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Full text: PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen / Klein, Ansgar

Dokumentation des
2. BBE-Fachkongresses
am 9. und 10. November 2017
in Berlin

PatInnen, MentorInnen
und LotsInnen
in der Unterstützung
und Integration
geflüchteter Menschen

Impressum
Herausgeber:
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches
Engagement (BBE)
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Dr. Lilian Schwalb (BBE)
Behzad Fallahzadeh (BBE)
Anne-Kathrin Lange (BBE)
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Gefördert vom:

V.i.S.d.P.:
PD Dr. Ansgar Klein (BBE)
Bildnachweise:
Jörg Farys
www.dieprojektoren.de
ISBN: 978-3-9818732-7-6
Erscheinungsdatum: April 2018

INHALT

Einleitung
Der BBE-Kongress 2017 im Programm „Menschen stärken Menschen“

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Grußworte
I: Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend
II: Carola Schaaf-Derichs, „aktiv in Berlin“ – Landesnetzwerk Bürgerengagement, BBE-SprecherInnenrat

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Keynotes
I: Prof. em. Dr. Dietrich Thränhardt: Flucht, Engagement, Verantwortung in Europa
II: Prof. em. Dr. phil. Michael Haller: ‚Flüchtlingskrise‘ in den Medien – Flucht und
Engagement in der Wirklichkeit

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Podien
I: „Willkommen – Ankommen – Weiterkommen. Wo stehen wir heute?“
Statements aus den moderierten Interviews
II: „Zukunft gestalten. Verstetigung vorantreiben. Nachhaltigkeit fördern.“
Zusammenfassung der abschließenden Podiumsdiskussion

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Dialogforen
I: Zugänge zu Bildung gestalten: Barrieren abbauen – Teilhabe stärken
II: Öffentlichkeitsarbeit: Menschen gewinnen, Konkurrenzen vermeiden
III: Wege in die Arbeitswelt: Zugänge ermöglichen, sektorenübergreifend begleiten
IV: Vorbereiten, Matchen, Begleiten: Gute Praxis von Beginn bis zum Ende
V: Interkulturalität als Chance: PatInnenschaften in einer vielfältigen Gesellschaft
VI: Brücken schlagen: Kooperationen für die nachhaltige Prozesssteuerung

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Fazit und Empfehlungen
Nachhaltigkeitsperspektiven, Professionalisierung und Weiterentwicklung
in bewegten Zeiten

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Brücken zum Weiterkommen
I: Am Kongressprogramm aktiv beteiligte Personen
II: Programmträger und AnsprechpartnerInnen im Programm „Menschen
stärken Menschen“ im Förderzeitraum 2017
III: Zum Weiterlesen: Verweise auf Online-Materialien

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EINLEITUNG

Einleitung

Der BBE-Kongress 2017 im Programm
„Menschen stärken Menschen“
Zum zweiten Mal kamen im Rahmen des Programms „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) und geladen durch das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) am 9. und 10. November 2017 rund 200 Akteure zum Jahreskongress
in Berlin zusammen. Ziel war es, sich fachlich auszutauschen und auf den neuesten Stand zu bringen, Impulse aufzunehmen, sich zu vernetzen und Wissen
und Kompetenzen miteinander zu teilen. Gerahmt wurde der Kongress von einer
weiter entwickelten gesellschaftspolitischen Situation: Auf der einen Seite ist im
Jahr 2017 eine aktive, vitale Zivilgesellschaft wahrzunehmen. Das Engagement
für und mit geflüchteten Menschen scheint ungebrochen. Fachdebatten haben
sich weiterentwickelt. Strukturen wurden etabliert und haben sich gefestigt. Akteure haben aus ihren Erfahrungen gelernt und Wissen erfolgreich angewandt.
Auf der anderen Seite sind in Teilen der Bevölkerung zunehmend Widerstände gegen eine Willkommenskultur wahrzunehmen. Der Themenkomplex Flucht, Engagement und Migration spielt eine nachrangige Rolle im Zuge der Bundestagswahl.
Die AfD besetzt das Thema. Geringe bis negative Erwähnung findet das Thema in
der medialen Öffentlichkeit. Parallel berichten Programmträger von Schwierigkeiten, in manchen Regionen im gleichen Ausmaß weitere Engagierte für PatInnenschaften gewinnen zu können. Die Koalitionsverhandlungen ziehen sich hin, eine
Regierungsbildung bleibt lange nicht in Aussicht, die Zukunft des Programms
kann zunächst politisch nicht weiter thematisiert werden.
Derweil beschritt das Programm „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in seinem zweiten
Programmjahr neue, interessante Wege und entwickelte sich erfolgreich weiter.
Das belegen die Kooperationen und der Wissenstransfer der vielfältigen Programmträger von 23 zivilgesellschaftlichen Organisationen (s. Liste im Anhang),
die mit über 600 lokalen Untereinheiten in den Städten und Gemeinden als Strukturen vor Ort, rund 45.000 PatInnenschaften zwischen Geflüchteten und bereits
einheimischen Menschen stiften.
Auch im zweiten Programmjahr wurden damit die drei ambitionierten Ziele des
Programms, die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, die Überführung
spontaner Hilfsbereitschaft in dauerhaftes Engagement und die Förderung der Integration geflüchteter Menschen, mit großen und festen Schritten weiter angegangen.
Im Jahr 2016 lanciert, wird mit dem Programm ein niedrigschwelliger Ansatz verfolgt: Auf der lokalen Ebene kommen Engagierte mit Geflüchteten in persönlichen
Kontakt. Durch PatInnenschaften, Mentoringprogramme oder LotsInnenprojekte
sollen Beziehungen gestiftet werden. Auf der Bundesebene werden zwischen den
Programmträgern der Wissenstransfer, die Vernetzung und der fachliche Austausch unterstützt. Ein wichtiges Vehikel hierfür ist der bundesweite Kongress,
den das BBE als Programm-Mitträger in diesem Jahr zum zweiten Mal im Rah-

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

men des Programms veranstaltete. Die vorliegende Broschüre dokumentiert die
Diskussionen und Ergebnisse der Veranstaltung.

In den Mittelpunkt der fachspezifischen Debatten innerhalb des Programmes
rückten im Jahr 2017 beispielsweise die folgenden wichtigen Fragen, die auch die
Teilnehmenden am BBE-Kongress beschäftigten:
» Wie können Rahmenbedingungen und konkrete Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration verbessert werden? Wie können Geflüchtete in den Arbeitsmarkt
integriert werden?
» Was können PatInnen, Kommunen und der Staat, die organisierte Zivilgesellschaft sowie Unternehmen dazu beitragen?
» Welche Faktoren fördern das Engagement von Geflüchteten?
» Welche Rolle spielt dabei die interkulturelle Öffnung von Institutionen?
» Welche Hindernisse erschweren Geflüchteten den Zugang zum Bildungssystem und wie können PatInnen dabei helfen, diese Hindernisse zu überwinden?
Weiter geführt wurden auch nach dem ersten Programmjahr Diskurse über Wege
und Möglichkeiten einer Verstetigung des Engagements und den längerfristigen
Erhalt der bislang erfolgreich aufgebauten Strukturen.
Das Programm „Menschen stärken Menschen“ war im Jahr 2017 demnach von
vielfältigen politischen, verwaltungstechnischen und organisatorischen Herausforderungen, ebenso wie von weiter entwickelten Fachdebatten im Themenkomplex
Flucht, Engagement und Integration mit Bezug zu PatInnenschaften geprägt.

Raum für sektorenübergreifenden Austausch
Vor diesem komplexen Hintergrund bot der zweite bundesweite BBE-Fachkongress
„PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration von
geflüchteten Menschen“ den Programmträgern und Förderern von Programmen
und Projekten sowie weiteren ExpertInnen aus Zivilgesellschaft, Kommunen und

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Einleitung

Staat, Wissenschaft und Wirtschaft, die sich im Themenfeld des Kongresses bewegen, einen Raum zum Austausch, Wissenstransfer und zur Vernetzung.
Der Kongress wurde durch Grußworte von Seiten des BMFSFJ – Staatssekretär
Dr. Ralf Kleindieck – und des BBE – SprecherInnenratsmitglied Carola Schaaf-Derichs – eröffnet. Zu Beginn eines jeden der beiden Kongresstage gab es Vorträge
renommierter Wissenschaftler zum Themenkomplex.
Prof. em. Dr. Thränhardt gab unter der Überschrift „Flucht, Engagement, Verantwortung in Europa“ vertiefende Einblicke in Fachdebatten und politische Folgen
sowie Stoff für Diskussionen. Prof. em. Dr. phil. Haller gab unter Bezugnahme
auf Ergebnisse seiner umfangreichen Studie eine Keynote Speech mit dem Titel
„‘Flüchtlingskrise‘ in den Medien – Flucht und Engagement in der Wirklichkeit“.
Im Fokus von sechs themenspezifischen Dialogforen standen die Praxiserfahrungen der am Programm Beteiligten, die Erfahrungen zivilgesellschaftlicher AkteurInnen und Unternehmen, sowie aktuelle Forschungsergebnisse mit Bezug zum
Programm. In den Dialogforen wurden abschließend konkrete Empfehlungen für
Programmträger, Förderer und KoordinatorInnen formuliert.
Die zwei Podienformate – „Willkommen – Ankommen – Weiterkommen: Wo stehen
wir heute?“ sowie „Zukunft gestalten. Verstetigung vorantreiben. Nachhaltigkeit
fördern.“ – widmeten sich den kurz- und langfristigen Folgen der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage, ihren Auswirkungen auf die Rahmenbedingungen des
Programmes und einer möglichen Weiterentwicklung in Richtung bildungsferner
und benachteiligter Gruppen.
Allen Teilnehmenden sei herzlich dafür gedankt, dass sie in einem kollegialen
Austausch ihre Erfahrungen und ihr Wissen geteilt, gemeinsam aktuelle Bedarfe und Herausforderungen identifiziert und Empfehlungen an KoordinatorInnen,
Programmträger und Förderer formuliert haben. Ein besonderer Dank gilt den
ModeratorInnen der Dialogforen, die die regen Diskussionen begleiteten und
die Ergebnissicherung gewährleisteten. Die Impulsgebenden in den Dialogforen
haben wertvolle Denk- und Diskussionsanstöße gesetzt. Ein ausdrücklicher Dank
geht auch an die Herren Prof. em. Dr. Thränhardt und Prof. em. Dr. phil. Haller.
Mit ihren Vorträgen haben sie wissenschaftlich fundierte Akzente gesetzt, den
Teilnehmenden Einblicke in Erkenntnisse zur übergreifenden politischen und europäischen Dimension der Debatte und zum Umgang der Medien mit dem Themenkomplex Flucht – Engagement – Integration gewährt und sehr interessante
Thesen zur Diskussion gestellt.
Die inhaltlich-fachliche Weiterentwicklung des Programms wäre ohne die fachliche und politische Unterstützung durch das BMFSFJ und die gute Zusammenarbeit zwischen Trägern und Ministerium nicht möglich gewesen. Ein besonderer Dank gilt dem fördernden Haus einschließlich der dieses repräsentierenden
VertreterInnen für die gute Zusammenarbeit.
Für das BBE: PD Dr. Ansgar Klein, Dr. Lilian Schwalb, Behzad Fallahzadeh, Anne-Kathrin Lange

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

GRUSSWORTE

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Grußworte

Dr. Ralf Kleindiek
Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Sehr geehrte Frau Schaaf-Derichs, Herr Dr. Klein, Herr Dr. Röbke,
Sehr geehrter Herr Abgeordenter Patzelt, sehr geehrte Damen und Herren,
haben Sie vielen Dank für die Einladung zu diesem Fachkongress.
1.
Ich bin gerne zu Ihnen gekommen. Denn Sie und Ihr Engagement sind etwas
ganz Besonderes: Sie stehen für eine weltoffene, demokratische und solidarische
Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die nicht fragt, woher man kommt, sondern wohin
man will. Eine Gesellschaft, in der jede und jeder teilhaben kann. Sie bauen anderen Menschen Brücken und begleiten sie auf ihrem Weg in unsere Gesellschaft.
Das Engagement, das Sie vermitteln, unterstützen, begleiten und auch selber
ausüben, hilft und stärkt nicht nur von Mensch zu Mensch. Sie stärken mit dieser
wichtigen Arbeit gleichzeitig unser Land. Vielen Dank!
2.
Im letzten Jahr sind wir schon einmal zusammenkommen. Damals noch unter
dem Eindruck der hohen Zuwanderungszahlen aus Krisen- und Kriegsgebieten.
Seitdem hat sich einiges getan. Der Rückstand des Bundesamtes für Migration
und Flüchtlinge bei der Bearbeitung von Asylanträgen geht langsam aber sicher
zurück. Die Notunterkünfte in unserem Land leeren sich. Die großen Herausforderungen der ersten Stunde – die Versorgung mit Wohnraum, Kleidung,
Gesundheitsvorsorge – liegen hinter uns. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns
jetzt zurücklehnen können. Im Gegenteil. Der Titel der später folgenden Podiumsdiskussion sagt es schon: „Willkommen – Ankommen – Weiterkommen. Wo
stehen wir heute?“ Das Willkommen liegt hinter uns. Auf die Erstversorgung der
Menschen muss nun der zweite Schritt folgen: das Ankommen, die Integration.
Und dieser Schritt wird nicht leichter als der erste. Denn Integration funktioniert
nicht von selbst. Sie wird Kraft und Zeit kosten – auf beiden Seiten. Wir müssen
klar sagen, was wir von Menschen erwarten, die dauerhaft hier bleiben wollen.
Dazu gehört die uneingeschränkte Achtung unserer Rechtsordnung. Die Akzeptanz grundlegender demokratischer Werte wie die Meinungs- und Religionsfreiheit oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Zugleich ist Integration
nicht allein eine Bringschuld der Menschen, die neu zu uns gekommen oder
geflüchtet sind. Auch wir müssen uns bewegen, damit dieser zweite Schritt
gelingt und wir nicht ins Stolpern geraten. Wir brauchen ausreichend Sprachund Integrationskurse, Ausbildungsplätze und Angebote für Weiterqualifizierungen. Und wir müssen unsere Gesellschaft und ihre Institutionen weiter öffnen.
Für mehr interkulturellen Dialog und eine gelingende Integration brauchen wir
vor allem Menschen und Menschlichkeit. Denn es sind Menschen, die handeln.
In Behörden, in Unternehmen, in Verbänden und Initiativen vor Ort. Integration
wird leichter, wenn Menschen, die sich integrieren wollen, auf Menschen treffen,
die bereit sind, zu integrieren. Wir brauchen eine aktive, engagierte Zivilgesellschaft. Das Gute ist: wir haben sie! Über 31 Millionen Menschen ab 14 Jahren

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

engagieren sich jedes Jahr freiwillig für unser Gemeinwesen. Sie sind in Vereinen, Stiftungen, Genossenschaften, Netzwerken, Verbänden oder in religiösen Gemeinschaften aktiv. Sie gestalten ihr unmittelbares Umfeld und unsere
Gesellschaft entscheidend mit.
3.
Meine Damen und Herren, damit bürgerschaftliches Engagement in der Integration von Geflüchteten eine gute Rolle spielen kann, braucht es gute Rahmenbedingungen. Dazu will mein Haus beitragen. Um die vielen Engagierten zu
unterstützen, haben wir Anfang 2016 das Bundesprogramm „Menschen stärken
Menschen“ gestartet. Es umfasst ein Patenschafts-, Gastfamilien- und Vormundschaftsprogramm. Sie alle zielen darauf
ab, in der Flüchtlingshilfe engagierte Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Zugleich
soll es Zugewanderten durch persönlichen
Kontakt die Integration in unsere Gesellschaft
erleichtern. Der Patenschaftsansatz hat sich
bei dieser Aufgabe als goldrichtig erwiesen.
Vor allem dank der 23 Programmträger und der
über 500 Einrichtungen, die das Programm vor
Ort umsetzen. Rund 40.000 PatInnenschaften
wurden neu gestiftet und es kommen jeden Tag
noch mehr dazu. Rund 13.000 PatInnenschaften, die schon bestanden, werden fortgeführt.
Welchen Wert diese PatInnenschaften für die
Engagierten und die Geflüchteten haben, hat
die Programmevaluation kürzlich gezeigt. 90
Prozent der befragten Freiwilligen sagen, dass
ihre Patenschaft einen wichtigen Beitrag zur
Integration leistet und dass sie weiterhin ehrenamtlich aktiv bleiben wollen. Durch die Patenschaft haben rund ein Drittel der geflüchteten
Tandempartnerinnen und Tandempartner einen
Praktikums-, Ausbildungs- oder Betreuungsplatz oder ähnliches gefunden. In ähnlichem
Umfang haben sie durch ihre Paten Zugang zu
einem Verein gefunden. Ein Fünftel ist mittlerweile selbst ehrenamtlich engagiert. So wie Herr
Al Mujawer, der vor fast zwei Jahren mit seinem
Bruder aus Damaskus nach Deutschland geflohen ist. Von Oktober 2016 bis Mitte Mai 2017 war
er als Freiwilliger im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes beim Verein Polnischer Sozialrat
eingesetzt. Jetzt sucht er eine Ausbildungsstelle zum IT-Systemelektroniker. Nebenbei ist er in
mehreren Repair-Cafés ehrenamtlich aktiv, wo
defekte Elektrogeräte gemeinsam repariert wer-

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Grußworte

den. Zudem betreut er die Facebookseite und die Internetseite des Polnischen
Sozialrates und des Patenschaftsprogrammes „Gemeinsam.Schaffen.“ Es gibt
viele dieser guten Beispiele in unserem Land. Sie verdeutlichen: Ohne die vielen
Haupt- und Ehrenamtlichen, die vor Ort ihr Herzblut, ihre Ideen und Kompetenzen einbringen, wäre der Erfolg von „Menschen stärken Menschen“ undenkbar.
Viele Programmträger und Einsatzstellen sind heute hier. Ich möchte diese
Gelegenheit nutzen und Ihnen für Ihr großartiges Engagement danken. Sie
bauen Menschen Brücken in unsere Gesellschaft und begleiten Sie auf ihrem
weiteren Weg. Die entsprechenden Mittel sind angemeldet und sollen wegen
einer Erweiterung des Programms auf eine neue Zielgruppe sogar von 10 Mio.
auf 18 Mio. erhöht werden. Solange aber kein verabschiedeter Bundeshaushalt
vorliegt, können wir Ihnen keine finalen Zusagen machen. Uns ist bewusst, dass
es Träger gibt, die diese Übergangszeit und die vorläufige Haushaltsführung vor
Herausforderungen stellt. Wir haben gerade die kleineren Träger hier im Blick
und arbeiten an Lösungen. Und ich bin überzeugt, dass die nächste Regierung den Erfolg des Programmes nicht gefährden und die benötigten Mittel so
schnell wie möglich freigeben wird.
4.
Auf das, was in den vergangenen zwei Jahren mit „Menschen stärken Menschen“
erreicht wurde, können wir stolz sein. Aber wir dürfen uns nicht auf diesem Erfolg ausruhen. Es liegen noch einige Aufgaben vor uns. Aktuell erleben wir eine
Schwerpunktverschiebung. Der Willkommensgedanke, die Orientierung und das
Erlernen der deutschen Sprache werden durch andere Themen mehr und mehr
abgelöst. Es geht für viele Geflüchtete nicht mehr um das Willkommen oder Ankommen, sondern um das Weiterkommen. Es geht um gesellschaftliche Teilhabe
in all ihren Facetten. Vom Kita-Besuch der Kinder, über Fragen zu unserem Schulund Ausbildungssystem bis hin zur Suche nach Ausbildungs-, Praktikums- und
Arbeitsstellen. Das stellt auch unser Programm „Menschen stärken Menschen“
vor neue Herausforderungen. Bisher stand zum Beispiel die Vernetzung mit
Arbeitsagenturen, Wirtschaftsverbänden und großen Unternehmen nicht so im
Fokus. Darauf wollen wir mit Ihnen Antworten finden. Es wäre zu viel verlangt,
dass Sie diese Aufgaben nun ganz alleine angehen. Zumal es an vielen Orten gut
funktionierende Netzwerke und Anlaufstellen gibt. Auch wir, das Bundesfamilienministerium, sind als Gesellschafts- und Engagementministerium hier aktiv. Unter
anderem mit unserem Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe
Bildung“, das Eltern über den Wert des Kitabesuches für ihre Kinder informiert.
Damit wollen wir Eltern und Kinder beim Ankommen und im Integrationsprozess
weiter begleiten und unterstützen. Ein weiterer Baustein ist die Elternbegleitung
für geflüchtete Familien durch das Bundesprogramm „Starke Netzwerke“ und
die über 8.000 Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter des Programmes „Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen“. Sie beantworten Fragen zu
unserem Bildungssystem, zu Unterstützungsstrukturen für Familien und stehen
den Familien mit Rat und Tat zur Seite: von der Kita-Suche bis zur Schulauswahl.
Oder das ESF-Bundesprogramm „Stark im Beruf – Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein“, das darauf abzielt, Müttern mit Migrationshintergrund den
Erwerbseinstieg zu erleichtern.

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

5.
Meine Damen und Herren, Aufgabe dieses Fachkongresses ist es, Sie dabei zu
unterstützen, für die Menschen vor Ort die beste Lösung zu finden. Damit die Geflüchteten weiterkommen. Das geht am besten über kurze Wege und den persönlichen Kontakt. Es kann nicht schaden, wenn man bereits eine Ansprechperson
an der zuständigen Stelle kennt, an die man sich bei Fragen vertrauensvoll wenden kann. Auch dazu dient dieser Kongress. Wir wollen Sie, die Expertinnen und
Experten, die Praktikerinnen und Praktiker aus verschiedenen Bereichen zusammen bringen. Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, sich über gute Beispiele und
Ansätze auszutauschen und gegenseitig von ihren Erfahrungen zu profitieren.
Daher danke ich auch den vielen anwesenden Fachleuten, die ihr Wissen heute
hier einfließen lassen. Und ich danke dem Bundesnetzwerk für Bürgerschaftliches Engagement, das für Sie wieder ein spannendes, vielseitiges Programm auf
die Beine gestellt hat. Damit wir geflüchtete Menschen auf ihrem Weg in unsere
Gesellschaft weiter erfolgreich begleiten. Damit wir auf unserem Weg zu einer
vielfältigen, weltoffenen und solidarischen Gesellschaft weiterkommen und die
nächsten Schritte in Angriff nehmen können. Ich wünsche Ihnen einen interessanten Austausch und einen erfolgreichen Kongress.
Vielen Dank für Ihre gute Arbeit und Ihr Engagement!
Es gilt das gesprochene Wort.

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Grußworte

Carola Schaaf-Derichs
Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin, BBE-SprecherInnenrat.

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek,
sehr geehrter Herr Martin Patzelt,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Thränhardt und Prof. Dr. Haller,
sehr geehrte VertreterInnen der Programmträger des Programms „Menschen
stärken Menschen“,
sehr geehrte Expertinnen aus Zivilgesellschaft, Netzwerkstrukturen auf lokaler
Ebene, Ländern und Bund, Wirtschaft und Wissenschaft,
im Namen des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement darf ich Sie
herzlich willkommen heißen!
Schon zum zweiten Mal tagt dieser Fachkongress und bringt somit „PatInnen,
MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration von geflüchteten Menschen“ zusammen. Die überaus große Resonanz zeigte uns schon im
Vorfeld, wie wichtig das Hauptziel des Kongresses nach wie vor ist: den sektorenübergreifenden Austausch zu ermöglichen sowie die Vernetzung der Akteursgruppen zu fördern. Wir haben heute eine beeindruckende Vielfalt und Vielzahl
von AkteurInnen hier! Gemeinsam mit Trägern und Förderern, VertreterInnen aus
Politik von Bund, Ländern und Kommunen, aus der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft wollen wir diese beiden Tage nutzen, um kooperative Lösungswege und
Perspektiven in den Blick zu nehmen und gemeinsam Unterstützungsbedarfe
und Empfehlungen zu formulieren. Wie immer ist unser Credo, hierfür eine Plattform für die ergebnisorientierte Zusammenarbeit schaffen zu können, als auch
die Netzwerkpraxis zu evaluieren und nach vorne zu schauen.
In diesen zwei Jahren seiner Laufzeit kann das Programm „Menschen stärken
Menschen“ des BMFSFJ bereits auf eine beeindruckende Zwischenbilanz blicken:
40.000 PatInnenschaften wurden gestiftet; das bedeutet, dass mindestens 80.000
Personen in PatInnenschaften involviert sind. Das spricht für sich. Lassen Sie uns
das mit großem Respekt betrachten und auch als gemeinsames Werk feiern.
Aber nun kommt das Programm auch von seiner Aufbauphase in die Notwendigkeit, die aufgebauten Strukturen zu festigen und zu institutionalisieren, wie es
im Jargon einer Organisationsentwicklungsperspektive heißen würde. Das bringt
aber auch große Verantwortung mit sich:
» Aufgebaute Strukturen müssen erhalten und verstetigt werden.
» Gewonnene Freiwillige möchten ihr Programm und ihr Engagement weiterentwickeln und nachhaltig unterstützt sehen.
» Wir unterstützen in den Geflüchtetenunterkünften EhrenamtskoordinatorInnen
und stellen fest, wie wichtig dieses neue Infrastrukturelement ist, um zwischen den
Ehrenamtlichen und den Geflüchteten eine Mittler- und Vermittlerposition zu haben.
» Aufgebautes Vertrauen der Geflüchteten muss durch integrative Maßnahmen
untermauert werden.
» Gleichzeitig sind weder die Quellen freiwilligen Engagements unerschöpflich,
noch sind die Wege gesellschaftlicher Integration und des Zusammenlebens ein-

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

fach oder unkompliziert zu gehen. Wir sind hier mit vielerlei Herausforderungen im
Sinne der Glaubwürdigkeit des Vorhabens konfrontiert und gefordert.
» Eine weitere, nicht zu verleugnende gesellschaftliche Entwicklung spielt sich im
Raum der Demokratie und der normativen Werte ab. Spätestens seit dem Bundestags-Wahlergebnis in diesem September wissen wir, dass die Frage nach der
Aufnahme und Integration von Geflüchteten eine gesellschaftliche Spaltung und
zugleich den Einfluss rechtspopulistischen Denkens deutlich macht. Prof. Roland
Roth, dessen Sicht ich vorgestern bei der Jahresfachtagung der bagfa erfahren
konnte, spricht von der Beobachtung einer „Opposition gegen Vielfalt“ und einer
„Ethnisierung des Sozialen“, die er im Rahmen von empirischen Untersuchungen
feststellen konnte. Vereinfacht ausgedrückt, weist dies auf die Vorstellung hin, dass
Wohlstand und Demokratie für die „Alt-Eingesessenen“ gewünscht werden. Aber
nicht für die Neuen, die Zugewanderten und die Geflüchteten in der Gesellschaft.
» Fluchtzuwanderung und sozialer Zusammenhalt stehen sich offensichtlich bei
einem kleineren Teil der Gesellschaft diametral gegenüber. Der größere Teil, so
sieht es Prof. Roth, sei – noch – hoch engagiert, aber zum Teil auch vorpolitisch.
Eine Spaltungsgefahr wird daher überall dort befürchtet, wo es keine Brückenbauer, keine Moderation oder keine Förderung derselben gibt. Dies erscheint mir
für unsere Fachtagung als eine zentrale Anforderung im Sinne der Förderung
einer vielfältigen Demokratie, wie sie eine vielfältige Gesellschaft auch benötigt.
Doch damit vorerst genug der Analyse! Wir sind hier vor allem zusammen gekommen, um möglichen problematischen Veränderungen entgegenzuhalten, was sich
im tagtäglichen Leben bereits an kohäsiven, den Zusammenhalt und die Solidarität zwischen Menschen stärkenden, untermauernden Beziehungen zwischen
Neu-Deutschen und Alt-Deutschen zum beidseitigen Gewinn entfaltet hat und
nun auch in Projekten verankern lässt.
Wir haben die Gelegenheit, in den kommenden zwei Tagen viele Erkenntnisse
und Erfahrungen auszutauschen und dann auch an gemeinsamen Fragen zu
arbeiten, z. B.:
» Wie kann die Politik durch ein zeitnahes Aufnehmen der wichtigen Themen ein
entschiedenes Handeln in der neuen Legislaturperiode entwickeln?
» Wie kann die Wirtschaft ihr Engagement für Geflüchtete durch die Arbeit an
neuen Konzepten der Arbeitsmarktintegration voranbringen?
» Wo muss die Zivilgesellschaft ihre Hürden für Kooperationen durch Partikularinteressen und Konkurrenzdenken überprüfen?
» Wie kann von der Bundesebene die Weiterführung der Förderung des Programms über 2018 hinaus gelingen? Ich bin sehr froh zu hören, dass es eine
vorläufige Haushaltsführung gibt – Sie haben uns sehr einschlägig ermuntert,
lieber Herr Dr. Kleindiek, dass wir auch ein Auge darauf haben und Ihr Haus darauf
ausgerichtet ist, das Programm weiterzuführen. An dieser Stelle nochmals ganz
herzlichen Dank dafür.
» Wie können wir alle unsere Vernetzung und Kooperation bündeln und sektorenübergreifend zusammenarbeiten? Lokal und überregional?
Wie ich schon formuliert hatte, nur die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und ihrer Infrastrukturen werden auch und gerade im Bereich Integrati-

14

Grußworte

on und Flucht zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen und gesellschaftlichen Spannungen vorbeugen. Wir brauchen diese Investition in die Zukunft
unserer Gesellschaft!
Unser heutiger BBE Kongress spiegelt die Idee der Vernetzung und Kooperation
wider, vor allem durch die Dialogforen:
» Sie ermöglichen einen themenspezifischen Erfahrungsaustausch zwischen
Theorie und Praxis, zwischen verschiedenen Sektoren und Akteuren.
» Unser Ziel ist die Formulierung von Handlungsempfehlungen durch Sie, die
Teilnehmenden an Förderer, Träger und Partner.
» Die Erfahrungen und das Wissen von Ihnen allen als Teilnehmende an diesem
Kongress stehen somit im Mittelpunkt.
» Die aktive Beteiligung aller Teilnehmenden ist ausdrücklich und in besonderem
Maße gefordert.

Im letzten Jahr ist viel vorgefallen, viel passiert: Der letzte Kongress war noch
stark von der Phase des Willkommenheißens geprägt, stand noch im Kontext der
Ankunft der vielen Menschen auf der Flucht und der Reaktionen der Zivilgesellschaft auf akute Nöte und Bedarfe.
Inzwischen sind die Fachdebatte und das Feld auf dem Weg zur Professionalisierung und stehen vor ganz neuen Fragen und Herausforderungen.
Dieser Kongress nimmt diese Fragen auf. Es sind ExpertInnen zusammengekommen, die gemeinsam Antworten finden und Lösungswege aufzeichnen wollen.
Ich möchte an dieser Stelle dem Engagement-Ministerium, von dem wir hoffen, dass es eines bleiben kann, ganz herzlich für die Förderung und inhaltliche
Unterstützung dieses Programms danken, insbesondere für diese Fachtagung als
Herzstück der Standortbestimmung. Herzlichen Dank an alle Beteiligten, in den
Foren und auf den Podien! Ihr Beitrag ist unser Fortschritt – ich wünsche uns nun
einen guten und ertragreichen Austausch!
Es gilt das gesprochene Wort.

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

KEYNOTES

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Keynotes

Flucht, Engagement, Verantwortung in Europa
Prof. em. Dr. Dietrich Thränhardt, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Deutschland und andere westliche Länder haben hohe rechtliche Standards für
die Flüchtlingsaufnahme. Gleichzeitig machen sie es aber Flüchtlingen schwer,
diese Rechte wahrzunehmen. 147 Staaten sind der Genfer Flüchtlingskonvention
beigetreten, die das Zurückweisungsverbot und soziale Rechte für Asylberechtigte garantiert. Die Europäische Union hat darüber hinaus mit ihren Richtlinien
zur Aufnahme, zum Asylverfahren und zu den Normen bei der Anerkennung ein
dichtes Netz von Standards entwickelt, die die Qualität der Aufnahme, Behandlung und Integration von Flüchtlingen in der ganzen EU sichern sollen. Sie sind
geltendes Recht. In Deutschland garantiert darüber hinaus das Grundgesetz
das Asylrecht und die Würde aller Menschen. Es gibt dem Staat den Auftrag, alle
Menschen gleich zu behandeln, die Familien zu schützen, niemanden zu diskriminieren und soziale Rechte zu sichern.
Obwohl Deutschland und viele andere Staaten also weitgehende rechtliche Verpflichtungen eingegangen sind und diese Rechte in den letzten Jahren in der
Europäischen Union im Einzelnen noch einmal bestätigt und verfeinert wurden,
schirmen sie sich gleichzeitig gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ab. Sie ergreifen Maßnahmen, um ihre Länder unattraktiv für Flüchtlinge zu machen und sie auf
diese Weise draußen zu halten oder in andere Länder zu lenken. Die EU-Kommission hat eine Fülle von Verfahren eröffnet, in denen die Einhaltung der europäischen
Standards angemahnt wird, leider mit bescheidenem Erfolg. Der ehemalige niederländische Ministerpräsident Lubbers, später Hoher Flüchtlingskommissar, hat rückblickend beschrieben, wie in seiner langen Amtszeit immer stärker darauf geachtet
wurde, die Niederlande möglichst unattraktiv für Flüchtlinge zu machen und diese
in andere Länder zu lenken. Er beschreibt das als permanenten Konsens. Und vor
diesem Hintergrund wird klar, warum Angela Merkels Auftreten 2015 so aufsehenerregend war, nicht nur im Kontrast zu Politikern wie Orban.
Dieser Gegensatz zwischen Bekenntnis zur Aufnahme und faktischer Abwehr zieht
sich durch alle politischen Entscheidungen und Handlungen: Von den Flüchtlingslagern in Jordanien oder Kenia über die Visapolitik, die Restriktionen für die Fluglinien
bis hin zur Asyl-Anerkennung, die Unterbringung, das Recht auf Arbeit, den Zugang
zum Schulunterricht und zur medizinischen Versorgung. Vielfach wird Integration
behindert oder verzögert, weil sie mit restriktiven Maßnahmen konterkariert wird. Das
Engagement freiwilliger Bürger wird ausgebremst, wenn sie sich nicht mit Integration
beschäftigen können, sondern sich an bürokratischen Hürden abarbeiten müssen.
Gleiches gilt für die Bemühungen engagierter und interessierter Unternehmer.
Es kommt darauf an, diese Widersprüche aufzulösen. Das ist nicht einfach, aber
es kann auf vielen Ebenen gelingen. Auch wenn Deutschland sicherlich nicht alle
Flüchtlinge der Welt aufnehmen kann, kann es seine internen Verhältnisse soweit wie
möglich optimieren. Gelingt es, die Flüchtlinge in einer absehbaren Zeit zu integrieren
und zu gleichberechtigten Mitgliedern der Gesellschaft zu machen, so wird das auch
Auswirkungen auf andere Länder haben. Gelingt es nicht, so ist das Gegenteil der Fall.

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

Außenpolitisch muss sicherlich die erste Priorität sein, die verursachenden Kriege,
Bürgerkriege und Gewaltexzesse stillzustellen und zu beenden. Die zweite Priorität ist die Versorgung der Flüchtlinge in den Aufnahmestaaten und Aufnahmelagern. Zwar stellen Kritiker wie der englische Autor Paul Collier mit Recht fest, dass
die Versorgung von Flüchtlingen in armen Ländern sehr viel preisgünstiger ist als
in den reichen Ländern, aber die reichen Länder werden auf die Probleme oft erst
dann aufmerksam, wenn Flüchtlinge im eigenen Land ankommen.
Dritte Priorität sind sichere Zugangswege nach
Deutschland und in andere europäische Länder.
Nur wenn es reale Möglichkeiten gibt, nach Europa
zu kommen, kann das Sterben auf den Meeren
gestoppt werden. Statt die Energie auf die Überschreitung der Grenzen zu richten und Schlepper
zu finanzieren, können sich die Flüchtlinge dann
auf ihr künftiges Leben vorbereiten. Entsprechendes gilt für die Staaten und ihre Grenzregime. Der
Aufnahmeprozess in Deutschland, so großzügig er
von außen aussehen mag, leidet an Desorganisation. Als seit Ende 2014 immer mehr Asylbewerber
kamen, reagierte das Innenministerium nicht. Zur Aufarbeitung des Bearbeitungsstaus wurden dann wenig ausgebildete Kräfte eingesetzt, was die Entscheidungsqualität stark minderte. Deswegen stehen wir heute vor über 300.000 unbearbeiteten
Gerichtsverfahren. Für alle Beteiligten führte das zu langen Phasen der Unsicherheit
über den Aufenthaltsstatus, was die Integration stark beeinträchtigte. Zudem erschweren die ständigen Veränderungen in der Gesetzgebung den Kommunen die
Arbeit. Werden Flüchtlinge anerkannt, so haben sie keinen ausreichenden Zugang
zu Sprachkursen, für die ebenfalls das BAMF verantwortlich ist. Die Herstellung einer
neuen Normalität und Sicherheit wird durch dieses Missmanagement sehr erschwert.
Sehr viele Länder und Kommunen arbeiten effizient. Die Situation in Berlin ist ein
besonderer Fall. Bürgerengagement kann sich am besten dann entfalten, wenn
Staat und Kommunen ihre Aufgaben reibungslos erfüllen. Dann sind Ehrenamtliche nicht mit Behördengängen und dem Aufarbeiten von bürokratischen Problemen beschäftigt, sondern können sich auf Integration konzentrieren.
Zugang zu Arbeit oder Vorbereitung darauf ist entscheidend für Integration,
für Anerkennung, für eine neue Normalität. Sie ermöglicht nicht nur finanzielle
Unabhängigkeit, sondern erleichtert auch die Gesundung nach traumatischen
Erlebnissen. Bürgerengagement kann entscheidend dazu beitragen: Die meisten
Arbeitsplätze werden nicht durch amtliche Vermittlung, sondern durch soziale
Kontakte gefunden. Weil Flüchtlinge solche Kontakte im neuen Land kaum haben,
ist die Verbindung zu Einheimischen hier besonders relevant.
Bei diesem Text handelt es sich um eine stark gekürzte Fassung des Vortrags von
Prof. Dr. Thränhardt vom 9. November 2017. Die Folien, die Prof. Thränhardt bei seinem
Vortrag präsentierte, finden Sie auf der Projektseite unter
www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/PDF/projekte/patinnen-2017-keynote-thraenhardt.pdf

18

Keynotes

„Flüchtlingskrise“ in den Medien –
Flucht und Engagement in der Wirklichkeit
Prof. em. Dr. phil. Michael Haller, Universität Leipzig, Wissenschaftlicher Direktor des Europäischen
Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung e. V.

Wenn es um die Beurteilung der Flüchtlingsberichterstattung geht, stellt sich
vorneweg die Frage: Wie beurteilen wir journalistische Systemleistungen?
In Deutschland haben wir in Bezug auf den Informationsjournalismus seit mehr als
einem halben Jahrhundert gut begründete, normative Funktionszuschreibungen,
deren Geltung in Theorie und Praxis unstrittig ist. Sie finden sich im Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1966, in den Landespresse- und Landesmediengesetzen, im Pressekodex, im Rundfunkstaatsvertrag und in den Redaktionsstatuten.
Um einige dieser Normen zu nennen: Die Gesellschaft verlangt vom Journalismus,
umfassend informiert und von daher über alle wichtigen Vorgänge und Positionen
in der Gesellschaft ins Bild gesetzt zu werden. Sie erwartet auch, dass aus unabhängiger Sicht, also frei von Drittinteressen oder Parteinahme berichtet wird. Sie
fordert die klare Trennung von Tatsachen und redaktioneller Meinung in der Berichterstattung. Und sie erwartet, dass die Journalisten gegenüber dem politischen
System Kritik und Kontrolle üben, also nachfragen und recherchieren. Wir fassen
diese Zuschreibungen unter das Leitbild des gesellschaftlichen Diskurses zusammen: Wenn der Informationsjournalismus diese Erwartungen erfüllt, können sich
die Menschen orientieren, sie können als informierte Bürger am Diskurs teilnehmen.
Unter dieser Voraussetzung ist gesellschaftliche Verständigung möglich – mithin
die wichtigste Bedingung für eine auf integrative Prozesse gerichteten Demokratie.
Dieses normative Konzept liegt unserer Untersuchung zugrunde. Gegenstand der
Studie ist die Berichterstattung über den Themenkomplex „Flüchtlinge/Asylbewerber“ von Anfang 2015 bis Ende März 2016, also jene Phase, die als „Flüchtlingskrise“ im kollektiven Gedächtnis gegenwärtig blieb. Wir haben rund 35.000
Texte inhaltsanalytisch untersucht: die News der reichweitestärksten OnlineNachrichtenseiten, die vier überregionalen Qualitätszeitungen, die Bild-Zeitung
sowie 85 Lokal- und Regionalzeitungen in Ost- und Westdeutschland.
Nachfolgend die wichtigsten Befunde der Studie auf 10 Punkte verdichtet:
1. Die verzerrende Medienwirklichkeit:
Während des ersten Halbjahres 2015, als in Deutschland bereits viele tausend
Migranten Monat für Monat um Asyl nachsuchten und sich das Flüchtlingsdrama
im Mittelmeerraum ereignete, brachten die Newsmedien tagesschau.de, spiegel.de,
welt.de und focus.de wohl manch dramatischen Situationsbericht, allerdings sehr
niederschwellig und von zahllosen Handlungsorten ohne Einordnung und Bezugnahme auf die Verantwortung der westlichen Staaten für die Vorgänge in Nahost.
Ende Juli 2015 (Brennpunkt Ungarn) schwoll die Nachrichtenwelle um ein Vielfaches an. Während dieser dreimonatigen Hochphase publizierte jede dieser Newssites im Laufe von 24 Stunden bis zu 17 Nachrichten zum Ereignisthema Flüchtlinge/

19

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

Asylanten. Die Redaktionen wurden mit News gleichsam überschwemmt und gaben
dies als „Flüchtlingsflut“ an die Rezipienten weiter. In der Realität handelte es sich
Anfang August um eine überschaubare Zahl an Migranten, die von Budapest via
Österreich nach Deutschland kamen.
2. Meinung und Fakten:
Die Inhaltsanalyse der drei als Leitmedien geltenden Tageszeitungen „Frankfurter
Allgemeine Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“ und „Die Welt“ zeigt, dass nachrichtliche Berichte und meinungsbetonte Beiträge dominieren. Nur rund 4 Prozent der
Texte gehören zu den Formen, die dialogisch funktionieren (wie Interviews), nur
rund 6 Prozent sind authentisch recherchierte Berichte und/oder erzählende Formen (wie Reportagen). Der Hang zum Tendenziösen kommt auch in der Neigung
zum Ausdruck, selbst in der Berichterstattung wertend und moralisierend zu formulieren: Weit mehr als ein Drittel der Berichte der Leitmedien sind mit wertenden
oder meinungsmachenden Attributen durchsetzt (vgl. Punkt 6).
Fast jeder fünfte Text in den drei untersuchten Leitmedien gehört zu den Kommentarformen – ein ungewöhnlich hoher Anteil, der für die ausgeprägte Meinungsfreude der drei Redaktionen steht. Bei sieben von zehn relevanten Positionen ist der virtuelle Adressat der Kommentare nicht der Leser, sondern die Politik.
Die Argumente erörtern meist die von Politikern aufgeworfenen Vorschläge in
operativer Hinsicht. Bis zum Spätherbst 2015 greift kaum ein Kommentar die Sor-

20

Keynotes

gen, Ängste und auch Widerstände eines wachsenden Teils der Bevölkerung auf.
Wenn doch, dann in belehrendem oder (gegenüber ostdeutschen Regionen) auch
verächtlichem Ton. Kaum ein Kommentar während der sogenannten Hochphase
(August und September) versuchte eine Differenzierung zwischen Rechtsradikalen, politisch Verunsicherten, kritisch Argumentierenden und sich aus den Diskursen ausgegrenzt fühlenden Bürgern.
3. Sprachrohre der institutionellen Politik:
Die Analyse, wer in den berichtenden Texten zur Sprache kommt, ergab, dass
in der Kategorie der relevanten Akteure und Sprecher zwei von drei Nennungen zur institutionellen Politik zählen. Mit knapp 9 Prozent weit abgeschlagen,
gleichwohl zweitgrößte Gruppe, sind Vertreter der Judikative (PolizistInnen,
Strafverfolger, Gerichte, Anwälte), also jene, die sich von Berufs wegen mit
Rechtsverstößen befassen. Die eigentlichen Hauptakteure – die Helfergruppen,
Einrichtungen, freien Träger und Initianten, die sich freiwillig um Flüchtlinge
kümmerten – stellen nur rund 3,5 Prozent aller relevanten Personen, die in den
redaktionellen Beiträgen genannt werden. Fachleute und Experten, die über
akute Problemfelder (wie Migrationsrechtsfragen, und soziokulturelle Unterschiede, Ehe- und Familienrecht in islamischen Gesellschaften wie auch über
den Umgang mit Fremdenhass) Auskunft geben könnten, kommen praktisch
nicht vor (1:100). Die Hauptbetroffenen (Flüchtlinge, Asylsuchende, Migranten)
bewegen sich bei 4 Prozent (eine Nennung auf 25 andere).
4. Symbiose mit der Regierungslinie:
Die Zweidrittelmehrheit der Akteure in den Berichten, die der institutionellen Politik zuzurechnen ist, setzt sich so zusammen: Knapp 43 Prozent sprechen für die
Bundesebene (Regierung, Ministerien, Parteien, Parlament); jeder Fünfte vertritt
eine ausländische politische Institution (inkl. EU-Gremien in Brüssel). Nur jeder
Vierte zählt zu der für den Vollzug zuständigen Bundesländerebene. Von den Akteuren, die einer Partei zugehören (ein Drittel aller relevanten Personen), vertreten
mehr als vier Fünftel eine der drei Regierungsparteien. Sprecher der im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien kommen nur jedes zehnte Mal zu Wort. Die in
zahlreichen Bundesländer- und Kreisparlamenten vertretene AfD kommt in dieser
Kategorie praktisch nicht vor (0,1 Prozent). Auch bei Kontroversen gehört der weit
überwiegende Teil (rund 70 Prozent) der Konfliktpartner zur institutionellen Politik,
davon sprechen vier Fünftel (81 Prozent) im Namen einer der Regierungsparteien.
5. Dominanz der politischen Elite:
Die Zusammensetzung des in den nachrichtlichen Berichten auftretenden
Personals unterstreicht die ausgeprägte Dominanz der politischen Elite. Vermittels der Medien bestimmt sie die Themensetzungen und -inhalte und prägt
damit die Agenda des öffentlichen Diskurses. Umgekehrt gesagt: Die Berichterstattung in den drei Leitmedien ist zu großen Teilen auf die (partei-)politische
Arena der Koalitionspartner fixiert. Diejenigen, die sich in den Behörden und
Einrichtungen um die Bewältigung der ungeheuren Aufgaben und Probleme des
Vollzugsalltags kümmerten, erscheinen aus der medial vermittelten Sicht der
politischen Elite als kaum relevant.

21

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

6. Parteiergreifende Sicht:
Der journalistische Qualitätsgrundsatz, aus neutraler Sicht sachlich zu berichten,
wird in rund der Hälfte der Berichterstattungen nicht durchgehalten. Insbesondere die Art und Weise, wie über die Positionierung eines Politikers berichtet wird,
ist oftmals wertend und beurteilend, bei Vertretern der Opposition mitunter auch
„von oben herab“. Zudem schreiben die Korrespondenten nicht selten in einer
Diktion, die persönliche Nähe, auch Vertrautheit zur politischen Elite suggeriert
– und die beim Leser den Eindruck erzeugt, die Journalisten seien weniger am
Thema selbst als an den über das Thema transportierten Querelen interessiert.
Diese Befunde überraschen, erstens, weil das hier untersuchte Megathema, aus
dem die sogenannte Flüchtlingskrise hervorging, die Einstellung der Bürger zu
den Grundwerten betrifft und moralisch stark überformt ist, und zweitens, weil in
vielen Regionen auch bürgerliche Teile der Bevölkerung von Skepsis, viele auch
von Fremdenangst besetzt sind, die publizistisch in den Blick zu nehmen wäre.
7. Hochgejubelte Willkommenskultur:
Die im Sommer 2015 (und seither) von Zehnttausenden von Bürgern gezeigte
Aufnahmebereitschaft wurde von den Medien überwiegend mit dem „deutschen Wunder Willkommenskultur“ („Die Zeit“) erklärt, überstrapaziert und
schlussendlich zu einer Art Zauberwort verklärt. Fernsehnachrichten und
Regionalzeitungen haben diese für viele Bürger im Grunde selbstverständliche Hilfsbereitschaft als Event inszeniert und wie eine Selbstdarstellung der
Bürgergesellschaft ins Bild gebracht – praktisch unter Ausschluss der Betroffenen: den Migranten und Geflüchteten.
Die Rekonstruktion der Themenkarriere „Willkommenskultur“ zeigt, dass dieses
Narrativ etwa zehn Jahre zuvor von den Industrie- und Arbeitgeberverbänden
in den politischen Diskurs eingebracht wurde, im Bemühen, die Verweildauer
ausländischer Fachkräfte in Deutschland zu verlängern. Seit 2011 übernahmen
die Parteien dieses marktpolitische Anliegen und implementierten es in ihre
Parteiprogramme. Ab 2014 wurde das Narrativ einerseits zur Verbesserung
des Arbeitsklimas für ausländische Fachkräfte, andererseits zur Mobilisierung
der Hilfsbereitschaft Einheimischer propagiert. Diese „top down“ vermittelte
Kampagne bewirkte, dass die von den Bürgern freiwillig zu erbringenden Samariterdienste moralisch eingefordert werden konnten, um die überforderten
Sozialbehörden zu entlasten.
8. Ausgrenzende Kampagne:
Der von den Zeitungen mit ihrer Berichterstattung erzeugte „Frame“ des Komplexes Flüchtlingspolitik/Willkommenskultur spiegelt einen hohen Gleichklang
zwischen den Wirtschaftsinteressen, den Zielen der Politik und den Medienaussagen wider. Diese Konsonanz prägte im Sommer 2015 die öffentliche Meinung
so stark, dass in den Leitmedien abweichende Positionen kaum noch gehört
wurden. Auch in den Lokal- und Regionalzeitungen kamen Bedenkenträger oder
Skeptiker praktisch nicht mehr zu Wort; wer diese Kampagne gleichwohl kritisierte, sah sich von vielen Kommentatoren als fremdenfeindlich etikettiert und
insofern vom Mainstream ausgegrenzt.

22

Keynotes

9. Regionalpresse fern der Bürger:
Die Besonderheit der Regionalpresse, dass sie in ihren Lokalteilen die Nah- und
Alltagswelt der Menschen durchleuchten und Vorgänge wie auch Probleme quasi
hautnah recherchieren kann, wurde bis zur Silvesternacht 2015/16 nicht genutzt.
Die vergleichsweise wenigen Texte, die Probleme oder Konflikte thematisierten,
sind überwiegend Veranstaltungsberichte und insofern keine journalistischen
Eigenleistungen. Nur in seltenen Ausnahmefällen wurden behördliche Fehlleistungen und Missmanagement bei der Unterbringung der Migranten untersucht
oder Fachwissen eingeholt und ausgewertet. Bis Ende des Jahres 2015 wurde die
Medienfunktion, die wir mit „diskursivem Journalismus“ bezeichnen, nicht erfüllt.
10. Ernüchterung und Umschlag:
Auf die mit „Silvesternacht 2015/16“ etikettierten Ereignisse folgte ein veränderter – man könnte auch sagen: differenzierterer – Umgang mit dem Megathema
„Flüchtlinge in Deutschland“. Im 1. Quartal 2016 wurde die Tonalität der Zeitungsberichte harscher, in Bezug auf die behördliche Praxis der Flüchtlingspolitik
deutlich skeptischer. Die Sorgen und Ängste vieler Menschen wurden nun überdeutlich thematisiert. Im Januar 2016 finden sich auch viele Zeitungstexte, die –
entgegen journalistischer Sorgfaltspflichten – in ihren Berichten junge Migranten
und Asylsuchende per se unter Täterverdacht stellen. So entsteht der Eindruck,
als wollten viele Journalisten überfleißig nachholen, was sie in den Monaten zuvor
ausgeblendet hatten.
Über die Wirkung dieser Medienberichterstattung lässt sich vieles sagen. Ich
beschränke mich hier auf diesen Hinweis: Im Herbst 2015 untersuchte das Demoskopische Institut Allensbach die Einstellung der Bevölkerung zu den Informationsmedien. Auf die Frage, ob die Medien ein zutreffendes Bild der „Flüchtlinge“ zeichneten, antworteten 53 Prozent mit Nein. Fast jeder Zweite nannte die
Berichterstattung einseitig.
Ein beachtlicher Teil der Bevölkerung glaubt seither, der Journalismus werde
gezwungen, systemkonform und insofern manipulierend zu berichten. Ende
2016 zeigten sich viele Befragte davon überzeugt, die Regierung würde festlegen, worüber die sogenannten Mainstreammedien berichten und worüber
nicht. Dies bedeutet: Große Teile der Bevölkerung haben seit der Flüchtlingsberichterstattung eine beängstigend irreale Vorstellung, wie es um den Informationsjournalismus in unserer Demokratie bestellt ist. Dementsprechend ist
der Teil der Erwachsenenbevölkerung angewachsen, der sich dem öffentlichen
Diskurs verweigert und nach Gleichgesinnten in den Filterblasen und Echokammern sucht – und findet.
Bei diesem Text handelt es sich um eine Kurzfassung des Vortrags von Prof. Dr. Haller
vom 10. November 2017. Die Studie, auf deren Ergebnisse sich Prof. Haller bezieht, ist auf
der Homepage der Otto-Brenner-Stiftung zu finden unter
https://www.otto-brenner-stiftung.de/wissenschaftsportal/informationsseiten-zu-studien/diefluechtlingskrise-in-den-medien/

23

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

PODIEN

24

Podien

Willkommen – Ankommen – Weiterkommen:
Wo stehen wir heute?
Statements aus den moderierten Interviews
BBE: Herr Bergmann, für den Caritas-Verband hat die Zusammenarbeit mit Engagierten in der Arbeit mit geflüchteten Menschen seit langem eine große Bedeutung. Mit
Blick auf die jüngeren Entwicklungen in der verbandlichen Praxis und bei KoordinatorInnen auf lokaler Ebene, mit welcher neuen Frage sehen sich aktuell die Beteiligten
am Patenschaftsprogramm konfrontiert? Und was würden Sie uns gerne aus der
Perspektive der Kirche und der kirchlichen Organisationen mit auf den Weg geben?
MICHAEL BERGMANN: 1983 sammelte ich erste Erfahrungen im Bereich der
Aufnahme von Asylsuchenden und Kontingentgeflüchteten und muss feststellen,
dass die Fragen die gleichen geblieben sind, die Herausforderungen sich jedoch
gewandelt haben. Schon damals haben wir über ein Einwanderungsgesetzt diskutiert und bereits viele Engagierte gehabt. Der Unterschied ist das gesellschaftliche Klima, in dem das Engagement stattfindet. Heute können wir getrost sagen:
Das Engagement in der Flüchtlingskrise ist eine gesellschaftliche Bewegung. Daher müssen wir uns fragen, wo das Programm „Menschen stärken Menschen“ in
dieser Bewegung zu verorten ist, wenn das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verkündet, nur noch neue PatInnenschaften zu finanzieren, PatInnenschaften aus 2016 hingegen aus der Förderung zu nehmen. Das ist
aus der Sicht der Kirchen und der Verbände ein falsches Signal. Ist das Programm
„Menschen stärken Menschen“ also ein Integrations- und Begleitungsprogramm
und damit langfristig gedacht, oder nur ein Programm zur Erst- und Nothilfe? Daher wünschen wir uns auch eine differenziertere Betrachtung der PatInnenschaften von Seiten des Familienministeriums. Manch eine Patenschaft ist nach sechs
Monaten erfolgreich beendet, andere wiederum benötigen mehr Zeit.
BBE: Frau Junker-Ojo, Sie begleiten für das BMFSFJ und damit aus der Perspektive
des Initiators und Förderers das Programm „Menschen stärken Menschen“ nunmehr
seit über zwei Jahren. Wenn Sie die bisherigen Entwicklungsprozesse im Rahmen des
Programms betrachten, zu welchem Zwischenfazit kommen Sie und inwiefern stellen
sich neue Fragen und Herausforderungen in diesem Themenfeld auch für Ihr Haus?
MIRIAM JUNKER-OJO: Das Programm umfasst derzeit 23 Programmträger, knapp
600 Einrichtungen vor Ort und über 40.000 PatInnenschaften seit Programmbeginn. All diese PatInnenschaften mussten zunächst einmal gestiftet und anschließend koordiniert und begleitet werden. Darüber hinaus wurden Strukturen und
Netzwerke zwischen den Programmträgern, aber auch Netzwerke ganz konkret auf
lokaler Ebene aufgebaut. Das ist eine gute Basis, um bestehende Herausforderungen anzugehen. Das Zwischenfazit fällt daher sehr positiv aus. Zu der von Herrn
Bergmann aufgeworfenen Frage der Weiterförderung von PatInnenschaften aus
2016 auch im Jahr 2018: Die Konsequenz des gleichbleibenden Programmetats ist,
dass für die Förderung jeder weitergeführten Patenschaft die Mittel für die Förderung einer neuen Patenschaft fehlen. Hier muss eine vertretbare Balance gefun-

25

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

den werden. Deswegen bleibt es bei der im letzten Jahr getroffenen Regelung,
dass eine bereits geförderte Patenschaft noch ein zweites Mal gefördert werden
kann: Eine in 2017 gestiftete Patenschaft kann somit – bei Vorliegen der Voraussetzungen – in 2018 noch ein weiteres Mal gefördert werden. Eine Patenschaft aus
2016 kann dagegen in 2018 nicht noch ein drittes Mal gefördert werden, weil das
im Rahmen der begrenzten Mittel zu stark zu Lasten der neuen PatInnenschaften
ginge. „Menschen stärken Menschen“ ist ein Programm, in dem der Raum zur Gestaltung für eine beeindruckende Vielzahl unterschiedlichster Patenschaftsansätze geführt hat. Dafür ein großes
Danke an die Programmträger,
die Ehrenamtskoordinatorinnen
und –koordinatoren vor Ort, vor
allem aber an die vielen Freiwilligen. Für die Zukunft gibt
es Überlegungen, dieses gut
funktionierende Programm auf
andere Zielgruppen zu erweitern; das sind aber bislang nur
Überlegungen.
BBE: Herr Halling, Ziel eines gemeinsamen Projekts von Seiten der Initiative Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft der
Seniorenbüros ist es, einen Prozess des kollegialen Lernens der engagementfördernden Infrastruktureinrichtungen im Feld „PatInnenschaften und Flüchtlingshilfe“ zu organisieren. Was bedeutet für Sie die Nachricht des BMFSFJ, nur noch neue
PatInnenschaften zu fördern? Welche Aspekte sind Ihnen dabei besonders wichtig?
AXEL HALLING: Die Konsequenzen einer Nicht-Förderung bestehender PatInnenschaften aus 2016 werden vor allem viele der Menschen vor Ort, die die Koordinierungsaufgaben übernehmen, spüren: Die Nachhaltigkeit, die stets gepredigt
wird, wird nicht praktiziert. Das Argument des Ministeriums ist in Teilen sicherlich
nachvollziehbar, an einigen der Schlüsselpositionen vor Ort ist diese Entscheidung
jedoch kontraproduktiv. Kritisch ist auch die kurze Vorlaufzeit, mit der die Entscheidung verkündet wurde. Wir als Vermittlungsorganisation brauchen eine gewisse
Umschaltzeit, um mit den Menschen auf lokaler Ebene zu sprechen und zu erörtern, ob sie auch unter den geänderten Rahmenbedingungen bereit sind, weiter
zu machen. Es ist zugegebenermaßen müßig immer wieder mehr Geld zu fordern.
Aber wir haben Bürgerstiftungen, die nicht am Programm teilnehmen möchten,
weil sie zu wenig finanzielle Unterstützung erhalten. Darüber hinaus wünsche ich
mir jedoch ein besseres Verständnis der Bundes- und Lokalpolitik über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen für die Beteiligten vor Ort. Es werden aus behördlichen und verwaltungstechnischen Gründen Entscheidungen getroffen, ohne die
Auswirkungen auf die Betroffenen und Beteiligten mit in Betracht zu ziehen. Das
kann an einigen Standorten fatale Folgen für Geflüchtete, für Engagierte, für KoordinatorInnen und für die Nachhaltigkeit dieser Projekte nach sich ziehen.
BBE: Frau Lehmann, Sie haben im Zuge Ihres Projektes bei der Prognos AG die
Wirkung des Programms evaluiert und sie mit Blick auf die Erreichung seiner stra26

Podien

tegischen Ziele bewertet. Wie steht das Programm da, wenn wir uns insbesondere
auf Fragen der Weiterentwicklung im letzten Jahr beziehen: Ist das Ziel erreicht,
die zu Beginn beobachtete spontane Hilfsbereitschaft in stabilere Formen und
Strukturen des Engagements zu überführen? Auf der Grundlage Ihrer Ergebnisse:
Was könnte die Wirksamkeit des Programms in Zukunft weiter steigern?
KLAUDIA LEHMANN: Im Rahmen unserer Studie haben wir Anfang 2017 PatInnen nach ihrem Engagement befragt. Rund die Hälfte gab an, vor der Patenschaft entweder gar nicht oder nur unregelmäßig engagiert gewesen zu sein.
Insgesamt konnten sich viele dieser Engagierten vorstellen, sich weiterhin
regelmäßig zu engagieren. Diese Bereitschaft ist eine Grundvoraussetzung, um
Engagement zu stabilisieren, bedarf jedoch Strukturen und Organisationen auf
der lokalen Ebene. So haben viele PatInnen angegeben, dass ihnen für ihr Engagement Begleit- und Qualifizierungsstrukturen sowie Unterstützungsangebote
von Seiten der lokalen Organisationen wichtig seien. Aus unserer Perspektive
hängt die Wirksamkeit des Programms zum einen von der Kontinuität und Verstetigung auf Ebene der Programmförderung ab, um Planungssicherheit insbesondere für die vor Ort tätigen Organisationen zu gewährleisten. Zum anderen
ist auf Ebene der Programmträger und lokalen Organisationen eine Flexibilität
und Weiterentwicklung des Programms wünschenswert, beispielsweise durch
die Berücksichtigung von sich verändernden Unterstützungsbedarfen oder
auch der Öffnung des Programms für Unternehmen.
BBE: Herr Wördemann, Sie sind mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland
von Beginn an als Mitträger am Programm beteiligt. Mit ihrem bundesweiten Programm wirsindpaten.de sollen als PatInnen insbesondere Menschen mit eigenen
Integrationserfahrungen gewonnen werden. Wie hat sich Ihr Vorhaben entwickelt
und welche Fragen beschäftigen Sie aktuell?
HAMZA WÖRDEMANN: Bei vielen Menschen mit internationalen Wurzeln aus dem
arabischstämmigen Raum gilt es zu bedenken, dass sie aus Ländern kommen, wo
Engagement und soziale Arbeit anders organisiert sind als hier in Deutschland.
Durch das Programm „Menschen stärken Menschen“ ist es uns als MigrantInnenorganisation gelungen, viele Menschen mit Migrationshintergrund an solche
Strukturen heranzuführen. Die dezentrale Struktur des Programms war dabei für
uns besonders hilfreich. So konnten sich PatInnenschaften entwickeln, an die wir
als Programmträger gar nicht gedacht hatten, wie zum Beispiel PatInnenschaften
für geflüchtete Gehörlose. Für uns als MigrantInnenorganisation bleibt die Vernetzung in Anbetracht knapper Ressourcen wichtig. So haben wir mit der Zentralen
Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland eine gemeinsame Mitarbeiterschulung
durchgeführt und konnten mit wenigen Ressourcen effektiv arbeiten. Zentral bleiben jedoch für uns die Tandems: Sie liefern uns als Infrastruktur Ideen und Inhalte.
BBE: Frau Ferhad, „Integration“ ist der Schlüsselfaktor des Programms „Menschen
stärken Menschen“. Im Fachdiskurs wird Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe bezeichnet. Für Sie als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des
Bundesverband Nemo e. V., wie sehen gute gemeinsame Prozesse einer sektorenübergreifenden Zusammenarbeit für die Unterstützung von geflüchteten Menschen aus und was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
27

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

BRESCHKAI FERHAD: Aus unserer Erfahrung
heraus können viele MigrantInnen sehr wohl
etwas mit Engagement und ehrenamtlicher Arbeit in Deutschland anfangen. Wenn es um das
Thema Integration geht, sprechen wir beim
Bundesverband lieber von Gesellschaftspolitik für alle BürgerInnen. Wir stellen damit nicht
die Notwendigkeit gezielter Integrationsmaßnahmen für Neuankömmlinge in Frage. Eher geht es
uns darum, sogenannte Integrationsprojekte in
einem größeren Kontext als gesellschaftspolitische Maßnahme zu denken, die alle Menschen
einbezieht und sich nicht nur auf jene mit einwanderungsgeschichtlichem Hintergrund beschränkt. Insgesamt sind wir hier aber auf einem
guten Weg, würden uns aber als Bundesverband
dreierlei besonders wünschen: Erstens, eine frühere Einbindung von MigrantInnenorganisation.
MigrantInnenorganisationen sollten bereits bei
der Projektkonzipierung mit am Tisch sitzen und
nicht erst bei der Durchführung hinzugezogen
werden. Zweitens, eine Stärkung von MigrantInnenorganisationen auf kommunaler Ebene. Auf
Bundeseben passiert hier durch die Förderung
einiger weniger Dachverbände manches, allerdings muss auch diese verstetigt werden. Auf
lokaler Ebene ist es in den vergangenen Jahren teilweise versäumt worden und wir beobachten hier eine Stagnation bei der
Entwicklung von MigrantInnenorganisationen gegenüber anderen Organisationen.
Drittens, eine besserkoordinierte Prozessgestaltung sowie Projektabsprache zwischen den einzelnen Ministerien und Bundesressorts.
BBE: Frau Huth, Sie haben im vergangenen Jahr im Auftrag des BBE für das
Programm „Menschen stärken Menschen“ eine Expertise erarbeitet, auch mit
den Stichworten „Willkommen, Ankommen, Weiterkommen“. Was hat sich seither
getan? Wo stehen wir aktuell? An welchen Stellschrauben würden Sie gerne für
die Zukunft drehen?
SUSANNE HUTH: Die Entwicklungen seit 2015 lassen sich in drei Phasen einteilen.
Im Sommer 2015 war angesichts der vielen Menschen, die nach Deutschland kamen, die Frage des Willkommenheißens besonders wichtig. Die PatInnen mussten
in erster Linie Nothilfe und Erstversorgung leisten. Ab 2016 rückten dann Fragen
des Ankommens in den Fokus, also Fragen danach, wie Geflüchtete in Deutschland
begleitet werden können und sollen, damit sie sich hier zurechtfinden. Wichtig war
dabei die Frage, wie das große, vielfältige und spontane Engagement koordiniert
und unterstützt werden konnte. Danach hat ein Perspektivenwechsel stattgefunden: Es geht aktuell verstärkt ums Weiterkommen, also um Fragen gesellschaft-

28

Podien

licher Teilhabe, Integration und Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Im Zuge
dieser Entwicklung ist die Bildung und Arbeitsmarktintegration immer mehr in
den Fokus der PatInnenschaften gerückt, ebenso die Förderung von Engagement
geflüchteter Menschen und die Verstetigung von Strukturen besonders bei den
MigrantInnenorganisationen. Aber hier tut sich, wie Frau Ferhad bereits angedeutet hat, einiges, wie beispielsweise mit der Gründung des Bundeselternnetzwerks
der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe (bbt). Woran wir noch arbeiten
müssen, ist die Fortbildung von VerwaltungsmitarbeiterInnen in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Es bedarf einer professionelleren Haltung der Hauptamtlichen in Behörden und Verwaltungen gegenüber Ehrenamtlichen.
BBE: Herr Amoruso-Stenzel, im Verlauf des letzten Programmjahres von „Menschen
stärken Menschen“ zeigt sich, dass die Mobilisierung von Engagierten für PatInnenschaften zunehmend schwieriger wird. An welcher Stelle sollten alle Beteiligten am
Programm Ihrer Erfahrung nach im Netzwerk Berliner KinderPatInnenschaften e. V.
besonders dringend ansetzen, um weiterhin Engagierte zu gewinnen?
FLORIAN AMORUSO-STENZEL: Wir dürfen bei dieser Frage nach Neugewinnung von Engagierten
nicht vergessen: 2015 und 2016 war in jeglicher
Hinsicht ein Ausnahmejahr. In den Medien und in
der Politik wurde wiederholt auf die Notsituation
aufmerksam gemacht. Das hieß für uns weniger
Investition in die Öffentlichkeitsarbeit und trotzdem viele Engagierte. Was wir nun erleben ist
eine Normalisierung der Verhältnisse. Wir müssen
wieder anfangen Werbung zu machen, vor allem
durch Mund-zu-Mund Propaganda. Die Programmträger sollten daher besonders in die KoordinatorInnen investieren, damit diese mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten können. Zudem ist eine
Investition in die eigenen KoordinatorInnen auch
immer eine Investition ins Wissens- und Anerkennungsmanagement. Es gibt meinem Eindruck
nach zu wenige KoordinatorInnen im Programm.
Grundsätzlich bin ich jedoch sehr froh, dass das
Programm „Menschen stärken Menschen“ PatInnenschaften neu entdeckt hat.
Sie mögen nicht die Universalmethode sein, Studien belegen jedoch, dass sie die
„emotionale Integration“ besonders fördern.
BBE: Herr Baic, derzeit liegt ein großer Schwerpunkt auf Debatten über Zugänge zum Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen und über das Engagement von
Unternehmen. Sie haben im März 2017 interessante Ergebnisse einer Studie der
Boston Consulting Group vorgelegt. Bitte geben Sie uns einen kurzen Einblick in
die Studie und ein, zwei zentrale Ergebnisse: Welche Erfahrungen haben Unternehmen mit der Integration geflüchteter Menschen gemacht? Wo sehen Sie
Chancen und Möglichkeiten, inwiefern Stolpersteine oder Herausforderungen?

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

ALEXANDER BAIC: Unsere Studie untersuchte, wie gut das Ankommen Geflüchteter in Unternehmen funktioniert. Dafür wurden 300 Unternehmen befragt, die
in der Summe 2.500 Geflüchtete in Praktika, Ausbildung und Festanstellung beschäftigt haben. Außerdem sind in die Studie Erfahrungen aus unserer Initiative
bei den JOBLINGEN, die seit Anfang des Jahres auch mit knapp 500 Geflüchteten arbeiten, eingeflossen. Die Studie zeigt, dass Arbeitsmarktintegration in sehr
unterschiedlichen Unternehmen und Industriebereichen funktioniert. Hervorzuheben ist zudem, dass Unternehmen ein positives Fazit in der Zusammenarbeit
mit Geflüchteten ziehen. Die wichtigste Botschaft ist, dass viele Unternehmen
ihr Engagement auch in Zukunft fortsetzen und zum Teil sogar ausbauen wollen. Es hat sich gezeigt, dass Netzwerke von immenser Bedeutung sind. Die
Kontaktaufnahme zu Geflüchteten erfolgt insbesondere über Ansprache durch
Ehrenamtliche (45% – Mehrfachnennung möglich) sowie Hilfsorganisationen/
private Initiativen (44% – Mehrfachnennung möglich). Dieses Ergebnis betont
auch die Rolle von PatInnenschaften. Eine große Herausforderung bleibt weiterhin Sprache, allerdings mit sich ändernden Bedarfen auf Seiten der Unternehmen. Viele Unternehmen fragen vor allem nach berufsspezifischer Sprache.
Solch eine Sprachförderung wäre auch der nächste logische Schritt neben der
Vermittlung von Basiskenntnissen. Unternehmen nennen auch komplizierte
Vorschriften und hohe Unsicherheit über die rechtlichen Rahmenbedingungen
als Hürde. Dies liegt vor allem auch an den bestehenden Ausnahmeregelungen.
Was wir darüber hinaus auf jeden Fall brauchen, ist eine systematische Erfassung der nicht-formalen Qualifikationen der Geflüchteten und ihrer Interessen
sowie die Zertifizierung bestehender formaler Qualifikationen. Und natürlich die
Ehrenamtlichen sowie KoordinatorInnen, die den Geflüchteten zeigen, wie der
deutsche Arbeitsmarkt aussieht.

Zukunft gestalten. Verstetigung vorantreiben. Nachhaltigkeit fördern.
Zusammenfassung der abschließenden Podiumsdiskussion
Im Rahmen der abschließenden Podiumsdiskussion galt es, die Zukunft des Programms sektorenübergreifend in den Blick zu nehmen. Zentrale Themen waren
die Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Programms, Nachhaltigkeit und
Verstetigung von Strukturen und Engagement sowie Fragen zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten.
Auf dem Podium beteiligten sich Martin Gerlach, Türkische Gemeinde in
Deutschland e. V., Ute Kumpf, ehem. MdB und Landesvorsitzende des AWO
Landesverband Berlin e. V., Victor Ostrovsky, Vorstand Bundesverband russischsprachiger Eltern e. V., Dr. Thomas Röbke, Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V. und Vorsitzender des BBE-SprecherInnenrats,
Dr. Christoph Steegmanns, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend, Alisa Wieland, ROCK YOUR LIFE! sowie Christoph Zeckra, Generali
Deutschland AG.

30

Podien

Im Fokus einer ersten Diskussionsrunde stand
der Bedeutungszuwachs des bürgerschaftlichen
Engagements, der auch durch die Rolle und
Prominenz des Programms „Menschen stärken
Menschen“ deutlich würde und sich in der engen
Kooperation des Ministeriums als Förderer und
den 23 Programmträgern zeige. Sowohl auf der
Bundesebene als auch vor Ort seien zunehmend
Kooperationen mit MigrantInnenorganisationen
(MOs) geschlossen worden. Die Beteiligung der
MOs trage sowohl zur Vielfalt der Regelstrukturen des Sozialstaates als auch zur offiziellen
Anerkennung des Engagements von Menschen
mit Migrationshintergrund bei. Die Bundesebene
sende damit ein wichtiges Signal.

„Ich finde das Programm wirklich wegweisend. Für Mi­
grantInnenorganisationen gab es eine Stabilisierung. Indem
sich das Programm für MigrantInnenorganisationen geöffnet
hat, hat es eine neue Diversität geschaffen. Aber wir müssen
es schaffen, MigrantInnenorganisationen zu Regelstrukturen
und einem Teil unseres Sozialstaates auszubauen.“
Thomas Röbke, BBE-SprecherInnenratsvorsitzender

In Anbetracht der Erfolge von „Menschen stärken Menschen“ gelte es, so die
DiskutantInnen, das Programm weiterzuentwickeln. Eine Möglichkeit wäre, das
Programm auf zusätzliche Zielgruppen auszuweiten. Exklusion betreffe nicht
ausschließlich Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund. Durch eine
Erweiterung des Programms könnten Neiddebatten entgegen gewirkt werden.
Eine Erweiterung in Richtung bildungsferner Gruppen wurde auf dem Podium
diskutiert und grundsätzlich befürwortet.
Nachhaltigkeit und Verstetigung von Strukturen und Engagement
Fragen der Nachhaltigkeit und Verstetigung von Strukturen wurden im Jahr 2017
weiterhin intensiv thematisiert. Die PodiumsteilnehmerInnen begrüßten die Fortführung des Programms im Jahr 2018 und hoben die Wertschätzung hervor, die
das Programm in der Politik genieße. Die jährliche Förderlogik stelle für die Programmträger gleichwohl eine große Herausforderung dar. Ohne Planungssicherheit sei es schwierig, Hauptamtliche an den Schnittstellen zu halten. Kontinuität
im Kompetenztransfer und Engagement sei so kaum zu realisieren.

31

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

„Eine Weiterführung des Programms mit dem herkunftsunabhän­
gigen Fokus auf Bildungsbenachteiligung wäre sehr zu begrüßen.
Auf diese Weise würde man deutlich machen, dass es sich um
Maßnahmen für die ganze Gesellschaft handelt, nicht um Sonder­
maßnahmen für einzelne Communities. Viel zu selten werden im
Themenfeld ‚Integration‘ die Regelsysteme in den Blick genommen.
So lange die Probleme im Bildungssystem ethnisiert werden, kann
es nicht zur Entwicklung von zukunftsfähigen Konzepten kommen.“
Martin Gerlach, Bundesgeschäftsführer Türkische Gemeinde in Deutschland

Diskutiert wurde auf dem Podium zudem die Bedeutung medialer Aufmerksamkeit für die Verstetigung und Neugewinnung von Engagierten. Beobachtet würde
in manchen Regionen ein rückläufiges Interesse sich zu engagieren. Während
ein Teil der Diskutanten den Rückgang an interessierten Engagierten mit nachlassendem Interesse der Medien am Themenkomplex Flucht, Engagement und
Integration in Verbindung brachte, betrachtete der andere Teil der Teilnehmenden
die rückläufige Tendenz als Normalisierung der Verhältnisse. Einig waren sich die
Teilnehmenden der Podiumsdiskussion darin, dass Programmträger vermehrt in
ihre Öffentlichkeitsarbeit investieren müssten. Hier sollte an gemeinsamen Perspektiven gearbeitet werden.

„Rückblickend ist die Entwicklung des Programms
‚Menschen stärken Menschen‘ eine Erfolgsgeschichte.
Das sehen nicht nur wir als Förderer so. Wir bekommen
die Bestätigung auch von politischer Seite und hier auch
von Seiten verschiedener Fraktionen. Dementsprechend
besteht auf Seiten der Politik kein Interesse daran,
Aufgebautes zu zerstören. Daran lässt sich anschließen
und an einer Weiterführung des Programms arbeiten.“
Dr. Christoph Steegmanns, BMFSFJ

Welche Konsequenzen die Wahlergebnisse für Fragen der Verstetigung und Nachhaltigkeit haben werden, sei noch nicht abzuschätzen. Bereits abzusehen sei
jedoch, dass der Diskurs über Flucht, Engagement und Integration härter geführt
werde. Engagementpolitik müsse daher losgelöst von Legislaturperioden und
Tagespolitik gedacht werden.

32

Podien

Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen
Die große Herausforderung der kommenden Jahre wird der Diskussion zu Folge in
der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter liegen. Stolpersteine seien vor allem die
Fokussierung deutscher Arbeitsagenturen und Jobcenter auf formale Qualifikationen und zugleich die Ablehnung formaler Qualifikationen aus Fluchtregionen.
Laut aktuellen Studien haben lediglich knapp 10% der 600.000 Geflüchteten mit
B1-Abschluss den Weg in den Arbeitsmarkt gefunden.
Die Diskutanten plädierten für einen Perspektivenwechsel weg vom defizithin zum ressourcenorientierten Blick auf Geflüchtete. Talente und Potentiale
der Geflüchteten sollten in den Fokus rücken anstatt fehlender formaler Qualifikationen. Solch eine Perspektive würde die Möglichkeit eröffnen, Geflüchtete beispielsweise in die Selbstständigkeit zu bringen. Dabei sollten stets die
Ressourcen der PatInnen berücksichtigt werden. Sie seien in ihren Strukturen
sehr gut vernetzt und könnten in ihrer Funktion als VermittlerInnen weiterhin
eine wichtige Rolle spielen.

„Obwohl es gute Beispiele für die Arbeitsmarktintegration von
Geflüchteten gibt, ist das bisherige Ergebnis ernüchternd.
Wir brauchen keine abstrakten Diskussionen – wir müssen von
der Vernetzung zur Kooperation kommen. Ein gutes Beispiel dafür
ist die Förderung von Geflüchteten bei Unternehmensgründungen
durch das ‚Human Safety Net‘.“
Christoph Zeckra, Generali Deutschland AG

33

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

DIALOGFOREN

34

Dialogforen

Die Dialogforen – Gebündelte Expertise
in sechs thematischen Feldern
Im Zentrum der Arbeit des Kongresses standen sechs Dialogforen. In den Dialogforen arbeiteten ExpertInnen zu aktuellen Fragestellungen zusammen. Angeregt von
kurzen Impulsen, in denen Vortragende Ansätze und Modelle der Wissenschaft und
Praxis sowie gute Beispiele einbrachten, wurden in Arbeitsgruppen und Diskussionsrunden in jeweils drei Sessions über die beiden Kongresstage hinweg konzentriert Erfahrungen ausgetauscht und an aktuellen Fragestellungen zusammen
gearbeitet. Für jeden thematischen Schwerpunkt wurden Bedarfe identifiziert, Herausforderungen herausgearbeitet und Empfehlungen formuliert. Die ModeratorInnen übernahmen die wichtige Rolle, durch die Debatten zu führen und Verantwortung für die Bündelung der vielfältigen Ergebnisse zu übernehmen. Diese werden in
den AutorInnenbeiträgen auf den folgenden Seiten dokumentiert.
Die folgenden übergeordneten Leitfragen wurden in jedem Dialogforum bearbeitet:
» „Wo liegen Chancen, Bedarfe und Herausforderungen?“: Auf der Grundlage
der Erfahrungen der beteiligten ExpertInnen wurde erörtert, wie die aktuelle Situation hinsichtlich der jeweiligen thematischen Schwerpunktsetzung zu bewerten ist.
» „Was läuft gut?“: Positive Befunde und Ergebnisse wurden festgehalten.
» „Was könnte verbessert werden?“: Stolpersteine wurden diskutiert und verschriftlicht.
» „Empfehlungen“: Für jedes Themenfeld wurden Empfehlungen erarbeitet und
im Plenum präsentiert, die sich an Träger, Partner und Förderer richten.
Die Themen, die in den Dialogforen bearbeiteten wurden, bauten auf der Auswertung der Ergebnisse des 1. Fachkongresses im September 2016 auf. Ermittelt
wurde, welche Entwicklungen innerhalb eines Jahres vollzogen wurden. Gemeinsam mit den Trägern des Programms „Menschen stärken Menschen“ wurden bei
zwei Netzwerktreffen in Berlin aktuelle Fragestellungen identifiziert und anschließend durch das BBE-Projektteam ausgewertet, um weitere Fragestellungen und
Aspekte erweitert und in einem Kongresskonzept fortgeschrieben.
Dem Kongressprogramm können Kurzbeschreibungen der Themenstellungen
entnommen werden (Programm PatInnenkongress unter www.b-b-e.de/
fileadmin/inhalte/bbe-veranstaltung/2017/bbe-flyer-patinnenkongress-2017.pdf).
Interessierte LeserInnen finden die Präsentationen der ImpulsgeberInnen sowie
weitere Materialien auf der BBE-Projekthomepage ( www.b-b-e.de/projekte/
patinnen-mentorinnen-lotsinnen). Weiterführende Handlungsempfehlungen, die
in den Foren formuliert wurden, werden im Kapitel „Fazit und Empfehlungen“
gebündelt präsentiert.

35

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

DIALOGFORUM I
Zugänge zu Bildung gestalten:
Barrieren abbauen – Teilhabe stärken
Impuls
Dr. Mehmet Alpbek

Impuls
Wladimir Weinberg

Impuls
Katja Hintze

Impuls
Sophie von Wedel

Moderation
Melisa Bel Adasme

Moderation
Susanne Huth

Von: Melisa Bel Adasme und Susanne Huth

Im Dialogforum I beschäftigten sich die Teilnehmenden mit dem Thema PatInnenschaften im Bildungsbereich. Dabei nahmen sie die ganze Vielfalt der Bildungslandschaft in den Blick: von der frühkindlichen Bildung und der Kita über
die weiterführenden Schulen bis hin zu beruflicher Orientierung und zum Übergang in Ausbildung und Studium. In diesem Kontext wurden auch außerschulische Bildung sowie Bildung von Eltern und Familien berücksichtigt.
Dr. Mehmet Alpbek und Wladimir Weinberg vom Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe (bbt) eröffneten den ersten Teil
des Forums mit ihrem Input „Teilhabe stärken – Eltern empowern: Zugänge und
Herausforderungen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte im deutschen
Bildungssystem“. Im Anschluss berichteten Katja Hintze und Sophie von Wedel
von der Stiftung Bildung über das Projekt „SchülerPatInnenschaften“ in Kooperation mit den Kita- und Schulfördervereinen in Berlin-Brandenburg.
In der ersten Arbeits- und Diskussionsphase identifizierten die Teilnehmenden Herausforderungen, Bedarfe sowie Chancen von PatInnenschaften
im Bildungsbereich. Zu den Herausforderungen zählen die Komplexität des
Bildungssystems, die Schwierigkeit, Familien außerhalb von Schulen und Kitas zu erreichen sowie die hohen Erwartungen an Eltern im Erziehungs- und
Bildungsbereich. Hinzu kommt eine Überforderung von Erziehungs- und Bildungsinstitutionen, auch bedingt durch einen Mangel an finanziellen Ressourcen
und Planungsunsicherheit. Kontrovers wurde eine separate Beschulung junger
Geflüchteter diskutiert. Während einige Teilnehmende eine Separierung in Willkommensklassen problematisch fanden, standen andere einer Beschulung in
Regelklassen skeptisch gegenüber. In diesem Zusammenhang wurde auch der
fehlende Zugang zur Schule vieler junger Geflüchteter mit einer schlechten Bleibeperspektive bemängelt. Als allgemeine Herausforderungen wurden adäquate
Rahmenbedingungen für PatInnenschaften, die Abgrenzung von haupt- und eh-

36

Dialogforen

renamtlichen Aufgaben und Bereichen sowie der Umgang mit Erwartungen und
Haltungen von PatInnen und Begleiteten festgestellt.
Basierend auf diesen Herausforderungen wurden folgende Bedarfe festgestellt:
Mehrsprachige Informationen für Eltern, Übersetzungsdienste in Bildungseinrichtungen, länderbezogene Übersicht und Beratung zum Bildungssystem, Unterstützung für Eltern als Teil des Regelschulsystems, besondere Berücksichtigung
von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen und Sicherstellung einer nachhaltigen Begleitung, Aufklärung von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften,
Sammlung von Beispielen und Praxishilfen für Fachkräfte, Sensibilisierung für
schwierige Themen wie Traumata, mehr Fachkompetenz und Fachpersonal in den
Institutionen, mehr Transparenz und Kooperation zwischen den Trägern sowie InHouse-Mentoring in Betrieben und Unternehmen.
Als Chancen von PatInnenschaften im Bildungsbereich sehen die Teilnehmenden die Interkulturelle Öffnung der Bildungsinstitutionen und einen reflektierten
Umgang mit Diversität als Normalität, die Aktivierung von Ressourcen und Kompetenzen, gegenseitiges Lernen durch Kontakt, Begegnung und Offenheit sowie
die Unterstützung der Regel- und Fachdienste und -systeme. Chancen bestehen
zudem darin, das verbindende Element „Elternschaft und Bildungserfolge“ hervorzuheben, an gemeinsamen Themen und Interessen anzuknüpfen und so alle
Eltern zu erreichen. PatInnenschaften sind ebenfalls ein gutes Instrument, um
Rassismus und Diskriminierung entgegenzuwirken, Selbstreflexion anzuregen,
das Miteinander zu fördern und dabei MigrantInnennorganisationen und Flüchtlingsräte als Partner auf Augenhöhe einzubeziehen.

Empfehlungen
Für Förderer:
» PatInnenschaften im Bildungsbereich über die
Programlaufzeit hinaus stärken, ein dauerhaftes Patenschaftsprogramm etablieren sowie andere Träger
und Bereiche zulassen (z. B. Inklusion; die Frage nach
Weiterführung der Alt-PatInnenschaften 2016/2017
wurde kontrovers diskutiert)
» Teilaspekte des Sonderprogramms Bundesfreiwilligendienst (BFD) für/mit Geflüchteten über die Laufzeit hinaus (Ende 2018) ins BFD-Gesetz übernehmen
(z. B. Teilzeit und Sprachkurse)
» Vielfalt der Trägerlandschaft und Patenschaftsformen im Bildungsbereich (Lesecoaches, Lesepaten,
Elternlotsen, Elternbegleiter, Bildungspaten, Jobpaten, Mentoring, usw.) würdigen und wertschätzen
und ihre Wirkungen untersuchen, jedoch nicht nur
unter Effizienzgesichtspunkten
» Mehr Transparenz über die verschiedenen Bundesprogramme herstellen, damit es vor Ort zu einer
Verschränkung der verschiedenen Angebote in den
kommunalen Bildungslandschaften kommt und PatInnenschaften davon profitieren können
Für Programmträger:
» Ehrenamt strukturell durch Hauptamt stärken
» Spezifische Fachkompetenzen von Haupt- und

Ehrenamtlichen: Grenzbereiche aushandeln, definieren und transparent machen und mit dem Spannungsverhältnis produktiv umgehen
Für Partner und andere Akteure im
Bildungsbereich:
­
» Schulen adäquat mit Know-how (im Umgang mit
Ehrenamtlichen, aber auch mit Traumata) sowie mit
hauptamtlichem, qualifiziertem Fachpersonal ausstatten, so dass Partnerschaften hier besser wirken können
» Stärkung und Ausbau der Kooperation von
Bildungsinstitutionen mit MigrantInnenorganisationen, der kommunalen Engagementförderung,
Kammern und Betrieben sowie den kommunalen
BildungskoordinatorInnen
» Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt
als Normalität in den Bildungsinstitutionen implementieren
Für alle Akteursgruppen:
» Transparenz und Wissensmanagement: Erfahrung,
Know-how, Praxisbeispiele, Materialien usw., die im
Rahmen von Patenschaftsprojekten generiert werden, transparent machen und zur Verfügung stellen;
den Erfahrungsaustausch unter allen beteiligten
Akteuren verbessern

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

DIALOGFORUM II
Öffentlichkeitsarbeit:
Menschen gewinnen, Konkurrenzen vermeiden
Impuls
Katarina Peranic
Impuls
Dr. Rudolf Speth
Moderation
Rainer Hub

Von: Rainer Hub

In Dialogforum II wurden die Besonderheiten patenschaftlichen Engagements
herausgearbeitet, Empfehlungen für eine erfolgreiche Ansprache neuer Engagierter
formuliert und Konzepte einer Verbesserung von Öffentlichkeitsarbeit und Anerkennungsformaten in den Blick genommen. Katarina Peranic, Stiftung Bürgermut, und
Dr. Rudolf Speth, Maecenata Institut, brachten mit Impulsen die rund 40 heterogen
zusammengesetzten TeilnehmerInnen des Dialogforums auf einen gemeinsamen
Arbeitsstand. Die Moderation lag bei Rainer Hub, Diakonie Deutschland.
Katarina Peranics Impuls „Menschen gewinnen“ basierte auf den Erfahrungen der
StipendiatInnen der Stiftung Bürgermut und deren Teilnahme am Patenschaften
openTransfer Barcamp – eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte
und Ablauf von den Teilnehmenden zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und
im weiteren Verlauf gestaltet werden. Am besten würden neue Engagierte durch
direkte Ansprache auf eigenen Veranstaltungen erreicht und für ein Engagement
gewonnen. Pressearbeit und die Vermittlung durch lokale Freiwilligenagenturen
funktioniere am besten bei Senioren. SchülerInnen und Studierende erreiche man
hingegen am besten über soziale Netzwerke und Messaging-Dienste. Der Spitzenreiter unter den Kommunikationskanälen sei die Mund-zu-Mund-Empfehlung,
beispielsweise über Freiwillige aus bestehenden Teams oder Partner.
Rudolf Speth hielt einen Beitrag zum Thema „Geflüchtete als Engagierte“ und
stellte aktuelle Ergebnisse des Forschungsprojekts „Engagiert in neuer Umgebung“ vor, das die Ressourcen, die Selbstwirksamkeit und das Engagement von
Geflüchteten untersuchte. In Kommunen in verschiedenen Regionen Deutschlands wurden Interviews geführt, um zu erheben, in welchen Kontexten sich Geflüchtete engagieren, warum sie dies tun und was förderliche Bedingungen sind,

38

Dialogforen

mit denen die Handlungsfähigkeit von Geflüchteten verbessert werden kann.
Kulturelle Bezüge und religiöse Identitäten zeigen sich dabei als höchst relevant
und sollten besser wahrgenommen und genutzt werden.
Den Impulsen nachfolgend erarbeiteten die DialogforumteilnehmerInnen neben
Chancen und Bedarfen auch Herausforderungen in der aktuellen Projektphase –
auch angesichts der gesellschaftlichen Situation und Stimmung. Für die erfolgreiche Gewinnung von Menschen für PatInnenschaften spiele die Kontinuität der
Angebote eine wichtige Rolle. Vielfältige Angebote zu festen Terminen und an
festen Orten erleichterten den Zugang für interessierte Geflüchtete und Engagierte. Grundlegend sei zudem eine gesicherte fortlaufende Finanzierung, um die
Kontinuität gewährleisten zu können.
Die Ideen und Bedarfe der Geflüchteten müssten gehört und eingebracht werden,
damit auch ihre Perspektive und Wünsche an PatInnenschaften in das Engagementkonzept einfließen können.
Die Motivation der PatInnen zu erhalten, wurde von den Diskutierenden als eine
der größten Hürden genannt. Dazu zählten auch die Rahmenbedingungen wie die
unsichere Anschlussfinanzierung der Projekte und die derzeitige politische Lage,
die die Motivation maßgeblich erschwerten.

Empfehlungen
Als Conclusio sind abschließend Empfehlungen differenziert an die Adressaten
Träger, Partner und Förderer erarbeitet worden, die für die künftige Gewinnung
von PatInnen mit und ohne Fluchterfahrung als hilfreich und zielführend festgehalten wurden:
Für Programmträger:
» Es gilt die Ressourcen der Engagierten aufzunehmen bzw. deren Kompetenzen im
Rahmen des Engagements (weiter) zu entwickeln (Wer eine Flucht von Syrien oder
Irak nach Deutschland gemeistert hat, hat auch Ressourcen für ein Engagement).
» Wichtig dabei ist die Engagements medial vielfältig und spezifisch sichtbar zu
machen und diese auch durch wertschätzende Handlungen sichtbar zu machen.
» Engagements bzgl. Aufgaben, Aktivitäten und den zeitlichen Umfang betreffend zu definieren, ist hilfreich bei der Gewinnung von Engagierten.
» Von Anbeginn an sind die einzelnen Engagements jeweils hinsichtlich Zeitumfang und Engagementdauer zu strukturieren; insbesondere ist dabei auch eine
mögliche Ausstiegs- bzw. Beendigungsoption festzuhalten (die man situationsund beziehungsadäquat jeweils neu anpassen kann).
» Unerlässlich ist eine begleitende Engagement-Infrastruktur, die durch Hauptamtliche gesteuert wird.
Für Partner:
» Partner vor Ort sind gut, Netzwerke aus vielen Partnern noch besser.
» Zwischen diesen sollen Perspektivenwechsel möglich sein und das Networking
auf Augenhöhe erfolgen.

39

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

» Die Vernetzungen und Netzwerkpartner sollten möglichst aus verschiedenen Lebens- und Arbeitswelten sowie aus inter- und multikulturellen Bezügen
heraus agieren, so dass verschiedenste kulturelle Kompetenzen zur Geltung und
Gestaltung kommen.
» Abgestimmte und gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit wirkt a) über dann breitere
Verteiler und b) durch passgenaue Formate der Öffentlichkeitsarbeit zielgenauer
(„Der Fisch muss dem Köder schmecken, nicht dem Angler“).
» Wichtig dabei ist, dass die Partner sich als Akteure im Sozialraum (Quartier)
verstehen und im Quartier durch weitere Vernetzungsaktivitäten ihr Handeln optimieren (Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile); bspw. durch Kooperation
mit einer (regionalen) Zeitung (Stichwort Kolumnen zu Flucht/ über Geflüchtete
und deren Lebenssituation vor Ort).
» An der Schnittstelle von Engagement und Arbeitswelt können Partner in Netzwerken unterstützend sein, um engagierten Geflüchteten zu ermöglichen auch
ArbeitnehmerIn zu werden.
Förderer:
» Wer PatInnenschaften und Geflüchtete längerfristig als in einjährigen Projekten
fördert, erzielt pro investiertem Euro eine vielfach höhere (Aus-)Wirkung.
» Potenziert werden würde dies noch durch Förderbestimmungen, die so unbürokratisch wie möglich sind.
» Bessere (gute) Förderprogramme müssen zwischen den föderalen Ebenen (Kommune – Land – Bund – Europa) besser abgestimmt werden.
» Die Flexibilität und Kreativität der Träger bzgl. möglicher Mittelidentifizierung
und verschiedenster, auch zivilgesellschaftlicher Förderer (Stiftungen, Kirchen
etc.) gilt es zu optimieren.
» PatInnenschaften von und für Geflüchtete sind 2017 und in den Folgejahren
längst kein Selbstläufer mehr, so dass Werbung und Werbekampagnen zu planen
und umzusetzen sind, um aus der Willkommenskultur eine Integrations- und Teilhabekultur (Partizipation!) zu ermöglichen.

Empfehlungen
Für Träger:
» Ressourcen aufnehmen & Kompetenzen entwickeln
» Engagement sichtbar machen & wertschätzen
» Engagements definieren
» Engagements zeitlich strukturieren, dabei auch
eine Ausstiegskultur thematisieren
» Infrastruktur & Hauptamt für Engagement
» Netzwerkarbeit und Kooperationen mit allen
Akteuren
Für Partner:
» Perspektivenwechsel & Augenhöhe
» Vernetzung & Netzwerkpartner (interkulturell!)
fordern

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» Kooperationspartner aus fremden Lebens- und
Arbeitswelten
» Sozialraumkoordination (im Quartier)
» Engagement & Arbeit
» Öffentlichkeitsarbeit zusammen & vielfältig (der
Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem
Angler)
Für Förderer:
» Finanzierungsmöglichkeiten längerfristiger Art …
» … und das so unbürokratisch wie möglich
» Bessere (gute) Förderprogrammabstimmung
» Ehrenamtspauschale & Auslagenerstattung
» Flexibel & kreativ bzgl. Förderer unterschiedlicher
Art

Dialogforen

DIALOGFORUM III
Wege in die Arbeitswelt:
Zugänge ermöglichen, sektorenübergreifend begleiten
Impuls
Kadim Tas
Impuls
Sefer Öncel
Moderation
Brigitta Wortmann
Moderation
Justus Germer

Von: Brigitta Wortmann und Justus Germer

Seit 2016 nimmt die Zahl der Flüchtlinge, Asylbewerber und Geduldeten, die als
arbeitssuchend gemeldet sind, stetig zu. Somit gewinnen auch Fragen zur Integration in den Arbeitsmarkt in den Mentoring- und Patenschaftsbeziehungen eine
stetig größere Bedeutung. Dies spiegelte sich auch in der enormen Nachfrage an
diesem Dialogforum wider.
Eingeführt wurde in das Dialogforum durch zwei Impulse, zum einen aus der
Perspektive der Agentur für Arbeit, zum anderen aus der Perspektive des Mentoringprogrammes JOBLINGE Kompass.
Sefer Öncel, von der Regionaldirektion NRW der Agentur für Arbeit, stellte die
sogenannten Integration Points (IP) vor. Diese sind einheitliche gemeinsame Anlaufstellen – flächendeckend in NRW ausgerollt –, in denen geflüchtete Menschen
abgestimmte Beratung und Unterstützung durch eigens spezialisierte Fachkräfte
erhalten, um sie an den Arbeits- und Ausbildungsmarkt heranzuführen und ihnen
die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das Rahmenkonzept
der IP sieht auch eine Einbeziehung von ehrenamtlichen Strukturen in den Beiräten vor. Ob dies auch von den lokalen Standorten so umgesetzt wird, blieb offen.
Aus Sicht der IP ist es besonders wichtig Zugänge zu den geflüchteten Menschen
zu schaffen und Vertrauen aufzubauen – hier sehen sie in den PatInnen eine
wichtige Brückenfunktion, um eine enge Zusammenarbeit herstellen und Barrieren zu überwinden.
Kadim Tas, Regionalleiter der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain und operativer
Vorstand der JOBLINGE-Dachorganisation e. V., stellte das Mentoringprogramm
„JOBLINGE Kompass“ vor. Mit ihm „erarbeiten“ sich Geflüchtete selber Schritt

41

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

für Schritt einen Ausbildungsplatz. Unterstützt werden sie hierbei durch berufs- und lebenserfahrene Personen. Die Rolle und Aufgabe der MentorInnen
liegt dabei in der langfristigen Motivationsstütze, dem regelmäßigen Kontakt,
Aufbau von Vertrauen, und auch darin, Rollenvorbild zu sein. Das Ziel ist eine
„ideale Vorbereitung ins Berufsleben“. Die Unterstützung beim Spracherwerb,
der Förderung von Eigenverantwortlichkeit und die Unterstützung auf dem Weg
in Arbeit bzw. in Ausbildung stehen hier im Vordergrund. Die Jobvermittlung
oder auch Behördengänge sind dagegen nicht Teil der Aufgabe. Von der Phase
der Orientierung bis zur Stabilisierung nach Anstellung im Unternehmen ist ein
maximaler Zeiteinsatz von ca. sechs Monaten vorgesehen.
In der folgenden Diskussion wurden durchgängig immer wieder die Rollen von
MentorInnen und PatInnen reflektiert sowie Möglichkeiten und auch Grenzen von
PatInnenschaften. Dabei ist es sicherlich auch wichtig zu berücksichtigen, dass
die Form, wie PatInnenschaften aufgesetzt sind, sehr variiert. Wenn es auch einige
Gemeinsamkeiten gibt zwischen Mentoring und PatInnenschaften, so fokussiert
sich ersteres v. a. auf die Begleitung und Weitergabe von fachlichem Wissen wie Berufserfahrungen, während im Rahmen des Letzteren v.a. die fürsorgliche Beziehung
und Begleitung eines Menschen in einer besonderen Lebenssituation im Mittelpunkt
steht (siehe dazu auch den UPJ-Leitfaden „PatInnenschaften für Integration“).
Die Rahmenbedingungen unter denen Geflüchtete den Weg in die Arbeitswelt
suchen, u. a. die unklare Bleibeperspektive, wurden als ganz entscheidende
Voraussetzung gesehen, da sie sowohl bei PatInnen als auch bei Betrieben und
ArbeitgeberInnen für Unsicherheit sorgt.
Das bereits bestehende Spannungsverhältnis zwischen den ehrenamtlichen PatInnen und der hauptamtlichen Integrationsinfrastruktur wird am Thema Zugang zur
Arbeitswelt als noch gravierender gesehen, da die Strukturen für Außenstehende unübersichtlicher und komplexer werden. Zusätzlich zur Integrationsstruktur kommen
die Arbeitsmarktstruktur und ihre Akteure inkl. ihrer spezifischen „Spielregeln“ hinzu.
Als Hauptthemen kristallisierten sich im Verlauf des Dialogforums die Themen
Informationstransfer und Räume des Austausches heraus, was sich auch in den
Handlungsempfehlungen niederschlägt.

Empfehlungen
Für Programmträger und lokale Partnerorganisationen (23 & rd. 600):
» Das Wissensmanagement muss auf der Ebene der Träger organisiert werden
und es besteht in vielen Programmen noch die Notwendigkeit die Kommunikationswege besser zu gestalten, so dass die Informationsweiterleitung auch an die
PatInnen besser funktioniert.
» Es ist Aufgabe der Programmträger auch als InitiatorInnen von „Runden
Tischen“ zum Thema „Wege in die Arbeitswelt“ zu fungieren. Hier sollte es eine
gemeinsame Verantwortung zur gegenseitigen Einbindung in solche Austauschformate geben, also sowohl seitens der Programmträger, als auch von Partnern
und Institutionen wie z. B. Jobcentern, Kommunen etc.

42

Dialogforen

» Im Kontext der einzelnen Patenschaftsprogramme ist eine Rollenklärung für
PatInnen in Bezug auf die Betreuung der Newcomer in den deutschen Arbeitsmarkt wichtig.
» Aufsetzen von und Zugänge schaffen zu Fortbildungsangeboten für PatInnen
zum Thema Übergang Schule in die Arbeitswelt.
» In der Struktur der Programmträger ist es wichtig, dass die Vertretung der Ehrenamtlichen gewährleistet ist.
Für Partner (z. B. die Kommunen, Jobcenter):
» Aufbau bzw. Förderung von einer klaren Struktur zur Unterstützung der Arbeitssuchenden in den Arbeitsmarkt, sprich einer Koordinationsstelle, die alle
Akteure und zuständigen Institutionen einbezieht, so auch die Patenschaftsorganisationen und Ehrenamtlichen.
» Einbindung der ehrenamtlich Engagierten in diese Austauschplattformen
(siehe oben: gemeinsame Verantwortung, dass alle an einem Tisch sitzen), siehe
Runde Tische und Grundkonzept der Integration Points.
» Der Zielgruppe angepasste Zugänge in die Unternehmen schaffen (rein schriftbasierte Online-Anmeldetools wurden z. B. als eher hinderlich bewertet).
Für Förderer auf Bundes- und Länderebene:
» Bündelung von Zugängen zum Know-How durch die Schaffung einer zentralen,
öffentlichen Wissens- und Informationsplattform zum Thema „Wege in die Arbeit“,
die ressort- und institutionsübergreifend ist. Diese sollte dann auch eine Verlinkung zu der „Menschen stärken Menschen“-Webseite bieten.
» Leitfaden – Meta-Ebene: Wege in die Arbeitswelt mit PatInnen-Begleitung.
» Austausch zwischen den Programmträgern (23 + BMFSFJ) zum Themenkreis
intensivieren.

Empfehlungen
Übergeordnete Themen:
» Unklarheiten der Rahmenbedingungen (Bleibeperspektive)
» Offene Fragen hinsichtlich der Rollen von Engagierten und Hauptamtlichen
» Spannungsfeld zwischen PatInnenprogrammen
und Integrationsinfrastruktur wird beim Thema
Zugang zur Arbeitswelt noch gravierender
» Hauptthemen: Informationstransfer, Räume des
Austausches
Für 23 Programmträger, 600 Letztempfänger:
» Wissensmanagement muss auf der Ebene der Träger organisiert werden
» Bessere Kommunikationswege/ Infoweiterleitung
im Programm
» Auch InitiatorIn von „Runden Tischen“
» Rollenklärung für PatInnen in Bezug auf Arbeitsmarkt

» Fortbildungsangebote (Übergänge Schule/ Beruf)
» Ehrenamtsvertretung bei Programmträgern
» Verantwortung für gegenseitige Einbindung (Programmträger + Partner)
Für Partner:
» Klare Struktur: Koordinator für Arbeit in den Kommunen, inkl. Einbindung Patenorganisation
» Einbindung Engagierte, z. B.: Runde Tische/ Integration Point
» Anderer Zugang in die Unternehmen für BewerberInnen
Für Förderer:
» Zentrale Wissensplattform „Arbeit“ mit Verlinkung
zu „Menschen stärken Menschen“
» Austausch zwischen den Programträgern (23 + 1)
» Steuerungswissen
» Leitfaden – Meta-Ebene: Wege in die Arbeitswelt
mit PatInnen-Begleitung

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

DIALOGFORUM IV
Vorbereiten, Matchen, Begleiten: Gute Praxis von Beginn
bis zum Ende
Impuls, Moderation
Lena Blum
Impuls, Moderation
Volker Uhl

Von: Lena Blum und Volker Uhl

In Dialogforum IV wurden Bedarfe und Herausforderungen einer guten Koordination
von Tandems diskutiert und mit wissenschaftlichen Einsichten aus der Mentoringforschung abgeglichen, um Empfehlungen sowohl für KoordinatorInnen als auch
für Programmträger und Förderer zu formulieren. Dazu führten Lena Blum und Volker Uhl von den Landungsbrücken Hamburg mit zwei Inputs in die verschiedenen
Arbeitsphasen der Koordination von Tandems und der hybriden Rolle von MentorInnen ein und übernahmen zugleich die Moderation im Dialogforum.
Im ersten Input legten Blum und Uhl dar, dass KoordinatorInnen vielfältige Aufgaben zu bewältigen haben, die weit über das Matching zweier Personen oder die
Begleitung von Tandems hinausreichen. Methodisch betrachtet lässt sich eine
gute Koordination in die sechs Phasen Akquise, Auswahl, Einführung, Matching,
Begleitung und Abschluss einteilen. Jede dieser Stufen erfordere unterschiedliche
Kompetenzen auf Seiten der KoordinatorInnen. In der Akquisephase gelte es beispielsweise Projektaufbau und -ziele zielgruppengerecht zu formulieren, um gezielt
MentorInnen und Mentees für das Vorhaben zu gewinnen, während in der Phase
der Begleitung der regelmäßige Austausch mit den Tandems und den eigenen MitarbeiterInnen im Fokus stehe. Im zweiten Input standen die verschiedenen Rollen,
welche MentorInnen in einem Tandem haben können, im Fokus. Die verschiedenen
Rollen spiegelten sich bereits in der Namensvielfalt wider: PatIn, MentorIn, LotsIn
etc. In diesem Zusammenhang führten die InputgeberInnen das Konzept der hybriden Rollen nach Dr. Limor Goldner von der Universität Haifa in Israel ein, die das
Mentoring Programm Preach in den USA zwölf Jahre leitete. Nach Dr. Goldner sollten MentorInnen in der Lage sein, sich bei ihrer Rolle nach den aktuellen Bedürfnissen des Mentees zu orientieren und sich zwischen diesen Rollen frei zu bewegen.
Im Anschluss an die Inputs waren die Teilnehmenden des Dialogforums eingeladen,
aus ihrer eigenen Erfahrung bezüglich der Vorbereitung, der Begleitung und des
Matchings der Tandems zu berichten. Als Gelingensfaktoren für eine gute Koordi-

44

Dialogforen

nation und damit auch eine erfolgreiche PatInnenschaft identifizierten die DiskutantInnen Faktoren wie persönliche Erstgespräche, begleitende Kennenlerntreffen,
offene Sprechstunden, die örtliche Nähe der KoordinatorInnen zu den Tandems,
sowie Angebote für einen regelmäßigen Austausch. Hinderlich für eine gute Begleitung sei hingegen beispielsweise, wenn die Zusammenarbeit zwischen KoordinatorInnen und SozialarbeiterInnen nicht gut laufe, die KoordinatorInnen als auch
MentorInnen unzuverlässig agierten oder aufgrund mangelnder Kommunikation in
der Auswahl- und Einführungsphase Erwartungen und Ziele aller Beteiligten diffus
blieben. Besondere Herausforderungen stellten weiterhin Sprachbarrieren dar, die
eine gute Begleitung durch KoordinatorInnen erschweren. Zu den im Dialogforum
gemeinsam erarbeiteten Lösungen gehörten so unterschiedliche Vorschläge wie
die Durchführung von Zielvereinbarungstreffen oder stetige Treffen zur Rollenklärung. Besonders hervorgehoben wurde, dass KoordinatorInnen die Tandems als
soziales System bestehend aus MentorIn und Mentee im Blick haben und sich nicht
lediglich als „Anwälte“ der ehrenamtlichen MentorInnen sehen sollten.
Gemeinsam wurden folgende Gelingensfaktoren für, Bedarfe und Herausforderungen bei Matching und Begleitung identifiziert:
Matching – Was läuft gut?
» Offene Sprechstunde
» Wohnortnähe
» Online-Fragebogen
» Persönliches Erstgespräch
» Individuelle Bedürfnisse beider Seiten
» Begleitendes Kennenlerntreffen
Matching – Wo gibt es Probleme?
» Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern
» Bei 1:1-PatInnenschaften die Frage nach dem Matchen von Frauen und Männern
» Verlässlichkeit
» Unklare Erwartungen aufgrund zeitlicher Ressourcen
» Sprachbarrieren
» Mehrere PatInnen für eine Person
Matching – Lösungen
» Stetige Rollenklärung
» Zielvereinbarungstreffen
» WhatsApp als kurzer Kommunikationsweg
» Gute Begleitung
Begleitung – Was läuft gut?
» Austauschtreffen für PatInnen
» Newsletter für PatInnen
» Online-Foren zum Austausch
» Regelmäßiger Kontakt und Nachfragen durch KoordinatorInnen
» Regelmäßigkeit von Angeboten
» Ordner mit Material zu Infos & Anregungen für die Tandems

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

Begleitung – Was sind die Herausforderungen?
» Zeitmangel der MentorInnen, PatInnen
» Altersunterschied der MentorInnen und Mentees
» Vereinnahmung von PatInnen durch Gepatete
Begleitung – Lösungen
» Regelmäßiger Zeiteinsatz der Koordinatoren
» Rollen thematisieren und klären
» Familie mit einbinden
» Nicht nur die „Anwälte“ der Gepateten sein
» Ziele stetig überprüfen
» Rahmen schaffen für Themen jenseits der Patenschaft
» Interkulturelle Workshops
» PatInnenschaften anpassen
» Regelmäßige Aktivitäten

Empfehlungen
Für Programmträger:
» Angemessene Planung von Zeitressourcen für
die Koordination (abhängig von Zielgruppe und
Aufgaben)
» Planungssicherheit für die Anstellung der hauptamtlichen Koordination
» Gute und regelmäßige Kommunikation mit lokalen
Projekten
» Evaluation und Qualitätsmanagement einplanen
» Methodenbox für die Arbeit in der Praxis
» Qualifizierung und Supervision für Koordinatoren
» Vernetzungs- und Austauschtreffen der Koordinatoren
Für Kooperationspartner:
» Persönliche Erstgespräche für Mentor und Mentee
» Kriteriengestütztes Matching
» Enge, nachfassende Begleitung von Mentor/
Mentee
» Einbindung von Social Media (z. B. Whats App
Gruppen)
» Standards und Anforderungen schriftlich fixieren
und kommunizieren (Spielregeln, Leitfäden,…)
» Offener Austausch mit anderen Akteuren, Kooperationspartnern und Programmträgern
» Lokale Vernetzung der PatInnenprojekte

46

Für Förder:
» Langfristige Förderung (nicht nur für ein Jahr)
und Verankerung im Haushalt (vom Projekt zur
strukturellen Förderung)
» Ausreichende Personalmittel für PatInnenschaftskoordination bereitstellen
» Finanzierung der Verstetigung von PatInnenschaften
» Qualität statt Quantität
» Wissenstransfer ermöglichen (z. B. allgemeine
Leitfäden)
» Realistischer Aufwand für Evaluation / Dokumentation

Dialogforen

DIALOGFORUM V
Interkulturalität als Chance:
PatInnenschaften in einer vielfältigen Gesellschaft
Impuls
Prof. em. Dr. Ursula Boos-Nünning
Impuls
Mamad Mohamad
Moderation
Marianne Ballé Moudoumbou

Von: Marianne Ballé Moudoumbou

Im Dialogforum V wurde die Frage diskutiert, wie Vielfalt in Organisationstrukturen,
Projektkonzeptionen und deren Umsetzung, Medien und Kommunikation sowie
in Unternehmen Eingang finden und konsequent umgesetzt werden kann. Prof.
em. Dr. Ursula Boos-Nünning, Universität Duisburg-Essen, und Mamad Mohamad,
Landesnetzwerk MigrantInnenorganisationen Sachsen-Anhalt e. V., hielten einführende Impulse. Die Moderation lag bei Marianne Ballé Moudoumbou, Zentralrat der
afrikanischen Gemeinde in Deutschland e. V., Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung, Teilhabe, Vielfalt (bbt).
Als Einstieg in das Forum haben wir gemeinsam eine gedanklichen Reise in die
schöne Utopie einer diskriminierungsfreien Welt unternommen und ihre Bedeutung
für PatInnen erörtert. In dieser Welt werden die Mentees in alle Bereiche des Entscheidungsprozesses einbezogen. Die Organisationen von Menschen mit Fluchtbzw. Migrationserfahrung wirken in jeder Etappe an der Erarbeitung des Konzepts,
der Planung, der Durchführung und der Evaluierung eines Projektes bzw. einer
Maßnahme mit. Die PatInnen begleiten die Mentees in allen Lebensphasen und
werden auch selbst sowohl im Alltag als auch in emotional schwierigen Situationen
begleitet. Bald mussten wir wieder auf dem trockenen Boden der Realität landen.
Der Ausgangspunkt für unsere folgende Diskussion war die Frage, welche Voraussetzungen für PatInnenschaften als eine Verbindung zwischen gleichberechtigten
PartnerInnen erfüllt sein müssen.
Als erster Schritt wurde die Öffnung der Fortbildungen genannt. Das Asyl- und
Ausländerrecht ist dadurch gekennzeichnet, dass es Menschen in unterschiedliche
Kategorien einteilt, die per se eine diskriminierende Wirkung haben. Der Zugang
zu Fortbildungen hängt weitgehend vom Aufenthaltsstatus bzw. vom Herkunftsland und der damit verbundenen „Bleibeperspektive“ der einzelnen Personen ab.
Im Rahmen einer PatInnenschaft ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle
TeilnehmerInnen – MentorInnen und Mentees – an den Fortbildungen teilnehmen

47

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

können. Nur dadurch können sich alle TeilnehmerInnen als gleichberechtigte
PartnerInnen auf einem gemeinsamen Weg betrachten und sich gemeinsam als
Menschen weiter entwickeln und entfalten.
Als weitere wichtige Voraussetzung für eine gleichberechtigte, diskriminierungsfreie, gelungene Mentee/PatInnenbeziehung wurden die Sprache, der Sprachgebrauch und die Haltung genannt. Dieser Bereich lässt sich durch einen einzigen
Ausdruck zusammenfassen: „Paternalismus ade!“. Studien belegen, dass 80%
der menschlichen Kommunikation über nonverbale Kanäle abläuft. Ein lässiges
Streicheln über die Wange der Mentee durch die PatInnen steht also im völligen
Gegensatz zur Bekenntnis einer Beziehung auf Augenhöhe. Eine rassismus- und
diskriminierungsfreie Sprache umfasst auch die nonverbale Kommunikation.
Diese Sprachpolitik funktioniert jedoch nur im größeren Rahmen eines „cultural
mainstreaming“, das sich hinsichtlich kultureller Vielfalt, Interkulturalität und Teilhabe auch auf die strukturelle Ebene von Trägerorganisationen auswirkt.
In den PatInnenschaften gewinnen Mentees oft den Eindruck, dass PatInnen sich
in einer privilegierten, sicheren Situation befinden, weil sie jederzeit die Patenschaft „kündigen“ und zum „Alltag“ zurückkehren können, während PatInnen sich
die Frage stellen, ob ihr Engagement wirklich geschätzt wird. In dieser Konstellation ist es keine leichte Aufgabe, das Menschliche – im positiven, wertschätzenden
Sinne des Wortes – in den Vordergrund zu stellen, Empowerment zu praktizieren
und ressourcenorientiert zusammenzuarbeiten. Mentees sind erwachsene Menschen mit langjähriger Erfahrung aus verschiedenen Kontinenten bzw. Kinder und
Jugendliche, die in vielen Fällen schlimme Erfahrungen gemacht haben, die den
meisten hier lebenden Erwachsenen und Gleichaltrigen glücklicherweise erspart
bleiben. Auf der anderen Seite sind PatInnen Menschen, deren Erfahrungsschatz
und Erlebnisse nicht unbedingt während der ersten Gespräche zum Vorschein
kommen. Voneinander zu lernen bedeutet zuzuhören, miteinander lange Gespräche zu führen und viel Geduld aufzubringen.
Um weder Mentees noch PatInnen zu überfordern, haben sich „PatenschaftsVerträge“ als nützlich erwiesen, in denen Mentee und PatIn den Rahmen der
PatInnenschaften festlegen, wie beispielsweise die Häufigkeit der Treffen, ihre
zeitliche Erreichbarkeit, aber auch das Verbot finanzieller Anfragen und Annäherungen mit sexuellem Charakter.
Ein wichtiger Schritt ist die Anerkennung von Migration als ein Bestandteil des
individuellen und kollektiven Lebens. „Cultural Mainstreaming“ sei hier als Schlagwort genannt. Das Leben einer/s Mentees lässt sich nicht auf das „Heimatland“
reduzieren. Das Gleiche gilt für PatInnen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt
„typisch deutsch“ aussehen. Qualifizierungsmaßnahmen und Weiterbildungsseminare, die von Mentees und PatInnen gemeinsam besucht werden sollten, müssen
zum Ziel haben, dass alle über den Tellerrand schauen, die eigenen Vorurteile in
Frage stellen und ihren Horizont erweitern.
Sowohl PatInnen als auch Mentees sollten losgelöst von Herkunft, Aufenthaltsstatus, ethnischen und sonstigen Zuschreibungen ganzheitlich als Menschen

48

Dialogforen

begegnet werden. Ohne eine politische Gleichstellung der Mentees ist „Cultural
Mainstreaming“ jedoch wirkungslos. Dieser Aspekt ist auch in der Mentee/PatInnen-Beziehung zu berücksichtigen. Nichts desto trotz ist in Maßnahmen, Programmen und Projekten die Lebenssphäre der Mentees als MigrantInnen stärker zu
akzeptieren und zu berücksichtigen. Träger- und Förderorganisationen sollten aktiv
auf Menschen mit Flucht- bzw. Migrationserfahrung und deren Organisationen zugehen und sie frühzeitig in die Konzeption von Programmen einbinden. Kooperationen auf institutioneller Ebene zeichnen sich vorrangig durch eine Aufgabenteilung
aus, bei der die Trägerorganisationen Konzept und Struktur vorgeben sowie Finanzen bereitstellen und die Organisationen von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte für die „Akquise“ der TeilnehmerInnen zuständig sind. Sprachvielfalt
sollte bereits bei der Konzeptualisierung von Programmen bedacht werden. Um
Menschen zu erreichen sind Community-interne wie Community-übergreifende
Strategien unerlässlich. Zudem sollte interkulturelle Sensibilisierung medienübergreifend erfolgen und entsprechende Fortbildungsmaßnahmen für RedakteurInnen
und JournalistInnen entwickelt werden.
Besonders im ländlichen Raum brauchen die AkteurInnen Arbeitshilfen wie Methodenboxen und Literaturlisten, zu denen sie online und offline Zugriff haben. Ein verstärkter Austausch zwischen ländlichen und städtischen Regionen sowie unter den
ländlichen Regionen der verschiedenen Bundesländer würden alle TeilnehmerInnen
des Dialogforums begrüßen. Wie wir in der Mentee-PatInnenbeziehung auf Organisationsebene, sowie in den Träger- und Förderinstitutionen zusammenarbeiten
wollen, darf nicht dem Zufall überlassen werden. Die gemeinsame Erarbeitung
eines Leitbilds scheint eine gute Möglichkeit zu bieten, einen gemeinsamen Nenner
auf hoher Ebene zu finden, um den Weg für Interkulturalität zu ebnen.
Eine Frage konnten wir im Handlungsfeld V nicht lösen: wie groß die Bereitschaft zur Änderung, Öffnung und Teilung bleibt, wenn es nicht mehr nur um
das Brot, sondern vielleicht etwas später, in der näheren Zukunft oder schon
jetzt um die Wurst geht.

Empfehlungen
Für PatInnen:
» Alltag und Grenzsituationen, Begleitung von
Menschen in allen Lebensphasen
Für Programmträger:
» Online-Seminare / Webseminare
» Erfahrungen der Menschen mit Fluchterfahrung
im Vordergrund
» Quote auf Entscheidungsebene
» Freiwilligenagenturen öffnen
» Öffnung lokaler Untereinheiten
» Kooperationen forcieren
» Öffnen der Fortbildungen

Für Förderer:
» Entbürokratisierung
» Strukturförderung für die stärkere Mitwirkung
und Mitgestaltung der Organisationen von Menschen mit Flucht/Migrationsgeschichte
» Trägerschaft öffnen
» Soziale Räume als Ausgangspunkt für die Erarbeitung von Konzepten
» Regelung für SprachmittlerInnen

49

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

DIALOGFORUM VI
Brücken schlagen:
Kooperationen für die nachhaltige Prozeßsteuerung
Impuls
Gudrun Kirchhoff
Impuls
Katja Henze
Impuls
Anja Herde
Moderation
Carola Schaaf-Derichs

Von: Carola Schaaf-Derichs

Das Dialogforum VI widmete sich der Frage, welche Wirkungen Kooperationen
erzeugen und wie sie initiiert und gut begleitet werden können. Gudrun Kirchhoff,
Deutsches Institut für Urbanistik, Katja Henze, Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte der Stadt Weißenfels, und Anja Herde, UPJ e. V., gaben einführende
Impulse. Die Moderation des Dialogforums lag bei Carola Schaaf-Derichs, Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin, BBE-SprecherInnenrat.
Gudrun Kirchhoff und Katja Henze berichteten aus dem Forschungs-PraxisProjekt „Vielfalt in Zentren von Klein- und Mittelstädten“, das die Förderung der
sozialräumlichen Integration und der gesellschaftlichen Teilhabechancen von
Zuwanderern sowie die Stärkung der städtischen Identität und zivilgesellschaftlicher Strukturen zum Ziel hat. Gleichzeitig soll eine Attraktivität der Zentren durch
eine Verknüpfung stadtentwicklungs- und integrationspolitischer Handlungsansätze erreicht und für kommunale Akteure übertragbares Handlungs- und Orientierungswissen erarbeitet werden.
Anja Herde gab einen Impuls zu Unternehmenskooperationen und PatInnenschaften und beleuchtete darin das breite Spektrum des Engagements von
Unternehmen sowie deren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung im Feld des
Corporate Citizenship. Besonderes Augenmerk legte sie auf die Umsetzung und
Erfolgsfaktoren von Unternehmensengagement mittels PatInnenschaften.
In der anschließenden Diskussion wurden Gelingensfaktoren und Hürden für Kooperationen im Feld Engagement für Geflüchtete sowie Stärken und Schwächen
des Programms „Menschen stärken Menschen“ in diesem Bereich identifiziert.
Als wesentliche Faktoren für den Erfolg von Kooperationen wurden einstimmig eine transparente und sensible Kommunikation zwischen den beteiligten
Akteuren aller Sektoren, eine gute Koordination mit klarer Leitungsebene und

50

Dialogforen

AnsprechpartnerInnen sowie eine gemeinsame Zielsetzung und deren kontinuierliche Überprüfung genannt.
Mangelnde personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen, Konkurrenzdenken
zwischen einzelnen Akteuren, Parallelstrukturen bei Angeboten und Schulungen
und mangelnde Priorisierung im Prozess waren die größten Hürden für eine gelingende Kooperation.
Als große Stärke des Programms „Menschen stärken Menschen“ wurde die politische Unterstützung durch das BMFSFJ genannt. Den Programmträgern werde
eine Infrastruktur bereitgestellt, auf die sie aufbauen können. Die Planungsunsicherheit nach 2018 erschwere jedoch die langfristige Kooperation mit Partnern
und Unternehmen.
In der Diskussion wurde bemängelt, dass in Großstädten viele professionelle Träger und Akteure mit langjähriger Erfahrung aktiv, im ländlichen Raum jedoch nicht
in diesem Maße vor Ort seien.
Auf allgemeiner Verwaltungsebene würden festgefahrene Strukturen herrschen
und es fehle an Offenheit für Neues. Es brauche eine langfristige flächendeckende Einführung von FreiwilligenkoordinatorInnen als Querschnittsaufgabe auf allen
Ebenen in den Verwaltungen.
Finanzielle Mittel würden für den Aufbau von Verwaltungskompetenz auf kommunaler Ebene besonders in den neuen Bundesländern benötigt. Gleichzeitig
müssten Kommunen prüfen, inwieweit sie zusätzliche Stellen brauchen oder ob
sie bestehende Strukturen effektiver nutzen können.
Auf Programmebene von „Menschen stärken Menschen“ müsse gefragt werden,
ob eine Assoziierung aller beteiligten Programmträger hilfreich wäre, um mit
gebündelter Kraft, Kompetenzen und Ressourcen gezielt Lobbying betreiben zu
können. Sektorenübergreifend würde der Mehrwert von Kooperationen noch nicht
gesehen werden. Unternehmen würden vorrangig nach Finanzierung angefragt,
könnten aber über Kompetenzspenden wie beispielsweise Bewerbungstrainings,
Coachings oder durch eine gemeinsame Entwicklung neuer Kapazitäten stärker
eingebunden werden.

Empfehlungen an die Politik:
» Es braucht finanzierte Stellen zur Koordination zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften
im Sinne der notwendigen Professionalisierung. Diese
sollten auch auf allen Ebenen der Verwaltung mitbedacht werden.
» Die Vernetzung und Qualifizierung der EhrenamtskoordinatorInnen muss langfristig gesichert sein.
Stichwort: vom Fördertopf zum Querschnittsdenken.
» Städte und Gemeinden brauchen koproduktive Mittel für das Programm „Menschen stärken Menschen“.
» Hierbei müssen verschiedene Perspektiven berück-

sichtigt werden, um lokal angemessen zu finanzieren:
Ost- und westdeutsche Verhältnisse, Großstädte versus ländliche Regionen, wo oft professionelle Akteure
schlicht fehlen.
» Das Programm Menschen stärken Menschen
braucht Kontinuität: es sollte vom „Programm“ zum
„System“ und damit zu einer vorhandenen PatInnenschafts-Kultur entwickelt werden
» Vielfältiger Wissenstransfer wird benötigt als Grundlage für die weitere Entwicklung zur vom Programm
zur „lernenden Organisation“ „Menschen stärken
Menschen“.
51

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

FAZIT UND
EMPFEHLUNGEN

52

Fazit und Empfehlungen

Nachhaltigkeitsperspektiven,
Professionalisierung und
Weiterentwicklung in bewegten Zeiten
Der bundesweite Fachkongress des BBE im Programm „Menschen stärken
Menschen“ des BMFSFJ führte im Jahr 2017 zum zweiten Mal einen weiten
Kreis von ExpertInnen zusammen. Er setzte bei aktuellen gesellschaftlichen und
politischen Entwicklungen an, der Auseinandersetzung mit fachlichen Fragen
rund um Flucht, Engagement und Integration und richtete den Blick auf aktuell
wichtige anstehende Aufgaben. Er bot Raum für Diskussionen im Plenum, für
die gemeinsame Arbeit der teilnehmenden ExpertInnen in Dialogforen an der
Formulierung von Bedarfen und Handlungsempfehlungen sowie für den systematischen Wissenstransfer.
Viele der Empfehlungen, die aus dem letzten Kongress hervorgingen und in der
Dokumentation 2016 vermerkt sind, erfreuen sich nach wie vor hoher Aktualität. Gleichzeitig ist der Entwicklungsprozess im letzten Jahr auch aufgrund der
gesellschaftspolitischen Rahmung bedeutend. In einigen Themenfeldern sowie
hinsichtlich des politischen Diskurses zeigen sich große Weiterentwicklungen und
Veränderungen. Im Folgenden wird mit der Formulierung von Handlungsempfehlungen und der Perspektivierung ein abschließendes Fazit gezogen.

Handlungsempfehlungen
1. Befund: Disparate Entwicklungen!
Im Jahr 2017 gehen zentrale Befunde, die sich aus dem Programm ergeben, mit
Disparitäten in der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung einher. Auf der
einen Seite wird rund um Diskussionen und Aktivitäten im Feld von Flucht, Engagement und Integration auf vielen Ebenen eine starke positive Dynamik ersichtlich.
Dies spiegelt sich auch im Programm. Auf institutioneller, organisationeller und
individueller Ebene sind vielfältige Akteure mit der Weiterentwicklung der Thematik
beschäftigt. Sektorenübergreifend bringen sich neben den Mitträgern auch Kooperationspartner ein; die Fachcommunity begleitet die Entwicklungen im Programm
aufmerksam und aktiv. Die Diskurse und die Auseinandersetzung unter den Akteuren sind im positiven Sinne von dieser Entwicklung geprägt, sind differenzierter geworden, haben neue Befunde hervorgebracht, an denen im Programmjahr
bereits konkret angesetzt werden konnte. So lassen sich in allen Themenfeldern
Lernerfahrungen nachvollziehen, von der Bildung über die Arbeitsmarktpolitik bis
hin zu Kooperationen. Dies wurde beim Kongress sehr deutlich.
Gleichzeitig zeigen der Erfahrungsaustausch und die Analysen der Diskurslage, dass sich das gesellschaftliche Klima verschlechtert hat. In der öffentlichen
Debatte werden Ängste in der Bevölkerung hinsichtlich einer ungleichen Verteilung von Chancen, Arbeitsplätzen und finanziellen Mitteln geschürt. Es handelt
sich um einen stark medial geprägten Diskurs, der auf der Bundesebene geführt

53

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

wird. Dieser steht den Realitäten auf der lokalen Ebene deutlich entgegen. Zu
beobachten sind zunehmende publizistische Aktivitäten an der Grenze zwischen
Konservatismus und Rechtsextremismus, durch die der Versuch unternommen
wird, Elitendiskurse zu prägen.
Auch unabhängig von dem Phänomen der Flucht sind moderne Gesellschaften von
Vielfalt geprägt. Dabei ist für jüngere Menschen Vielfalt heute bereits zur Normalität
geworden. Das belegt auch, dass das PatInnenschaftskonzept bei SchülerInnen
besonders erfolgreich ist und das Engagement als PatIn oder MentorIn beliebt.
Bei Fragen der politischen Teilhabe gibt es nach wie vor große Bedarfe. Es werden
grundsätzliche Debatten um Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe geführt, die
durch die gesellschaftliche Realität herausgefordert werden (Stichworte: Kommunales Wahlrecht, Parteizugehörigkeit etc.)
EMPFEHLUNG 1: Strategische Allianzen schmieden!
Die beschriebenen Disparitäten verweisen darauf, dass Gegenmodelle und –strategien erforderlich sind. Um mit diesen Erfolg zu haben, sind über Sektorengrenzen hinweg zu schließende strategische Bündnisse erforderlich. Das Programm
„Menschen stärken Menschen“ leistet hier wertvolle Bezüge, die auf lokaler Ebene
niedrigschwellig ansetzen und damit gesellschaftlich eine hohe integrative Wirkung erzielen. Ebenen- und sektorenübergreifend werden Kooperationen angestoßen, entwickelt und Vorhaben durch MultiplikatorInnen weiter befördert.
Wir empfehlen einen weiteren Ausbau der entwickelten bereits recht potenten
Netzwerkstrukturen hin zu zielorientierten strategischen Allianzen.
2. Befund: Erfolgreiches Programm – Fragen der Stabilität und
Nachhaltigkeit nach wie vor aktuell
Inklusion stellt eine gesamtgesellschaftliche und mehrdimensionale Herausforderung dar. Deshalb wurde die Förderung und Verstetigung von ebenen- und
sektorenübergreifenden Netzwerkstrukturen im Programmjahr 2017 weiter vorangetrieben. Das Konzept der Patenschaft hat sich im und durch das Programm
„Menschen stärken Menschen“ als sehr erfolgsversprechend bei der Inklusion
exkludierter Personengruppen erwiesen.
Der Erfolg des Programms „Menschen stärken Menschen“ lässt sich unter anderem ableiten aus den sich positiv weiter entwickelnden Infrastrukturen, dem
hohen Engagement der Träger und Assoziierten auf Bundes- und lokaler Ebene,
der hohen Quantität der geschlossenen PatInnenschaften und dem engagierten
und erfolgreichen Einsatz der Träger mit dem Ziel, qualitativ hochwertige Bedingungen zu schaffen. Die positiven Ergebnisse der Evaluierung durch die Prognos AG zeigen gebündelt die Erfolgsfaktoren auf. Auch im dritten Programmjahr
stellen sich im Programm „Menschen stärken Menschen“ wieder Fragen einer
guten Weiterentwicklung der Infrastruktur, der Stabilisierung der geschaffenen
Strukturen und der Nachhaltigkeit.

54

Fazit und Empfehlungen

EMPFEHLUNG 2: Verstetigung der geschaffenen Strukturen weiter voran treiben!
Aspekte der Professionalisierung und Verstetigung der geschaffenen Strukturen
müssen nun schwerpunktmäßig in den Blick genommen werden. Der Erfolg des
Programmes verweist darauf, dass auch in der neuen Legislaturperiode eine Fortsetzung zu empfehlen ist. Es sollte auf die bereits aufgebauten Strukturen zurückgegriffen werden. Sie gilt es zu verstetigen, auszubauen und durch langfristige
Finanzierungsperioden als Teil der Regelsysteme zu etablieren.
3. Befund: Wertvolle Lernprozesse durch den Blick über
Programmgrenzen hinaus
Mit dem Ziel der Integration von Geflüchteten wurden von verschiedenen staatlichen Institutionen Programme auf unterschiedlichen förderalen Ebenen initiiert.
Über diese Programme gibt es noch nicht ausreichend Transparenz.
In den ersten beiden Programmjahren hat sich ferner gezeigt, dass der Ansatz der
PatInnenschaften, des Mentorings und der LotsInnenprogramme für das Themenfeld Flucht sehr fruchtbar ist. Viele Engagierte konnten gewonnen werden,
Strukturen wurden etabliert und Kooperationen angestoßen. Von Voraussetzungen,
Chancen und Herausforderungen von PatInnenschaften in anderen Bereichen,
wie etwa im Bildungsbereich, wurde gelernt; gleichzeitig konnten auch für andere
Themenfelder Lernprozesse initiiert werden.
Die Beschränkung des Programms auf Geflüchtete birgt derweil zweierlei Probleme: Erstens findet eine Ethnisierung der Integrations- und Inklusionsproblematik
statt, obwohl Exklusionsprozesse in der Gesellschaft sich nicht ausschließlich auf
Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund beschränken. Zweitens fördert sie Neiddebatten.
EMPFEHLUNG 3: Weiterführung des Programms mit erweiterter Zielsetzung!
Es ist zu empfehlen, die verschiedenen existierenden Programme zusammenzudenken, Schnittstellen zwischen ihnen zu schaffen und sie besser aufeinander
abzustimmen. Die Zielsetzung des Programms „Menschen stärken Menschen“
könnte erweitert werden: Anstatt die Förderung von Integration mit Bezug auf die
bestimmte Zielgruppe von Menschen mit Einwanderungsgeschichte oder Fluchterfahrung anzustreben und damit die Thematik weiterhin unilinear anzugehen,
könnte gesellschaftliche Inklusion im Sinne eines gemeinsamen Prozesses als
Zielsetzung zu Grunde gelegt werden. Dafür wird eine Perspektive auf das Engagement im Kontext von PatInnenschaften für Menschen mit vermindertem Zugang zu
Bildung und zur gesellschaftlichen Teilhabe empfohlen.
4. Befund: Hohe Relevanz der Demokratiestärkung auf lokaler Ebene
Inwiefern Integrationsbemühungen in unserer Gesellschaft eine Chance haben ist
davon abhängig, wie die Stärkung der Zivilgesellschaft für eine lebendige Demokratie gelingt. Die Zukunft der Demokratie entscheidet sich vor Ort.

55

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

Hinsichtlich der Bereitschaft in der Bevölkerung, sich im Rahmen der PatInnenschaften zu engagieren, vermelden Träger im Programm unterschiedliche
Tendenzen: Gerade im strukturschwachen ländlichen Raum berichten einige
Träger von rückläufigen Engagementzahlen. Schwierigkeiten in der Gewinnung
bürgerschaftlicher Engagierter für PatInnenschaften betreffen auch Träger mit
bestimmten Rahmenbedingungen, beispielsweise geringen Möglichkeiten der
Öffentlichkeitarbeit. Es stellt sich die Frage, wie aus der Willkommenskultur eine
Integrations- und Teilhabekultur gemacht werden kann.
EMPFEHLUNG 4: Gute Ansätze fördern, Qualifizierung ermöglichen,
Öffentlichkeitsarbeit unterstützen!
Es wird empfohlen, gute Ansätze der Gemeinwesenarbeit zu fördern, die wachsende Bedeutung des Engagements vor Ort anzuerkennen und die Stabilisierung der Infrastruktur sowohl in den Städten als auch in ländlichen Gemeinden
zu unterstützen.
Besonders gefördert werden sollte im Programm die Qualifikation der Engagierten, das Schaffen und Bewahren guter Rahmenbedingungen für die Koordination
und die weitere Vernetzung und Netzwerkentwicklung.
In der nächsten Programmphase sollte es den Trägern ermöglicht werden,
systematische Antworten auf rückläufige Engagementzahlen zu erarbeiten.
Qualifizierung sollte unterstützt werden. Wichtig ist, dass bereits bei der Antragstellung Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit eingeplant werden können. Auch gilt
es die Öffentlichkeitsarbeit als festen Bestandteil der Aufgaben von KoordinatorInnen frühzeitig mit zu bedenken (Stellenausschreibung, Zeitressourcen, etc.).
Fortbildungsmaßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für KoordinatorInnen sind ratsam.
5. Befund: Bedarfe der Transparenz und Teilhabe im schulischen
Bildungssystem, der Ausbildung und beruflichen Weiterbildung
sowie der informellen Bildung
Hinsichtlich der Forderung nach Bildungsgerechtigkeit bestehen sehr hohe
Bedarfe. Schon zu Beginn der Schulzeit sind die Bedingungen höchst ungleich.
Für viele geflüchtete Menschen erscheint das deutsche Bildungssystem sehr
komplex. Zugänge und Teilhabemöglichkeiten sind erschwert. Gleichwohl bestehen besondere Chancen und Möglichkeiten: Entwicklungen hin zur interkultuellen Öffnung der Bildungsinstitutionen und zu einem reflektierteren Umgang
mit Diversität als Normalität können bereits beobachtet werden. Durch PatInnenschaften werden Ressourcen und Kompetenzen aktiviert und gegenseitiges
Lernen durch Kontakt, Begegnung und Offenheit ermöglicht.
Neben den Bedingungen für Ausbildung, Schule und berufliche Weiterbildung ist
auch das informelle Lernen und die außerschulische Aktivität ein bedeutendes
Zukunftsthema im Programm. Inzwischen gibt es zahlreiche Angebote außerschulischer Unterstützung, die zum Beispiel in der Engagementpraxis des Pro-

56

Fazit und Empfehlungen

gramms durch die LesepatInnen vorzufinden sind. Diese schenken Zuwendung
und begleiten beim Lesenlernen.
MigrantInnenorganisationen kennen die Herausforderungen und Bedarfe von
Kindern mit Fluchterfahrung zum Teil auf Grund eigener Erfahrungen. Sie können Eltern geflüchteter Kinder zur Seite stehen. Ebenso können sie Schulen bei
besonderen Bedarfen von geflüchteten Kindern und ihren Eltern helfend zur
Seite stehen.
EMPFEHLUNG 5: Bessere Rahmenbedingung im Bildungssystem und bei der
Engagementförderung von Eltern schaffen!

„Bei einigen meiner KollegInnen herrscht die Überzeugung, dass
mit dem Thema Migration keine Wahlen zu gewinnen seien. Der
Kampf um das Thema Engagement wird jetzt noch rauer. Wir
müssen diese Debatten aber führen. Wir sind eine Einwande­
rungsgesellschaft. Wir brauchen Vielfalt. Mit dieser Vielfalt müs­
sen wir produktiv umgehen. Und wir müssen uns alle vernetzen,
dürfen niemanden ausgrenzen, keine Konkurrenzen zulassen.
Das ist meine Vorstellung von der kommenden Zeit.“
Ute Kumpf, ehem. MdB und Landesvorsitzende des AWO Landesverband Berlin e. V.

Die Vielfalt der Trägerlandschaft und Patenschaftsformen im Bildungsbereich (Lesecoaches, LesepatInnen, ElternlotsInnen, ElternbegleiterInnen, BildungspatInnen,
JobpatInnen, Mentoring, usw.) sollte noch stärker gewürdigt und ihre Wirkungen
systematisch untersucht werden, jedoch nicht nur unter Effizienzgesichtspunkten.
Eine verstärkte Zusammenarbeit von MigrantInnenorganisationen und Schulen
wäre anzustreben.
Angesetzt werden sollte auch bei Fragen der Chancengleichheit für Kinder mit
Zuwanderungsgeschichte. Indem Eltern Zugänge ermöglicht, Qualifizierung
angeboten und sie in ihrem Engagement für den Zugang zu Bildung und den Bildungserfolg ihrer Kinder unterstützt werden, erhöhen sich Chancen und Möglichkeiten. Eltern sollten deshalb in ihrem Engagement gefördert werden, damit sie
ihre Kinder besser stärken können.
Formale Bildungsinstitutionen sollten derweil neue Wege beschreiten und benötigen dafür Unterstützung. Es ist von hoher Relevanz, mit Blick auf das Thema
Bildung und Integration die Regelsysteme in den Blick zu nehmen. In der Ausbildung und dem Einsatz der Lehrkräfte, bei der Überarbeitung und Bereitstellung
geeigneten Materials, bei grundsätzlichen Fragen der Organisation und Koordina-

57

PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

tion und durch das Schaffen förderlicher Rahmenbedingungen müssen geeignete
Voraussetzungen geschaffen werden.
6. Befund: Geflüchtete als Engagierte können wertvolle Erfahrungen an
Mentees weitergeben
Im Programmjahr 2017 stellen sich zunehmend auch Geflüchtete als engagierte
PatInnen zur Verfügung. Das ist von großem Vorteil für alle Beteiligten. Chancen
liegen in der spezifischen Motivation der geflüchteten PatInnen, ihren Sprachkenntnissen und den persönlichen Erfahrungen, die sie einbringen können. Auf
der anderen Seite fehlen vielfach relevante Kenntnisse, etwa zu kulturellen Praxen, Rahmenbedingungen im Bildungssystem oder der öffentlichen Verwaltung.
Träger sind außerdem mit neuen Anforderungen konfrontiert.
EMPFEHLUNG 6: Bessere Rahmenbedingungen schaffen – voneinander
lernen – qualifizieren!
Programmträger sollten vermehrt auf die Erfahrungen Geflüchteter zurückgreifen,
die bereits selbst als Mentees begleitet wurden. Empfohlen wird, die Träger dabei
zu begleiten, mit den besonderen Anforderungen umzugehen und die notwendige Qualifizierung zu unterstützen.
7. Befund: Arbeitsmarktintegration bleibt das Schlüsselthema
Die Zahl der geflüchteten Menschen, Asylbewerber und Geduldeten, die als
arbeitssuchend gemeldet sind, nahm im Programmjahr 2017 stetig zu. Somit
gewinnen auch Fragen zur Integration in den Arbeitsmarkt in den Mentoring- und
PatInnenschaftsbeziehungen eine noch größere Relevanz. Wichtige Fragen betreffen Sprachbarrieren, die Anerkennung von Voraussetzungen und die Differenzierung zwischen formalen und nicht-formalen Voraussetzungen für Einschätzungen von Möglichkeiten einer Arbeitsmarktintegration.
EMPFEHLUNG 7: Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des Zugangs
bedürfen der Verbesserung!
Berufsspezifische Sprachkenntnisse können die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen erleichtern. Programmträger können hier erste Akzente
setzen, indem sie bereits beim Matching die Geflüchteten nach ihren Arbeitsbereichswünschen befragen und im Idealfall mit PatInnen aus dieser Branche
zusammenbringen.
Viele Geflüchtete verfügen über formale Qualifikationen mit entsprechenden
Belegen. Die Hürden zur Anerkennung dieser Qualifikationen sind allerdings häufig
sehr hoch. Die Politik sollte hier Impulse zur vereinfachten Anerkennung von formalen Qualifikationen aus Fluchtregionen setzen.
Die Arbeitsmarktvermittlung durch die Agentur für Arbeit und die Jobcenter ist in
Deutschland in erster Linie von formalen Qualifikationen geleitet. Die nicht-formalen

58

Fazit und Empfehlungen

Qualifikationen finden selten Beachtung. Empfohlen wird eine niedrigschwellige
Möglichkeit, diese im Rahmen von Matching-Prozessen zu erheben. In dieser Phase
der Kontaktaufnahme stehen KoordinatorInnen bereits im engen Austausch mit den
Geflüchteten und können die nicht-formalen Qualifikationen systematisch erfassen.
Mit Blick auf die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten wird KoordinatorInnen
empfohlen, verstärkt die nicht-formalen Qualifikationen der Geflüchteten in den
Fokus zu nehmen. Gerade im Matchingprozess haben die KoordinatorInnen eine
Möglichkeit, diese systematisch zu erfragen und zu erfassen und für die Arbeitsmarktintegration nutzbar zu machen.
Fortbildungsmaßnahmen sind im Moment noch teilweise „zugangsbeschränkt“.
Oftmals haben lediglich Einheimische Zugang zu diesen Angeboten. Für die
Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten wird dringend empfohlen, Zugänge zu
ermöglichen.
Regelmäßige Austauschformate, Runde Tische unter Einbezug Haupt- und Ehrenamtlicher sowie ein weiterentwickelter Wissenstransfer im Programm und mit Strahlkraft darüber hinaus werden zum Thema Arbeitsmarktintegration sehr empfohlen.
8. Befund: Vielfältige Trägerlandschaft im Programm birgt enorme Potentiale
Die Trägerlandschaft im Programm ist bereits sehr vielfältig. Die Möglichkeiten
des Wissenstransfers, des Austauschs und der Kooperationen bergen enorme
Potentiale. Zwei Perspektiven sind im Programm allerdings noch unterrepräsentiert: Unternehmen und die Selbstorganisation geflüchteter Menschen. Das
Programm als Ganzes würde von einer Öffnung der Programmträgerlandschaft
hin zu diesen Akteursgruppen profitieren.
EMPFEHLUNG 8: Erweiterung der Programmträgerlandschaft und weitere
Förderung von Transparenz und Wissenstransfer!
Um die Potentiale der vielfältigen Trägerlandschaft bergen zu können, sollten
Erfahrung, Know-how, Praxisbeispiele und Materialien, die im Rahmen der PatInnenschaftsprojekte generiert werden, weiter transparent gemacht und zur Verfügung gestellt werden. Der Erfahrungsaustausch unter allen beteiligten Akteuren
und der Wissenstransfer ist noch weiter voran zu bringen.
Das Programm sollte auch für Programmträgergruppen aus dem Bereich der Wirtschaft und der Selbstorganisationen Geflüchteter geöffnet werden. Schnittstellen, Netzwerke und Kooperationen zu diesen Gruppen sollten stärker in den Blick
genommen werden. Mit dem Ziel einer Gewinnung dieser Akteure bietet es sich
an, die Voraussetzungen einer Antragstellung entsprechend anzupassen.
Empfohlen wird eine Bündelung von Zugängen zum Know-How durch die Schaffung einer zentralen, öffentlichen Wissens- und Informationsplattform, insbesondere zum Thema „Wege in die Arbeit“ und „Bildung“, die ressort- und institutionsübergreifend ist, mit Verlinkung zu der „Menschen stärken Menschen“-Webseite.

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

BRÜCKEN ZUM
WEITERKOMMEN

60

Brücken zum Weiterkommen

Am Kongressprogramm aktiv beteiligte Personen
Fachkongress „PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration
von geflüchteten Menschen“

Grußworte
DR. RALF KLEINDIEK
Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

CAROLA SCHAAF-DERICHS
Landesnetzwerk Bügerengagement Berlin,
BBE-SprecherInnenrat

Keynotes
PROF. EM. DR. PHIL. MICHAEL HALLER
Universität Leipzig, Wissenschaftlicher Direktor
des Europäischen Instituts für Journalismusund Kommunikationsforschung e. V.

PROF. EM. DR. DIETRICH THRÄNHARDT
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Auf dem Podium

UTE KUMPF
ehem. MdB, AWO Landesverband Berlin e. V.

FLORIAN AMORUSO-STENZEL
Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften e. V.
ALEXANDER BAIC
Boston Consulting Group
MICHAEL BERGMANN
Deutscher Caritasverband e. V.,
BBE-SprecherInnenrat
BRESCHKAI FERHAD
Bundesverband Nemo e. V.
MARTIN GERLACH
Türkische Gemeinde in Deutschland e. V.
AXEL HALLING
Initiative Bürgerstiftungen
SUSANNE HUTH
INBAS-Sozialforschung GmbH
MIRIAM JUNKER-OJO
Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend

KLAUDIA LEHMANN
Prognos AG
VICTOR OSTROVSKY
Vorstand Bundesverband russischsprachiger
Eltern (BVRE) e. V.
DR. THOMAS RÖBKE
Landesnetzwerk Bürgerschaftliches
Engagement Bayern e. V., Vorsitzender
des BBE-SprecherInnenrats
DR. CHRISTOPH STEEGMANNS
Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend
ALISA WIELAND
ROCK YOUR LIFE!
HAMZA WÖRDEMANN
Zentralrat der Muslime in Deutschland e. V.
CHRISTOPH ZECKRA
Generali Deutschland AG

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PatInnen, MentorInnen und LotsInnen in der Unterstützung und Integration geflüchteter Menschen

Dialogforen
I Zugänge zu Bildung gestalten
Moderation:
MELISA BEL ADASME und SUSANNE HUTH
INBAS Sozialforschung GmbH
Impulse:
DR. MEHMET ALPBEK und WLADIMIR WEINBERG
Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe (bbt)
KATJA HINTZE und SOPHIE VON WEDEL
Stiftung Bildung
II Öffentlichkeitsarbeit
Moderation:
RAINER HUB
Diakonie Deutschland
Impulse:
KATARINA PERANIC
Stiftung Bürgermut
DR. RUDOLF SPETH
Maecenata Institut
III Wege in die Arbeitswelt
Moderation:
BRIGITTA WORTMANN
BP Europa SE, BBE-SprecherInnenrat
und JUSTUS GERMER
BP Europa SE
Impulse:
KADIM TAS
JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain
SEFER ÖNCEL
Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der
Bundesagentur für Arbeit

IV Vorbereiten, Matchen, Begleiten
Impuls und Moderation:
LENA BLUM und VOLKER UHL
BürgerStiftung Hamburg
V Interkulturalität als Chance
Moderation:
MARIANNE BALLÉ MOUDOUMBOU
Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in
Deutschland e. V., Bundeselternnetzwerk der
Migrantenorganisationen für Bildung &
Teilhabe (bbt)
Impulse:
PROF. EM. DR. URSULA BOOS-NÜNNING
Universität Duisburg-Essen
MAMAD MOHAMAD
Landesnetzwerk Migrantenorganisationen
Sachsen-Anhalt (LAMSA) e. V.
VI Brücken schlagen
Moderation:
CAROLA SCHAAF-DERICHS
Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin,
BBE-SprecherInnenrat
Impulse:
GUDRUN KIRCHHOFF
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
und KATJA HENZE
Stadt Weißenfels, Gleichstellungs- und
Integrationsbeauftragte
ANJA HERDE
UPJ e. V.

Kongressleitung

Kongressmoderation

DR. LILIAN SCHWALB
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches
Engagement (BBE)

PATRICIA ORTMANN
Freiwilligenzentrum für Stadt und Landkreis
Gießen e. V.

Veranstaltungsmanagement

Tagungsort

ANNE-KATHRIN LANGE, BEHZAD FALLAHZADEH
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches
Engagement (BBE)

af Auditorium Friedrichstraße

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Brücken zum Weiterkommen

Programmträger Förderzeitraum 2017
AWO Bundesverband e. V.
SUSANNE RINDT | www.awo.de
bagfa Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e. V.
BERND SCHÜLER | www.bagfa.de
Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e. V. (BaS)
ERIK RAHN | www.seniorenbueros.org
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
DR. LILIAN SCHWALB | www.b-b-e.de
Bundesverband Deutscher Stiftungen e. V.
AXEL HALLING | www.stiftungen.org
Bürger-helfen-Bürgern e. V. Hamburg
BERND P. HOLST | www.freiwilligenmanagement.com
BürgerStiftung Hamburg
LENA BLUM | www.buergerstiftung-hamburg.de
Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V.
STEFAN PAUL KOLLASCH | www.der-paritaetische.de
djo-Deutsche Jugend in Europa Bundesverband e. V.
JOHANNA VOSS | www.djo.de
Deutscher Caritasverband e. V.
LEONNIE BRONNER | www.caritas.de
Deutsches Kinderhilfswerk e. V.
CHRISTINA SIEVEKING | www.dkhw.de
Deutsches Rotes Kreuz e. V.
TATJANA MOSER | www.drk.de
Diakonie Deutschland - Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V.
RAINER HUB | www.diakonie.de
Start with a Friend e. V.
SARAH ROSENTHAL | www.start-with-a-friend.de
Stiftung Bildung
GINA FRIEDRICH | www.stiftungbildung.com
Stiftung Bürgermut
KATARINA PERANIC & SEBASTIAN GILLWALD | www.opentransfer.de
Stiftung Lernen durch Engagement – Service-Learning in Deutschland SLIDE gGmbH
SILKE VAN KEMPEN | www.lernen-durch-engagement.de
Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD)
DR. SEZGI CEMILOGLU | www.tgd.de
Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB)
HÜSNA BARLAK | www.ditib.de
UPJ e. V.
ANJA HERDE | www.upj.de
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
DR. TATIANA MATTHIESEN | www.zeit-stiftung.de
Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) e. V.
HAMZA WÖRDEMANN | www.wirsindpaten.de
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland
GÜNTER JEK | www.zwst.org

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ZUM WEITERLESEN
Kongressprogramm 2017:
www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/bbe-veranstaltung/2017/bbe-flyer-patinnenkongress-2017.pdf
Präsentationen der ReferentInnen und Bilder vom Kongress 2017:
www.b-b-e.de/projekte/patinnen-mentorinnen-lotsinnen/fachkongress/2017
Die Programmträger 2017 und ihre Projekte:
www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/PDF/projekte/patinnen-projekte-2017.pdf
Bericht der Prognos AG im Auftrag des BMFSFJ (2017) über die
Wirkungsanalyse des Patenschaftsprogramms im Bundesprogramm
„Menschen stärken Menschen“:
www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/wirkungsanalyse-despatenschaftsprogramms-im-bundesprogramm--menschen-staerkenmenschen-/117598
„PatInnen, LotsInnen und MentorInnen in der Unterstützung und Integration
von geflüchteten Menschen – Verbreitung, Unterstützungsbedarf,
Perspektiven“, Dokumentation des Fachkongresses am 29. und
30. September 2016 in Berlin:
www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/PDF/publikationen/patinnen-mentorinnenlotsinnen-kongress-2016-dokumentation.pdf
Weiterführende Literatur, Broschüren und Dokumente:
www.b-b-e.de/publikationen/publikationen-migration/fachkongress-2017

ISBN: 978-3-9818732-7-6
        
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