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Periodical volume

Full text: Forum Verkehr Issue 2017,7

forum Verkehr
Nummer 7 . November 2017

Editorial

BRANCHENKOLLOQUIUM »ZERO EMISSIONS LOGISTICS: KLIMANEUTRAL BIS 2050«

Klare Ansage, aber realistisch?

Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung ist eine klare Ansage: minus

Politik muss planbaren, realistischen
und verlässlichen Rahmen setzen

40 Prozent bis 2030 und bis 2050 vollständige Dekarbonisierung des Ver kehrssektors. Allerdings ist der Klimaschutzplan sehr optimistisch hinsichtlich
Preis und Verfügbarkeit von neuen Technologien. Unbekannte Variable für die
Branche sind zudem der Rechtsrahmen
und die Förderkulisse. Die Unternehmen brauchen für ihre milliarden schweren Flotteninvestitionen politische

2015 haben sich im Übereinkommen von Paris 195 Staaten darauf geeinigt,
die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu
begrenzen. Die EU-Kommission will die verkehrsbedingten Emissionen
bis 2050 um 60 Prozent senken. Demgegenüber werden die deutschen
Klimaschutzziele weiter verschärft und der Güterverkehr soll nach dem
Willen der Politik künftig einen noch stärkeren CO2-Vermeidungsbeitrag
leisten. Fraglich ist, ob die ambitionierten Klimaschutzziele für die Branche
erreichbar sind, wenn gleichzeitig von einer weiter steigenden Nachfrage
nach Transportdienstleistungen auszugehen ist.

Zusagen zu den langfristigen Rahmen bedingungen. Gerade bei der Genehmigung von Lade- und Tankinfrastruktur hakt es noch gewaltig, die Verfah ren sind sehr sperrig. EEG-Umlage und
Stromsteuer liefern außerdem Fehlanreize für die Elektrifizierung.
Notwendig sind Investitionsförderung
und Anreize zur Flottenmodernisierung,
neue Antriebstechnologien nebst
Versorgungsinfrastruktur und die konFoto: Benjamin Jehne

sequente Ertüchtigung von Binnenschifffahrt und Schienengüterverkehr.
Dazu gehören aber auch die Digi-

V. l. Ramming, Roth, Dr. Eck, Prof. Dr. Kille, Dr. Froschmayer, Schmied und Schroven diskutierten
über die Möglichkeiten einen CO2-neutralen Güterverkehr zu schaffen

talisierung, Automatisierung und
optimale Vernetzung im gesamten

»Eine Dekarbonisierung des Verkehrssek -

förderung und Anreize zur Flottenmoderni-

tors, laut Klimaschutzplan der Bundes -

sierung, neue Antriebstechnologien ein -

regierung bis 2050, muss mit verlässlichen,

schließlich der notwendigen Versorgungs-

muss mit ihren

realistischen und langfristig planbaren poli-

infrastruktur, Anreize für die Anschaffung,

Flotten Vorreiter

tischen Zusagen für die Wirtschaft einher-

sein. Bei allen

gehen«, forderte Dr. Florian Eck, DVF-

Verkehrssystem. Und
die öffentliche Hand

Maßnahmen

Geschäftsführungsmitglied auf dem Bran -

Top-Themen

für den Klima -

chenkolloquium der COMMERZBANK AG

schutz gilt es,

und dem Deutschen Verkehrsforum (DVF).

4 Historischer Moment für

gen, die wir alleine nicht lösen können,

Realismus gefragt

5 Gegenfinanzierung EEG – nicht zu

sondern nur im internationalen

»Zero Emission bis zur Mitte des Jahrhun-

Kontext.

derts ist eine extreme Herausforderung für

Dr. Florian Eck
Mitglied der DVF-Geschäftsführung

die Logistik. Um dieses Ziel zu erreichen,

europäischen Schienenverkehr

ökonomische Zwänge zu berücksichti-

Lasten der Mobilität
6 Vorreiter beim Kombinieren von
Verkehrsmitteln

brauchen wir eine gezielte Investitions forumverkehr Ausgabe 7_2017

lerorts getestet. Die Entwicklung geht

günstiger, je weniger Energie dort ge-

absolut in die richtige Richtung – jedoch

braucht wird. Daher muss eine Energie-

werden wohl die Kosten steigen.«

wende und eine Güterverkehrswende mit
Vermeidung, Verlagerung und Effizienz-

Logistiker haben frische Ideen

steigerungen Hand-in-Hand gehen.« Eck

»Wer die alleinige Lösung zur Reduzierung

betonte, dass der Güterverkehr ein hohes

der Emissionen insbesondere bei der Ver-

Eigeninteresse an geringen Energie- und

sorgung von Ballungszentren in der E-Mo-

Spritverbrauch sowie an effizienten

bilität sieht, denkt zu eng und erkennt die

Abläufen habe.

Innovationspotenziale in der Logistik nicht.
Frische Ideen und neue Ansätze neben den

Klimaschutz als Unternehmensziel

ausgetrampelten Pfaden unter Einbezug

Der Aspekt der sich ändernden Unterneh-

aller Akteure versprechen einen schnelleren

mensziele, wonach die Wirtschaft die

Weg zum Ziel einer lebenswerten Stadt«,

Vermeidung von CO2 als immer wichtiger

lenkte in der Diskussion Prof. Dr.

betrachte, erläuterte Ingo Ramming, Co-

Christian Kille, Institut für angewandte

Head of Commodity Solutions, COMMERZ-

Logistik (IAL) Hochschule Würzburg, den

BANK AG: »Deutschland hat ambitionierte

Blick auf die Innovationspotenziale der

Klimaziele, die im Verkehrs-, Transport- und

Ausbau und Ertüchtigung von Binnen-

Logistik. Es gebe aktuell sehr viele Mög-

Logistiksektor zu Herausforderungen und

schifffahrt und Schienengüterverkehr und

lichkeiten, Transporte zu verändern und zu

Chancen führen. Die Bedeutung des Klima-

schließlich Investitionen in Digitalisierung,

verlagern. Schließlich seien die Logistiker ja

wandels rutscht bei Unternehmen verstärkt

Automatisierung und optimale Vernetzung

gerade die Optimierer. Beispielsweise könn-

auf die Agenda ebenso wie Klimaneutrali-

im gesamten Verkehrssystem«, erklärte

ten auch private Pkw als Kuriere dienen und

täts-Strategien und die Kompensation von

Eck.

dadurch etwa Einfahrerlaubnisse erhalten.

nicht vermeidbaren Kohlenstoffdioxid-

Aus Sicht des Umweltbundesamtes sagte

Warenströme bündeln

Foto: Deutsche Post AG

Emissionen.«
Martin Schmied, Leiter Abteilung Verkehr,

Die Flottenerneuerung biete ein großes

Andreas Roth, Sektorkapitän Transport &

Lärm und räumliche Entwicklung: »Um die

Reduktionspotenzial, sagte aus Sicht eines

Logistik, Niederlassungsleiter Großkunden

2015 in Paris beschlossenen Klimaschutzziele zu erreichen, müssen bis zum Jahr
2050 in Deutschland nahezu alle Wirtschaftsbereiche treibhausgasneutral werden – auch der Güterverkehr. Für Null-

»Die Annahmen des Klimaschutzplans sind äußerst
optimistisch gesetzt.«
Dr. Florian Eck

Emissionen im Güterverkehr brauchen wir
eine Abkehr von fossilen Kraftstoffen –

Logistikkonzerns Dr. Andreas Frosch-

Region Ost, COMMERZBANK AG, brachte

und zwar bei allen Verkehrsträgern. Kern-

mayer, Corporate Director für Corporate

auf den Punkt, dass der Klimaschutzplan

element dieser Verkehrswende ist die

Development, Strategy & PR DACHSER

aus Branchensicht die Kosten und Zeit

Elektromobilität – ergänzt durch aus rege-

Group SE & Co. KG. Und ein völlig unter-

neuer Technologieentwicklungen betref-

nerativem Strom hergestellte Kraftstoffe

schätzter Hebel zur Erreichung der Klima-

fend sehr optimistisch sei. »Es gibt eine

für Verkehrsträger, die nicht direkt elektrifi-

ziele sei die flächendeckende Bündelung

Reihe von Maßnahmen. Aber diese Maß-

ziert werden können.«

von Warenströmen in Deutschland und

nahmen werden jedoch nur im Zuge einer

Europa. »Die Logistikbranche kann auf

langfristig angelegten Modernisierungs-

Kritisch sah Arnold Schroven, Executive

Basis langfristiger Nachhaltigkeitskonzepte

offensive zum Erfolg führen.«

Vice President GeoPost S.A. die Forderung

den Energieverbrauch pro 100 kg beweg-

nach zero emissions, denn man könne

ter Tonnage optimieren, indem sie unnöti-

nicht alle Emissionen auf null setzen. Auch

ge Fahrten vermeidet oder weitgehend ver-

würden 80 Prozent der Emissionen im Nah-

ringert. Ergänzend dazu wird die Logistik

und Fernverkehr erzeugt, nicht in der City-

durch Innovationen im Fahrzeugbau, in der

Logistik. Zero Emission sei laut Schroven

Planung und Steuerung von Supply Chains

nicht zu machen. »Allerdings kann eine

und durch intelligente Stadtbelieferungs-

erhebliche Reduktion zu heute erzielt

konzepte ihren Beitrag leisten, die Klima-

werden. Alternativen zu klassischen Ver-

ziele zu erreichen«. Das betonte auch

brennungsmotoren gibt es schon. Alter-

Schmied: »Die dringend benötigte Energie-

native Zustellkonzepte werden schon vie-

wende im Güterverkehr wird umso kosten-

2 www.verkehrsforum.de

■

Impressum
Redaktion:
Ingrid Kudirka, Pressesprecherin
Herausgeber:
Deutsches Verkehrsforum
Klingelhöferstraße 7, 10785 Berlin
Tel. 030-26 39 54-0
Fax 030-26 39 54-22
www.verkehrsforum.de
e-mail: info@verkehrsforum.de

Basis von Ladepapieren. Auch die zuverläs-

LENKUNGSKREIS DIGITALE VERNETZUNG

Vernetzte Mobilität – mehr
Möglichkeiten durch 5G

sige Spracherkennung sei ein wichtiges
Werkzeug, um beispielsweise »handsfree«
Daten zu erfassen.
Datenplattform sicher und kundennah

Kommunikation ist zum wesentlichen Bestandteil von Mobilitätsdienstleistungen geworden. Auch mit Blick auf das autonome Fahren werden ganz
neue Vernetzungsoptionen nötig. Gefordert sind jetzt Kommunikationsstandards und Frequenzen für die vernetzte Mobilität. Erstmals tagte der
Lenkungskreis unter der neuen Führung von Wolfgang Wendt, Mitglied der
Geschäftsführung, IBM Deutschland GmbH.

Das Konzept der Industrial Data Space sei
eine Antwort auf die bestehenden dezentralen Datenstrukturen in internationalen
Handels-, Dienstleistungs- und Produktionsumgebungen, sagte Dr. Mona Wappler,
Projektmanagerin Industrial Data Space,
thyssenkrupp AG. Die Datenplattform

verkehr, Öffentliche Verkehrssysteme im

müsse Sicherheit und Interoperabilität

Bundesministeirum für Verkehr und digitale

ermöglichen und gleichzeitig für Daten-

Vernetzung (BMVI), betreut das Projekt

souveränität sorgen. Dabei würden Halt-

»Digitale Vernetzung im Öffentlichen Per-

barkeit und Gültigkeit der Daten eine Rolle

sonennahverkehr« (ÖPNV). Die Vernetzung

spielen. Das Ziel solle ein internationaler

müsse laut Hartwig nicht nur über die ver-

Standard sein. Das Unternehmen Thyssen-

schiedenen Verkehrsträger, sondern auch

Krupp bringe sich über Pilotanwendungen

über die Kommunen- und Ländergrenzen

in die Umgebung des Industrial Data Space

hinweg erfolgen. Dafür sehe die Roadmap

ein. Dabei gehe es um eine Unterstützung

drei Handlungsfelder vor:

der Lieferkette durch Bereitstellung von

■

Fahrgast/Kundeninformationen

Echtzeitdaten an Lkw-Fahrer, um die Pla-

■

Tarife/E-Ticket

nungssicherheit zu erhöhen.

■

Multimodalität

■

Das Projekt umfasse 13 Verbundvorhaben
mit 48 Zuwendungsempfängern. Aktuell

Personalie

werde die Roadmap durch eine Workshopreihe zur Umsetzung und als Dialogplatt-

Neu im Präsidium

form unterstützt.

Michael Peter, Co-CEO Mobility,
Siemens AG, wird Nachfolger von

Foto: Deutsche Telekom AG

Augmented Reality im Luftverkehr

Dr. Jochen Eickholt. Peter wird zugleich

Um die Verladung von Luftfrachteinheiten

die Funktion als Vorsitzenden des Len-

Treiber für die Weiterentwicklung hin zu

zu erleichtern oder Schlüsselinformationen

5G seien laut Dr. Johannes Springer,

von Ladepapieren schon im Vorfeld einzu-

T-Systems International GmbH, zusätzliche

sehen, gebe es bereits Erprobungen mit

Anforderungen im Bereich des Breitband,

Augmented Reality oder Virtual Reality.

der Sicherheit und der Maschinenkommu-

Eine Effizienzsteigerung bis zu 70 Prozent

nikation. Mittlerweile seien etwa 60 Pro-

beim Personaleinsatz sei damit erreichbar.

zent der ausgelieferten Autos mit einer

Das zeigte Ralf Weiler, General Manager,

kungskreises Bahntechnologie über-

Mobilfunkschnittstelle ausgestattet – davon

Head of Travel, Transport and Logistics NIIT

nehmen.

profitiere der Markt für mobile Anwendun-

Technologies GmbH, bei seinem Vortrag

gen. Ein Engpass sei allerdings das Fre-

über die Automatisierung und den Ersatz

quenzspektrum und es müssten in vielen

von kundenseitigen Eingaben durch ma-

Geschäftsleitung Hamburg Südamerika-

Anwendungsbereichen eine garantierte

schinelle Datenverarbeitung. In Innova-

nische Dampfschifffahrts-Gesellschaft

Quality of Service (QoS) angeboten werden.

tionslaboren würden Ideen gesammelt,

KG, wird Nachfolger von Dr. Ottmar

priorisiert, die Machbarkeit geprüft, Pilot-

Gast.

Roadmap digitale Vernetzung

projekte eingeleitet und Produkte weiter-

Von 2016 bis 2018 stellt der Bund 16 Mil-

entwickelt.

lionen Euro aus dem Zukunftsinvestitions-

Im Luftverkehr unterstütze die Automati-

programm für elektronisches Ticketing und

sierung beispielsweise das Umbuchen von

die Digitalisierung zur Verfügung. Niels

Passagieren bei Verspätungen oder die

Hartwig, Leiter Referat G 23 Personen-

Aktualisierung von Luftfrachtdaten auf

Dr. Arnt Vespermann, Mitglied der

forumverkehr Ausgabe 7_2017 3

und die Einwohnerwahl zunehme, der Platz

LENKUNGSKREIS BAHNTECHNOLOGIE

Historischer Moment für den
europäischen Schienenverkehr

für neue Infrastruktur aber fehle. Kopenhagen stehe vor einer Anschaffung von
über 400 S-Bahn-Zügen. Zudem werde die
S-Bahn mit ETCS ausgestattet, womit die
technischen Voraussetzungen für einen

Seit Jahrzehnten feilt die EU an einer Harmonisierung des europäischen
Schienenverkehrs. Eine europäische statt diverser nationaler Zulassungen
für multinational verkehrende Fahrzeuge ist ein zentraler Baustein. Mit der
formalen Vereinbarung ist ein Durchbruch gelungen.

automatisierten Betrieb teils gegeben wären.
In zwei Szenarien wurde die Umstellung
des Systems untersucht. Szenario 1 ohne
Änderungen und Szenario 2 mit Mehrverkehren von 25 Prozent. Bei beiden würde
sich der automatisierte Betrieb auf lange
Sicht lohnen. Eine positive Kosten-NutzenBetrachtung ergäbe sich bei einer langfristigen Lebenszyklusbetrachtung. Wirtschaftlich tragfähig würde das Projekt aus einer
Kombination von höherer Produktivität und
niedrigeren Personalkosten, wodurch
Mehreinnahmen erzielt würden.
Güterwagen der Zukunft entwickeln
Der Güterwagen der Zukunft müsse mehr
können, als die vorhandenen, wenn auch
morgen noch Waren in deutlichem Umfang auf der Schiene transportiert werden
sollen, so Jens-Erik Galdiks, Head of Fleet
Technique, SBB Cargo AG,SBB SFF FFS
Cargo. Trends wie die De-Industrialisierung,

V. l. Nils Jänig, Dr. Doppelbauer und Jens-Erik Galdiks

wodurch die traditionellen Güter der Schiene
geringer nachgefragt würden, oder die

»Wir gestalten einen historischen Moment:

ETCS benötigt Standards

Digitalisierung, schüfen einerseits Effizienz-

Mit der Entscheidung zur europäischen

Neben der Zugzulassung sei die Europä-

potenziale und verursachten andererseits

Sicherheitsbescheinigung im Juli 2017 und

ische Zugsicherungs- und Leittechnik ETCS

disruptive Entwicklungen. So seien die

dem aktuellen Beschluss zum zukünftigen

ein dominantes Thema für die ERA. »Auch

Lebenszykluskosten klassischer Güterwagen

Zulassungsprozess für grenzüberschreiten-

bei der Harmonisierung der europäischen

heute nicht mehr amortisierbar.

de Verkehre ersetzen wir die nationalen

Leit- und Sicherungstechnik (ETCS) müssen

Die SBB Cargo habe begonnen intelligente

Vorschriften im Schienenverkehr durch euro-

wir voranschreiten. Das E bei ETCS muss

Güterwagen auf Grundlage der Zukunfts-

päische Regelungen«, freute sich Dr. Josef

für Europa und darf nicht für ›expensive‹

initiative 5L des Technischen Innovations-

Doppelbauer, Executive Director, Eisen-

stehen«, führte Doppelbauer aus. Jetzt sei

kreis Schienengüterverkehr (TSI) umzuset-

bahnagentur der Europäischen Union (ERA)

es prioritär, die bestehenden ETCS Infrastruk-

zen. Dafür stelle die SBB einen Demonstra-

beim Lenkungskreis Bahntechnologie über

turen kompatibel zu machen, damit bei-

tionszug zusammen, bei dem sich jeder

den Fortschritt.

spielsweise der Korridor Rotterdam-Genua

beteiligen könne. Sechs Systeme würden

Damit brauchen die Zughersteller zukünftig

mit einem einzigen Empfangsgerät im Zug

darin erprobt: Drehgestell, Aufbau, Rad-

nicht mehr bei vielen nationalen Zulas-

befahren werden könne. Bisher seien meh-

satz, Scheibenbremse, Intelligenz und auto-

sungsbehörden die Genehmigungen für

rere Geräte im Lokstand dazu nötig.

matische Kupplung. Es bedürfe eines vollkommen neuen Wagenansatzes für den

den Einsatz ihrer Loks einholen, sondern
nur noch bei der ERA. Züge kommen da-

Automatisierung der S-Bahn

Güterwagen der Zukunft, zum Beispiel mit

durch schneller zum Einsatz und den Her-

Eine Automatisierung der Kopenhagener S-

der Halbierung des Mindestgewichts. Ende

stellern bleiben enorme Kosten erspart. Für

Bahn rechnet sich. Das ergab eine umfang-

2018 soll das technische Konzept für einen

Züge, die nur national eingesetzt werden,

reiche Machbarkeitsstudie des dänischen

innovativen Güterwagen 2021 abgeschlos-

reicht die Zulassung bei der nationalen

Verkehrsministeriums. Nils Jänig, Director,

sen sein. Für einen wirtschaftlichen Nutzen

Behörde. Die europäische Zugzulassung

Ramboll Transport Germany, erläuterte

müssten die ERA, Eisenbahnverkehrsunter-

starte ab dem 16. Juni 2019, so Doppel-

dem Lenkungskreis die Ergebnisse. Aus-

nehmen und Halter, Kunde und Logistiker

bauer.

gangslage sei, dass Kopenhagen wachse

zusammenarbeiten.

4 www.verkehrsforum.de

■

wicklung des Automobils und das künftige

LENKUNGSKREIS STRAßENVERKEHR

Gegenfinanzierung EEG-Umlage –
nicht zu Lasten von Mobilität

Nutzungsverhalten ein. Bei der Weiterentwicklung des Autos müsse die Schnittstelle
zwischen Mensch und Maschine innovativ
gestaltet werden. So könne ein Auto grundsätzlich alles sein, was sich bewege: eine

Seit Einführung der EEG-Umlage im Jahr 2001 ist diese Abgabe von 1,5
Milliarden auf 29,2 Milliarden Euro in 2016 aufgewachsen. Der große finanzielle Anreiz für die Erzeuger hat den schnellen Ausbau der erneuerbaren
Energien ermöglicht. Durch die fortbestehenden Garantieabnahmepreise
führt die EEG-Umlage aber mittlerweile zu ausufernden Strompreisen. Das
DVF stellt sich gegen diesen Trend. Die wachsenden Altlasten des Energiesektors dürfen nicht den Verbrauchern, dem Mobilitätssektor und anderen
Branchen aufgebürdet werden.

mobile Lebenssphäre, Raum zum Arbeiten,
für Freizeitbetätigungen und Kommunikation. Für die Nutzer sei es wichtig, diese
Sphäre individuell gestalten zu können. Mit
Blick auf das automatisierte Fahren müsse
laut Mankowsky eine Interaktion und Kommunikation zwischen Fahrzeugen, aber auch
zwischen Fahrzeugen und menschlichen Verkehrsteilnehmen im Straßenverkehr hergestellt werden. Da im alltäglichen Verkehrsgeschehen Intuition und vorbewusste Routinen eine große Rolle spielten, müssten
automatisierte Fahrzeuge das berücksichtigen und entsprechend konzipiert werden.

■

Termine
Lenkungskreise
30.11. | Hamburg | Luftverkehr mit
dem Vorsitzenden Dr. Stefan Schulte,
Vorsitzender des Vorstands Fraport AG
V. l. Haverkamp und Mankowsky im Vorgespräch beim Lenkungskreis

sowie weiteren Vortragenden u. a.
Michael Eggenschwiler, Vorsitzender

Keine E-Fahrzeugquote

der Geschäftsführung, Flughafen Ham-

führerin der Deutschen Energie-Agentur

Elektromobilität sei wichtig, aber zum ge-

burg GmbH, Dr. Rainer Martens, Vor-

GmbH (dena) erörterte der Lenkungskreis

genwärtigen Zeitpunkt nicht die alleinige

stand Technik (COO), MTU Aero En-

einen sinnvollen Aufbau der »Sektorkopp-

Lösung, so Jens Gieseke MdEP, Mitglied

gines AG, Wolfgang Michael Pollmann,

lung« zwischen Energie- und Verkehrs-

des Ausschusses für Umweltfragen, öffent-

Staatsrat der Behörde für Umwelt und

sektor. Die dena hat dazu zwei aktuelle

liche Gesundheit und Lebensmittelsicher-

Energie, Freie und Hansestadt Ham-

Studien erstellt: die Leitstudie »Integrierte

heit des Europäischen Parlaments. Er sei

burg, Dr. Florian Eck, Mitglied der

Energiewende« und die eFuels-Studie. Die

gegen eine E-Fahrzeugquote. Die Bereit-

Geschäftsführung und Rainer Schätz-

Ergebnisse zeigten, dass auch in Zukunft

schaft der Verbraucher spiele eine wichtige

lein, Leiter Häfen/Schifffahrt, Luftve-

die Energieeffizienz ein wesentlicher Er-

Rolle für die Elektromobilität, ebenso die

rkehr, Straßenverkehr, DVF.

folgsfaktor für den Klimaschutz sei. Die

Schaffung eines innovationsfreundlichen

20.02.2018 | Berlin | Güterverkehr

Experten seien außerdem zu der Einschät-

Rahmens mit guten Förderinstrumenten.

und Logistik mit dem Vorsitzenden Dr.

zung gelangt, dass volkswirtschaftlich be-

Man müsse auch einen Markt für eFuels

Jörg Mosolf, Vorstandsvorsitzender

trachtet eine vollständige Elektrifizierung

aufbauen. Den Ausbau der Infrastruktur

(CEO), MOSOLF SE & Co. KG sowie

günstiger wäre als die P-t-X-Variante.

für alternative Kraftstoffe müssten die Mit-

weiteren Gästen.

Allerdings hänge viel von den Preisannah-

gliedsstaaten mit mehr Nachdruck angehen.

21.02.2018 | Berlin | Gemeinsame

Mit Kristina Haverkamp, Geschäfts-

Sitzung Bahntechnologie und

men ab: Wie hoch sind die unterstellten
Stromnetzausbaukosten oder Speicher-

Auto als Lebensraum

Schienenverkehr mit den jeweiligen

kosten? Für schwere Nutzfahrzeuge wären

Wie könnte die Zukunft zwischen Mensch

Vorsitzenden Michael Peter, Co-CEO

eFuels in jedem Fall notwendig. Die dafür

und Automobil aussehen? Damit beschäf-

Mobility, Siemens AG und Ronald

benötigten Mengen könnten im Wesent-

tigte sich Alexander Mankowsky, Leiter

Pofalla, Vorstand Infrastruktur Deutsche

lichen nur aus Importen gedeckt werden.

Zukunftsstudien und Ideation, Daimler AG.

Bahn AG sowie weiteren Gästen.

Mankowsky ging auf die zukünftige Entforumverkehr Ausgabe 7_2017 5

DVF-STANDPUNKT: PERSONENVERKEHR

Politikspiegel

DVF-UMFRAGE ZUR INTERMODALITÄT

Jung und flexibel: Vorreiter beim
Kombinieren von Verkehrsmitteln

Nationales Dieselforum

Die Arbeitsgruppe 2 des Dieselgipfels
hat am 8. November unter Mitwirkung
des DVF getagt. 79 Kommunen hatten

Verglichen mit den Zahlen der DVF-Umfrage von 2012 nimmt die Nutzung
mehrerer Verkehrsmittel auf einem Weg (Intermodalität) bei den Bürgern zu.
So kombinierten 2012 lediglich 4 % der jungen Generation unter 29 Jahren
täglich den ÖPNV mit dem Auto. Heute sind es bereits 18 %. Auch im Vergleich mit dem Durchschnitt sind junge Menschen deutlich intermodaler.

bis zum 30. September 2017 ihre
Skizzen für Maßnahmenpakete eingereicht. Die Kostenschätzungen, um
die jeweiligen Pläne (nicht die Maßnahmen) aufzulegen, liegen zwischen
75.000 Euro bis hin zu 1 Million Euro.

»Die Zukunft der Mobilität ist vernetzt.

sern. Das gilt für Investitionen in den ÖPNV

Junge Menschen sind deutlich intermodaler

genauso wie für die Zulassung experimen-

unterwegs als ältere, auch wenn es um die

teller Mobilitätsangebote und die Verbesse-

Nutzung von neuen Mobilitätsangeboten

rung der Bedingungen für den Radverkehr

geht, wie Carsharing oder Poolingdienste«,

oder intermodale Informationsangebote.

fasst Dr. Florian Eck, Mitglied der Ge-

Die Digitalisierung wird diesen Prozess

schäftsführung des DVF, eines der Ergeb-

noch weiter unterstützen,« sagt Eck.
Foto: BMW AG

nisse der Umfrage zusammen. »Die Kombination von verschiedenen Verkehrsmitteln,

Den ÖPNV und Mobilitätsdienste kombinie-

Dabei enthalten die Skizzen zu 80 Pro-

wie Busse und Bahnen, Fahrrad, Auto und

ren 13 % der 18 bis 29-Jährigen täglich,

zent Infrastrukturmaßnahmen und zu

den neuen Mobilitätsdiensten, für einen

12 % wöchentlich (Durchschnitt. 5 % täg-

20 Prozent Elektromobilität und Digi-

Weg wird immer selbstverständlicher. Die

lich, 7 % wöchentlich). Insgesamt fahren

talisierung. Das DVF wies auf die hohe

junge Generation der 18 bis 29-Jährigen ist

11 % der jungen Leute täglich und 8 %

Relevanz der Stadt-Umland-Beziehun-

hier Vorreiter. Diese Generation nutzt dop-

wöchentlich sogar mit mehr als zwei Ver-

gen und der fehlenden Förderung zur

pelt so viel intermodale Angebote als der

kehrsmitteln auf einer Wegstrecke.

Umrüstung von dieselbetriebenen

Durchschnitt.«

Die häufigste Kombination ist das Rad mit

Schienenfahrzeugen hin.

dem ÖPNV – das kombiniert diese Alters-

Alle Maßnahmen kosten rund. 2 Mil-

Mehr in ÖPNV investieren

gruppe mit 17 % täglich, 15 % wöchent-

liarden Euro; eine deutliche Überzeich-

»Diese nachwachsende Akzeptanz von ver-

lich. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der

nung des veranschlagten Budgets von

netzter Mobilität ist ein positives Signal an

Nutzung Rad - ÖPNV liegt bei 9 % täglich

1 Milliarde Euro. Im aktuellen Jahr wer-

die Verkehrswirtschaft, dass ihre Angebote

und 9 % wöchentlich. Aber auch Auto und

den die Gelder ausschließlich in die Er-

angenommen werden. Sie ist aber auch eine

ÖPNV werden mit 18 % täglich und 12 %

stellung der Masterpläne fließen kön-

Verantwortung für Wirtschaft und Politik,

wöchentlich kombiniert. Hier ist die

nen, da zunächst neue Förderricht-

intermodale Angebote zu unterstützen, aus-

Nutzung der jungen Generation doppelt so

linien erstellt werden müssen.

zubauen und qualitativ weiter zu verbes-

hoch als beim

Sofortmaßnahmen sollen jedoch im

Durchschnitt.■

Kommunalgipfel am 28. November
2017 mit Bundeskanzlerin Angela
Merkel beschlossen werden. Das DVF

Intermodalität: Kombination von mehreren Verkehrsmitteln auf einem Weg im Alltag
(alle Bürger im Alter über 18 Jahre, Anteil in %, ■ täglich ■ wöchentlich ■ monatlich ■ seltener

warnte auch hier davor, dass vorhandene Fördertöpfe nicht kannibalisiert

Mehr als ein
Verkehrsmittel
Auto und
Mobilitätsdienste
ÖPNV und
Mobilitätsdienste
Fahrrad und ÖPNV
Auto und ÖPNV

7

5
4

6

5

3
5

18

7

6

9
7

Das geplante Kompetenznetzwerk
22

9

9

werden dürfen.

17

7

mit Mitgliedern aus dem Deutschen Institut für Urbanistik DIFU und anderen

17

5

Institutionen der Länder wie dem House

23

of Logistics and Mobility HOLM soll die
Masterpläne bündeln, den Prozess

0

5

10

15

20

25

30

35

40

45

50

begleiten und Input liefern. Eine Lotsenstelle soll bis Ende November ge-

[Quelle: DVF2017, Repräsentativbefragung durch infas im Auftrag des DVF in Deutschland,
Fallzahl=1.000 über 18 Jahre, Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren [U30]=173

6 www.verkehrsforum.de

gründet werden.
        
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