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Full text: Die Wiener Praxis der Funktions- und Sozialraumanalysen

Funktion

W E R K S T A T T B E R I C H T 166

Die Wiener Praxis der Funktions- und Sozialraumanalysen

Raum

Sozial

Die Wiener Praxis
der Funktions- und
Sozialraumanalysen

ISBN 978-3-903003-29-3

MA 18 Stadtentwicklung und Stadtplanung

WerkStattBerIcht 166

Praxisbeispiele und Einsatzbereiche – Gegenüberstellung von
Analysen des öffentlichen Raums in der City und
zweier Wohngebiete in unterschiedlichen Siedlungstypen

Die Wiener Praxis
der Funktions- und
Sozialraumanalysen
Praxisbeispiele und Einsatzbereiche –
Gegenüberstellung von Analysen des
öffentlichen Raums in der City und
zweier Wohngebiete in
unterschiedlichen Siedlungstypen

Impressum
Eigentümerin und Herausgeberin
Stadtentwicklung Wien,
Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung
www.stadtentwicklung.wien.at
Projektkoordination
Udo Häberlin, Isabel Wieshofer (MA 18)

Konzeption und Projektleitung
kon-text, Ingenieurbüro für Raumplanung
Andrea Breitfuss, Sabine Löw

Funktions- und Sozialraumanalyse Schwedenplatz/Morzinplatz
Projektidee und –betreuung: Gabriele Zimmermann,
Udo Häberlin (MA 18)
VerfasserInnen und ProjektmitarbeiterInnen: kon-text, Ingenieurbüro
für Raumplanung: Andrea Breitfuss, Tamara Brajovic, Christina
Schneider, Matthieu Floret, Marlene Pillwein

Funktions-und Sozialraumanalyse in ausgewählten
Stadterweiterungsgebieten - Analyse Kabelwerk und JosefBohmann-Hof
Projektidee und –betreuung: Gabriele Zimmermann, Isabel Wieshofer,
Udo Häberlin (MA 18)
VerfasserInnen und ProjektmitarbeiterInnen: kon-text, Ingenieurbüro
für Raumplanung: Andrea Breitfuss, Sabine Löw, Tamara Brajovic,
Matthieu Floret, Ilkim Acar

Technische Koordination
Willibald Böck (MA 18)

Grafische Gestaltung:
kon-text: Tamara Brajovic, Jana Hann, Katrin Unger

Lektorat
Andrea Eder

Grafik Cover
Tamara Brajovic, kon-text, Ingenieurbüro für Raumplanung
Foto: Unterkirchner, Brajovic
Fotos (soweit nicht anders angegeben)
kon-text
S. 3 Vorwort Maria Vassilakou: © Lukas Beck

Druck
MA 21- Druckerei der Stadt Wien

© MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung, Wien 2017
Werkstattbericht Nr. 166
ISBN 978-3-903003-29-3

Vorwort
Der öffentliche Raum ist ein Sozialraum, der allen StadtbewohnerInnen
zur Verfügung stehen soll. Er ist ein Ort, der integrativ wirkt und im
optimalen Fall Zugehörigkeit erzeugt. Alle NutzerInnen der Stadt sollen
selbstbestimmt und angstfrei den urbanen Raum genießen können, auch
Kinder, alte Menschen oder Randgruppen. Die (Um-)Gestaltung von
öffentlichen Räumen kann jedoch einer mehr oder weniger offen
dargelegten Maxime einer „idealen Nutzung“ folgen. Oft, so scheint es,
wird für alle Ansprüche geplant. Doch welche Bedürfnisse genau
abgedeckt werden, bleibt offen. Planungen können beeinflussen, inwieweit
ein Ort einladend oder ausgrenzend gestaltet ist, ob er bestimmte
Nutzungsformen ermöglicht oder erschwert.

Diese Komplexität und die vielfältigen Ansprüche hinsichtlich der
inkludierenden Funktionen haben allerdings oft noch nicht genügend
Rückhalt in den Diskussionen um Planungsziele und deren Inhalte.
Stadtpolitik und -verwaltung sind dabei gefragt, eine Anwaltschaft für
NutzerInnen und Nutzungen ohne dahinter stehende Lobby zu
übernehmen. PlanerInnen sollten wissen, wie sie „Nutzungsorientierung“
für alle potenziell möglichen Gruppen umsetzen, selbst wenn sie nicht
selbst zur Gruppe mit besonderen Ansprüchen zählen.

Um in diesem Sinne all jenen ein Gehör zu gewähren, die eine sensible
Planung benötigen, hat die Wiener Stadtentwicklung eine spezielle
Methode, die Funktions- und Sozialraumanalyse, in Pilotprojekten
getestet. Drei dieser Projekte werden in diesem Werkstattbericht näher
vorgestellt. Dadurch kann Teilhabe von Nutzungsgruppen auch mit „leisen
Stimmen“ bei Planungen genauer begründet und berücksichtigt werden.
Letztendlich können dadurch öffentliche Gemeingüter hergestellt werden,
was zu einer gerechteren Stadt verhelfen kann.

Mag.a Maria Vassilakou
Vizebürgermeisterin, Stadträtin für
Stadtentwicklung, Verkehr,
Klimaschutz, Energieplanung und
BürgerInnenbeteiligung

I NHALT
Einleitung ............................................................................................................................................ 9
FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz ..................................................................................................... 13
Einbettung und Ablauf der Studie ................................................................................................... 14
Schwedenplatz/Morzinplatz – die Bestandsaufnahme ................................................................... 17
Gebietsabgrenzung ..................................................................................................................... 17
Stadträumliche Lage ................................................................................................................... 19
Wohnen und Arbeiten rund um den Schwedenplatz/Morzinplatz ................................................ 20
Das Image des Schwedenplatzes/Morzinplatzes .......................................................................... 26
Schwedenplatz/Morzinplatz – die Analyse...................................................................................... 29
Charakteristik des Schwedenplatzes/Morzinplatzes .................................................................... 29
Hinweise zur Umgestaltung des Schwedenplatzes/Morzinplatzes ................................................... 33
Zukünftige Funktionen ................................................................................................................ 33
Allgemeine Hinweise zur Umgestaltung....................................................................................... 34
Hinweise zur Umgestaltung des zentralen Bereichs des Schwedenplatzes .................................... 38
Hinweise zur Umgestaltung des Morzinplatzes ............................................................................ 44
FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten ............................................................................ 49
Einbettung und Ablauf der Studie ................................................................................................... 49
Kabelwerk – die Bestandsaufnahme ............................................................................................... 53
Stadträumliche Lage und Erreichbarkeit ...................................................................................... 54
Nutzungsstruktur ........................................................................................................................ 54
Zentrenstruktur .......................................................................................................................... 55
Öffentlicher Raum und Freiraumverbund .................................................................................... 56
Der südliche Platz im Kabelwerk.................................................................................................. 64
BewohnerInnen und NutzerInnen ............................................................................................... 66
Josef-Bohmann-Hof – die Bestandsaufnahme ................................................................................. 75
Stadträumliche Lage und Erreichbarkeit ...................................................................................... 76

Nutzungsstruktur........................................................................................................................ 76
Zentrenstruktur .......................................................................................................................... 78
Öffentlicher Raum und Freiraumverbund .................................................................................... 79
Der Alfred-Kubin-Platz im Josef-Bohmann-Hof ............................................................................ 85
BewohnerInnen und NutzerInnen ............................................................................................... 87
Ausgewählte Stadterweiterungsgebiete − zusammenfassende Analyse .......................................... 94
Das Kabelwerk – die Analyse ...................................................................................................... 94
Der südliche Platz des Kabelwerks – die Analyse ......................................................................... 99
Der Josef-Bohmann-Hof – die Analyse....................................................................................... 102
Der Alfred-Kubin-Platz im Josef-Bohmann-Hof – die Analyse ..................................................... 109
Vergleich ausgewählter Stadterweiterungsgebiete.................................................................... 113
Reflexion der Wiener Erfahrungen mit der Funktions- und Sozialraumanalyse ................................. 119
Inhalt einer FSRA ......................................................................................................................... 120
Dauer einer FSRA ......................................................................................................................... 121
Einsatzfelder für FSRAs ................................................................................................................ 121
Conclusio – sozialraumorientierte Analysen vor der Planung ........................................................... 129
Aktuelle Herausforderungen ........................................................................................................ 129
Quellenverzeichnis.......................................................................................................................... 134

Einleitung

E INLEITUNG
Das Leben auf Straßen und Plätzen ist in Wien und in vielen anderen
Städten

lebendiger,

vielfältiger

und

somit

komplexer

geworden:

Straßencafés, Initiativen zur privaten Begrünung des Freiraums, wie
Gemeinschaftsgärten, sind heute fester Bestandteil einer modernen

europäischen Stadt. Der öffentliche Raum gewinnt an Bedeutung für
das Alltagsleben.

Nicht nur Nutzung und Erscheinungsbild der Städte haben sich geändert:
Neben einem Anstieg kommerzieller Nutzungen, vor allem durch
Gastronomie, steigt

in einer wachsenden und

für TouristInnen

interessanten Stadt wie Wien die Bedeutung öffentlicher Freiräume als
Orte der Erholung für StadtbewohnerInnen und BesucherInnen.

In einer Zeit der Zunahme sozialer und ökonomischer Unterschiede und in
einer

sich

ausdifferenzierenden

Lebensrhythmen,

Werthaltungen

Gesellschaft

und

mit

ökonomischen

verschiedenen

Ressourcen

gewinnen öffentliche Räume als städtische Orte des Zusammenlebens
eine immer höhere Bedeutung.

Für die NutzerInnen, die im öffentlichen Raum mit unterschiedlichen

Lebensentwürfen, Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und Ressourcen
aufeinandertreffen,

stellen

die

gegenseitige

Akzeptanz

der

Unterschiedlichkeit und die Aushandlungsprozesse im und um den
öffentlichen Raum eine tägliche Toleranzübung dar. Für die Stadtplanung

bedeutet es, dass konkurrierende Ansprüche um den öffentlichen Raum
aufeinandertreffen und gegeneinander abgewogen werden müssen.

Dies schlägt sich auch in politischen Zielsetzungen nieder. So wird im

Regierungsübereinkommen 1 der Stadtregierung festgehalten, dass die

Stadt „allen gehört“. Dies steht in Verbindung mit dem Setzen von
Handlungsschwerpunkten

in

den

Bereichen

„Inklusion,

Verteilungsgerechtigkeit und soziale Sicherheit“ und bezieht, angesichts
einer

wachsenden

Diskrepanz

und

eines

Auseinanderdriftens

unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, die Inklusion stigmatisierter oder

1 Stadt Wien (2015): Eine Stadt, zwei Millionen Chancen. Das rot-grüne
Regierungsübereinkommen für ein soziales, weltoffenes und lebenswertes Wien.

9

marginalisierter Gruppen2 ebenso ein, wie die Stärkung der Mitsprache
von Jugendlichen3.

Für das städtische Verwaltungshandeln entstehen dadurch zusätzliche
Herausforderungen: Es ist eine erhöhte Aufmerksamkeit für die

Themenfelder „Inklusion“, gesellschaftliches Zusammenleben und soziale

Kommunikation auch in der Stadtplanung nötig. Die damit verbundene
Sozialraumorientierung

von

Planung

und

Verwaltung

ergänzt

fachliche sowie überregionale und gesamtstädtische Betrachtungsebenen

des Verwaltungshandelns um eine lokale Perspektive, die kleinere, für die
Menschen vor Ort jedoch höchst relevante Einheiten in den Blick nimmt.

Bezugspunkt sind Räume, die aus der Sichtweise der NutzerInnen als
zusammengehörende (Lebens-)Bereiche angesehen werden.

Die lebensweltliche Orientierung schlägt sich auch methodisch nieder:

Sowohl in der Jugendarbeit4 als auch in der Stadtplanung rückten die

Freiräume und ihre Potenziale, die auch mit ihrer Gestaltung in

Verbindung stehen, stärker ins Blickfeld der Stadt: Es wurde das Modell
der „Funktions- und Sozialraumanalysen“ (FSRA) entwickelt.

Ausgehend von Studien mit wissenschaftlichem Forschungsinteresse, wie
„Integration im öffentlichen Raum“

5

und ersten anlassbezogenen

Funktions- und Sozialraumanalysen , entstand das Bestreben, die
6

Vorgangsweise für Analysen vor der Planung zu vereinheitlichen. Dazu hat

die Stadt Wien 2010 einen „Leitfaden für Sozialraumanalysen“ und 2012
das Handbuch „Raum erfassen“ in Auftrag gegeben, das eine Anleitung

für

das

Erstellen

Analysenkombinationen

einzuführen.

von

gibt

qualitativen

und

hilft,

und

quantitativen

gemeinsame

Standards

So kommen heute im Vorfeld der Umgestaltung regional bedeutsamer
öffentlicher

Räume,

wie

der

Mariahilfer

Straße

oder

des

Schwedenplatzes, Funktions- und Sozialraumanalysen folgerichtig zum
2
3

Ebda, S. 66.
Ebda, S. 56.

Vgl. Krisch, Richard (2009): Sozialräumliche Methodik der Jugendarbeit. Aktivierende
Zugänge und praxisleitende Verfahren. Weinheim und München, Juventa Verlag.
4
5

Vgl. Integration im öffentlichen Raum (2006; WB Nr. 82).

Vgl. Meidlinger Hauptstraße − Sozialraumanalyse, Geschäftsstraßenanalyse,
Realisierungswettbewerb (2010; WB Nr. 110); Sozialraumanalyse – light (SRA) zum
Bahnhofsareal Wien-Mitte zur Neustrukturierung des öffentlichen Raumes (2009;
unveröffentlichte Studie).

6

10

Einleitung

Einsatz. Sie stellen eine Vielzahl an Informationen und Sichtweisen auf den
jeweiligen Ort als Grundlage für die Planung zur Verfügung und helfen

damit, die Gestaltung stärker an die Bedürfnisse der unterschiedlichen

NutzerInnen anzupassen und vorhandene Qualitäten des jeweiligen Raums
zu verbessern. Außerdem können die Prozesse, bei denen die Analyse zum
Einsatz kommt, jenen Gehör gewähren, die eine sensible Planung

benötigen. Denn sozial-ökonomisch marginalisierten Menschen fehlt oft

die Möglichkeit, mitzureden, eine breitere Lobby, oder schlicht, sich
öffentlichen Raum „zu erkaufen“, etwa in einem Gastgarten.

Doch auch öffentliche Räume mit vorwiegend lokaler Bedeutung sind

als städtische Orte der Integration für die Lebensqualität in Wien von

hoher Bedeutung und benötigen mehr systematische Aufmerksamkeit. So
lag es nahe, auch zu diesen Orten eine eigene Studie zu beauftragen: FSRA
in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten. Im Fokus standen hier die
Aufgaben und Funktionen öffentlicher Räume mit vorwiegend lokalem

Bezug. Die untersuchten Plätze sind nicht nur wohnungsbezogene

Freiräume, sondern öffentliche Räume mit infrastrukturellen Angeboten.

Sie liegen in den bisher noch nicht sehr intensiv beforschten

Stadterweiterungsgebieten.

Zudem entstand das Bedürfnis, den bisherigen Einsatz von Funktions-

und Sozialraumanalysen mit den VerfasserInnen der FSRAs und weiterer

sozialraumorientierter Studien 7 , die eng mit dem öffentlicher Raum
verbunden sind, zu reflektieren und weitere Einsatzbereiche für dieses

Instrument seiner Verknüpfung qualitativer und quantitativer Methoden

der empirischen Sozialforschung, seiner Verbindung planerischer und

soziologischer Sichtweisen und seinem Einbeziehen einer Vielfalt an
Blickwinkeln auf einen Ort zu erkunden.

In der vorliegenden Publikation wird mit einer Kurzfassung der

Ergebnisse der FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz und der FSRA in

ausgewählten Stadterweiterungsgebieten ein exemplarischer Überblick
über

den

Einsatz

des

Instruments

der

Funktions-

und

Sozialraumanalyse gegeben und die Ergebnisse der Reflexion zum
Einsatz von FSRAs zusammengefasst dargestellt.

7 Identität und Raum (2013); Studienreihe Neuinterpretation des öffentlichen Raumes
(2008); u.a.

11

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

FSRA S CHWEDENPLATZ /M ORZINPLATZ
Der Schwedenplatz/Morzinplatz ist ein zentraler Platz am Rande der

Wiener Innenstadt. Er dient als hochrangiger Umsteigeknotenpunkt für
den öffentlichen Verkehr und liegt an der inneren ringförmigen

Verkehrsachse Ring-Kai und am Donaukanal. Er ist auch einer der

wichtigen „Eingangstore“ in die Innenstadt und liegt in unmittelbarer Nähe
des

bekannten,

„Bermudadreieck“

genannten,

Vergnügungsviertels.

Darüber hinaus ist das Umfeld des Platzes Standort für Betriebe und
Wohnungen.

Das derzeitige Erscheinungsbild des Platzes entspricht nicht seiner

zentralen Bedeutung. Anlass für die in den Jahren 2012 und 2013
durchgeführte FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz war daher die Absicht
der Stadt Wien, den Schwedenplatz umzugestalten.

Die Funktions- und Sozialraumanalyse untersuchte daher die heutigen

Funktionen, NutzerInnen und das Image des Platzes, befragte NutzerInnen
und ExpertInnen nach Verbesserungspotenzialen und Wünschen für den

Schwedenplatz von morgen und erarbeitete detaillierte Grundlagen für
das zu erstellende Leitbild für den Schwedenplatz/Morzinplatz.
Die Analyse wurde anhand folgender Punkte durchgeführt:
•
•
•
•
•
•
•
•
•

Welche Funktionen erfüllt der Schwedenplatz/Morzinplatz?
Welche Bedeutung hat er als transitorischer
Aufenthaltsort und als wohnungsnaher Freiraum?

Ort,

als

Wie ist das Verhältnis Wohnen – Arbeiten?
Wer wohnt rund um den Platz?

Wer nutzt den Platz wann und wofür?

Welches Image hat der Schwedenplatz/Morzinplatz?

Welche Gruppen haben welche Wünsche an den Platz?
Wie sollen sich die einzelnen Teilbereiche aus Sicht der
NutzerInnen und ExpertInnen entwickeln?

Welche Anforderungen für die Neugestaltung ergeben sich aus
der Funktions- und Sozialraumanalyse?

13

E INBETTUNG

UND

A BLAUF

DER

S TUDIE

Im Rahmen der Entwicklung eines Leitbilds für den Schwedenplatz wurde
2012

von

der

MA

18

eine

Sozialraumanalyse

Verkehrsanalyse durchgeführt.

sowie

eine

Zusätzliche Basis für das Leitbild waren Ideen und Wünsche der
BürgerInnen, deren Beteiligung im Auftrag der MA 19 durchgeführt
wurde.

Darüber

hinaus

verschiedener

wurde

eine

Kerngruppe

Magistratsabteilungen,

den

mit

VertreterInnen

AuftraggeberInnen

und

AuftragnehmerInnen der Untersuchung und des Beteiligungsverfahrens
sowie dem Verfasser der Verkehrsanalyse eingerichtet. Hier wurden die

Ergebnisse der einzelnen Schritte diskutiert, abgestimmt und Eckpunkte
für das Leitbild erarbeitet. Aufbauend auf diesem Leitbild wurde ein
Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben.

Ausgehend von den Fragestellungen zum Schwedenplatz/Morzinplatz

wurde die Funktions- und Sozialraumanalyse für diesen Doppelplatz in

vier Schritten durchgeführt.

A BBILDUNG 1: G RAFIK E INBINDUNG DER F UNKTIONS - UND S OZIALRAUMANALYSE

14

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Schritt 1 enthielt die Suche nach NutzerInnen und Nutzungen des

Schwedenplatzes/Morzinplatzes. Potenzielle NutzerInnen wurden mittels
Sekundäranalyse vorhandener statistischer Daten erfasst.

In der Analyserunde 1 wurden aufgrund der Ergebnisse die
NutzerInnengruppen für die vertiefende Untersuchung ausgewählt. Dabei

war vor allem die Bedeutung des Platzes für die jeweilige Gruppe (in
quantitativer und qualitativer Hinsicht) ausschlaggebend.

In Schritt 2 wurden die real auf dem Platz anwesenden NutzerInnen und
ihre Tätigkeiten mittels teilnehmender Beobachtung8 ermittelt.

Die so gewonnenen Informationen wurden ergänzt durch die Auswertung

leitfadengestützter Interviews mit einer Vielzahl magistratsinterner und externer FachexpertInnen9, die von Mitgliedern des Kernteams geführt

worden waren. Zum komplexen Thema des persönlichen Wohlfühlens und
Sicherheitsempfindens

wurde

ein

Gruppeninterview

mit

SicherheitsexpertInnen durchgeführt. Durch eine Online-Analyse, bei der
zu einzelnen Schlagworten vielfältige Sichtweisen auf den Platz und
Diskurse

über

den

Platz

ermittelt

wurden,

konnten

Zuschreibungen und Diskussionen mitaufgenommen werden.

weitere

In der Analyserunde 2 wurden die Ergebnisse zusammengefasst und die

NutzerInnengruppen

für

die

zielgruppenspezifischen

Erhebungen

ausgewählt. Die Auswahl erfolgte nach zwei Gesichtspunkten: der
Bedeutung des Platzes für die jeweilige Gruppe (in quantitativer und

qualitativer Hinsicht) und der Frage, ob die Sichtweisen der Gruppe auch
über andere Quellen verfügbar sind.

Diese Vorgangsweise führte beispielsweise dazu, dass die BewohnerInnen,

eine aufgrund der Ergebnisse der statistischen Analyse wichtige
potenzielle

NutzerInnengruppe,

nicht

für

die

vertiefenden,

zielgruppenspezifischen Erhebungen ausgewählt wurden. Zum einen
8

112 Beobachtungen à 30 Minuten an 8 verschiedenen Standorten zwischen 07:00 und
03:00 Uhr.

9 43 Interviews und ein Gruppeninterview unter anderem mit VertreterInnen der
Arbeiterkammer Wien, Bezirksvertretungen des 1. und 2. Bezirks, der Magistratischen
Bezirksämter (BürgerInnendienst) der Bezirke 1 und 2, der Caritas, der Gebietsbetreuung
Stadterneuerung für den 2. und 20. Bezirk, der Israelitischen Kultusgemeinde, VertreterInnen
von KÖR „Kunst im Öffentlichen Raum“, zuständigen Magistratsabteilungen, der Polizei, der
Radfahragentur, des Streetwork, der TU Wien, von Wien Tourismus, den Wiener Linien und
der Wirtschaftskammer Wien, Abteilung Stadtplanung und Verkehrspolitik sowie ein
Gruppengespräch mit VertreterInnen verschiedener Branchen der Wirtschaftskammer Wien.

15

wurde parallel zur Funktions- und Sozialraumanalyse ein zweistufiges

BürgerInnenbeteiligungsverfahren durchgeführt, im Rahmen dessen auch

die BewohnerInnen erreicht wurden, zum anderen wurden die
Sichtweisen

und

ExpertInneninterviews

Wünsche
mit

dem

der

BewohnerInnen

BürgerInnendienst,

durch

politischen

VertreterInnen des Bezirks und den im Internet verfügbaren Sichtweisen

und Forderungen zweier BürgerInneninitiativen im Umfeld des Platzes
erfasst.

In Schritt 3 wurde die Sichtweise der ausgewählten Gruppen auf den Platz

und ihre Wünsche für die Neugestaltung mittels leitfadengestützter
Interviews erhoben.

Ergebnis dieses Arbeitsschrittes und der anschließenden Analyserunde 3
war eine multiperspektivische Betrachtung des Gebietes sowie Vorschläge
für seine Neugestaltung für verschiedene NutzerInnengruppen.

In Schritt 4 wurden aus allen bisherigen Ergebnissen Anforderungen für
eine zukünftige Neugestaltung des Platzes formuliert, aus denen die

Kerngruppe, zusammen mit den Ergebnissen der BürgerInnenbeteiligung,
einen Vorschlag für ein Leitbild zum Schwedenplatz/Morzinplatz
erarbeitete.

16

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

S CHWEDENPLATZ /M ORZINPLATZ –
DIE

B ESTANDSAUFNAHME

Der Stadtraum Schwedenplatz/Morzinplatz ist ein besonderer Ort in Wien.

Seine zentrale Lage und seine Bedeutung als einer der großen
innerstädtischen Umsteigeknoten des öffentlichen Verkehrs stellen hohe
Anforderungen an ihn in der Bewältigung von PassantInnen.

Als eine der großen zusammenhängenden Grün- und Freiflächen der
Wiener Innenstadt ist er zu dem Ort für kürzere und längere Aufenthalte
zu unterschiedlichen Zwecken und für verschiedene Gruppen von

Menschen. Ältere BesucherInnen, die den Besuch des Platzes mit

alltäglichen Wegen verbinden, halten sich ebenso hier auf, wie die

BewohnerInnen und Angestellten der umliegenden Büros und Geschäfte
und junge WienerInnen, die in den warmen Nächten das Angebot der
umliegenden Lokalszene nutzen und den Platz miteinbeziehen.

Der Schwedenplatz/Morzinplatz ist also ein Ort für vieles: Wohnort,
Aufenthaltsort, Transitraum und all das für eine Vielzahl an Menschen.

Diese Vielfalt an Funktionen macht eine Umgestaltung zu einer komplexen

Herausforderung, schließlich soll der neue Schwedenplatz die heute schon
gut erfüllten Aufgaben auch weiterhin bewältigen und gleichzeitig besser,
schöner und funktionaler werden.

Die Funktions- und Sozialraumanalyse analysiert daher die heutigen
Funktionen, NutzerInnen und das Image des Platzes, befragte NutzerInnen

und ExpertInnen nach Verbesserungspotenzialen und Wünschen für den

Schwedenplatz von morgen und erarbeitete Hinweise für das zu
erstellende Leitbild für den Schwedenplatz/Morzinplatz.

G EBIETSABGR ENZUNG

Der Schwedenplatz in seiner heutigen Form ist kein geplanter Platz,

sondern eine, ursprünglich zum Teil bebaute, Fläche, die in ihrer heutigen
Form erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Er setzt sich aus

mehreren Adressen zusammen: Schwedenplatz, Franz-Josefs-Kai und

Morzinplatz.

Um den Platz und seine Funktionen zu verstehen, ist es notwendig, auch
seine Einbettung in einen größeren städtischen und funktionalen

17

Zusammenhang zu betrachten. Der statistischen Untersuchung wurde

daher ein Gebiet zugrunde gelegt, das auch Teile des nördlich gelegenen 2.
Bezirks umfasst und in dessen Mitte der Platz selbst liegt.

Für die qualitative Analyse (Beobachtungen und vertiefende Interviews)

wurde der gesamte Bereich zwischen dem Morzinplatz im Nordwesten

und dem Vorplatz des Hotels im Südosten, einschließlich des Kais, gewählt.
Die

Sozialraumanalyse

trägt

daher

den

Namen

Schwedenplatz/Morzinplatz, umfasst jedoch sämtliche funktionalen
Beziehungen ins Umfeld.

Im Rahmen der Analyse wurde der gesamte Platzbereich in mehrere

Teilräume gegliedert, die je einen eigenen Charakter aufweisen: der Platz

vor dem Hotel (1), der zentrale Bereich des Schwedenplatzes10 (2) und

der Morzinplatz (3). Aufgrund der funktionalen Zusammenhänge wurde
auch das obere Kaiufer (4) als viertes Teilgebiet in die Untersuchung
eingebunden.

A BBILDUNG 2: K ARTE G EBIETSABGRENZUNG UND T EILRÄUME

10 Diesem Bereich wurde aufgrund der funktionalen Zusammenhänge die Kreuzung
Rotenturmstraße zugeteilt.

18

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

S TADTRÄUMLICHE L AG E
Der

Schwedenplatz/Morzinplatz

ist

historisch

der

Rand

der

Siedlungsentwicklung (Römerlager) und der Landschaft, der durch das
Element Donaukanal eine besondere Lagequalität besitzt. Er ist ein
zentraler Platz am Rande der Wiener Innenstadt. Er liegt unmittelbar am

Donaukanal, einem Seitenarm der Donau, der auch die Grenze zum
benachbarten 2. Bezirk bildet.
Der

Schwedenplatz/Morzinplatz

Umsteigeknotenpunkt

für

den

dient

öffentlichen

als

Verkehr

hochrangiger
(U4,

U1,

Straßenbahnen 1 und 2, 10 Nachtbuslinien) und liegt an der inneren

ringförmigen Straßenverkehrsachse Ring-Kai, die ein beträchtliches

Verkehrsaufkommen zu bewältigen hat.

A BBILDUNG 3: K ARTE L AGE IN DER S TADT UND U-B AHN -N ETZ

19

W OHNEN UND A R BEITEN R UND UM DEN
S CHWEDENPLATZ /M OR ZINPLATZ
Rund um den Schwedenplatz/Morzinplatz wird gewohnt.
Im Untersuchungsgebiet lebten 2011 rund 11.500 BewohnerInnen, davon
rund 6.700 Personen im 1. Bezirk und rund 4.800 Personen im 2. Bezirk.

Da sich auf dem Schwedenplatz/Morzinplatz eine Vielfalt von Menschen
unterschiedlicher
MigrantInnen,

Sprachen

TouristInnen),

und

Kulturen

können

aus

aufhält
der

(WienerInnen,

Herkunft

der

BewohnerInnen keine zentralen Erkenntnisse für die Umgestaltung des
Platzes

gewonnen

werden.

Daten

über

Geburtsort

StaatsbürgerInnenschaft wurden daher nicht weiter verfolgt.

und

Die Altersstruktur der umliegenden BewohnerInnen hingegen ist
bedeutsam, weil ältere Menschen und Kinder generell einen geringen

Mobilitätsradius haben und stärker auf wohnungsnahe Freiräume
angewiesen sind. Es wurde daher die räumliche Verteilung dieser beiden
Gruppen untersucht.

Es wohnen überdurchschnittlich viele Kinder und alte Menschen im
Umfeld des Platzes.
Die

statistische

Analyse

zeigt,

dass

in

vielen

Baublöcken

im

Untersuchungsgebiet der Anteil der über 75-jährigen BewohnerInnen
deutlich über dem Wiener Durchschnitt von 7,25% liegt (Stand 2011). Dies

trifft vor allem auf den Teilbereich im 1. Bezirk und das Gebiet entlang des

Kais im 2. Bezirk zu. Überraschend ist der Befund, dass in vielen

Baublöcken des Untersuchungsgebietes auch der Anteil von Kindern unter

9 Jahren überdurchschnittlich hoch ist (über 9,8%). Diese wohnen
vermehrt in den innen gelegenen Bereichen des 2. Bezirks und um den
Rudolfsplatz/Börseplatz.

Die Branchenstruktur im Untersuchungsgebiet ist sehr vielfältig.
Im Umfeld des Schwedenplatzes/Morzinplatzes sind sowohl Handels- und

Dienstleistungsbetriebe

als

auch

Gastronomie-

Beherbergungsunternehmen sowie Produktionsstätten zu finden.

20

und

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Die stärkste Branche ist mit 58% die Dienstleistungsbranche, gefolgt

von Handel, Gaststätten- und Beherbergungsbetrieben, Produktions- und

Verwaltungsunternehmen.

2001 gab es im Untersuchungsgebiet etwas mehr als 2.900 Arbeitsstätten.
Die stärkste Branche in Bezug auf die Anzahl der Unternehmen (ca. 1.700

Unternehmen) ist der Sektor Dienstleistung, mit dem Schwerpunkt
Realitätenwesen und unternehmensbezogene Dienstleistungen. Sie stellen

über die Hälfte (fast 60%) der Unternehmen.

Zweitwichtigster Bereich ist der Handel mit rund 700 Arbeitsstätten. Das

entspricht ca. 25% der Unternehmen. Nur 10% (fast 300 Arbeitsstätten)
entfallen auf Gaststätten und Beherbergungsbetriebe. Der Rest teilt sich in

Produktionsbetriebe (Sachgütererzeugung und Bauwesen rund 5%) und
Verwaltungsunternehmen (rund 3%) auf.
Die

Verteilung

der

Branchen

zeigt

deutliche

räumliche

Konzentrationen11.
Schwerpunkte des Einzelhandels finden sich vor allem entlang der
Einkaufsstraßen Taborstraße und Rotenturmstraße sowie im Hinterland
des Schwedenplatzes in Richtung Stephansplatz.

Gastronomie und Beherbergungsbetriebe konzentrieren sich im 1.

Bezirk zwischen Stubenring und Kai. Das Ausgehviertel „Bermudadreieck“
zwischen

Schwedenplatz

Gastronomieschwerpunkt.

und

Hohem

Markt

ist

ein

Dienstleistungsbetriebe sind in den Bürohäusern um Rudolfsplatz/im
Börseviertel, am Stubenring, im 2. Bezirk am Kai und zwischen
Taborstraße

und

Großer

Mohrengasse

überdurchschnittlich

stark

vertreten. Hier sind das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, der Media

Tower und der UNIQUA Tower zu finden. Produktionsbetriebe hingegen
finden sich rund um den Rudolfsplatz und entlang der Taborstraße.

11 Dazu wurden die Abweichungen der Branchen nach oben in Bezug auf den Durchschnitt
des Untersuchungsgebietes errechnet.

21

VERHÄLTNIS VON WOHNEN UND ARBEITEN
Sowohl BewohnerInnen als auch Beschäftigte stellen Ansprüche an
öffentliche Freiräume. Die einen benötigen wohnungsnahe Freiräume, die

anderen Orte, die sie in den Pausen zur Erholung nutzen können. Es kann

bei einzelnen Entscheidungen in Bezug auf die Neugestaltung von
Bedeutung sein, ob im Umfeld des Platzes mehr BewohnerInnen leben
oder mehr Beschäftigte arbeiten.
Erdgeschoßnutzungen

Die Erdgeschoßnutzung ist überwiegend von Handel/Dienstleistung
geprägt,

einige

wenige

Nutzungsmöglichkeiten im Innenhof.

Baublöcke

besitzen

(private)

Die hohe Frequenz der Innenstadt und die überdurchschnittliche Anzahl

an Gastronomie bewirken, dass trotz der geringen Wohnnutzung die
öffentlichen Räume nicht unsicher wahrgenommen werden.

Sowohl Wohnen als auch Arbeiten sind im näheren Umfeld des
Schwedenplatzes/Morzinplatzes bedeutsam.
Wohnen

ist

als

Funktion

im

gesamten

Gebiet

um

den

Schwedenplatz/Morzinplatz zu finden. Betrachtet man das Verhältnis von

BewohnerInnen zu Beschäftigten in den einzelnen Baublöcken, so zeigt

sich deutlich, dass die Anzahl der BewohnerInnen, vor allem im
„Hinterland“ des Morzinplatzes zwischen Kai und Wipplingerstraße/Hoher
Markt sowie um den Heiligenkreuzerhof, in fast allen Baublöcken ebenso

hoch ist wie die Anzahl der Beschäftigten. In den übrigen Baublöcken im 1.

Bezirk haben Tertiärisierung und Cityfunktion dazu geführt, dass hier
mehr Menschen beschäftigt sind, als es BewohnerInnen gibt.

Im schwedenplatznahen Gebiet des 2. Bezirks ist Wohnen dominanter als
im gegenüberliegenden 1. Bezirk. Die Baublöcke, die mehr Beschäftigte als
BewohnerInnen

aufweisen,

sind

durch

große

Institutionen

oder

Unternehmen, wie das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder an der
Taborstraße oder die Raiffeisen Landesbank und das Hotel Mercure an der

Hollandstraße bzw. Lilienbrunngasse, gekennzeichnet. In allen anderen

Baublöcken ist die Anzahl der BewohnerInnen mindestens gleich hoch wie
die Anzahl der Beschäftigten.
22

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

A BBILDUNG 4: K ARTE V ERHÄLTNIS B EWOHNER I NNEN /B ESCHÄFTIGTE IN
B ETRIEBEN

POTENZIELLER NUTZUNGSDRUCK IM UMFELD
Beschäftigte, ältere Menschen, Kinder und Hunde erzeugen einen
statistisch

ermittelbaren,

öffentlichen Raum.

„potenziellen“

Nutzungsdruck

auf

den

Sowohl BewohnerInnen als auch Beschäftigte benötigen Zugang zum
öffentlichen Raum, doch nicht alle Gruppen sind im selben Ausmaß bzw. in
derselben Dringlichkeit auf diesen angewiesen.

Ältere Menschen und Kinder sind tendenziell weniger mobil und daher

stärker auf wohnungsnahe Freiräume angewiesen. Jugendliche und

Erwachsene haben hingegen einen größeren Mobilitätsradius und können

ihr Erholungsbedürfnis daher einfacher in weiter entfernt liegenden
Freiräumen befriedigen.

Auch HundebesitzerInnen benötigen wohnungsnahe Freiräume für

Spaziergänge mit ihren Hunden. Beschäftigte verfügen tagsüber nur über

23

zeitlich begrenzte Pausen. Auch sie sind daher auf arbeitsplatznahe
Freiräume angewiesen.

Für das Umfeld des Schwedenplatzes/Morzinplatzes wurde ein
statistisch

ableitbarer,

potenzieller

Nutzungsdruck

12

,

der

von

BewohnerInnen über 75 Jahren, Kindern unter 9 Jahren und deren
Betreuungspersonen, BesitzerInnen von Hunden und Beschäftigten
ausgeht, untersucht. Bei der Beurteilung des Nutzungsdrucks ist auch das
Freiflächenangebot des Umfeldes bedeutsam.

Im Börseplatzviertel (1) ist der Nutzungsdruck durch Beschäftigte hoch.

Darüber hinaus erzeugen die dort wohnenden Kinder einen mittleren

Nutzungsdruck. Das Freiflächenangebot in der unmittelbaren Umgebung

besteht vor allem im Börseplatz und den linearen Freiräumen entlang Ring

und Kai. Der Börseplatz bietet einen gut ausgestatteten Kinderspielplatz,
der von Eltern und Kindern gern genutzt wird. Für Beschäftigte, die ihre
Mittagspause in den warmen Monaten im Freien verbringen möchten, gibt

es hier auch einige Sitzgelegenheiten, jedoch wird der Platz großteils vom
Kinderspielplatz eingenommen.

Das Rudolfsplatzviertel (2) ist durch einen Nutzungsdruck von einer

Vielzahl von Gruppen geprägt: Ein hoher Nutzungsdruck entsteht hier
durch BewohnerInnen über 75 Jahren und durch Beschäftigte. Kinder und
Hunde erzeugen hier einen mittleren Nutzungsdruck. Der Rudolfsplatz ist
zu einem Drittel öffentlich zugänglicher Spielplatz und zu einem weiteren

Drittel Park mit Bänken und Tischen, die sich sowohl für das

Erholungsbedürfnis älterer Menschen als auch für eine Mittagspause von
Beschäftigten gut eignen. Eine Hundezone gibt es in relativer Nähe am Kai

bei der U-Bahn-Station Schottenring, auch die beiden Kaiufer eignen sich

gut zum Spazierengehen mit Hunden. Im Süden des Hohen Marktes (3)

gibt es einen hohen Nutzungsdruck durch Beschäftigte und einen mittleren
Nutzungsdruck durch ältere BewohnerInnen. Freiflächen in unmittelbarer
Nähe fehlen.

12 Zur Rolle des Schwedenplatzes/Morzinplatzes als wohnungsnaher Freiraum, als
Aufenthaltsort und als Transitraum.

24

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

A BBILDUNG 5: K ARTE P OTENZIELLER N UTZUNGSDRUCK DURCH ÄLTERE
B EWOHNERINNEN , K INDER , B ESCHÄFTIGTE UND H UNDE

Rund um den Heiligenkreuzerhof (4) ist der Nutzungsdruck durch
ältere BewohnerInnen, Hunde und Beschäftigte mittel. Auch hier gibt es im

unmittelbaren Umfeld keine öffentlichen Grünflächen für einen kurzen
Aufenthalt für Beschäftigte in der Mittagspause, für ältere BewohnerInnen
oder HundebesitzerInnen.

Auch rund um den Georg-Coch-Platz (5) konnte ein mittlerer

Nutzungsdruck durch Beschäftigte und ältere BewohnerInnen ermittelt
werden. Hier bietet der Stubenring ein gewisses Angebot an Freiraum und
Sitzgelegenheiten.

Entlang des Kais im 2. Bezirk (6) gibt es einen hohen Nutzungsdruck

durch ältere BewohnerInnen und durch Beschäftigte sowie einen mittleren

Nutzungsdruck durch Kinder bis 9 Jahren und Hunde. Die nächsten
Freiräume sind die beiden Kaiufer und der Schwedenplatz. Die Kaiufer

bieten im Sommer sowohl die Möglichkeit für einen kurzen Imbiss
während der Mittagspause als auch zum Aufenthalt und für Spaziergänge
für ältere Menschen, HundebesitzerInnen und Kinder. Explizite Angebote

für Kinder- und Ballspiel sowie eine Hundezone finden sich im Manès-

Sperber-Park.

Im Karmeliterviertel (7) gibt es einen hohen Nutzungsdruck durch
Kinder bis 9 Jahren und einen mittleren Nutzungsdruck durch ältere
BewohnerInnen und Hunde. Für Kinder ist nur der kleine Manès-Sperber-

25

Park

rasch

erreichbar,

ebenso

HundebesitzerInnen (Hundezone).

für

ältere

BewohnerInnen

und

D AS I MAGE DES S C HW EDENPLATZES /M ORZINPLATZES 13
„Der Schwedenplatz“ ist für viele der Gesamtbegriff für das Gebiet
Schwedenplatz/Morzinplatz.
Wo „der Schwedenplatz“ wirklich anfängt und wo er aufhört, weiß kaum

jemand, zumal Teile „des Schwedenplatzes“ die Adresse Franz-Josefs-Kai

tragen. Dies spiegelt die historische Tatsache eines gewachsenen
Freiraums wider.

Der Morzinplatz ist zwar allgemein bekannt, aber auch er wird immer
wieder in „den Schwedenplatz“ einbezogen. Dies gilt vor allem für die

Beschreibung der nächtlichen Nutzung, bei deren Beschreibung die

angrenzende Lokalszene im „Bermudadreieck“ und im Börseviertel zu
„dem Schwedenplatz“ gezählt wird.

„Der Schwedenplatz“ wird höchst unterschiedlich gesehen.
„Der Schwedenplatz“ ist nicht irgendein Ort in Wien, fast alle WienerInnen

kennen ihn und haben eine Meinung zu ihm. Bei vielen weckt er
Emotionen, sie lieben oder hassen „ihren Schwedenplatz“.

Die meisten, die den Platz nutzen, sehen ihn positiv, auch wenn sich fast
alle

ein

attraktiveres

Erscheinungsbild

und

mehr

Sauberkeit

wünschen.
Menschen, die den Platz als Treffpunkt und Ort zum Warten nutzen,
schätzen vor allem seine Zentralität und Erreichbarkeit sowie seine

Aufenthaltsqualität als urbaner und dennoch grüner Ort mit schattigen
Sitzplätzen. Dies gilt auch für ältere Menschen, die den Platz regelmäßig

besuchen, und für junge, nächtliche BesucherInnen, beide fühlen sich sehr
wohl auf dem Platz.

Einen schlechten Ruf hat der Platz hingegen bei BesucherInnen, die hier

ihre Mittagspause verbringen und bei (Groß-)Eltern kleinerer Kinder.
Ihnen ist der Platz zu schmutzig, sie stören sich an Obdachlosen und deren
13 Die hier dargestellten Sichtweisen beruhen auf der Online-Analyse, ExpertInneninterviews
und Interviews mit verschiedenen NutzerInnengruppen und der City Befragung Wien 2009.

26

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Alkoholkonsum

und

an

seiner

Unübersichtlichkeit

und

hohen

BesucherInnendichte. Es gibt auch Gruppen, die ihn aufgrund seines
„schlechten Rufes“ nicht nutzen14. Besonders kritisch sehen den Platz viele

ExpertInnen aus dem Bereich Stadtgestaltung und Architektur. Auch viele
BewohnerInnen wünschen sich einen ruhigeren und saubereren Platz15.

Das Nachtleben „am Schwedenplatz“ hat unter jüngeren WienerInnen
einen sehr guten Ruf.
In den letzten Jahren hat sich der Schwedenplatz bzw. die umliegende
Lokalszene mit dem „Bermudadreieck“ von „dem angesagten Ort in Wien“
zu einem Ort unter vielen entwickelt16. Im Gegensatz zu früher ist hier

heute vor allem jüngeres Wiener Publikum im Alter bis Mitte 20 zu finden.

Die günstigen Preise in den Lokalen, die Möglichkeit der nichtkommerziellen Nutzung des öffentlichen Raums als Treffpunkt oder zum
Konsum mitgebrachter Getränke und die hohe Dichte an Gleichaltrigen
und Gleichgesinnten machen den Ort für die jungen Leute attraktiv.

Der „Ruf des Schwedenplatzes“ wird stark von seiner nächtlichen
Nutzung bestimmt.
Bei der Frage nach dem Ruf des Gebietes ist die Bezugsgröße meist „der
Schwedenplatz“

als

Synonym

für

das

gesamte

Gebiet

Schwedenplatz/Morzinplatz und Umgebung. Damit ist vorwiegend ein

Fokus auf seine nächtliche Nutzung verbunden. Die Beschreibung seines
Rufes am Tag oder auch eines „guten Rufes“ wird explizit abgegrenzt.

„Der Schwedenplatz“ hat „sprichwörtlichen Charakter“ – im Negativen.
Darüber hinaus wird „der Schwedenplatz“ oftmals bei einer allgemeinen

Behandlung der Themen Sicherheit, Verkehr und Fastfood als
Negativreferenz benutzt.

Eine Sozialraumanalyse über die Lebenswelt von SchülerInnen des 1. Bezirks im Auftrag
der MA 13 zeigte, dass viele von ihnen den Platz aufgrund seines schlechten Rufes meiden,
ihn jedoch aus eigener Anschauung kaum kennen (vgl. 2012).

14

15 BewohnerInnen wurden nicht gesondert befragt, ihre Sichtweise wurde vermittelt über die
Bezirksvertretung, den BürgerInnendienst und die Webauftritte der BürgerInneninitiativen
einbezogen.

16 Dies hängt auch damit zusammen, dass die Wiener Lokalszene in den letzten Jahren an
Größe und Vielfalt deutlich zugenommen hat.

27

Die Situation auf dem Platz hat sich verbessert, der schlechte Ruf wirkt
nach.
Vielfach wurde in Interviews darauf hingewiesen, dass sich der „Ruf des

Schwedenplatzes“ in den letzten Jahren verbessert habe. Auch in jüngeren

Medienbeiträgen über Drogenprobleme, die den Schwedenplatz als

Negativreferenz anführen, wird in einem Nebensatz erwähnt, dass die
Situation heute besser sei. Dennoch wird diese Verbindung noch
hergestellt, ein Zeichen dafür, wie dauerhaft solche Zuschreibungen sein
können und wie langsam sich ein „Ruf“ ändert.

Der Zustand „des Schwedenplatzes“ ist Thema in Wien: shabby
Schwedenplatz.
In den Medien ist „der Schwedenplatz“ immer wieder präsent. Seit 2011
werden vor allem sein unattraktiver Zustand und die Notwendigkeit eines
Umbaus bzw. einer Sanierung thematisiert.

In Online-Tourismus-Führern kommt der Bereich Schwedenplatz kaum

vor. Wenn doch, dann in einem Halbsatz mit negativer Konnotation wie:

„shabby Schwedenplatz“. Dies ist auch vielen WienerInnen ein Anliegen,

sie empfinden es als peinlich, dass ein Ort, den so viele TouristInnen
besuchen, nicht repräsentativer ist.

28

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

S CHWEDENPLATZ /M ORZINPLATZ –

DIE

A NALYSE

C HAR AKTER ISTIK DES S C HW EDENPLATZES /M OR ZINPLATZ ES
Der Schwedenplatz bildet mit dem angrenzenden Morzinplatz und dem

Platz vor dem Hotel Capricorno einen zentralen Platzraum am Rande der

Wiener Innenstadt. Er dient als hochrangiger Umsteigeknotenpunkt für
den öffentlichen Verkehr und liegt an der inneren ringförmigen
Verkehrsachse

Ring-Kai

und

am

Donaukanal.

Dieses

wichtige

„Eingangstor“ in die Innenstadt liegt in unmittelbarer Nähe des bekannten
Vergnügungsviertels „Bermudadreieck“ und ist auch Standort für Betriebe
und Wohnungen.

Für eine Neugestaltung des Platzes stellt sich die Frage, welche Funktionen

der Schwedenplatz/Morzinplatz in welchem Ausmaß erfüllt. Ist er stärker
transitorischer

Ort,

Aufenthaltsort

wohnungsnaher Freiraum?

für

BesucherInnen

oder

D E R S C H W E D E N P L A T Z /M O R Z I N P L A T Z A L S T R A N S I T R A U M
Der Schwedenplatz/Morzinplatz wird fast rund um die Uhr stark

frequentiert. Im zentralen Bereich des Schwedenplatzes, bei den U-Bahn-

Ausgängen, ist die Dichte der PassantInnen besonders hoch. Dazu kommen

die TouristInnenströme, die den Platz überqueren, weil sie von und zu den
öffentlichen

Verkehrsmitteln,

Flughafenbus unterwegs sind.

den

TouristInnenbussen

oder

dem

Nach der Morgenspitze der Arbeitenden steigt die PassantInnenfrequenz
im Laufe des Tages sukzessive an. In warmen Sommernächten gibt es

einen regen Transitverkehr zwischen dem „Bermudadreieck“ und dem
Schwedenplatz sowie in die Stadt und in den 2. Bezirk.

Die Transitfunktion ist eine zentrale Funktion des Platzes.
Durch seine Funktionen als hochrangiger Umsteigeknoten des öffentlichen
Verkehrs, Ausstiegsstelle für TouristInnenbusse und Eingangstor in die
Innenstadt für Beschäftigte und BesucherInnen ist die Transitfunktion eine

wichtige Aufgabe des Schwedenplatzes zentral. Sie benötigt fast rund um

die Uhr viel Platz. Doch auch der Morzinplatz und der Hotelvorplatz
werden zu bestimmten Zeiten als Transiträume genutzt.

29

A BBILDUNG 6: G RAFIKEN H AUPTGEHLINIEN TAGSÜBER UND NACHTS

D E R S C H W E D E N P L A T Z /M O R Z I N P L A T Z A L S A U F E N T H A L T S O R T
Der gesamte Platzbereich ist, bei gutem Wetter fast rund um die Uhr
Aufenthaltsort für viele verschiedene NutzerInnengruppen. Er bietet viele
Sitzplätze ohne Konsumzwang.
Dennoch

ist

der

Aufenthalt

auf

dem

zentralen

Bereich

des

Schwedenplatzes meist mit dem Konsum der hier angebotenen Speisen

und Getränke verbunden. Viele BesucherInnen nutzen die öffentlichen
Sitzplätze, um die Angebote der umliegenden Imbissstände und Eissalons
zu genießen.

Der Morzinplatz dient tagsüber als ruhiger Rückzugsort, hier wird Pause
gemacht. Abends und in warmen Sommernächten allerdings ist er ein viel
besuchter Treffpunkt für junge WienerInnen.

Der Platz vor dem Hotel ist fast rund um die Uhr nur wenig besucht.

Tagsüber vormittags halten sich viele ältere Menschen auf dem zentralen

Bereich des Schwedenplatzes auf. Sie genießen das Leben auf dem Platz,
verbinden den Besuch mit alltäglichen Besorgungen und treffen sich mit
Bekannten.

30

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Gegen Mittag kommen Beschäftigte aus der Umgebung dazu, die den

gesamten Platzbereich und seine vielfältigen Essensangebote nutzen, um
hier ihre Mittagspause zu verbringen.

Am Nachmittag wird der zentrale Bereich des Platzes sowohl an
Wochentagen,

aber

stärker

noch

am

Wochenende,

von

vielen

verschiedenen BesucherInnen jeden Alters genutzt, die zum Eisessen
kommen, oder kurz Pause machen: (Groß-)Eltern mit kleineren Kindern,
ältere Menschen, AusflüglerInnen, TouristInnen und viele andere.

Abends und nachts ist der Morzinplatz ein beliebter Treffpunkt für junge,

nächtliche BesucherInnen. Auch die Imbissstände auf dem zentralen
Bereich des Schwedenplatzes sind gut besucht. Vor allem nach der
Sperrstunde der umliegenden Lokale lassen viele junge BesucherInnen die
Nacht hier ausklingen.
Der

Schwedenplatz/Morzinplatz

ist

fast

rund

um

die

Uhr

Aufenthaltsort für viele verschiedene Gruppen.

A BBILDUNG 7: N UTZER I NNEN AUF DEM P LATZ

31

DER

S C H W E D E N P L A T Z /M O R Z I N P L A T Z

ALS

WOHNUNGSNAHER

FREIRAUM
Wohnungsnahe Freiräume haben einen eher privaten Charakter und

dienen, anders als zentrale öffentliche Plätze, vorwiegend dem
Erholungsbedürfnis der angrenzenden BewohnerInnen.

Es gibt einen Nutzungsdruck durch ältere BewohnerInnen und jüngere
Kinder im Umfeld des Platzes, der aber durch Grünflächen in der
Umgebung aufgefangen werden kann.
Im

Umfeld

des

Schwedenplatzes/Morzinplatzes

leben

überdurchschnittlich viele ältere Menschen und Kinder unter 9 Jahren, für

die nahe gelegene öffentliche Freiräume für Erholung und Kinderspiel
besonders wichtig sind. Daher ergibt sich für einige Bereiche im Umfeld

des Platzes ein statistisch ermittelter, potenzieller Nutzungsdruck durch
Kinder und BewohnerInnen über 75 Jahren. Die vorhandenen Grünflächen
im Umfeld können diesen jedoch meist entschärfen.

Der Schwedenplatz/Morzinplatz hat aufgrund seiner dichten und
intensiven Nutzung und der Vielfalt seiner BesucherInnen nur bedingt
den Charakter eines wohnungsnahen Freiraums.
Der Schwedenplatz/Morzinplatz ist ein zentraler öffentlicher Ort, der

eigentlich nicht den Charakter eines wohnungsnahen Freiraums hat.
Dennoch hat er das Potenzial, auch für BewohnerInnen attraktiv zu sein. Er

bietet Geschäfte des täglichen Bedarfs und ist beispielsweise an den

Vormittagen ein beliebter Ort für ältere BesucherInnen. Kinder besuchen
ihn fast ausschließlich in Begleitung Erwachsener, um Eis oder andere

Angebote zu konsumieren. Für sie gibt es im öffentlichen Raum bisher
keine speziellen Nutzungsangebote.

32

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

H INWEISE

ZUR

U MGESTALTUNG

DES

S CHWEDENPLATZES /M ORZINPLATZES
Z UKÜNFTIGE F UNKTIONEN
Diese Vielfalt an Funktionen, die der Platz schon heute in hohem Ausmaß
erfüllt, macht seine Umgestaltung zu einer komplexen Herausforderung.

Um eine Basis für Entscheidungen im Rahmen der Neugestaltung zu haben,
müssen die verschiedenen Funktionen gewichtet werden.
Der

Schwedenplatz/Morzinplatz

wird

auch

in

Zukunft

kein

wohnungsnaher Freiraum sein, durch die Berücksichtigung der
Bedürfnisse von älteren Menschen und Kindern soll jedoch Bezug auf
die BewohnerInnenstruktur genommen werden.

A BBILDUNG 8: K ÜNFTIGE F UNKTIONEN AUF DEM P LATZ

Der Schwedenplatz/Morzinplatz wird auch in Zukunft kein Freiraum sein,

der vorrangig den BewohnerInnen der Umgebung dient. Dennoch soll er
auch

für

BewohnerInnen

eine

sinnvolle

Ergänzung

ihres

Freiraumangebots bieten. Aufgrund der BewohnerInnenstruktur des
Umfeldes sollte vor allem auf die Bedürfnisse älterer Menschen und
kleinerer Kinder Rücksicht genommen werden.

33

Die Funktionen Transit und Aufenthalt stehen vielfach zueinander in
Konkurrenz, ihre Bedeutung ist aber in verschiedenen Teilbereichen
unterschiedlich.
Die

hohe

Bedeutung

des

Schwedenplatzes/Morzinplatzes

als

Umsteigeknoten des öffentlichen Verkehrs und als Tor zur Stadt legt nahe,

dass der Transitfunktion im zentralen Bereich des Platzes Priorität
eingeräumt werden sollte. Hier hat auch die Funktion „Aufenthalt mit
Konsum“

17

eine

hohe

Bedeutung.

Aufgrund

der

Struktur

des

Essensangebotes ist es weiterhin notwendig, dass eine beträchtliche
Anzahl an öffentlichen Sitzplätzen ohne Konsumzwang zur Verfügung
steht. Dies kommt zusätzlich den Bedürfnissen älterer Menschen entgegen.

Am Morzinplatz soll Aufenthalt ohne Konsum im Vordergrund stehen.

Transit und Aufenthalt mit Konsum haben hier nur untergeordnete
Bedeutung.

Der Hotelvorplatz eignet sich aufgrund seiner Nähe zum zentralen
Bereich des Platzes gut dafür, die Funktionen Aufenthalt mit und ohne

Konsum gleichrangig anzubieten. Transit hat hier ebenfalls nur eine
nachrangige Bedeutung.

A LLGEMEINE H INW EISE ZUR U MG ESTALTUNG
Verbesserung von Sauberkeit und Erhaltungszustand18
Es besteht große Einigkeit darin, dass der Schwedenplatz/Morzinplatz

überholungsbedürftig ist. Die höchste Unzufriedenheit besteht mit dem

derzeitigen Sauberkeitszustand. So gut wie alle befragten Gruppen, ob
NutzerInnen oder beruflich mit dem Platz befasste ExpertInnen, wünschen

sich mehr Sauberkeit auf dem Platz. Damit geht meist der Wunsch nach

einer Verbesserung des Erhaltungszustandes einher: Eine Sanierung des
Platzes, vom Bodenbelag bis zu den Sitzmöglichkeiten, findet breite
Zustimmung.

17 Ein Großteil des Konsums findet hier im öffentlichen Raum, auf Sitzplätzen ohne
Konsumzwang statt. Dies soll auch in Zukunft möglich sein.

18 Vorschläge von älteren Menschen, (Groß-)Eltern, Arbeitenden auf dem Platz,
BezirksvertreterInnen, der „Wohnzimmergruppe“, jungen, nächtlichen BesucherInnen,
MittagspäuslerInnen, Wartenden, BewohnerInnen und weiteren ExpertInnen.

34

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

(Neu-)Organisation des Platzes19
Unter Beibehaltung der grundsätzlichen Charakteristik der vorhandenen

Teilräume wird von vielen auch eine Neuorganisation des gesamten
Platzbereiches vorgeschlagen. Dabei sollen Barrieren reduziert, die

Verbindungspunkte für FußgängerInnenströme (z.B. Flughafenbus) neu
geordnet und Zonen für unterschiedliche Nutzungen definiert werden. Die

Funktion des Platzes als „Tor zur Stadt“ soll ausgebaut werden.
TourismusexpertInnen

nutzerInnenfreundlichen

schlagen

„Terminals“

die

Toilettenanlagen, Infoschalter/Ticketschalter vor.

mit

Schaffung

eines

Schließfächern,

Neugestaltung des Freiraums20

Der neu gestaltete Freiraum soll Orte zum Verweilen anbieten, an die man

sich zurückziehen kann, aber von denen aus man auch das Geschehen
beobachten kann. Wichtig ist, dass es mehr Sitzplätze gibt, die jedoch

unterschiedliche Qualitäten aufweisen sollen: für Jung und Alt, Sonne und

Schatten.

Viele wünschen sich mehr Grün und mehr Blumen auf dem Platz. Die

Magistratsabteilung 42, Wiener Stadtgärten, möchte aus Gründen der
Pflege keine kleinteiligen Grünflächen. Auch eine Aktivzone und
wegbegleitendes Spiel wurden vorgeschlagen.
Verbesserte Ästhetik und Sichtbarkeit21

Viele wünschen sich eine neue Ästhetik ohne Beeinträchtigung der
aktuellen Nutzungen. Der Platz soll künftig einheitlich gestaltet22 sein und
ein modernes Erscheinungsbild aufweisen: ansprechende Architektur, eine
„coole“ Gestaltung und Landmarks sowie ein durchgängiges Lichtkonzept.

19 Vorschläge von: (Groß-)Eltern, BewohnerInnen, Marktamt, älteren Menschen und
ExpertInnen.

Vorschläge von: älteren Menschen, (Groß-)Eltern, BezirksvertreterInnen, der
„Wohnzimmergruppe“, jungen, nächtlichen BesucherInnen, MittagspäuslerInnen, Wartenden
und weiteren ExpertInnen.

20

Vorschläge von: älteren Menschen, (Groß-)Eltern, BezirksvertreterInnen, der
„Wohnzimmergruppe“, jungen, nächtlichen BesucherInnen, MittagspäuslerInnen, Wartenden
und weiteren ExpertInnen.

21

22

Zum Beispiel bei den Mistkübeln, von denen es derzeit viele verschiedene gibt.

35

Verkehr23
Beim Thema Verkehr steht die Attraktivierung des Rad- und Fußverkehrs

im Zentrum der Vorschläge. Radverbindungen und Fahrradabstellanlagen

sollen ausgebaut werden, die Rotenturmstraße könnte für den Radverkehr
gegen die Einbahn geöffnet werden.

Für FußgängerInnen soll mehr Platz geschaffen, Barrieren sollen abgebaut
werden.

Noch

offen

ist

die

Lösung

der

Abgrenzung

zwischen

FußgängerInnen und Radverkehr, die derzeit vor allem am Kai zu
unangenehmen Situationen führt. Einige befürworten das Zulassen von
RadfahrerInnen in den FußgängerInnenbereichen, andere sehen es
kritisch.

Auch die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs im Umfeld des

Platzes (z.B. Auflassen einer Fahrspur am Kai, die Sperrung der

Rotenturmstraße für Autos, erweiterte FußgängerInnenzonen) wurde
vorgeschlagen.
Wirtschaft24
ExpertInnen

wünschen

sich

eine

Verbesserung

des

Mixes

der

Gastronomiebetriebe25 und ein Eindämmen der Kommerzialisierung des

öffentlichen Raums. Junge, nächtliche BesucherInnen sind sich uneinig, ob

mehr oder weniger Bars eine Verbesserung der nächtlichen Situation
bringen würden. Den VertreterInnen der Wirtschaftskammer sind neben

den Ladezonen vor allem die Ein- und Ausstiegsstellen der Busse wichtig,

am liebsten würden sie auch die Busparkplätze behalten.
Erweiterte Infrastruktur26

Ganz oben auf der Wunschliste zusätzlicher Infrastruktur steht je eine
weitere Toilette auf dem zentralen Bereich des Schwedenplatzes und auf
23 Vorschläge von: älteren Menschen, jungen, nächtlichen BesucherInnen, BewohnerInnen
und weiteren ExpertInnen.

24 Vorschläge von: jungen, nächtlichen BesucherInnen, Gewerbetreibenden (Kammer) und
weiteren ExpertInnen.
25

Im Sinne von mehr „hochwertigen“ Gastronomieangeboten und weniger „Fast Food“.

Vorschläge von: älteren Menschen, (Groß-)Eltern, jungen, nächtlichen BesucherInnen,
MittagspäuslerInnen, Arbeitenden auf dem Platz, Gewerbetreibenden (Kammer) und
weiteren ExpertInnen.

26

36

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

dem Morzinplatz. Derzeit gibt es nur eine öffentliche Toilettenanlage in der
U-Bahn und sie ist nur tagsüber geöffnet.

Begleitpersonen kleinerer Kinder benötigen weitere Brunnen zum Trinken
und Händewaschen.

Da sich vor allem nachts lange Schlangen vor den Bankomaten bilden,
könnten zusätzliche Geldautomaten die Situation entspannen.

Ruhesuchende während der Mittagspause würden sich über Lärmschutz27

freuen, auch eine Hundezone28 wurde vorgeschlagen.

Weitere Ideen sind: Public Viewing sowie ein temporärer Obst- und

Gemüsemarkt. ExpertInnen und junge, nächtliche BesucherInnen regen
einen öffentlichen WLAN-Hotspot an.

Soziales29

Von den meisten Befragten wurde der Schwedenplatz/Morzinplatz
tagsüber als sozial angenehmer Ort beschrieben. Auch die Anwesenheit

marginalisierter Gruppen wurde von den meisten problemlos toleriert.
Lediglich Begleitpersonen kleinerer Kinder und Beschäftigte, die hier ihre

Mittagspause verbringen, fühlen sich zum Teil durch die Anwesenheit
dieser Gruppen belästigt. Einige regten eine aufsuchende Betreuung dieser
Menschen an.

Nachts kommt es im Zusammenhang mit hoher Dichte von PassantInnen

und BesucherInnen und in Zusammenhang mit Alkoholkonsum zu, meist
nur verbalen, Konflikten. Ob mehr Polizei hier Abhilfe schaffen würde,
wurde kontrovers gesehen. Junge, nächtliche BesucherInnen zeigten sich
offen für Gespräche und Aufklärung zum Thema Alkoholkonsum.

27 Der Schwedenplatz/Morzinplatz weist eine Lärmbelastung zwischen 65 und 75 Dezibel auf
(vgl. MA 22, END-Summenlärmkarte Straße, Schiene, IPPC-Anlagen).

28 Es gibt einige Hundezonen im Umfeld des Platzes. Der Wunsch nach einer Hundezone weist
vermutlich auf das Hundekotproblem am Morzinplatz hin.
29 Vorschläge von: älteren Menschen, jungen, nächtlichen BesucherInnen, der
„Wohnzimmergruppe“ und weiteren ExpertInnen.

37

H INWEISE ZUR U MG ESTALTUNG DES ZENTRALEN B ER EICHS
DES

S CHWEDENPLATZES

Der zentrale Bereich des Schwedenplatzes ist geprägt von U-BahnAusgängen, Imbissständen, Schanigärten und Eissalons.

A BBILDUNG 9: A USSCHNITT DER K ARTE I NFRASTRUKTUR AM
S CHWEDENPLATZ /M ORZINPLATZ

Der zentrale Bereich des Schwedenplatzes ist rund um die Uhr stark
belebt.
Hier treffen PassantInnen auf Menschen, die hier verweilen, um die

zahlreichen Angebote der Imbissstände, Nahversorgung und Eissalons zu
nutzen. Unmittelbar bei den U-Bahn-Ausgängen ist die Dichte der

PassantInnen, vor allem morgens und am späten Nachmittag, besonders

hoch. Dazu kommen die FußgängerInnenströme der TouristInnen, die den
Platz überqueren, weil sie von und zu den öffentlichen Verkehrsmitteln,

den TouristInnen- und Sightseeingbussen oder dem Flughafenbus
unterwegs sind.

Mittags und an den Wochenenden nachmittags halten sich besonders

viele Menschen hier auf. Sie kaufen sich etwas zu essen, treffen sich,
38

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

unterhalten sich, warten auf jemanden, machen Pause. Am Wochenende
verbinden viele den Besuch des Platzes mit einer Fahrradtour.

Die BesucherInnen halten sich überall dort auf, wo Platz ist und es
Sitzmöglichkeiten gibt. Eine ruhige „Nische“ findet sich in Richtung
Hafnersteig, hierhin ziehen sich oft Eltern mit Kindern zurück.

A BBILDUNG 10: A USSCHNITT DER K ARTE „H OTSPOTS “ AM
S CHWEDENPLATZ /M ORZINPLATZ

Auch abends und nachts ist dieser Bereich sehr belebt. Abendliche Gäste
kommen aus den Theatern und Lokalen der Innenstadt, um einen Imbiss

zu sich zu nehmen. Wenn die Lokale in der Umgebung schließen, lassen
viele junge BesucherInnen die Nacht auf dem Weg zu den öffentlichen
Verkehrsmitteln

hier

ausklingen.

Wenn

nachts

Betrunkene

aufeinandertreffen, kann es zu Auseinandersetzungen kommen.

Hotspots entstehen überall dort, wo PassantInnenströme auf wartende,
stehende oder sitzende Menschen treffen und die räumliche Situation
eng ist.
Es sind tagsüber und nachts dieselben Orte: Im Bereich des östlichen UBahn-Ausgangs, zwischen Sitzgelegenheiten, Imbissständen und Eissalon.
Hier treffen PassantInnen auf essende und wartende Menschen.

39

Vor dem westlichen U-Bahn-Ausgang sind die PassantInnenströme in

Richtung Rotenturmstraße noch stärker, nachts bilden sich zudem vor
dem Bankomaten Schlangen. Unterschiedliche Gehgeschwindigkeiten
führen an diesem Nadelöhr zu Irritationen.

An der Kreuzung Rotenturmstraße queren tagsüber und nachts viele

Menschen die Straße und behindern den von der Rotenturmstraße
kommenden Autoverkehr. Nachts stehen viele junge BesucherInnen vor
dem McDonald’s und erschweren die Querung für PassantInnen. Zudem
verschärfen vom Standplatz Rotenturmstraße kommende Taxis die

ohnehin dichte Verkehrssituation.

Neuorganisation des Platzes, Definition unterschiedlicher Zonen
Der zentrale Bereich des Schwedenplatzes ist stark frequentiert.

Besonders Begleitpersonen kleinerer Kinder leiden unter dieser Situation,

aber auch ältere BesucherInnen wünschen sich ruhigere Rückzugsorte,

von denen aus das bunte Treiben beobachtet oder in Ruhe Gespräche
geführt werden können.

Eine Neuordnung des zentralen Bereichs des Schwedenplatzes mit dem
Ziel, den PassantInnenströmen genügend Raum zu geben und abseits

davon ruhigere Zonen für den Aufenthalt zu schaffen, entspricht den
Wünschen vieler.

Reduktion bzw. Neuorganisation der Imbissstände
Mit einer Neuorganisation des Schwedenplatzes zentral ist der Vorschlag,

die Imbissstände zu reduzieren bzw. neu zu organisieren, verbunden.

Derzeit sind die Wege an einigen Stellen („Hotspots“ vgl. Abbildung 10)

durch Imbissstände und Schanigärten eingeengt. Sie behindern die

FußgängerInnenströme zu Spitzenzeiten, vor allem an Nachmittagen,

sowie an warmen Wochenenden tagsüber und nachts.

Eine Neuorganisation der Imbissstände und, wenn notwendig, eine

Reduktion30 sollten Abhilfe schaffen. Dazu gibt es auch Offenheit beim
Marktamt31.

30 Eine Reduktion der derzeit bestehenden Bewilligungen für fixe Kioske wäre auch aus Sicht
des Marktamtes erstrebenswert, es bestehen aber Zweifel, ob diese rechtlich durchgesetzt
werden kann.

40

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Verbesserung der Sauberkeit und des Erhaltungszustandes
Das Sauberkeitsproblem entsteht auf dem Schwedenplatz zentral vor
allem im Gefolge der Imbissstände32. Hier sollte eine adäquate Lösung
gefunden werden.

A BBILDUNG 11: I DEEN FÜR DEN S CHWEDENPLATZ ZENTRAL

Eine neue Lösung für die Kreuzung Rotenturmstraße
Die Kreuzung Rotenturmstraße ist ein „Hotspot“, an dem sehr viele

FußgängerInnen auf AutofahrerInnen und RadfahrerInnen treffen, was
immer wieder zu Konflikten führt.

Eine Idee, die geäußert wurde, ist, die Rotenturmstraße für den

motorisierten Individualverkehr zu sperren, um die Situation zu
entschärfen33.

31 Aus Sicht des Marktamtes sollten die Stände in Zukunft einheitlicher gestaltet sein. Zudem
sollten die Standorte, die Verkaufsrichtung und die Beleuchtung der Stände neu geplant
werden.

32 Nach Ansicht der VertreterInnen der Wirtschaftskammer gibt es zu wenige öffentliche
Mistkübel, aber auch Vorschriften, die verhindern, dass die BetreiberInnen eigene Mistkübel
aufstellen. Sie schlagen eine Lösung analog der Kärntner Straße vor. Auch das Marktamt sieht
die Notwendigkeit einer klaren Abgrenzung der Reinigungszuständigkeit in Bezug auf die
Schanigärten.

41

Darüber hinaus bietet der Taxistandplatz in der Rotenturmstraße seit
langem Anlass für Kritik, aufgrund der beengten Situation und seitens der
BewohnerInnen (Lärm, laufender Motor)34. Im Rahmen der Neuordnung

von Funktionen auf dem gesamten Schwedenplatz/Morzinplatz könnte

auch ein neuer Standort für den Taxistandplatz35 gefunden werden, der
weiter außerhalb liegt und dadurch weniger Störungen verursacht.

Darüber hinaus sollten weitere Überlegungen zur Entschärfung der
Situation an der Kreuzung zur Rotenturmstraße angestellt werden.
Lösungen für Fahrräder

Auf dem Schwedenplatz zentral ist derzeit vor allem das Abstellen von

Fahrrädern Thema. Die vorhandenen Fahrradabstellanlagen sind oft
überfüllt. Darüber hinaus nehmen viele BesucherInnen mit Fahrrädern
diese auf den Platz mit und stellen sie für einen kurzen Aufenthalt vor den
Sitzmöglichkeiten ab.

Für den Schwedenplatz zentral ist es wichtig, die Sitzmöglichkeiten so

locker anzuordnen, dass kurz abgestellte Fahrräder, aber auch
Kinderwägen oder Rollatoren PassantInnen nicht behindern. Darüber

hinaus sollten Lösungen für ein längeres Abstellen von Fahrrädern

gefunden werden. Da der Schwedenplatz zentral der am stärksten genutzte
Teilbereich ist, sollte die Neuordnung der Fahrradabstellplätze im
Zusammenhang

mit

einer

Neuordnung

Schwedenplatzes/Morzinplatzes gesehen werden.

des

gesamten

Abgrenzung zu den Straßenbahngleisen
Der

Schwedenplatz

zentral

ist

von

einem

breiten

Band

von

Straßenbahnschienen geprägt. Sowohl die Wiener Linien als auch
Begleitpersonen kleinerer Kinder halten es für sinnvoll, die Abgrenzung zu
den Straßenbahngleisen deutlicher zu gestalten.

33

Vorschlag aus einem ExpertInnengespräch mit VertreterInnen der WKW.

35

Mitglieder der Bezirksvertretung schlagen eine Nutzung der Nachtbushaltestellen am

34

Einschätzungen aus einem ExpertInnengespräch mit VertreterInnen der WKW.

Wochenende für die Taxis vor.

42

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Reduktion der Barrieren
Der Kai ist vom Schwedenplatz zentral durch eine mehrspurige Fahrbahn

und die Straßenbahnschienen getrennt, die eine deutliche Barriere
darstellen. Begleitpersonen kleinerer Kinder und ExpertInnen wünschen
sich

Maßnahmen

zur

Reduktion

der

Barrieren

zwischen

Schwedenplatz zentral und den Fuß- und Radwegen entlang des Kais.

dem

Öffentliches WC und Brunnen

Eine gut erreichbare WC-Anlage auf dem Schwedenplatz zentral wird von
vielen Gruppen gewünscht, von Begleitpersonen kleinerer Kinder ebenso
wie

von

auf

dem

Platz

Arbeitenden,

VertreterInnen

der

Wirtschaftskammer, älteren Menschen und weiteren ExpertInnen.

Begleitpersonen kleinerer Kinder wünschen sich darüber hinaus einen
zweiten Trinkbrunnen zum Händewaschen in der Nähe des Eissalons.

43

H INWEISE ZUR U MG ESTALTUNG DES M ORZINPLATZES
Der Morzinplatz ist ein grüner Aufenthaltsort.
Der Morzinplatz ist geprägt von Grünflächen in Hochbeeten mit

Betonumrandungen, die als Sitzflächen genutzt werden, und einem
Straßenraum, der in eine FußgängerInnenzone mündet.

Anziehungspunkte sind neben der umgebenden Lokalszene mit dem
„Bermudadreieck“ die vielfältigen Sitzgelegenheiten in den und entlang der
Hochbeete, auch die Gedenkstätte gegen Faschismus, die an den Standort

des ehemaligen Gestapo Hauptquartiers erinnert. Darüber hinaus sind hier
ein Supermarkt und der Flughafenbus angesiedelt. Unter dem Morzinplatz
ist eine Tiefgarage, eine Stiegenanlage führt zur ältesten Kirche Wiens, der
Ruprechtskirche.

A BBILDUNG 12: F OTO B ESUCHER I NNEN M ORZINPLATZ /E CKE R OTENTURMSTRAßE

Der Morzinplatz am Tag
Tagsüber ist der Morzinplatz ein belebter Bereich, der durch seine vielen

Sitzmöglichkeiten einen entspannten, ruhigen und, bis auf Hundedreck in
den Grünflächen, auch sauberen Charakter hat.

Die abgegrenzten Bereiche am Morzinplatz, „Wohnzimmer“, werden

tagsüber von verschiedenen Gruppen genutzt. Neben sehr häufigen
BesucherInnen, die dort oft ihre Zeit verbringen, teils Alkohol trinken und

arbeits- bzw. obdachlos sind, finden sich auch Menschen, die dort kurz

Rast machen. Häufig anzutreffen sind Eltern mit Kindern, Pause machende

und Menschen (TouristInnen), die auf den Flughafenbus warten. Offene
Konflikte zwischen den NutzerInnen wurden bei den Beobachtungen nicht

wahrgenommen. Dennoch fühlen sich einige Be-sucherInnen von Alkohol

konsumierenden und bei fortgeschrittener Alkoholisierung im öffentlichen
Raum urinierenden Männern belästigt.

44

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Der Morzinplatz nachts
An den Wochenenden ist der Morzinplatz nachts eine Art Vorplatz des

Bermudadreiecks und wird in warmen Sommernächten sehr intensiv von
jungen BesucherInnen frequentiert. Die Polizei ist häufig anwesend und

signalisiert Einsatzbereitschaft. Man hört hier die Lärmkulisse aus dem
Bermudadreieck und es ist auch manchmal schmutzig.

A BBILDUNG 13: F OTO „W OHNZIMMER “ M ORZINPLATZ

Der Morzinplatz funktioniert für fast alle NutzerInnen gut, eine
Neugestaltung sollte diese Funktionen nicht beeinträchtigen.
Die Befragung hat gezeigt, dass der Platz für fast alle NutzerInnen gut
funktioniert. Allerdings wird der Platz stark genutzt und viele Wünsche

beziehen sich auf ein Mehr des heute schon Angebotenen: mehr und
sauberere Sitzplätze und mehr Grün, womit oftmals Bäume gemeint sind,
die zugleich Schatten erzeugen. Eine Verbauung der vorhandenen Flächen
wurde von einigen Befragten explizit abgelehnt.

Eine Neugestaltung und ästhetische Aufwertung des Platzes kommt
etlichen NutzerInnen entgegen, wobei die grundlegenden Funktionen des

Aufenthalts im öffentlichen Raum dadurch nicht beeinträchtigt werden
sollten.

Die Nutzungen zum Kai hin sollten geprüft werden.
Aus Sicht einzelner ExpertInnen könnte der Morzinplatz durch eine
Reduktion der Barrieren, die durch Straßenbahn, Tankstelle und
Busparkplatz

entstehen,

Begleitpersonen

kleinerer

funktionell
Kinder

Querungsmöglichkeiten zum Donaukanal.

aufgewertet

wünschen

werden.

sich

Auch

verbesserte

45

Gewerbetreibende

hingegen

wünschen

sich,

dass

die

Ein-

und

Ausstiegsstellen und auch die Stellplätze der Busse bleiben, da diese vor
allem für die zunehmende Anzahl an älteren TouristInnen wichtig sind.

Zudem steige seit der Inbetriebnahme der neuen Schiffanlagestelle der
Busverkehr und damit die FußgängerInnenfrequenz über die Straße.

Eine öffentliche Toilette ist zentral, um soziale Konflikte im öffentlichen
Raum zu entschärfen.
Die „Wohnzimmergruppe“ und andere marginalisierte Menschen werden

auf dem Platz derzeit von den meisten anderen BesucherInnen toleriert.

Um dies auch in Zukunft zu gewährleisten und etwaige Konflikte zu
entschärfen, ist eine öffentliche Toilette auf dem Morzinplatz zentral. Auch
aufsuchende Sozialarbeit könnte helfen.

A BBILDUNG 14: A USSCHNITT DER K ARTE I NFRASTRUKTUR AM
S CHWEDENPLATZ /M ORZINPLATZ

46

FSRA Schwedenplatz/Morzinplatz

Der Morzinplatz sollte konsumfreier Aufenthaltsort bleiben
Neben dem Hotelvorplatz könnten auch hier Orte für ruhigeren Aufenthalt,
Gespräche oder für Karten- und Schachspiel, wie sie von älteren

BesucherInnen gewünscht werden, untergebracht werden.

A BBILDUNG 15: I DEEN FÜR DEN M ORZINPLATZ

47

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

FSRA IN AUSGEWÄHLTEN
S TADTERWEITERUNGSGEBIETEN
Für

die

Funktions-

und

Sozialraumanalyse

in

ausgewählten

Stadterweiterungsgebieten wurde die Chance genutzt, jenseits aktueller

Anlässe eher unauffällige Plätze auszuwählen: einen Platz im Kabelwerk,
einem Meidlinger Binnenentwicklungsgebiet aus den frühen 2000er-

Jahren und den Alfred-Kubin-Platz, den zentralen Platz des Mitte der

1970er-Jahre errichteten Josef-Bohmann-Hofes in der Donaustadt.

Die untersuchten Plätze haben vorwiegend lokale Bedeutung, sind aber
keine

reinen

„Wohnvorplätze“,

sondern

öffentliche

Räume

mit

infrastrukturellen Angeboten. Ihre Rolle als Orte der Integration steht im
Vordergrund. Hier ist die Frage, welche Verhaltensregeln im öffentlichen

Raum gelten und wer sie durchsetzen kann, von hoher Bedeutung. Dies gilt
nicht nur im Verhältnis zwischen InländerInnen und MigrantInnen,
sondern ebenso zwischen Alt und Jung.

E INBETTUNG

UND

A BLAUF

DER

S TUDIE

Die durchgeführten Funktions- und Sozialraumanalysen (2013-2014)

orientieren sich in ihrem Ablauf an den Vorgaben des Handbuchs „Raum
erfassen“36.
Es wurden
•

•
•
•

Analysen thematischer Karten

Begehungen und teilnehmende Beobachtungen
leitfadengestützte Vor-Ort-Befragungen und

leitfadengestützte ExpertInneninterviews

durchgeführt.

Die Autorinnen der vorliegenden Studie standen darüber hinaus in einem
intensiven

Austausch

mit

den

VerfasserInnen

Ausarbeitung befindlichen Studie zu Identität und

einer

Raum37,

parallel

in

da auch diese

den öffentlichen Raum im Kabelwerk als exemplarisches Beispiel
erforschten.

36
37

Neben

Damyanovic et al. 2012.

inhaltlichem

Austausch

wurde

auch

auf

Rode et al. 2016.

49

Interviewmitschriften des ForscherInnenteams zurückgegriffen, um

Ressourcen zu sparen und begehrte InterviewpartnerInnen nicht doppelt
zu kontaktieren.

Analysen thematischer Karten
Um einen ersten Überblick über das soziale Umfeld der beiden

untersuchten Plätze zu erhalten, wurden soziodemografische Karten der

Stadt Wien aus dem Jahr 2012 analysiert. Dadurch konnten erste
Rückschlüsse auf die Bevölkerungsstruktur im Umfeld der beiden Plätze
und damit auf potenzielle NutzerInnengruppen gewonnen werden.

Darüber hinaus wurde eine Analyse der umgebenden Infrastruktur mittels
der Stadtkarte Wien und Google Maps durchgeführt.
Begehungen und teilnehmende Beobachtung

Mit einem Beobachtungsleitfaden wurde das Gebiet im Anschluss genauer
untersucht und fotografisch dokumentiert: NutzerInnengruppen und

Nutzungen vor Ort wurden erhoben, die spezifische Funktion der beiden
Plätze im Freiraumverbund wurde analysiert. Jeder Platz wurde dabei zu

drei verschiedenen Zeitpunkten von jeweils zwei Personen über drei bis
vier Stunden aufgesucht.

Leitfadengestützte Vor-Ort-Befragungen
Im Anschluss an die Beobachtung wurde ein Schwerpunkt auf die
ausführliche Vor-Ort-Befragung der NutzerInnen gelegt.

Dabei wurden 89 NutzerInneninterviews und Kurzbefragungen mit einer

Dauer zwischen 2 Minuten und einer halben Stunde durchgeführt. 45
Gespräche davon fanden im Kabelwerk 38 (südlicher Platz) und 44
Gespräche im Josef-Bohmann-Hof39 (Alfred-Kubin-Platz) statt.

Themen

waren

Durchgangsorte,

die

das

Veränderungswünsche.

bevorzugten
persönliche

Verweil-,

Wohlfühlen

Konsumationsim

Grätzel

oder
und

38 Vier befragte Erwachsene mit Kind(ern), vier befragte Kinder, sechs befragte Jugendliche,
zwei befragte ältere Menschen, fünf befragte StudentInnen, zwei befragte
HundebesitzerInnen, eine befragte Fahrradfahrerin, zehn befragte Erwachsene, sechs
befragte Alteingesessene der Umgebung, fünf befragte BesucherInnen.

39 Vier befragte Erwachsene mit Kind(ern), sechs befragte Kinder, sieben befragte
Jugendliche, sechs befragte ältere Menschen, vier befragte Hochaltrige und gehbehinderte
Menschen, drei befragte HundebesitzerInnen, eine befragte Fahrradfahrerin, zehn befragte
Erwachsene, drei befragte BesucherInnen.

50

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Leitfadengestützte ExpertInneninterviews
Im Anschluss wurden Einschätzungen von ExpertInnen zu den Plätzen
eingeholt. Es wurden ExpertInnen aus Institutionen und Verwaltung und
lokale Schlüsselpersonen vor Ort einbezogen.

Um Ressourcen zu schonen, wurden neben fünf eigenen Interviews auch
vier Interviews ausgewertet, die im Rahmen der Studie „Identität und

Raum“40 geführt und aufgezeichnet wurden.

Zusammenfassende Analyse der Gebiete und Plätze
Es folgte eine zusammenfassende Analyse der beiden untersuchten

Gebiete und Plätze, ihrer Bedeutung im Umfeld und im Freiraum, ihrer

Funktionen und Qualitäten und ihrer Bedeutung als Ort sozialer
Integration.

40

Rode et al. 2016.

51

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

K ABELWERK –

DIE

B ESTANDSAUFNAHME

Das Kabelwerk im 12. Wiener Gemeindebezirk ist ein 8 ha großes
Neubaugebiet

aus

den

2000er-Jahren

auf

dem

ehemaligen

Produktionsgelände der Kabel- und Drahtwerke AG. Nach dem Einstellen

der Produktion 1997 wurde das Gelände zunächst für kulturelle

Zwischennutzung geöffnet. Ein Beteiligungsverfahren ermöglichte die
Mitsprache

der

Ideenwettbewerbs.

BürgerInnen

im

Vorfeld

eines

städtebaulichen

2002 begann der Bau des neuen Stadtteils, der Umbau des Areals ist seit
der Fertigstellung des neuen Pflegewohnhauses 2011 abgeschlossen.

Das Kabelwerk ist heute ein moderner Stadtteil mit etwa 1.000

geförderten Eigentums- und Mietwohnungen und einer vielfältigen

Mischung von Infrastrukturangeboten, Büros und Geschäften.

Es bietet auch möblierte Appartements, in denen Studierende und
AsylwerberInnen wohnen.

Die öffentlich zugängliche innere Erschließung besteht aus einem
autofreien

Netz

von

Plätzen

und

Wegen.

Die

kulturellen

Zwischennutzungen der Übergangszeit wurden zu permanenten und sind
heute im „Palais Kabelwerk“41 beheimatet.

A BBILDUNG 16: K ARTE E RREICHBARKEIT K ABELWERK

41

Buchner et al. 2004.

53

S TADTRÄUMLIC HE L AG E UND E RR EICHBARKEIT
Das Kabelwerk liegt im 12. Wiener Gemeindebezirk, einem der äußeren

Wiener Stadtbezirke. Das Gebiet ist gut an den öffentlichen Nahverkehr
angeschlossen: Die U-Bahn-Linie 6 hat unmittelbar am Rande der Siedlung

eine Station („Tscherttegasse“), in der Umgebung befinden sich die
Buslinie 16A (inkl. Nachtbusstation), die Straßenbahnlinie 62, die

Schnellbahnlinie S9 und die Badner Bahn. Auch die Autobahn ist rasch
erreichbar.

N UTZUNGSSTR UKTUR
Im unmittelbaren Norden, Osten und Westen des Kabelwerks liegen
Wohn- und Freizeitgebiete unterschiedlicher Struktur: Reihenhäuser mit

Garten, Einfamilienhaussiedlungen, Mehrparteien-Wohnkomplexe und

Kleingartenanlagen sowie das Naherholungsgebiet Wienerberg.

A BBILDUNG 17: K ARTE D AS K ABELWERK UND SEINE U MGEBUNG

54

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Das südliche Umfeld des Gebiets um den Khleslplatz hingegen weist eine

alte, noch dörfliche Struktur auf. Die großen 1950er- und 1970er-Jahre

Wohnsiedlungen „Am Schöpfwerk“ im Osten sowie Südosten und die

2000er Skyline des Wienerbergs im Nordosten sind in Sichtweite. Auch
industriell und gewerblich genutzte Flächen gibt es noch in der näheren
Umgebung. Das Kabelwerk selbst ist an zwei Seiten von starken Barrieren

umgeben: im Nordosten von einer Eisenbahnlinie und im Südosten von der
U-Bahn. Nur die Südseite und die Westseite öffnen sich zur Umgebung.

Z ENTR ENSTR UKTUR

Das Kabelwerk ist eines von fünf nahe gelegenen Infrastrukturzentren. Sie
haben sich dort entwickelt, wo es einen Anschluss an das höherrangige
öffentliche Verkehrsnetz gibt. Das Zentrum Khleslplatz liegt etwas abseits

und ist aufgrund seiner historischen Bedeutung (Dorf Altmannsdorf)
wesentlich.

A BBILDUNG 18: K ARTE D IE I NFRASTRUKTUR DES K ABELWERKS UND SEINER
U MGEBUNG

Das Kabelwerk
Das Kabelwerk ist ein Nahversorgungszentrum für die hier wohnenden
Menschen sowie für die BewohnerInnen der Umgebung. Es ergänzt das
umliegende Angebot und bietet selbst alles, was man unmittelbar benötigt:

55

vom Supermarkt über Bäckerei, Drogerie und Apotheke bis zu Trafik, Bank
und verschiedenen Ärzten. Mehrere Kindergärten, ein Hort, eine Reihe von

Cafés, ein Restaurant, ein Imbissstand und verschiedenste Dienstleister

runden das Angebot ab. Auch ein Friedhof befindet sich am Rande des
Areals. Darüber hinaus gibt es ein Fitnessstudio und das Kulturzentrum
Palais Kabelwerk sowie ein Hotel, das neben seinem Hotelbetrieb auch ein
Café-Restaurant anbietet.

Ö FFENTLICHER R AUM UND F R EIRAUMVERBUND

A BBILDUNG 19: K ARTE F REIRAUMVERBUND IN DER U MGEBUNG DES K ABELWERKS

56

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Der Freiraumverbund
Die unmittelbare Umgebung des Kabelwerks bietet kaum größere

öffentliche Freiräume. Viele Grünflächen im Umfeld sind nicht öffentlich

zugänglich, sie gehören zu Einfamilienhäusern, zu Firmengeländen oder
sind

Teil

von

Sportplätzen

und

Kleingartenvereinen.

Einzelne

Wohnhausanlagen mit Grünflächen, wie das Schöpfwerk, sind öffentlich
zugänglich. Im Norden des Kabelwerks befindet sich die größere

Parkanlage Schwenkgasse mit Spielplatz, im Osten die kleinere Anlage
Andersengasse und im Süden die Park-/Spielanlage An den Eisteichen. In
weiterer Entfernung im Osten liegt das Erholungsgebiet Wienerberg, das
aber weniger gut erreichbar ist. Das Radwegenetz rund um das Kabelwerk
ist recht umfangreich.

Der öffentliche Raum im Kabelwerk
Der öffentliche Raum im Kabelwerk besteht aus einem umfangreichen

Angebot an verschiedenen Plätzen, Parks, Spiel- und Sportbereichen sowie

Verbindungswegen. Das Zentrum bildet der zentral gelegene Otto-Bondy-

Platz. Die Spiel- und Sportbereiche liegen dabei in den äußeren Teilen des

Kabelwerks, ebenso der große Miep-Gies-Park.

Das Kabelwerk ist zwischen Graffitistraße – Stüber-Gunther-Gasse – U-

Bahn-Trasse – Hoffingergasse und der Oswaldgasse gänzlich autofrei, es

sind nur AnrainerInnen-Zufahrten (südliche Stüber-Gunther-Gasse) und

Lieferverkehr gestattet.
Wegenetz

Das Netz des öffentlichen Raums im Kabelwerk wird von breiten
Hauptachsen

Hauptachsen

und

kleineren

haben

Erschließungswegen

bestimmt.

einerseits

Verteilfunktion

für

belebten

Erdgeschoßzonen

mit

Die

die

FußgängerInnenströme zu den einzelnen Wohngebieten. Darüber hinaus
liegen

hier

auch

die

ihren

Infrastrukturangeboten sowie die Zugänge zu einzelnen Wohngebäuden.

Sie sind dementsprechend breit und bieten Platz für mehrere Menschen

nebeneinander. Ein Ausweichen ist daher trotz der hohen Dichte zu
bestimmten Zeiten gut möglich. Sie verbinden die verschiedenen
Himmelsrichtungen und führen immer über das Zentrum des Areals: den

57

Otto-Bondy-Platz. Diese Hauptachsen, die Stüber-Gunther-Gasse und „Am

Kabelwerk“42, sind von weit weg einsehbar und sehr hell ausgeleuchtet.

Sie weisen eine hohe Dichte unterschiedlicher NutzerInnen auf. Auch
nachts

ist

hier

viel

NutzerInnengruppen

Bewegung.

gleichermaßen

nennenswerten Konflikten kommt.

Die

Wege

genutzt,

werden

ohne

von

dass

es

allen

zu

A BBILDUNG 20: K ARTE Ö FFENTLICHER R AUM K ABELWERK

42 „Am Kabelwerk“ hat zwei Funktionen: Transit und Aufenthalt. Es wird daher sowohl zu den
Hauptachsen gezählt als auch bei den Plätzen angeführt (siehe Abbildung).

58

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Die Erschließungswege jenseits der Hauptachsen sind unterschiedlich

breit. Einige sind breiter, sodass mehrere Menschen gehen und Nutzungen

nebeneinander stattfinden können, andere sind deutlich schmaler und
bieten wesentlich weniger Platz. Sie sind meist aber verwinkelter als die

Hauptachsen und sind somit teilweise uneinsichtig (durch Büsche, Mauern
und Gebäudekanten), dabei aber nicht dunkel und beängstigend.

Über Verbindungswege gelangt man in die einzelnen Häuser- und

Hofeingänge. Aufgrund des vom Norden abfallenden Geländes sind viele
der Wege abschüssig oder der Höhenunterschied ist mittels Treppen zu

bewältigen.

Diese Räume haben unterschiedliche Funktionen: Sie dienen der

Erschließung der Wohnungen und Wohnhäuser, als Abkürzungen im
Wegeverbund des Kabelwerks und als Spielorte für Kinder.

Zwar werden diese Wege deutlich weniger intensiv genutzt als die
Haupterschließungswege, dennoch führt das Fahrradfahren von Kindern

und Jugendlichen durch die Enge und Verwinkeltheit der Wege mitunter

zu gefährlichen Situationen zwischen RadfahrerInnen, PassantInnen und
(Ball) spielenden Kindern.
Plätze

Der Otto-Bondy-Platz ist der zentrale und flächenmäßig größte Platz im

Kabelwerk und hat städtischen Charakter.

A BBILDUNG 21: L UFTBILD O TTO -B ONDY -P LATZ

59

Seine Funktionen sind sowohl das Queren als auch der Aufenthalt. Er ist
„das Herz“ des Kabelwerks und bietet eine belebte Erdgeschoßzone, eine

hohe Konzentration an Infrastrukturangeboten sowie eine Vielzahl an

Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum. Der Otto-Bondy-Platz

dient als Treffpunkt, Kinder finden hier Angebote für wegbegleitendes
Spiel und zudem wird er von vielen BewohnerInnen und BesucherInnen
auf ihren Wegen überquert.

Der städtische Platz ist gänzlich autofrei und durchgehend befestigt. Das

einzige Grün sind einige Bäume. In der Mitte bilden 21 Fontänen einen

kleinen Wasserspielplatz. Er ist mit Flutlichtern und kleineren Lampen gut
beleuchtet, welche ein unbewusstes Wohlfühlen vermitteln sollen.

In seiner belebten Erdgeschoßzone finden sich Gastronomie mit
Schanigärten, ein Bäcker, ein Frisör, Ärzte, aber auch Freiflächen für Spiel

(Skulptur, Wasserfontänen, Platz für Ballspiel/Fangenspiel und zum
Radfahren)

sowie

Konsumationszwang).

zum

Verweilen

(Sitzmöglichkeiten

ohne

Nachmittags und am Wochenende halten sich hier vermehrt Eltern mit

Kindern und Gruppen von Kindern ohne Begleitung auf. Nachts queren vor

allem Teenager und junge Erwachsene den Platz, sie sind in Richtung UBahn oder Oswaldgasse unterwegs. Einige verweilen, ebenso wie kleinere

Gruppen von Erwachsenen, vor Ort und unterhalten sich. Auf dem Otto-

Bondy-Platz treffen BewohnerInnen und BesucherInnen jeden Alters und

Geschlechts aufeinander. Es herrscht viel Bewegung auf dem Platz, aber
trotz der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Tätigkeiten sowie den

querenden FahrradfahrerInnen ist die Stimmung entspannt und es waren
keine Konflikte wahrnehmbar.

Allerdings erzeugen die vielen harten Oberflächen bei intensiver
Bespielung eine beträchtliche Lautstärke.

A BBILDUNG 22: F OTO O TTO -B ONDY -P LATZ

60

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Parks und Spielplätze
Im Kabelwerk befinden sich drei Parkanlagen: Der Miep-Gies-Park ist die

größte Parkanlage, sie liegt am südöstlichen Rand des Kabelwerks und

wurde erst nachträglich geplant. Darüber hinaus bietet das Kabelwerk

noch zwei kleine, als Park gewidmete Flächen, die eher Platzcharakter
haben: die Parkanlage am Hedy-Lamarr-Weg und die Parkanlage am

Helene-Potetz-Weg.

A BBILDUNG 23: K ARTE P ARKS IM K ABELWERK

Der Miep-Gies-Park erstreckt sich im Südosten des Kabelwerkgeländes

über die gesamte südöstliche Seite des Kabelwerks. Er weist zwei

unterschiedliche Bereiche auf: den nördlichen Teil zwischen der U-BahnTrasse und der Friedhofsmauer und den deutlich größeren südlichen Teil.

Der nördliche Teil dient vor allem als Aufenthaltsbereich mit einem

breiten Gehweg und etlichen Sitzbänken. Er befindet sich im direkten
Anschluss an den U-Bahn-Vorplatz, trotzdem abseits der vorübergehenden
PassantInnen. Der südliche Teil ist ein Park mit Spielplätzen, breiten

Wegen zum Spazierengehen und einer großen Wiese. Am südlichsten Teil
führt die Straße vorbei, sodass eine Zufahrt mit dem Auto möglich ist.

Die Bänke im nördlichen Teil werden von Einzelpersonen und kleineren

Gruppen zum Verweilen und Plaudern genutzt. Während der Woche sind

es vor allem ältere Menschen, am Wochenende sind auch Teenager und

Erwachsene vor Ort. Nachts ist er eher schwach beleuchtet. An warmen
Sommerabenden sitzen Erwachsene und Jugendliche hier und unterhalten

61

sich. Außerdem nutzen Kinder die Wiese an der U-Bahn-Trasse zum
(unerlaubten) Fußballspielen. Sie dient dabei als Ausweichmöglichkeit
zum gut besuchten, aber abseits gelegenen Fußballkäfig.

Im südlichen Park mit seinen Spielplätzen geht es belebt zu: Hier halten
sich viele Kinder auf. Auf den breiten Wegen gehen Menschen aller
Altersgruppen spazieren. Es gibt genügend Raum zum Ausweichen,

Konflikte waren nicht zu beobachten. HundebesitzerInnen, Teenager und
junge

Erwachsene

nutzen

die

Holzliegen

und

die

Bank-Tisch-

Kombinationen an der Straße. Auffällig ist die Verschmutzung rund um
diese Verweilmöglichkeiten. Auch die weitläufige Hundezone befindet sich

in diesem Parkteil. Sie liegt sehr abseits und ist daher wenig sozial
kontrolliert. Nachts sind diese Freiflächen sehr schwach beleuchtet.

Der südliche Miep-Gies-Park weist mehrere Spielbereiche auf: einen

eingezäunte Kleinkinderspielbereich mit einem großen Sandkasten, ein

Klettergerüst mit Rutsche, eine Schaukel sowie Grünflächen. Schatten
spenden Bäume und außerhalb eine Pergola mit Sitzbänken und Tischen.

Der Kinderspielplatz bietet ein großes Klettergerüst und viele Schaukeln
sowie Balken zum Balancieren.

Beide Spielbereiche sind im Verhältnis zur Anzahl der spielenden Kinder
aus dem Kabelwerk sowie aus der Umgebung zu klein.

Der Senioren-Aktiv-Park im Miep-Gies-Park bietet verschiedenste

Trainingsgeräte, speziell für ältere Menschen. Davor stehen Bänke und
Tische.

Dieser Bereich wird nur wenig von den SeniorInnen selbst genutzt,
vielmehr eignen sich Kinder den Aktiv-Park aus Platzgründen als einen

weiteren Spielplatz an.
Eine

Sonderstellung

neben

dem

Miep-Gies-Park

nimmt

der

Altmannsdorfer Friedhof im nördlichen Bereich ein, der zu den kleinsten

Friedhöfen Wiens zählt. Er bestand bereits lange vor der Kabel- und
Drahtwerke AG und wurde in das neu erbaute Gelände integriert. Er zieht

viele BesucherInnen aus dem Umfeld des Kabelwerks an, die den Besuch

des Friedhofes auch zu einem kleinen Spaziergang und/oder zum
Einkaufen nutzen.

Die Parkanlage am Hedy-Lamarr-Weg wird vor allem als informelle

Hundezone genutzt. Sie dient primär dem Aufenthalt.
62

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Der kleine rechteckige Park ist mit niedrigen Mauern abgegrenzt und gut

einsehbar. Er besteht aus einer Wiese mit vier Holzliegen und einigen

Bäumen. Am Rand führt ein Kopfsteinpflaster-Weg mit fünf Bänken an der
Mauer entlang. Im Osten des Platzes stehen drei Tische mit Bänken und
einem Trinkbrunnen. Außerhalb des Parks verlaufen breite Wege, die

intensiv zum Queren genutzt werden. Das Abschirmen durch die Mauern

ermöglicht keine Verbindung zum Grünbereich und schirmt die
PassantInnen ab.
Die

Parkanlage

am

Helene-Potetz-Weg

wird

aufgrund

seines

Kiesbodens auch als „Bocciaplatz“ bezeichnet. Er wird nur spärlich genutzt.
Er hat vorwiegend Transitfunktion.

Der Platz besteht aus einem Aufenthaltsbereich, der mit begrünten
Steinmauern begrenzt und etwas erhöht angelegt ist, und einem

asphaltierten Weg rundherum. Überquert wird er meist nur am Rande, da

die Mauern keine weitläufige Verbindung zum Platz erlauben. Der mit

einem Kiesboden versehene zentral gelegene Aufenthaltsbereich bietet
neun Sitzbänke, Bäume und Laternen. Er ist trotz der unterschiedlichen

Höhen barrierefrei erreichbar. Die den Platz umgebende Erdgeschoßzone
beherbergt ein Nageldesign-Studio und ein Frauenfitnessstudio. Nachts ist

der Platz hell beleuchtet und gut einsehbar.

Im Norden des Kabelwerks befinden sich zwei Ballspielkäfige für Fußball

und Basketball. Aufgrund intensiver Nutzung durch Jugendliche aus der

Umgebung und der daraus resultierenden Lärmbelastung wurde die
Nutzung reglementiert. Der Zugang ist nun nur noch mit einem
BewohnerInnenschlüssel möglich.
Wohnungsnahe Freiflächen

Neben den Plätzen und Parks gibt es im Kabelwerk noch eine Reihe

kleinerer, wohnungsnaher Freiflächen die meist Innenhofcharakter haben,
aber in der Regel frei zugänglich sind. Einige sind mit Schildern
„Privatgrund“ gekennzeichnet.

Diese kleinen Freiflächen sind in der Regel mit Kleinkinderspielplätzen

ausgestattet und räumlich häufig etwas erhöht. Sie sind über schmale

Wege, Rampen oder Stufen erreichbar. Nachts sind sie meist nur schwach
beleuchtet.

63

D ER SÜDLICHE P LATZ IM K ABELW ER K
Der Platz im Süden des Kabelwerks ist autofrei und trotz des
aufsteigenden

Geländes

durch

behindertenfreundlich zugänglich.

Rampen

in

allen

Bereichen

A BBILDUNG 24: K ARTE Ö FFENTLICHER R AUM – SÜDLICHER P LATZ

Er wird von den BewohnerInnen auch Apotheken- oder Pennyplatz

genannt. Dies ist bezeichnend, denn seine Attraktivität bezieht der Platz
hauptsächlich aus den Nahversorgungsangeboten seiner Erdgeschoßzone.

Hier befindet sich ein Teil des Infrastrukturangebotes des Kabelwerks: ein
Supermarkt, ein Drogeriemarkt, eine Trafik, eine Bankfiliale sowie in

einem Extragebäude eine Apotheke mit Arztpraxen. Der südliche Platz
wird dementsprechend vor allem aufgrund des Einkaufens aufgesucht

oder im Zuge eines Weges überquert. Auch ein Hotel mit Café ist am
südlichen Ende des Platzes. Dieses wird insgesamt weniger häufig

aufgesucht, nur an warmen Tagen kann man vereinzelt Gäste im
Schanigarten beobachten.
64

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Als Aufenthaltspunkt wird der südliche Platz kaum genutzt. Dies liegt
einerseits an den wenigen Sitzgelegenheiten und seiner geringen

Aufenthaltsqualität: Es gibt nur zwei (konsumfreie) Sitzmöbel (vor der

Apotheke und vor der Bank), die jedoch keinen Sonnschutz bieten, drei
Wassersäulen, eine Grünfläche und Radabstellmöglichkeiten neben der

Rampe der Apotheke. Direkt angrenzend an den Platz in der Oswaldgasse
kann zudem der Individualverkehr parken bzw. ist Lieferverkehr gestattet.
Die Treffpunktfunktion, vor allem bei zufälligen Treffen, erfüllt der Platz

dafür sehr gut. Man trifft sich beim Einkaufen oder Queren, bleibt kurz

stehen und plaudert. Vor allem BesucherInnen von außen, die die
Gegebenheiten im Kabelwerk nicht kennen, nutzen den Platz als
bewussten Treffpunkt.

Nachts ist der Platz sehr gut beleuchtet und bietet keine dunklen Bereiche.

Die Schaufenster der Erdgeschoßzone sind dabei teilweise illuminiert. Vor
allem das Hotel/Restaurant strahlt sehr hell beleuchtet.

Vor Ort sind vor allem Erwachsene und ältere Menschen zu beobachten,
meist beim Einkaufen oder Queren. Kinder spielen an Wochenenden, wenn

die Läden geschlossen haben, am Platz – meist aber nur für ein kurzes

Spiel.

A BBILDUNG 25: F OTO SÜDLICHER P LATZ

65

B EWOHNER I NNEN UND N UTZER I NNEN
Das Kabelwerk wird von den dort wohnenden Menschen genutzt, aber
auch sehr intensiv von den BewohnerInnen des Umfeldes.
Die BewohnerInnenstruktur
Das

Kabelwerk

weist

eine

für

Neubaugebiete

•

Einen im Vergleich zum Wiener Durchschnitt erhöhten Anteil an

Bevölkerungsstruktur auf (Daten der Stadt Wien, 2012):

typische

BewohnerInnen im klassischen Erwerbsalter43 (zw. 16 und 59
Jahre)44

Relativ wenige BewohnerInnen die über 60 Jahre sind45

•

Einen unterdurchschnittlichen AusländerInnenanteil46

•

Überdurchschnittlich viele Kinder47

•

Die Umgebung des Kabelwerks hingegen weist in vielen Aspekten eine
andere Bevölkerungsstruktur auf:

Einen höheren Anteil an älteren BewohnerInnen48

•

Einen geringeren Anteil an Kindern49

•
•

Nur

der

Anteil an BewohnerInnen mit ausländischer

Staatsbürgerschaft50 ist fast ebenso gering. Eine Ausnahme

bildet die benachbarte Wohnhausanlage „Am Schöpfwerk“.

43 Analyse nach vorhandenen Altersklassen. Sie haben jedoch zunehmend weniger mit der
sozialen Realität gemeinsam: Der Eintritt ins Erwerbsalter ist mit der Verbesserung der
Bildung deutlich gestiegen und auch der Eintritt ins Rentenalter verschiebt sich konsequent
nach hinten.
44

Wien: 63,6%, in den Baublöcken des Kabelwerks zwischen 65,5 und 84%.

15% der BewohnerInnen des Kabelwerks sind über 60 Jahre alt. Der Wiener Durchschnitt
liegt bei 22,2% der über 60-Jährigen.
45

46 Es wurden keine ÖsterreicherInnen mit Migrationshintergrund miteinbezogen. Der Anteil
an ausländischen StaatsbürgerInnen liegt in den Baublöcken des Kabelwerks zwischen 1030%. In fast allen Baublöcken liegt der Anteil an AusländerInnen deutlich unter dem Wiener
Durchschnitt von 23,7%. Nur im Baublock, der das zentrale „Poolhaus“ beherbergt, ist der
Anteil an AusländerInnen höher.
47 Der überwiegende Teil der relevanten Baublöcke im Kabelwerk weist aber einen
überdurchschnittlichen Anteil an Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre von 19,1-31% auf.
Wienweit sind 14,1% der Bevölkerung in dieser Altersgruppe.

48 Im Umfeld des Kabelwerks liegt der Anteil an über 60-Jährigen mit 20,1-30% deutlich
höher als im Kabelwerk selbst.

Die nähere und weitere Umgebung weist grundsätzlich weniger Kinder und Jugendliche auf
(zwischen 5,1% und 12%).

49

50 In der unmittelbaren Umgebung des Kabelwerks, insbesondere im Osten und Westen des
Kabelwerks leben vor allem ÖsterreicherInnen. Der AusländerInnenanteil liegt zwischen 10%
und maximal 20%. Einzig in der angrenzenden Wohnhausanlage Schöpfwerk haben 20%30% der BewohnerInnen keine österreichische Staatsbürgerschaft und eine unbekannte, aber
vermutlich nicht unbeträchtliche Anzahl an BewohnerInnen bringt Migrationshintergrund
mit.

66

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

N U T Z E R I N N E N 51
Im

Folgenden

werden

wichtige

NutzerInnengruppen,

ihr

Nutzungsverhalten, ihre Einschätzungen und Bedürfnisse in Bezug auf den
öffentlichen Raum im Kabelwerk genauer beschrieben.

Familien mit Kind(ern)

Das Kabelwerk ist bei Familien mit Kindern sehr beliebt.
Im Kabelwerk leben viele Familien mit Kindern. Sie schätzen die

vielfältigen Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten. Aber auch Eltern und

Großeltern

mit

Kind(ern)

Einfamilienhaussiedlungen,

aus

den

Reihenhaussiedlungen

umliegenden

und

Kleingartenanlagen kommen hierher. Sie treffen eher zufällig Bekannte −

auf dem großen Spielplatz im Kabelwerk ergeben sich immer wieder
Gespräche mit anderen (Groß-)Eltern.

Dies zeigt sich auch deutlich im öffentlichen Raum: Kinder alleine und mit

erwachsenen Begleitpersonen bilden unter den verweilenden Gruppen im
Kabelwerk die größte Gruppe. Sie halten sich viel und gerne im
öffentlichen Raum auf, weil sie sich innerhalb der autofreien Zone frei und
gefahrlos bewegen können.

Genau das schätzen die Eltern. Sie gehen mit ihren Kindern spazieren, auch

mit Kinderwägen, halten sich auf den Spielplätzen und auf den Bänken in

der Nähe der Spielplätze auf und nutzen die vorhandenen Plätze und
Wiesen. Auch in den Lokalen und Schanigärten und am Weg vom und zum

Einkaufen sind Kinder mit erwachsenen Begleitpersonen zu beobachten.
NachbarInnen treffen einander meist zufällig, befreundete Eltern und
Kinder verabreden sich aber auch auf den Spielplätzen.

Der öffentliche Raum im Kabelwerk bietet nach Ansicht der befragten
Eltern ein gutes Angebot für Kinder ab 3 Jahren, für noch kleinere Kinder

jedoch fehlen ihnen zusätzliche eingezäunte Flächen mit einfachen und
ungefährlichen Spielmöglichkeiten für diese Altersgruppe.

Kleinere Kinder bis zum Alter von 5 Jahren sind meist unter Aufsicht von
Erwachsenen im öffentlichen Raum, ab dem Schulalter sind sie oftmals

auch alleine unterwegs. Sie müssen dann zu bestimmten Zeiten zu Hause
51 Die folgende Beschreibung basiert auf den durchgeführten Beobachtungen,
ExpertInneninterviews sowie NutzerInnenbefragungen.

67

sein oder sich zwischendurch bei den Eltern melden. Die Straßen um das
Kabelwerk bilden dabei die Grenze des erlaubten Aktionsradius.

Kinder nutzen die Wege, Spielplätze, Innenhöfe und Plätze im gesamten

Gebiet: Sie spielen Fangen, fahren mit ihren Rädern und Rollern und
spielen Ball − Letzteres auch in größeren Gruppen. Zwar ist Fußballspielen
offiziell nur im Käfig im Norden des Areals erlaubt, da dieser aber meist
von älteren Kindern und Jugendlichen besetzt wird, weichen die jüngeren

Kinder auf andere Flächen im Kabelwerk aus, von denen sie aber immer

wieder vertrieben werden. Obwohl die Sportkäfige seit geraumer Zeit nur

noch mit einem Schlüssel genutzt werden können und dadurch weniger
Jugendliche von außen in die Käfige kommen, wünschen sich die befragten
Buben einen Ort, an dem sie ungestört Fußball spielen können.

Während Buben häufiger bei raumgreifenden und bewegungsintensiven

Spielen beobachtet werden konnten, spielten viele Mädchen auf den
eingegrenzten Spielplätzen in den Sandkisten und mit ihren Puppen. Die

Wasserspiele am Otto-Bondy-Platz sowie am Gertrude-Wondrack-Platz

wurden an schönen, warmen Tagen von Mädchen und Buben
gleichermaßen intensiv bespielt.

Auf dem im Mittelpunkt der Untersuchungen stehenden südlichen Platz

jedoch sind Kinder nur selten anzutreffen, da er, anders als seine
Umgebung, nur wenig Anreize für Nutzung oder Aufenthalt bietet. Er wird

von ihnen vorwiegend beim Radfahren gekreuzt oder dient zum Ausruhen

während des Fangenspielens. Ältere Kinder suchen manchmal den
Supermarkt auf, um sich etwas zu trinken oder ein Eis zu kaufen. Die auf

diesem Platz vorhandenen Wasserspiele fesseln sie nur kurze Zeit.

Erwachsene in Begleitung von Kindern nutzen den südlichen Platz fast

ausschließlich zum Überqueren beim Einkaufen oder Spazierengehen
sowie auf dem Weg von und zur U-Bahn. Nur ab und zu spielen die Kinder

kurz mit den Wassersäulen. Die befragten Eltern finden den Platz „hässlich

und kahl“. Sie geben an, dass die Umgebung ausreichend Verweilflächen
bietet und dieser Platz somit nicht für diese Aktivität genutzt werden
muss.

68

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Jugendliche
Jugendliche sind im öffentlichen Raum des Kabelwerks etwas weniger
präsent als die Kinder.
Viele der jugendlichen NutzerInnen wohnen im Kabelwerk, aber auch
FreundInnen der jungen BewohnerInnen von außerhalb und Jugendliche
aus der Umgebung kommen gerne hierher.

Die Buben und jungen Männer nutzen vor allem die Sport- und

Spielgelegenheiten, während Mädchen gerne zu zweit oder in kleinen

Gruppen spazieren gehen, auf den Bänken sitzen und sich unterhalten. Sie

halten sich gerne in den gepflegten und ruhigen Bereichen und im Miep-

Gies-Park auf, weil sie in der Umgebung selbst wenig öffentlichen Raum für

ungestörte Spaziergänge oder zum Plaudern vorfinden.

Bei den Fuß- und Basketballkäfigen und im Miep-Gies-Park treffen die

Mädchen auf gleichaltrige Burschen und unterhalten sich in Gruppen
miteinander. Männliche Jugendliche sind im Gebiet auch häufig mit dem

Fahrrad unterwegs. Der U-Bahn-Vorplatz dient den Jugendlichen als

Treffpunkt. Freunde kommen mit der U-Bahn an oder man fährt
gemeinsam von dort weg.

Der südliche Platz im Kabelwerk jedoch scheint für sie gänzlich
uninteressant. Sie kreuzen ihn zufällig, wenn sie aus der Umgebung

kommen, im Gelände spazieren gehen oder wenn sie, noch seltener, den

Supermarkt besuchen.

Ältere, hochaltrige und gehbehinderte Menschen52
Der öffentliche Raum im Kabelwerk wird gerne von den älteren
BewohnerInnen der Siedlung selbst und von BesucherInnen aus der
Umgebung genutzt.
Im öffentlichen Raum des Kabelwerks sind vormittags und nachmittags an
Werktagen viele ältere Menschen mit Einkaufstaschen und Trolleys

unterwegs. Sie sind dabei meist alleine, während sie an Wochenenden und

abends auch zu zweit auf den Plätzen sitzen oder durch die Wege

schlendern und in größeren Gruppen in den Schanigärten sitzen. Manche
verbinden den Besuch des Friedhofs Altmannsdorf mit einem kleinen
Spaziergang durch das Kabelwerk.

52

ExpertInneninterview mit einer Stationsschwester aus dem Pflegewohnhaus Meidling.

69

Ältere BewohnerInnen aus der Umgebung erzählen, dass sie die
Entwicklung

des

Kabelwerks

miterlebt

haben

und

nun

die

Einkaufmöglichkeiten und Ärzte nutzen. Vor allem die Apotheke wird

immer wieder als wichtiger Anziehungspunkt genannt. Sie schätzen vor
allem die autofreien Wege und die gute Ausleuchtung derselben.

Die befragten älteren Menschen schätzen die Barrierefreiheit und

Übersichtlichkeit im Kabelwerk. Das Wasserspiel am Otto-Bondy-Platz

hingegen meiden sie aufgrund des rutschigen Bodens und der Lautstärke
durch das Plätschern der Springbrunnen.

Im Verhältnis zu ihrem Anteil unter den BewohnerInnen halten sich
außergewöhnlich viele hochaltrige und gehbehinderte Menschen beiden

Geschlechts im Kabelwerk auf. Viele von ihnen sind mit Rollatoren,

Rollstühlen oder Behindertenmobilen unterwegs. Dies liegt einerseits an
der barrierefreien Anlage, die auch Menschen aus der Umgebung anzieht,
und andererseits am Pflegewohnhaus im Kabelwerk.

Die BewohnerInnen des Pflegewohnhauses nutzen verstärkt den
öffentlichen Raum und Grünflächen rund um das Gebäude, das Café im

Pflegewohnhaus und die Schanigärten der nahen Cafés. Im näheren Umfeld
des Pflegewohnhauses gehen sie langsam spazieren, oft in Begleitung mit
Verwandten/Bekannten oder seltener mit Pflegepersonal.

Ein beliebter Treffpunkt für Hochaltrige und gehbehinderte Menschen ist

der Park an der U-Bahn-Trasse. Viele sitzen alleine oder in kleinen
Gruppen auf den Bänken entlang des Weges. Die kleinen Grünflächen, der

Gratiszeitungs-Aufsteller an der U-Bahn-Station und das Caféhaus sind die
zentralen Orte für diese Gruppe. Ihre selbstständige Nutzung vermittelt

ihnen das Gefühl von Freiheit, Ruhe, Rückzug aber auch der Teilnahme am

gesellschaftlichen Leben. Sie haben wenig Kontakt zu den anderen
Kabelwerk-BewohnerInnen und vermischen sich kaum im öffentlichen

Raum.

Am südlichen Platz sind Hochaltrige und Gehbehinderte kaum

anzutreffen. Einige wenige kommen für Bankangelegenheiten oder für
kleinere

Einkäufe

hierher.

Trotz

Behindertenfreundlichkeit

und

Autofreiheit ist der südliche Platz für diese Gruppe schwierig zu erreichen.

Den südlichen Platz nutzen ältere Menschen hauptsächlich zum Queren:

werktags beim Einkaufen im Supermarkt oder in der Apotheke und am
Wochenende beim Spazierengehen.
70

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

MigrantInnen53
Unter den NutzerInnen des Kabelwerks sind nur wenige sichtbare
MigrantInnen.
Offensichtlich als MigrantInnen erkennbare NutzerInnen gibt es nur
wenige im Kabelwerk. Der Eindruck im öffentlichen Raum entspricht den
geringen statistischen Werten der BewohnerInnen mit ausländischer

Staatsbürgerschaft im Kabelwerk selbst und in der Nachbarschaft. Nur
unter den jugendlichen NutzerInnen aus der Umgebung finden sich etliche

mit Migrationshintergrund.

Eine Ausnahme bildet der zentrale Baublock. In den hier angebotenen

möblierten Appartements wohnen vor allem ausländische Studierende
und AsylwerberInnen. Ein Großteil der möblierten Appartements ist von

zwei Trägern angemietet: einem türkischen StudentInnenverein und
einem Verein, der sich um AsylwerberInnen kümmert. Daher leben hier

viele ausländische Studierende und AsylwerberInnen. Doch beide Gruppen
nutzen den öffentlichen Raum im Kabelwerk nur wenig: Ihre sozialen
Kontakte orientieren sich stark an andere Teile der Stadt.
Studierende im Kabelwerk

Die im Kabelwerk wohnenden männlichen und weiblichen Studierenden
kommen meist aus der Türkei. Sie verbringen in der Regel nur ein oder

zwei Auslandssemester in Wien. Die befragten Studierenden wohnen
gerne im Kabelwerk und fühlen sich grundsätzlich wohl hier, ihr Leben ist

jedoch vorwiegend Richtung Stadtzentrum orientiert. Sie finden das

Angebot an Lokalen vor Ort eher langweilig und vermissen ein „In-Lokal“.
Deshalb fahren sie, um FreundInnen zu treffen, in die Stadt.

Den öffentlichen Raum im Gebiet nutzen sie daher nur punktuell: Sie essen
Pizza oder Döner in den Schanigärten und auf den Bänken vor dem
StudentInnenheim. Ansonsten nutzen sie den öffentlichen Raum fast

ausschließlich zum Queren auf ihrem Weg zur U-Bahn und beim Einkaufen.
Den südlichen Platz besuchen sie ausnahmslos zum Einkaufen im

Supermarkt.

53

ExpertInneninterview mit einer Betreuerin des Trägervereins.

71

AsylwerberInnen im Kabelwerk
Die AsylwerberInnen sind hauptsächlich junge Männer aus Afrika, Serbien

sowie der Mongolei. Der Zugang zu dieser Gruppe war schwierig, es war
nur ein Interview mit einer Vertreterin des Trägervereins möglich.

Ihre Asylverfahren dauern meist mehrere Jahre, solange können sie hier

ein Appartement bewohnen. Da die Wohnungen sehr sauber und schön
sind, gehören sie zu den beliebtesten Unterkünften des Vereins.

Da es in der Anfangsphase der Besiedelung medial ausgetragene Konflikte
in Bezug auf ihre Anwesenheit gab, nutzen sie den öffentlichen Raum des
Kabelwerks kaum und verhalten sich sehr zurückhaltend. Sie halten sich

vor allem auf den Bänken rund um den Eingangsbereich des Wohnhauses
und am U-Bahn-Vorplatz auf.

Sie haben kaum Kontakte zu anderen BewohnerInnen des Kabelwerks,

sondern fahren mit der U-Bahn in andere Teile der Stadt, um dort, vor
allem im 16. Bezirk, Freunde aus ihrer jeweiligen Community zu treffen.
Dort fühlen sie sich weniger beobachtet.

Den südlichen Platz nutzen auch sie nur für die notwendigen Einkäufe
und queren ihn in Richtung Oswaldgasse/Meidlinger Hauptstraße.
HundebesitzerInnen
Der

öffentliche

Raum

im

Kabelwerk

wird

intensiv

von

SpaziergängerInnen mit Hunden genutzt.
Im gesamten Areal des Kabelwerks trifft man auf viele SpaziergängerInnen

mit Hunden. Dies sind meist Einzelpersonen, an Wochenenden auch Paare,
die hier mit ihren Vierbeinern unterwegs sind.

Die HundebesitzerInnen jeden Alters und Geschlechts führen viele

verschiedene Hunderassen jeder Größe mit sich. Sie gehen dann vor allem
auf

den

Wegen

–

die

Tiere

sind

meist

angeleint.

Manche

HundebesitzerInnen, die auf den Bänken Pause machen, lassen ihre Hunde

frei und unangeleint auf der Wiese spielen. Dies wird von anderen
BewohnerInnen geduldet.

Die vorhandene Hundezone wird auch von HundehalterInnen aus den
umliegenden Grätzln mitbenutzt, da sie groß und wenig frequentiert ist.
Sie stößt bei den befragten BewohnerInnen dagegen mehrheitlich auf

Ablehnung, weil sie als „zu weit weg“ empfunden wird. Einige

HundebesitzerInnen mit kleineren Hunderassen treffen sich daher

72

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

regelmäßig im Park am Hedy-Lamarr-Weg, um sich zu unterhalten und die
Hunde gemeinsam unangeleint spielen zu lassen.

Auf dem südlichen Platz halten sie sich mit ihren Hunden nur auf, wenn

sie im Zuge eines Spaziergangs den Raum durchqueren. Den Einkauf in den
Geschäften erledigen die HundebesitzerInnen meist ohne ihre Tiere.
FahrradfahrerInnen

FahrradfahrerInnen jeden Alters nutzen die Wege des Kabelwerks bei
Schönwetter.
Es führen keine expliziten Radrouten durch das Areal des Kabelwerks.

Eine wesentlich höhere Dichte von RadfahrerInnen gibt es entlang der
Oswaldgasse mit ihrem breiten Radweg in der Allee.

Bei Schönwetter sind dennoch etliche RadfahrerInnen im Kabelwerk
unterwegs, die das Areal meist gezielt und zügig queren. Die breiten Wege,

die dafür genutzt werden, bieten auch ausreichend Platz zum Ausweichen.

Kinder und Jugendliche nutzen das Fahrrad als Spielgerät und fahren vor
allem große Runden im Areal des Kabelwerks.

Die Geschwindigkeiten sind sehr unterschiedlich. Ältere Erwachsene
fahren meist langsam und vorsichtig, SportlerInnen und Kinder oftmals

schnell und manchmal unvorsichtig. Trotzdem kommt es zu keinen
nennenswerten Konflikten mit FußgeherInnen.

Den südlichen Platz queren meist erwachsene FahrradfahrerInnen oder sie
fahren mit dem Rad zum Einkaufen. Aber auch Kinder auf ihren Rädern

queren den Platz im Spiel. Besonders beliebt ist dafür die Rampe neben der
Apotheke. Aufgrund der geringen NutzerInnenfrequenz kommt es dabei

nicht zu Konflikten.

73

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

J OSEF -B OHMANN -H OF –

DIE

B ESTANDSAUFNAHME

Der Josef-Bohmann-Hof im 22. Wiener Gemeindebezirk ist eine zwischen

1976 und 1978 erbaute Wohnhausanlage der Stadt Wien. Auf einer Fläche

von ca. 18 ha wurden etwa 1.300 Wohnungen errichtet. Eine Sanierung der
Gebäude fand zwischen 1999 und 2006 statt.

Im Josef-Bohmann-Hof werden auch barrierefreie Wohnungen für

Menschen

mit

besonderen

Bedürfnissen

angeboten.

Die

Infrastrukturangebote, Büros und Geschäfte sind hauptsächlich um den

zentralen Alfred-Kubin-Platz angeordnet. Einige Bildungseinrichtungen

finden sich ebenso im Areal (Sondererziehungsschule Brioschiweg 1,
Volksschule Brioschiweg 3, Kindergarten Brioschiweg der Stadt Wien;

Kindergarten Melangasse und Kindergarten Kurt-Ohnsorg-Weg der

Wiener Kinderfreunde sowie der städtische Kindergarten Eipeldauer
Straße).

Anders als Gemeindebauten der 20er-Jahre bilden die Gebäude des
Bohmann-Hofes kein einheitliches Ensemble. Vielmehr wurden die

einzelnen Bauplätze, wie auch heute, von verschiedenen ArchitektInnen54
geplant.

Die meisten Bauplätze sind als, von der zentralen Erschließungsstraße
abgehende, fächerförmige Zeilenbauten mit großzügigem Abstandsgrün
ausgeführt.

An einer zentralen Stelle wurde eine Hofsituation geschaffen. Hier und

rund um den benachbarten Alfred-Kubin-Platz geht die Anzahl der

Stockwerke über die 3-4 Geschoße in den umliegenden Zeilenbauten

hinaus. Die meisten Wohnungen haben Balkone, die gesamte Anlage wirkt
grün und weitläufig. Sie wird von vielen autofreien öffentlichen Räumen

und Wegen erschlossen und bietet ein umfangreiches Angebot an
Freiräumen.

A BBILDUNG 26: F OTO J OSEF -B OHMANN -H OF
54 Udo Schrittwieser, Manfred Stein, Johann Georg Gsteu, Eva Mang, Karl Mang, Egon
Fraundorfer, Alfred Viktor Pal, Annemarie Obermann, Günther Schuster.

75

S TADTRÄUMLIC HE L AG E UND E RR EICHBARKEIT
Der Josef-Bohmann-Hof markiert den Übergang zwischen dem 21. und
dem

22.

Bezirk

und

somit

den

nordöstlichsten

Stadtbezirken.

Angeschlossen an das öffentliche Verkehrsnetz ist der Josef-Bohmann-Hof

durch die etliche Gehminuten entfernte U-Bahn-Linie 1 (Station
Rennbahnweg), die Busse 25A, 27A, 29A, 31A und die Regionalbusse 494

und 495.

A BBILDUNG 27: K ARTE E RREICHBARKEIT J OSEF -B OHMANN -H OF

N UTZUNGSSTR UKTUR
Der Josef-Bohmann-Hof ist vor allem von Wohngebieten umgeben. Im

Norden des Untersuchungsgebietes sind Schulen (Volks-, Sonderschulen)

und Kindergärten, dahinter liegt, rund um den Leopoldauer Platz, ein
Wohngebiet

mit

alter

dörflicher

Struktur:

Einfamilienhäuser,

Geschäftslokale sowie die Pfarre Leopoldau mit ihrem Friedhof. Nördlich
davon werden landwirtschaftliche Flächen bewirtschaftet. Im Osten ist der
Bohmann-Hof

von

Einfamilienhaus-

und

dahinter

von

Mehrfamilienhaussiedlungen umgeben. Südlich des Areals befinden sich
hauptsächlich Mehrfamilienhäuser, einige aus ähnlicher Entstehungszeit

(z.B. Rudolf-Köppl-Hof, 1966-1976). Im Westen dagegen stehen eine große

Einfamilienhaussiedlung sowie eine Volksschule (Zehdengasse 9) und der

Sportplatz Leopoldau. Einige industriell- und gewerblich genutzte Flächen

sind im Nordosten des Hofes angesiedelt.
76

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Der Untersuchungsraum Josef-Bohmann-Hof wird von der Eipeldauer
Straße – der Oskar-Grissemann-Straße und der Melangasse begrenzt. Zwei
Zufahrtsstraßen (Santifallerstraße und Murrstraße) lassen eine Einfahrt in

das Areal des Josef-Bohmann-Hofes zu, welche als Sackgassen vor dem
Alfred-Kubin-Platz enden. Vor allem die Eipeldauer Straße im Westen der
Anlage ist eine starke Barriere für die BewohnerInnen. Das Angebot an
Infrastruktur im Norden (Leopoldauer Platz) bietet den BewohnerInnen

wenig Anziehungspunkt. Nur der Osten verbindet mit der U-Bahn-

Haltestelle wesentlich die Umgebung.

A BBILDUNG 28: K ARTE D ER J OSEF -B OHMANN -H OF UND SEINE U MGEBUNG

77

Z ENTRENSTR UKTUR
Der

Josef-Bohmann-Hof

ist

einer

von

vier

nahe

gelegenen

Infrastrukturzentren. Überall dort, wo ein Anschluss an das hochrangige

öffentliche Verkehrsnetz auf eine ausreichende Wohnbevölkerung trifft,

sind die Angebote umfassender und ziehen auch BewohnerInnen aus der
Umgebung an. Der Josef-Bohmann-Hof liegt etwas abseits und bietet

ausschließlich Nahversorgung für die BewohnerInnen des Hofes selbst.

A BBILDUNG 29: K ARTE D IE I NFRASTRUKTUR DES J OSEF -B OHMANN -H OFES UND
SEINER U MGEBUNG

Der Josef-Bohmann-Hof ist ein lokales Nahversorgungszentrum. Er bietet

seinen BewohnerInnen eine Basisversorgung mit Gütern des täglichen
Bedarfs: einen Supermarkt, eine Parfümerie und eine Trafik, verschiedene

Ärztinnen und Ärzte, eine Apotheke und ein Kosmetikstudio sowie drei

Lokale. BewohnerInnen aus der Umgebung zieht dieses Angebot nicht an,
zumal die umliegenden Zentren deutlich bessere und vielfältigere

Angebote aufweisen und am Umsteigeknoten „Kagraner Platz“ ein
regionales Nahversorgungszentrum angesiedelt ist.

Im Norden des Areals schließen viele Bildungseinrichtungen an: eine

Sondererziehungsschule, eine Volksschule und mehrere Kindergärten.
Diese ziehen Kinder, Jugendliche und deren Eltern aus der Umgebung an.
Im

Josef-Bohmann-Hof

selbst

befindet

sich

eine

Reihe

gemeindebauspezifischer Einrichtungen und Angebote: ein Wiener
78

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Wohnen

Vor-Ort-Stützpunkt

und

eine

Station

der

Haus-

und

Außenbetreuung in Wiener Wohnhausanlagen. Darüber hinaus gibt es ein

Wiener Kinderfreunde Jugendzentrum und einen PensionistInnenclub der
SPÖ. Vor Ort sind die Waste Watcher der MA 48 im Einsatz.

In der nahen Oskar-Grissemann-Straße gibt es einen weiteren Supermarkt

und Handwerksbetriebe.

Ö FFENTLICHER R AUM UND F R EIRAUMVERBUND

A BBILDUNG 30: K ARTE F REIRAUMVERBUND IN DER U MGEBUNG DES J OSEF B OHMANN -H OFES

79

Der Freiraumverbund
Anders als der Josef-Bohmann-Hof selbst bietet dessen unmittelbare
Umgebung nur wenig öffentlichen Raum mit Aufenthaltsqualität. Die
vorhandenen

Grünflächen

sind

vor

allem

Privatgärten

der

Einfamilienhäuser oder gehören zu den Mehrfamilienwohnbauten der

Umgebung, deren Angebot ähnlich jenem des Bohmann-Hofes, jedoch in
wesentlich kleineren Dimensionen, ist. Einige Gehminuten weiter entfernt

im Norden liegen die Parkanlage des Leopoldauer Platzes sowie der KarlSeidl-Park. Einige landwirtschaftliche Flächen und Grünstreifen verleihen
der

Umgebung

einen

grünen

Charakter,

ohne

explizite

Aufenthaltsangebote zu machen. Die nächstgelegene Parkanlage ist der

Ingeborg-Bachmann-Park, die unmittelbar im Osten an den Bohmann-Hof

angrenzt.

Ingeborg-Bachmann-Park
Der Ingeborg-Bachmann-Park schließt im Osten des Josef-Bohmann-Hofes

unmittelbar an die Siedlung an. Er wurde vor wenigen Jahren neu gestaltet
und bietet verschiedene Spiel- und Sportbereiche für jedes Alter sowie
Rückzugsmöglichkeiten.

Angrenzend an den Park befindet sich die zum Bohmann-Hof nächste
Hundezone, die durch Zäune und Sträucher abgegrenzt ist.

Park und Hundezone werden von den BewohnerInnen des Josef-BohmannHofes und den BewohnerInnen aus der Umgebung intensiv genutzt.

A BBILDUNG 31: F OTO I NGEBORG -B ACHMANN -P ARK

Der öffentliche Raum im Josef-Bohmann-Hof
Der öffentliche Raum im Josef-Bohmann-Hof besteht aus einer zentralen

Nord-Südost geführten Hauptachse, die zweigeteilt ist und jeweils als

Sackgasse am zentralen Alfred-Kubin-Platz endet. Davon geht eine

fächerförmige fußläufige Erschließung ab. Autos werden am Rande der
80

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Siedlung, teilweise in Hochgaragen sowie in Tiefgaragen, geparkt, sodass
das Innere autofrei bleibt.

Entlang der Erschließungswege finden sich Spiel- und Sportbereiche, die

sich mit grünen Abstandsflächen abwechseln, die aber nicht bespielt

werden dürfen. Die ruhigeren Zonen liegen näher in Richtung AlfredKubin-Platz und die Bereiche mit höherer Bewegung sowie Lautstärke

(Spiel- und Sportbereiche) befinden sich an den Straßen am Rand des
Areals.

Der Großteil der die Gebäude umgebenden Freiräume ist öffentlich
zugänglich. Ausnahmen sind die Gelände um die Kindergärten (Stadt Wien

und Kinderfreunde), die Schulen und einige kleine Privatgärten, die den

Wohnungen in der Einslegasse vorgelagert sind. Bis auf zwei
Zufahrtsstraßen

ist

der

(Zulieferverkehr gestattet).

Josef-Bohmann-Hof

gänzlich

autofrei

A BBILDUNG 32: K ARTE Ö FFENTLICHE R ÄUME IM J OSEF -B OHMANN -H OF

81

Wegenetz
Das Netz des öffentlichen Raums im Josef-Bohmann-Hof wird von zwei

Hauptachsen und vielen unterschiedlich großen Erschließungswegen
bestimmt. Die beiden Zufahrtsstraßen, die Murr- und die Santifallerstraße,

dienen gleichzeitig als Hauptachsen für FußgeherInnen. Sie führen als

einzige Straßen direkt zum Zentrum des Areals und enden für den
motorisierten Individualverkehr als Sackgassen vor dem Alfred-Kubin-

Platz. Die östliche Achse (Murrstraße) ist dabei stärker befahren und weist

auch mehr FußgeherInnen auf. Für die PassantInnen des Bohmann-Hofes
ist diese Straße der direkte Weg zur U-Bahn-Station „Rennbahnweg“.

Außerdem gibt es hier ein Caféhaus und eine Trafik.

Die Hauptachsen haben für FußgeherInnen auch eine Verteilfunktion in die
einzelnen Wohngebäude des Josef-Bohmann-Hofes und dienen als

Zubringer

zum

Infrastrukturzentrum

„Alfred-Kubin-Platz“.

Für

FußgeherInnen ist nur der Gehsteig vorgesehen. Ein Ausweichen ist aber
meist gut möglich. Sie sind von Weitem einsehbar und nachts gut

ausgeleuchtet. Die Geschwindigkeit des motorisierten Individualverkehrs
ist hier sehr gering. Parken ist in den beiden Zufahrtsstraßen und deren
privaten Garagen gestattet.

Die Hauptachsen dienen jeglichen NutzerInnengruppen überwiegend zum
Erreichen und Verlassen des Areals. Zusätzlich werden sie auch von Rad
fahrenden und spielenden Kindern oder HundebesitzerInnen beim

Gassigehen auf den Gehsteigen genutzt. Verweilqualität bieten die

Hauptachsen kaum – es gibt keine Sitzmöglichkeiten. Einige Jugendliche

eignen sich Stufen bzw. Hauseingangsbereiche zum Aufenthalt an. Die

Zufahrtsstraßen werden von allen NutzerInnengruppen gleichermaßen
genutzt, ohne dass es zu nennenswerten Konflikten kommt.

Die zahlreichen Erschließungswege sind wichtige Orte im Josef-

Bohmann-Hof.

Sie

sind

sowohl

Durchgangsräume,

um

zu

den

Wohnhäusern zu gelangen, als auch intensiv genutzte Spielbereiche für

Kinder. Die 2 bis 4 m breiten Wege sind gänzlich autofrei (z.B. KurtAbsolon-Weg, Andreas-Urteil-Weg). Nachts sind sie gut beleuchtet. Sie

verbinden

die

einzelnen

Bereiche

Erschließung der Wohnbauten.

miteinander

und

dienen

der

Neben ihrer Erschließungsfunktion sind diese Wege Spielbereiche der
Kinder. In Gruppen spielen sie hier Ball, Fangen oder fahren Rennen mit
82

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

den Fahrrädern. Auch HundebesitzerInnen nutzen die Wege zum
Spazierengehen.

Im Josef-Bohmann-Hof gibt es eine Vielzahl an Durchgängen. Sie sind zum
Teil offen und zum Teil durch darüberliegende Wohnungen überdacht.

Neben ihrer Funktion als Durchgang findet hier auch Spiel und Verweilen

durch Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen statt. Sie sind wie
Korridore, die Einblicke in benachbarte Bereiche geben.

Plätze

Der zentrale Platz des Josef-Bohmann-Hofes ist der Alfred-Kubin-Platz.

Da er auch der zentrale Untersuchungsort dieser Studie ist, wird er im

Kapitel 0 ausführlich behandelt.

Über den Alfred-Kubin-Platz hinaus gibt es im Josef-Bohmann-Hof gut

verteilt mehrere kleinere Plätze, die aber keine eigenen Bezeichnungen
haben. Sie liegen etwas abseits von den Hauptachsen in den

Erschließungswegen und sind daher ruhige Orte, an denen auch kein
Fahrraddurchzugsverkehr

herrscht.

Sie

bieten

verschiedene

Verweilmöglichkeiten, Beschattungen und teilweise auch Spielangebote.
Nachts sind sie dezent beleuchtet.

Diese ruhigen Orte werden von Erwachsenen zum Lesen, zum

Beisammensitzen und Plaudern genutzt. Auch Teenager gebrauchen diese

kleinen Rückzugsbereiche zum Verweilen und um sich in Ruhe zu
unterhalten. Kleinere Kinder finden hier einzelne Spielangebote wie
Wippen oder Sandkisten.
Parks und Spielplätze

Im Josef-Bohmann-Hof befindet sich kein Park. Der nächstgelegene Park,

der Ingeborg-Bachmann-Park, welcher eine wichtige Funktion für die
BewohnerInnen der Anlage innehat, wurde bereits im Kapitel 0 genauer
erläutert.

Der Bohmann-Hof bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Spiel- und

Sportbereiche.

Es

gibt

Angebote

für

alle

Altersgruppen:

Kleinkinderspielbereiche, Schaukeln, Klettergerüste und Sandkästen sowie

Plätze für Fußball, Tischtennis und Volleyball. Die Spiel- und Sportbereiche
sind vermehrt am Rand des Areals untergebracht.

83

Nach dem Kleinkindalter spielen Mädchen und Buben vorwiegend

getrennt auf den Spielplätzen. Auch die einzelnen Altersgruppen sind eher
homogen. Die sportlichen Bereiche werden vor allem von Burschen jeden
Alters genutzt. Spezielles Angebot für Mädchen findet sich nicht. Sie ziehen
sich eher auf die ruhigeren Spielplätze zurück.
Wohnungsnahe Freiflächen

Zwischen den Wohnblöcken des Areals befinden sich große Grünbereiche,

die einen Innenhofcharakter besitzen. Auf diesen wohnungsnahen

Freiflächen, die teilweise auch als Abstandsgrün zwischen den Gebäuden
fungieren, wachsen voluminöse Bäume und Sträucher.

A BBILDUNG 33: F OTO W OHNUNGSNAHE F REIFLÄCHEN – A BSTANDSGRÜN

Einige dieser wohnungsnahen Freiräume dienen ausschließlich als
Abstandsgrün:

Spielen

und

Toben

ist

dort

nicht

gestattet.

Beschilderungen wie „Ballspielen verboten“ weisen deutlich darauf hin.

Auch sind keine Angebote zum Aufenthalt vorhanden und die
Erschließungswege queren die Grünflächen nicht, sondern führen stets

seitlich

daran

vorbei.

Da

es

ausreichend

andere

Spiel-

und

Aufenthaltsmöglichkeiten gibt, werden diese Flächen so gut wie nicht
genutzt.

Andere wohnungsnahe Freiflächen werden aber von Kindern und

Jugendlichen durchaus für Spiel- und Sportaktivitäten verwendet. Vor

allem jüngere Kinder eignen sich die Plätze zum Tennis-/Badminton/Fußballspielen oder Radfahren an. Mädchen sitzen auf Decken in der
Wiese und spielen miteinander. Nachts sind die wohnungsnahen
Freiflächen nur schwach beleuchtet.
Mikrofreiräume

Neben den Plätzen gibt es im Josef-Bohmann-Hof viele kleine asphaltierte

Mikrofreiräume zwischen den Wohnbauten und entlang der Wege. Sie
bieten Verweilmöglichkeiten auf ein bis drei Sitzbänken und sind zum Teil
84

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

durch Sträucher und Bäume von den Erschließungswegen getrennt und
beschattet. Nachts werden sie nur schwach beleuchtet.

Sie werden vor allem von (älteren) Erwachsenen und Frauen mit (Klein-

)Kindern genutzt. Aber auch größere Kinder und Teenager verwenden
diese Rückzugsorte, um Pausen zwischen Spiel und Sport einzulegen oder
um ungestört plaudern zu können.

D ER A LFR ED -K UBIN -P LATZ IM J OSEF -B OHMANN -H OF
Der

Alfred-Kubin-Platz

liegt

zentral

in

der

Mitte

des

Untersuchungsgebietes. Überdachte Portale führen sternförmig in die
Wege und Wohnbereiche und zu den beiden Zufahrtsstraßen. Zufahrten
mit dem Auto sind bis dorthin möglich. Parkmöglichkeiten stehen nur

wenige Schritte vom Platz entfernt zur Verfügung. Der Alfred-Kubin-Platz

ist, mit Ausnahme von Lieferverkehr, autofrei.

A BBILDUNG 34: K ARTE Ö FFENTLICHER R AUM – A LFRED -K UBIN -P LATZ

Der Alfred-Kubin-Platz ist quadratisch aufgebaut und von meist

viergeschoßigen Wohngebäuden umgeben, die zusätzlich über eine hohe

Erdgeschoßzone mit Arkaden verfügen. Auch die Eingangsbereiche dieser
Häuser sind am Platz. Der Platz selbst ist etwas tiefer liegend und mit

85

Stufen und Mauervorsprüngen begrenzt. Rampen machen ihn barrierefrei
begehbar.

Der Alfred-Kubin-Platz bietet verschiedene Verweilmöglichkeiten an. Es

stehen orange „Enzis“ in der Mitte des Platzes und rote Sitzbänke aus

Metall an den Rändern zur Verfügung, aber auch Stufen und Mauern
werden für den Aufenthalt genutzt. Außerdem befinden sich drei Bäume in
Steintrögen mittig am Platz, deren Rand zum Sitzen einlädt. Weiters gibt es

zwei Kunstwerke − eine Steinsäule sowie einen stillgelegten Steinbrunnen

− zwei Telefonzellen und zwei Radabstellplätze und eine Vielzahl von
Laternen

sowie

Laternenmasten.

eine

Müllsammelstelle

und

Müllkübel

an

den

In der Erdgeschoßzone befindet sich das Infrastrukturangebot des Josef-

Bohmann-Hofes: ein Supermarkt, eine Apotheke, eine Trafik, eine

Parfümerie, in der auch kleine Snacks verkauft werden, ein Kosmetiksalon

sowie zwei Lokale. Auch die Kinder- und Jugendbetreuung hat ein
Erdgeschoßlokal am Platz.

Auffällig sind die vielen unterschiedlichen NutzerInnengruppen sowie die
verschiedenen

Verweilmöglichkeiten

am

Alfred-Kubin-Platz.

Die

Sitzmöglichkeiten werden zu unterschiedlichen Zeiten von verschiedenen

Gruppen unterschiedlichen Alters, Geschlechts oder Gruppengröße
genutzt.

Der Alfred-Kubin-Platz ist zu jeder Tageszeit stark belebt. Er wird zum

Queren ebenso wie zum Verweilen genutzt. Nachmittags, abends und am

Wochenende wird er von Kindern und Jugendlichen dominiert, die sich
hier treffen. Ältere unterhalten sich, Jüngere fahren Fahrrad, spielen

Fangen und Fußball, auch wenn Letzteres verboten ist. Nachts ist der Platz
nur eher schwach beleuchtet, wird aber in der warmen Jahreszeit

trotzdem auch in den späten Abendstunden von Jugendlichen und
Erwachsenen zum Verweilen und Plaudern genutzt.

A BBILDUNG 35: F OTO J OSEF -B OHMANN -H OF

86

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

B EWOHNER I NNEN UND N UTZER I NNEN
Der Josef-Bohmann-Hof wird nur von den unmittelbar vor Ort wohnenden

Menschen genutzt und nicht von BewohnerInnen der Umgebung.
Die BewohnerInnenstruktur

Die Bevölkerungsstruktur des Josef-Bohmann-Hofes zeigt, dass der

Generationswechsel hier schon sehr weit fortgeschritten ist:
•

•
•

•

Es leben nur wenige ältere Menschen im Josef-Bohmann-Hof.55
Der Anteil an Kindern und Jugendlichen ist sehr hoch.56

Der Anteil der Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter (16 bis 59
Jahre) im Josef-Bohmann-Hof und seiner Umgebung entspricht in
etwa dem Wiener Durchschnitt.57

Der Anteil an ausländischen StaatsbürgerInnen im JosefBohmann-Hof liegt in etwa im Wiener Durchschnitt,58 wobei der
Anteil der BewohnerInnen mit Migrationshintergrund
erfahrungsgemäß nicht unbeträchtlich sein dürfte.

Die Umgebung des Josef-Bohmann-Hofes weist hingegen in vielen
Aspekten eine andere Bevölkerungsstruktur auf:
•

•
•

Die Bevölkerung im Umfeld ist deutlich älter als im BohmannHof.59

Im Umfeld leben wesentlich weniger Kinder und Jugendliche.60

In der Umgebung leben weniger Personen mit ausländischer
Staatsbürgerschaft.61

55 Im Josef-Bohmann-Hof findet sich nur ein sehr geringer Anteil an älterer Bevölkerung
(unter 15% der EinwohnerInnen). Nur in einem Baublock im Osten des Areals leben etwas
mehr ältere Menschen (20,1-30%). Im gesamtstädtischen Vergleich sind die BewohnerInnen
des Bohmann-Hofes deutlich jünger, denn in Wien sind 22,2% der Bevölkerung 60 Jahre und
älter.

56 Zw. 19,1-31% der BewohnerInnen in den Baublöcken des Bohmann-Hofes sind Kinder und
Jugendliche bis 15 Jahre. Dies ist im Vergleich zu Wien (14,1%) ein sehr hoher Anteil.

In allen relevanten Baublöcken im Wohnareal Bohmann-Hof beträgt der Anteil der 16- bis
59-Jährigen zwischen 53,1% und 65%. Wien: 63,6%.

57

58 Im Josef-Bohmann-Hof weisen vier Baublöcke einen Anteil an Nicht-ÖsterreicherInnen
zwischen 10,1% und 20% auf. Die drei restlichen Baublöcke beheimaten einen noch höheren
Anteil von 20,1-30% BewohnerInnen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Im Wiener
Durchschnitt leben 23,7% der Bevölkerung mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit.

59 Die unmittelbare Umgebung liegt über dem wienweiten Durchschnitt. In den
Einfamilienhaussiedlungen der Umgebung und vor allem auch entlang des Leopoldauer Platz,
ist ein deutlich höherer Anteil an älteren Menschen vorzufinden. In vielen Baublöcken sind
bis zu 35% der EinwohnerInnen 60 Jahre und älter, vereinzelt findet man noch höhere
Anteile vor.

In der Umgebung des Bohmann-Hofes können durchwegs niedrigere Anteile an Jungen
festgestellt werden. Nur einige wenige Baublöcke in der Umgebung weisen einen ähnlich
hohen Anteil an unter 15-Jährigen auf.

60

61 Die Umgebung weist andere Anteile auf. In den Einfamilienhaussiedlungen findet man
zwischen 0-10% Nicht-ÖsterreicherInnen, in den näheren Wohnkomplexen zwischen 10,120% oder auch 20,1-30%.

87

N U T Z E R I N N E N 62
Im

Folgenden

werden

wichtige

NutzerInnengruppen,

ihr

Nutzungsverhalten, ihre Einschätzungen und Bedürfnisse in Bezug auf den
öffentlichen Raum im Kabelwerk genauer beschrieben.

Familien mit Kind(ern)63

Spielende Kinder dominieren den öffentlichen Raum im JosefBohmann-Hof.
Es leben sehr viele Familien mit Kindern im Josef-Bohmann-Hof.

Dementsprechend dominieren Kinder bis etwa 15 Jahre die Freiräume

durch ihre bewegungsintensiven und lauten Spiele. Ab dem Alter von 6 bis
8 Jahren halten sie sich in Gruppen, oft ohne erwachsene
Aufsichtspersonen, im öffentlichen Raum auf.

Jüngere Kinder werden von Erwachsenen, vorwiegend von ihren Müttern
begleitet und beaufsichtigt. Es sind auch größere Gruppen von Kindern in
Begleitung von ein bis zwei Erwachsenen zu sehen.

Der im Mittelpunkt der Erhebungen stehende Alfred-Kubin-Platz wird

vor allem von Kindern ab 5 Jahren ganz gezielt und mit viel Begeisterung
bespielt. Sie eignen sich den Platz für ihre Bedürfnisse an und spielen
gerne mit ihren Bällen, als Tore werden die Hausmauern verwendet. Der

stillgelegte Brunnen dient ihnen als Klettergerüst. Außerdem gehen sie
gerne in das „Haribo-Geschäft“ (Parfümerie mit Snackverkauf), um Süßes

zu kaufen.

Trotz der vielen spielenden Kinder auf dem Alfred-Kubin-Platz sind hier

nur wenige Eltern mit ihren Kindern anzutreffen. Die meisten Kinder

kommen unbeaufsichtigt hierher, um mit anderen zu spielen. Erwachsene

nutzen den Platz vor allem, um einzukaufen oder passieren ihn auf ihrem
Weg von und zur Wohnhausanlage oder beim Spaziergehen.

Aber auch in allen anderen Freiräumen zwischen den Gebäuden des
Bohmann-Hofes sind die Kinder sehr präsent und raumgreifend.

Die befragten Buben wünschen sich mehr Flächen für ein erlaubtes
Ballspielen mit Toren. Die Mädchen sind mit dem Angebot sehr zufrieden.
62 Die folgende Beschreibung basiert auf den durchgeführten Beobachtungen,
ExpertInneninterviews sowie NutzerInnenbefragungen.

63 ExpertInneninterview mit der Kinder- und Jugendbetreuung der Kinderfreunde am AlfredKubin-Platz.

88

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Jugendliche64
Viele Jugendliche nutzen häufig und regelmäßig das Aufenthalts- und
Sportangebot im Josef-Bohmann-Hof.
Von der Altersgruppe ab 16 Jahren sind vor allem männliche Jugendliche
in Gruppen, meist mit Migrationshintergrund, sehr präsent im öffentlichen
Raum.

Sie nutzen den Alfred-Kubin-Platz als bevorzugten Aufenthaltsort zum

„Chillen“ und um die Mädchen zu beobachten. Sie sitzen meist auf den
roten Metallbänken, von denen aus sie den gesamten Platz überblicken

können. Außerdem nutzen sie die Trafik und den Penny, vor allem um
Süßes, Cola und Chips zu kaufen und diese im öffentlichen Raum zu
verzehren.

Auch im restlichen Areal sind überwiegend männliche Jugendliche zu
beobachten. Sie durchstreifen das Areal in größeren oder kleineren

Gruppen, spielen Ball in den Käfigen oder verweilen an Hauseingängen,
Durchgängen oder den Sitzmöglichkeiten an den Wegen und bei den
Sportplätzen.

Mädchen und junge Frauen halten sich insgesamt deutlich weniger im
öffentlichen Raum auf. Wenn sie im Freien sind, dann gehen sie mit einer

Freundin/Verwandten im Areal spazieren und plaudern dabei. Sie sitzen

am liebsten auf den Bänken in den Wegen, wo sie unbeobachteter sind,
oder im Bachmann-Park. Dort treffen sowohl Mädchen als auch Jungen
Bekannte aus dem Areal selbst oder der Umgebung.
Auf

dem

Alfred-Kubin-Platz

halten

sich

Mädchen

mit

Migrationshintergrund kaum länger auf, sondern queren ihn meist nur,
manchmal auch demonstrativ zu zweit oder in Gruppen, um die

Aufmerksamkeit der männlichen Jugendlichen zu erregen. Intensivere

Kommunikation zwischen den Geschlechtern ist dabei nicht zu
beobachten.

Die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen wohnen sehr gerne
im Bohmann-Hof. Sie verbringen einen Großteil ihrer Freizeit hier und

verlassen den Hof nur, um zur Schule/in die Arbeit zu gehen, Sport zu
64 ExpertInneninterview mit der Kinder- und Jugendbetreuung der Kinderfreunde am AlfredKubin-Platz.

89

treiben, zu shoppen und Freunde zu besuchen. Sie selbst bekommen nur
selten Besuch von außen.

Ältere, hochaltrige und gehbehinderte Menschen
Ältere Menschen (ab 59 Jahren) sowie Hochaltrige (ab 80 Jahren) und
gehbehinderte BewohnerInnen sind wenig präsent im öffentlichen
Raum des Josef-Bohmann-Hofes.
Ältere BewohnerInnen gehen gerne im gesamten Areal spazieren. Für den
Aufenthalt im öffentlichen Raum nutzen sie vor allem die Sitzbänke in den

Nischen entlang der breiten Wege. Hier fühlen sie sich sicher vor den
raumgreifenden spielenden Kindern, die in Gruppen mit dem Fahrrad und
Rollern herumfahren. Zudem können sie ihre Umgebung von dort aus gut

beobachten. Sie sitzen hier alleine oder zu zweit, Treffen mit anderen
finden eher zufällig statt.

Obwohl der Josef-Bohmann-Hof barrierefreie Wohnungen anbietet, sind

Hochaltrige (ab 80 Jahren) oder gehbehinderte BewohnerInnen nur wenig
präsent im öffentlichen Raum.

Sie ziehen sich mit zunehmendem Alter und mit Verschlechterung ihres

Gesundheitszustandes in ihre eigene Wohnung zurück und verlassen diese

nur noch für alltägliche Wege. Daher haben die Beschaffenheit des
öffentlichen Raums und die lokale Infrastruktur hohe Bedeutung für sie.
Solange sie noch selbstständig mobil sind, ist es wichtig für sie, die

Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs fußläufig gut und rasch

erreichen zu können. Unsere GesprächspartnerInnen aus dieser Gruppe
schätzen besonders, dass es im Gebiet eine Apotheke und einen Arzt gibt.

Die Verbindungswege im öffentlichen Raum sind barrierefrei, sodass sie
sich auf diesen mit Rollatoren und anderen Gehhilfen gut fortbewegen

können. Sie können jedoch von diesen Wegen nicht abweichen. Da die
Kinder in Gruppen auch auf den autofreien Zugangswegen spielen und

schnell mit Fahrrädern, Skateboard und Rollschuhen unterwegs sind, hat
diese

Gruppe

Angst

vor

Unfällen.

Insgesamt

wohnen

Hochaltrige/gehbehinderte Menschen gerne hier, sie haben das Gefühl,

dass „man hier gut alt werden kann“. Sie genießen es besonders, wenn ihre
Wohnung zu einer ruhigen Grünfläche hin orientiert ist.

Auf dem Alfred-Kubin-Platz halten sie sich nicht länger auf, sondern

nutzen ihn in der Regel nur zum Einkaufen und zum Durchqueren und um
90

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

ihren Müll zu entsorgen. Die Mitte des Platzes meiden sie, weil sie sich vor
den Fahrrad fahrenden und Ball spielenden Kindern fürchten.

Eine Ausnahme hiervon bildet eine Gruppe älterer MigrantInnen

(zwischen 3 und 10 Personen), die nach Geschlechtern getrennt, zu
verschiedenen Tageszeiten, auf den roten Metallbänken an den Seiten des
Platzes sitzen und intensive Gespräche führen oder Schach spielen.
MigrantInnen
Im

Josef-Bohmann-Hof

leben

viele

Menschen

mit

Migrationshintergrund.
Im öffentlichen Raum des Areals kann man viele unterschiedliche Kulturen
jeden

Alters

und

Geschlechts

wahrnehmen.

Auch

anhand

der

verschiedenen Sprachen, die im Bohmann-Hof zu vernehmen sind, ist dies
auszumachen.

Auffällig ist, dass sich die einzelnen Gruppen aber kaum vermischen.
HundebesitzerInnen

Die vielen Wege des Josef-Bohmann-Hofes werden oftmals für
Spaziergänge mit Hunden genutzt.
HundebesitzerInnen sind häufig im öffentlichen Raum des Josef-BohmannHofes zu beobachten. Meist sind es Einzelpersonen verschiedenen Alters
und Geschlechts, die mit den unterschiedlichsten Hunderassen im
Freiraum, vor allem auf den breiten Wegen, unterwegs sind.

Hunde und ihre BesitzerInnen nutzen vor allem die breiten Wege, die

Straßen sowie die Hundezone. Sie halten sich kaum auf den grünen
Freiflächen zwischen den Gebäuden auf. Die Tiere sind großteils angeleint,

freilaufende Hunde sind selten. Sie treffen andere HundebesitzerInnen
eher zufällig und plaudern kurz im Stehen miteinander.

In den Gesprächen wurde deutlich, dass sich die HundebesitzerInnen mit
ihren Vierbeinern weniger gerne am Alfred-Kubin-Platz aufhalten, weil es

dort laut und unübersichtlich ist. Sie queren ihn nur, um zu den
Grünflächen und der Hundezone beim Ingeborg-Bachmann-Park zu

gelangen. Wenn sie einkaufen gehen, lassen sie ihre Tiere meist zu Hause.

Die einzige vorhandene Hundezone ist aus Sicht der HundebesitzerInnen

zu klein. Sie wünschen sich daher eine weitere und/oder größere
91

Hundeauslaufzone. Außerdem gibt es zu wenige Hundesackerlspender und
wenn vorhanden, dann sind sie meist leer.
FahrradfahrerInnen

Das Fahrrad wird bei Schönwetter gerne als Fortbewegungsmittel
sowie Sportgerät genutzt.
Es gibt FahrradfahrerInnen jeden Geschlechts und Alters im Areal des
Josef-Bohmann-Hofes.

Erwachsene nutzen das Fahrrad in der Regel als Fortbewegungsmittel und

queren den öffentlichen Raum daher sehr rasch und gezielt, während
Kinder und Jugendliche alleine oder in Gruppen „spielend“ Rad fahren: Sie

drehen Runden im gesamten Areal und veranstalten Wettrennen mit dem
Fahrrad.
Auf

dem

Alfred-Kubin-Platz

sind

die

Geschwindigkeiten

sehr

unterschiedlich. Erwachsene fahren langsamer und vorsichtiger, teilweise

außen an den spielenden Kindern vorbei. Die Kinder und jüngeren
Jugendlichen jeden Alters, vor allem aber Burschen, fahren schnell und
zum Teil unvorsichtig.

92

A USGEWÄHLTE S TADTERWEITERUNGSGEBIETE −
ZUSAMMENFASSENDE

A NALYSE

D AS K ABELWER K – DIE A NALYSE
BEDEUTUNG IM UMFELD UND IM FREIRAUMVERBUND
Die Bedeutung des Kabelwerks für sein Umfeld ist hoch.
Das Kabelwerk ist ein eigener kleiner Stadtteil, der sich zu seinem Umfeld

hin öffnet und wichtige Funktionen für die Umgebung erfüllt. Er dient als
Infrastrukturzentrum, das Geschäfte und Dienstleistungen des täglichen

Bedarfs bietet. Es gibt darüber hinaus einige wenige Kunst- und
Kulturangebote, deren Angebote sich jedoch nicht primär an die

BewohnerInnen des Kabelwerks und seine Umgebung richten. Zudem
findet sich am Rande des Kabelwerks die U-Bahn-Station.

Die Bedeutung des Kabelwerks im Freiraumverbund ist hoch.
Das Kabelwerk ist von einer Vielzahl starker Barrieren umgeben, die das

Erreichen des ohnehin nur spärlichen Freiraumangebots zusätzlich
erschweren. Der öffentliche Freiraum im Kabelwerk ist daher eine
wichtige Ergänzung des lokalen Freiraumangebots:

Seine autofreien, öffentlich zugänglichen Wege werden von Alt und Jung
für Spaziergänge genutzt, der große Miep-Gies-Park und die vielen

kleineren Spielplätze und Freiflächen sind bei Eltern und Kindern der
Umgebung und auch bei Jugendlichen sehr beliebt.

ORGANISATION DER SIEDLUNG

Das Kabelwerk folgt dem postmodernen städtebaulichen Leitbild
„Stadt der kurzen Wege“.
Es ist ein offener, funktionsgemischter Stadtteil mit vielfältigen Angeboten

für BewohnerInnen und NutzerInnen aus der Umgebung. Entlang seiner
autofreien Hauptachsen sind vielfältige Infrastrukturangebote angesiedelt.

So entsteht ein dichtes Netz öffentlich zugänglicher Wege und Freiräume,
das eine differenzierte Charakteristik zwischen Öffentlichkeit und

Privatheit ausstrahlt. Seine vielfältigen Angebote regen dazu an, ausgehend
94

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

von alltäglichen Notwendigkeiten, auch die anderen Angebote des
Geländes zu nutzen.

FUNKTIONEN DES ÖFFENTLICHEN RAUMS IM KABELWERK
Der öffentliche Raum des Kabelwerks ist für die BewohnerInnen des

Kabelwerks, aber auch für BesucherInnen von außerhalb, ein attraktives
und häufig aufgesuchtes Gebiet.

Der öffentliche Raum im Kabelwerk dient dem Aufenthalt ebenso wie
dem Schlendern, Spazierengehen und dem Queren.

A BBILDUNG 36: K ARTE D AS K ABELWERK ALS T RANSITORT

95

Seine Qualitäten liegen vor allem in den vielfältigen auto- und

barrierefreien öffentlichen Räumen, die zum sicheren und stressfreien

Aufenthalt und zum Spazierengehen einladen. Darüber hinaus sind es die
Nahversorgungsinfrastruktur und auch die Lokale, die Menschen aus dem

Kabelwerk und aus der Umgebung anziehen. Zudem kann der Weg zu den

öffentlichen Verkehrsmitteln durch das Kabelwerk führen.

Ein Charakteristikum des Kabelwerks ist, dass seine Qualitäten oftmals
verbunden genutzt werden.
Das Einkaufen wird mit einem Spaziergang durch das Kabelwerk und/oder

dem Besuch eines Spielplatzes verbunden, auf dem Weg zur U-Bahn kann
im Kabelwerk Rast gemacht werden. Dies macht eine ganz besondere
Qualität aus, weil Dinge „nebenbei“ gemacht werden können und damit
beiläufigen Anreiz gewinnen. Dies ist vor allem für ältere Menschen

wichtig, die so mehr Anstoß bekommen, sich im Freien zu bewegen, aber
auch für Erwachsene, die Kinder beaufsichtigen, weil sie den Besuch der
Spielplätze mit dem notwendigen Einkauf verbinden können.

A BBILDUNG 37: K ARTE D AS K ABELWERK ALS A UFENTHALTSRAUM

96

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

DAS KABELWERK ALS ORT SOZIALER INTEGRATION

Das Kabelwerk wird von vielen verschiedenen Gruppen genutzt.
Die dominante Gruppe im öffentlichen Raum sind Kinder und ihre
Betreuungspersonen. Sie nutzen die vielen Spielplätze, aber auch die

Verbindungswege zum Spielen. Jugendliche und junge Erwachsene ab 16
Jahren sind im öffentlichen Raum des Kabelwerks weniger präsent als die
Kinder. Viele der jugendlichen NutzerInnen wohnen im Kabelwerk, aber

auch FreundInnen der jungen BewohnerInnen von außerhalb und
Jugendliche aus der Umgebung kommen gerne hierher. Die Buben und

jungen Männer nutzen vor allem die Sport- und Spielgelegenheiten,

während Mädchen gerne zu zweit oder in kleinen Gruppen spazieren
gehen, auf den Bänken sitzen und sich unterhalten.

Auch ältere Menschen sind im öffentlichen Raum präsent. Das Kabelwerk

mit seinen vielfältigen auto- und barrierefreien öffentlichen Räumen wird

auch von hochaltrigen und gehbehinderten Menschen aufgesucht, die zum

Teil im Pflegewohnhaus im Kabelwerk wohnen, oder aus der Umgebung
kommen und hier alleine oder in Begleitung spazieren gehen.
Der

öffentliche

Raum

im

Kabelwerk

wird

intensiv

von

SpaziergängerInnen mit Hunden genutzt. Beim Spazierengehen sind die
Tiere meist angeleint. Wenn die BesitzerInnen Pause machen oder sich im
Park am Hedy-Lamarr-Weg befinden, lassen sie ihre Hunde öfter frei und
unangeleint auf der Wiese spielen.
Erwachsene

RadfahrerInnen

queren

den

öffentlichen

Raum

Kabelwerk, während Kinder gerne in der Anlage im Kreis fahren.

im

Es gibt derzeit kaum Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum.
Der öffentliche Raum des Kabelwerks wirkt entspannt. Es konnten keine

akuten Konflikte beobachtet werden. Die Atmosphäre ist freundlich,

obwohl eine Vielzahl an verschiedenen NutzerInnengruppen aus der
Anlage selbst und aus dem Umfeld hier aufeinandertreffen.

In den Gesprächen mit den Eltern sowie Kindern wurde der schwierige
Zugang kleinerer Kinder zu den Ballspieleinrichtungen thematisiert. Die

Situation sei jedoch besser, seit der Ballspielkäfig nur mit Schlüssel

97

nutzbar ist und Jugendliche aus der Umgebung diese nicht mehr so einfach
nutzen können.

Generationskonflikte zwischen Kindern und älteren BewohnerInnen oder
kulturell

aufgeladene

Konflikte

zwischen

Alteingesessenen

und

EinwanderInnen oder MigrantInnen konnten weder beobachtet werden,
noch wurden sie in den NutzerInnengesprächen thematisiert. Dies mag

auch daran liegen, dass das Kabelwerk erst vor kurzem besiedelt wurde
und die Bevölkerung noch relativ homogen ist.

Die Gruppe der AsylwerberInnen, die in der Anfangsphase von einer

politischen Partei medial angegriffen worden waren, haben sich
weitgehend aus dem öffentlichen Raum zurückgezogen und verhalten sich
extrem defensiv. Reale Konflikte mit dieser Gruppe hat es nie gegeben.
Das

vorherrschende

Interaktionsmuster

der

verschiedenen

NutzerInnengruppen des Kabelwerks ist ein weitgehend konfliktfreies
„Nebeneinander“.
Im Kabelwerk gibt es verschiedene Gruppen, die vor allem auf sich
bezogen sind:

Die BewohnerInnen der Anlage, unter ihnen viele Familien mit Kindern,
haben, unterstützt durch die sozialen Angebote und Gemeinschaftsräume,
die Möglichkeit, ein vielfältiges soziales Leben in ihren Nachbarschaften
aufzubauen und nutzen diese intensiv.

Die BewohnerInnen aus der Umgebung schätzen die öffentlichen

Infrastrukturangebote im Kabelwerk. Einige würden jedoch die nach
außen sichtbaren, bisher vor allem auf die BewohnerInnen bezogenen
sozialen und räumlichen Angebote in den Gemeinschaftsräumen einzelner
Wohnhäuser, wie Yogastunden oder Eltern-Kind-Treffen, gerne mitnutzen.

Die AsylwerberInnen und StudentInnen, die im Kabelwerk wohnen,

nehmen aus unterschiedlichen Gründen kaum am sozialen Leben im

Kabelwerk teil und auch die BewohnerInnen des Pflegewohnhauses
bleiben unter sich.

DIE QUALITÄTEN DES KABELWERKS
Räumliche Qualitäten des Kabelwerks
Der öffentliche Raum des Kabelwerks besitzt vielfältige räumliche

Qualitäten, die von seinen BewohnerInnen und den BewohnerInnen der
98

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

umliegenden Gebiete gut angenommen werden. Es ist ausreichend Raum
vorhanden, dass die unterschiedlichen NutzerInnengruppen einander
ausweichen können.

Der Konflikt mit den von BesucherInnen von außen zu intensiv genutzten
Ballspielkäfigen wurde durch eine Schließanlage und klar definierte

Öffnungszeiten entschärft. Die damit verbundene Vertreibung der

BesucherInnen erscheint als relativ unproblematisch, da diese Gruppe
hochmobil ist und sich andere Spielorte und -gelegenheiten suchen kann.
Soziale Qualitäten des Kabelwerks

Die BewohnerInnen der neuen Wohngebäude haben ein großes Angebot
an Gemeinschaftsräumen zur Verfügung, in denen vielfältige soziale
Aktivitäten

stattfinden.

Allerdings

fehlt

ein

Ort,

an

dem

bauplatzübergreifende gemeinschaftliche Nutzung stattfinden kann, wie

ein Grätzel- oder Stadtteilzentrum, das auch den BewohnerInnen des
Umfeldes zur Verfügung steht. Dies ist kein Defizit, das nur das Kabelwerk

betrifft. Auch die anderen aktuellen geförderten Wiener Neubauprojekte
stehen vor derselben Situation. Alle bauplatzübergreifenden sozialen
Aktivitäten sind daher auf den öffentlichen Raum angewiesen.

Das derzeitige Integrationsmuster heißt „Nebeneinander“, was im

Kabelwerk auch gut funktioniert. Es könnte ein stärkeres „Miteinander“

daraus werden, wenn gruppenübergreifende soziale Aktivitäten gestartet

würden. Dabei wären gemeinschaftliche nutzbare Räume, die allen

BewohnerInnen des Kabelwerks und seiner Umgebung zur Verfügung
stehen, hilfreich.

D ER SÜDLICHE P LATZ DES K ABELW ER KS – DIE A NALYSE
FUNKTIONEN DES SÜDLICHEN PLATZES
Der südliche Platz ist das Nahversorgungszentrum des Kabelwerks.
Am südlichen Platz sind die meisten Nahversorger des Kabelwerks
konzentriert: ein Lebensmitteldiscounter, ein Drogeriemarkt, eine

Apotheke, eine Trafik sowie eine Bank. Er wird von den BewohnerInnen

des Kabelwerks gezielt aufgesucht. „Laufkundschaft“ gibt es kaum, weil der
Platz relativ weit von der Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel
sowie Hauptstraßen entfernt liegt.

99

Aufgrund seiner Funktion und Lage innerhalb des Kabelwerks übernimmt
der südliche Platz nur einen Teil der Zentrumsfunktion.

Die Nahversorger am Platz werden auch von den BewohnerInnen der
Umgebung genutzt.
Die Umgebung um das Kabelwerk bietet verschiedene Angebote für den

Erwerb von Gütern des täglichen Bedarfs. Trotzdem wird der
Lebensmitteldiscounter auch bei der Bevölkerung der unmittelbaren

Umgebung zum Kabelwerk, welche in ähnlichen Entfernungen auch andere

Nahversorger zur Verfügung haben, gerne genutzt. Sie verbinden den
Einkauf oft mit einem Spaziergang oder dem Besuch des Friedhofs.
Der Platz als Durchgangsraum funktioniert gut.

Gezielt Durchquerende vom Norden (Otto-Bondy-Platz oder der U6-

Station) oder vom Süden (Khleslplatz) kommend, sind meist mit höherer
Geschwindigkeit unterwegs. Der frei verfügbare Platz ohne Möbel ist dabei
zum

Ausweichen

und/oder

Überholen

von

Vorteil.

Auch

die

Barrierefreiheit über die Rampen erlaubt jeder Bevölkerungsgruppe die
problemlose Nutzung in dem für sie passenden Tempo.

Das gezielte Aufsuchen der Geschäfte und der Arztpraxen ist neben der
Durchgangsfunktion die Hauptfunktion des Platzes.
Während der Ladenöffnungszeiten ist der Platz von Menschen jeden Alters
gut

besucht.

Die

größte

Intensität

herrscht

rund

um

den

Lebensmitteldiscounter und die Apotheke, in welcher zudem Arztpraxen
untergebracht sind.

Die Verweil- und Aufenthaltsqualität ist gering.
Das Aufhalten ist auf diesem Platz kaum ein Thema für die NutzerInnen.
Kein spezielles Angebot lädt hier zum längeren, konsumfreien Verweilen

ein. Ausnahmen sind das Abstellen von Taschen, das kurze Warten auf
jemanden oder zufällige Treffen von Bekannten. Dann wird aber vermehrt
im Stehen geplaudert und selten im Sitzen. Meist sind dies die

BewohnerInnen des Kabelwerks selbst, vor allem Erwachsene, viele mit

Kindern und ältere Menschen. Das Café des nahe gelegenen Hotels hat

kaum anziehende Wirkung auf die BewohnerInnen. Hier sind nur wenige
ältere Menschen anzutreffen. Außerdem erfüllt der Platz auch den Zweck

als Anlieferungszone und ist daher auch freizuhalten, um die Zufahrt von
Lkws zu ermöglichen.
100

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

An Wochenenden wird der Platz gelegentlich bespielt.
Vor allem an Wochenenden sind manchmal Kinder am Platz, die dort Rad

fahren oder Fangen spielen. Dabei ist immer noch ausreichend Platz, dass

Querende ausweichen können. Die Dauer der Spiele variiert je nach
Kindergruppe.

Den Wassersäulen am Platz schenken die Kinder meist nur kurze
Beachtung. Sie eignen sich für wegbegleitende Bespielungen, sind aber für
ein längeres Spiel unattraktiv.

Der südliche Platz hat die Funktion eines auto- und barrierefreien
Zugangs zum Kabelwerk.
Der südliche Platz liegt direkt an der Oswaldgasse und erlaubt daher das

Ein- und Aussteigen aus privaten Pkws. Durch die bauliche Begrenzung ist

der autofreie Bereich aber sicher von der Fahrbahn abgegrenzt. Seine
Barrierefreiheit

gibt

allen

uneingeschränkt zu nutzen.

NutzerInnen

die

Möglichkeit,

ihn

A BBILDUNG 38: K ARTE G EHLINIEN AM SÜDLICHEN P LATZ

101

DIE QUALITÄTEN DES SÜDLICHEN PLATZES
Der südliche Platz dient vor allem dem Einkauf und dem Transit. Seine

Angebote zum Aufenthalt sind spärlich und werden nur bedingt

angenommen. Er ist daher stärker von „notwendigen“ 65 Funktionen des
Einkaufens geprägt als durch „freiwilligen“ 66 Aufenthalt.

Der südliche Platz muss nicht zwingend eine Aufenthaltsfunktion

erfüllen.
Da die Funktion „Aufenthalt“ ohnehin vom städtebaulichen Zentrum des
Kabelwerks, dem Otto-Bondy-Platz, gut erfüllt wird und darüber hinaus

weitere

kleinere

Plätze,

ruhigere

Rückzugsbereiche

mit

guter

Aufenthaltsqualität im Kabelwerk zur Verfügung stehen, muss diese
Funktion nicht unbedingt auch auf dem südlichen Platz erfüllt werden.

Wenn die Aufenthaltsqualität hier dennoch erhöht werden soll, so wären
Schattenspender für die Sitzgelegenheiten gut. Wenn die Entscheidung für

eine Umgestaltung getroffen wird, sollten die BewohnerInnen und die
anderen NutzerInnen in den Umgestaltungsprozess eingebunden werden,
um die Identifikation mit dem Platz zu erhöhen67.

D ER J OSEF -B OHMANN -H OF – DIE A NALYSE
BEDEUTUNG IM UMFELD UND IM FREIRAUMVERBUND
Die Bedeutung des Josef-Bohmann-Hofes für sein Umfeld ist gering.
Der Bohmann-Hof ist eine im Inneren autofreie Wohnhausanlage mit
großzügigem

konzentrierten

Freiflächenangebot

und

Infrastrukturangebot

für

einem
die

kleinen,

zentral

Versorgung

der

BewohnerInnen. Der U-Bahn-Anschluss ist zwar fußläufig in ca. 10

Minuten erreichbar, für die BewohnerInnen der Umgebung führen jedoch

keine wichtigen Verbindungswege durch den Bohmann-Hof. Einzig der
Bildungscluster im Norden des Hofes mit Schulen, Hortgruppen und den

Kindergärten im Südwesten geben den BewohnerInnen des Umfeldes
einen Anlass, um den Hof aufzusuchen.

65

Gehl 2012.

67

Rode et al. 2016.

66

Gehl 2012.

102

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Bedeutung des Josef-Bohmann-Hofes im Freiraumverbund ist gering.
Im Südwesten liegt in unmittelbarer Nähe des Hofes der IngeborgBachmann-Park. Hier treffen die BewohnerInnen des Bohmann-Hofes mit

ihren NachbarInnen aufeinander. Obwohl es im Umfeld des Bohmann-

Hofes darüber hinaus kaum größere, gut zugängliche öffentliche
Freiräume gibt, stellen die großzügigen und grünen Bereiche zwischen den
Wohnhäusern kaum Anziehungspunkte für die BewohnerInnen des
Umfeldes dar.

ORGANISATION DER SIEDLUNG
Der Josef-Bohmann-Hof folgt dem städtebaulichen Leitbild der
modernen „funktionalistischen Gartenstadt“.
Die

Nutzungen

des

Bohmann-Hofes

sind

auf

Wohnen

und

Wohnfolgeeinrichtungen beschränkt, es gibt nur ein einziges Zentrum

(monozentrische Struktur). Er ist eine Wohnsiedlung mit klarer
Funktionstrennung

der

einzelnen

Bereiche:

Rund

um

das

Siedlungszentrum mit Einkauf und Gastronomie sind fächerförmig reine

Wohnbereiche gruppiert. Im Norden des Gebietes sind Schulen und

Hortgruppen untergebracht, im Südwesten mehrere Kindergärten. Zwar

sind alle Wege im Bohmann-Hof öffentlich zugänglich, von ihrem
Charakter jedoch wirken die Erschließungswege in der Siedlung eher
privat, nur das Siedlungszentrum, der Alfred-Kubin-Platz, wirkt wie ein
öffentlicher, städtischer Raum.

103

F U N K T I O N E N D E S Ö F F E N T L I C H E N R A U M S I M J O S E F -B O H M A N N -H O F
Der öffentliche Raum im Bohmann-Hof dient nur den unmittelbaren
BewohnerInnen als Ort zum Aufenthalt, Spazierengehen und Queren.
Der Josef-Bohmann-Hof ist nur für die unmittelbaren BewohnerInnen von

hoher

Bedeutung.

Er

besteht

aus

einem

Netz

von

breiten

Erschließungswegen, kleineren platzartigen Erweiterungen und einem

Siedlungszentrum, dem Alfred-Kubin-Platz. Die Angebote im Josef-

Bohmann-Hof sind nicht anziehend für BewohnerInnen aus der
Umgebung.

A BBILDUNG 39: K ARTE D ER J OSEF -B OHMNANN -H OF ALS T RANSITRAUM

Die Erschließungswege im Bohmann-Hof sind neben ihrer Funktion des
Querens und Spazierengehens auch Orte von Spiel und Aufenthalt.
Bei Schönwetter verlagern sich die Wohnzimmer der privaten Wohnungen

in den öffentlichen Raum. Es wird geplaudert, gegessen, gespielt,
gesportelt, beobachtet, Musik gehört oder gefaulenzt. Kinder spielen Ball,
104

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Fangen oder Verstecken und fahren mit ihren Fahrrädern im Bohmann-

Hof.

A BBILDUNG 40: K ARTE D ER J OSEF -B OHMANN -H OF ALS A UFENTHALTSRAUM

D E R J O S E F -B O H M A N N -H O F A L S O R T S O Z I A L E R I N T E G R A T I O N
Der öffentliche Raum im Josef-Bohmann-Hof wird intensiv genutzt. Er
ist aber weitläufig genug, um einzelnen Gruppen auch ein Ausweichen
zu erlauben.
Vor allem Kinder eignen sich tagsüber einen Großteil der Freiflächen für
Ballspiele und Radfahren an. Die vielen Sitzmöglichkeiten und

Rückzugsbereiche im gesamten Areal ermöglichen es jedoch den anderen
NutzerInnen, Aufenthaltsbereiche zu finden.

105

Der Generationswechsel im Bohmann-Hof führt zu Konflikten im
öffentlichen Raum und zum Rückzug der älteren BewohnerInnen.
Da der Generationswechsel im Bohmann-Hof schon weit fortgeschritten
ist, hat sich die zahlenmäßig dominante Gruppe in den letzten Jahren von

den Älteren zu den Jüngeren hin verschoben. Dies führt zu Konflikten
zwischen einigen älteren BewohnerInnen und Kindern/Jugendlichen, die
zum Teil mit ethnisch gefärbten Argumenten überlagert werden.

In den Wohnungen selbst ist es meist ruhig und die älteren
BewohnerInnen fühlen sich wohl, aber die früher so selbstverständliche
Nutzung des öffentlichen Raums, gemeinsam mit den immer weniger

werdenden NachbarInnen und Bekannten, lässt nach. Stattdessen haben
Gruppen von Kindern und Jugendlichen den öffentlichen Raum erobert
und viele der älteren BewohnerInnen stört die Lautstärke der Kinder und
die Geschwindigkeit ihrer raumgreifenden Spiele.

Die nachbarschaftliche Annäherung und das Knüpfen von Kontakten

zwischen Alteingesessenen und in den letzten Jahren Hinzugezogenen
fallen

schwer,

auszuweichen.

viele

Ältere

ziehen

sich

zurück

und

versuchen

Der Generationswechsel führt zu Konflikten zwischen Alteingesessenen
und Neuzugezogenen.
Die „Alteingesessenen“ leiden vor allem unter dem Verlust ihrer früheren
Gemeinschaft. Während früher „jeder jeden“ kannte, die Familie

zusammen war und NachbarInnen und HausbesorgerInnen für soziale
Kontrolle sorgten, haben sie heute das Gefühl, „auf sich alleine gestellt“ zu

sein.

Die den öffentlichen Raum dominierenden Gruppen von Kindern und
Jugendlichen empfinden die „Alteingesessenen“ als zu laut und unhöflich

und schreiben ihnen einen Teil der Verantwortung dafür zu, dass die
einstmals neue und schöne Anlage heute in einem ungepflegten Zustand
ist. Sie fühlen sich von den „Neuzugezogenen“ verdrängt. Manche weichen
daher im Sommer in ihre Schrebergärten aus.

Unter den „Neuzugezogenen“ sind viele MigrantInnen und Menschen mit

Migrationshintergrund. Sie leben gerne im Josef-Bohmann-Hof, häufig
wohnen mehrere Generationen in der Anlage selbst oder der näheren

Umgebung. Zur Gruppe der „Alteingesessenen“ haben sie wenig Kontakt,
106

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

fühlen sich aber manches Mal von ihnen beobachtet. Zu den unmittelbaren
Nachbarn auf der eigenen Stiege herrscht aus ihrer Sicht meist ein gutes

Verhältnis. Erwachsene und ältere „Neuzugezogene“ ohne Kleinkinder
treffen sich oftmals zufällig mit Personen derselben Gruppe beim

Einkaufen am Alfred-Kubin-Platz. Dann sitzen sie manchmal am Platz, um

zu plaudern und zu beobachten. Meist nutzen sie jedoch, ebenso wie die
Gruppe der „Alteingesessenen“, die Bänke entlang der Erschließungswege.
Es werden offizielle Ansprechpersonen vermisst, die schlichtend in
Konflikte im öffentlichen Raum eingreifen.
Viele

der

befragten

älteren

Erwachsenen

vermissen

die

alten

HausmeisterInnen, die sich früher um Ordnung und Sicherheit gekümmert

haben. Hausverwaltung und Polizei reagieren auf ihre Wünsche nicht
intensiv genug oder es dauert zu lange, bis diese eingreifen (können). Die

Parkbetreuung wird von ihnen als Institution wahrgenommen, die die
Situation entschärft, indem sie sich um die Kinder und Jugendlichen

kümmert und auch für sie ansprechbar ist, obwohl sie eigentlich im
Sommer nur den Ingeborg-Bachmann-Park betreuen. Aber da sie ihren

Stützpunkt am Alfred-Kubin-Platz haben und in Kontakt mit den Kindern

und Jugendlichen sind, greifen sie hin und wieder ein.

Im Bohmann-Hof treffen zwei Erziehungsstile aufeinander: behütende
Eltern und Eltern, die ihre Kinder ohne Aufsicht im Freien spielen
lassen.
Es gibt zwei Gruppen von Eltern: Die einen lassen ihre Kinder schon sehr
früh ohne Aufsicht in den öffentlichen Raum, wo sich die spielenden
Kinder in Gruppen über das gesamte Gelände bewegen. Die andere Gruppe

Eltern, vorwiegend Mütter, behalten ihre Kinder deutlich länger unter
Aufsicht. Zwischen diesen Erziehungsstilen gibt es immer wieder
Konflikte, in die die stärker behütenden Eltern regelnd eingreifen.

D I E Q U A L I T Ä T E N D E S J O S E F -B O H M A N N -H O F E S

Grundsätzlich wird die Wohnhausanlage des Josef-Bohmann-Hofes von

den meisten Befragten sehr positiv beurteilt: Die weitläufigen auto- und

barrierefreien

Wege,

das

viele

Grün,

die

fußläufig

erreichbare

Basisversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs wird von älteren

BewohnerInnen und Familien mit Kindern gleichermaßen geschätzt.
Eltern schätzen auch die nahe gelegenen und gut erreichbaren Schulen und
Kindergärten.

107

„Alteingesessene“ sind kritischer mit der Anlage als „Neuzugezogene“.
Während die „Neuzugezogenen“ meist sehr zufrieden mit ihrer

Wohnsituation im Bohmann-Hof sind, finden die „Alteingesessenen“ die
Anlage zwar baulich „in Ordnung“, aber ungepflegt. Sie haben ein älteres

Idealbild im Kopf. Der bauliche Zustand und die Sauberkeit in der Anlage
korrespondieren für sie mit den ungeliebten sozialen Veränderungen. Sie
wünschen sich vor allem einen regelmäßigeren Grünschnitt, neue bzw.
sanierte Bänke, eine häufigere Müllentsorgung sowie funktionierende
Müllkübel,

damit

weniger

Schmierereien an den Wänden.
Die

Konflikte

am

Boden

reduzieren

die

herumliegt,

und

weniger

Wohnzufriedenheit

von

BewohnerInnengruppen, die sich in der Defensive fühlen.
Während die „Neuzugezogenen“ gerne hier wohnen, obwohl die Miete

ihrer Ansicht nach nicht sehr günstig ist, würde ein Teil der
„Alteingesessenen“ wegen der NachbarInnen, dem Schmutz und der
Lautstärke „sofort wegziehen“, wenn sie das Geld dazu hätten.

Eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr würde die
Wohnhausanlage für berufstätige Erwachsene attraktiver machen.
Die unmittelbare Öffi-Anbindung an den Josef-Bohmann-Hof ist für die

BewohnerInnen weniger gut. Im Norden und Westen des Josef-BohmannHofes fahren die nächsten Busse, im Osten, mit einem längeren Gehweg
verbunden,

die

U-Bahn.

Der

Platz

selbst

ist

mit

öffentlichen

Verkehrsmitteln nicht direkt zu erreichen, sondern verlangt Gehzeiten von
etwa 5-10 min. Alte und Personen mit Kinderwägen/Kleinkindern

kommen aus dem Hof weniger gut weg. Viele BewohnerInnen fahren mit

dem Bus zur U-Bahn, damit sie nicht so weit gehen müssen, aber die Takte

der Busse lägen zu weit auseinander.

Gemeinschaftsräume für soziales Leben fehlen.
Für eine Verbesserung der nachbarschaftlichen Kommunikation wünschen
sich einige einen Gemeinschaftsraum und mehr Angebote im öffentlichen
Raum (wie Events), bei denen die Menschen zusammenkommen und
positive Gemeinschaftserfahrungen machen können.

108

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

D ER A LFR ED -K UBIN -P LATZ IM J OSEF -B OHMANN -H OF – DIE
A NALYSE
F U N K T I O N E N D E S A L F R E D -K U B I N -P L A T Z E S
Der Alfred-Kubin-Platz ist das Zentrum der Anlage
Der Alfred-Kubin-Platz ist sowohl städtebaulich, als auch von seiner

Funktion her, das Zentrum des Josef-Bohmann-Hofes. Er wird für

notwendige (Einkaufen, Transit), freiwillige (Aufenthalt) und soziale
Aktivitäten (Treffpunkt) genutzt.68

A BBILDUNG 41: K ARTE G EHLINIEN AM A LFRED -K UBIN -P LATZ

Die beiden zentralen Zufahrtsstraßen und die Erschließungswege zu den
einzelnen Stiegen laufen sternförmig auf den Alfred-Kubin-Platz zu und

auch der Weg zur nächstgelegenen U-Bahn-Station führt über den Platz.
68

Gehl 2012.

109

Hier konzentriert sich auch das gesamte Infrastrukturangebot: ein
Lebensmitteldiscounter,

eine

Apotheke,

eine

Parfümerie,

ein

Kosmetiksalon, eine Trafik mit Zigarettenautomat sowie zwei Lokale. Die

Mitte des Platzes wird von drei großen Bäumen sowie mobilen Sitz- und

Liegemöbeln, so genannten „Enzis“, dominiert.

Der Alfred-Kubin-Platz ist ein zentraler Durchgangsraum.

Da der Platz das Zentrum der Anlage bildet, wird er grundsätzlich von
allen BewohnerInnengruppen des Bohmann-Hofes genutzt. Er weist eine

hohe Dichte von PassantInnen auf, die den Platz zu Fuß oder mit dem
Fahrrad

queren.

Den

Durchgangsraum

macht

auch

die

behindertengerechte Bauweise des öffentlichen Raums aus, welcher über

die Rampen auch genutzt wird (Kinderwägen, alte Menschen mit

Rollatoren, Radfahrende). Beim direkten Kreuzen des Platzes wird kein

Umweg um Baumtröge oder „außen rum“ vorgenommen, sondern die
ebenerdige Mitte des Platzes gewählt. Die Engstelle in der Mitte des Platzes

sowie die Platzierung der „Enzis“ nehmen dabei die Geschwindigkeit aus
den Bewegungen (laufen und Rad fahren).

Der

Alfred-Kubin-Platz

ist

beiläufiger

Treffpunkt

für

die

BewohnerInnen.
Während

der

Woche

treffen

einander

Erwachsene

und

ältere

BewohnerInnen eher beiläufig beim Einkaufen. In den meist kurzen
Gesprächen herrscht ein reger Austausch. Kleinere Gruppen von
Erwachsenen halten sich vor allem an den Wochenenden am Platz auf. Am

Nachmittag und an den Wochenenden nutzen viele Gruppen von Kindern
den Platz zum Spielen. Auch sie treffen sich meist zufällig hier. Den

Jugendlichen dient der Platz an den Abenden und vor allem an

Wochenenden als Treffpunkt. Sie verabreden sich jedoch explizit, um ihre
Freizeit gemeinsam auf dem Platz oder in der Umgebung zu verbringen.

Zu manchen Zeiten nehmen die Kinder den Platz in Beschlag.

An Nachmittagen und Wochenenden nehmen die vielen Kinder
unterschiedlichen Alters, insbesondere aber Burschen im Alter zwischen 6
und 12 Jahren, den Platz ein. Sie spielen trotz Verbotsschilder Fußball,

klettern auf Enzis, Stufen und die Steinskulptur und spielen Fangen, fahren

Rad, Scooter und Inlineskates. Die meisten Kinder spielen in Gruppen

miteinander. Zu diesen Zeiten ist es sehr laut, weil Bälle auf den
Betonboden aufprallen und die Kinder miteinander schreien.
110

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Der Alfred-Kubin-Platz bietet vielfältige Verweilangebote: sehen und
gesehen werden.
Trotz der hohen Gehgeschwindigkeiten, der hohen PassantInnendichte,
den spielenden Kindern und RadfahrerInnen wird der Platz intensiv zum
Aufenthalt

genutzt.

Der

Alfred-Kubin-Platz

bietet

eine

Vielzahl

unterschiedlicher Verweilangebote: von Bänken über „Enzi“-Loungemöbel

bis hin zu Stufen und Mauervorsprüngen. Er bietet sonnige und schattige

Sitzplätze, ebenso wie geschützte Bereiche an der Arkade oder der
Hauswand, von denen aus man das bunte Treiben aus einer gewissen
Entfernung

betrachten

kann

und

andererseits

sehr

belebte

Sitzmöglichkeiten. Die beliebtesten Verweilmöbel sind die Steinstufen, die

eine kleine Arena bilden, von der aus man das Geschehen im Zentrum des
Platzes gut im Blick hat. Fußball spielende Buben werden von hier aus von

pausierenden Mitspielern, kleineren Kindern und Mädchen beobachtet.

Aber auch Eltern sitzen hier, um ihre spielenden Kinder im Blick zu

behalten. Die Enzis am Platz werden weitaus weniger genutzt, da sie
mitten im Spielbereich der Kinder stehen und man dort vor den fliegenden

Bällen ungeschützt ist.

An Werktagen halten viele Menschen auf dem Platz ihre Mittagspause. Sie

essen, was sie im Supermarkt gekauft haben, oder sitzen im etwas abseits
gelegenen Schanigarten vor dem Lokal.

Spielenden Kindern am Alfred-Kubin-Platz wird ausgewichen.
Auf dem Platz herrscht ein hohes Tempo vor. Viele RadfahrerInnen
überqueren den Platz sehr schnell, Bubengruppen spielen Fußball und

gleichzeitig spielen andere Kindergruppen Fangen. Viele PassantInnen

versuchen, diesen Aktivitäten auszuweichen, indem sie den Platz nicht auf
dem

kürzesten

entlanggehen.

Weg

durchqueren,

sondern

am

äußeren

Rand

Durchfahrtsverbot und „Enzis“ als Sicherheitsfaktoren am Platz
Die Zufahrt mit Dienst-Pkws/Lkws ist im äußeren Bereich des Platzes im

Ausnahmefall, z.B. zur Anlieferung, gestattet. Dabei ist die Geschwindigkeit

sehr gering und die FahrerInnen nehmen Rücksicht auf die PassantInnen.

Die „Enzis“ am Platz verhindern zudem die Durchfahrt mehrspuriger

Kraftfahrzeuge und leisten dadurch einen Beitrag zum ungestörten und
sicheren Spielen und Verweilen auf dem Platz.

111

D I E Q U A L I T Ä T E N D E S A L F R E D -K U B I N -P L A T Z E S
Der Alfred-Kubin-Platz wirkt etwas heruntergekommen, es gibt
Leerstand und auch die vorhandenen Infrastrukturangebote sind nur
auf niedrigem Niveau.
Eigentlich wird die lokale Nahversorgung von den BewohnerInnen sehr
geschätzt.

Dieses

positive

Urteil

wird

getrübt

durch

den

wünscht

sich

sanierungsbedürftigen Zustand des öffentlichen Raums am Alfred-Kubin-

Platz.

Ein

Teil

der

befragten

BewohnerInnen

Sanierungsmaßnahmen (schönere Bänke, funktionierende Müllkübel) und

eine Umgestaltung des Platzes, um seine Aufenthaltsqualität auch für

Erwachsene zu verbessern. Mehr Grün und ein nettes Caféhaus würden
den Platz attraktiver für sie machen. Auch der Zustand und die Qualität der

Produkte des Supermarktes werden von ihnen kritisch gesehen. Zudem
sollte eine Bäckerei, ein Bankomat und eine Post das Angebot ergänzen.

Die derzeitige Situation auf dem Alfred-Kubin-Platz führt zu einer
Dominanz von Kindern und Jugendlichen.
Der Alfred-Kubin-Platz als einziger und zentraler Platz sollte für alle

BewohnerInnengruppen nutzbar sein. Derzeit wird er von den Kindern

und Jugendlichen dominiert. Zwar gibt es Verbote, wie das Ballspielverbot,
aber über diese setzen sie sich hinweg. Es wäre wichtig, diesen Platz auch

für Erwachsene und ältere Menschen nutzbar zu machen und auch
ruhigeren Nutzungen (ohne „fliegende Bälle“) Raum zu verschaffen. Den
Kindern sollten Ausweichflächen für ihre Spiele zur Verfügung gestellt
werden. Dennoch wird dieser Prozess nicht ohne soziale Begleitung

möglich sein. Darüber hinaus helfen bauliche Veränderungen, die
raumgreifende Nutzungen verhindern und den Aufenthalt attraktiver
machen. Die Platzierung der „Enzis“ war bereits ein Schritt in diese
Richtung.

112

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

V ERG LEIC H AUSG EWÄHLTER S TADTER W EITER UNG SG EBIETE
V E R G L E I C H K A B E L W E R K – J O S E F -B O H M A N N -H O F
Während das Kabelwerk viele BesucherInnen aus dem Umfeld anzieht,
sind der Josef-Bohmann-Hof und seine Infrastrukturangebote (mit
Ausnahme der Bildungseinrichtungen im Norden) fast nur für die dort
lebenden Menschen von Bedeutung.
Innerhalb beider Siedlungen gibt es Infrastrukturangebote für den

täglichen Bedarf, dennoch ist die Bedeutung der beiden Siedlungen für
ihr Umfeld höchst unterschiedlich.

Betrachtet man die Zentrenstruktur des Umfeldes beider Gebiete, so

wird deutlich, dass eine größere Anzahl an Infrastrukturangeboten vor
allem im unmittelbaren Umfeld der Haltestellen hochrangiger öffentlicher

Verkehrsmittel wie U-Bahnen und S-Bahnen zu finden ist, wenn es in der

Nähe größere Wohnsiedlungen gibt. Noch höherrangige Zentren finden
sich an den Umsteigeknoten öffentlicher Verkehrsmittel.

Das Kabelwerk besitzt im Gegensatz zum Josef-Bohmann-Hof einen

direkten U-Bahn-Anschluss. Dadurch sind die Einkaufsmöglichkeiten im
Kabelwerk auch für die BewohnerInnen des Umfeldes attraktiv und der

Weg zur U-Bahn muss oder kann durch die Siedlung führen. Zudem verfügt
das Kabelwerk über einen attraktiven größeren Park und umfasst ein nicht

substituierbares Angebot: das Gelände des Altmannsdorfer Friedhofs. Vor

allem die Kombination dieser Angebote, die oftmals in Verbindung

miteinander genutzt werden, macht eine hohe Attraktivität für die
BewohnerInnen des Umfeldes aus.

Der Josef-Bohmann-Hof hingegen liegt abseits der U-Bahn, wenngleich

der Weg dahin für die BewohnerInnen nicht allzu weit ist. Außer den
Bildungseinrichtungen

im

Norden

der

Anlage

gibt

es

für

die

BewohnerInnen des Umfeldes keine Anziehungspunkte in der Siedlung.

Die Infrastrukturangebote am Alfred-Kubin-Platz werden von den
SchülerInnen, Kindergartenkindern und deren Eltern in gewissem, aber
eher geringem Ausmaß genutzt.
Während

der

öffentliche

Raum

des

Kabelwerks

von

den

BewohnerInnen der Umgebung intensiv genutzt wird, kommen kaum
BesucherInnen in den Josef-Bohmann-Hof, um sich hier aufzuhalten.

113

Beide Gebiete sind im Inneren weitgehend autofrei und bieten ein

umfassendes

Angebot

an

Wegen,

Plätzen

und

Spiel-

/Sportmöglichkeiten, das die jeweils spärlichen und schlecht
erreichbaren Freiraumangebote im Umfeld ausgleichen könnte.

Eine mögliche Erklärung für die Unterschiede ist die Struktur der
Anlage:
Das

Kabelwerk

besitzt

eine

polyzentrische

Struktur:

Die

Infrastrukturangebote sind über das gesamte Gelände verteilt. Dies schafft

Anreize, die Wege innerhalb der Anlage zu nutzen und fordert auch
BesucherInnen zum Spazierengehen auf.
Der

Josef-Bohmann-Hof

hingegen

weist

eine

monozentrische

Struktur auf: Alle Infrastrukturangebote sind am zentral liegenden Alfred-

Kubin-Platz versammelt.

Die

Struktur

der

Funktionsmischung

Anlage

bzw.

hat

zudem

-trennung:

Auswirkungen

Funktionsgemischte

auf

die

Räume

werden als „städtisch“ und „öffentlich“ wahrgenommen, Räume mit
reiner Wohnfunktion werden als „privat“ eingestuft, selbst wenn sie
öffentlich zugänglich sind.

Im Kabelwerk gibt es entlang vieler Wege sowohl Wohnnutzung als auch
Geschäfte, Lokale und DienstleisterInnen. Dies verändert den Charakter

des öffentlichen Raums: Es gibt mehr Wege mit öffentlichem Charakter
und weniger privat wirkende Wege, für deren Nutzung BesucherInnen

eine innere „Schwelle“ überwinden müssen. Zudem müssen die Wege
zwischen

den

Infrastrukturangeboten

überwunden

werden:

Eine

Verteilung dieser über das gesamte Gelände fördert die Nutzung des
gesamten Gebiets.

Im Josef-Bohmann-Hof sind alle Funktionen, die über das Wohnen
hinausgehen, auf dem zentralen Alfred-Kubin-Platz konzentriert. Dieser

hat als Einziger öffentlichen und städtischen Charakter, während die

restlichen Wege und Grünflächen zwar breit sind und Aufenthaltsqualität

besitzen, in ihrer Anmutung jedoch als zu den jeweiligen Wohnhäusern
zugehörig wirken. Die einzige Ausnahme ist der Bildungscluster im

Norden, der jedoch in sich auch monofunktional ist. Die NutzerInnen des
Bildungsclusters, die nicht in der Anlage wohnen, nutzen daher höchstens

den benachbarten Alfred-Kubin-Platz, es gibt für sie keinen Grund, das
restliche Gebiet aufzusuchen.
114

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Das tatsächliche Vorhandensein von Freiraumangeboten in der
Siedlung fördert die Nutzung weiterer Teile des öffentlichen Raums.
Der Miep-Gies-Park liegt auf dem Gelände des Kabelwerks. Hier
treffen die BewohnerInnen der Umgebung auf die BewohnerInnen des

Kabelwerks. Der Park ist daher Teil des Angebots des Kabelwerks für die

BewohnerInnen der Umgebung. Die Nutzung weiterer Teile des Geländes
liegt daher nahe.

Im Josef-Bohmann-Hof selbst gibt es keinen öffentlichen Park, obwohl

der Grünflächenanteil sehr hoch ist. Der Ingeborg-Bachmann-Park, an dem
die BewohnerInnen der Anlage mit den BewohnerInnen des Umfeldes

aufeinandertreffen, ist von der Siedlung nur durch eine Straße getrennt.
Dennoch ist deutlich, dass er nicht mehr Angebot und somit Teil der
Siedlung ist, gleichzeitig ein in das Areal integrierter Park aber auch nicht
fehlt.

Ein weiterer Erklärungsbaustein kann in der Entstehungsgeschichte
der Siedlungen liegen.
Das Kabelwerk und seine öffentlichen Freiräume wurden im Rahmen
eines Beteiligungsverfahrens mit Interessierten aus dem Umfeld intensiv
diskutiert. Dies trägt mit dazu bei, dass die fertige Anlage weniger als

Gebiet gesehen wird, das ausschließlich den BewohnerInnen gehört.
Vielmehr haben auch die NachbarInnen das Gefühl, dass es ihr Kabelwerk

ist. Hinzu kommt, dass ein ehemaliges, großes Betriebsgelände immer

auch ein historischer sozialer Identifikationspunkt ist69. BewohnerInnen

aus dem Umfeld und/oder ihre Familienangehörigen oder Freunde haben
hier gearbeitet.
Der

Josef-Bohmann-Hof

wurde

weder

im

Zuge

eines

Beteiligungsverfahrens geplant, noch war das Gelände davor ein sozialer
Identifikationsort. Dies legt nahe, dass auch die Freiflächen, trotz ihrer

öffentlichen Zugänglichkeit, als den BewohnerInnen gehörig empfunden
werden.

Die unterschiedlichen städtebaulichen Leitideen haben, neben dem
direkten Anschluss an das hochrangige öffentliche Verkehrsnetz, einen
deutlichen Einfluss auf die Nutzungen der Siedlungen.

69

Rode et al. 2016.

115

Das Kabelwerk folgt der städtebaulichen Leitidee der Postmoderne
„Der Stadt der kurzen Wege“: Funktionsmischung, abgestufte Bereiche

zwischen privat und öffentlich, Grün- und Freiflächen unterschiedlicher
Größe

und

Qualität.

Öffnung

Zulieferverkehr.

der

zentralen

Wege

zeitlich

für

Der Josef-Bohmann-Hof ist eine Anlage der Moderne: Er spiegelt das

Idealbild

einer

Funktionstrennung,

funktionalistischen

ein

klares

Zentrum,

Gartenstadt

umgeben

von

wider:

ruhigem,

qualitätsvollem Wohnen, Orientierung der Wohngebäude an den
Himmelsrichtungen, Zeilenbauten mit breiten grünen Abstandsflächen, die

Autos werden in Hochgaragen am Rande der Siedlung abgestellt, die
jedoch diese noch weiter von ihrer Umgebung abschotten und die Insellage
verstärken. Die FußgängerInnenbereiche werden völlig von Autos
getrennt, Zulieferstraßen münden in Sackgassen.

V E R G L E I C H S Ü D L I C H E R P L A T Z I M K A B E L W E R K – A L F R E D -K U B I N -

P L A T Z I M J O S E F -B O H M A N N -H O F
Sowohl der Alfred-Kubin-Platz als auch der südliche Platz sind wichtige

Infrastrukturzentren in ihrer Wohnsiedlung. Während am Alfred-Kubin-

Platz alle Infrastrukturangebote des Josef-Bohmann-Hofes konzentriert

sind, steht der südliche Platz des Kabelwerks mit dem Otto-Bondy-Platz in

Konkurrenz.

Der Otto-Bondy-Platz ist das städtebauliche Zentrum des Kabelwerks

und weist einiges an Nahversorgungsinfrastruktur auf, einen Bäcker und

mehrere Lokale, während der südliche Platz einen Großteil der
Geschäfte des täglichen Bedarfs beherbergt. Seine Randlage und seine
offene städtebauliche Struktur lassen allerdings wenig „Platzgefühl“

aufkommen. Dies und das Fehlen von Lokalen führt dazu, dass kaum etwas
auf

dem

südlichen

Platz

zum

Aufenthalt

anregt.

Die

wenigen

Sitzgelegenheiten werden, ebenso wie die wenigen Spielangebote für
Kinder, konsequent ignoriert. Seine Funktion ist rein auf das Queren und

Einkaufen bezogen. Diese erfüllt er gut. Dadurch, dass der Otto-Bondy-

Platz der städtebaulichen Funktion als soziales Zentrum gerecht wird, er
Aufenthalt und Queren gut verbindet und es zudem im Kabelwerk
genügend andere Plätze gibt, die zum Verweilen einladen, sind diese
Funktionen auf dem südlichen Platz auch nicht unbedingt nötig.

116

FSRA in ausgewählten Stadterweiterungsgebieten

Der Alfred-Kubin-Platz im Josef-Bohmann-Hof hingegen verbindet alle

diese

Funktionen:

Er

ist

das,

und

zugleich

das

einzige,

Infrastrukturzentrum, er verteilt die FußgängerInnenströme und lädt

gleichzeitig zum Aufenthalt ein. Er vermittelt das räumliche Gefühl eines

zentralen und funktionalen Platzes, auf dem einander alle BewohnerInnen

der Anlage begegnen. Durch seine Inbesitznahme durch Kinder und
Jugendliche ist er zudem lauter und schneller als die öffentlichen Räume in
seiner Umgebung.

117

Reflexion der Wiener Erfahrungen mit der Funktions- und
Sozialraumanalyse

R EFLEXION DER W IENER E RFAHRUNGEN MIT DER
F UNKTIONS - UND S OZIALRAUMANALYSE
Wien hat in den letzten Jahren − ausgehend von evidenzbasierten Studien

zum öffentlichen Raum im Rahmen der Grundlagenforschung − ein neues,

anwendungsbezogenes Analyseinstrument für den öffentlichen Raum
entwickelt: die Funktions- und Sozialraumanalyse.

Typisch für dieses Instrument ist seine Verknüpfung qualitativer und

quantitativer Methoden der empirischen Sozialforschung. Es stellt
damit eine wesentliche Weiterentwicklung des Wissens über einen Ort

oder ein Gebiet dar, denn bis dahin lagen der städtischen Verwaltung als
Basis zur Beurteilung der sozialen Situation eines Ortes oder Gebietes nur
quantitativ-statistische Werte vor, mit denen

„(…) immer weniger die zunehmenden Werte-, Interessens- und
Verhaltensunterschiede – und damit Integrationserwartungen und bereitschaften – erklärt werden können“70.
Die Funktions- und Sozialraumanalyse bezieht lokale AkteurInnen und

NutzerInnen aktiv in die Analyse ein und ist dadurch in der Lage, Aussagen

auf die Situation vor Ort aus Sicht verschiedener Interessen und Personen

zu bekommen, die über die Hinweise aus der Statistik hinausgehen und
diese ergänzen.

2012 veröffentlichte die Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt
Wien das Handbuch „Raum erfassen“, das eine Anleitung für das Erstellen

von Funktions- und Sozialraumanalysen gibt und dazu beiträgt,

gemeinsame Standards für FSRAs einzuführen und zu erkennen und
auszubauen.

Heute werden FSRAs im Vorfeld der Umgestaltung regional bedeutsamer

öffentlicher Räume wie der Mariahilfer Straße oder des Schwedenplatzes
systematisch eingesetzt. Sie stellen eine Vielzahl an Informationen und
Sichtweisen auf den jeweiligen Ort als Grundlage für die Planung zur

Verfügung und helfen damit, die Planung stärker an die Bedürfnisse der
NutzerInnen anzupassen und vorhandene Qualitäten des jeweiligen
Raums zu erhalten.
70

Breitfuss et al. (2006: 29)

119

Dennoch

hat

sich

gezeigt,

dass

die

untersuchten

Orte

sehr

unterschiedlich sind und dass dies auch Auswirkungen auf Aufbau und

Umfang von Funktions- und Sozialraumanalysen hat. Es lag daher nahe, die
bisherigen Erfahrungen festzuhalten und weitere Einsatzbereiche des
Instruments mitzudenken.

Die folgenden Ergebnisse basieren auf den Erkenntnissen aus den FSRAs

im Kabelwerk und im Josef-Bohmann-Hof, einer vergleichende Analyse

bisheriger
Studien

71

Funktionsund

und

einem

Sozialraumanalysen

Workshop

mit

sowie

verwandter

AuftraggeberInnen

AuftragnehmerInnen von FSRAs und verwandten Studien72.

und

Im Rahmen der Diskussion wurden Aussagen zu folgenden Punkten
diskutiert:
•

•
•

Inhalt einer FSRA

Dauer der Untersuchung

(neue) Einsatzfelder für das Instrument.

Die Ergebnisse einer ExpertInnenreflexion vom 4.4.2014 werden im
Folgenden in Kurzfassung dargestellt:

I NHALT

EINER

FSRA

Die Erfahrungen mit den bisherigen FSRAs haben gezeigt, dass Ablauf und

Methodenwahl sich sehr deutlich an die jeweilige Aufgabenstellung und
den Charakter des Ortes anpassen sollten.

Grundsätzlich soll sich die Durchführung einer FSRA am Handbuch „Raum

erfassen“ (2012) orientieren. Wie weit Ablauf und Methodenwahl im

Einzelfall von den Vorschlägen des Handbuchs abweichen sollen − also die

Entscheidung zwischen „Standardisierung“ und „Offenheit“ − muss jedoch

situationsspezifisch

zwischen

AuftragnehmerInnen

und

AuftraggeberInnen entschieden werden. Um das Instrument vor einer
„Verwässerung“ zu schützen, sollten Grundstandards eingehalten werden.
Erhebungen, die sich ausschließlich auf eine Zielgruppe beziehen, keine
71 Identität und Raum (2013), Studienreihe Neuinterpretation des öffentlichen Raumes
(2008), u.a.

72 TeilnehmerInnen des Workshops waren: Andrea Breitfuss, Doris Damyanovic, Matthieu
Floret, Marcus Girardi, Sabine Gruber, Sonja Gruber, Udo Häberlin, Eva Kail, Katharina KirschSoriano, Sabine Löw, Claudia Prinz-Brandenburg, Nora Reikl, Florian Reinwald, Philipp Rode,
Lisa-Magdalena Schlager, Christoph Stoik, Heide Studer, Isabel Wieshofer, Gesa Witthöft,
Gabriele Zimmermann.

120

Reflexion der Wiener Erfahrungen mit der Funktions- und
Sozialraumanalyse
Funktionsanalyse beinhalten oder keinen expliziten Raumbezug haben,
sind daher ebensowenig FSRAs wie rein planerische Erhebungen.

Es sollte nur dann von einer FSRA gesprochen werden, wenn alle vier
im Handbuch 73 festgelegten methodischen Säulen eingesetzt werden.
(1) Interpretation vorhandener Daten

(2) Kartierung der Funktionen und Ausstattung
(3) Beobachtung von Nutzungen

(4) Gespräche mit ExpertInnen und NutzerInnen

D AUER

EINER

FSRA

Bei der Beauftragung einer FSRA ist meist eine Umgestaltung vorgesehen
und es besteht häufig ein Wunsch nach einem raschen Planungsprozess. So
stellt sich die Frage, wie rasch eine FSRA durchgeführt werden kann.

Grundsätzlich hängt die Dauer einer FSRA mit der Komplexität des Ortes
zusammen.

Da es bei einer FSRA immer um die Nutzungsvielfalt des Sozialraums geht,
ist zusätzlich der Zeitraum wesentlich. Eine FSRA sollte, wegen der
erforderlichen Beobachtungen, in die warme Jahreszeit und damit die Zeit
höchster und differenziertester Nutzungsintensität fallen. In diesem

Zusammenhang sollten Ferienzeit bedacht werden und generell die Frage
gestellt werden, ob die Ergebnisse, die man im gewählten Zeitraum

bekommen kann, aussagekräftig für Form und Intensität der Nutzung und
für die NutzerInnengruppen sind.

Empfohlen wird ausreichend Zeit für die Auswertung einzuplanen, um die
erhobenen Daten systematisch aufarbeiten zu können. Eine FSRA sollte

daher über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten, bei komplexeren

Orten mindestens über ein Jahr laufen.

E INSATZFELDER

FÜR

FSRA S

Die bisherigen FSRAs wurden bisher entweder im Vorfeld einer geplanten
Umgestaltung
durchgeführt.

73

74

oder aus wissenschaftlich-analytischem Interesse

75

Damyanovic, Reinwald, Gruber, Weikmann, Bittner (2012: 15).

121

Das Instrument der FSRA kann darüber hinaus auch im Zuge von
Stadtteilentwicklung, größeren Sanierungsvorhaben oder bei Konflikten
im öffentlichen Raum wichtige Erkenntnisse liefern.

Folgende Anlässe für die Beauftragung einer FSRA erscheinen sinnvoll:
Umgestaltung öffentlicher Räume
•

FSRA im Rahmen der Umgestaltung eines öffentlichen Raums

•

FSRA als Evaluierungstool nach der Umgestaltung öffentlicher
Räume

Stadtteilentwicklung
•

FSRA im Rahmen der Stadtteilentwicklung

•

FSRA als Basis für die Änderung eines Flächenwidmungs- und
Bebauungsplans

•

FSRA als vorbereitende Untersuchung im Zuge eines kooperativen
Planungsverfahrens oder eines städtebaulichen Wettbewerbs

Sanierung größerer Siedlungen
•

FSRA bei der Sanierung von Großsiedlungen der 1960er- bis
1980er-Jahre

Konflikte im öffentlichen Raum
•

FSRA aufgrund vorhandener Konflikte im öffentlichen Raum

FSRA mit Fokus auf Sicherheit („Sicherheitscheck“)
•

FSRA mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf Sicherheitsthemen

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Good Practice
•

FSRA als Methode zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn

•

FSRAs als Methode zur differenzierten Beschreibung von GoodPractice-Beispielen

Partizipative FSRA
•

74

FSRA als Kombination von FSRA und Beteiligungsverfahren

Beispielsweise Meidlinger Hauptstraße, Mariahilfer Straße und Schwedenplatz.

75 Beispielsweise der Tesarekplatz oder Siebenbrunnenplatz im Rahmen der Studie
„Integration im öffentlichen Raum“ oder das Kabelwerk und der Josef-Bohmann-Hof im
Rahmen der Studie „Funktions- und Sozialraumanalyse in ausgewählten
Stadterweiterungsgebieten“.

122

Reflexion der Wiener Erfahrungen mit der Funktions- und
Sozialraumanalyse
FSRA im Zuge der Umgestaltung öffentlicher Räume
Sinnvoll ist die Durchführung einer FSRA vor Umgestaltungen.
Der bisher klassische Fall der Beauftragung einer FSRA, die Umgestaltung

eines öffentlichen Raums mit regionaler oder überregionaler Bedeutung,

sollte weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Der Einsatz sollte jedoch auch
auf urbane oder grüne Freiräume mit primär lokalem Einzugsbereich
ausgedehnt werden.

Eine FSRA kann wertvolle Hinweise für ein Beteiligungsverfahren
liefern.
Wenn im Zusammenhang mit der Umgestaltung ein Beteiligungsverfahren

geplant ist, kann eine FSRA vorgeschaltet werden, da so wichtige

Erkenntnisse für das Beteiligungsverfahren gewonnen werden können,

wie einzubeziehende NutzerInnen. Wichtig ist, die Schnittstelle zwischen
FSRA und Partizipation sehr gut zu klären.

Eine FSRA kann zur Evaluierung einer Umgestaltung eingesetzt
werden.
Die FSRA kann auch ein Teil der Ex-Post-Evaluierung einer Umgestaltung

sein. Vor allem, wenn vor der Umgestaltung eine FSRA durchgeführt
wurde, ist es sinnvoll, die Untersuchung nach einer gewissen Zeit zu
wiederholen. Wichtig dabei ist, dass die beiden Untersuchungen
vergleichbar sind.

FSRA im Rahmen der Stadtteilentwicklung
Die Stadt Wien plant ca. 8.000 neue Wohnungen im Jahr zu errichten. Diese
werden/wurden neben einzelnen Projekten „auf der grünen Wiese“, wie

die Seestadt Aspern, vor allem auf innerstädtischen Konversionsflächen

errichtet, wie die Wohnbebauung im Kabelwerk, auf den Mautner-

Markhof-Gründen, im Gasometervorfeld, auf den Aspanggründen, der
Nord- und Nordwestbahnhof oder das Sonnwendviertel.

Wenn es sich um Gebiete handelt, die in unmittelbarer Nähe vorhandener

Wohngebiete liegen, ist eine FSRA des Umfeldes noch vor der endgültigen

Flächenwidmung, also im Rahmen der Stadtteilentwicklung, sinnvoll, um
eine Verknüpfung der historischen und neuen Gebiete sicherzustellen.

Dabei geht es einerseits darum, eine funktionelle Verklammerung zu
schaffen und zum anderen, Kenntnisse über den Freiraumverbund und die

123

derzeitigen NutzerInnen und Nutzungen zu gewinnen. Die FSRA wäre in
diesem Zusammenhang auch eine große Unterstützung bei der

Qualitätssicherung der Freiflächen.

Auch im Zuge der kleinräumigen Nachverdichtung innerstädtischer

Bereiche kann die Tragfähigkeit der öffentlichen Räume hinsichtlich
Qualitäten und Potenziale mittels einer FSRA analysiert werden76.
FSRAs als Basis für die Flächenwidmung

Bei bedeutsamen Änderungen des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans

kann eine FSRA die bisher üblichen physischen städtebaulichen

Bestandsaufnahmen sozialraumorientiert ergänzen. Zusätzlich zu den
bekannten

„technischen“

Daten

über

Baualter,

Fassadenzustand,

Autobelastungen oder Abstellplätze könnten auch soziale Daten (Anzahl

der BewohnerInnen pro m2 Wohnraum, deren Alter, Bildung oder sozialer

Status) bei der Bestandsanalyse herangezogen werden. Auch potenzielle

und

durch

verschiedene

Determinanten

(bisher)

ausgeschlossene

Nutzungsbedürfnisse könnten so identifiziert und unterschiedliche

NutzerInnenperspektiven miteinbezogen werden. 77 Bei städtebaulichen
Bestandsaufnahmen könnten (ergänzt durch SpezialistInnen auf diesem
Gebiet) FSRAs in bisherigen Bestandsaufnahmen integriert werden.

FSRAs sind eine gute Grundlage für kooperative Verfahren und
städtebauliche Wettbewerbe. Ihr Einsatz wird daher empfohlen Wenn der

Flächenwidmung vorgelagerte Verfahren, wie kooperative Verfahren oder

städtebauliche Wettbewerben, geplant sind, sollte die FSRA schon vorher

durchgeführt werden, da die Ergebnisse dann bereits in die vorgelagerten
Verfahren integriert werden können.

Es gilt der Grundsatz: je früher, desto besser.

76

Vgl. Bedarf und Potenziale (2013: 9 ff).

77 U. W. Häberlin (2016): Öffentliche Räume in der Praxis der Wiener Stadtentwicklung −
Ansätze der Anwaltsplanung: Funktions- und Sozialraumanalyse, Stadt der Zukunft, S. 209 ff.

124

Reflexion der Wiener Erfahrungen mit der Funktions- und
Sozialraumanalyse
FSRA im Zuge der Sanierung größerer Siedlungen
Die Sanierung der Großsiedlungen der 1960er- bis 1980er-Jahre ist eine

aktuelle Aufgabe der Stadterneuerung. Im Zuge dessen sollten auch die
zugehörigen Freiräume in diesen Siedlungen verbessert werden. Dabei
kann das Instrument der FSRA einen wichtigen Beitrag leisten.

Die FSRA kann in diesen Fällen gut mit einem Beteiligungsverfahren
verknüpft werden.
FSRA aufgrund vorhandener Konflikte im öffentlichen Raum
Konflikte im öffentlichen Raum können Anlass für eine FSRA sein. Sie ist vor
allem

dann

wichtig,

wenn

planerische

Umgestaltungen

Teil

der

Konfliktlösung sein können.
Die FSRA kann Grundlage eines Mediationsverfahrens im öffentlichen
Raum sein.
Dabei sollte beachtet werden, dass die meisten sozialen Probleme nicht zur

Gänze durch bauliche Maßnahmen gelöst werden können, sondern oftmals

einer flankierenden sozialen Unterstützung, durch Organisationen wie
Parkbetreuung, SAM sozial-aktiv-mobil oder Fair Play Teams, bedürfen.
FSRA mit Fokus auf Sicherheit („Sicherheitscheck“)

Anlassbezogen kann eine FSRA mit Fokus auf das Thema „Sicherheit und

Sicherheitswahrnehmung“ durchgeführt werden. Hierbei sollten statistisch

nachweisbare Sicherheitsdaten mit den baulichen Gegebenheiten und den
individuellen Sichtweisen verschiedener NutzerInnengruppen zu ihrer

persönlichen Sicherheit verschränkt werden. Diese Form der FSRA kann
zur Wahrnehmung von sozialen und physischen Disorderphänomenen
eingesetzt werden.

FSRA als Methode zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn
Eine

FSRA

kann

aus

wissenschaftlichem

Anlass,

also

zur

Wissensgenerierung über Stadträume oder zur Erarbeitung einer
Systematik öffentlicher Räume erfolgen.

Vorhandene FSRAs können auch als Basis für eine Auswahl von
besonders gelungenen Gestaltungen öffentlicher Räume dienen.

125

Bei aller Einschränkung bezüglich der Übertragbarkeit erzeugen sie neue,

positive Bilder, regen an und machen Mut. Dadurch leisten sie einen
Beitrag zur Verbesserung des öffentlichen Raums.
Partizipative FSRA

Wenn ein Partizipationsprozess und eine FSRA sinnvoll sind, können die
beiden entweder nacheinander ablaufen oder zu einer „partizipativen
FSRA“ zusammengelegt werden.

Die „partizipative FSRA“ erhöht die Konsistenz, da es „ein Gesamtkonzept“
gibt und spart Kosten, wenn der gesamte Auftrag in einer Hand ist, weil es
keiner „Übergabezeit“ und Definition der Schnittstellen bedarf.

Eine „partizipative FSRA“ ist mehr als eine FSRA und mehr als ein
Beteiligungsverfahren.

A BBILDUNG 42: D IE PARTIZIPATIVE F UNKTIONS - UND S OZIALRAUMANALYSE

Sie verbindet die fundierte fachliche Analyse der FSRA mit einem

qualitätsvollen Beteiligungsprozess. Dadurch wird die Schwäche
mancher

Beteiligungsprozesse,

die

Gemeinwohl, systematisch reduziert.
126

mangelnde

Orientierung

am

Reflexion der Wiener Erfahrungen mit der Funktions- und
Sozialraumanalyse
Basis einer „partizipativen FSRA“ ist, neben dem Handbuch „Raum
erfassen“, auch das „Praxisbuch Partizipation“ 78.

Die ersten drei Säulen der FSRA werden wie gewohnt durchgeführt. Der
Übergang zur Partizipation erfolgt im Rahmen der Säule 4: „Gespräche mit

ExpertInnen und NutzerInnen“: Während die Gespräche mit den
ExpertInnen laut Handbuch verlaufen, steht für den Kontakt mit den

NutzerInnen ein breites Feld an Partizipationsmethoden zur Verfügung.
Diese sind im „Praxisbuch Partizipation“ ausführlich dargestellt.

Wichtig bei einer partizipativen FSRA ist, im Vorfeld zu klären, in
welchem Ausmaß Partizipation angestrebt wird79:

Sollen vor allem Ideen gesammelt werden?

•

Dann werden diese einfach in den Bericht der partizipativen FSRA
eingebaut. Dieser Bericht und seine Empfehlungen sollten nach
Fertigstellung öffentlich präsentiert bzw. zur Diskussion gestellt werden.

Diese Form der „partizipativen FSRA“ endet hier. Einen Schritt weiter geht
die partizipative FSRA, wenn

mit den BürgerInnen gemeinsam Empfehlungen erarbeitet

•

werden.

Die Empfehlungen können als „BürgerInnengutachten“ den Empfehlungen
der Fachleute gegenübergestellt werden oder aber gemeinsam mit den
BürgerInnen

erarbeitet

werden.

Wichtig

Rückkoppelungsrunden mit einer breiten Öffentlichkeit.
•

Wenn

die

BürgerInnen

die

sind

hierbei

Möglichkeit

haben,

(mit)zuentscheiden, müssen geeignete und vorweg klar kommunizierte

Verfahren gefunden werden, um zu einer verbindlichen Entscheidung zu
kommen80.

Auch

Teile

der

durchzuführen,

Umsetzung zusammen mit den BürgerInnen
eignet

nachbarschaftsorientierten
Wohnumfeldgestaltung.

sich

vor

Projekten,

allem

zum

78

Arbter, Breitfuss, Kühnberger, Neubauer (2012)

80

Siehe dazu Kapitel 10.5 im Praxisbuch Partizipation (2012).

79

bei

Beispiel

kleineren,

bei

der

Vgl. Arbter, Breitfuss, Kühnberger, Neubauer (2012).

127

Conclusio – sozialraumorientierte Analysen vor der Planung

C ONCLUSIO – SOZIALRAUMORIENTIERTE
A NALYSEN VOR DER P LANUNG
A KTUELLE H ERAUSFORDERUNGEN
Die BewohnerInnen Wiens weisen eine insgesamt hohe Zufriedenheit81

sowie eine hohe Identifikation mit ihrer Stadt auf. Dennoch bedarf die
Inanspruchnahme des knapper werdenden Raums zunehmend der

Steuerung zwischen Einzelinteressen und dem Gemeinwohl, damit die
Rolle der gerechten Stadt gewahrt bleibt.

„Es gilt auch zukünftig (…) Strategien für ein tolerantes Miteinander − auch

bei Polarisierungen und starken Spannungen − im öffentlichen Raum
anzuwenden und auszubauen. Dazu gehören Methoden (…), welche die
spezifischen

örtlichen

Rahmenbedingungen

aufnehmen

Selbstorganisationsfähigkeit der Beteiligten vor Ort stützen und

und

die

fördern“82.

Die Wiener Ansätze versuchen, dies zu berücksichtigen und bieten dafür
unterschiedliche Strategien und Instrumente an. Die Leistungen der Stadt

Wien verstehen sich dabei als Ansätze, die sowohl Bottom-up-Initiativen
unterstützen als auch im Bedarfsfall im Sinne der Anwaltsplanung
handeln83. Es ist ein Versuch, mit dem historisch gewachsenen Anspruch

auf eine „soziale Stadt als Stadt für alle“ zu arbeiten.

Neu

hinzu

kommt

Freiraumgerechtigkeit.

der
Es

Anspruch

gilt,

einer

sowohl

Umwelt-

und

die

verschiedenen

zum

Beispiel

Raumqualitäten als auch die auseinanderklaffenden Interessen und die
Dominanz

verschiedener

sozialer

Gruppen,

Partizipationsprozessen, zu erkennen und entsprechend zu handeln.

bei

81 Verwiebe R. et al. (2014): Lebensqualität in Wien 1995-2013. Sozialwissenschaftliche
Grundlagenforschung II.

82 MA 19 − Magistratsabteilung Architektur und Stadtgestaltung Wien (2009): Freiraum.
Stadtraum. Wien: Vorsorge, Gestaltung, Management: Der Weg zum Leitbild für den
öffentlichen Raum, S. 12.

83 Häberlin, U. W. (2015): Funktions- und Sozialraumanalyse – Erhebungsmethode zu leisen
Stimmen bei der Planung öffentlicher Räume. Anwendungen aus der Praxis der
Stadtentwicklung Wien; in: Die Stadt der Zukunft: Aktuelle Trends und zukünftige
Herausforderungen. Herausgegeben von Judith Fritz, Nino Tomaschek, S. 2.

129

Das beinhaltet ein Reagieren, Initiieren und Aufgreifen aktueller

Tendenzen und Anforderungen, wie sie auch mit der derzeitigen

Bevölkerungszunahme und der dadurch logischen Konsequenz der
Umnutzung, Verdichtung und Weiterentwicklung der gebauten Stadt

verbunden sind. Hierbei soll vor allem eine effiziente und gerechte
Nutzung des vorhandenen Freiraumpotenzials unterstützt und einer
einseitigen

Inanspruchnahme

des

urbanen

Raums

durch

Kommerzialisierung zugunsten einer breiten Nutzbarkeit und des
Gemeinwohls in einer vielfältigen Stadt widerstanden werden.

Wie in diversen Studien der Wiener Stadtentwicklung und Stadtplanung84

deutlich wird, sind gesellschaftliche Gruppen in unterschiedlicher

Weise auf die Nutzung des öffentlichen Raums angewiesen und im
Rahmen der Aushandlungsprozesse über die Nutzung des öffentlichen

Raums unterschiedlich stark. Der öffentliche Raum als ein wesentlicher
Sozialraum der Stadt muss jedoch für alle BewohnerInnen frei

zugänglich zur Verfügung stehen und als integrativer Ort der Teilhabe
dienen. Die Möglichkeit zur Aneignung durch BürgerInnen im Sinne einer

tätigen Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umwelt, welche

das Nutzen, das Umfunktionieren oder auch die Gestaltung der räumlichen
und sozialen Umgebung miteinschließt, muss gegeben sein.

Die divergierenden Interessen der einzelnen Bevölkerungsgruppen lassen

sich oftmals nicht auf den ersten Blick erkennen, wichtig ist daher,
geeignete Methoden einzusetzen und die soziale Ungleichheit zwischen
aneignungsstarken

und

-schwächeren

NutzerInnen

sowie

ein

ausgewogenes Verhältnis von Nutzungen im öffentlichen Raum im
Auge zu behalten85. Darüber hinaus ist es notwendig, bei Bedarf soziale
Unterstützung

bei

der

Vermittlung

von

Aushandlungs-

und

Verteilungsprozessen anzubieten, um durchsetzungsschwächere Gruppen
zu stärken.

Die Funktions- und Sozialraumanalyse (FSRA) ist ein methodisch

strukturiertes Analyseinstrument, das qualitative und quantitative

empirische Sozialforschung nutzt, um eine Multiperspektivität zu
erzeugen

und

den

Sichtweisen

unterschiedlicher

NutzerInnen,

84 MA 18 − Magistratsabteilung Stadtentwicklung und Stadtplanung Wien (2013): Raum
erfassen, S. 59, 66.

85 MA 18 − Magistratsabteilung Stadtentwicklung und Stadtplanung Wien (2012): Praxisbuch
Partizipation: Gemeinsam die Stadt entwickeln.

130

Conclusio – sozialraumorientierte Analysen vor der Planung

Fachleute und lokaler Stakeholder, wie der Gemeinwesen- und
Quartiersarbeit, Gehör verschafft.

Dabei werden systematisch die einzelnen (Teil-)Räume, Funktionen,
Nutzungen,

Nutzungsdruck,

Nutzungskonflikte

sowie

zusätzliche

(Nutzungs-)Potenziale und physische, funktionale und soziale Aspekte in

Verbindung gesetzt.

Die FSRA ermöglicht es damit, mehr über den Zusammenhang von
gebautem Raum und sozialen Prozessen zu erfahren und schaffen damit

neben einem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn auch eine gute Basis

für nachfolgende Schritte, Prozesse und Entscheidungen.

Durch das Einbeziehen einer Vielzahl an NutzerInnen(gruppen) und

ExpertInnen und deren Sichtweisen in die Analyse bilden sie eine
umfassende

Basis

für

Wettbewerbe,

Flächenwidmung

und/oder

Beteiligung der BürgerInnen und können in der partizipativen FSRA auch
eng mit einem Beteiligungsverfahren verknüpft werden.

So führt ihr Einsatz zu einer besseren Planung, da die vorhandenen
Qualitäten der untersuchten Räume erkannt und im Rahmen einer
Neuplanung

bewusst

erhalten

werden

können,

die

allgemeine

Planungspraxis verbessert werden kann, sei es im Zuge der Neugestaltung
öffentlicher Räume, der Stadteilentwicklung oder der Sanierung größerer
Siedlungen.

Aber auch zur Behandlung sozialer Herausforderungen können FSRAs
eingesetzt werden: Bei Konflikten im öffentlichen Raum hilft die FSRA

bei der Identifikation unterschiedlicher Sichtweisen und Ansprüche auf

den Ort, erlaubt es, diese mit den Sichtweisen von Fachleuten zu ergänzen
und

bildet

so

eine

Aushandlungsprozesse.

umfassende

Basis

für

die

folgenden

Ebenso kann das Instrument mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf
Sicherheitsthemen

eingesetzt

werden

und

erlaubt

damit

einen

multiperspektivischen „Sicherheitscheck“, der neben dem individuellen
Sicherheitsgefühl verschiedener Gruppen auch statistische Daten über
Gefährdungen und die Gestaltung des öffentlichen Raums einbeziehen
kann.

Bei knapper werdenden Geldmitteln ist es wichtig, fundierte,

sozialraumorientierte empirische Grundlagen zu schaffen, und
131

qualitätssichernde

Verfahren

anzuwenden,

auf

Basis

derer

die

vorhandenen, deutlich höheren Mittel für die geplanten baulichen
Maßnahmen möglichst effizient eingesetzt werden können.

Ein oberstes Prinzip ist dabei, städtisches Zusammenleben als
gemeinsame

Aufgabe

zu

begreifen.

Trotz

aller

Individualisierungserscheinungen sind gesellschaftliche Aushandlungen

wichtig, um auch neue Formen der Stadtstrukturen zu erhalten.
Vernetzung und zivilgesellschaftliche Einflüsse können so zunehmend

auch in Planungsprozessen berücksichtigt werden, ohne die soziale
Gerechtigkeit bei der Zielerreichung und die Gemeinwesenorientierung als
Ziel aufzugeben.

132

Q UELLENVERZEICHNIS
Literatur/Quellen
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Partizipation − Gemeinsam die Stadt entwickeln. Werkstattbericht Nr. 127: Magistrat der Stadt

Wien (Hg.), Wien.

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2009: Freiraum Stadtraum Wien – Der Weg zum Leitbild für den öffentlichen Raum.
Werkstattbericht Nr. 98: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien.

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Brandstetter, Manuela; Holovics, Andrea; Neidl, Andreas; Sommer Sabine (Ilse Arlt Institut für Soziale

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Damyanovic, Doris; Reinwald, Florian; Weikmann Angelika; Bittner, Irene; Gruber, Sonja 2012: Raum
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der Stadt Wien, MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung.

Feistritzer, Gert; Schuster, Christine; Sinkovits, Elvira (IFES) 2009: City Befragung Wien 2009,
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Gehl, Jan 2012: Leben zwischen Häusern. Jovis-Verlag, Berlin.

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Gruber, Sonja; Gungl, Barbara; Mayrhofer, Rita; Stoik, Christoph; Studer, Heide 2010: Leitfaden für
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öffentlichen Räumen in Wien. In: Werkstattbericht Nr. 110: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien.

Gungl, Barbara; Mayrhofer, Rita; Staller, Susanne; Studer, Heide; Stoik, Christoph 2011:

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Häberlin, Udo W. 2015: Funktions- und Sozialraumanalyse – Erhebungsmethode zu leisen

Stimmen

bei der Planung

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Wien.

In:

öffentlicher Räume. Anwendungen aus
Die

Stadt

der

Zukunft:

Aktuelle

Trends

Herausforderungen. Herausgegeben von Judith Fritz, Nino Tomaschek, S. 209 ff.

der Praxis
und

der

zukünftige

Häberlin, Udo W.; Furchtlehner, Jürgen 2017: Öffentlicher Raum für alle? Raumaneignung versus
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Läpple, Dieter 1991: Essay über den Raum. Für ein gesellschaftswissenschaftliches Raumkonzept.
In: Häußermann, H.; Ipsen, D.; Krämer-Badoni, T.; Läpple, D.; Rodenstein, M.; Siebel, W. (Hrsg.) 1991:

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Löw, Sabine 2013: Zwischenbericht zur Funktions- und Sozialraumanalyse in ausgewählten

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Löw, Martina 2001: Raumsoziologie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Proksch, Thomas; Gruber, Sonja; Gungl, Barbara; Mayrhofer, Rita; Stöferle, Friedrich; Stoik, Christoph;
Studer, Heide 2010: Meidlinger Hauptstraße, Sozialraumanalyse, Geschäftsstraßenanalyse,
Realisierungswettbewerb. Werkstattbericht Nr. 110: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien.

Rode, Philipp 2016: Identität und Raum. Beiträge des öffentlichen Freiraums zu Prozessen der

Identitätsbildung auf Grätzelebene. Werkstattbericht Nr. 161: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien.
Rode,

Philipp;

Schier,

Helge;

Giffinger,

Rudolf;

Reinprecht,

Christoph

2010:

Soziale

Veränderungsprozesse im Stadtraum. Wiener Sozialraumanalyse mit Vertiefung in acht
ausgewählten Stadtvierteln. Werkstattbericht Nr. 104: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien.

Schwarz-Viechtbauer, Karin; Schwarz, Karl-Heinz, 2008: Neuinterpretation öffentlicher Raum –

Studienreihe für die Wiener Bezirke. Werkstattbericht Nr. 93: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien.
Stadt Wien − MA 22, Bereich Verkehr, Lärm, Geodaten, 2012: END – Umgebungslärmkarte

Schwedenplatz und Umgebung, Straße + Schiene + IPPC-Anlagen, http://www.laerminfo.at/

(Stand: 2012).

Staller, Susanne; Studer, Heide; Gungl, Barbara; Stoik, Christoph 2011: Christian-Broda-Platz:

Prozess-AkteurInnen-Nutzung. Evaluierung einer Platzgestaltung. Werkstattbericht Nr. 113:

Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien.

Verwiebe, Roland; Troger, Tobias; Riederer, Bernhard: Lebensqualität in Wien 1995-2013.

Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung II. Im Auftrag von: MA 18 − Magistratsabteilung 18

für Stadtentwicklung und Stadtplanung Wien. Werkstattbericht Nr. 147, Wien: Stadt Wien 2014.

Zellmann,

Freizeit

Peter;

Mayrhofer,

verbringen.

Tourismusforschung:

Sonja

2012:

Forschungstelegramm

Generation
9/2012.

60+:

IFT

Wie

Institut

PensionistInnen
für

Freizeit-

ihre
und

http://www.freizeitforschung.at/data/forschungsarchiv/2012/109.%20FT%

209-2012_Pension.pdf (Zugriff: 4.5.2013)

Abbildungen/Quellen
Abbildung 1: Grafik Einbindung der Funktions- und Sozialraumanalyse, Quelle: kon-text 2012, MA 18, 2012
Abbildung 2: Karte Gebietsabgrenzung und Teilräume, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, Bearbeitung: kontext 2012
Abbildung 3: Karte Lage in der Stadt und U-Bahn-Netz, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, Bearbeitung: kontext 2012
Abbildung 4: Karte Verhältnis BewohnerInnen/Beschäftigte in Betrieben, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS
Bevölkerungsevidenz 2011 Statistik Austria 2001, Bearbeitung: kon-text 2012
Abbildung 5: Karte Potenzieller Nutzungsdruck durch ältere BewohnerInnen, Kinder, Beschäftigte und
Hunde, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS Bevölkerungsevidenz 2011 Statistik Austria 2001, Bearbeitung: kontext 2012
Abbildung 6: Grafiken Hauptgehlinien tagsüber und nachts, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, Bearbeitung:
kon-text 2012
Abbildung 7: NutzerInnen auf dem Platz, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, Bearbeitung: kon-text 2012
Abbildung 8: Künftige Funktionen auf dem Platz, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, Bearbeitung: kon-text
2012
Abbildung 9: Ausschnitt der Karte Infrastruktur am Schwedenplatz/Morzinplatz, Quelle: Stadt Wien –
Vienna GIS, Bearbeitung: kon-text 2012
Abbildung 10: Ausschnitt der Karte „Hotspots“ am Schwedenplatz/Morzinplatz, Quelle: Stadt Wien – Vienna
GIS, Bearbeitung: kon-text 2012
Abbildung 11: Ideen für den Schwedenplatz zentral, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, Bearbeitung: kon-text
2012
Abbildung 12: Foto BesucherInnen Morzinplatz/Ecke Rotenturmstraße, Quelle: kon-text Matthieu Floret
Abbildung 13: Foto „Wohnzimmer“ Morzinplatz, Quelle: kon-text Marlene Pillwein
Abbildung 14: Ausschnitt der Karte Infrastruktur am Schwedenplatz/Morzinplatz, Quelle: Stadt Wien –
Vienna GIS, Bearbeitung: kon-text 2012
Abbildung 15: Ideen für den Morzinplatz, Quelle: Stadt Wien – Vienna GIS, Bearbeitung: kon-text 2012
Abbildung 16: Karte Erreichbarkeit Kabelwerk, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 17: Karte Das Kabelwerk und seine Umgebung, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text
2014
Abbildung 18: Karte Die Infrastruktur des Kabelwerks und seiner Umgebung, Quelle: Stadt Wien; Eigene
Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 19: Karte Freiraumverbund in der Umgebung des Kabelwerks, Quelle: Stadt Wien; Eigene
Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 20: Karte Öffentlicher Raum Kabelwerk, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 21: Luftbild Otto-Bondy-Platz, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 22: Foto Otto-Bondy-Platz, Quelle: kon-text Matthieu Floret
Abbildung 23: Karte Parks im Kabelwerk, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014

Abbildung 24: Karte Öffentlicher Raum – südlicher Platz, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text
2014
Abbildung 25: Foto südlicher Platz, Quelle: kon-text Sabine Leitner
Abbildung 26: Foto Josef-Bohmann-Hof, Quelle: kon-text Matthieu Floret
Abbildung 27: Karte Erreichbarkeit Josef-Bohmann-Hof, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text,
2014
Abbildung 28: Karte Der Josef-Bohmann-Hof und seine Umgebung, Quelle: Stadtplan Wien; Eigene
Bearbeitung: kon-text, 2014
Abbildung 29: Karte Die Infrastruktur des Josef-Bohmann-Hofes und seiner Umgebung, Quelle: Stadtplan
Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text, 2014
Abbildung 30: Karte Freiraumverbund in der Umgebung des Josef-Bohmann-Hofes, Quelle: Stadtplan Wien;
Eigene Bearbeitung: kon-text, 2014
Abbildung 31: Foto Ingeborg-Bachmann-Park, Quelle: kon-text Matthieu Floret
Abbildung 32: Karte Öffentliche Räume im Josef-Bohmann-Hof, Quelle: Stadtplan Wien; Eigene Bearbeitung:
kon-text, 2014
Abbildung 33: Foto Wohnungsnahe Freiflächen − Abstandsgrün, Quelle: kon-text Matthieu Floret
Abbildung 34: Karte Öffentlicher Raum – südlicher Platz, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text
2014
Abbildung 35: Foto Josef-Bohmann-Hof, Quelle: kon-text Matthieu Floret
Abbildung 36: Karte Das Kabelwerk als Transitort, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 37: Karte Das Kabelwerk als Aufenthaltsraum, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text
2014
Abbildung 38: Karte Gehlinien am südlichen Platz, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 39: Karte Der Josef-Bohmann-Hof als Transitraum, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kontext 2014
Abbildung 40: Karte Der Josef-Bohmann-Hof als Aufenthaltsraum, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung:
kon-text 2014
Abbildung 41: Karte Gehlinien am Alfred-Kubin-Platz, Quelle: Stadt Wien; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014
Abbildung 42: Die Partizipative Funktions-und Sozialraumanalyse; Eigene Bearbeitung: kon-text 2014

Funktion

Die Wiener Praxis der Funktions- und Sozialraumanalysen

Raum

Sozial

Die Wiener Praxis
der Funktions- und
Sozialraumanalysen

ISBN 978-3-903003-29-3

MA 18 Stadtentwicklung und Stadtplanung

WerkStattBerIcht 166

Praxisbeispiele und Einsatzbereiche – Gegenüberstellung von
Analysen des öffentlichen Raums in der City und
zweier Wohngebiete in unterschiedlichen Siedlungstypen
        
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