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Full text: Aus der Hauptstadt / Lindau, Paul

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er zu, wenn es ihm auch oft recht schwer gemacht wurde, 
ohne vor den ernsten Kämpfen und kleinen Scheerereien 
zurückzuschrecken. 
Dohm war der Ersten einer, der die Bedeutung des 
Reichskanzlers erkannt hatte, und so schwierig es für ihn 
war, seiner tiefen Verehrung vor dem gewaltigen Manne, 
der in einer nüchternen, kleinlichen Zeit das Ruder unseres 
Staatsschiffes ergriff, gerade in einem Witzblatte Ausdruck 
zu geben, und gerade in jenen Tagen, da Bismarck sich 
rühmen durste, der verkannteste Mann in Deutschland zu 
sein, so arbeitete er doch mit der ganzen Kraft seines Geistes 
und feiner Ueberzeugung darauf hin, um dieser Auffassung 
in den weitesten Kreisen Geltung zu verschaffen. In der 
Conflictszert, als freisinnige Volksvertreter in dem Minister 
präsidenten nur den junkerhaften Heißsporn, der unsern 
Staat dem Verderben entgegentreibe, und zünftige Professoren 
der Geschichte und des Staatsrechts in ihiu nur einen po 
litischen Dilettanten erblickten und ihn als solchen unter freu 
digem Zujauchzen der bethörten Landsleute und unter dem 
Ausdruck der hämischen Freude des Auslandes öffentlich 
lästern dursten, trat der freisinnige und deutschgesinnte Dohm 
im „Kladderadatsch" mit einer Entschlossenheit, die Hoch 
achtung forderte und auch feine erbitterten Gegner min 
destens zum Nachdenken aufforderte, auf die Seite des all 
seitig Geschmähten. Wie ist ihm dies damals verdacht 
worden! Welche Anfeindungen hat er zu ertragen gehabt, 
wie viel Schimpf und Schande ist aus sein Haupt gehäuft 
worden! Es versteht sich, daß auch ihm der Vorwurf der 
Bestechlichkeit nicht erspart geblieben ist. Er hat sich dagegen 
nicht zu vertheidigen brauchen.
        
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