Schule oder durch sonstige Institutionen (vgl. nochmals Tabelle 20 und hier den mittleren Teil). Demnach lassen sich aus der BA/BIBB-Bewerberbefragung keine Hinweise darauf finden, dass der fehlende Einmündungserfolg der erfolglos suchenden Bewerber_innen womöglich auf ein im Vergleich zu anderen Bewerbergruppen schwächer ausgeprägtes Informationsverhalten zurückzuführen sei. Vielmehr deuten die selteneren Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, Eignungstests, Praktika und Probearbeiten darauf hin, dass diese Bewerber_innen verstärkt am Auswahlverhalten scheiterten: einerseits am Auswahlverhalten der Betriebe, welche seltener auf ihre Anfragen und Bewerbungen positiv reagierten, aber andererseits auch am eigenen Auswahlverhalten, bezogen auf die Berufe, Regionen und Betriebe, die sie bei ihren Bewerbungen in Betracht zogen (vgl. die Kapitel 4.1 bis 4.6). Wie erfolgreiche Bewerber_innen auf ihre Ausbildungsstelle aufmerksam wurden Im Rahmen der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016 wurde darüber hinaus untersucht, wie erfolgreiche Ausbildungsstellenbewerber_innen letztlich zu ihren Ausbildungsplätzen fanden und ob sich dabei Unterschiede zwischen verschiedenen Bewerbergruppen feststellen lassen. Ziel war es, Hinweise für Betriebe zu finden, auf welchen Wegen sie am ehesten jenen ausbildungsinteressierten Bewerbergruppen begegnen, an deren Einstellung sie in besonderem Maße interessiert sind. Wir konzentrieren uns an dieser Stelle auf das Merkmal Schulabschluss und wollen untersuchen, ob Studienberechtigte, die immer häufiger unter den Ausbildungsstellenbewerber_innen zu finden sind (vgl. Kapitel 2.3.1), zum Teil andere Wege als die sonstigen Bewerber_innen einschlagen, um zu ihrer Ausbildungsstelle zu finden. Da Berechnungen ausschließlich für nordrheinwestfälische Bewerber_innen nur auf der Basis sehr kleiner Teilstichproben möglich wären, führen wir nach dem Schulabschluss differenzierte Analysen wiederum für die Bewerber_innen in Deutschland insgesamt durch. Die Ergebnisse finden sich in Tabelle 22. Demnach wurden studienberechtigte Ausbildungsstellenbewerber_innen tatsächlich auf zum Teil andere Weise auf ihren Ausbildungsplatz aufmerksam. So führte der Weg in ihre Berufsausbildung relativ selten über ein Praktikum (nur bei 10,4 % gegenüber 31,7 % bei Bewerber_innen mit Hauptschulabschluss). Dagegen spielten die Medien (das Internet und nachrangig auch Printmedien) eine zentrale Rolle (49,4 % versus 18,3 % bei Bewerber_innen mit Hauptschulabschluss). Die studienberechtigten Bewerber_innen nutzten nicht nur die Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit (22,7 %) und anderer Jobbörsen (7,9 %), sondern auch die Internetseiten der Betriebe selbst (17,3 %). Die Wege, auf denen Studienberechtigte ihren Ausbildungsplatz suchen und finden, sind somit deutlich stärker als bei anderen Bewerbergruppen medial geprägt. Betriebe, die angesichts des stetig steigenden Anteils studienberechtigter Ausbildungsstellenbewerber_innen darauf angewiesen sind, künftig auch mehr Auszubildende aus diesem Bewerberkreis zu gewinnen, müssen sich dementsprechend auf diese Zugangslogiken der Studienberechtigten einstellen (vgl. Kapitel 5.1.1). 78 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 22: Wege erfolgreicher Ausbildungsstellenbewerber_innen zu ihrem Ausbildungsplatz (in %) da runter: Die erfolgreichen Ausbildungsstellenbewerber wurden auf ihre Ausbildungsstelle aufmerksam dur h … ehrere A tworte ögli h Nordrhei nWes tfa l en Deuts chl a nd Ha upts chul i ns ges a mt a bs chl us s mi ttl erer Abs chl us s Studi enberechti gung Sp.1 Sp.2 Sp.3 Sp.4 Sp.5 … Dritte aus de i stitutio elle Beratu gs- u d Unterstützungsumfeld 33,3 31,8 30,3 30,9 33,4 ● … i h e Be ufs e a te de Age tu fü A ei t 32,2 30,6 27,3 30,1 33,4 ● … i h e Ei s tiegs egl ei te 1,9 1,6 3,5 0,9 0,4 … Dritte aus de z . Me to soziale U feld 34,1 35,1 29,0 40,0 31,7 a dte 19,2 23,4 19,0 29,0 16,4 te 19,2 16,8 13,7 17,2 19,7 … das I ter et u d Pri t edie 29,3 29,8 18,3 27,9 49,4 ● … di e I te ets ei te de Bu des a ge tu fü Arbei t (z.B. pl a net-beruf.de, Jobbörs e) ● … a de e Jo ö s e i I te et 12,4 11,7 9,5 8,5 22,7 3,6 6,0 5,4 5,4 7,9 ● … di e I te ets ei te des Bet i e es 6,6 9,4 2,0 9,8 17,3 ● … Su fe i s ozi a l e Netz e ke 3,5 3,5 4,0 3,5 3,3 ● … ei e Stel l e a zei ge i de Zei tu g 5,4 4,6 1,7 5,1 6,7 ● … We u g des Bet i e s fü f ei e Aus bi l dungs s tel l en i n Di gi tal - und Pri ntmedi en 4,0 2,5 1,4 2,3 4,3 5,8 8,1 4,8 10,9 6,5 ● … ei e Bes u h des Aus i l du gs et i e s i i hrer Schul e ● ... ei nen Aus ha ng (z.B. i n der Schul e) 2,3 3,1 3,1 3,6 2,3 2,0 1,8 0,9 2,7 0,8 ● … de Ko takt i t de Aus bi l dungs mes s e 2,3 4,3 0,8 6,2 4,1 16,9 24,4 31,7 27,6 10,4 n = 248 n = 1.312 n = 315 n = 678 n = 282 ● … i h e El te z . Ve ● … i h e F eu de/Beka … S hul esu he, Aushä ge, Messeteil ah e der Betriebe Bet i e ei ei e … ei Praktiku Sti chprobengröße (ungewi chtet) Beri chtet werden di e gewi chteten Berechnungs ergebni s s e Quelle: BA-BIBB-Bewerberbefragung 2018 Informationsverhalten der Betriebe Wenden wir uns nun wiederum spiegelbildlich dem Informationsverhalten der Betriebe zu. Nach den Ergebnissen einer standardisierten Befragung von rund 2.300 Betrieben im Rahmen des BIBB-Forschungsprojektes Rekrutierung von Auszubildenden – Betriebliches Rekrutierungsverhalten im Kontext des demografischen Wandels (Ebbinghaus 2017) werden die Rekrutierungsversuche durch die Betriebe „ o z ei Wege do i ie t – je einem direkten und einem indirekten. Der dominante indirekte Akquiseweg führt über die örtliche Arbeitsagentur oder das Jobcenter und kann – da er von annähernd allen befragten Betrieben eingeschlagen wurde – als Standard angesehen werden. Der vorherrschende direkte Weg besteht in der Durchführung von Schüler- und anderen Betriebspraktika, um potenzielle Ausbildungsplatzbewerber/-innen zu gewinnen. Vier von fünf befragten kleinen und mittleren Betrieben der ausgewählten Segmente greifen hierauf zurück. 79 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Die übrigen direkten wie indirekten Wege werden von deutlich weniger Betrieben genutzt. Dabei scheint ein Zusammenhang mit dem finanziellen und oder zeitlichen Aufwand, den die Wege mit sich bringen, zu bestehen. Je aufwändiger ein Akquiseweg ist, desto kleiner ist der A teil de Bet ie e, die auf ih zu ü kg eife (Ebbinghaus 2017, S. 14). Fink et al. (2016, S. 34f.) verweisen in ihrer Mitte dieses Jahrzehnts durchgeführten Untersuchung der Passungsprobleme im bayerischen Landkreis Erding allerdings darauf, dass auf dem Ausbildungsmarkt erfolglose Betriebe keineswegs ein weniger intensives Informationsverhalten zeigen als Ausbildungsbetriebe ohne Vakanzen und ohne Probleme bei der Auszubildendensuche. Das Gegenteil ist der Fall: Deutlich häufiger nahmen sie an berufsorientierenden Veranstaltungen in Schulen teil (37,3 % versus 29,6 % bei Betrieben ohne Vakanzen), beteiligten sich an Ausbildungsmessen (20,9 % versus 13,8 %), boten Schülerpraktika an (94,0 % versus 81,6 %), meldeten ihre Plätze der Bundesagentur für Arbeit (74,6 % versus 40,0 %) und warben in Printmedien (61,2 % versus 31 %) bzw. im Internet (46,3 % versus 32,3 %). Da auch in der Erdinger Region vor allem jene Betriebe Besetzungsprobleme hatten, die eher geringere Ansprüche an die schulische Vorbildung stellen (vgl. Kapitel 2.3), können die Besetzu gsp o le e „ ede du h zu hohe A sp ü he o h du h ei a gel des I fo atio s e halte de Bet ie e e klä t e de (Fink et al. 2016, S. 34). Vielmehr scheinen die Besetzungsprobleme – aus Sicht der Betriebe – eher mit dem Auswahlverhalten der Jugendlichen zu tun zu haben, welche die angebotenen Ausbildungsberufe nicht als attraktiv genug wahrnehmen (vgl. Kapitel 4.1). Es ist davon auszugehen, dass diese Schlussfolgerung auch auf die nordrhein-westfälischen Betriebe mit Besetzungsproblemen übertragen werden kann. Denn das bundesweit durchgeführte BIBB-Qualifizierungspanel erbrachte bereits 2011 ein ähnliches Ergebnis (vgl. Ebbinghaus/Gerhards 2013). Eine höhere Flexibilität bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen zeigten nicht die Betriebe, die all ihre Ausbildungsplätze besetzen können, sondern zur Überras hu g de Auto e u gekeh t die „Bet ie e it Vaka ze ei Aus ildu gsstelle (Ebbinghaus/Gerhards 2013, S. 1). Bei den Betrieben mit Besetzungsproblemen handelt es sich wiederum sehr häufig um kleinere Betriebe (vgl. Frei/Dahms/Prick 2014, S. 44f.; Troltsch 2017, S. 233). Auch wenn somit kleinere Betriebe bzw. Betriebe mit Besetzungsproblemen eher größere Anstrengungen unternehmen, um über ihre Ausbildungsplätze zu informieren, zeichnen sich womöglich dennoch zwischen den Betrieben Unterschiede darin ab, auf welchem Wege sie dies versuchen. So spielen nach den Ergebnissen des BIBB-Forschungsprojektes Rekrutierung von Auszubildenden netzbasierte Akquiseversuche über die eigenen Internetseiten in den von Studienberechtigten häufig gewählten Berufen Fachinformatiker_in (84 %) oder Kaufmann/frau für Versicherungen und Finanzen (72 %) eine wesentlich größere Rolle als in den Handwerksberufen Friseur_in (50 %) oder Bäcker_in (44 %) (vgl. Ebbinghaus 2017, S. 16; Ebbinghaus et al. 2016a, S. 7; Ebbinghaus et al. 2016b, S. 7). Nach Ebbinghaus (2017, S. 16) tendieren Betriebe bei Ausbildungsberufen mit hohem Kundenkontakt häufig dazu, persönliche Kontakte als Akquiseinstrument einzusetzen (Friseur_in: 66 %, Restaurantfachmann/-frau: 67 %), während solche Kontakte in Berufen wie Fachinformatiker_in (33 %) oder Elektroniker_in für Betriebstechnik (27 %) viel seltener gewählt werden. 80 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Dornmayr (2016, S. 24f.) weist in seinen Analysen zu den Passungsproblemen in Österreich darauf hin, dass Unternehmen auf dem Ausbildungsmarkt – oft in Abhängigkeit ihrer Größe – über eine unterschiedlich starke Marktposition verfügen. Im Zuge des zunehmenden Bewerbermangels wird die Rekrutierung von Auszubildenden für alle Unternehmen werbe- und kostenintensiver. Doch ist es für große Unternehmen oft leichter, das entsprechende Budget so stark auszuweiten, dass ihre Ausbildungsangebote im Internet und in den sonstigen Medien weiterhin deutlich stärker wahrgenommen werden als die Angebote kleiner Unternehmen. Somit gelingt es ihnen, die Ausbildungsplatznachfrage weitgehend an den kleinen Betrieben vorbei auf sich selbst zu lenken und weiterhin Nachfrageüberschüsse zu erzielen. Diese Nachfrageüberschüsse ermöglichen ihnen bei der Bewerberauswahl zwar Freiheitsgrade, vermehren aber auch das Gros der erfolglosen Bewerber_innen. Zugleich können die im Wettbewerb um Aufmerksamkeit unterlegenen kleinen Betriebe ihre Ausbildungsstellen deutlich seltener besetzen, zumal sie ohehi it de P o le zu kä pfe ha e , dass sie „oft die e ige att akti e Aus ildu gsplätze a iete (Baas/Baethge 2017, S. 31). Zur starken Marktposition der großen Unternehmen trägt auch bei, dass sie zumeist allgemein bekannt sind und mit ihrem Namen und ihrer Größe gerade auch studienberechtigte Bewerber_innen verstärkt ansprechen (vgl. Kapitel 4.5). Darüber hinaus kommt ihnen zugute, dass sie zumeist auch über elaborierte unternehmensspezifische Internetauftritte verfügen, welche studienberechtigte Bewerber_innen öfter als andere Bewerber_innen aufsuchen (vgl. Kapitel 4.7.2). Nach Ansicht von Berufsbildungsfachleuten könnten kleinere Betriebe zur Abschwächung solcher Dominanzen versuchen, untereinander Ausbildungsverbünde zu schließen, um hierüber ih e „Positio a Aus ildu gs a kt zu stä ke u d dadu h die Cha e zu e höhe , Be e ber/-i e u d Auszu ilde de zu ge i e (Ebbinghaus et al. 2017, S. 26). Eine weitere Möglichkeit könnte darin bestehen, über vorhandene Geschäftsbeziehungen den Kontakt zu großen Unternehmen herzustellen und mit ihnen zu kooperieren. Nach der oben bereits zitierten Befragung des BIBB-Expertenmonitors halten immer 79 % der Berufsbildungsfachleute solche Kooperationen für (eher oder sehr) sinnvoll (vgl. Ebbinghaus et al. 2017, S. 18). Sie könnten den kleineren Betrieben die Möglichkeit verschaffen, über das Renommee der großen Unternehmen in Kontakt zu potenziellen Auszubildenden zu gelangen (vgl. auch Seiterle 2017). 4.8 Spielen statistische Artefakte eine Rolle? Eine der Fragen, die in den vorausgegangenen Ausführungen immer wieder in den Vordergrund rückte, war, warum in Nordrhein-Westfalen die Quote der erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage nicht stärker sank, obwohl sich die Marktverhältnisse zugunsten der Jugendlichen veränderten und der Anteil der bis zum Ende des (Berichts-)Jahres offenen Stellen so deutlich anstieg. Wir verwiesen in unseren Antworten bislang vor allem auf ein geändertes Nachfrageverhalten, das einen Teil der Berufe für die Jugendlichen nicht als ausreichend attraktiv erscheinen lässt, und auf potenzielle Fehleinschätzungen der Jugendlichen im Hinblick auf ihre Bewerbungschancen in den von ihnen favorisierten Berufen. 81 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Matthes/Ulrich (2015) machen nun deutlich, dass die Quote erfolgloser Ausbildungsplatznachfrage auch aus statistischen Gründen steigen oder fallen kann – im Extremfall selbst dann, wenn sich die Ausbildungsmarktverhältnisse faktisch nicht veränderten. Das Phänomen resultiert aus dem Umstand, dass nicht alle bei den Beratungs- und Vermittlungsdiensten registrierten Ausbildungsstellenbewerber_innen offiziell zur Ausbildungsplatznachfrage gerechnet werden. Unberücksichtigt bleiben Bewerber_innen, für die die Vermittlungsbemühungen noch vor dem Stichtag 30. September eingestellt werden, weil sie a) sich ungeachtet eines bislang ausbleibenden Einmündungserfolgs in eine Ausbildungsstelle zunächst oder dauerhaft zu einem anderen Weg entschlossen (z. B. erneuter Schulbesuch), oder aber, weil sie b) den Kontakt zu den Beratungs- und Vermittlungsdiensten irregulär abbrechen. 2017 trafen die beiden Varianten auf 54.840 der insgesamt 136.973 nordrhein-westfälischen Bewerber_innen zu.18 Wie Untersuchungen zeigen, sind in beiden Gruppen größere Anteile von Personen zu finden, die erfolglos nach einem Ausbildungsplatz gesucht hatten und grundsätzlich weiterhin an einer dualen Berufsausbildung interessiert sind (vgl. Schier/Ulrich 2017). Ändert sich nun das Verhalten dieser Jugendlichen im Umgang mit den Beratungs- und Vermittlungsdiensten (indem sie z. B. sie vermehrt ihren Vermittlungswunsch bis zum Stichtag aufrechterhalten), oder gehen die Dienste offensiver dem tatsächlichen Verbleib der Jugendlichen nach, die den Kontakt abbrachen, schlägt sich ihre Erfolglosigkeit auch stärker im Messergebnis der offiziell erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage nieder. Aufgrund dieses Phänomens hängt die Entwicklung der offiziell erfolglosen Ausbildungsplatznachfrage nicht nur von der jeweiligen Höhe des betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots ab, sondern auch von den relativen Anteilen der Ausbildungsstellenbewerber_innen, für die die Vermittlungsbemühungen vorzeitig eingestellt werden. Matthes/Ulrich (2015) wiesen diese Zusammenhänge auf der Ebene der 16 Bundesländer für den Zeitraum 2009 bis 2014 nach. Besonders auffallend war damals die Entwicklung im Stadtstaat Hamburg, in dem sich die Quote der erfolglosen Nachfrage stark erhöhte (und sich damit auch die offizielle Angebots-NachfrageRelation deutlich verschlechterte), es aber keine Anzeichen für einen faktisch so starken Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt gab. Die Ursache war der beträchtliche Rückgang der unbekannt verbliebenen Bewerber_innen, da entschieden worden war, ihrem tatsächlichen Verbleib konsequenter als früher nachzugehen (vgl. Christe 2013; Deutschmann et al. 2013). Das Ausmaß der Erfolglosigkeit dieser Bewerber_innen blieb damit nicht mehr latent, sondern schlug sich nun auch in der offiziellen Ausbildungsmarktstatistik nieder. 18 Darunter waren 28.454, die die Beratungs- und Vermittlungsdienste über ihren alternativen Verbleib informierten, und 26.386, die den Kontakt irregulär abbrachen (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017b, Tabelle 2.1). 82 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Die von Matthes/Ulrich (2015) für die Länder dokumentierten Zusammenhänge lassen sich, wie Tabelle 23 zeigt, auch auf der Ebene der Arbeitsagenturbezirke für den Untersuchungszeitraum 2013 bis 2017 bestätigen, sowohl für Deutschland insgesamt als auch für Nordrhein-Westfalen.19 Denn neben dem Phänomen, dass die Quote der erfolglosen Nachfrage in den Regionen erwartungsgemäß sinkt, wenn das betriebliche und außerbetriebliche Angebot steigt (vgl. die beiden ersten in der Tabelle aufgeführten Einflussfaktoren und vgl. zu den möglichen Ursachen für die unterschiedlich hohen Koeffizienten der beiden Angebotsvarianten Kapitel 4.4), fällt die Quote höher aus, wenn die Anteile der Bewerber_innen mit vorzeitiger Stornierung des Vermittlungsauftrages bzw. mit irregulärem Kontaktabbruch sinken. Steigt demnach in einer Region die Quote der erfolglosen Nachfrage, ist somit auch stets zu prüfen, ob dies auch mit sinkenden Anteilen von Bewerber_innen mit vorzeitiger Stornierung des Vermittlungsauftrages bzw. mit irregulärem Kontaktabbruch zu tun haben könnte. Die Anteile der vorzeitigen Stornierer_innen und Kontaktabbrecher_innen sind somit neben den Ausbildungsplatzangebotsverhältnissen wichtige Einflussfaktoren auf die Quotenentwicklung der erfolglosen Nachfrage in den einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalens und Deutschlands. Gleichwohl können sie über alle Regionen hinweg betrachtet die relativ große Stabilität der Quote erfolgloser Nachfrage im Zeitraum 2013 bis 2017 nicht erklären. Denn im Schnitt verbesserten sich die betrieblichen Ausbildungsangebotsverhältnisse für die Jugendlichen in NRW, und die Bewerberanteile der vorzeitigen Stornierer_innen des Vermittlungsauftrages und der unbekannt Verbliebenen blieben relativ unverändert. Lediglich die außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebote nahmen weiter ab und wirkten den anderen Faktoren leicht entgegen. Demnach hätte es insgesamt eher weniger erfolglose Nachfrager_innen geben müssen. Do h u te Auspa tialisie u g ‚He aus e h u g all diese Ei flüsse ka es z ischen 2013 bis 2017 in den Regionen zu einer Entwicklung, welche die Quote erfolgloser Nachfrage rechnerisch eher stärkte. Dies zeigen in Tabelle 23 die signifikant positiven Abweichungen der Jahre 2014 bis 2017 vom Ausgangsjahr 2013. Diese rechnerische Stärkung der Erfolglosenquote korrespondiert, wie weitere, hier nicht aufgeführte Berechnungen zeigen, mit dem steigenden Anteil unbesetzter Ausbildungsplatzangebote in dieser Zeit. Dies kann im Sinne der wachsenden Passungsprobleme so interpretiert werden, dass die noch offenen Stellen von den Jugendlichen, die erfolglos Ausbildungsplätze nachfragten, zunehmend außer Acht gelassen wurden. 19 Frühere Jahre können aufgrund der erst seit 2013 bestehenden aktuellen Zuschneidung der Arbeitsagenturbezirke nicht berücksichtigt werden; die Ergebnisse dürften aber von der Tendenz her nicht anders ausfallen. 83 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 23: Statistische Einflussgrößen auf die regionale Entwicklung der erfolglosen Ausbildungsplatznachfragequote in den Jahren 2013 bis 2017 Nordrhei nWes tfa l en Deuts chl a nd 17,516 13,463 ● wenn di e Za hl der betri ebl i chen Aus bi l dungs pl a tza ngebote je 100 Aus bi l dungs i nteres s i erte um ei nen Pl a tz höher a us fä l l t ● wenn di e Za hl der a ußerbetri ebl i chen Aus bi l dungs pl a tza ngebote je 100 Aus bi l dungs i nteres s i erte um ei nen Pl a tz höher a us fä l l t -0,672 *** -0,419 *** -0,934 *** -0,855 *** ● wenn der Antei l der Bewerber mi t vorzei ti ger Storni erung um ei nen Prozentpunkt niedriger a us fä l l t ● wenn der Antei l der Bewerber mi t i rregul ä rem Kontaktabbruch um ei nen Prozentpunkt niedriger a us fä l l t +0,670 *** +0,441 *** +0,584 *** +0,530 *** ● i m Ja hr 2014 +0,211 +0,198 ● i m Ja hr 2015 +0,306 +0,339 * ● i m Ja hr 2016 +0,677 ** +0,467 ** ● i m Ja hr 2017 +0,677 ** +0,529 ** 5 30 150 71,1% 5 154 770 56,1% Regi ona l er Antei l der erfol gl os en Aus bi l dungs pl a tzna chfra ge bei durchs chni ttl i chen Verhä l tni s s en i m Aus ga ngs ja hr 2013 (i n %) Ve ä de u g di es es A tei l s u …. %-Pu kte : Da rüber hi na us gehende Zuwä chs e i m Zei tverl a uf (jewei l s gegenüber dem Aus ga ngs ja hr 2013): Zus a mmenfa s s ende Stati s ti ken ● ● ● ● Za hl der unters uchten Ja hre Za hl der unters uchten Regi onen Za hl der unters uchten "Regi onenja hre" Erkl ä rte Va ri a nz der regi ona l en Entwi ckl ung *p≤ , ** p ≤ , *** p ≤ , ei z ei s ei ti ge Tes ts Ergebni s s e ei nes l i nea ren Regres s i ons model l s ("Wi thi n-Model l s " a uf Ba s i s regi ona l er Lä ngs s chni tts da ten) Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); eigene Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 84 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen 5 Maß ah e Wie in den vorausgegangenen Kapiteln dargelegt wurde, entstehen Passungsprobleme, wenn Teilnehmer auf den beiden Seiten des Ausbildungsmarktes nicht mehr zusammenfinden (vgl. Kapitel 2). Die Ursachen können mit dem Informations- und/oder Auswahlverhalten zusammenhängen. Zum einen ist möglich, dass sich die Marktteilnehmer nicht genügend gegenseitig über ihre Ausbildungswünsche informieren (vgl. Kapitel 4.7). Zum anderen können die Auswahlkriterien der Teilnehmer auf den beiden Seiten des Marktes voneinander abweichen: bezogen auf den Beruf (vgl. Kapitel 4.1 und 4.2) oder die Region, in der ausgebildet werden soll (vgl. Kapitel 4.3 und 4.4), bzw. auf die Merkmale, über die die Ausbildungsvertragspartner verfügen sollen (vgl. Kapitel 4.5 und 4.6). Als Folge des unzureichenden Informationsverhaltens bzw. des voneinander abweichenden Auswahlverhaltens werden zum Ende des Berichtsjahres sowohl viele unbesetzte Ausbildungsstellen als auch viele erfolglose Ausbildungsstellenbewerber_innen registriert (vgl. Kapitel 3). Wir wollen in diesem Schlusskapitel nun erörtern, welche Möglichkeiten es gibt, um die in den letzten Jahren gestiegenen Passungsprobleme wieder einzudämmen, und werden hierzu Vorschläge benennen. Zugleich wollen wir berichten, inwieweit Berufsbildungsfachleute die Vorschläge unterstützen. Die rund 400 hierzu befragten Fachleute stammen aus dem BIBB-Expertenmonitor, der im Frühjahr 2018 parallel zur Erstellung dieses Berichts durchgeführt wurde und ebenfalls Ursachen und Maßnahmen der Passungsprobleme zum Thema hatte (vgl. Eberhard et al. 2018 sowie Kapitel 4.1.1). Grundsätzlich können Passungsprobleme, wie Abbildung 19 zeigt, auf unmittelbarem (I.) und auf mittelbarem Wege (II.) angegangen werden. (1) Die unmittelbaren und – sofern erfolgreich – besonders effizienten Wege (in Abbildung 19 gelb eingefärbt) bestehen in Versuchen, die bei der Berufsberatung gemeldeten Ausbildungsstellen, die unbesetzt zu bleiben drohen, und die dort gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber_innen, die vermutlich erfolglos bleiben dürften, stärker als bislang miteinander in Verbindung zu bringen. Sind solche Maßnahmen erfolgreich, verringern sie das Passungsproblem äußerst effizient. Denn sie reduzieren die Erfolglosenanteile stets zugleich auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes: Die letztlich doch noch besetzten Ausbildungsstellen verbinden sich mit letztlich doch noch erfolgreichen Bewerber_innen. (2) Die mittelbaren Wege (in Abbildung 19 rötlich eingefärbt) bestehen darin, zugunsten der bereits registrierten ausbildungsinteressierten Betriebe und ihrer Ausbildungsplatzangebote neue, zusätzliche Nachfrage unter den Jugendlichen zu erschließen (II a) bzw. umgekehrt zugunsten der bereits registrierten ausbildungsinteressierten Jugendlichen neue, zusätzliche Ausbildungsplätze zu gewinnen (II b). Mit der Erschließung des Interesses und der Fähigkeit neuer Gruppen unter den Jugendlichen steigen die Chancen für die bereits ausbildungsinteressierten Betriebe, ihre 85 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Plätze auch besetzen zu können. Spiegelbildlich erhöht eine Erweiterung des Ausbildungsplatzangebots die Chancen der ausbildungsinteressierten Bewerber_innen, ihre Ausbildungsplatzsuche erfolgreich abzuschließen. Abbildung 19: Systematik möglicher Maßnahmen zur Linderung von Passungsproblemen Quelle: eigene modifizierte Darstellung in Anlehnung an Matthes et al. 2014 Die im Folgenden auf dieser Systematik aufbauende Darstellung von Lösungsansätzen liefert keinen bis ins Detail ausgefeilten Maßnahmenkatalog. Sie soll vielmehr unter Berücksichtigung der in den vorausgegangenen Kapiteln erarbeiteten Ursachen die Bandbreite und Effizienz möglicher Ansätze aufzeigen, das Ausbildungsplatzangebot und die Ausbildungsplatznachfrage stärker als bislang zusammenzuführen. 5.1 Ansatzpunkte für unmittelbar wirkende Maßnahmen Passungsprobleme werden rechnerisch über jene erfolglosen Marktteilnehmer (Betriebe, Jugendliche) ermittelt, welche die Beratungs- und Vermittlungsdienste in Anspruch nehmen und bis zum Stichtag 30. September erfolglos bleiben. Alle Maßnahmen, die sich auf eine unmittelbare Verringerung des Passungsproblems richten, müssen sich dementsprechend auf den unterjährig laufenden Vermittlungsprozess von Marktteilnehmern konzentrieren, die bei der Bundesagentur für Arbeit registriert sind und die auf dem Ausbildungsmarkt ungeachtet ihrer offiziell attestierten Eignung zu scheitern drohen. Ihr Ziel muss es sein, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ansonsten erfolglosen Marktteilnehmer auf den beiden Seiten des Ausbildungsmarktes zusammenzuführen. 86 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Ansatzpunkte zur Ausgestaltung entsprechender Maßnahmen hängen wiederum von den Ursachen des bisherigen Scheiterns ab. Für das Scheitern am Markt kommen, wie in Kapitel 4 erörtert, grundsätzlich zwei mögliche Ursachenkreise in Betracht: ̶ ̶ Das Informationsverhalten war womöglich nicht effizient genug, und die eigene Präsenz auf dem Ausbildungsmarkt (einerseits durch das Informieren Dritter über die eigenen Ausbildungswünsche, andererseits durch das Sich-Informieren über das konkrete Ausbildungsinteresse auf der anderen Seite des Marktes) fiel zu schwach aus. Das Auswahlverhalten war zu restriktiv, und der Anreiz, auf bislang erfolglose Teilnehmer auf der Gegenseite des Ausbildungsmarktes zuzugehen, war zu gering. Informationsverhalten der Betriebe Wie in Kapitel 4.7 deutlich wurde, fällt das Informationsverhalten der Betriebe, die Probleme mit der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze haben, nicht schwächer aus als das der Betriebe ohne Besetzungsprobleme. Das Gegenteil ist der Fall: Betriebe mit Besetzungsproblemen steigern ihre Informationsaktivitäten auf dem Ausbildungsmarkt. Es lassen sich aber tendenzielle Unterschiede in den Wegen identifizieren, die Betriebe beschreiten, um auf ausbildungsinteressierte Jugendliche zu treffen. Bei den Betrieben mit Besetzungsproblemen handelt es sich oft um kleinere Betriebe, die zudem verstärkt in Berufen ausbilden, die auch Jugendlichen mit niedrigeren Schulabschlüssen offenstehen. Dementsprechend sind die typischen Zielgruppen dieser Berufe bislang verstärkt außerhalb der Gymnasien zu finden. Die von den Sekundar-, Gesamt-, Realund Hauptschulen angebotenen klassischen Instrumente der Berufsorientierung wie z. B. Betriebspraktika und Betriebserkundungen spielen somit auch in den Akquisewegen der Betriebe mit Besetzungsproblemen eine besondere Rolle. Das Dilemma für diese Betriebe besteht jedoch darin, dass das Reservoir an nichtstudienberechtigten ausbildungsinteressierten Jugendlichen in den letzten zehn Jahren massiv eingebrochen ist, während bei den studienberechtigten Ausbildungsinteressent_innen große Nachfragezuwächse zu verzeichnen sind (vgl. Kapitel 2.3). Somit müssen sich die Betriebe verstärkt darum bemühen, auch die schulisch höher qualifizierten Jugendlichen als potenzielle Auszubildende zu gewinnen. Um das Interesse dieser Jugendlichen für ihre Ausbildungsplätze wecken zu können, müssen die Betriebe wiederum zunächst Wege finden, den Kontakt zu diesen Jugendlichen herzustellen. Ihre Erfolgswahrscheinlichkeit steigt, sofern sie die spezifischen Vorlieben der Markterkundung aufseiten dieser Jugendlichen berücksichtigen. Denn die schulisch höher qualifizierten Jugendlichen nutzen viel stärker netzbasierte Wege, um sich über Ausbildungsstellen zu informieren. Dabei spielen auch die betriebsspezifischen Internetseiten eine bedeutende Rolle. Betrieblichen Praktika kommt dagegen längst nicht die Bedeutung zu, wie dies für nichtstudienberechtigte Ausbildungsstellenbewerber_innen der Fall ist (vgl. Kapitel 4.7.3). Da Großbetriebe über elaborierte Internetauftritte verfügen, verfügen diese bislang auch über einen entsprechenden Wettbewerbsvorteil. Um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, benötigen kleinere Betriebe Hilfen. Dies sahen auch die im Rahmen des Expertenmonitors befragten 87 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Berufsbildungsfachleute so. Denn sie stimmten der These, dass Betriebe mit Besetzungsproblemen professionelle Unterstützung bei ihren Werbe- und Rekrutierungsmaßnahmen benötigen, weitgehend zu (vgl. Tabelle 24). Tabelle 24: Erfordernis, Betriebe mit Besetzungsproblemen bei ihren Werbe- und Rekrutierungsmaßnahmen zu unterstützen, aus Sicht von Berufsbildungsfachleuten Herkunft der Experten Ka mmer, zus tändi ge Stel l e, Innung, Arbei tgeber-, Wi rts cha fts Betri eb verba nd Uni vera l l geArbei tBi l dungs -, s i tät, mei nnehmer- Hoch- bi l dende Arbei ts orga ni - s chul e, oder s ons ti ge verwa l s a ti on, tung, Forberufs - Bi l dungs Gewerk- s chungs - bi l dende Berufs - s ons ti ge ei ns cha ft i ns ti tute Schul e ri chtung verba nd Herkunft Insgesamt Betri ebe mi t Bes etzungs probl emen bra uchen profes s i onel l e Unters tützung bei i hren Werbeund Rekruti erungs ma ßna hmen. 70 73 65 74 72 80 74 72 72 Za hl der Befra gten 55 78 45 48 65 46 38 24 399 Beri chtet werden di e mi ttl eren Zus ti mmungs gra de a uf ei ner Ska l a von 0 "überha upt kei ne Zus ti mmung" bi s 100 "völ l i ge Zus ti mmung". Quelle: Ergebnisse aus dem BIBB-Expertenmonitor 2018 Ausbildungsmarkt in der Krise?; vgl. Eberhard et al. 2018 Möchte man das Informationsverhalten von Betrieben mit Besetzungsproblemen optimieren, besteht eine Möglichkeit darin, deren netzbasierte Informationsangebote, insbesondere deren betriebsspezifische Internetseiten, so weit zu stärken, dass sie kaum weniger professionell und ansprechend erscheinen als die Auftritte großer Betriebe. Zudem könnten kleinere Betriebe Geschäftsbeziehungen zu Großbetrieben nutzen, um Ausbildungskooperationen anzubahnen und über diesen Weg die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Auszubildende zu akquirieren. In welchem Ausmaß solche Wege erfolgreich sein können, dürfte allerdings angesichts der großen Beliebtheitsunterschiede der Berufe unter den Jugendlichen stark davon abhängen, in welchen Berufen die kleineren Betriebe ausbilden möchten (vgl. Kapitel 5.1.4). Auswahlverhalten der bislang erfolglosen Betriebe In der Regel konzentrieren sich die Kriterien der Betriebe bei der Auswahl ihrer künftigen Auszubildenden auf die vermutete Eignung. Nicht geeignete Bewerber_innen einzustellen, kommt einer Fehlinvestition gleich. Die Beratungs- und Vermittlungsdienste sind zwar vom Gesetz her verpflichtet, nur jene Jugendlichen als Ausbildungsstellenbewerber_innen zu führen, welche die Eignung für eine Ausbildung in den von ihnen anvisierten Berufen mitbringen. Doch stellen viele ausbildende Betriebe darüber hinaus auch unternehmensspezifische Auswahlkriterien in Rechnung, die über die berufsspezifische Eignu g hi ausgehe u d häufig die ,Pe sö li hkeit z . das ,Auft ete de Juge dli he et effe . Wäh e d si h iele Bet ie e im Hinblick auf nicht allzu gute Schulabschlüsse und Schulnoten kompromissbereit zeigen, gilt dies offenbar weniger im Hinblick auf ein wie auch immer definiertes Mindestmaß an Arbeits- und Sozialtugenden. Dies hängt mit den komplexen Aufgabenstrukturen der Ausbildungsbetriebe zusammen, die 88 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen nicht nur ausbilden, sondern auch Betriebsgemeinschaften darstellen, welche Güter und Dienstleistungen produzieren, in Kontakt mit Kund_innen und Zulieferern bzw. Zulieferinnen treten und sich im Wettbewerb mit anderen Unternehmen behaupten müssen (vgl. Kapitel 4.6). Eine weitere Flexibilisierung des Auswahlverhaltens der Betriebe mit Besetzungsproblemen zugunsten von Jugendlichen mit Defiziten in den Arbeits-, Sozial- und Kommunikationstugenden wäre somit nur möglich, wenn Betriebe im Hinblick auf die Erfolgswahrscheinlichkeiten, solche Jugendlichen zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss zu bringen, zu anderen Schlussfolgerungen als bislang kommen oder aber ihre Risikobereitschaft erhöhen. Beides wird gegenwärtig über assistierte Ausbildungsformen versucht, bei denen externe Ausbildungsträger_innen Betriebe in der betrieblichen Ausbildung der Jugendlichen unterstützen. Zu betonen ist allerdings, dass die Rekrutierungsschwierigkeiten der Betriebe in Berufen mit Besetzungsproblemen nur zu einem geringen Anteil auf deren Vorbehalte gegenüber erfolglosen Bewerber_innen mit Verhaltensdefiziten zurückzuführen sein dürften. Denn auch die Beratungs- und Vermittlungsdienste sind gehalten, Verhaltensdefizite bei der Eignungsbeurteilung von Jugendlichen zu berücksichtigen, welche von ihnen als Ausbildungsstellenbewerber_innen geführt und unterstützt werden wollen. Insofern dürfte sich dieses Problem bei den registrierten Ausbildungsstellenbewerber_innen in Grenzen halten. Das weitaus gewichtigere Problem für Betriebe mit Besetzungsproblemen besteht eher darin, überhaupt noch auf ausbildungsinteressierte Bewerber_innen zu stoßen (vgl. Kapitel 2.2). Deshalb dürften die Effekte, die durch eine weitere Öffnung der Betriebe gegenüber Jugendlichen mit Verhaltensdefiziten erzielt werden können, eher begrenzter Natur sein. Informationsverhalten der bislang erfolglosen Bewerber_innen Wie dies für die auf dem Ausbildungsmarkt erfolglosen Ausbildungsbetriebe zutrifft, so gilt auch für die erfolglosen Ausbildungsstellenbewerber_innen, dass ihr Informationsverhalten nicht weniger stark ausgeprägt ist als das Informationsverhalten jener Jugendlichen, die ihre Ausbildungsplatzsuche erfolgreich abschließen (vgl. Kapitel 4.7.1). Vielmehr besteht ihr Problem darin, dass ihre Kontaktanbahnungsversuche zu den Betrieben häufiger scheitern, sie also seltener zu Auswahlgesprächen und Eignungstests eingeladen werden. Die Ursache hierfür dürfte wiederum nur zu einem geringen Teil in grundsätzlichen Eignungsdefiziten aufseiten dieser Jugendlichen zu verorten sein, zumal die Beratungs- und Vermittlungsdienste die Eignung dieser Jugendlichen für die von ihnen favorisierten Berufe als gegeben eingestuft hatten. Eine deutlich größere Rolle dürfte dagegen das Auswahlverhalten dieser Jugendlichen spielen. Im Zuge des Trends zur schulischen Höherqualifizierung verfügen inzwischen viele erfolglose Ausbildungsstellenbewerber_innen über höhere Schulabschlüsse (vgl. Kapitel 2.3.1), und mit den höheren Abschlüssen zielen die Berufswünsche auch verstärkt auf Berufe, in denen das Ausbildungsplatzangebot im Vergleich zur Nachfrage immer noch stark defizitär ist (vgl. Kapitel 2.2). Dies gilt gerade auch für Nordrhein-Westfalen. Damit bleibt aber selbst unter den geeigneten Bewerber_innen zwangsläufig ein Teil bei seiner Ausbildungsplatzsuche erfolglos. 89 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Auswahlverhalten der bislang erfolglosen Bewerber_innen Die Ausbildungschancen von bislang erfolglosen Bewerbergruppen würden somit deutlich steigen, ließen sie sich künftig dazu bewegen, bisherige Grenzen des eigenen beruflichen Auswahlverhaltens zu überschreiten und auf Berufe zuzugehen, die verstärkt unter Besetzungsproblemen leiden. Gelänge dies, würde ein großer Teil der Passungsprobleme schlagartig obsolet. Doch dürften die Hürden auf dem Weg dorthin ausgesprochen hoch sein. Denn letztendlich müssten – so zeichnet sich die gegenwärtige Lage ab – Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen dazu bewegt werden, stärker als bislang Ausbildungsberufe in Betracht zu ziehen, die aus Sicht der Betriebe auch für Personen mit Hauptschulabschluss geeignet sind. In diesen Berufen sind jedoch nicht nur die Ausbildungs-, Arbeits- und Einkommensbedingungen im Schnitt ungünstiger als in den sonstigen Berufen. Vielmehr leiden diese Berufe auch verstärkt unter einem Reputationsmangel, der auch aus dem Umstand resultiert, dass das Bildungsniveau in diesen Berufen – gemessen am hohen Anteil von Auszubildenden mit maximal Hauptschulabschluss – eher niedrig erscheint (vgl. Kapitel 4.1). Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen stünden bei einem potenziellen Eintritt in diese Berufe somit nicht nur vor dem Problem, dass sie womöglich auf Einkommensvorteile verzichten, zum Teil ungünstigere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen und sich fragen müssten, warum sie die Vorteile, die sie aus ihren bisherigen Bildungsinvestitionen erzielten, nicht nutzen. Sie müssten zudem mit Reputationsnachteilen in ihrem sozialen Umfeld rechnen (vgl. Kapitel 4.1.2). Ein solches Geschehen hätte für sie so massive identitätspsychologische Nachteile, dass bislang nur sehr wenige die betroffenen Berufe als mögliche Berufswahlalternativen in Betracht ziehen. Eine denkbare Intervention bestünde nun aus Sicht der Berufsbildungsfachleute des Expertenmonitors zunächst darin, den Einfluss des Prestiges auf die Berufswahl im Rahmen der Berufsorientierung zusammen mit den Jugendlichen kritisch zu reflektieren und damit zurückzudrängen (vgl. Tabelle 25). Allerdings gehen auch die Fachleute des Monitors davon aus, dass dies allein nicht reicht und sich die Passungsprobleme von Berufen mit Bewerbermangel ohne eine deutliche Attraktivitäts- und Reputationssteigerung kaum lindern lassen. Wichtig ist demnach, die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen und wohl auch Einkommensmöglichkeiten in diesen Berufen nicht allzu stark von denen anderer Berufe abweichen zu lassen und gegebenenfalls zu verbessern. Verbesserungen in der Ausbildungsqualität sollten wiederum öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden. So könnte die Auszeichnung guter Ausbildungsbetriebe regional ausgeweitet werden, um mit diesen Beispielen guter Praxis ein Gegengewicht zu denjenigen Fällen zu schaffen, in denen die Ausbildungsqualität in den jeweiligen Ausbildungsberufen nur unterdurchschnittlich ausfällt. 90 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 25: Mögliche Maßnahmen zur Steigerung der Berufe mit Besetzungsproblemen aus der Sicht von Berufsbildungsfachleuten Herkunft der Experten Ima geka mpa gnen für Berufe mi t Bes etzungs probl emen s ol l ten vers tärkt werden. Ka mmer, zus tändi ge Stel l e, Innung, Arbei tgeber-, Wi rts cha fts Betri eb verba nd 80 78 Uni vera l l gemei ns i tät, Arbei tBi l dungs -, nehmer- Hoch- bi l dende Arbei ts oder s ons ti ge verwa l orga ni - s chul e, berufs - Bi l dungs Fors a ti on, tung, ei nGewerk- s chungs - bi l dende Berufs - s ons ti ge ri chtung verba nd Herkunft Insgesamt s cha ft i ns ti tute Schul e 68 74 77 82 78 74 77 Der Ei nfl us s der Pres ti ges a uf di e Berufs wa hl s ol l te i n der Berufs ori enti erung zus a mmen mi t den Jugendl i chen kri ti s ch refl ekti ert werden. 83 84 75 85 84 81 82 83 82 Um Berufe mi t Bes etzungs probl emen a ttra kti ver zu ma chen, s ol l te vor a l l em di e Qua l i tät der Aus bi l dung verbes s ert werden. 77 73 90 87 74 69 78 86 78 Di e Attra kti vi tät von Berufen mi t Bes etzungs probl emen l ä s s t s i ch durch di e Erhöhung der Aus bi l dungs vergütung s tei gern. 54 55 78 72 73 65 75 74 66 Za hl der Befra gten 55 78 45 48 65 46 38 24 399 Beri chtet werden di e mi ttl eren Zus ti mmungs gra de a uf ei ner Ska l a von 0 "überha upt kei ne Zus ti mmung" bi s 100 "völ l i ge Zus ti mmung". Quelle: Ergebnisse aus dem BIBB-Expertenmonitor 2018 Ausbildungsmarkt in der Krise?; vgl. Eberhard et al. 2018 Eine weitere wichtige Determinante für die Berufsentscheidungen der Jugendlichen bilden neben den wahrgenommenen Wertigkeiten von Berufen die subjektiven Chancen, erfolgreich in diesen Berufen ausgebildet werden zu können (vgl. Kapitel 4.1.4). Haben die Jugendlichen ein zu geringes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und befürchten sie zu scheitern, meiden sie die entsprechenden Berufe. Die Jugendlichen sollten dementsprechend darin unterstützt werden, kein zu optimistisches Bild, aber auch kein zu pessimistisches, sondern ein realistisches Bild ihrer eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Zudem ist es für eine rationale Berufswahlentscheidung unabdingbar, dass das Wissen der Jugendlichen über die Lage auf dem Ausbildungsmarkt gestärkt wird und sie die Bewerbungschancen in den von ihnen favorisierten Berufen, aber auch in möglichen Alternativen, nüchtern und realistisch einschätzen. Auch aus Sicht der Berufsbildungsfachleute des Expertenmonitors gibt es hier Handlungsbedarf (vgl. Tabelle 26). Zurzeit überwiegen in den Medien positive Meldungen zu den Ausbildungsmarktchancen der Jugendlichen. Sie beruhen aber im Wesentlichen auf den zum Teil beträchtlichen Nachfragedefiziten im Handwerk und in der Gastronomie. Jugendliche neigen jedoch dazu, globale Aussagen zur Ausbildungsmarktlage auf ihre spezifischen Berufswünsche zu übertragen und nicht mehr näher zu hinterfragen. Schließen Jugendliche nun von diesen Nachrichten auf die Ausbildungschancen in ihren Wunschberufen (oft außerhalb von 91 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Handwerk und Gastronomie), überschätzen sie nicht nur die dortigen Aufnahmekapazitäten. Sie vernachlässigen auch Bewerbungen in alternativen Berufen mit faktisch sehr guten Zugangschancen. Tabelle 26: Erfordernis von Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsmarktkompetenz von Jugendlichen aus Sicht von Berufsbildungsfachleuten Herkunft der Experten Jugendl i che s ol l ten bes s er über di e guten Bewerbungs cha ncen i n Berufen mi t Bes etzungs probl emen i nformi ert werden. Ka mmer, zus tändi ge Stel l e, Innung, Arbei tgeber-, Wi rts cha fts Betri eb verba nd 82 85 Uni vera l l geArbei tBi l dungs -, s i tät, mei nnehmer- Hoch- bi l dende Arbei ts orga ni - s chul e, s ons ti ge verwa l oder s a ti on, Forberufs - Bi l dungs - tung, Gewerk- s chungs - bi l dende Berufs - s ons ti ge ei ns cha ft i ns ti tute Schul e ri chtung verba nd Herkunft Insgesamt 72 81 79 82 82 80 81 Berufs bera ter/-i nnen der Bundes a gentur für Arbei t s ol l ten noch s tärker i n di e Berufs ori enti erung a n a l l gemei nbi l denden Schul en ei ngebunden werden. 72 73 75 71 73 69 81 78 73 Lehrkrä fte a n Schul en s ol l ten mehr über den Aus bi l dungs ma rkt wi s s en, um di e Schül er/-i nnen über i hre Cha ncen zu i nformi eren. 90 89 79 86 85 88 78 85 86 Za hl der Befra gten 55 78 45 48 65 46 38 24 399 Beri chtet werden di e mi ttl eren Zus ti mmungs gra de a uf ei ner Ska l a von 0 "überha upt kei ne Zus ti mmung" bi s 100 "völ l i ge Zus ti mmung". Quelle: Ergebnisse aus dem BIBB-Expertenmonitor 2018 Ausbildungsmarkt in der Krise?; vgl. Eberhard et al. 2018 Eine undifferenziert positive Darstellung der allgemeinen Ausbildungsmarktlage kann somit zu einem Bumerangeffekt gerade für jene Branchen führen, die durch ihre Angebotsüberschüsse und unbesetzten Ausbildungsplätze erst eine solche positive Einschätzung möglich gemacht haben (vgl. Kapitel 4.1.4). Somit tragen nüchterne und differenzierte Einschätzungen zur Ausbildungsmarktlage womöglich stärker dazu bei, Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt zu verringern, als allzu optimistische Nachrichten – auch wenn es verständlich ist, dass die für die duale Berufsausbildung verantwortlichen Akteure immer wieder auf die besondere Leistungsfähigkeit des dualen Berufsausbildungssystems verweisen möchten. Aus unserer Sicht wäre bereits viel dadurch erreicht, wenn die offiziellen Bilanzierungen zur Ausbildungsmarktlage auch auf Basis der so gea te ‚e eite te A ge ots-Nachfrage-Relatio eANR u d i ht allei auf Basis de alte , traditionellen Berechnungsformel vorgenommen würden. Denn die traditionelle Variante vermag die tatsächlichen Marktlagen nicht ausreichend valide abzubilden und droht damit, auch 92 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen im Hinblick auf die Marktlagen in den verschiedenen Berufen zu Fehlschlüssen zu führen.20 Die erweiterte ANR liefert ein wesentlich realistischeres Bild. Darüber hinaus sind die Initiativen der Bundesagentur für Arbeit zu begrüßen, den Jugendlichen Zugang zu internetbasierten Informationssystemen zu ermöglichen, mit denen diese in einfachen Schritten die regionalen Marktlagen in den verschiedenen Berufen rasch abrufen können. Wünschenswert sind Darstellungsformen, in denen den Jugendlichen nicht nur Informationen zu den von ihnen favorisierten Berufen und Regionen bereitgestellt werden, sondern auch zu alternativen verwandten Berufen und benachbarten Regionen, in denen die Marktlagen womöglich günstiger ausfallen. 5.2 Ansatzpunkte für mittelbar wirkende Maßnahmen Im Gegensatz zu den unmittelbar wirksamen Maßnahmen konzentrieren sich die mittelbar wirksamen Maßnahmen nicht allein auf Marktteilnehmer, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind und auf dem Ausbildungsmarkt zu scheitern drohen. Vielmehr zielen sie auch auf die Akquise neuer Ausbildungsinteressent_innen, sowohl unter den Jugendlichen, um den Betrieben mit Besetzungsproblemen bessere Chancen zu verschaffen (vgl. Kapitel 5.2.1), als auch unter den Betrieben, um die Eintrittschancen für die Jugendlichen zu erhöhen, die sich in stark nachgefragten Berufen bewerben (vgl. Kapitel 5.2.2). Erschließung neuer Ausbildungsinteressent_innen Möchte man neue Nachfragegruppen gewinnen, um Besetzungsprobleme zu mindern, so lautet die zentrale Herausforderung, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung insgesamt zu steigern. Viele sinnvolle Maßnahmen wurden bereits von verschiedenen Seiten angedacht bzw. eingeleitet, so die Kampagnen zur Verbesserung des Images im Handwerk, das Konzept einer höheren Berufsbildung und doppeltqualifizierende Bildungsgänge (duale Ausbildung plus Abitur; vgl. Tabelle 27). Ausbildungsmodelle für Studienabbrecher_innen (Meister statt Master) und Wiedereinstiegsprogramme für ehemalige Ausbildungsabbrecher_innen stellen sinnvolle Ergänzungen dar, um möglichst alle potenziell an dualer Berufsausbildung interessierten Jugendlichen 20 Im Rahmen der alten, traditionellen Variante gelten als erfolglose Ausbildungsplatznachfrager_innen u die ei de Bu desage tu fü A eit ge eldete ‚u e so gte Be e e _i e , die a . September weder über eine Berufsausbildungsstelle noch über eine alternative Verbleibmöglichkeit verfügen. Von der Bundesagentur für Arbeit registrierte Bewerber_innen, die sich zum Bilanzierungsstichtag in Alternativen befinden (z. B. erneuter Schulbesuch, Praktika etc.), werden dagegen grundsätzlich nicht als Ausbildungsplatznachfrager_innen mitgezählt, selbst wenn sie sich im bereits begonnenen Ausbildungsjahr erneut auf Ausbildungsplatzsuche befinden. Die traditionelle ANR spiegelt als Indikator somit eher Versorgungsgrade wider (wobei es dabei keine Rolle spielt, ob die Jugendlichen über Ausbildungsplätze oder Alternativen versorgt wurden) und keine Marktverhältnisse. Berechnungsergebnisse, die einen Ergebnisvergleich der alten, traditionellen Angebots-Nachfrage-Relation (ANR) und der neuen, erweiterten Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) ermöglichen, finden sich in den Spalten 18 und 19 der Tabelle 28 im Anhang, darüber hinaus auch in den drei Folgetabellen bis Tabelle 31. 93 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen anzusprechen. Schließlich dürfte auch die Etablierung von Jugendberufsagenturen zur Erschließung weiterer Interessentengruppen beitragen, da durch die erhöhte Transparenz gezielt auch jene Jugendlichen angesprochen werden können, die bislang oft unbekannt verbleiben. Zugunsten einer verstärkten Rekrutierung von Abiturient_innen stellt die Ausweitung des Berufsorientierungsprogramms an Gymnasien einen ersten wichtigen Schritt dar. Ein aus identitätspsychologischer Sicht sehr i te essa tes Ko zept stelle ‚Aus ildu gs ots hafte _innen dar, also z. B. Auszubildende mit Studienberechtigung, die selbst einen selten gewählten Beruf erlernen und in Gymnasien und sonstigen Schulen engagiert, aber auch offen über ihre Ausbildung berichten. Die Ausbildungsbotschafter_innen liefern den Schüler_innen nicht nur sehr plastische Informationen aus ‚e ste Hand . Sie können für sie auch zu Identifikationsfiguren werden und damit bei anderen Jugendlichen das Interesse und den Mut wecken, ähnlich unkonventionelle Wege zu beschreiten. Unter den Berufsbildungsfachleuten des Expertenmonitors fällt zudem die Zustimmung zum Vorschlag recht hoch aus, Gymnasiast_innen zu einem Praktikum in einem Ausbildungsberuf zu verpflichten (vgl. erneut Tabelle 27). Besonders hilfreich wäre es bei alledem, auch die Eltern einzubinden und auch ihnen die moderne Arbeitswelt im Handwerk und in sonstigen Bereichen durch Besuche vor Ort zu verdeutlichen. Denn als Folge der Bildungsexpansion gibt es immer mehr Eltern, die ausschließlich akademisch sozialisiert wurden und die technischen sowie arbeitsorganisatorischen Veränderungen in den Berufen des dualen Ausbildungssystems nicht kennen. Ein weiterer aus identitätspsychologischer Sicht besonders wirksamer Schritt zur allgemeinen Attraktivitätssteigerung der dualen Berufsausbildung bestünde unseres Erachtens darin, handwerkliche und gestalterische Bildung in den Fächerkanon der Gymnasien zu integrieren. Denn dem Fächerkanon in den höheren allgemeinbildenden Schulen kommt eine beträchtliche Signalkraft zu, welche Fähig- und Fertigkeiten in unserer Gesellschaft den wesentlichen Teil von Bildung ausmachen. Würden handwerkliche und gestalterische Fähigkeiten in einem Schulfach der Gymnasien gelehrt, würde damit nicht nur signalisiert, dass der Erwerb solcher Fähigkeiten entscheidende Beiträge zur Allgemein- und Persönlichkeitsbildung liefert. Ein solches Fach würde auch für Abiturient_innen und deren Eltern eine wichtige Orientierungshilfe liefern, welche Ausbildungswege für sie nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule besonders geeignet sind. Weitere wichtige Beiträge zur Imageverbesserung der dualen Berufsausbildung sehen wir in der Angleichung der institutionell beeinflussten Lebensumstände von Auszubildenden und Studierenden. Denn eine solche Angleichung ist für die glaubhafte Vermittlung der Gleichwertigkeit beider Ausbildungssysteme (berufliche Bildung, Hochschulbildung) von zentraler Bedeutung. Dies spricht aus unserer Sicht auch für die Einführung eines landesweiten Azubi-Tickets, auch wenn wir um die institutionellen und finanztechnischen Hürden einer solchen Maßnahme wissen. Dabei geht es weniger darum, über das Azubi-Ticket die regionale Mobilität der Ausbildungsstellenbewerber_innen in Nordrhein-Westfalen weiter zu fördern. Denn die bislang praktizierte Mobilität der Auszubildenden reicht bereits heute aus, um große regionale Ausbildungsmarktunterschiede in Nordrhein-Westfalen auszugleichen und dafür zu sorgen, dass rechnerisch in jedem Arbeitsagenturbezirk dem Ausbildungsplatzangebot in der Region eine genügend 94 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen große Ausbildungsplatznachfrage gegenübersteht (vgl. Kapitel 4.3). Die Passungsprobleme sind also eher auf berufliche als auf regionale Disparitäten zurückzuführen. Doch würde das AzubiTicket verdeutlichen, dass die Förderung der regionalen Mobilität junger Menschen ein wichtiges ‚öffe tli hes A liege ist, das si h i ht e klusi auf Studie e de, so de auf alle ezieht, die sich in einer Ausbildung befinden. Auch unter den Berufsbildungsfachleuten des Expertenmonitors findet ein solches Azubi-Ticket eine sehr große Zustimmung (vgl. erneut Tabelle 27). Tabelle 27: Mögliche Maßnahmen zur Steigerung der allgemeinen Attraktivität der beruflichen Bildung aus der Sicht von Berufsbildungsfachleuten Herkunft der Experten Di e "höhere Berufs bi l dung" (z. B. Mei s ter, Fa chwi rt u. ä .) mus s zu ei ner a l l gemei n beka nnten Ma rke a ufgeba ut werden. Ka mmer, zus tä ndi ge Stel l e, Innung, Arbei tgeber-, Wi rts cha fts Betri eb verba nd 83 89 Uni vera l l ges i tä t, mei nArbei tBi l dungs -, nehmer- Hoch- bi l dende Arbei ts s ons ti ge verwa l oder orga ni - s chul e, Forberufs - Bi l dungs s a ti on, tung, ei nGewerk- s chungs - bi l dende Berufs - s ons ti ge s cha ft i ns ti tute Schul e ri chtung verba nd Herkunft Insgesamt 86 83 87 86 78 83 85 Da s Berufs a bi tur a n Gymna s i en (Doppel qua l i fi ka ti on a us berufl i cher Ers ta us bi l dung und Abi tur) s ol l te bundes wei t a l s Regel a ngebot eta bl i ert werden. 61 54 66 66 55 66 55 74 61 Gymna s i a s ti nnen/Gymna s i a s ten s ol l ten i m Ra hmen der s chul i s chen Berufs ori enti erung ermuntert werden, ei ne berufl i che Aus bi l dung a l s Al terna ti ve zu ei nem Studi um i n Betra cht zu zi ehen. 91 94 85 79 81 84 80 82 85 Al l e Gymna s i a s ti nnen/Gymna s i a s ten s ol l ten verpfl i chtet werden, ei n Pra kti kum i n ei nem Aus bi l dungs beruf zu a bs ol vi eren. 75 77 72 67 71 67 64 79 72 Ha ndwerkl i che Kompetenzen s ol l ten regul ä rer Tei l des Lehrpl a ns a n Gymna s i en werden. 63 60 63 60 57 62 51 67 60 Zur Förderung überregi ona l er Mobi l i tä t s ol l ten Studentenwohnhei me i n Zukunft a uch Aus zubi l denden offens tehen. 87 83 93 83 83 77 86 85 84 Zur Förderung überregi ona l er Mobi l i tä t s ol l ten Aus zubi l dende ä hnl i ch wi e Studi erende Semes terti ckets für di e kos tenl os e Nutzung öffentl i cher Verkehrs mi ttel erha l ten. 89 87 94 89 89 89 92 93 90 Za hl der Befra gten 55 78 45 48 65 46 38 24 399 Beri chtet werden di e mi ttl eren Zus ti mmungs gra de a uf ei ner Ska l a von 0 "überha upt kei ne Zus ti mmung" bi s 100 "völ l i ge Zus ti mmung". Quelle: Ergebnisse aus dem BIBB-Expertenmonitor 2018 Ausbildungsmarkt in der Krise?; vgl. Eberhard et al. 2018 95 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Eine Maßnahme mit ähnlich großer Symbolkraft besteht unserer Ansicht nach in der Umwandlu g o Studie e de oh hei e i allge ei e ‚Bildu gs oh hei e , die so it au h Auszubildenden uneingeschränkt offenstehen. Wenn etwa befreundete Abiturient_innen im Zuge ihrer Ausbildung keine gemeinsame Wohnheim-WG gründen können, weil die einen von ihnen ihre Ausbildung nicht im Hochschulsektor, sondern im dualen System absolvieren, könnte dies von den jungen Menschen auch als eine institutionell geförderte und gezielt angestrebte Absonderung von unterschiedlichen Bildungsgruppen missverstanden werden. Durch die Öffnung der Studierendenwohnheime für Auszubildende wäre die Gefahr für solche Missverständnisse von vornherein gebannt. Zudem würde durch eine solche Maßnahme ebenfalls die regionale Mobilität gefördert (vgl. nochmals Tabelle 27). Erschließung neuer Ausbildungsplätze Wie statistische Analysen zeigen, lässt sich der Anteil erfolgloser Nachfrager_innen durch eine Erhöhung der vollqualifizierenden Ausbildungsplatzangebote in Relation zur Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen wirksam reduzieren (vgl. z. B. Kapitel 4.4). Um Versorgungsprobleme ausbildungsinteressierter Jugendlicher zu mindern, bedarf es somit einer relativen Steigerung des Ausbildungsplatzangebots, möglichst im betrieblichen Bereich. Da die Zahl ausbildungsinteressierter Personen aus demografischen Gründen in den kommenden Jahren eher weiter sinken wird, wird eine allgemeine Verbesserung der Angebots-Nachfrage-Relation vermutlich auch dann erreicht, wenn es zu keiner Steigerung des betrieblichen Angebots käme und das heutige Niveau gehalten werden würde. Eine auf diese Weise gesteigerte Angebots-Nachfrage-Relation setzt jedoch voraus, dass Betriebe ihre Ausbildungsangebote selbst dann noch aufrechterhalten, wenn die Wahrscheinlichkeit sinkt, diese zu besetzen. Dies kann nur dann gelingen, wenn sich die Besetzungsrisiken gleichmäßiger als bislang verteilen. Konzentrieren sich die Risiken dagegen immer stärker auf bestimmte Branchen, Berufe und Betriebe, ist die Gefahr groß, dass diese eine weitere Ausbildungsbeteiligung als aussichtlos einschätzen und ihr Ausbildungsplatzangebot zurückziehen. Werbekampagnen bei Betrieben zur erstmaligen Ausbildungsbeteiligung dürften sich insbesondere in Berufen mit hoher Ausbildungsplatznachfrage lohnen. Denn hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass neu gewonnene Betriebe auch Abnehmer_innen für ihre Angebote finden. Zur Stärkung betrieblicher Ausbildungsbereitschaft sind zudem Unterstützungen wie assistierte Ausbildung oder Verbundausbildung und eine ausreichende Information über solche Modelle sinnvoll. 5.3 Fazit Wenngleich die in Kapitel 5.2 skizzierten mittelbaren Wege dazu beitragen können, die Passungsprobleme der bereits interessierten Ausbildungsmarktteilnehmer zu lindern, sind diese Wege mit dem Risiko verbunden, dass es unter den neu erschlossenen Angeboten und Nachfragern ebenfalls Marktteilnehmer geben wird, die erfolglos bleiben. Zudem könnten neue Marktteilnehmer eine Konkurrenz für vorher schon ausbildungsinteressierte Betriebe und Jugendliche 96 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen bilden und deren Chancen schmälern. Insofern ist die Erschließung zusätzlicher Nachfrage- und Angebotspotenziale zwar effizient, um dem Mangel an dualem Fachkräftenachwuchs entgegenzuwirken. Die quantitativen Effekte speziell auf die Minderung der Passungsprobleme sind aber ungewiss. Unmittelbar wirksame Lösungsansätze wie in Kapitel 5.1 dargestellt haben hingegen das Potenzial, Passungsprobleme sehr effizient zu lösen, da sie auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes zugleich ansetzen. Dabei sollte jenen Maßnahmen Priorität eingeräumt werden, die auf eine Verbesserung der Attraktivität und Reputation von Berufen mit Besetzungsproblemen zielen, um das große Attraktivitätsgefälle zwischen den Berufen einzuebnen und erfolglosen Bewerber_innen keine gravierenden Gründe mehr zu liefern, Ausbildungsangebote selbst dann auszuschlagen, wenn sie damit ohne Ausbildungsplatz verbleiben. 97 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen 6 Ta elle a ha g ̶ Tabelle 28 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 nach Ländern ̶ Tabelle 29 (Anhang): Eckwerte zur Ausbildungsmarktentwicklung 2009 bis 2017 in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland insgesamt ̶ Tabelle 30 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 in den Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens. Teil 1: Aachen-Düren bis Hamm ̶ Tabelle 31 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 in den Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens. Teil 2: Herford bis Solingen-Wuppertal ̶ Tabelle 32 (Anhang): Abgänger_innen und Absolvent_innen aus allgemeinbildenden Schulen 2007 bis 2016 in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland insgesamt 98 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 28 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 nach Ländern BIBB-Erhebung zum 30. September 2017 Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zum Berichtsjahr 2016/2017 darunter: darunter: neu abgeschlossene Ausbildungsverträge ohne überw. öffentl. Finanzierung (betrieblich) mit überw. öffentl. Finanzierung (außerbetrieblich) gemeldete Berufsausbildungsstellen Ende September noch unbesetzte Berufsausbildungsstellen Verknüpfungen beider Datenquellen (BIBB-Erhebung, BA-Ausbildungsmarktstatistik) darunter: gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen dar.: dar.: darunter: Ausbildungsplatznachfrage dar.: InstituBewerber, die mit einer ohne tionell Bewerber, die in eine AlterAltererfasste Ende September Berufsausnative native Ausbilnoch weiter bildungstelle ("Unver- dungszum suchten einmündeten sorgte") interes30.09. sierte %-Anteil derer, die in eine Ausbil%-Anteil Berufs"betriebder unbedungsausbilliches" dung ein- platz- Angebot setzten Stellen münden angebot (EQI) Angebots-NachfrageRelation Angebote je 100 institutionell gemäß der %-Anteil gemäß gemäß der erfasste gemäß der neuen, der noch der alten neuen Ausbilalten, tradiweiter Nachfrage- Nachfrageerweidungstionellen Suchen- berechterten berechinteresDefinition Definition den nung nung sierte (AQI) dar.: absolut absolut absolut absolut absolut Land Sp.1 Sp.2 Sp.3 Sp.4 Sp.5 Baden-Württemberg 74.656 72.949 1.707 79.120 7.659 67.401 34.622 51,4 9.555 14,2 8.577 978 107.435 69,5 Bayern 92.528 91.052 1.476 104.677 14.361 81.008 47.813 59,0 7.260 9,0 6.017 1.243 125.723 73,6 Berlin 16.123 15.460 663 17.512 1.197 20.816 7.970 38,3 3.144 15,1 796 2.348 28.969 55,7 17.320 16.657 7,2 18.471 19.267 16,3 93,8 89,9 59,8 Brandenburg 10.431 9.760 671 14.332 1.689 14.521 7.388 50,9 2.025 13,9 856 1.169 17.564 59,4 12.120 11.449 14,8 11.600 12.456 16,3 104,5 97,3 69,0 66,9 absolut absolut Sp.6 Sp.7 in % absolut in % absolut Sp.8 Sp.9 Sp.10 Sp.11 absolut Sp. 1+6-7 Sp. 1/13 Sp. 1+5 Sp.13 Sp.15 Sp.12 Sp.14 82.315 Sp. 15-3 Sp. 5/16 Sp.16 Sp.17 Sp.1+12 Sp. 1+9 Sp. 9/19 Sp. 15/18 Sp. 15/19 Sp. 15/13 Sp.18 Sp.19 Sp.20 Sp.21 Sp.22 Sp.23 80.608 9,5 75.634 84.211 11,3 108,8 97,7 76,6 106.889 105.413 13,6 93.771 99.788 7,3 114,0 107,1 85,0 Bremen 5.909 5.501 408 5.054 143 4.968 1.830 36,8 1.006 20,2 712 294 9.047 65,3 6.052 5.644 2,5 6.203 6.915 14,5 97,6 87,5 Hamburg 13.430 13.005 425 11.752 789 9.897 4.343 43,9 2.588 26,1 1.207 1.381 18.984 70,7 14.219 13.794 5,7 14.811 16.018 16,2 96,0 88,8 74,9 Hessen 37.726 36.207 1.519 36.822 2.675 42.936 18.555 43,2 6.811 15,9 4.946 1.865 62.107 60,7 40.401 38.882 6,9 39.591 44.537 15,3 102,0 90,7 65,1 54,5 76,9 Meckl.-Vorpommern Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz 7.971 7.464 507 11.446 1.339 1.207 13,3 694 513 12.102 65,9 9.310 8.803 15,2 8.484 9.178 13,2 109,7 101,4 54.701 53.361 1.340 56.660 3.068 60.999 26.331 43,2 10.364 17,0 8.018 2.346 89.369 61,2 57.769 56.429 5,4 57.047 65.065 15,9 101,3 88,8 64,6 2.718 110.891 7.461 136.973 59.516 43,5 22.617 16,5 15.293 7.324 194.153 60,1 124.157 121.439 6,1 124.020 139.313 16,2 100,1 89,1 63,9 27.762 13.415 48,3 4.068 14,7 3.295 773 40.516 64,6 28.802 27.964 9,4 26.942 30.237 13,5 106,9 95,3 71,1 43,9 899 16,3 752 147 9.850 68,5 7.157 6.875 6,0 6.892 7.644 11,8 103,8 93,6 72,7 116.696 113.978 9.078 4.947 26.169 25.331 838 27.640 2.633 Saarland 6.745 6.463 282 6.791 412 Sachsen 19.437 18.067 1.370 21.774 1.644 22.321 13.155 58,9 2.529 11,3 1.869 660 28.603 68,0 21.081 19.711 8,3 20.097 21.966 11,5 104,9 96,0 73,7 Sachsen-Anhalt 10.310 9.586 724 12.614 1.063 12.264 7.443 60,7 1.293 10,5 955 338 15.131 68,1 11.373 10.649 10,0 10.648 11.603 11,1 106,8 98,0 75,2 Schleswig-Holstein 20.104 19.590 514 18.933 1.488 20.246 8.805 43,5 3.941 19,5 1.927 2.014 31.545 63,7 21.592 21.078 7,1 22.118 24.045 16,4 97,6 89,8 68,4 Thüringen 10.354 9.637 717 13.624 1.275 10.730 6.645 61,9 871 8,1 571 300 14.439 71,7 11.629 10.912 11,7 10.654 11.225 7,8 109,2 103,6 80,5 11.227 458.340 Westdeutschland Ostdeutschland Deutschland1 1 448.664 437.437 74.626 69.974 523.290 507.411 5.532 2.427 40.689 457.722 217.657 47,6 69.109 15,1 50.744 18.365 688.729 65,1 91.302 8.207 89.730 47.548 53,0 11.069 12,3 5.741 5.328 116.808 63,9 15.879 549.785 48.937 547.824 265.320 48,4 80.221 14,6 56.509 23.712 805.794 64,9 4.652 489.353 478.126 8,5 467.029 517.773 13,3 104,8 94,5 71,1 78.181 10,5 79.954 85.695 12,9 103,6 96,7 70,9 572.227 556.348 8,8 547.002 603.511 13,3 104,6 94,8 71,0 82.833 Abweichungen in den Summen von "West" und "Ost" zu "Deutschland" können sich durch regional nicht zuordenbare Daten ergeben. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berücksichtigen rückwirkend seit 2009 auch so genannte ‚Abiturientenausbildungen , sofern sie mit einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf verbunden sind. Deshalb sind Abweichungen zu anderen Darstellungen möglich. Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); Bundesinstitut für Berufsbildung, Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 99 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 29 (Anhang): Eckwerte zur Ausbildungsmarktentwicklung 2009 bis 2017 in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland insgesamt BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Verträge Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) dar.: ohne neu abgeüberw. schlosöffentl. sene FinanAusbilzierung dungs("betriebverträge lich") dar.: dar.: mit überw. öffentl. Finanzierung ("außerbetrieblich") gemeldete Berufsausbildungsstellen Verknüpfungen beider Datenquellen (BIBB-Erhebung, BA-Ausbildungsmarktstatistik) dar.: Ausbildungsplatznachfrage Angebots-Nachfrage- Angebote je 100 Relation dar.: dar.: %-Anteil instituderer, die Institutionell gemäß in eine gemäß %-Anteil gemäß gemäß der erfasste tionell Ausbil%-Anteil der "betriebder alten, der noch der alten neuen erfasste BerufsAusbilder unbedungsneuen, ausbilliches" tradiweiter Nachfrage- Nachfrage- dungsAusbilsetzten platzerweiAngebot tionellen Suchen- berechberechdungs- dung eininteresangebot Stellen terten Definition nung den nung interes- münden sierte Definition (EQI) sierte (AQI) dar.: Ende Septemgemelber noch Bewerber, die dete unbein eine Bewerber setzte Berufsausfür BerufsBerufsbildungstelle ausbilausbileinmündeten dungsdungsstellen stellen dar.: Summe der Bewerber, die Ende September noch weiter suchten mit ohne einer AlterAlternative native ("Unverzum sorgte") 30.09. c) absolut absolut absolut absolut absolut absolut absolut in % absolut in % absolut Sp.1 Sp.2 Sp.3 Sp.4 Sp.5 Sp.6 Sp.7 Sp.8 Sp.9 Sp.10 Sp.11 2009 121.504 114.587 6.917 95.059 2.436 137.823 53.686 39,0 24.872 18,0 2010 122.310 115.564 6.746 101.259 2.827 138.675 59.620 43,0 22.487 16,2 2011 126.553 120.962 5.591 107.336 4.642 133.272 61.087 45,8 20.712 2012 124.017 118.693 5.324 105.441 4.828 141.599 64.895 45,8 2013 120.083 116.831 3.252 103.178 5.570 144.464 63.255 2014 117.397 114.067 3.330 106.447 5.458 142.160 2015 2016 116.772 114.715 113.589 111.774 3.183 2.941 109.819 110.826 6.123 6.964 138.350 136.417 2017 116.696 113.978 2.718 110.891 7.461 2009 564.307 518.506 45.801 478.455 2010 559.960 518.917 41.043 486.947 2011 569.380 538.920 30.460 2012 2013 551.258 529.542 525.354 507.861 2014 523.201 2015 522.161 2016 2017 absolut Sp. 1+6-7 Sp. 1/13 Sp. 1+5 Sp. 15-3 Sp. 5/16 Sp.1+12 Sp. 1+9 Sp.12 Sp.13 Sp.14 Sp.15 Sp.16 Sp.17 Sp.18 Sp.19 Sp.20 Sp.21 Sp.22 Sp.23 20.852 4.020 205.641 59,1 123.940 117.023 2,1 125.524 146.376 17,0 98,7 84,7 60,3 19.301 3.186 201.365 60,7 125.137 118.391 2,4 125.496 144.797 15,5 99,7 86,4 62,1 15,5 17.003 3.709 198.738 63,7 131.195 125.604 3,7 130.262 147.265 14,1 100,7 89,1 66,0 21.469 15,2 17.095 4.374 200.721 61,8 128.845 123.521 3,9 128.391 145.486 14,8 100,4 88,6 64,2 43,8 24.540 17,0 18.194 6.346 201.292 59,7 125.653 122.401 4,6 126.429 144.623 17,0 99,4 86,9 62,4 61.398 43,2 23.909 16,8 17.315 6.594 198.159 59,2 122.855 119.525 4,6 123.991 141.306 16,9 99,1 86,9 62,0 60.334 59.311 43,6 43,5 23.327 23.078 16,9 16,9 16.605 16.292 6.722 6.786 194.788 191.821 59,9 59,8 122.895 121.679 119.712 118.738 5,1 5,9 123.494 121.501 140.099 137.793 16,7 16,7 99,5 100,1 87,7 88,3 63,1 63,4 136.973 59.516 43,5 22.617 16,5 15.293 7.324 194.153 60,1 124.157 121.439 6,1 124.020 139.313 16,2 100,1 89,1 63,9 17.564 562.876 260.183 46,2 88.640 15,7 73.130 15.510 867.000 65,1 581.871 536.070 3,3 579.817 652.947 13,6 100,4 89,1 67,1 19.802 559.661 272.240 48,6 80.456 14,4 68.423 12.033 847.381 66,1 579.762 538.719 3,7 571.993 640.416 12,6 101,4 90,5 68,4 524.378 30.446 547.273 280.935 51,3 72.417 13,2 61.051 11.366 835.718 68,1 599.826 569.366 5,3 580.746 641.797 11,3 103,3 93,5 71,8 25.904 21.681 523.092 513.932 34.051 34.625 563.305 562.841 287.852 51,1 276.151 49,1 76.119 83.742 13,5 14,9 60.446 62.655 15.673 21.087 826.711 816.232 66,7 64,9 585.309 564.167 559.405 542.486 6,1 6,4 566.931 550.629 627.377 613.284 12,1 13,7 103,2 102,5 93,3 92,0 70,8 69,1 502.807 20.394 520.144 38.269 561.145 271.959 48,5 81.388 14,5 60.456 20.932 812.387 64,4 561.470 541.076 7,1 544.133 604.589 13,5 103,2 92,9 69,1 503.296 18.865 530.998 41.592 550.910 267.664 48,6 81.037 14,7 60.255 20.782 805.407 64,8 563.753 544.888 7,6 542.943 603.198 13,4 103,8 93,5 70,0 520.272 502.722 17.550 546.947 43.478 547.728 264.447 48,3 80.603 14,7 60.053 20.550 803.553 64,7 563.750 546.200 8,0 540.822 600.875 13,4 104,2 93,8 70,2 523.290 507.411 15.879 549.785 48.937 547.824 265.320 48,4 80.221 14,6 56.509 23.712 805.794 64,9 572.227 556.348 8,8 547.002 603.511 13,3 104,6 94,8 71,0 Sp. 9/19 Sp. 15/18 Sp. 15/19 Sp. 15/13 NordrheinWestfalen Deutschland Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berücksichtigen rückwirkend seit 2009 auch so genannte ‚Abiturientenausbildungen , sofern sie mit einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf verbunden sind. Deshalb sind Abweichungen zu anderen Darstellungen möglich. Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); Bundesinstitut für Berufsbildung, Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 100 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 30 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 in den Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens. Teil 1: Aachen-Düren bis Hamm BIBB-Erhebung zum 30. September 2017 Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) dar.: mit ohne überw. neu abgeüberw. Arbeitsagenturbezirk öffentl. schlosöffentl. Finansene Finanzierung Ausbilzierung ("außerdungs("betriebbetriebverträge lich") lich") absolut Sp.1-3 Sp.1 Sp.2 gemeldete Berufsausbildungsstellen absolut absolut Sp.3 Sp.4 Verknüpfungen beider Datenquellen (BIBB-Erhebung, BA-Ausbildungsmarktstatistik) dar.: dar.: Ende dar.: September gemelInstitunoch Bewerber, die Summe der tionell dete mit einer ohne unbe- Bewerber Bewerber, die in eine Alter- erfasste Altersetzte für Berufs- BerufsausEnde September native Ausbilnative Berufs- ausbilnoch weiter bildung ("Unver- dungszum ausbil- dungseinmündeten suchten 30.09. sorgte") interesdungs- stellen sierte stellen absolut absolut absolut in % Sp.11+12 in % absolut absolut Sp. 1+6-7 Sp.5 Sp.6 Sp.7 Sp.8 Sp.9 Sp.10 Sp.11 Sp.12 Sp.13 dar.: Ausbildungsplatznachfrage (NA) Angebots-NachfrageAngebote Relation (ANR) dar.: dar.: je 100 %-Anteil instituderer, tionell gemäß die in gemäß gemäß der %-Anteil gemäß der erfasste Ausbil%-Anteil der eine "betriebder alten, neuen, der noch alten Ausbilneuen Berufs- dungs- liches" der unbe- tradiweiter Nachfrageerweiplatzsetzten Nachfrage- dungsausbilAngebot tionellen Suchen- berechterten Stellen berech- interesdung ein- angebot Definition Definition den nung sierte nung münden dar.: Sp. 1/13 Sp.14 Sp. 1+5 Sp. 15-3 Sp. 5/16 Sp.15 Sp.16 Sp.17 Sp.1+12 Sp. 1+9 Sp.18 Sp.19 Sp. 9/19 Sp. 15/18 Sp. 15/19 Sp. 15/13 Sp.20 Sp.21 Sp.22 Sp.23 Aachen-Düren 6.879 6.627 249 7.109 630 8.305 3.629 43,7 1.212 14,6 841 371 11.553 59,5 7.509 7.257 8,7 7.248 8.091 15,0 103,6 92,8 65,0 Bergisch Gladbach 4.275 4.143 132 3.729 258 4.709 2.101 44,6 998 21,2 550 448 6.882 62,1 4.533 4.401 5,9 4.722 5.274 18,9 96,0 86,0 65,9 Bielefeld 5.688 5.535 153 5.024 234 5.747 2.628 45,7 866 15,1 516 350 8.808 64,6 5.922 5.769 4,1 6.039 6.555 13,2 98,1 90,4 67,2 Bochum 2.910 2.811 99 2.678 185 4.283 1.522 35,5 888 20,7 516 372 5.670 51,3 3.093 2.997 6,2 3.282 3.798 23,4 94,3 81,5 54,6 Bonn 5.700 5.556 144 5.662 465 6.312 2.682 42,5 966 15,3 748 218 9.330 61,1 6.165 6.021 7,7 5.919 6.666 14,5 104,2 92,5 66,1 Brühl 3.378 3.291 87 2.750 260 4.473 2.060 46,1 658 14,7 426 232 5.790 58,3 3.639 3.552 7,3 3.609 4.035 16,3 100,8 90,1 62,8 Coesfeld 4.914 4.842 72 4.700 298 4.805 2.558 53,2 595 12,4 380 215 7.161 68,6 5.211 5.139 5,8 5.130 5.508 10,8 101,6 94,6 72,8 Detmold 1.971 1.962 12 1.975 73 3.574 1.614 45,2 538 15,1 398 140 3.933 50,2 2.046 2.034 3,6 2.112 2.511 21,4 96,8 81,5 52,0 Dortmund 4.284 4.140 144 3.365 85 4.871 1.887 38,7 691 14,2 573 118 7.269 58,9 4.368 4.227 2,0 4.401 4.974 13,9 99,3 87,8 60,1 Düsseldorf 4.839 4.749 90 4.673 259 3.753 1.560 41,6 675 18,0 413 262 7.032 68,8 5.097 5.007 5,2 5.100 5.514 12,2 99,9 92,5 72,5 Duisburg 2.937 2.898 39 2.917 140 3.698 1.648 44,6 645 17,4 580 65 4.986 58,9 3.075 3.036 4,6 3.000 3.582 18,0 102,5 85,9 61,7 Essen 3.789 3.657 132 3.779 318 4.044 1.523 37,7 601 14,9 421 180 6.309 60,0 4.107 3.975 8,0 3.969 4.389 13,7 103,5 93,6 65,1 Gelsenkirchen 1.980 1.905 78 1.873 81 3.060 1.381 45,1 589 19,2 451 138 3.660 54,1 2.061 1.986 4,1 2.118 2.571 22,9 97,3 80,2 56,3 Hagen 3.234 3.132 102 3.376 164 4.835 2.123 43,9 1.000 20,7 756 244 5.946 54,4 3.399 3.297 5,0 3.480 4.236 23,6 97,7 80,3 57,2 Hamm 3.501 3.366 135 2.874 140 4.871 2.062 42,3 768 15,8 544 224 6.312 55,5 3.642 3.507 4,0 3.726 4.269 18,0 97,7 85,3 57,7 Nordrhein-Westfalen 116.697 113.979 2.718 110.891 7.461 136.973 59.516 43,5 22.617 16,5 15.293 7.324 194.154 60,1 124.158 121.440 6,1 124.020 139.314 16,2 100,1 89,1 63,9 Deutschland 507.411 15.879 549.785 48.937 547.824 265.320 48,4 80.221 14,6 56.509 23.712 805.794 64,9 572.226 556.347 8,8 547.002 603.510 13,3 104,6 94,8 71,0 523.290 Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); Bundesinstitut für Berufsbildung, Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 101 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 31 (Anhang): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2017 in den Arbeitsagenturbezirken Nordrhein-Westfalens. Teil 2: Herford bis Solingen-Wuppertal BIBB-Erhebung zum 30. September 2017 Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) dar.: mit ohne überw. neu abgeüberw. Arbeitsagenturbezirk öffentl. schlosöffentl. Finansene Finanzierung Ausbilzierung ("außerdungs("betriebbetriebverträge lich") lich") absolut Sp.1-3 Sp.1 Sp.2 gemeldete Berufsausbildungsstellen absolut absolut Sp.3 Sp.4 Verknüpfungen beider Datenquellen (BIBB-Erhebung, BA-Ausbildungsmarktstatistik) dar.: dar.: Ende dar.: September gemelInstitunoch Bewerber, die Summe der tionell dete mit einer ohne unbe- Bewerber Bewerber, die in eine Alter- erfasste Altersetzte für Berufs- BerufsausEnde September native Ausbilnative Berufs- ausbilnoch weiter bildung ("Unver- dungszum ausbil- dungseinmündeten suchten 30.09. sorgte") interesdungs- stellen sierte stellen absolut absolut absolut in % Sp.11+12 in % absolut absolut Sp. 1+6-7 Sp.5 Sp.6 Sp.7 Sp.8 Sp.9 Sp.10 Sp.11 Sp.12 Sp.13 dar.: Ausbildungsplatznachfrage (NA) Angebots-NachfrageAngebote Relation (ANR) dar.: dar.: je 100 %-Anteil instituderer, tionell gemäß die in gemäß gemäß der %-Anteil gemäß der erfasste Ausbil%-Anteil der eine "betriebder alten, neuen, der noch alten Ausbilneuen Berufs- dungs- liches" der unbe- tradiweiter Nachfrageerweiplatzsetzten Nachfrage- dungsausbilAngebot tionellen Suchen- berechterten Stellen berech- interesdung ein- angebot Definition Definition den nung sierte nung münden dar.: Sp. 1/13 Sp.14 Sp. 1+5 Sp. 15-3 Sp. 5/16 Sp.15 Sp.16 Sp.17 Sp.1+12 Sp. 1+9 Sp.18 Sp.19 Sp. 9/19 Sp. 15/18 Sp. 15/19 Sp. 15/13 Sp.20 Sp.21 Sp.22 Sp.23 Herford 3.999 3.909 93 4.078 83 4.907 2.074 42,3 914 18,6 513 401 6.834 58,5 4.083 3.990 2,1 4.401 4.914 18,6 92,8 83,1 59,8 Iserlohn 2.919 2.829 90 3.323 282 3.211 1.446 45,0 534 16,6 408 126 4.686 62,3 3.201 3.111 9,1 3.045 3.453 15,5 105,1 92,7 68,3 Köln 7.647 7.545 102 6.513 539 5.682 2.256 39,7 1.028 18,1 669 359 11.073 69,1 8.187 8.085 6,7 8.007 8.676 11,9 102,2 94,4 73,9 Krefeld 3.162 3.123 39 3.007 205 4.357 1.738 39,9 810 18,6 346 464 5.781 54,7 3.366 3.327 6,2 3.624 3.972 20,4 92,9 84,8 58,2 Mettmann 2.538 2.466 72 2.279 295 3.370 1.396 41,4 662 19,6 430 232 4.512 56,2 2.832 2.760 10,7 2.769 3.198 20,7 102,3 88,5 62,8 Mönchengladbach 4.104 4.086 21 3.827 326 5.579 2.303 41,3 875 15,7 571 304 7.380 55,6 4.431 4.410 7,4 4.410 4.980 17,6 100,5 89,0 60,0 Ahlen-Münster 4.584 4.554 30 3.871 149 3.339 1.713 51,3 399 11,9 289 110 6.210 73,8 4.734 4.704 3,2 4.695 4.983 8,0 100,8 95,0 76,2 Oberhausen 2.160 2.103 57 2.202 155 3.451 1.388 40,2 872 25,3 455 417 4.224 51,1 2.316 2.259 6,9 2.577 3.033 28,8 89,8 76,4 54,8 Paderborn 3.240 3.186 54 3.320 372 3.707 1.711 46,2 555 15,0 357 198 5.235 61,9 3.612 3.558 10,5 3.438 3.795 14,6 105,1 95,2 69,0 Recklinghausen 3.123 2.985 138 2.821 240 5.340 2.373 44,4 925 17,3 839 86 6.090 51,3 3.363 3.225 7,4 3.210 4.050 22,8 104,8 83,1 55,2 Rheine 3.399 3.354 45 3.502 225 3.636 1.794 49,3 436 12,0 357 79 5.241 64,9 3.624 3.579 6,3 3.477 3.834 11,4 104,2 94,5 69,1 Siegen 3.429 3.339 90 3.677 152 3.225 1.674 51,9 499 15,5 381 118 4.980 68,9 3.582 3.489 4,4 3.546 3.927 12,7 101,0 91,2 71,9 Meschede-Soest 4.113 3.996 117 4.496 341 3.982 2.004 50,3 484 12,2 307 177 6.093 67,5 4.455 4.338 7,9 4.290 4.599 10,5 103,8 96,9 73,1 Wesel 4.380 4.338 39 4.299 273 6.847 2.684 39,2 1.057 15,4 639 418 8.541 51,3 4.653 4.611 5,9 4.797 5.436 19,4 97,0 85,6 54,5 Solingen-Wuppertal 3.618 3.552 66 3.192 234 5.000 1.984 39,7 877 17,5 619 258 6.633 54,5 3.852 3.786 6,2 3.876 4.494 19,5 99,4 85,7 58,1 Nordrhein-Westfalen 116.697 113.979 2.718 110.891 7.461 136.973 59.516 43,5 22.617 16,5 15.293 7.324 194.154 60,1 124.158 121.440 6,1 124.020 139.314 16,2 100,1 89,1 63,9 Deutschland 507.411 15.879 549.785 48.937 547.824 265.320 48,4 80.221 14,6 56.509 23.712 805.794 64,9 572.226 556.347 8,8 547.002 603.510 13,3 104,6 94,8 71,0 523.290 Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September (Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts); Bundesinstitut für Berufsbildung, Berechnungen des BIBB-Arbeitsbereichs 2.1 102 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Tabelle 32 (Anhang): Abgänger_innen und Absolvent_innen aus allgemeinbildenden Schulen 2007 bis 2016 in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland insgesamt Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt Insgesamt ohne Hauptschulabschluss 2007 223.515 14.581 47.961 92.524 7.461 60.988 965.044 70.547 228.616 392.637 14.068 259.176 2008 223.445 14.296 45.013 90.923 7.918 65.295 929.531 64.918 210.381 373.503 14.179 266.550 219.075 13.392 41.657 89.137 7.596 67.293 893.561 58.354 191.957 361.380 13.312 268.558 216.136 11.982 38.685 87.742 7.625 70.102 865.316 53.058 179.753 350.856 13.455 268.194 208.987 11.202 36.266 81.977 7.129 72.413 882.913 49.560 168.660 339.758 13.769 311.166 211.433 10.691 34.767 81.114 7.182 77.679 868.790 47.648 157.498 344.527 13.945 305.172 255.240 11.190 34.448 91.607 100 117.895 895.334 46.295 151.314 377.364 1.068 319.293 211.083 11.695 32.838 87.374 35 79.141 850.721 46.950 146.649 375.791 841 280.490 207.106 11.054 30.638 85.485 40 79.889 846.312 47.435 139.948 370.094 973 287.862 2016 203.053 10.805 29.768 82.831 89 79.560 855.611 49.193 139.243 369.230 778 297.167 2016 zu 2007 -20.462 -9,2% -3.776 -25,9% -18.193 -37,9% -9.693 -10,5% -7.372 -98,8% 18.572 30,5% -109.433 -11,3% -21.354 -30,3% -89.373 -39,1% -23.407 -6,0% -13.290 -94,5% 37.991 14,7% 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 allgeohne allgemit Haupt- RealHaupt- mit Haupt- Realmeine meine schulab- schulab- Fachhochschulab- schulab- schulab- FachhochHochHochschluss schulreife schulreife Insgesamt schluss schluss schulreife schulreife schluss schluss Quelle: Statistisches Bundesamt (2017a); eigene Berechnungen 103 Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt Eine vertiefende Analyse für Nordrhein-Westfalen Literatur Allison, Paul D. 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Mona Granato, Sozialwissenschaftlerin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs 1.4 Kompetenzentwicklung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Bettina Milde Bettina Milde, Dipl.-Psychologin, ist Leitende Wissenschaftliche Direktorin im Arbeitsbereich 1.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage, Bildungsbeteiligung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Dr. Joachim Gerd Ulrich Dr. rer. pol. Joachim Gerd Ulrich, Dipl.-Psychologe, Wissenschaftlicher Direktor im Arbeitsbereich 1.1 Bildungsangebot und -nachfrage, Bildungsbeteiligung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. 114 Das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) Das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) wurde mit Unterstützung des für Wissenschaft zuständigen Ministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen im September 2014 als eigenständiger, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Düsseldorf gegründet. Aufgabe und Ziel des FGW ist es, in Zeiten unübersichtlicher sozialer und ökonomischer Veränderungen neue interdisziplinäre Impulse zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung zu geben und politische Gestaltungsoptionen für die Gewährleistung sozialer Teilhabe in einer sozial integrierten Gesellschaft zu entwickeln. Durch die Organisation innovativer Dialogformate und die Förderung zukunftsorientierter Forschungsprojekte will das Forschungsinstitut die Vernetzung von Wissenschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Akteur_innen vorantreiben und den zielgruppengerechten Transfer neuer Forschungsergebnisse gewährleisten. Weitere Informationen zum FGW finden Sie unter: www.fgw-nrw.de Der Themenbereich „Vorbeugende Sozialpolitik“ Vorbeugende Sozialpolitik zielt darauf ab, die Entstehung und Verfestigung sozialer Problemlagen durch wirkungsorientierte Interventionen, den Aufbau von „Präventionsketten“ und eine bessere Verzahnung der Regelsysteme nach Möglichkeit bereits im Vorfeld zu verhindern, anstatt die daraus resultierenden Defizite nachträglich zu kompensieren. Zentrale Aufgabe des Themenbereichs „Vorbeugende Sozialpolitik“ des FGW ist es, das in den verschiedenen Handlungsfeldern vorhandene Handlungs- und Erfahrungswissen systematisch zu bündeln und aufzubereiten, die konkreten Spannungsfelder und Dilemmata zu analysieren, innerhalb derer sich vorbeugende Sozialpolitik bewegt, und die Ergebnisse dieser Arbeit in einen fruchtbaren Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft einzuspeisen. Durch die Förderung kleinerer und größerer Forschungsprojekte sowie durch geeignete Dialogformate will der Themenbereich dazu beitragen, für die verschiedenen beteiligten Akteure und Professionen eine gesicherte Wissensgrundlage und einen gemeinsamen Orientierungs- und Bezugsrahmen zu schaffen. Weitere Informationen zum Profil und zu den aktuellen Aktivitäten des Themenbereichs finden Sie unter: www.fgw-nrw.de/sozialpolitik
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