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I. Lebende und Todte Erinnerung an Eduard Laster in Amerika

Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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Zustandes täuschen möchte. Sein ganzes Wesen hatte eine 
starke Wandlung erfahren. Er war von einer beängstigen 
den Liebenswürdigkeit, Weichheit und Milde; alle Ecken und 
Kanten schienen abgestumpft und umgebogen zu sein. Er 
war mit Allem zufrieden, nie kam ein kritisches Wort über 
seine Lippen. Bon seiner früheren Schärfe war nichts mehr 
wahrzunehmen. Obgleich er von allen Reisegefährten mit 
besonderer Auszeichnung behandelt wurde, führte er, der in 
frühern Zeiten immer das Steuer des Gesprächs in der 
Hand hielt, nun nicht mehr die Unterhaltung. Er betheiligte 
sich daran in bescheidenster Weise und mit so leiser Stimme, 
das; man oft Schwierigkeit hatte, ihit zu verstehen. 
Was mir in unsern Zwiegesprächen ant Meisten auffiel, 
war seine völlige Theilnahmlosigkeit den Vorgängen gegen- 
iiber, an denen er selbst nitd oft in entscheidender Weise 
theilgenommcn hatte. Auch meine Mittheilungen über alte 
geincinsame Freunde und Bekannte schienen ihm nicht be 
sonders nahezugehen. Ich bemerkte, daß er in den Morgen 
stunden immer am Frischesten war. Ta flackerte bisweilen 
sogar die alte Flamme von früher auf. Einige Male bethei- 
ligtc er sich sogar sehr lebhaft an Erörterungen über Rechts 
fragen und dergleichen; und der frühere Gouverneur Salo- 
mon, einer der hervorragendsten Juristen New-Iorks, sagte 
mir bei einer solchen Auseinandersetzung, daß Lasker mit 
wunderbarem Scharfsinn sogleich das Richtige getroffen und 
daß er aus dieser einen Unterhaltung sich klar gemacht habe, 
wie Lasker eine so ungewöhnliche Bedeutung in unserm 
öffentlichen Leben habe gewinnen können. Aber dieses Auf 
leuchten seines Scharfsinns war doch eine vereinzelte und 
sehr seltene Erscheinung. Im Lause des Tages schien sein
        
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